Advent der besten ESC-Momente (18): Platz 7 – …und jetzt alle mitmachen!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 7: Intervall-Act 2010 – Madcon „Glow“ (74 Punkte)

Das muss man neidlos anerkennen: Die Skandinavier – in diesem Fall die Norweger – haben es schon drauf, einen technisch professionellen und trotzdem liebevollen Eurovision Song Contest auszurichten.

Nach der bombastischen Materialschlacht und dem bis dato teuersten ESC im Vorjahr, der aber irgendwie etwas steif und steril wirkte, punktete Norwegen 2010 mit einer reduzierteren Bühne, drei in ihrer Unterschiedlichkeit harmonierend-lockeren Moderatoren und jeder Menge Liebe zum Detail. Das Motto „Share the Moment“ floss nicht nur in die Bildsprache der Show ein, sondern uferte auch in vielen kleinen Ideen und Programmpunkten. So wurden zum Beispiel während der Show immer wieder Bilder aus Wohnzimmern in ganz Europa gezeigt, in denen Fans dabei zu sehen waren, wie sie den Wettbewerb zusammen verfolgten. Auch wurde der Moment eines jeden Teilnehmers eingefangen, bevor er auf die Bühne ging, was zu vielen kurzen und sympathischen Eindrücken führte.

Doch besonders der Intervall-Act im Finale sorgte für Gänsehaut-Momente am laufenden Band und zeigte, dass eine gut umgesetzte Idee meist viel mehr Eindruck hinterlässt, als ein teuer eingekaufter Act (oder hättet ihr ad hoc noch gewusst, welcher Pausenfüller in Moskau 2009 zu sehen war?).

Die Idee war, einen Eurovision-Flashmob zu veranstalten. Flashmobs sind eigentlich kurze, scheinbar spontane Aktionen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen. Nach den Aktionen gehen die Teilnehmer wieder auseinander als wäre nichts gewesen. Dies ist natürlich im Rahmen des ESC so nicht umsetzbar, aber in Verbindung mit dem Jahresmotto „Share the Moment“ riefen die Verantwortlichen im Vorfeld in verschiedenen europäischen Ländern dazu auf, sich an öffentlichen Orten zu einem gemeinsamen „Eurovision-Tanz“ zu versammeln. Die Choreographie der Tanzbewegungen wurde zuvor in Lehrvideos online gestellt und vor Ort den Interessierten beigebracht. In Deutschland fand der initiierte Flashmob in Düsseldorf statt, lustigerweise auch die Ausrichterstadt des folgenden Song Contests (wart ihr dabei und findet Euch vielleicht sogar auf dem obigen Video wieder?).

Madcon, ein norwegisches Pop-Rap Duo, das zuvor schon einige Hits in Europa (vor allem in Norwegen) hatte, steuerte hierfür das Lied „Glow“ bei.

Am Finalabend wurden die so zuvor angefertigten Filmaufnahmen dann mit Livebildern vom Auftritt von Madcon in der Halle zusammengeschnitten. Dabei nutzten die Verantwortlichen Aufnahmen aus Spanien, Island, Slowenien, Schweden, Litauen, Großbritannien, Deutschland, Irland, Norwegen und sogar von der Nordsee, aber auch in die zuvor schon angesprochenen Wohnzimmer vieler Länder und in den Greenroom schaltete der Sender zeitweise. Für die Macher waren natürlich die unberechenbaren Livebilder aus der Halle und die eingespielten Livebilder von der Hamburger Reeperbahn besonders spannend, wie man im obigen Video sehen kann.

„Glow“ wurde anschließend zu einem europaweiten Erfolg und sollte Madcons bis heute größter Charterfolg werden. Allein in Norwegen erhielten sie damit Zehnfachplatin (!), auch in Deutschland konnte sich der Titel über ein Jahr in den Verkaufscharts halten.

Eine gute Idee, fantastisch umgesetzt: Nach Riverdance im Jahre 1994 ein weiterer Beweis, dass auch ein Intervall-Act beim Eurovision Song Contest nicht nur für Gänsehautmomente sorgen kann, sondern anschließend ein großer (europäischer) Erfolg sein kann.

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytale“ (42 Punkte)
Platz 12: Lill Lindfors – Moderation 1985 (44 Punkte)
Platz 11: Interval-Act „Riverdance“ (47 Punkte)
Platz 10: Guildo Horn „Guildo hat euch lieb“ (54 Punkte)
Platz 9: Nicole „Ein bisschen Frieden“ (55 Punkte)
Platz 8: Marija Šerifović „Molitva“ (62 Punkte)


24 Kommentare

  1. Ich erwähnte es schon, aber ich habe statt „I’m a, I’m a“ immer „Lena, Lena“ gehört. Was den Intervall Act noch fantastischer gemacht hat!

  2. Das war echt ein toller Intervall-Act! Den Song höre ich immer noch sehr gerne. Der ESC in Oslo war sowieso eine professionell und gleichzeitig liebevoll organisierte Show. Nur eins hat mir ein bisschen gefehlt: Ich hätte gerne ein paar Bilder aus Norwegen gesehen, z. B. in den Postkarten. Das war zwar eine nette Idee mit den fahnenschwenkenden Fans aus den einzelnen Ländern, aber es hat mir doch ein wenig der Bezug zum Gastgeber gefehlt. War vielleicht aber auch so gewollt, um mehr die teilnehmenden Länder in den Vorgergrund zu stellen. Was natürlich auch wieder sehr sympathisch wirkt.

