Kommentar: NDR macht aus Not eine Tugend und demonstriert seine Macht

Zugegeben: Die Lage, in die die Corona-Krise und die EBU den NDR gebracht haben, war höchst undankbar. Der Sender konnte nur verlieren: viel Geld, das er für die Künstlersuche ausgegeben hatte, möglicherweise den Quotenkampf gegen ProSieben, den er indirekt selbst verursacht hatte, und seinen Einfluss bei der EBU. Die Lösung, mit der sich Thomas Schreiber (im Aufmacherbild links) aus dieser Klemme befreite und zu einem Sieg nach Punkten verwandelte, ist durchaus beeindruckend.

Der Reihe nach. Dass Thomas Schreiber unglücklich über die Absage des ESC aufgrund der Corona-Epedemie war, war offensichtlich. Also holte er mit einem neuen Konzept quasi über Nacht Stefan Raab mit an Bord, um den ESC 2020 doch noch austragen zu können – wenn auch in veränderter Form. Ganz uneigennützig tat er das nicht. Schließlich hatte man viel Geld für die Auswahl von Ben Dolic und „Violent Thing“ investiert und witterte Top-10-Chancen und in Folge dessen Hit-Potenzial. Dieser Plan wurde von der Reference Group genauso vereitelt wie später die Option, mit dem Beitrag aus diesem Jahr beim ESC 2021 antreten zu können.

Doch als ob das nicht schon ärgerlich genug gewesen wäre, griff plötzlich Stefan Raab mit ProSieben die Gelegenheit beim Schopfe und stellte sich mit seinem #FreeESC gegen den NDR, der zu diesem Zeitpunkt nur mit der vermutlich mäßig aufregenden, gesamteuropäischen Show Eurovision: Europe Shine a Light ohne richtigen Live-Charakter und dem ungünstigeren Sendungsbeginn um 21 Uhr aufwarten konnte. Unter diesen Bedingungen drohten dem NDR selbst viele Hardcore ESC-Fans – wie der Autor dieses Kommentars – als Zuschauer von der Fahne zu gehen.

Von der EBU und vielen Fans verlassen, von der privaten Konkurrenz unter Druck gesetzt und mit den immer kritikfreudigen anderen ARD-Anstalten im Nacken (möglicherweise auch wegen der hohen Kosten bei der Songsuche) trat Thomas Schreiber mit dem NDR die Flucht nach vorn an. Die Lösung, das deutsche ESC-Finale, ist dabei eigentlich nur eine abgespeckte Version der ursprünglichen Idee für die ESC-Ersatzshow – vorgezogen auf den in Deutschland wichtigen 20:15-Uhr-Sendeplatz.

Damit weist Schreiber zum einen Stefan Raab in die Schranken, auch wenn dessen ProSieben-Sendung mit seinem ansehnlichen Kandidatenangebot sicher ihre Zuschauer finden wird, möglicherweise sogar mehr Junge als die ARD. Wichtiger ist aber des Signal an die EBU: der NDR verabschiedet sich von der zentralen Live-Übertragung der EBU-ESC-Show. Ein Affront, der sich aber mit der Konkurrenz von Raab gut begründen lässt. Und außerdem spielt der NDR ja doch irgendwie mit und schaltet sich in die europaweite Show mit der beleuchteten Elbphilharmonie und einem Auftritt von Michael Schulte und Ilse DeLange ein. Nur sehen die deutschen Zuschauer das erst eine Stunde später.

Die eigentliche Leistung ist aber, dass es dem NDR gelungen ist, neben dem deutschen Vertreter Ben Dolic mit The Roop aus Litauen (Foto unten), Daði Freyr og Gagnamagnið aus Island und Ben & Tan aus Dänemark vier Acts nach Hamburg zu holen, die eigentlich am selben Tag beim ESC auf der Bühne stehen sollten. Dass die Künstler quasi als Konkurrenz zur einheitlichen EBU-Sendung bei der NDR-Show auftreten, ist nicht nur ein Paukenschlag, wie es Blogger-Kollege Benny in Bezug auf The Roop ausdrückte. Es ist ein Schlag … mindestens in die Magenkuhle der EBU.

Thomas Schreiber führt der EBU vor, dass bei allen Einschränkungen ein ESC auch in Zeiten von Corona möglich gewesen wäre. Im Gegensatz zur EBU, die den aussichtsreichsten Acts des Jahres ihre Chance auf den Durchbruch mit ihren für dieses Jahr eingereichten Beiträgen genommen hat, bietet der NDR ihnen nun das größtmögliche Forum und inszeniert sich darüber gleichermaßen als Retter der eigentlichen ESC-Idee. Win-Win aus Sicht des NDR.

