Advent der besten ESC-Momente (23): Platz 2 – The Queen of … Europe!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 2: Conchita Wurst „Rise like a phoenix“ (203 Punkte)

Es gibt Momente beim Eurovision Song Contest, die brennen sich für ewig in das Bewusstsein eines jeden Zuschauers ein, egal wie und wo dieser sozialisiert ist. Conchita Wurst alias Tom Neuwirth schaffte einen solchen Moment. Ein Moment, zu dem wohl jeder eine Meinung hat. Ein Moment, der 2014 viele bewegt hat. Ein Moment, der auch die eigene Grenze von Toleranz für einige überschritten hat. Und „schuld“ daran war im Grunde irgendwie nur ein Bart im Gesicht einer weiblich wirkenden Kunstfigur.

Nachdem Dana International als Transexuelle mit ihrem Lied „Diva“ und ihrer Botschaft von Respekt und Toleranz den Song Contest knapp gewonnen hatte, schien Homosexualität im Wettbewerb allgegenwärtig. Es war nichts besonderes mehr, dass seither Drags teilnahmen (wie z.B. Dänemark 2007 oder Slowenien 2002) oder Auftritte von eindeutig schwulen Teilnehmern (wie z.B. Bosnien 2004 oder Rumänien 2006) zu sehen waren. Die Stimmen der Gay-Community waren so aber nicht automatisch zu bekommen. Das oberflächliche Gefühl in vielen westlich orientierten Ländern, mittlerweile vom größten Teil der Gesellschaft zumindest respektiert zu sein, gaben den Weg frei, auch die Beiträge aus der schwulen Community fair im Vergleich zum restlichen Teilnehmerfeld zu bewerten. Der Toleranzgedanke wurde zudem oft auch von anderen Teilnehmern aufgegriffen.

Im Jahre 2011 tauchte der damals 23-jährige Tom Neuwirth in der österreichischen Sendung „Die große Chance“ als seine eigens geschaffene Kunstfigur Conchita Wurst auf. Sechs Jahre zuvor nahm er schon an der Castingshow „Starmania“ teil und erreichte das Finale, in welchem er übrigens auch den griechischen Beitrag „Everything“ von Anna Vissi vortrug. Daraufhin war er für kurze Zeit Teil der Boyband „Jetzt Anders!“, die sich aber schon bald wieder auflöste.

Wie schon in seiner Kindheit bekam er deutliche Diskriminierung zu spüren, die sich durch seine Figur der Conchita Wurst, der „Frau mit Bart“, noch verstärken sollte. Auch die Jury bei „Die große Chance“ – allen voran der deutsche Rapper Sido – hatte nicht immer lobende Worte für Conchita Wurst. Am Ende belegte Conchita im Finale einen 6. Platz. Doch schon im kommenden Jahr kehrte Conchita auf die Fernsehbühne zurück und bewarb sich bei „Österreich rockt den Song Contest“ als Teilnehmerin für den ESC in Aserbaidschan. Mit der Toleranzhymne „That’s what i am“ unterlag sie im Superfinale dem prolligen Spaßauftritt „Woki mit dem Popo“ der Trackshittaz äußerst knapp mit 49 zu 51 Prozent. Die Trackshittaz wiederum waren im Vorjahr mit dem interessanteren „Oida Taunz!“ knapp Nadine Beiler unterlegen.

Doch Conchita blieb im Gedächtnis und wurde, nachdem Österreich 2013 erneut das Finale verfehlte, von den Verantwortlichen des ORF intern ausgewählt und mit der Aufgabe betreut, unbedingt das Finale zu erreichen. Mitte März wurde dann offiziell die bondesque Ballade „Rise like a phoenix“ samt nicht komplett geglücktem Video veröffentlicht. Während sich das Lied klassisch an Divengrößen wie Shirley Bassey orientiert, fehlte dem Video diese Klasse.

In Österreich wurde Conchitas ESC-Teilnahme politisch wie auch gesellschaftlich sehr erhitzt diskutiert. Auch lehnten sämtliche Plattenfirmen Österreichs die Veröffentlichung von „Rise like a phoenix“ ab, so veröffentlichte ihn der ORF schließlich selbst. Trotz dieses Einsatzes des ORF, wurde das Potenzial von Conchita bis zuletzt allerdings massiv unterschätzt. Niemand schien ernsthaft daran zu glauben, mit einer solchen Nummer den Eurovision Song Contest gewinnen zu können.

