Songcheck Eurovision Song Contest 2026 (35) – Vereinigtes Königreich: „Eins, zwei, drei“ von LOOK MUM NO COMPUTER

LOOK MUM NO COMPUTER – Foto: BBC/Eurovision.com

Oh my Goodness! Mehr als 1.000 Tage ist es nun her, dass das Vereinigte Königreich beim Eurovision Song Contest einen Punkt aus dem Televoting bekommen hat. Sowohl Olly Alexander (2024) als auch Remember Monday (2025) konnten die Votenden nicht erreichen. Nur dank der Jurys reichte es jeweils doch noch für ganz okaye Platzierungen im unteren Mittelfeld. Dieses Jahr allerdings hat man sich bei der BBC mit LOOK MUM IT’S CAPS LOCK LOOK MUM NO COMPUTER für die Schocktherapie entschieden.

Sam Battle, wie der Mann hinter den Computern bürgerlich heißt, kommt wie auch etwa die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher aus Grantham, einer 45.000-Einwohner-Stadt bei Nottingham. Zwar war er schon vor zehn Jahren als Musiker Teil einer Band namens Zibra, in den sozialen Netzwerken hat sich LOOK MUM NO COMPUTER aber eher als Tüftler einen Namen gemacht. In vielen Videos sieht man ihn an Computern oder Instrumenten herumarbeiten. Früher arbeitete er als Hausmeister und schraubte in der Freizeit an seinen Maschinen: „Ich habe viel Zeit damit verbracht, ohne Geld in meinem Zimmer zu sitzen und aus Schrott irgendetwas zusammenzubauen“, so der 37-Jährige. Mit Einnahmen aus Patreon und später von YouTube konnten diese Maschinen immer größer und ausgefeilter werden.

LOOK MUM NO COMPUTER hat schon zahlreiche Singles und Alben veröffentlicht. In seinen Songs hört man natürlich auch die von ihm selbst gebauten Instrumente. Am berühmtesten dürfte eine Orgel sein, die er aus 44 Furbys, einem Kinderspielzeug der 90er-Jahre, zusammengedengelt hat. Mittlerweile füllen seine ganzen Eigenkreationen sogar ein Museum. Der Liebhaber von Tech- und Synthie-Sounds bezeichnet sich aber auch selbst als ESC-Fan. Und er hofft, Europa ist bereit, „synthesized“ zu werden.

Das Lied

Sein ESC-Titel „Eins, zwei, drei“ beginnt schon mit einer recht ironischen Titelzeile. Bei „So sick of doing the whole 9 to 5“ singt LOOK MUM NO COMPUTER von einer Arbeitsroutine, die er so nie hatte. Sam Battle ist schließlich sein eigener Boss – und arbeitet für gewöhnlich auch länger als bei einer 40-Stunden-Woche. In „Eins, zwei, drei“ geht es um das Ausbrechen aus festgefahrenen Strukturen. Interessanterweise nicht nur aus denen der Arbeitswelt – sondern auch aus seinem eigenen Land.

Im Musikvideo sieht man viele von ihm gebaute Apparaturen, wenig appetitliches britisches Essen und ein Auto, das er zu einem Flugzeug umfunktioniert. Mit diesem Flugzeug will er das Vereinigte Königreich ver- und das eintönige Leben hinter sich lassen. Etwas mit mehr Geschmack essen als „Roly-Poly“ (ein britisches Dessert), Karaoke singen – all diese Träume beschreibt er im Refrain. Er möchte andere Sprachen verwenden als Englisch („Eins, zwei, drei“) und auch mit Euros statt Britischen Pfund zahlen. Denn diese fühlen sich für ihn an wie „Falschgeld“. Alles in allem steckt erstaunlich viel UK-Kritik in diesem Song, der unter dem Union Jack in Wien antreten wird. Er selbst spricht davon, dass es in dem Song um Urlaub in Europa gehen soll – und nur um eine Pause von dem Britischen.

„Eins, zwei, drei“ ist dabei sehr klassisch aufgebaut. Es besteht aus zwei Strophen, einer Bridge und dem sich wiederholenden Refrain. Natürlich durchziehen den gesamten Track die für den Interpreten typischen Synthie-Sounds. Auf den Titel selbst sei man beim Verrücken eines Sofas gekommen. Beim Hochheben zählte der Sänger auf Deutsch und sofort kam die Idee, dass so der Song heißen soll, den man für den ESC bei der BBC einreicht. Weil man dort eher Konventionelles möge, habe er sich aber keine großen Chancen ausgerechnet. LOOK MUM NO COMPUTER erkennt an, dass seine Wahl für die BBC auch ein Risiko darstellt. An dem Song haben allerdings neben dem Sänger selbst auch drei Komponisten mitgearbeitet, die man seit Jahren von diversen ESC-Songs kennt: Thomas Stengaard, Julie Aagaard und Lasse Nymann.

