Advent der besten ESC-Momente (14): Platz 11 – Tanz, Baby, Tanz!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 11: Intervall-Act „Riverdance“ (47 Punkte)

Ein Vierteljahrhundert ist es nun schon her, dass der Eurovision Song Contest zum dritten Mal in Folge von Irland gewonnen werden konnte. Bis heute ist das ESC-Rekord. Zudem gewann damals zum ersten Mal ein Beitrag, der ohne Orchester vorgetragen wurde. Der irische Beitrag „Rock’n Roll Kids„, bei dem sich die Musiker Paul Harrington & Charlie McGettigan selbst am Klavier und der Gitarre begleiteten, holte dabei stolze 226 Punkte von den Jurys. Satte 60 Punkte lagen sie damit vor der bis heute bei ESC-Fans sehr beliebten Edyta Górniak aus Polen, welches neben Estland (erstmals im Finale), Litauen, Rumänien (erstmals im Finale), Russland, der Slowakei (erstmals im Finale) und Ungarn zum ersten Mal beim ESC dabei war. In diesem Jahr konnten die Iren übrigens in der „The Late Late Show“ einer beeindruckend schönen Version dieses Gewinnerbeitrages von Paul Harrington, Ryan O’Shaughnessy, Niamh Farrell und Ruth-Anne lauschen. Auch war der ESC 1994 der erste, bei dem die jeweiligen Jurysprecher über Satellit übertragen wurden und damit im Fernsehen zu sehen waren.

Direkt vor der Bekanntgabe der Jurywertungen geschah – und man kann es im Grunde nur in Superlativen schreiben – Historisches:

Riverdance wurde als Intervall-Act aufgeführt.

Schon 13 Jahre zuvor, als Bucks Fizz und Lena Valaitis 1981 in Dublin um den Sieg kämpften, führten Planxty und das Dublin City Ballet den Intervall-Act „Timedance“ auf. Bill Whelan und Dónal Lunny komponierten dieses von traditioneller irischer Musik geprägte Pausenprogramm. 1987 trat Bill Whelan erneut in den ESC-Kosmos, als er Johnny Logans „Hold me now“ arrangierte. Fünf Jahre später produzierte Bill Whelan das von Andy Irvine (ein Mitglied der irischen Folk-Band Planxty) aufgenommene Album „EastWind„. Auf diesem Album verschmelzen irische und balkanische Volksmusik miteinander, was wiederum Bill Whelan musikalisch inspirierte.

Als er 1994 für das Pausenprogramm zum Eurovision Song Contest angefragt wurde, komponierte er „Riverdance“. Für den tänzerischen Part wurde der amerikanische Tänzer und ehemalige Weltmeister im Irish Dance Michael Flatley beauftragt, der beim Auftritt auch den männlichen Hauptpart übernahm. Moya Doherty, die Produzentin des ESC 1994, die unbedingt ein modernes Bild des traditionellen irischen Stepptanzes zeigen wollte, legte fest, dass Jean Butler den weiblichen Hauptpart übernehmen sollte.

Normalerweise liefen die Intervall-Acts bei uns zuhause eher im Hintergrund, während man sich über die einzelnen Beiträge unterhielt, selbst erstellte Punkte austauschte oder sich einfach über das Essen hermachte. Doch schon als der keltische Gesang der irischen Gruppe Anúna einsetzte, wandten sich alle dem Fernseher zu und es wurde mucksmäuschenstill. Jeder verfolgte gebannt die Stepptänze von Jean Butler und Michael Flatley und lauschte den irischen Klängen. Nach und nach steigerte sich der Auftritt, immer mehr Tänzer betraten die Bühne für ein fulminantes Finale. Tosender Applaus, Jubelstürme und Standing Ovations in der mit 4.000 Personen besetzten Halle – offene Münder und Begeisterung auch vor unserem heimischen Fernseher. Plötzlich schien es fast egal, wer den Wettbewerb nun eigentlich gewinnen würde.

Nach dem Wettbewerb wurde das Lied „Riverdance“ veröffentlicht und hielt sich unglaubliche 18 Wochen lang auf Platz 1 der irischen Charts – die längste Zeit, die ein Lied je die irischen Verkaufscharts angeführt hat. Von der Begeisterung und dem Erfolg angestachelt, investierten Moya Doherty und John McColgan eine Million US-Dollar für die Produktion einer Show in voller Länge, die seit Februar 1995 und bis zum heutigen Tag weltweit und mit großem Erfolg aufgeführt wird.