Auch Gegenwind aus einigen anderen Ländern ließ nicht lange auf sich warten: Der polnische Politiker Jarosław Kaczyński sah in der Kunstfigur den „Verfall des modernen Europas“ (interessant, wenn man mal überlegt, wie sich Polen gerade 2014 auf der ESC-Bühne darstellte). In Russland und Weißrussland wurde zum Boykott und einem Ausstrahlungsverbot aufgerufen, in Weißrussland wurde gar von einem „Brutherd der Unzucht“ gesprochen. Bis heute benennen türkische Verantwortliche den Auftritt Conchitas als einen Grund, nicht mehr am ESC teilzunehmen. Auch der im Vorfeld zum Favoriten erklärte Aram Mp3 aus Armenien konnte sich anfangs nicht zurückhalten und nannte Conchita „nicht normal“ und „nicht passend“. Bei einer Pressekonferenz am 20. März hatte der Sänger dann davon gesprochen, es „irgendwie ertragen“ zu müssen, gemeinsam mit Wurst auf einer Bühne stehen zu müssen. Er entschuldigte sich erst medienwirksam bei Conchita, als er merkte, dass er Zuspruch für seinen Titel „Not alone“ bei den ESC-Fans einbüßte.

Selten hat jemand dann die mediale Aufmerksamkeit vor Ort so sehr genutzt wie Conchita es tat. Ihr witziges, aber dabei immer erhabenes und Toleranz vorlebendes Auftreten schien die Gay-Community wieder zu vereinen. „I dream of a world where we don’t have to talk about unnecessary things like sexuality, who you love“.

Ein unbeschreiblich würdevoller und fantastisch gesungener Auftritt auf der Kopenhagener Bühne tat sein übriges und plötzlich, nachdem sie das Finale erreicht hatte, schnellte Conchita Wurst in den Wettquoten bis auf den ersten Platz. Dem Saalpublikum schien es nur noch darum zu gehen, dass Conchita den Wettbewerb gewinnen möge. Fast ging unter, dass sich mit dem niederländischen Beitrag auch eine weitere Überraschung andeutete.

Bei der Punktevergabe wurden schließlich alle genannten Punkte für Österreich frenetisch bejubelt, Punkte für die russischen Tolmachevy Sisters wurden lautstark ausgebuht. Kati Bellowitsch, die Punktesprecherin aus Österreich sagte schließlich die österreichischen Punkte mit einem angeklebten Bart an, die Moderatoren prägten schon früh den Begriff „Queen of Austria“. Nach der 34. Wertung gaben die Moderatoren schließlich bekannt, dass die mittlerweile völlig aufgelöste Conchita den Wettbewerb tatsächlich gewonnen habe.

„This night is dedicated to everyone who believes in a future of peace and freedom. You know who you are – we are unity and we are unstoppable.“ Auch die anschließende Preisübergabe nutzte Conchita eindrucksvoll für ihre Botschaft.

„Rise like a phoenix“ wurde in der Gay-Community zur neuen Hymne und erreichte zumindest kurzzeitig in einigen Ländern die Top 10 in den Charts. Der niederländische Beitrag „Calm after the storm“ wurde kommerziell erfolgreicher und hielt sich wochenlang, teilweise monatelang in diversen europäischen Charts, was den Eindruck verstärkt, dass Österreich vor allem wegen der Person Conchita Wurst, ihrer Botschaft und aufgrund des absolut perfekten Auftrittes gewann. Seit diesem Gewinn ist Tom Neuwirths weibliches Altes Ego weltweit ein Begriff und konnte schon vor dem Bundeskanzleramt und dem EU-Parlament sprechen und singen.

Tom Neuwirth, der selbst von sich sagt, schnell von etwas gelangweilt zu sein, brauchte einige Zeit und viel Unterstützung, um sich von dem engen Korsett der Conchita Wurst zu lösen. Er hatte das Gefühl sich kreativ nicht mehr entfalten zu können und wurde laut eigenen Worten unglücklich. In diesem Jahr überraschte er viele mit der neuen, sehr viel maskuliner wirkenden Projektfigur „Wurst“ und veröffentlichte das Elektropop-Album „Truth Over Magnitude“. Im Zentrum dieser Figur stehen sehr viel kreativere und in den fetisch reichende Kostüme, wie sie auch bei der PRO 7-Sendung „Queen of Drags“ zu sehen waren.

