Unser Star für die deutsche Vorentscheidung 2020: Alternative Alternativen

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In den vergangenen Wochen haben wir an dieser Stelle die favorisierten Acts der ehemaligen Eurovisions-Jury für die deutsche Vorentscheidung 2020 vorgestellt. Viele davon haben sich eher im Bereich Mainstream-Pop/Format-Radio/Castingshow-Teilnehmer bewegt, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss, aber eben auch nicht die einzige Musikrichtung ist, die beim ESC funktionieren kann (Hatari lassen grüßen).

Gastblogger Broder mit Lordi in Lissabon

Unser Leser Broder (der damals auf dem PRINZ-ESC-Blog Ryk vorgestellt hat, lange bevor er wirklich an der deutschen Vorentscheidung teilgenommen hat) hat auf Instagram einige Vorschläge gemacht, welche Acts für die deutsche Vorentscheidung in Frage kommen und vielleicht auch mal andere Geschmäcker bedienen. Heute stellt er seine Vorschläge als Gastblogger hier auf ESC kompakt vor. Broder ist 20 und einigen vielleicht als „Nachwuchs-Experte“ von den Eurovision.de-Songchecks im Kopf geblieben.

Novaa

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Berlin 2084. Schon lange nicht mehr das, was es mal war: Es herrschen dystopische Zustände und eine ständige Überwachung. Gäbe es einen Film, der dieses Thema behandelt, der Soundtrack müsste von Novaa kommen. Die junge, in Karlsruhe aufgewachsene Berlinerin Novaa beschreibt ihre Musik als organische Elektronik, verbindet dabei natürliche Klänge mit elektronischen Sounds und Beats. Ihren Song „Club Paradise“ kann man mit Songs wie „City Lights“ von Blanche vergleichen. Doch ihre glasklare Stimme verleiht ihren Songs den finalen und persönlichen Schliff. Andere Songs wie „Mother’s Love“ heben den Hörer auf eine ganz neue Ebene, gefühlstechnisch schwebt man davon und kann, wenn man denn in der richtigen Stimmung ist, auch das ein oder andere Tränchen verdrücken. Im Moment supportet sie die Mighty Oaks im Vorprogramm, zudem kann sie sich seit 2018 mit dem Sieg beim New Musik Award schmücken. Sie selbst achtet sehr stark auf das Visuelle. Dazu sagte sie in einem Interview mit der „BR Startrampe“, sie habe oft erst ein Bild im Kopf und schreibt und produziert um dieses Bild dann einen Song. Wie allgemein bekannt, ist das Visuelle auch beim ESC ein wichtiger Faktor, also wäre ein, sagen wir mal, interessantes Staging wie bei zwei berühmt berüchtigten „Schwestern“ kein großes Problem mehr.

 

Moderat

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Moderat ist ein Berliner Künstlerkollektiv, welches sich aus dem Electronic/Techno-Musiker Apparat („Goodbye“ aus dem Intro der Netflix-Serie „Dark“) und dem DJ-Duo Modeselektor zusammensetzt. Zusammen begeben sie sich auf das Terrain der Genres Electronic und Techno. Sie produzieren Songs mit und ohne Gesang, welche zum einen zum Wegschweben einladen, jedoch zum anderen sehr stark durch ihre Beats auffallen. Auch bei Moderat sind alle visuellen Eindrücke sehr ansprechend (das Musikvideo zu „Eating Hooks“ ist meiner Meinung nach eines der besten Musikvideos, die je produziert wurden). Die Musikrichtung Indietronica, in der Moderat sich bewegen, war so beim ESC noch nicht vertreten, weshalb es für die Ohren der Hörer auf jeden Fall etwas Neues wäre und ein sehr modernes Deutschland repräsentieren würde. Bühnenerfahrung fehlt der 2002 gegründeten Band nicht, die Jungs wissen also was sie machen. Einziger (großer) Haken: Seit 2017 befindet sich die Band in einer künstlerischen Pause. Wann und wie sich Moderat wieder zusammenfinden, steht also noch in den Sternen. Vielleicht gibt’s ja ein Wiedersehen auf der großen ESC-Bühne.

