Norwegen: Das sind die vier Teilnehmer am fünften Halbfinale

Wie heißt es so schön: Save the best for last? Aber hallo! Es tut mir wirklich leid, Emil und Didrik, Ulrikke und all ihr anderen begabten Norweger. Aber ich habe schon nach 20 Sekunden Hören meinen ultimativen Beitrag von und für Euch gefunden. Für mich kann’s nur diesen geben. Darf ich’s schon sagen oder verzerre ich dann hier die Abstimmung? Oh mein Gott, ich bin so aufgeregt. Ich sehe schon die tragisch veranlagte Fanmeute im Euroclub ausflippen und aus vollem Halse (und mit genau derselben Überzeugung) mitsingen: I AM GAY. Ups, jetzt ist es raus.

So, nun kriegen wir uns aber erst einmal wieder ein und kommen unserer Chronistenpflicht nach. Hier sind die vier Beiträge aus Nord-Norwegen, die am kommenden Samstag im fünften und letzten Halbfinale um das Ticket für das große Melodi-Grand-Prix-Finale am 15. Februar in Trondheim kämpfen:

Elin & The Woods – We Are As One

Die samische Sängerin und Songwriterin Elin Kåven (40) und der Songwriter und Musikproduzent Robin Mortensen Lynch begannen ihre Zusammenarbeit im Jahr 2015. Elin stammt aus Karasjok, während Robin in Sandnessjøen aufwuchs und heute in Schweden lebt. Ihr musikalisches Projekt möchte sich auf unsere Wurzeln besinnen und die Urkraft wiederfinden. Sie nennen die Musik „indigenen elektronischen Pop“, der aus elektronischer Musik mit schweren Rhythmen und Joik besteht.

Jenny Jenssen – Mr. Hello

Jenny Jenssen (55) ist in Bjerkvik bei Narvik aufgewachsen und hat insgesamt 16 Alben veröffentlicht. Sie stand bereits als Dreijährige auf der Bühne und gewann in den 1970er Jahren Talentwettbewerbe. 1978 trat sie zum ersten Mal im nationalen Fernsehen auf. Jennie freut sich darauf, nach 2007 die MGP-Blase wieder zu erleben.

Kevin Boine – Stem på mæ

Der 26-jährige Kevin Boine kommt aus Tana. Kevin hat sich mit seinen 70 Millionen Streams heimlich zu einem der größten norwegisch-sprachigen Musiker entwickelt. Er ist der Headliner bei Festivals mit Tausenden von Zuschauern in ganz Skandinavien und einer der wenigen Künstler, der in seinem Genre Grenzen überschreitet.

Liza Vassilieva – I Am Gay

Liza Vassilieva (30) wurde in Murmansk, Russland, geboren und zog mit drei Jahren nach Norwegen. Seitdem lebt sie in Kirkenes – außer in den fünf Jahren als sie in Trondheim studierte. Nach dem Studium bekam sie einen Job im Barentsee-Sekretariat. Lizas MGP-Song heißt „I Am Gay“. Obwohl sie selbst nicht lesbisch ist, will Liza mit dem Lied Solidarität zeigen und das Thema normalisieren.

 

Alle vier Songs sind auch hier auf der Seite von NRK zu hören.

Welcher Beitrag ist Dein Favorit im 5. Halbfinale des Norsk Melodi Grand Prix 2020?

  • Liza Vassilieva - I Am Gay (37%, 55 Votes)
  • Elin & The Woods - We Are As One (30%, 44 Votes)
  • Kevin Boine - Stem på mæ (27%, 39 Votes)
  • Jenny Jenssen - Mr. Hello (6%, 9 Votes)

Total Voters: 147

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Im fünften Halbfinale am kommenden Samstag, den 8. Februar treten die oben genannten vier Acts in Duellen gegeneinander an. Nur ein Beitrag kommt ins Finale. Dieser vervollständigt das dortige Starterfeld, so dass im großen Finale zehn Acts auf der Bühne stehen werden. Für alle Halbfinale bieten wir hier auf ESC-kompakt natürlich einen Live-Chat an, für das Finale einen Live-Blog.

Außerdem wird am Samstag in der Sendung Tone Damli ihren bereits für das Finale gesetzten Song „Hurts Sometimes“ vorstellen. Dieser wird im Laufe der Woche veröffentlicht. Wir stellen ihn dann separat vor.

Diese Beiträge stehen bereits für das MGP-Finale fest (die Videos sind in den entsprechenden Artikeln verlinkt):

1. Halbfinale: Raylee – Wild
2. Halbfinale: Rein Alexander – One Last Time
3. Halbfinale: Kristin Husøy – Pray for Me
4. Halbfinale: Magnus Bokn – Over The Sea

Gesetzter Finalist 1: Sondrey – Take My Time
Gesetzter Finalist 2: Didrik & Emil Solli-Tangen – Out of Air
Gesetzter Finalist 3: Akuvi – Som du er
Gesetzter Finalist 4: Ulrikke Brandstorp – Attention

Aufgrund des 60. Jubiläums des Norsk Melodi Grand Prix in diesem Jahr ist die Vorentscheidung umfangreicher als früher. Hier haben wir das Verfahren beschrieben.


