Advent der besten ESC-Momente (9): Platz 16 – He-lo e loi-la für das Publikum

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen.
Bis Heiligabend!

 

Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)

Dass das Ergebnis eines Juryvotings ein anderes ist als das des Zuschauervotings liegt auf der Hand. Jurys sind angehalten auf musikalische Qualität zu achten, der Zuschauer wählt einfach das, was ihm gefällt. Ebenfalls unterschiedlich ist dabei aber auch das Prozedere: Während die lediglich fünf Jurymitglieder jedes Landes alle Titel ranken müssen und ihre Ergebnisse nach dem Wettbewerb allesamt veröffentlicht werden, können die anonymen Zuschauer insgesamt bis zu 20 Stimmen auf alle Beiträge verteilen. Und über allem schwebt zudem noch der Umstand, dass Jurys und Zuschauer jeweils andere Auftritte bewerten (die Jurys bewerten die Auftritte bei der Generalprobe am Abend vor der Liveshow). Unterschiedliche Ergebnisse liegen also aus mehreren Gründen in der Natur der Sache.

Dass die jeweiligen Votings bei den Favoriten aber so weit auseinanderlagen wie in diesem Jahr, trieb die Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Jurywertungen auf ein neues Level (die nachträglich aufgedeckten Fehler einzelner Jurys sogar mal außen vor gelassen).

ESC 2019 Norwegen Sieger Publikumsvoting KEiiNO

Während die knappe Gewinnerin der Jurys, Tamara Todevska aus Nordmazedonien, bei den Zuschauern mit 58 Punkten auf dem 12. Rang landete, sollte der (dank der neuen Reihenfolge der Punktevergabe unspektakulär bekanntgegebene) Gewinner der Zuschauer sogar nur auf Platz 18 bei den Jurys liegen. Norwegen erhielt von den Jurys nur insgesamt 40 Punkte, das Publikum vergab jedoch 291 Punkte (!) – und damit sogar stolze 30 Punkte mehr als an den späteren Gesamtsieger Duncan Laurence aus den Niederlanden. Das sorgte für Jubelstürme bei der Delegation und beim Publikum im Saal, obwohl zu dem Zeitpunkt noch niemand wusste, dass diese Punktzahl den Sieg beim Zuschauervoting bedeutete. Die neue Reihenfolge der Vergabe der Zuschauerpunkte soll spannender sein, nun aber kann das Publikum, im Gegensatz zu den Vorjahren, kaum noch einschätzen, was die vergebenen Punkte im Verhältnis eigentlich bedeuten (eine Punktevergabe nach altem System findet ihr hier).

Norwegen, eines der Länder, die bis Mitte der 80er Jahre zu den erfolglosesten Ländern beim ESC gehörte, hatte sich am 2. März im heimischen Vorentscheidsformat Melodi Grand Prix mit 58,8 Prozent im sogenannten Goldfinale für die Popgruppe KEiiNO entschieden. KEiiNO selbst wurde erst im August 2018 in Oslo direkt für den Melodi Grand Prix 2019 gegründet. Ihre Mitglieder sind der Joik-Sänger und Rapper Fred Buljo, die Sängerin Alexandra Rotan und der Sänger Tom Hugo Hermansen, der auch Initiator der Band war. Ihr Lied „Spirit in the sky“, das von den Gruppenmitgliedern selbst sowie dem Finnen Henrik Tala und Alex Olsson (Ehemann von Sänger Tom Hugo Hermansen) geschrieben wurde, ist vom Kampf für Gleichberechtigung unabhängig von Ethnizität, Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität inspiriert.

Tom Hugo Hermansen trat bereits beim Melodi Grand Prix 2013 und 2018 als Soloartist an, wo er es jeweils nicht schaffte, in die nächste Runde vorzurücken. Der samische Musiker, Joiker und Produzent Fred Buljo ist Mitglied des norwegisch-samischen Rapduos Duolva Duottar, mit dem er 2008 das norwegische Pendant zur Castingshow Das Supertalent gewann. Er saß zudem von 2013 bis 2017 als Abgeordneter der Partei Árja im Sameting, dem Parlament der samischen Minderheit in Norwegen. Sängerin Alexandra Rotan war als Sängerin bei Alan Walkers Europatournee tätig, trat gemeinsam mit Stella Mwangi beim Melodi Grand Prix 2018 an und erreichte dort den dritten Platz.

Etwas überraschend für eine Band von jeweils eigenständigen Musikern, die lediglich für den Eurovision Song Contest gegründet wurde, veröffentlicht KEiiNO weiterhin noch fleißig Musik. Neben den Coversongs „Shallow“, „Only Teardrops“ und „Vill ha dig„, auf die wir schon hier hingewiesen haben, erschien direkt nach dem ESC die Single „Praying“ und Ende Oktober der Titel „Dancing in the Smoke“, der stilistisch direkt an „Spirit in the sky“ anschließt.

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)


13 Kommentare

  1. Entweder die Musik gefällt einem oder eher weniger bzw. gar nicht. Die „Qualität“ empfindet doch jeder anders, auch Juries tun das, meiner Meinung nach. Sind ja auch nur Menschen.
    Ich war ja früher auch eher dafür, dass wieder Juries eingeführt wurden, habe mir mehr Gerechtigkeit versprochen. Aber mittlerweile sehe ich das auch kritischer, vor allem, weil sie, wie oben ja sehr richtig geschrieben, zwei völlig unterschiedliche Auftritte bewerten. Meinetwegen können sie die Juries wieder abschaffen, gäbe weniger „Kuddelmuddel“ bei der Wertung.

    „Spirit in The Sky“ ist klaase und ich war echt positiv überrasch, dass Keiino an die Spitze gewertet wurden.

  2. Die Trommler waren es ! 😉 ist mir jetzt erst aufgefallen, dass da eine Reihe von Trommlern auf die Vorderbuehne zogen und den Auftritt und die Bühnenpräsenz abrundeten. Die Anzahl der sonst üblichen 6 Akteure auf der Bühne würde bei weitem überschritten.
    Ansonsten toller Song und Auftritt.

  3. Muss gestehen dass mich der Televote-Sieg von Norwegen immer noch so ratlos macht wie der dritte Platz von Polen bei den Zuschauern 2016. Für mich klang der Song von Keiino wie eine nicht veröffentlichte Nachfolgesingle von „Spirit Of The Hawk“ von Rednex, also ein ziemlich altbackener und trashiger Euro-Schlager der schlimmsten Sorte.

    Ich hoffe nur ich werde für diesen Kommentar nicht gesteinigt. 🙁

      • Wir sind uns ja einig. Ich finde NOR19 auch ganz furchtbar. Das Genörgel bezog sich nicht auf Dich, sondern auf mich. Ich bin gerade in einer ESC-Kompakt themenbedingten Nörgelphase. Also schreibe ich nur noch *nörgelnörgelnörgel*, damit ich den anderen hier nicht mit meinem inhaltlichen Genörgel auf die Nerven gehe. 🙂

  4. Nun ja … wie wir ja wissen, hat auch Fast Food Music ihren Platz und ihre Zeit. Ich kann mich für sowas durchaus auch erwärmen, aber trotzdem ist es nach Schema F zusammenproduzierte Fast Food Music, der ich eine tiefere Qualität resp. Botschaft nicht so recht abzukaufen vermag (wobei ich die drei an sich schon echt knuffig finde).

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