Man darf gespannt sein, was wir noch von Tom Neuwirth alias Conchita Wurst zu sehen bekommen. Conchita Wurst wird aber für ewig ein wichtiger und sehr emotionaler ESC-Moment bleiben.

Der komplette Eurovision Song Contest 2014

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytale“ (42 Punkte)
Platz 12: Lill Lindfors – Moderation 1985 (44 Punkte)
Platz 11: Interval-Act „Riverdance“ (47 Punkte)
Platz 10: Guildo Horn „Guildo hat euch lieb“ (54 Punkte)
Platz 9: Nicole „Ein bisschen Frieden“ (55 Punkte)
Platz 8: Marija Šerifović „Molitva“ (62 Punkte)
Platz 7: Intervall-Act Madcon „Glow“ (74 Punkte)
Platz 6: Michael Schulte „You let me walk alone“ (77 Punkte)
Platz 5: Salvador Sobral „Amar Pelos Dois“ (83 Punkte)
Platz 4: Opening 2011 „Satellite“ (95 Punkte)
Platz 3: Interval-Act „Love love peace peace“ (131 Punkte)


31 Kommentare

  1. Aus meiner Sicht ein verdienter zweiter Platz. Österreich gewann nach 48 Jahren wieder einen ESC und ich habe mich riesig darüber gefreut. Den Erfolg der Common Linnets hatte niemand auf der Rechnung, für die Niederlande war der Erfolg aber verdient, nachdem sie zuvor einige Male im Halbfinale ausschied. Mal sehen, ob „Calm after the storm“ bei den nächsten sechs Titeln im Lesergame vertreten ist

  2. Ein glanzvoller Auftritt von Conchita Wurst und ein verdienter erster Platz. Das Signal, das von diesem Sieg ausging, hat mir ebenfalls sehr gefallen. Das Lied an sich zählte nicht zu meinen Lieblingen, aber es gefiel mir besser als „Calm after the storm“ (wobei die Common Linnets wirklich auch einen tollen Auftritt hatten).

    Nicht so gefallen haben mir manche Reaktionen von euphorisierten Fans: Wenn es jemand wagte, „Rise like a phoenix“ nicht so toll zu finden, stand er/sie bei manchen sofort unter Homo- oder Transphobieverdacht. Man war entrüstet über Juries/Televotes, die es wagten, diesen Titel nicht mit Punkten zu überschütten. Am schlimmsten aber fand ich die Reaktion von Teilen des aufgeheizten Publikums in Kopenhagen, welche die armen Tolmachevy Sisters ausbuhten. Da sieht man, was Gesinnungsethik anrichten kann: Man kämpft für das Gute und gegen das Böse, und wenn man irgendjemand mal mit dem Bösen identifiziert hat, ist man gnadenlos.

    • Da hast Du Recht. Diese Doppelmoral mancher Fans hat mich auch so was von angek…
      Der Auftritt von Conchita war zweifelsohne grandios und der Sieg hochverdient. Aber es soll ja vorkommen, dass manchen Menschen die MUSIK nicht gefallen hat, was mit homophopie rein gar nichts zu tun hat. Auf einmal war man da weniger tolerant. Dies wurde von manchen Menschen aber in einem Topf geworfen.
      Und die armen Zwillinge tun mir heute noch total leid. Ausbuhen geht gar nicht!

  3. Ich war damals (zum 1. und bisher einzigen mal) live in der Halle und Ich habe den Common Linnets, den tollen Fans, aber vor allem Conchita einen der schönsten Abende meines Lebens zu verdanken! Unvergesslich….

  4. Auch wenn mein persönlicher Favorit damals die Niederlande waren habe ich mich dennoch sehr für Österreich gefreut.

    Jetzt ist für mich aber auch klar wer morgen auf Platz 1 steht.