  3. „oder hättet ihr ad hoc noch gewusst, welcher Pausenfüller in Moskau 2009 zu sehen war?“ Natürlich weiß man das! Das war doch auch ein toller Intervall Act, besser als Jan Delay allemal! Immer dieses Russland-Bashing hier! Irgendwann wird es nur noch nervig. Da gab es durchaus schlimmere Intervall Acts in der näheren Vergangenheit, die man hätte erwähnen können.

    • Das war eben der ESC unmittelbar davor und deshalb schon naheliegend als Vergleich (im Gegensatz zu Ddorf ein Jahr später, an das viele deutsche Fans aus offensichtlichen Gründen sicherlich Erinnerungen haben). Finde ich etwas übertrieben, die Aufregung…

    • Hallo Branko,
      mir ging es gar nicht um ein Russland-bashing an dieser Stelle. Und ja, ich mochte Fuerza Bruta auch sehr. Optisch sah das extrem klasse aus. Trotzdem blieben andere Intervall-Acts mehr im Gedächtnis (und ja, Jan Delay war auch für mich völlig unverständlich).

      Den Vergleich zwischen 2009 und 2010 fand ich schon würdig zu ziehen, da diese Conteste sich eben sehr unterschieden. Aber klar… Ich hätte auch fragen können wer sich an die Pausenfüller in den Vorjahren erinnert, dann hätte es aber keinen Bezug zu der Einleitung gegeben 😉

      • An 2010 kann ich mich auch sehr gut erinnern und 2011 natürlich. Danach wird’s aber dürftig. Ich tu mich ja schon schwer mich an 2017 zu erinnern, aber dann fällt mir immer Mans ein und kanns irgendwie zusammenpuzzeln.

    • Lieber Branko, womöglich ist das einfach ein kulturelles Problem. Viele russische Beiträge werden von einigen Mitteleuropäern als zu grell, zu gewollt, zu aufgesetzt und leider gelegentlich auch als zu unaufrichtig wahrgenommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie hingegen in russischen und anderen Kulturkreisen als toll und innovativ bewertet werden. Nur: Hier liest man eben die hiesige Deutung. Ich denke nicht, dass damit Russland-Bashing beabsichtigt ist, sondern sich einfach ein gewisses Fremdeln mit der russischen Art des ESC ausdrückt.

  4. 2010 ist der einzige Intervall-Act, an den ich mich erinnere, der auf der Party meiner Eltern die Aufmerksamkeit der Anwesenden gewonnen hat. Einige Gäste haben sogar mitgemacht.

  5. Hmmm noch sechs Türchen, was steckt wohl dahinter? Wir können wohl von Lena/Salvador/Love, love, peace, peace und Conchita ausgehen – die anderen zwei??
    Schönes Konzept, Manu, danke!

    • Abba? Loreen?

      Ich finde ja, dass der schönste ESC-Moment die Erfindung der Veranstaltung ist. Ohne diesen Moment hätten wir gar keine Türchen.

      Und ich stimme Dir zu: Der ESC-Adventskalender ist eine tolle Idee. 🙂

      • Loreen war glaube ich schon – hatte auch an Joy Fleming gedacht, das war mein erster ESC. Abba kann gut sein! Und sooo selten stimmen wir ja nun nicht überein 😉 x

      • Loreen belegte im Ranking den 15. Platz. Ich denke, daß da mit Sicherheit noch folgende Ereignisse kommen:

        – Der Sieg von Lena 2010
        – Der Sieg von Conchita 2014
        – Der Sieg von Salvador Sobral 2017
        – Der Intervallact des ESC in Stockholm 2016
        – Der Auftritt von Verka 2007 in Helsinki
        – Der Sieg von Lordi 2006

      • Lordi? Da können sich dann alle schon mal auf Powergenörgel von meiner Seite einstellen …

      • Ach, Togra, Du bist ein richtiger Antiheld, kann das sein? 😀
        Naja, Powergenörgel wirds wohl von meiner auch noch geben, wenn tatsächlich noch das Jahr 2017 angesprochen wird…

      • Und da fehlt noch was ganz Grosses, auf dass wir uns bei jedem ESC wohl am meisten Freuen, war mein Platz eins bei der Abfrage ….

  6. Schöner Artikel. Im hohen Norden Europas weiß man eben, wie ESC geht. In unserem hohen Norden hält jemand die Delay-Stilblüte garantiert immer noch für bombig, so wie unser Beitrag dieses Jahr von gleicher Stelle hinter vorgehaltener Hand als verhinderter Abräumer verkauft worden wäre, hätte jemand anderes aus der VE wider Erwarten das Ticket gelöst (um dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls in Israel abzuschmieren).
    Jan Delay war seinerzeit fast schon Dauergast in ARD/NDR-Veranstaltungen, so wie sich heuer der ganze deutsche ESC-Zirkus bis in die Dunstkreise hinein aus dauergastierenden alten Besen zusammensetzt #whistleblowing. Die immergleichen Nasen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Darfst eben nur nicht in Ungnade fallen oder als der Depp mit dem schwarzen Peter übrig bleiben, dann hat sich das nämlich schlagartig erledigt.

    • Dauergastierende alte Besen gab es aber schon immer beim deutschen Vorentscheid. Aber davon abgesehen: Lass‘ uns mehr wissen, Flötenspieler…

  7. @Kowalski
    Allein diese Perle von Kommentar macht lohnenswert, dem esckompakt treu zu bleiben. Auch wenn ich selbst nur noch selten mitspiele, es macht Spaß.

    @Manu
    Der Adventskalender ist eine gute Idee. Bin schon auf das Weihnachtsgeschenk gespannt. Spekulieren will ich mal nicht. 😂🙈

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