 

Catt

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Catt ist die zweite Wahlberlinerin in dieser Liste. Die eigentlich aus Norddeutschland stammende Sängerin bewegt sich zwischen aufwärmenden Klavierballaden und düsteren Indie-Arrangements. Sie spielt selbst viele Instrumente wie z. B. Piano oder Horn, welche beide in vielen ihrer Songs Einzug finden. Mit ihrer engelsgleichen Stimme schafft sie es, auch den härtesten Kern zum Schmelzen zu bringen. Mit dem Song „Sea“ schlägt Catt eine Richtung ein, die erst mal schwierig greifbar ist und ein Mix aus rustikal und doch ausgeklügelt zu sein scheint. Ein Song, welcher einen in den Bann zieht. Nicht umsonst ist „Sea“ laut Spotify mein meistgestreamter Song des Jahres. Eine Mischung wie diese, bestehend aus warmer Stimme, qualitativ hochwertigen Arrangements, neuen und alten Klängen und einem guten Staging klingt für mich sehr verheißungsvoll.

 

Felix Räuber

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Felix Räuber dürfte einigen bekannt vorkommen: Er feierte mit seiner Band Polarkreis 18 und ihrem Song „Allein, Allein“ in Deutschland und darüber hinaus große Erfolge. Mittlerweile komponiert und singt Felix Räuber als Solokünstler. Seinen Stil hat er dabei von Grund auf erneuert: weniger Pop, mehr Orchester. Er selbst beschreibt seinen Stil als „Cinematic Pop“. Viele seiner Songs sind sehr dramatisch, haben eine pompöse Klimax und explodieren wie ein Feuerwerk der Emotionen. Deutschland und Drama? Passt zunächst scheinbar schlecht zusammen, aber warum auch nicht mal etwas Großes schicken? Orchestral geht immer und mit elektronischen Verfeinerungen ist dann auch die benötige Innovation eingebracht. Zudem hat Felix Räuber eine sehr markante Stimme, mit welcher er in Höhen kommt, die anderen verborgen bleiben, ohne in die Kopfstimme zu gehen. Ein Song, welcher voller Emotionen explodiert und sich währenddessen zu einer riesigen Welle erhebt, könnte ein Ausrufezeichen à la „wir sind auch noch da und können mehr als nur langweiligen Mainstream-Pop zum ESC schicken“ setzen und Deutschland mal wieder nach etwas weiter oben katapultieren.

 

Madanii

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Bleiben wir in Berlin mit einem kleinen Abstecher in den nahen Osten. Madanii (auch Madanii & L:LUCID) sind ein Künsterduo aus Berlin, welches Electronic mit R’n’B mixt und Songs mit Technoeinflüssen produziert. Oft kombiniert es persische Klänge mit treibenden Beats, was den Songs eine gewisse Eigenständigkeit verleiht. Visuell haben die Berliner einen klaren Stil aus modern, fast schon futuristisch, und traditionell persisch gefunden und leben diesen auch in ihren Musikvideos aus. Ein Paradebeispiel dafür ist ihr „HOLES/MVNIA“-Video, welches ihren Stil gemischt mit polarisierendem Bondage (bei Hatari hat’s funktioniert) perfekt widerspiegelt. Viel spannender für mich ist aber ihre neueste Single „Sober“, welche nach dem 1. September 2019 veröffentlicht wurde, also zeitlich passend für den ESC wäre. Ob Madanii sich mit „Sober“ auf eine Teilnahme einlassen würden, wenn der NDR fragen würde? NDR, frag doch einfach mal!