Und auch für uns Fans fühlt sich das wie ein Gewinn an. Dabei dürfen wir uns nicht einbilden, dass der NDR das für uns gemacht hätte. Wir sind nur Mittel zum Zweck in diesem Machtspiel. Denn spätestens seit dem Halbfinale am letzten Samstag ist klar, wie groß – oder besser: wie klein – die Fan-Basis in Deutschland ist. Mit ganz viel gutem Willen umfasst sie 300.000 Personen. Damit kommt der NDR auch bei der EBU nicht weit.

Hier dürften ganz andere Interessen der Antrieb zum Handeln gewesen sein: Die generelle Unzufriedenheit mit der EBU und der Reference Group, der Ärger über Raab, die Hoffnung auf Anerkennung durch die ESC-Fans in Deutschland und im Ausland. Und am Ende schlicht die Demonstration von Macht – selbst wenn einem gerade 300 Mio. Euro Budget gestrichen werden.

Beispiele der Machtdemonstration gab es in der ESC-Geschichte gegenüber der EBU immer wieder. Auch aus Deutschland. Während etliche Länder mit einem ESC-Boykott (siehe Türkei, Ungarn etc.) recht schnell ihr Pulver verschossen haben und die EBU sie am langen Arm verhungern ließ oder lässt, ging der NDR 1996 (ob gezielt oder zufällig) etwas geschickter vor. Nachdem der deutsche Beitrag in einer EBU-internen Vorwahl durchgefallen war, verbannte der Sender, der in diesem Jahr erstmals innerhalb der ARD für den Wettbewerb zuständig war, den Wettbewerb ins Dritte Programm. Die deutschen Zuschauer blieben aus. Und letztlich war es dann das norwegische Fernsehen, dass sich – aufgrund sich beschwerender Sponsoren – für eine Sonderregelung der zuschauerstärksten ESC-Länder einsetzte. Die Big-5-Regel war geboren.

Wenn ABBA mit ihrer Aussage „The history book on the shelf is always repeating itself“ recht behalten, könnte der abgesagte ESC langfristige Folgen innerhalb der EBU haben, die weit über ein „deutsches“ ESC-Finale hinausgehen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Big-5-Regelung innerhalb der Reference Group? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


56 Kommentare

  1. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der NDR auch einen Fingerzeig auf das nächste Jahr machen will. Wenn die Niederlande nicht in die Puschen kommt, steht Hamburg sofort bereit.

  2. Wie man schon in Schweden und Österreich gesehen hat, kann man ganz nette ESC Ersatzshows machen, aber ohne Saalpublikum und Großteils ohne anwesende Künstler ist das einfach weit weg vom ESC, wie wir ihn kennen. Also bei mir käme da keine ESC Stimmung auf, und vor allem wäre es den Künstlern gegenüber unfair da sich viele keine aufwendigen Videos leisten können und andere nicht reisen können. Insofern fand ich die Absage die richtige Entscheidung.

    • Stimme voll und ganz zu – zumal sich die Teilnehmer*innenliste des FreeESC (inkl. der TMS-„Legende“ Max Mutzke, der ja anscheinend für DE antritt) liest wie eine wilde Ansammlung von den typischen Prosieben-Sendegesichtern, die wenig mit den typischen großspurigen Ankündigen von einem angeblich großen Lineup im Vorfeld zu tun hat … da ist das dt. Finale mit wirklichen internationalen Teilnehmer*innen um einiges attraktiver. Und dass Prosieben (wie schon bei TMS) nun offensiv damit wirbt, dass Raab für DE antreten könnte, zeigt doch, dass sie auch dort um die Attraktivität des Gegenprogramms wissen…

      • Möchtest du mir erklären, inwiefern Nico Santos, Kate Hall, der Ire, der Brite, Glasperlenspiel und und und Pro7-Sendergesichter sind?

      • Nico Santos war bei „The Voice“ als (Online-) Coach mit dabei, Kate Hall bei „Popstars“, Glasperlenspiel hatten ihren Durchbruch durch den BuViSoCo (was einmal mehr zeigt, wie sehr diese Sendung fehlt) und waren zweimal dabei. Der Ire und der Brite sowie Ilse de Lange sind tatsächlich überraschend – der Rest wars für mich weniger …
        Ich wollte aber auch keine schlechte Stimmung verbreiten, ich hatte mir einfach nur mehr versprochen bei den Ankündigungen als (bis auf ein paar Ausnahmen) erwartbare Namen und bin daher etwas enttäuscht. Ich schau’s natürlich trotzdem und freue mich darüber – aber eben (entgegen meiner eigentlichen Erwartung) nicht live, sondern zeitversetzt.

      • Nico Santos ist derzeit bei „Sing meinen Song“, ist er nun damit auch VOX-Sendergesicht? Nur weil man mal in einer Show einer Sendergruppe aufgetreten ist, ist man ja nicht gleich Sendergesicht.