25 Kommentare

  1. „I am gay“ singen und nicht mal selber gay sein? Das wäre ja fast so scheinheilig wie 2 Sängerinnen die sich kaum kennen als „Sisters“ zu betiteln 😀
    Mein Favorit in Semi 5 ist Kevin, hoffen wir mal, dass er eine Chance hat, ich habe keine Lust auf noch mehr Vorurteile gegenüber ESC-Fans

  2. Im Vergleich zu den anderen Halbfinals keine schlechte Runde, auch wenn ich hier keinen sensationellen Beitrag entdecken kann. Der von Douze Points favorisierte Song von Liza Vassilieva lässt mich allerdings ziemlich kalt, ist halt einer der typischen und austauschbaren Songs, die vor Radiotauglichkeit nur so strotzen, einen aber ziemlich kalt lassen. Da hatte Lisa Børud im ersten Semi stärkeres in ähnlichen Fahrgewässern. Bei Kevin Boines „Stem på mæ“ ist hingegen ein stetiger Aufbau mit Wiedererkennungswert vorhanden, das lässt sich gut anhören, dazu verfügt „Stem på mæ“ über den Landessprachenbonus. Zu meinem persönlichen Favoriten dieses Semis reicht das aber nicht, dafür gefällt mir Jennys Song viel zu gut, die drei Minuten gute Laune werden vom Eva-Mattes-Verschnitt genau richtig präsentiert. Realistische Chancen auf den Finaleinzug dürfte „Mr. Hello“ allerdings nicht haben. Mein Tipp auf den Sieger des fünften Semis sind Elin & The Woods, auch wenn ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich den Song überhaupt nicht eingängig finde, und ich mich freuen würde, wenn Kevin ihr das letzte Finalticket noch streitig machen könnte (oder gar Jenny die Sensation schafft).
    Zuletzt noch ein Rückblick auf alle bisher veröffentlichten Songs: Wenn Tone nicht einen absoluten Kracher auspackt, dann werde ich es sehr bedauern, dass Kim Wigaard und Maria Mohn mit ihrem absolut epischen „Fool For Love“ an Rein Alexander gescheitert sind. Das wäre in meinen Augen die bislang einzige Top-Ten-Chance Norwegens in Rotterdam gewesen (wenn man das Niveau der vergangenen Jahre als Maßstab nimmt).

  3. So richtig haut mich nichts aus den Socken, sorry. Habe mich mal für Kevin entschieden, wobei ich mal keck vermute, dass keiner dieser Acts für Norwegen nach Rotterdam fahren wird.

  4. Puh, mir gefällt irgendwie auch nichts … „Mr. Hello“ ist vielleicht noch das Originellste, aber wer unter 95 Jahren will solche Dixieland-Nummern außerhalb von Zirkusaufführungen heutzutage noch hören?
    „I Am Gay“ ist ultra-harmlos und musikalisch Hillary Duff anno 2004, „Stem på mæ“ eine von derzeit 10.000 von Avicii inspirierten Folk-meets-EDM-Nummern und „We Are As One“ ist schlichtweg eine Mogelpackung (0815-Midtempo mit Pseudo-Jojk getarnt).

    • Stimmt, „Mr. Hello“ wäre vielleicht in den 1920er Jahren populär gewesen. Wobei ich zugeben muss, dass mich das Liedchen irgendwie ein wenig fröhlich gestimmt hat (vor Scham rot werd‘). Aber für den ESC … nee, nicht wirklich.

  5. Für mich ist kevin boine sieger dieser runde. Aber auch eher ein einäugiger unter den blinden. „I am gay“geht gar nicht, in jeglicher beziehung.

  6. Mir gefällt We Are As One am meisten. Da hatte ich spontane ESC-Vibes. Der Rest ist eher nicht so gut.
    I Am Gay ist dabei ziemlich unglücklich. Wenn der Text nun wirklich auf Solidarität hinausging, gut. (Ich denke da gerade an „Ich bin ein Berliner“.) Aber sie besingt ihr Coming Out und tut so, als wäre sie es wirklich. Nenene, da ist eine Anbiederung vom Feinsten. Musikalisch ist es aber besser als Mr. Hello (würg) und dieses andere Füllmaterial von Kevin.

    • Ich würde auch gerne wissen, was Liza in Kirkenes zu suchen hat. Ich war da vor 3 Jahre im Urlaub und das ist das größte Kaff ganz oben im Nord-Osten nahe der russischen Grenze.

