ESC-Songcheck kompakt (11) – Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene

ESC-Eurovision-2020-Eden-Alene-Israel-Aufmacher

Während immer mehr Länder zu einer internen Selektion ihrer Beiträge oder Interpreten wechseln, nehmen sich die israelischen Verantwortlichen ganze 35 Shows lang Zeit um ein geeignetes Gesangstalent zu finden. Der Sieger der Castingshow HaKokhav HaBa, die 2014 auch in Deutschland einen Ableger bei RTL namens „Rising Star“ erhielt, aber wegen schlechter Quoten frühzeitig abgesetzt wurde, darf seit 2015 auch beim Eurovision Song Contest Israel vertreten. Während in den Jahren zuvor diesem Sieger ein einzelner Beitrag für den Song Contest geschrieben und produziert wurde, gab es in diesem Jahr erstmalig ein kleines Finale, in dem die diesjährige Gewinnerin Eden Alene insgesamt vier Songs vorstellte. 

Die erst 19-jährige Eden war in Israel vor ihrem Sieg keine komplett Unbekannte – sie gewann bereits Anfang 2018 die Casting Show X-Faktor. Als Tochter jüdisch-äthiopischer Einwanderer in Jerusalem geboren, sang sie schon mit 14 Jahren im YMCA-Jugendchor Jerusalem. Dieser Chor tritt für eine friedliche Koexistenz von Arabern und Juden ein.

Der Song 

„Feker Libi“ („Die Liebe meines Herzens“), dass vor allem dank des klaren Votings des Publikums die nationale Auswahl gewann, kann wohl als wilde Mischung irgendwo zwischen Pop und World Music bezeichnet werden. Afrikanische Ethno-Sounds treffen auf munteren Europop à la „Haba Haba“.

Doch nicht nur musikalisch zeigt sich „Feker Libi“ als spielerischer Mix diverser Einflüsse – auch sprachlich schöpft das Lied aus dem Vollen: Insgesamt vier Sprachen (Englisch, Hebräisch, Arabisch und Amharisch) sowie eine afrikanisch klingende Fantasiesprache umfasst der Text.

Geschrieben wurde der fröhlich leichte ethnische Popsong von den erfolgreichen Komponisten Doron Medalie („Golden Boy„, „Made of Stars“ & „Toy„) und Idan Raichel, der im letzten Jahr als Interval Act beim Eurovision Song Contest zu sehen war. Die beiden wissen, was das Publikum will, und so erreichte „Feker Libi“ Platz 3 in den israelischen Charts.

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: „Feker Libi“ wird natürlich weder einen Grammy gewinnen noch den Pulitzer-Preis, denn in diesem Song wurden wild alle möglichen musikalischen, sprachlichen und textlichen Elemente zusammengeklöppelt. Aber: Als kurzweiliger ESC-Songs, der einfach Spaß macht und den ich ständig im Ohr habe, funktioniert das. 8 Punkte.

Berenike: Der Song des Jahrgangs, den ich am häufigsten plötzlich „einfach so“ als Ohrwurm im Kopf habe. Der Refrain ist wahnsinnig eingängig und macht sofort Lust zu tanzen. Schade, dass wir den Track in diesem Jahr nicht im Euroclub erleben können. Den Sprachenmix im Refrain finde ich klasse, auch wenn der Text als ganzes etwas einfach gestrickt ist. 8 Punkte.

Douze Points: Wer immer den Vergleich mit „Haba Haba“ oder Shakira bemüht hat – er lügt. „Feker Libi“ ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Stilen mit ein bisschen Afrika, ESC, Orient und Pop. Das macht mir weder Spaß, noch bleibt es bei mir im Kopf hängen. Danke, das nächste, bitte. 4 Punkte.

Florian: Israel hätte in diesem Jahr ganz weit vorne bei mir landen können, hätten die Israelis nur für „Rakata“ gestimmt. „Feker libi“ bringt zwar ebenso gute Stimmung, fällt für mich stilistisch aber doch im Vergleich etwas ab. Gleichzeitig finde ich es super, verschiedene regionale Sprachen einzubinden, das gibt dem Song mehr Originalität und das passt ebenso zu Eden. 7 Punkte.