  3. Ich glaube schon, dass jeder Künstler eine Variante von seinem Song in seinem Land hätte aufnehmen können. Ob das in einer Fabrikhalle, at home , auf einer Wiese oder wie es die albanische Künstlerin gemacht hat, vor einem öffentlichen Gebäude, stattgefunden hätte, wäre egal gewesen.
    Jury- und Televotes aus den einzelnen Ländern wären möglich gewesen.
    Natürlich bleibt die Versicherungsgeschichte etc. , aber trotzdem bin ich davon überzeugt dass es eine Möglichkeit gegeben hätte, den ESC auf andere Art und Weise in dieser Zeit durchzuführen.

    • Mittlerweile sehe ich es genauso. Ich kann aber zum Teil nachvollziehen, dass die EBU von der Situation „überrollt“ wurde.
      Aber sollte die Situation sich 2021 nicht entspannen, was wir alle nicht hoffen wollen, könnte man den ESC auf diese Art durchführen. Ich wäre nur dafür, dass dann jeder Künstler in einem Studio in ihrem Heimatland auftreten sollte, also, so, dass jeder Act ungefähr die gleichen Startbedingungen hätte.
      (Mit Livegesang, nicht, dass einfach Videoclips geschickt werden).
      Natürlich ist die Liveatmosphäre durch nichts zu toppen, aber es ist doch besser, als den ESC komplett zu canceln🙂.

  4. Kann es dieses Jahr überhaupt einen Sieger geben?
    Ich glaube nicht. Und schon gar nicht halte ich den NDR, geschweige denn Herrn Schreiber, für einen Sieger!!!
    Für mich wird morgen absolut gar kein ESC-Feeling aufkommen. Weder das Angebot der ARD noch die „Möchtegern-Show“ von Stefan Raab sind für mich eine Alternative. Alleine wegen der übertriebenen Werbepausen werde ich den FreeESC boykottieren! Ob ich mir das ARD-Programm „antue“ weiss ich auch noch nicht. Für mich steht jedenfalls fest, dass das deutsche Alternativprogramm lächerlich und sowas von nichts-sagend ist und man sich das Geld und die Mühen auch gut hätte ersparen können.
    Ich kann verstehen, dass sehr viele von euch (im übrigen genauso wie ich!) sehr traurig sind, dass wir dieses Jahr keinen spannenden (und der wäre es mit Sicherheit geworden!) Wettbewerb erleben können. Aber keine einzige Alternative, die es gab/gibt ist eine wirkliche Alternative! Leider!

  5. Also ich freu mich total über die beiden Alternativen und versteh nicht so richtig, wie man das so negativ sehen kann, dass wir jetzt gleich zwei unterschiedliche Ersatz-Shows bekommen. Klar werden die beide natürlich nicht an einen echten ESC heranreichen, aber ist doch super, dass wir vier Live-Performances auf der ARD kriegen (für mich persönlich auch noch von vier meiner Favoriten dieses Jahr) und auf Pro7 quasi einen neuen Bundesvision-Song-Contest mit anderem Anstrich. Ich freu mich auf beides, auch wenn die Shows sich gerne gleichmäßiger über das Wochenende hätten verteilen dürfen. 😉

  6. „Denn spätestens seit dem Halbfinale am letzten Samstag ist klar, wie groß – oder besser: wie klein – die Fan-Basis in Deutschland ist.“
    Ich muss Douze Points hier ein wenig widersprechen, da ich glaube, dass es auch viele ESC-Fans wie mich gibt, welche dass deutsche ESC-WWW-Halbfinale nicht geschaut haben!

    Ich gehe mal davon aus, dass ich „Hardcore“-ESC-Fan bin! Beurteilen muss das natürlich ein anderer! Im Gegensatz zu vielen anderen interessiere ich mich nicht nur für den großen ESC sowie die jeweiligen nationalen Vorentscheide dafür, sondern auch für die kleineren EBU-Wettbewerbe (JESC, Choir, etc.)!
    Das deutsche Halbfinale habe ich aus mehreren Gründen nicht geschaut:
    1. hatte es für mich etwas von „zwanghaft auf die Jugend setzen“ als man dass funk-Format „World Wide Wohnzimmer“ als Ausrichter für das Halbfinale ausgewählt hat!
    2. Ich halte nach wie vor dabei fest, dass, vor allem nach den technischen Problemen, welche beim deutschen Halbfinale aufgetreten sind, es besser gewesen wäre, wenn man das Halbfinale mit Alina und Stefan veranstaltet hätte oder sogar in die Songchecks integriert hätte!
    3. die Gästeauswahl für das Halbfinale! Peter Urban war als Gast perfekt, aber wieso Freshtorge? Hier wäre Consi vielleicht besser gewesen! Soll nur ein Beispiel sein, aber es gibt so viel mehr Leute, welche ich als Gäste für das deutsche Halbfinale bevorzugt hätte anstatt Freshtorge!