 

GiiRL

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Für die, die keinen Bock mehr auf Berlin und/oder Elektro haben, kommt hier die Erlösung: Die Rock/Pop-Band GiiRL. GiiRL kommen aus Köln und produzieren sowohl Rock/Pop als auch deutlich durch Punk beeinflussten Stadium-Rock-Material. Wie lange ist es her, dass Deutschland eine so mitreißende Band zum ESC geschickt hat? Nein, Elaiza zählen nicht, das war nicht mitreißend, höchstens zum Schunkeln brauchbar. Generell fehlen dem ESC so richtige (Rock-)Bands wie AWS oder Eldrine. Ein Song wie „Bloodshed“ würde mit einer guten Performance und guten Cuts (ich kann es mir perfekt vorstellen) das Ahoy abreißen und richtig Stimmung in die Bude bringen! Ohrwurmqualität hat der Song auch noch. Was will man mehr? Definitiv ein späteres Veröffentlichungsdatum nach dem 1. September 2019 … dann muss sich die Band wohl noch mal ins Studio setzen und einen weiteren Hit wie „Bloodshed“ produzieren. Und das traue ich GiiRL auf jeden Fall zu. Ob sie nun am ESC interessiert sind, bleibt, wie bei allen oben genannten Künstlern, natürlich abzuwarten.

Und, welche der oben genannten Acts könntet Ihr Euch beim ESC vorstellen? Oder habt Ihr weitere Vorschläge? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Bisher in der Reihe „Unser Star für die deutsche Vorentscheidung 2020“ erschienen:

Die Favoriten der Eurovisions-Jury (Plätze 25-21)
Die Favoriten der Eurovisions-Jury (Plätze 20-16)
Die Favoriten der Eurovisions-Jury (Plätze 15-11)
Die Favoriten der Eurovisions-Jury (Plätze 10-6)
Die Favoriten der Eurovisions-Jury (Plätze 5-1)



43 Kommentare

  1. Mir fällt auf, dass sich die allermeisten der vorschläge sich eher an ein sehr junges puplikum richtet. Ob es seitens der ebu erhebungen über den alterdurchschnitt beim esc gibt?

    • Ich sehe das Problem eher beim Altersdurchschnitt des ARD-Vorentscheid-Publikums. Wenn nicht die gesamte Vorentscheidung nur aus solchen Acts besteht (fände ich mal cool), hätten die doch ohnehin keine Chance.

      • Wenn man probleme suchen will, dann doch eher beim tv allgemein. Von meinen diversen nichten und neffen(alter von 10-30) schaut kein einziger wirklich fernsehen…geschweige den esc. Wäre der onkel nicht, die wüssten nicht mal was esc ist.

    • Wichtig ist ja nicht, wer den ESC schaut, sondern wer abstimmt. Auf der Roadshow hieß es von Digame, dass in vielen Ländern nur sehr wenige Leute abstimmen und zwar tatsächlich eher jüngere (, partyaffine, queere) Menschen.

      • Woher wissen die denn das schon wieder? Haben die jeden Einzelnen beim Televoting durchleuchtet oder dem Fragen gestellt? Kenne genug Leute, die passen nicht in diese Kategorien, aber stimmen immer beim ESC ab. Wie hat Digame dies bitte rausgefunden? Wahrscheinlich wurden Telefonnummern gespeichert und nachverfolgt? Gruselig, dass man in einem Televoting rausfinden kann, was für Leute da genau anrufen. Datenschutz?

      • Die Betonung liegt auf „in anderen Ländern“. In D stimmt wohl tatsächlich ein sehr großer Bevölkerungsdurchschnitt ab und vor allem auch sehr viele Leute. Alles andere weiß ich nicht.

  2. Danke für Catt, eine Neuentdeckung für mich. Dieser Beat in den Strophen ist wirklich einprägsam, obwohl ich weniger der Fan von allzu atmosphärischen Songs bin (kommt drauf an, z.B. Hooverphonic oder Paenda sind klasse, aber „Sebi“ z.B. ist mir zu langweilig). Jedenfalls habe ich nach diesem Musikvideo Lust auf Zitronen 😀

  3. Novaa, Catt und Madanii treffen am ehesten meinen Geschmack. Aber ob sie eine VE überstehen würden.
    Ist wahrscheinlich zu experimentell. Schade eigentlich. Wären alle drei mal spannende Acts.