Manu: Manchmal gibt es Lieder, die mich etwas ratlos zurücklassen. Bei „Feker Libi“ geht es mir in diesem Jahr so. Mir macht das schon irgendwie Spaß, immer wieder höre ich Momente, die ich richtig gut finde, und im nächsten Moment ist es so cheezy, dass mir der Spaß wieder daran vergeht. In dem Lied passiert so viel, dass ich zeitweise das Gefühl habe, hier seien mindestens 3 verschiedene Lieder unterschiedlicher Qualität zusammengemixt worden. Unentschlossene 5 Punkte.

Max: Sehr nette Nummer, nur leider ist ja bekanntlich „nett“ die kleine Schwester… Da waren bessere Lieder im israelischen Vorentscheid. „Feker Libi“ ist zwar rhythmisch und angenehm exotisch, aber ich konnte schon mit „Waka Waka“ und „Habba Habba“ nur wenig anfangen. Die talentierte Eden Alene hat ja nächstes Jahr die Chance, ein anderes Lied zu präsentieren, ich denke das kommt ihr gelegen. 4 Punkte, weil Eden einiges aus der Nummer herausholt.

Peter: Die shakiraeske Adaption wahlweise afrikanischer oder südamerikanischer Ethno-Rhythm in Middle-of-the-road-Popsongs klappt mal besser, mal schlechter. Bei Eden Alene ist es bis auf den wenig harmonischen Tonartwechsel im letzten Drittel ganz gut gelungen, wenn auch nicht sonderlich innovativ. Aber die Inszenierung mit den drei Tänzern in gelb ist sehr schmissig. Habe Haba II. 7 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 43/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Feker Libi“ auf Platz 15 von 41.

Wie hätte der israelische Beitrag "Feker libi" von Eden Alene abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis
(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis
(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release me“ von Hooverphonic


26 Kommentare

  1. Wäre beim jesc wahrscheinlich besser aufgehoben und chancenreicher. Totzdem, der mini-playback-charme hätte bestimmt seine anhänger gefunden. Platz 16-20

  2. Mir gefällt der Song. Sommer Sonne Tanzen. Mir sind beim ersten hören die vielen Sprachen gar nicht aufgefallen. 10 Punkte

  3. Ich kann die (hypothetischen) Chancen genauso wenig einschätzen, wie ich mir eine abschließende Meinung zu dem Lied bilden kann. Es ist schon recht catchy, andererseits geht es mir auch leicht auf den Keks. Im Großen und Ganzen finde ich den Song anstrengend, aber nicht schlecht. Ach, ich weiß doch auch nicht … 😉

  4. Ein merkwürdiges Song-Gebräu ist das. Schmeckt mir nicht besonders gut. Schön, dass sie nächstes Jahr nochmal ran darf, denn Talent hat sie zweifelsohne.

  5. Eden Alene finde ich klasse, aber „Feker libi“ ist jetzt nicht der Oberburner, meiner Meinung nach. Okay, mehr nicht.
    Mein Tipp: Sie wäre knapp ins Finale gerutscht und hätte dort einen Platz zwischen 15 und 20 belegt.
    (Wobei ich ganz, ganz schlecht im Schätzen bin, ich glaube, gerade bei so einem Song kommt es sehr auf die Liveperformance an).

  6. Ach, was waren wir wieder positiv 😉

    Gesang: Fast schreien ++ Nervend ++ Ungeschulte Stimme ++ Stimme könnte noch voller werden
    Melodie: Vorurteilsbestätigend ++ Tanzbar ++ Untermalung für einen Serengeti-Film ++ Erfrischend
    Gesamt: Unsicher ++ Schwankend ++ Attacke auf meinen Nerven ++ Wir spielen besser
    Chancen: Netter Versuch ++ Null ++ Konkurrenz ist starker ++ Tschüß
    Optik: Unbestimmt ++ Ohne Worte ++ Da ist mehr drin ++ Ich bewerte keine Frauen

  7. Das ist den meisten dann wohl rhythmisch zuviel. Wenn der Song schließlich noch ins Pentatonische zu kippen droht – westlich sozialisierte Ohren nennen das einfach „falsch“ – muss ich um Israels Finalchancen bangen. Sehr over the top.
    Beim Text muss ich dringend so tun, als verstünde ich kein Englisch. Unterhält mich ansonsten gut, ich bin aber auch auf Weltmusik geeicht. Weil der House-infiltrierte Refrain riesig Spaß macht: Zusammen mit meinem Tanzbein in den Personal Fifteen.

