Italien: Nicola Caligiore ist als Head of Delegation raus

Nicola Caligiore

Nach dem JESC ist Schluss. Italiens Head Of Delegation, Nicola Caligiore, verlässt die RAI und ist damit auch als Head Of Delegation Geschichte. Und was für eine Geschichte! Kein HoD der jüngeren Vergangenheit kann eine so eindrucksvolle künstlerische und kommerzielle Erfolgsbilanz aufweisen wie Nicola. Lediglich ein erster Platz war ihm nicht vergönnt, jedoch viele Top-Platzierungen.

Seit Italiens „Wiedereinstieg“ in den ESC in 2011 (nach 13 Jahren Pause) hat das Land nur zweimal keine Top Ten Platzierung erzielt und das auch noch zu Unrecht – speziell in 2014, als Emma Marone mit „La mia città“ (nach der subjektiven Meinung des Autors dieser Zeilen) den besten Song des Jahrgangs (auf Augenhöhe mit Mei Finegold) ablieferte. (Emmas neues Album „Fortuna“ rangiert aktuell an der Spitze der italienischen Charts.)

Nicola verdanken wir drei der jungen Klassiker des Eurovision Song Contests, die in ESC-Kreisen (und – das ist Italien-typisch – weit darüber hinaus) auch heute noch „heavy rotation“ erhalten. Den Publikumsfavoriten und Televotingsieger 2015 „Grande Amore“ von Il Volo, ein Jahr später Francescos Gabbanis „Occidentali´s Karma“ (das soooo cool und leidenschaftlich-hysterisch gehpyt wurde, dass ihm der Hype zum Verhängnis wurde) sowie – als krönender Abschluss – Mahmoods „Soldi“ aus diesem Jahr, meistgestreamter ESC Song aller Zeiten (hier ein aktueller Konzertbericht).

Mahmood Gioventù Bruciata Vinyl

Coolstes Album Cover des Jahres: Mahmoods „Gioventù Bruciata“ hat der Autor dieser Zeilen sogar holzrahmen lassen.

Die deutsche Delegation hatte stets einen super Draht zu Nicola. Er hat dafür gesorgt, dass auf der besten deutschen Delegations-Party der Neuzeit (in einer Kneipe namens „Otto“ in Baku) Nina Zilli mit einem Kurzkonzert brillierte. Die Party ist heute legendär, auch Roman Lob und Joan Franca lieferten dort live (!) etwa jeweils halbstündige Powergigs – das war (mit viel Verve organisiert von HoD Torsten Amarell) einfach großartig und schlicht „Eurovision at its best“!

Dank Nicola konnten wir bei der deutschen Vorentscheidung 2014 Emma Marrone in Köln als Votingpausen-Act erleben – eine Qualität und ESC-Nähe, wie man sie sich schöner nicht wünschen kann (und seitdem in Sachen Intervall-Act bei einem deutschen Finale unerreicht ist).

Nicola Caligiore casual

Aufgrund seiner Erfolge war Nicola beim PRINZ Blog definitiv der HoD, über den wir mit der größten Intensität berichtet haben. Wer wissen will, was wir damit (auch) meinen, dem sei die Google-Bildersuche oder ein Eintauchen in die wunderbare Welt der Social-Media-Portale, auf denen er sich bewegt, empfohlen.

Sein ESC-Farewell hat zuerst die italienische Fanseite Eurofestival News vermeldet. Fur Bubble-Insider kommt seine Demission nicht ganz überraschend. Sie bedeutet auch, dass (s)ein Platz in der EBU Reference Group nachbesetzt werden muss, den er über vier Jahre innehatte.

Offiziell Schluss ist also nach dem JESC am 24. November 2019. Eurofestival News hebt vor allem auch sein Engagement, sein Fingerspitzengefühl und seine Professionalität bei diesem ESC-Nachwuchswettbewerb hervor, für Nicht-Italienisch-Sprechende hat wiwibloggs diese Eloge gut zusammengefasst. Wir schließen uns diesen Worten mit einem dankbaren „tutto il meglio, Nicola“ an.

Nicola Caligiore Twitter

Nach Deutschland wird also auch Italien einen neuen HoD bekommen. Bekanntlich hat Christoph Pellander diesen Job beim NDR bereits zur Jahresmitte aufgegeben. Wir haben hierzu beim NDR zur Neubesetzung der Position noch einmal nachgefragt und von Iris Bents die Antwort erhalten: „Wir kommunizieren dann, wenn wir etwas zu kommunizieren haben.“


11 Kommentare

  1. Italien liefert immer solide Beiträge, Emma Marrone und das süße Mädel von 2016, dessen Namen ich leider vergessen habe, sind meine liebsten italienischen Beiträge seit der Rückkehr zum ESC. Auch Il Volo war okay, aber ihr diesjähriger Song finde ich viel besser. Mich hat die Platzierung damals schon etwas erstaunt, da es 2015 bessere Songs gab, finde ich.
    Aber, verzeihung, meine italienischen Lieblinge finden sich meist in den 80ern bis zu ihrer bedauerlichen Pause. „Insieme“ ist einer meiner All-Time-Faves. Absolut großartig. Leider reichen die heutigen Songs nicht mehr an diese grandiose Zeit heran. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.
    Ich finde sie nie wirklich schlecht, wenn man mal von 2011 absieht, Der Song war meiner Meinung nach einfach nur schrecklich. Aber, keine Ahnung, irgend etwas fehlt mir meistens.

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