  4. Danke für die tollen Hörtipps an Broder. Absolut klasse. 🙂
    Ich kann mir schwer vorstellen, dass eines der Vorschläge was für den ESC wären. Allerdings würde ich da bei den meisten sofort ein entsprechendes T-Shirt beim ESC Gucken anziehen.

  5. Ich bin mir sicher am 10.März 2020 wird der NDR verkünden, das ein gewisser Thomas S. mit einem Hammersong Deutschland vertreten wird.

  6. Das sind richtige Alternativen, auf die man sich einlassen muß und Potenzial haben. Alleedings muß aber auch das Ganze gesanglich einwandfrei die Bühne rocken. Rohrkrepierer wie Aly Ryan, Maria und Victor Crone braucht niemand.

  7. Giirl und Novaa wären ein super Vorschlag und sind musikalisch genau mein Geschmack. Allgemein haben alle Beiträge das gewisse etwas und das ist für mich das wichtigste. Zum Bsp. war das Projekt S!sters ein Fehlschlag meiner Meinung nach. Es fehlt das besondere. Super Vorschläge Broder !!! DAUMEN HoCH

  8. Hätte nie gedacht, dass Catt hier genannt wird. Wusste auch gar nicht, dass sie doch so berühmt ist. Ich folge ihr auf Instagram nur von früher her. Hatte ne Zeit lang sehr guten Kontakt zu ihr. Sie hat musikalisch wirklich was drauf, kann mich noch an so einige Momente mit ihr am Klavier erinnern: Ich mache irgendein Lied an und sie spielt es direkt mit ohne die Noten je gesehen zu haben. Vielen Dank an den Autor für diese Erinnerungen aus der Vergangenheit.
    Ich würde es ihr auf jeden Fall wünschen.

  9. Coole Vorschläge, aber Realität wird einer davon wohl nur, wenn es kein Televoting gibt. Ich hoffe für Deutschland ja diesmal auf eine interne Auswahl.

  10. Man hört echt gar nix vom ndr oder von herrn schreiber……ich vermute, die haben schon was im sack. Ich bringe sehr gerne wieder mal jüblof ins spiel.

  11. Sehr…

    uns liegen bedauerlicher Weise noch immer keine neuen Informationen vor und wir können Ihnen leider auch nicht sagen, wann damit zu rechnen ist. Wir bitten Sie daher weiterhin um Geduld.

    Sobald es neue Infos gibt, werden sie auf http://www.eurovision.de veröffentlicht werden.

    • Ich hab es schonmal gesagt und ich sag es immer wieder. So Transparent die Suche letztes Jahr war, umso Geheimnisvoller ist sie dieses Jahr… Sehr schade

  12. Alles tolle Vorschläge 😍 besonders Felix Räuber, Madanii und GiiRL. Poems for Jamiro hätte ich an deiner Stelle aber auch noch eingefügt 😌

  13. Ich bin mal gespannt wann der NDR den Fans mitteilt das Helene Fischer featuring Rammstein featuring Bushido intern nominiert werden. 🙂

  14. Alles sehr interessant und teilweise auch sehr experimentell was ja gerade beim ESC das gewisse Etwas ausmacht, nur leider wieder alles auf englisch. Mann hat den Eindruck, auf deutsch zu singen, mag keiner.

  15. Mir fehlen die Deutschrock, Indie und Alternativenamen. Thees Uhlmann hat beispielsweise ein sehr starkes Album hingelegt. Ein Song wie „Avicii“ von ihm wäre sehr ESC geeignet. Oder neue Bands wie Deine Cousine. Oder echt mal auch einen Aufschrei wagen und Feine Sahne Fischfilet ins Rennen schicken. Nur bitte mal Mut zeigen NDR. Nur nie wieder ein „eine Frau/zwei Frauen singen bedeutungslosen Popsong“-Drama.

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