  8. Das bereitet mir 3 Minuten lang Freude, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck. Angenehmes Füllmaterial Ich hoffe, dass Eden Alene nächstes Jahr einen stärkeren Titel bekommt.

  9. Furchtbar nervig, irgendwo zwischen Haba Haba und Disneykrams mit allem möglichen Zeugs reingeschmissen.

  10. Bin so froh das sie nächste Jahr wieder dabei ist, hoffentlich mit ein besseren Song, den sie ist so talentiert.
    Der Song ist ok, mehr nicht.

    1.Litauen
    2.Belgien
    3.Australien
    4.Russland
    5.Israel
    6.Slowenien
    7.Schweden
    8.Aserbaidschan
    9.Irland
    10.Nordmazedonien
    11.Weißrussland

  11. Lieblos zusammengewürfeltes Lied. Wie eine Art Eintopf, wo jeder noch was reingeworfen hat, was gerade noch so rumlag. Irgendwie so gar nicht mein Fall. Glaube auch, dass ihr damit ein Habba Habba Semi-Aus geblüht hätte. Neuer Versuch nächstes Jahr, ich wünsch ihr dabei wirklich ein besseres Lied!

  12. Es ist ein Ohrwurm und es macht schon Spaß. Ich finde aber tatsächlich mittlerweile nicht nur „Rakata“ stärker, wie schon im VE-Chat damals geschrieben, sondern auch noch Roots und eigentlich auch Savior Of The Sound 🤣 Bei letzterem ist es wahrscheinlich der Underdog Bonus/Modus beim Anhören. Ansonsten ist hier der Sprachenmix eigentlich ganz schön, dann aber auch wieder fast schon zu viel. Ein „Uptempo-Banger“ hätte noch klarer geschrieben werden können, finde ich ^^
    7.5/10 und mein Platz 18 von 41.

  13. Hier ist, wie auch beim aserbaidschanen Beitrag, in der Tat viel zusammengewürfelt worden, aber bei „Feker Libi“ gefallen mir bis auf ein paar wenige Stellen die Zutaten deutlich besser, die beste davon ist das Motiv von 1:29 bis 1:36.

    Ich schwanke derzeit, ob es sich in meinen Top 10 halten wird, im Augenblick ist’s noch knapp drin und zwar mit …
    …8 Punkten (von 12).

  14. Ja, wie hier schon etliche Male geschrieben wurde, ist das ein bunter Mix aus allem Möglichen. Verglichen mit „Haba Haba“ (oder Hubba Bubba?) ist „Feker Libi“ klar das bessere Lied (beim anderen schlafe ich immer gleich weg, und das muss bei sogenannten „Gute-Laune-Liedern“ schon was heißen). Die letzten 30 Sekunden finde ich auch großartig, aber da ist dann zu viel gewollt, sodass am Ende nichts hängen bleibt. Schade.

    Prognose: Halbfinale 8/17 (70%), Finale wäre alles offen gewesen, von Top 10 bis Bottom 3.
    Meinung: Platz 26/41 (5 Punkte)

  15. Also mir gefällt es. Ist jetzt natürlich kein lyrisches Meisterwerk, aber macht gute Laune. Wäre denke ich knapp an den Top 10 im Finale vorbeigerauscht.

  16. Im Gegensatz zu Aserbaidschan finde ich das zusammengewürfelte hier überhaupt nicht schlecht, es hat ja auch einen logischen Zusammenhang. Rakata wäre in meiner Top10 gewesen, aber Feker Libi macht auch sehr viel Spaß. Auf Eden freue ich mich nächstes Jahr schon.

    Platz 14 von 41

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