  5. Tom will noch in einem „bond“ mitspielen
    Mir persönlich hat die Niederlande besser gefallen
    Trotzdem erstaunlich was aus einem grazer modeschueler wurde

  6. Birth of an icon! War im Semi live vor Ort dabei und das Publikum sang den Refrain mit; Gänsehaut pur! Großer Jubel, als Conchitas Name als letzter der Qualifikanten genannt wurde. Obwohl die Umwandlung der alten Werfthalle in die ESC-Location in DK kontrovers da teuer war, eine rundum gelunge Veranstaltung – und mit Pilou Aesbek ein Moderator, der gerade dabei war, mit „Borgen“ zum Weltstar zu werden.
    We are unity – and we are unstoppable!

  7. Erstmal ein guter Beleg dafür, wie unpolitisch der Contest schon immer war. 😉 Wobei ich mich weder entscheiden mag noch kann, welchen der zwei Gewinnersongs ich lieber mag. Von den Gewinnern des auslaufenden Jahrzehnts ist mir Conchita neben Salvador jedenfalls die liebste. Dass Waylon/Willem im Nachhinein versuchte, Netta und Conchita auf Gimmick-Acts zu reduzieren, macht ihn mir im Gegensatz zu Salvador (bekanntermaßen auch sehr urteilsfreudig) seltsamerweise etwas unsympathisch.

  8. Conchita es-ist-Wurst-wer-und-woher-du-bist hatte den Moment rübergebracht. Wahnsinns Gesamtpaket jener Auftritt. The Queen of Austria nailed it, the Wiener took it all. Schön, dass auch hier so weit vorne gereiht. Schaue mir jenen auftritt immer noch gerne an, da berührend und stark. War alles in allem ein sehr guter ESC. Common Linnets ebenfalls klasse gewesen. Was haben wir zu Hause gebrüllt und die Nachbarn zwangsbeglückt 😉

  9. Habe heute noch Gänsehaut und ich glaube fast jeder weiss noch wie und wo er den Contest geschaut hat.
    Ich war jedenfalls beim Polterabend meines Bruders und in dem Lokal gab es ein puplic viewing.
    Bisschen angeheitert haben wir natürlich immer gejubelt wenn es 12 punkte gegeben hat.
    Unvergesslicher Abend

  10. Conchita war auch für mich ein besonderer Moment. Das erste Mal in meiner „aktiven“ Fanzeit, dass der Song gewinnt, für den ich angerufen habe. Mit „I wanna“ hatte zwar vorher auch schon mal ein Favorit von mir gewonnen, aber damals war ich noch nicht so im ESC-Fieber wie heutzutage, zählt also nicht. Das ging bei mir erst ab 2004 so richtig los.

    Mein Favorit im Vorfeld war 2014 die ganze Zeit Ungarn, bis ich dann den Auftritt im Halbfinale gesehen habe. Gesang, Inszenierung, alles auf den Punkt. Sieger-Vibes! Überwältigend!

    Sehr verdienter 2. Platz im Adventskalender!

  11. Ich war damals unheimlich geflasht von den lautstarken Conchita, Conchita-Rufen in der Halle. Die Werfthalle an sich war schon der Hammer mit der hohen Bühne, aber dann die vielen österreichischen Fans mit ihren gehäkelten Bartimitationen in weiß-rot. Klasse! Hätte damals nicht gedacht, dass Europa schon so weit ist, Conchita die ESC-Krone zu gönnen.

  12. Ein absoluter gänsehaut-moment. Den song fand ich zwar nicht so prickelnd aber der auftritt war gigantisch on point und conchitas personality hat noch den rest gemacht. Und ich gebe zu, dass ich als halber österreicher auch ein tränchen vergossen habe….

  13. Conchita Wurst fand ich bereits ziemlich beeindruckend in den zwei Jahren vorher (in denen ich sie wahrnahm) klasse…..und war echt enttäuscht , als ich das Video sah. Ja! Prima Bond-Song – richtig gute Stimme, aber Alles irgendwie nicht so überwältigend, wie ich es ersehnte….bis zum Semi-Finale. Danach war ich ein richtiger Fan. Niemals vorher wurde bei einer ESC-Party bei mir so gekreischt und gebrüllt ( bei Lena waren wir nur zu dritt…das tönte nachbarschaftsfreundlicher…). Jetzt habe ich Karten für WURST im Februar und freue mich riesig drauf.
    ….und der erste Platz in diesem Adventskalender geht:….definitiv an die supertollen Leute von ESC-Kompakt.
    Herzlichen Dank für die viele, liebevolle Arbeit, die Ihr Euch macht.
    So macht man Junkies noch abhängiger :-)) Ich liebe es.