    • Also, wenn ich das Halbfinale nicht aufgezeichnet hätte und mir dann statt der vergurkten Videos immer die Original-Videos auf Youtube hätte angucken können, dann hätte ich das garantiert auch nicht bis zum Ende gesehen. Das war in Sachen Tonqualität leider echt nicht auszuhalten, da wundere ich mich eher noch, dass 300.000 Leute das durchgehalten haben. Glaube insofern auch nicht, dass sich da echte Aussagen über die Menge der ESC-Fans ableiten lassen.

    • Ich hab die Sendung auch nicht gesehen. Die Messung von Einschaltquoten in diesem niedrigeren Bereich ist sicher auch schwierig, zumal garantiert keine Gewichtung von ESC-Fans vorgenommen wird 😉 . Aber natürlich, genug um da von einer entscheidungsrelevanten Menge zu sprechen sind wir nicht.

    • Da habe ich es mir fest vorgenommen zu schreiben und dann vergesse ich es wieder! Hier jedenfalls jetzt nochmal kurz eine Ergänzung zu meinem Kommentar! Zum Thema: „auf die Jugend setzen“!

      Was noch überhaupt nicht angesprochen wurde ist die Tatsache, dass Deutschland aktuell noch nicht am JuniorESC teilnimmt!
      Wenn man also auf die Jugend setzen möchte, warum nimmt Deutschland dann nicht endlich am JESC teil? Dann könnte man die Jugend auch leichter zum großen ESC „mitnehmen“, wenn ihr versteht, was ich meine!

      • Ich weiß jetzt nicht, ob der JESC tatsächlich jüngere Zuschauer anzieht; Kiddies, die auf erwachsen getrimmt werden, sprechen zumindest teilweise eine eher zweifelnswerte Zielgruppe an,. fürchte ich.

      • zum Beitrag von AlexESC: Genau das ist doch der Punkt – so etwas nennt man Nachwuchsarbeit. Das niederländische Format „Junior Songfestival NL “ ist seit Jahren ein Zuschauermagnet bei Jung und Alt – und wie man bei Stefania sieht (ja auch bei Destiny von Malta) kommt da auch Nachhaltiges für den ESC heraus. Es ist wirklich traurig, dass Deutschland, als letztes der „Big 5“ Länder, sich dem verweigert. Selbst Island plant dort mitzumachen, Norwegen ist auch nicht abgeneigt, Schweden wartet noch auf einen Wiedereinstieg – nur Belgien und Dänemark lehnen dankend ab. Habe aber das dumme Gefühl, dass es mit dem JESC dieses Jahr auch nichts werden wird wegen Tante Corona.

      • an 4porcelli: Der JESC ist ein professioneller Musikwettbewerb für Kinder! Leider verwechseln dies manche Kommentatoren hier irgendwie immer mit der Mini Playback Show (auch wenn diese Show nicht „ausgesprochen“ wird)! Diese Show hat mit dem JESC genauso wenig zu tun wie Äpfel mit Birnen!
        Beim JESC wird niemand auf „erwachsen“ getrimmt Ich frage mich immer woher diese Meinung kommt und ob man dies einfach nur so sagt, ohne, dass man den JESC jemals geschaut hat!

      • Nenn‘ es Mini Playback Sgow oder nenn‘ es The Voice Kids… Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist es krank, dass Eltern ihre Kinder diesem Druck und Stress aussetzen, um ihre eigenen Defizite zu übertünchen. Es reicht schon, dass immer mehr ESC-Kandidaten aus Castingshows kommen, die Kids brauchen wir dort nicht auch noch. (Übrigens hat wohl auch Armenien’s Athena JESC-Erfahrung.)

        Dass dem ESC eine breitere Aufmerksamkeit und größeres Interesse zu wünschen ist, ist unbestritten. Dass das geht, hat Stefan Raab seit Guildo Horn mehrfach bewiesen. Dass es trotzdem (wieder} so traurig ist, liegt in meinen Augen gerade daran, dass der NDR nichts tut, um das zu steigern. One ist da ja immerhin schon eine Steigerung zu Phoenix oder N3. Das World Wide Wohnzimmer wird es wohl kaum schaffen, 15- bis 35-jährige für ESC-Musik zu begeistern.

  7. Ich stimme @roxy voll zu, einen Remote-ESC hätte ich absolut nicht gewollt. Da fand ich die konsequente Absage in der Situation besser. Aber natürlich ist das eine Art Machtdemonstration. Der Disput zwischen TS und Genf ist sicher noch nicht ansatzweise vorbei.