Als Big-Four-Land ist das Vereinigte Königreich direkt fürs Finale am 16. Mai qualifiziert. LOOK MUM NO COMPUTER tritt außer Konkurrenz im zweiten Halbfinale zwischen den Startnummern 12 und 13 auf.

Der Check

Song: 3/5 Punkten
Stimme: 2/5 Punkten
Darbietung: 2/5 Punkten
Instant Appeal: 3/5 Punkten

Benny: Ich finde hier auf rationaler Ebene viele Elemente extrem interessant und und außerdem mag ich, dass Großbritannien sich nach diesem musikalischen Fiasko im letzten Jahr endlich mal wieder etwas traut. Allein: Das Gesamtwerk erreicht mich auf der gefühlsebene trotzdem nicht. Die Strophen sind ziemlich uninspiriert und der Song insgesamt zu eintönig. Für mich das internationale „Ciao Ragazzki“. 5 Punkte

Berenike: Ich finde es auf jeden Fall gut, dass sich das Vereinigte Königreich mal was traut. Insgesamt ist das schon recht cool – Sam ist ein positiv Bekloppter und der Song ein gelungener in Synthieklängen verpackter Partybanger. Allerdings wird das schwer auf die Bühne zu bringen sein und die Briten sind für Bühnenunfälle bekannt… Und wir haben dieses Jahr deutlich stärkere Konkurrenz im „Hau-Drauf-Spaßnummern“-Bereich. Von daher befürchte ich dann doch eher ein Flop- statt Top-Ergebnis. In der Studioversion aber aktuell erst mal 6 Punkte.

Marcel: Synthiepop ist für mich niemals out. Und so britisch wie dieser Song klang schon lange nichts mehr aus dem Vereinigten Königreich. Dazu noch ein deutscher Titel – für mich reicht das vollkommen zur Spitzenwertung. Allerdings war ich ja vor drei Jahren auch schon Fan von Mae Muller und ich fürchte, dass Computer-Boy diesen Titel noch schlechter auf eine ESC-Bühne bringen wird als sie. „Eins, zwei, drei“ ist ein Song zum Hören, nicht zum Performen. Deshalb erwarte ich in Wien Schlimmes – mich aber holt es komplett ab. Und ich habe durch den Titel britische Redewendungen gelernt. Dieser Song cuts the mustard. 12 Punkte

Max: Auf der einen Seite ist es ein sehr ausgefallener, kreativer Beitrag der das Line-Up bunter macht. Gerade die Strophen finde ich zudem auch sehr eingängig und ich mag diesen Retro-Vibe. Aber der Refrain ist leider nicht so eingängig, auch wenn er wohl mit den deutschen „1,2,3“ genau das bewirken soll – aber nicht bei mir. So pendelt sich das ganze in meinem Mittelfeld ein. 6 Punkte

Rick: Mir gefällt Großbritanniens Beitrag dieses Jahr wieder mal (zu) gut, denn vermutlich wird auch „Eins, zwei, drei“ am Ende schlechter abschneiden, als ich es mir wünsche. Ich find’s jedenfalls mega, dass UK dieses Mal Mut beweist und aus dem radiofreundlichen Spektrum heraustritt. Der diesjährige Beitrag ist auffällig und mit dem richtigen Staging KANN das für die Top 15 reichen. Ich finde trotzdem, dass der Nummer insgesamt irgendetwas fehlt. Ich mag’s, aber ganz oben spielt’s für mich nicht mit. 6 Punkte

Punktzahlen der anderen Blogger*innen:

  • Bennet: 4 Punkte
  • Douze Points: 7 Punkte
  • Giulia: 2 Punkte
  • Laureen: 1 Punkt
  • Manu: 10 Punkte
  • Peter: 3 Punkte

Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 62/132 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Eins, zwei, drei“ auf Platz 11.

Wie schneidet der britische Beitrag "Eins, zwei, drei" von LOOK MUM NO COMPUTER ab?

View Results

Wird geladen ... Wird geladen ...

Bisher erschienene Songchecks:

Erstes Halbfinale

Zweites Halbfinale

Bereits gesetzt für das Finale



Entdecke mehr von ESC kompakt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

255 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen