Advent der besten ESC-Momente (13): Platz 12 – das bekannteste Trickkleid des ESC

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 12: Lill Lindfors – Moderation des ESC 1985 (44 Punkte)

Einen Eurovision Song Contest zu moderieren ist gar nicht mal so einfach. Und während bis 1978 meist nur einzelne Moderatoren durch den Song Contest führten und sich oftmals unfreiwillig komisch durch das Punkte-Wirr-Warr der Juroren kämpften, durften sich bis zum Jahr 2010 meist zwei Moderatoren die Arbeit aufteilen. Heute sind meist schon vier Moderatoren im Einsatz, was auch nicht immer besser funktioniert.

Mitte der 80er – genau gesagt im Jahr 1985 – wurde die finnisch-schwedische Sängerin, Komikerin und Moderatorin Lill Lindfors als Moderatorin für den Eurovision Song Contest in Göteborg gewonnen.

Die damals 44-jährige Lill Lindfors, die schon in den 60er-Jahren erste Erfolge in verschiedenen Theaterstücken und Musicals in Schweden feierte und in Norwegen, Schweden und Dänemark eigene TV-Shows moderierte, trat beim ESC das erste mal 1966 in Erscheinung. Mit Svante Thuresson sang sie für Schweden das jazzige Duett „Nygammal vals“ und erreichte einen tollen zweiten Platz hinter Udo Jürgens‘ „Merci Cherie“. Der etwas skurrile Text über eine Prinzessin, die für einen Tag ihr Leben mit dem eines Schäfers tauschen möchte, sorgte in Schweden für Aufsehen, der Beitrag ist in Schweden jedoch auch heute immer noch zu hören und wurde oft gecovert.

Im selben Jahr versuchte Lill auch in Deutschland Fuß zu fassen und nahm an den Deutschen Schlager-Festspielen teil, bei denen sie mit dem Lied „Es könnte Liebe sein“ immerhin Fünfte wurde. Trotz der damals vorhanden Vorliebe für skandinavische Sängerinnen, hatte Lill allerdings keinen kommerziellen Erfolg in Deutschland.

1975 und 1976 erreichten ihre beiden Alben „Fritt Framm“ und „En sång att ta hem“ jeweils die schwedischen Charts, 1978 gelang Lindfors mit dem Album „Du är det varmaste jag har“ mit einem zweiten Platz ihr größter Charterfolg in Schweden. Zahlreiche weitere Alben folgten, die sich allesamt in den schwedischen Verkaufscharts platzieren konnten.

1985 dann aber ihr großer Auftritt als Moderatorin beim Eurovision Song Contest. Locker und entspannt sang sie die Eröffnungsnummer „My Joy Is Building Bricks of Music“, plauderte sich launig durch ihre Moderationen und brachte auch beim kurzen Interview mit den damaligen Siegern Bobbysocks das Publikum zum Lachen. Legendär wurde allerdings besonders der Moment, als sie anscheinend an einem Bühnengeländer hängen blieb und ihr so vor laufender Kamera der untere Teil ihres Kleides abriss. Kurzzeitig wirkte sie überrascht, löste dann aber ihr Oberteil und entfaltete daraus einen Rock. Durch zahlreiche ESC-Rückblicke wurde dieser Kleidertrick, der natürlich keineswegs spontan, sondern heimlich einstudiert war, zum wohl bekanntesten Trickkleid des Eurovision Song Contest – auch wenn die EBU mit diesem Trick anfangs nicht ganz so glücklich war.

Wer möchte, kann sich hier übrigens nochmal den kompletten ESC 1985 anschauen:

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytales“ (42 Punkte)

 



30 Kommentare

  1. Kann mich noch gut an die Show erinnern. Lill Lindfors fand ich auch sehr sympathisch, habe sie lustig, aber trotzdem sachlich und nicht so überdreht in Erinnerung, wie heute manche Moderation. Die ganze Show war aber auch klasse, meiner Meinung nach. Ich fand aber jeden ESC damals sensationell, allein weil es der ESC war. Als halbes Kind war ich wohl noch unkritischer als heute, und habe mich einfach, wie ein Schnitzel, auf diesen Abend gefreut.

  2. Fast wie in der kindheit)) man freut sich jeden morgen auf das öffnen des türchens.
    Tja, 1985 war der anfang meiner sturm und drangzeit und der esc hat mich für viele jahre nicht mehr interessiert. Im nachhinein war das für mich die beste moderation aller zeiten. Wie lill lindfors das locker légere moderiert hat,der „spontane“kleidertrick und ihre typisch schwedisch symphatischen art………das war einfach sensationell

  3. Wie kommt den die Punktzahl für das Ranking zustande und wieviele User haben sich am der Aktion beteiligt? Ich war sicherlich der Einzige, der nicht mitgemacht hat.