  8. Wenn man die Umstände berücksichtigt, ist dem NDR und Thomas Schreiber doch eine Menge gelungen und es ist schön, dass das im Artikel auch Erwähnung findet. Und dass keine der Shows, ob in Hamburg, Schweden, Österreich oder sonstwo eine wirkliche Alternative ist, ist doch auch ganz beruhigend. Es wird eh schon immer mehr ins Internet verlagert – umso besser zu sehen, dass nichts über die ESC-Liveshow geht.

  9. Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich finde schon, dass der ARD/dem NDR den Umständen entsprechend etwas Gutes auf die Beine gestellt hat, Anders als dem Konzept Europe Shine A Light, bei dem ich befürchte, die diesjährigen Beiträge werden in der kurzen Sendezeit niemals würdig vorgestellt. Aber durch ein Finale mit 10 Liedern (+ Deutschland), manche davon sogar live vorgetragen, kann man schon was in einem guten Rahmen präsentieren. Klar, der Weg, wie man zu den Finalkandidaten kam, war doch ziemlich holprig, aber auch geschuldet der geringen Zeit der Vorbereitung.
    Erst dachte ich, mir den Free ESC live anzuschauen, doch das mache ist erst einen Tag später. Mir gefällt das Konzept der ARD (aber nicht das der EBU, um das nochmals zu sagen), was ich anerkenne.

  10. Ich werde mir die Raab Show ansehen.Mit dem ESC 2020 habe ich nach der Absage abgeschlossen.
    Songchecks mit Alina und Stefan genauso andere Shows habe ich mir nicht angeschaut
    Zur EBU sage ich nur Geld regiert die Welt
    Frage mich ob sie den Länder das Antrittsgeld zurückzahlen und die Niederlande für ihre Ausgaben entschädigen.
    Hoffe auf ein ESC 2021 ohne Masken und Corona und das dieser nicht doppelt zu teuer für Fans ausfällt damit sie in die Niederlande reisen können.

    • hahahaha……EBU = Geld regiert die Welt……

      Und wie sieht es bei Stefan Raab aus? Das ist wirklich lächerlich.

  11. In der diesjährigen Eurovisions Zeit generell ein ESC Feeling zu bekommen wäre auch sehr unangebracht.
    Wenn es im Januar noch recht Überschaubar war hat doch jetzt jedes Land zum Teil sehr große Verluste unter seiner Bevölkerung. Ich kann auch nicht mehr jeden Tag Nachrichten schauen da in meinem Bekanntenkreis und im Berufsleben mich persönliche dieser Virus schon eingeholt hat.
    Darum wäre zum Beispiel ein Charity ESC in Form von Länderschaltungen mittlerweile absolut perfekte Alternative gewesen.
    Gerad wie sich nun die Situation veränderte wäre ein solche Konzept locker möglich gewesen.
    Ich will aber eigentlich nur damit sagen, das ich hoffe morgen vielleicht für Stunden gut unterhalten zu werden und auch mal von alle neuen Bedingungen die sich in meinem Leben ergeben haben abgelenkt werde.
    Alternativen habe ICH jetzt gerade nicht so viele……

    • Nach deiner Logik hätten in den 90ern etliche ESCs ausfallen müssen aufgrund der hohen Todeszahlen im Jugoslawien-Krieg. Klar ist das alles schlimm, aber bei dir scheint leider das Glas halb leer statt halb voll zu sein und das macht mich eher depri, sorry

      • Irgendwie verwechselst du @Patrick Schneider Logik mit Realität.
        Vielleicht auch Beitrage generell besser lesen!
        Es gebt mir nicht um den Ausfall eines ESC heute oder in der Vergangenheit sondern einfach nur um die Lösung/Umsetzung dieses gegeben Faktes. Da wurde sich nie, heute wie damals ein Kopf gemacht.So wie er jetzt praktiziert wird ,wären frühzeitig bessere internationale Lösungen da gewesen. Du rennst ja auch nicht erst in die Apotheke wenn du dich geschnitten hast sondern nimmst das Pflaster aus dem Schrank! Oder? Und wenn @eurovisionhueni vorher schrieb, morgen kommt bei Ihm kein ESC Feeling auf ,dann war das einfach meine Antwort.darauf Das ESC Feeling war bei mir im März schon nicht mehr da.Ich wollte dich aber nicht als möglicher Spaßmensch in irgendeiner Weise runter ziehen. Darum von mir auch eigentlich wenig privates. Nicht immer ist alles was passiert weit weg. Meinen italienischen Freunden geht es gut. Ein deutscher Freund von mir trauert und ich versuche in meinem Beruf täglich Menschen zu helfen.Dieses Forum soll ja nicht auf einer „Betroffenheitsschiene“ oder Märchenwiese enden sondern dem Hobby ESC Fan mit all seine Macken und Besonderheiten eine Plattform zu geben.
        Aber trotzdem @Patrick Schneider, sollte man seine Umgebung/das Leben nicht ganz aus den Augen verlieren… Grüße