    • Ist zwar nicht ganz richtig mit dem ersten Platz, aber wir nehmen die Nominierung dazu gerne an 😉
      Vielen Dank, freut uns das es euch auch so spaß macht!

  14. Dramatische Bondballaden sind so gar nicht mein Ding, aber das war wirklich ein bärenstarker Auftritt, bei dem alles perfekt zusammengespielt hat: Stimme, Präsenz, Styling, Garderobe, Background. Auch wenn ich mir „Rise Like a Phoenix“ niemals freiwillig anhören würde, war der Sieg total verdient, auch wenn ich beim Voting den Common Linnets bis zum Schluss die Daumen gedrückt habe.

  15. Och schade.
    Zwar nicht unbedingt, dass Lena vor Conchita den ersten Platz belegt, denn damit kann ich leben.
    Sondern schade, dass morgen schon der letzte Beitrag des Adventkalenders ist.
    Wirklich klasse Idee, interessant und sehr informativ verfasste Beiträge.
    Kompliment und Danke für die gute Unterhaltung an manu

    • Ich hätte gedacht, Dein traurigster ESC-Moment war, als Mans und Petra die Punkte verkündeten und Sergey schon vorher ausrechnete, dass es nicht reichen würde. Mal ein Lob an ihn; im Gegensatz zu Jamala kann er rechnen, sie guckte immer noch etwas verwirrt, bis sie als Siegerin verkündet wurde.

      • Danke für diese doch relativ netten Worte, 4porcelli! Ein Lob von Dir für Sergej Lazarev, da wird mir doch richtig weihnachtlich zumute 🙂

      • Es war wirklich ein interessanter Moment – er rechnet und realisiert, dass er sie nicht überholen kann; sie guckt eher verwirrt bis „Ukraine“ genannt wird

  16. Huch, der Moment, der dazu führte, dass ich ESC-Fan wurde… 😉

    Vorweg: Ich finde ja interessant, wie manche Ansichten so stark auseinandergehen können. „Dem Saalpublikum schien es nur noch darum zu gehen, dass Conchita den Wettbewerb gewinnen möge. Fast ging unter, dass sich mit dem niederländischen Beitrag auch eine weitere Überraschung andeutete.“
    Wow, denn bei uns war das genau andersrum. Conchita Wurst? Interessante Erscheinung, solide Performance, mittelmäßiges Lied. Joar, ganz nett, Mittelmaß in diesem Jahrgang. Tja, und dann The Common Linnets und zauberte den magischen Moment des Abends. Und das Publikum war hinter ihnen. Deshalb war das Ergebnis für uns auch ein wenig verwunderlich. Dabei sei gesagt, dass das alles der unverfälschte erste Eindruck war; ich habe von CW nie davor gehört.
    Conchita war vermutlich ein Zeichen für Toleranz gegenüber Homosexuellen (wobei die Doppelmoral bei der so genannten Toleranz ja schon angesprochen wurde; und den Ruf des Schwuppencontests hat es wohl eher ver- als entschärft.), aber rein musikalisch war das weniger relevant. Hier wurde zumindest CATS rauf und runter gespielt (bis heute!), von Conchita blieb aber immerhin die Persönlichkeit und ihr Zeichen.
    Der Jahrgang war so großartig, dass ich in den folgenden Tagen immer mehr Lieder aus dem Finale gehört habe, und dann habe ich Irland und Israel in einem Recap entdeckt (ich wusste davor nicht, dass es Halbfinale gab), und naja, dann ging es tiefer und tiefer in die Materie und, nun ja, bin dann hier irgendwie gelandet – und geblieben. 😀

    • Ich persönlich wunderte mich anfangs total, dass so niemand the common linnets im blick hatte. Mochte das Lied von anfang an und hatte geglaubt dass sie gewinnen würden. Auch hier entfaltete sich das Lied für viele erst mit dem Auftritt. Der war allerdings fürs Fernsehbild konzipiert und ging im Saal anfangs etwas unter. Im Saal wiederum löste Conchita Exstase aus…