    • Es haben immerhin 65 Personen mitgemacht (so ein offenes Ranking ist ja auch nicht ganz so einfach) und bis zu 10 ESC-Momente als Ranking abgegeben. Diese wurden, wie oben erwähnt, nach dem bekannten ESC-Schema bepunktet.

      Im Moment liegen die ESC-Momente punktetechnisch noch eng beisammen, das ändert sich aber bei den höheren Platzierungen.

  4. 1968 war Lill Lindfors übrigens auch im deutschen Kino zu bewundern. In „Im Banne des Unheimlichen“ durfte sie ein Mordopfer spielen und den Titelsong singen.

  5. Immer wenn ich alte ESC-Ausgaben sehe, werde ich ganz nostalgisch, weil der ESC seit einigen Jahren so schrecklich gekünstelt und überdreht ist. Und jedes Jahr der exakt gleiche Ablauf. *GÄÄÄÄÄHHHHHHN*

    Früher war alles besser. LOL

    • @togravus ceterum: Ich kann die Nostalgie und die Überkünstelungs- und Überdrehungskritik ganz gut nachvollziehen; den Satz „Früher war VIELES besser“ meine ich daher höchstens halb-ironisch. Ach übrigens, „früher“ ist für mich die Zeit VOR Atlantis 2000 😉

  6. Während man bei den niedrigeren Türchen meistens noch das Gefühl hatte, dass diese Abstimmung als Abstimmung zum liebsten Song missbraucht wurde, haben wir hier einen tatsächlichen „Moment“ wie ich ihn mir eigentlich hinter jedem Türchen erhofft hatte.

    Zu diesem Moment:
    Von mir kamen ebenfalls – ich glaube – 7 Punkte und er gehört auch zu den legendärsten Momenten der ESC – Geschichte, vor Allem auch, weil 1985 stattfand und nicht 2019. Heutzutage wäre es nur eine von vielen Blödeleien eines Moderatoren. Damals war es ja – im Vergleich zu Heute – eher eine Rarität, dass so etwas passiert

  7. @Matty & Porsteinn
    Ich war auch nicht dabei, habe auch ein etwas schlechtes Gewissen, aber momentan wegen einem gewissen Fest und diversen Kindern alle Hände voll zu tun (weshalb für mich auch beim Lesergame mehr als freudiges Mitlesen leider nicht drin ist).

    Ein schöner Moment für mich, der aber nicht ganz ins Schema passt, war als ich bei einem Familienausflug im VW-Bus eine Cassette mit alten Grand Prix Songs laufen hatte und der irische Beitrag von 1965 („Walking the Streets in the Rain“ von Butch Moore – eine wunderbar schmalzige Kreuzung aus Skeeter Davis‘ The End of the World und Boettchers Winnetou-Thema) meine Eltern spontan zum gemeinsamen Mitsummen brachte.
    Ich weiss nicht mal, ob ihnen der Song überhaupt viel bedeutete (meinen Vater könnte ich noch fragen), aber das ist auch nicht so wichtig, denn manchmal gibt es eben solche Momente, in denen sich die Situation und Musik dermaßen episch ergänzen, dass man vom entsprechenden Song für immer daran erinnert wird.

  8. So war es bei mir als Johnny Logan mit Hold me now gewann, ich kannte den ESC schon etwas von den Vorentscheiden und von hinterm Sessel anschleichen und heimlich mitgucken, aber an dem Abend mit Johnny war ich zum erstenmal vollwertiger Zuschauer und wusste dieses TV Event wird etwas ganz Grosses für mich. Vorahnung. Deswegen zweiter Platz bei meinen ESC Momenten.

  9. Ist Euch auch schon aufgefallen, dass im oben verlinkten Video der norwegische Beitrag in beiden Auftritten ohne Ton ist? Anyway – ein schöner Contest mit der Erkenntnis, dass Romina nicht singen kann, die Mikrofonwanderung der Tänzerin (türkisfarbenes Kleid) im israelischen Beitrag wirklich sehr witzig ist, Adelaide immer noch auf der Bühne sitzt und Sonja Lumme m.E. einen der besten finnischen Beiträge darbietet. Und natürlich diese entspannte und wahrhaftig talentierte Lill Lindfors ganz großartig durch den Abend führte.

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