    • Genau, ein Charity ESC, man hätte die Telefongebühren den Opfern der Krise spenden können.
      Und einen Großteil der Erlöse aus dem CD- und DVD-Verkauf auch. Das wäre das richtige Signal in der heutigen Zeit gewesen.
      Gerade in schwierigen Zeiten brauchen die Menschen Ablenkung und Unterhaltung, meiner Meinung nach.

      Wünsch‘ Dir alles Gute, dass Du bald wieder Licht am Ende des Tunnels siehst.

  12. Man muss sagen, dass die Livesendung der ARD nur stattfindet, weil Raab zur Gegenveranstaltung aufrief. Somit haben wir dieses Jahr auch viel Raab zu verdanken. Am Ende schauen wohl meisten Fans nun doch ARD, was Schreiber und dem guten Konzept zu verdanken ist.

    Hoffentlich finden die zwei Herren wieder zusammen. 2021 Dolic schicken und 2022 ein echter Vorentscheid von Pro7 und der ARD. Wenn dem Ersten das Geld fehlt, warum nicht unseren Starter über Pro7 suchen?

  13. Die Idee mit Video-Wettbewerb war ja am Anfang noch irgendwie sexy. Aber nachdem man gesehen hat, dass selbst die Schweden gestern das nicht in eine unterhaltsame Sendung zwängen konnten, muss man wohl froh sein, dass sich das nicht durchgesetzt hat. Der EBU war es wahrscheinlcih zu gefährlich einem Konzept zuzustimmen ohne zu wissen, ob und wie man es zwei Monate später hätte umsetzten können.
    Daher wäre es wohl das Beste gewesen, den ESC abzusagen und dann einfach zu warten, ob man nicht doch irgendwie eine spontane Sendung bauen kann, so wie es der NDR gemacht hat. Man kann aber auch verstehen, dass das für viele ein zu großes Risiko war.
    Also schauen wir mal, ob sich morgen die Sendung für The Roop und andere gelohnt hat, die zweiwöchige Quarantäne bei Wiedereinreise in Kauf zu nehmen.
    Über Raab muss man nicht wirklich so viel Worte verlieren, hat genausowenig mit dem ESC zu tun wie maskierte Sänger oder Menschen im australischen Dschungel.

    • Ich fand, dass die schweden das sehr gut gemacht haben. Das problem war natürlich, dass viele von uns die songs und die videos schon in und auswendig kannten.

      • Natürlich ist das nicht einfach, Videos sind schon von sich aus etwas steril und dann noch ohne Publikum kommt da schwer Stimmung auf. Wird auf jeden Fall interessant, ob die imposante aber leere Elbphilharmonie da mehr Feeling von etwas Großen rüber bringt.

  14. Ich finde, dass man dem Anliegen des ESC nicht gerecht wird, wenn man den ausführenden Beteiligten Machtdemonstration, Profilierung oder ähnliches zuschreibt. Natürlich möchte sich jeder von der besten Seite zeigen, doch angesichts der knappen Zeit und unkomplizierter Planungen haben die unterschiedlichen Parteien ein einigermaßen aktzeptables Ersatzprogramm geschaffen.
    Die Aufteilung in internationaler und nationaler Würdigung des Wettbewerbes ist in der gegenwärtigen Situation angemessen und dass man sich nicht in allen Bereichen absprechen kann oder möchte ist nachvollziehbar.
    Jedenfalls haben wir für morgen volles Programm und ich habe den Eindruck, dass die Künstler und ihre Beitrâge auch in diesem ungewöhnlichen Jahrgang genügend Aufmerksamkeit erhalten. Nur einen richtigen ESC- Sieger werden wir nicht haben, dafür so manchen Gewinner in Musik, Promotion und Bekanntheit.

  15. Ein Videocontest war nie im Gespräch! Sondern das alle Länder ihre Teilnehmer in den Heimatländern live singen lassen. Egal ob am Strand, im.Studio, in der Kirche, im Saal usw. Das hätte einen besonderen ESC gegeben. Leider konnte sich Herr Schreiber nicht durchsetzen. Ich vermute weniger die EBU sondern das holländische Fernsehen war dagegen. Wegen dem verflixten Geld.