Neben traditionellen irischen Stücken enthält „Riverdance – The Show“ auch Elemete des spanischen Flamenco, des amerikanischen Stepptanz sowie osteuropäische Tänze.

Wer noch etwas mehr über die Hintergründe zum Intervall-Act Riverdance erfahren möchte, dem sei noch diese irische Reportage zu empfehlen:

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytale“ (42 Punkte)
Platz 12: Lill Lindfors – Moderation 1985 (44 Punkte)



29 Kommentare

  1. Großes Kompliment für den tollen Adventskalender, (noch dazu einer, der sich nicht um die Hüften legt, lol).
    Zu Riverdance gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen – Gänsehaut!!!

  2. Das ist auch eines meiner Highlights of all time. Riverdance stellte damals fast den ganzen Rest der Show in den Schatten, bei der dann aus einer Fülle großartiger Beiträge, das schnarchige “Rock n Roll Kids” gewann. 1994 gehört bis heute zu meinen Lieblingsjahrgängen.

  3. Bin etwas erstaunt – das schien mir immer eher was für die Zielgruppe 60+/Carmen Nebel Show?! To each his own – macht weiter viel Spaß, die Türen aufzumachen – danke!

    • Also ich bin weder 60+ noch schaue ich mir sonst Stepptanz oder ähnliches an… Aber der damalige Auftritt von Riverdance hat(te) mich total geflasht.

      Es gibt in fast allen musikalischen Bereichen herausragende und tolle Beiträge/Momente. 😉

      • Ja, gehört auf jeden Fall zu den coolsten Intervall-Acts in der ESC-Geschichte.

        Musikalisch dagegen verstehe ich nicht wie Irland mit dieser schnarchigen Nummer der Marke „Früher war alles so viel schöner“ gewinnen konnte. Dabei gab es in dem Jahr mit Ungarn, Polen oder auch Portugal wirklich tolle Nummern die es mehr verdient hätten.

        Muss aber allgemein gestehen dass ich von den irischen Siegertiteln nur die beiden von Johnny Logan gesungenen mag, die in den Neunizigern fand ich alle ziemlich mies ehrlich gesagt, neben 1994 verstehe ich besonders den Sieg dieser Sängerin im Nachthemd 1996 nicht.

  4. Ja, Riverdance hat damals eingeschlagen wie eine Bombe, aber meine 1994 Highlights sind andere. Ich muss Euch gleich enttäuschen; jetzt kommt nicht die schreiende Edyta:

    1. Der wundervoll stilsichere Siegertitel
    2. Das großartige ungarische Debut. Schade dass Friderika später als evangelikales Goldkehlchen Karriere gemacht hat …
    3. Das Meisterwerk aus Zypern, das sich auch heute noch in meinen Allzeit-Top 10 tummelt

    • 1 Match! Zypern ist mein Jahressieger 1994. <3

      Von den 90s Contests gewinnt Zypern bei mir sogar ganze drei: 1994, 1995 und 1997.
      In den 00ern schaffte es dann Russland auf die drei: 2000, 2001 und 2003.

      In allen anderen Jahrzehnten schaffen es Länder auf höchstens zwei Siege.

      • In den 90ern habe ich Zypern1994 als klaren Sieger. 1992 ist es ein ständiger Wechsel zwischen Zypern, Italien und Frankreich, und für 1995 habe ich eine Doppelspitze, die aus Dänemark und Zypern besteht.

        Die größte Auffälligkeit bei mir ist, dass es zwei Länder nach 2000 geschafft haben, 2 Veranstaltungen in Folge zu gewinnen: Serbien 2007 + 2008 und die Niederlande 2013 + 2014.

    • Ungarn 1994 höre ich heute noch sehr gern. Sehr schöne Nummer!
      Habe mal gehört, dass die Iren absichtlich so eine Schnarchnummer ausgewählt haben, in der Hoffnung, dass sie nicht schon wieder gewinnen. Ging ja wohl voll nach hinten los.

      • Ich verstehe gar nicht, was man an IRL94 schnarchig finden kann. Das ist solch eine schöne melancholische Melodie, die auf jeglichen Bombast und Schmalz in der Orchestrierung verzichtet. Für mich ist das eine klare 12/12. 🙂

    • Mein Gewinner von ’94 ist eindeutig Bosnien & Herzegowina noch vor Finnland. Bis dato der letzte Doppelsieg eines Landes in meiner Liste (Bosnien war auch schon 1993 mein Gewinner). Ostani kraj mene schließt einfach perfekt an Sva bol svijeta an. Herzzerreißend!
      Ansonsten war noch Riverdance glasklarer Gänsehautmoment, mehr kann man dazu nicht sagen. Wenn alle auf einmal anfangen zu tanzen und die Musik ihren Höhepunkt erreicht…das ist wirklich was Besonderes.

      Ansonsten, Togravus,überlasse ich Dir gerne Rock’n’Roll Kids, kann damit ebenfalls nichts anfangen. 😉 Aber noch weniger mit Edytas Horrorauftritt, ich glaube, der landete bei mir auf dem letzten oder vorletzten Platz.
      @porsteinn bei mir ist es (Überraschung) Bosnien & Herzegowina, denn unser aller gelibter Dino Merlin ist ebenfalls mein Gewinner in 1999. 😀 Wenn man 2001 noch hinzuzählt, hat das Land in nur 9 Jahren insgesamt 4 Siege bei mir eingefahren; dazu kommen noch einige Top 10-Platzierungen (ja, fast irische Verhältnisse). Schade, dass es mit Bosnien ab 2006 dann abwärts ging…

  5. Und über den deutschen Sisters auf Partydroge-Act breiten wir besser den Mantel des Schweigens. Der ist gar nicht gut gealtert, aber das ist ja meist so, wenn Drogen im Spiel sind …

  6. Riverdance war wirklich beeindruckend, eines der wenigen Highlights dieses Jahrgangs. Was nach dieser Pausendarbietung kam, hat mich weniger gefreut: Mein Liebling „Lonely Symphony“ landete für damalige britische Verhältnisse mit Platz 10 recht weit hinten (sonst wurden die ja mit allem Zweiter), und abgesehen vom deutschen Beitrag fand ich die Top 5 furchtbar.

    @togravus ceterum: Wie kann ein Musikstück „schlecht altern“?

      • Du hast natürlich recht, das Lied bräuchte dringend einen frischen Remix und sollte dann noch mal veröffentlicht werden! Wäre eigentlich ideal für Florian Silbereisen und seine beiden Klubbb3 Kumpels…

      • Das kann aber nur bedeuten, dass es auf Dich persönlich inzwischen peinlich wirkt (falls Du es nicht damals schon peinlich fandest). Oder Du besitzt tatsächlich die Fähigkeit, für den „allgemeinen Zeitgeschmack“ sprechen zu können …

        In beiden Fällen hat sich aber nicht das Stück geändert (oder ist schlecht gealtert), sondern der Geschmack.

        So, jetzt kann ich den erhobenen Zeigefinger wieder runter nehmen 😉

      • Es ist doch klar, dass alles, was wir hier schreiben, immer nur die persönliche Meinung repräsentiert. Es ist ja keiner von uns ein ESC- oder Musikpapst …

  7. @togravus ceterum

    Peace! So schlecht fand ich IRL 94 gar nicht. Die beiden Herren fand ich ganz sympathisch. Ich habe bloss irgendwo gehört (oder gelesen), dass die Iren selbst wohl ein wenig enttäuscht darüber waren, dass sie schon wieder gewonnen haben. Haben wohl nicht damit gerechnet, dass die beiden Herrschaften auch derartigen Erfolg haben könnten. Kann ich mir schon vorstellen, wenn man bedenkt, dass Irland gerade in den 90er Jahren nicht gerade zu den reichsten Ländern gehört hat. So ein ESC ist schliesslich teuer.

  8. Man muss wohl dabei gewesen sein. Ich war es nicht, war doch der ESC gerade in den Jahren vor Guildo Horn nicht präsent.

    Zum Thema: Riverdance ist für mich persönlich heute noch ein unerträgliches Rumgehüpfe für eine andere Zielgruppe als mich. Im zeitlichen Kontext sicher sensationell, und daher ob seines langfristigen Einflusses nicht hoch genug einzuschätzen.

    Daher bin ich mal gnädig und reihe es neben den Flashmob von und mit Madcon ein, aber der kommt sicher noch :-).

  9. Riverdance ist der bester Intervall-Act mit „Peace Peace Love Love“!

    Genau wie 1981 oder 2009 hätte ich es den zweitplazierten mehr gegönnt als den Sieger!

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