  17. Einer meiner absoluten WOW-Momente.
    Als ich erfuhr, dass der ORF eine Conchita Wurst intern nominierte, war ich entsetzt. Ich hatte keine Ahnung, dachte es wird so eine Spaßnummer wie Trackshittaz.
    Wie geflasht war ich dann, als ich das Lied hörte und erst als ich das Halbfinale am Fernsehen erlebte. Diese „Spaßnummer“ konnte ja richtig singen! Ab da begann ich Fan zu werden, hätte aber nie mit einem Sieg gerechnet.
    Dann die Jury-Show live vor Ort…. und dann das Finale. Ich saß am Gang auf der anderen Seite ein junger Österreicher…. wir haben dann gemeinsam bei der Punktevergabe mitgefiebert und als ich im Kopf ausgerechnet hatte, dass es geschafft war und es ihm sagte, ist er mir um den Hals gefallen. Als er ging, hat er sich für meinen Support bedankt. Aber zurück zum eigentlichen Geschehen…
    Im Finale wurde übrigens nicht nur der Refrain laut mitgesungen. Wann gab es so etwas schon – davor und auch danach? Habe es nur noch in Lissabon erlebt, als die Halle voller Spanier schien und alle mit Amaia und Alfred gesungen haben – jedes einzelne Wort (das wird es bei deutschen Teilnehmern wohl nie geben, obwohl erfahrungsgemäß ebenso viele Deutsche wie Spanier in den Hallen sind. Aber da überwiegen leider oft auch die Zielpublikumshinfahrer…). Aber zurück zum eigentlichen Geschehen….
    Verstehen kann ich bis heute die Platzierung der Holländer nicht. Mein Favorit war neben Conchita Sanna aus Schweden, über diesen großen Song spricht keiner mehr. Die Common Linnets wurden im Radio rauf und runter gedudelt, bis ich sie irgendwann auch gut finden musste. Die Radiopolitik ist mir sowieso immer wieder ein Graus. Conchita war doch wirklich absolut radiotauglich, genau wie dieses Jahr Duncan. Unbegreiflich diese Nichtachtung, und das Jahr für Jahr! Aber zurück zum eigentlichen Geschehen….
    Die russischen Zwillinge konnten einem natürlich schon leid tun. Das hing auch weniger mit der russischen Kritik an Conchita zusammen als viel mehr mit der gerade erfolgten Annektion der Krim. Und oft gibt es diese Pfiffe und Buhrufe, wenn Russland Freundschafts-12-Punkte aus den ehemaligen Sowjetrepubliken erhält, womit ich diese nicht verteidigen möchte. Und dass das sehr ungerechtfertigt sein kann, war in Wien ein Jahr später sehr deutlich, wobei ich da nie verstanden habe, warum Deutschland 12 Punkte nach Russland gab. Aber zurück zum eigentlichen Geschehen….
    Nach dem Contest bin ich großer Conchita-Fan geworden. Ich liebe ihr erstes Album über alles. Habe dann im Internet sehr viele Interviews und Dokumentationen über sie gesehen und muss sagen, dass der Tom Neuwirth eine sehr beeindruckende Person ist. Auch wenn ich mit dem Auftreten von WURST etwas fremdle, das neue Album ist auch sehr gut, vor allem interesant. Ja da hat uns Österreich also einen so magischen Moment gebracht. Wer hätte denn das in den 2000er Jahre geglaubt? Aber genauso ist es uns ja bis 2009 selbst gegangen. Und was dann passierte sehen wir sicher im letzten Türchen.

  18. Der Song kam für mich Jahre zu spät, hatte mich absolut in Call after the Storm verliebt, und war absolut enttäuscht. Habe den Sieg der Figur Conchita Wurst zugeschrieben. Auf meine Kinder wirkte das ganze vollkommen ominös, einfach mal so angemerkt. Der ESC ist halt am Samstagabend zur besten Familienzeit.

    Sitze hier und warte auf das letzte Adventstürchen (schnief) bevor ich bei Oma in die Internetfreie Zone eintauche.
    Danke für die schöne Adventszeit und frohes Fest allerseits

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