  16. Ich habe nur durch Zufall mitbekommen, dass es ein deutsches Halbfinale gibt und es mir dann auch kurz angeschaut. Ab dem Moment, wo gesagt wurde, dass man für das deutsche Finale wählen konnte, hab ich das auf Eurovision.de erledigt und dann abgeschaltet… es war einfach zu schlecht gemacht. Die beiden Moderatoren wurden vermutlich engagiert, um auch ein jüngeres, YouTube-affines Publikum zu bekommen (wer kennt schon Alina und Stefan?), Peter Urban sollte den ESC-Bezug herstellen und Freshtorge sollte als unabhängiger ESC-Fan seine Kommentare dazu abgeben. Das war der blödeste Einfall der Sendung… neben der grottenschlechten Qualität der Videos.
    Wäre das Halbfinale umfassender beworben worden, hätten das sicher auch mehr Menschen geschaut.

    Der Free ESC interessiert mich nicht die Bohne. An einem anderen Sendetermin hätte ich mir das wahrscheinlich auch angeschaut, aber schon den BuViSoCo fand ich damals eher uninteressant. Nebenbei bemerkt: so richtig scheint auch den meisten Menschen nicht klar zu sein, dass Stefan Raab in der Sendung nicht in Erscheinung treten wird, sondern nur Produzent der Sendung ist. „Wie? Der kommt gar nicht?“ ist der in meinem Umfeld meistgesprochene Satz, wenn ich vom deutschen Prozedere in diesem Jahr erzähle. Und dann sinkt auch schon stark das Interesse der meisten an der Sendung.
    Wer allerdings erfährt, dass es bei der ARD Live-Auftritte von einigen internationalen ESC-Teilnehmern des diesjährigen Jahrgangs gibt, interessiert sich schon mehr dafür.

    Vieles ist bei der Vorbereitung der Shows dumm gelaufen. Aber dieses Jahr läuft in jedem Bereich des neuen Lebens viel dummes ab… das ist halt so. Daraus kann aber auch etwas neues entstehen und meiner Meinung nach hatte sich die bekannte Form eines Riesen-Events mit immer noch mehr Tamtam inzwischen auch schon etwas überholt. Warum musste immer noch mehr Geld investiert werden, warum immer größere Pausenacts auf die Bühne gestellt werden? Was soll Australien dabei? Das alles wirkte für mich immer nur noch überladen und lenkte vom eigentlichen Sinn und Zweck des ESC nur noch ab.

    Jetzt mal drei Schritte zurückzugehen und das ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten schadet dem ESC nicht. Durchatmen und neue Konzepte für die Zukunft entwickeln sollte nach dem ESC für die Zuständigen bei EBU und NDR an vorderster Front stehen. Es war doch auch viel Schönes in diesem Jahr dabei… die Fans wurden mehr einbezogen und die Künstler kamen viel mehr zur Geltung… wenn das alles zukünftig professioneller integriert würde, haben alle was davon.

    Ich bin gespannt. Und den Zweiflern unter uns sei gesagt: Beim TV hat man keine Qual der Wahl. Niemand MUSS irgendwas schauen. Lest ein gutes Buch oder trefft Freunde (nicht mehr als zwei!), the real life ist sowieso gesünder. 😉

    • „Es war doch auch viel Schönes in diesem Jahr dabei… die Fans wurden mehr einbezogen und die Künstler kamen viel mehr zur Geltung…“ — also in der Phase vor der offiziellen Bekanntmachung des deutschen Acts wurden sie nicht einbezogen. Im Gegenteil, es wurde doch alles unter Verschluss gehalten. Und danach ehrlich gesagt auch nicht. Oder habe ich da was verdrängt?

      • @dp, hast du was mitbekommen, wann und wo die ogae resultate veröffentlicht werden?

      • Nö. Du hast nichts verdrängt, für vorher stimmt das ja auch. Ich bezog mich auch mehr auf die Aktionen der EBU nach der Absage… vielleicht stellt sich der NDR ja doch noch als lernfähig heraus. 😉

      • @Rainer1: Noch nicht. Kommen aber sicher von den Fanclubs und wir werden es melden

    • @Funtasticc, muss Dir bezüglich des Riesen Events recht geben, und es hat sich ja in nahe zu allen Bereichen des Lebens ins immense entwickelt, zu hoffen wäre das wir aus Corona diesbezüglich lernen, vielleicht müssen wir das ja sogar, wegen drohender Wirtschaftskrise und so weiter, fürchte aber das nach Corona alles so weiter läuft wie bisher

  17. Die Liveauftritte von Litauen und Island zeigen doch, was möglich gewesen wäre, wenn man nur genügend Willen seitens der EBU gehabt hätte. Man hätte durchaus einen ESC ohne Publikum veranstalten können.

  18. Kleiner Nachtrag: habt ihr eigentlich mitbekommen, dass Michael Schulte und Ilse deLange beim EBU Spektakel zusammen Ein bisschen Frieden singen? Spaaaaanend!!!