      • Naja, wenn sie da im Barentsee-Sekretariat arbeitet, sind ihre Russisch- und Norwegisch-Kenntnisse sicher ganz hilfreich. Singen muss sie für den Job aber nicht unbedingt.

  7. Elin war doch auch schon mal bei einem norwegischen Vorentscheid. Kann mich zwar nicht mehr an das Jahr erinnern, aber das Lied war in meiner Erinnerung stärker als das von diesem Jahr.

    Bei „Mr. Hello“ ist das Bemerkenswerteste, dass ich immer „wonderful boner“ verstehe. Was singt sie da eigentlich wirklich? Wonderful Bowler? Und das Lied selbst zieht sich doch sehr. Aber vielleicht wird die Bühnenshow abwechslungsreich oder zumindest schön trashig.

    Im Grunde ist es mir allerdings völlig egal, wer von den Vieren weiterkommt. Ich hoffe, das Lied für Rotterdam ist nicht dabei.

  8. Mein Favorit in dieser Runde und wohl auch von allen bisher 19 veröffentlichten norwegischen VE-Songs (wobei ich zugeben muss, dass ich mich bisher nur oberflächlich mit ihnen befasst habe) ist Liza Vassilieva mit „I am gay“. Der Titel haut mich zwar nicht um, die Melodie ist jedoch sehr eingängig, wenn auch nicht besonders „sophisticated“, aber was soll’s?

    Ist es denn wirklich so schlimm, wenn sich eine Hetero-Sängerin in eine lesbische junge Frau hineinversetzt und deren Stimmungslage beschreibt? Muss denn alles selbst erlebt gewesen sein, was in Liedtexten besungen wird? Vielleicht haben Agnetha und Anna-Frid ja gar keinen Fernando gekannt oder Marianne Rosenberg war nie in einer Konkurrenzsituation gewesen mit einer Marleen, wäre das zu verurteilen? Verwandt damit sind irgendwie auch Fragen wie: „Dürfen in einem Film schwule Charaktere nur von schwulen Schauspielern dargestellt werden?“ Das geht mir alles zu sehr in Richtung Authentizitätshuberei.

    Ich kann die Vereinnahmungsproblematik, die für viele dahinter steckt, schon auch verstehen. Aber wenn ich daran denke, dass Dutzende Teenager in einer Disko den Liedtext „I am gay“ mitsingen könnten (auch wenn die meisten von ihnen keine Ahnung davon haben dürften, um wie viel schwerer das sich-zum-„being gay“-Bekennen meist ist als das Singen dieser Titelzeile in einer Disko) und was das für eine befreiende Wirkung für junge Menschen in dieser Menge haben könnte, die ihr Coming-Out noch vor sich haben, dann finde ich das mit der Vereinnahmung nicht so schlimm. Huch, sorry für dieses Ungetüm von einem Satz gerade eben!

  9. mir gefällt kein song,habe aber für elin und die rentiere gestimmt.
    gewinnen müßte eigentlich dieser kevin – für norwegische verhältnisse sind 70 millionen streams doch schon ganz ordentlich – oder?
    früher waren wir alle ein bißchen bluna oder haben einen genoggert – heute sind wir alle ein bißchen gay – wie die zeiten sich doch ändern.

  10. Elin & the Wood, bitte. Mit „I am gay“ kann ich leider nicht so viel anfangen… Allerdings kommt die Botschaft besser rüber als letztes Jahr bei Bilal.

  11. Immerhin steigern sich die Chancen für Ulrikke. Wäre für mich einer der schönsten Beiträge aus Norwegen,

    Ich denke mal, die Jury verhindert „Wild“.

    • Dieses Jahr gibt es in Norwegen keine Jury. Das heißt aber leider auch, dass die Solli-Tangen-Brüder und der Rybak-Song sehr gute Chancen haben.

  12. Nach drei Jahren wollen Elin & The Woods es noch einmal wissen und nehmen am NMGP teil. Für mich ist es der beste Song in diesem Viererfeld und ich hoffe, es kommt ins Finale. Norwegen hat nämlich seit der Fehlentscheidung vom letzten Samstag etwas gutzumachen.

    Der Song von Liza Vassilieva kommt bei mir sofort an zweiter Stelle und hier kommt es auf die Inszenierung und die gesangliche Leistung an, denn sonst könnte ihr das gleiche wie Oda Loves You passieren, die ja mit „Love Who We Love“ einen Titel präsentierte, der die gleiche Thematik wie „I am gay“ aufgriff.

    Jenny Jenssen katapultiert uns mit ihrem Titel „Mr. Hello“ zurück in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, als Charleston groß angesagt war. Kevin Boine mit seiner anbiedernden Rockabillynummer könnte für ihn auch zum Debakel werden. Ich bin gespannt, ob die beiden zum Duell gegeneinander antreten. Ich denke aber eher, daß die Duelle Elin & The Woods gegen Jenny Jenssen und Kevin Boine gegen Liza Vassilieva heißen werden.

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