  19. Ich habe den NDR in den letzten Jahren nur sehr selten gelobt, aber das Samstagabendprogramm bei der ARD ist tatsächlich ein genialer Schachzug. Die EBU hätte ja problemlos einen Videokontest ohne Zuschauer auf die Beine stellen können, aber mir scheint, dass die EBU-Dödel die Veranstaltung lieber abgesagt haben, weil sie nicht das immergleiche (und inzwischen langweilig gewordene, zumindest für mich) Format durchziehen konnten. Bei der EBU scheint kaum kreatives Potenzial vorhanden zu sein. Also zeigt der NDR der EBU, was möglich gewesen wäre. Bravo Herr Schneider!

    • Die EBU hat doch schon versicherungstechnische Gründe als Grund der Absage angegeben. Es wäre also kein Geld von der Versicherung geflossen, wenn es einen alternativen Contest mit Abstimmung gegeben hätte. Geld, welches die EBU anscheinend dringend nötig hat, um auch im nächsten Jahr überhaupt weitermachen zu können. Traurig, aber nicht mehr zu ändern,

  20. Überraschend finde ich, wie viele Wettbewerbe es überall gibt, so wollte die EBU das bestimmt nicht bei der Absage, nur leider werden wir nie erfahren, wer morgen den Pott (zum ersten Mal) nach Hause geholt hätte.
    Wie fühlte es sich wohl an, als es 1969 gleich vier Gewinner gab..

  21. Wie kann denn Ilse De Lange in der ARD mit Michael Schulte singen, wenn sie doch auf Pro Sieben beim Free ESC für Holland startet?

  22. Hübsche Geschichte, Douze Points.
    Leider fehlen ein paar wichtige Fakten, die in der Gesamtbetrachtung nicht fehlen sollten:
    – EBU hat Sorge um Versicherungszahlungen und duckt sich weg
    – Raab geht seinen Sonderweg, nachdem klar wurde, dass eine Zusammenarbeit mit dem NDR und der EBU nichts wird
    – der NDR zieht nach und sichert sich jahrgangsaktuelle ESC-Acts (für mich klingt das wie beleidigte Leberwurst)
    – im Hintergrund läuft sicher noch eine Retourkutsche in Richtung EBU, aber das wäre eine Unterstellung
    – die dilettantisch gemachte ESC-Sendung auf One, die einer Ohrfeige in mehrere Richtungen gleicht

    Wer bei diesen Spielchen komplett außen vor steht: die Fans.
    Manche klatschen begeistert wie ein Duracell-Häschen, andere überschlagen sich mit eigenen Vorschlägen (als wenn das jemanden beim NDR interessieren würde).

    Fazit:
    Es geht um Geld, Macht und Egos.
    Aber sicher nicht um Musik.

    In diesem Szenario ist mir die Raab-Show lieber als dieser Quark auf der ARD, zumal es das deutlich spannendere Format ist. Und: die Wiedererweckung des BuViSoCo war sowieso überfällig!

  23. Raab zeigt, wie es geht, seine BuViSoCo-Wiederauferstehung, das Line-up klingen doch vielversprechend! Und da wäre ja auch noch der ESC-Sieg von Lena vor 10 Jahren (SSDSGPS). ARD/NDR und auch ZDF sind davon meilenweit entfernt, allgemein was Musik angeht unterirdisch mit einer Lebendigkeit und einem Altersdurchschnitt gefühlt wie die eines Corona-Toten! Unvergessen das völlig unwürdige Gewürge um den deutschen Beitrag, nach einer gruseligen Silvester-Party am Brandenburger Tor usw.
    Das Ende vom Lied dürfte nächstes Jahr ein bemühter Raab-Abklatsch sein, vielleicht aber tatsächlich wieder ein gelungener VE – der letzte 2019 brachte ja immerhin eine jüngere Zuschauerschaft ein. Könnte nicht verkehrt sein. Der ESC hält doch sonst kaum noch was er verspricht, außer vielleicht ein, zwei gute Auftritte – zu wenig für einen langen Abend! VE und Raab-Wettbewerb sind da deutlich besser.

  24. @Andreas Meier, 16.05.20, 11:44

    Bezüglich des JESC stimme ich Dir voll und ganz zu. Ich finde auch, dass man Kinder nicht diesem Druck schon aussetzen sollte. Das heißt jetzt nicht, dass die meisten Zuschauer dieser Sendung zweifelhafte Absichten haben. Aber ich finde nicht, dass man Kinder schon auf die große Bühne zerren sollte, nur um das Ego der Eltern zu erfüllen. Nennt mich meinetwegen spießig, aber das ist halt meine Meinung.
    Nichts für ungut, „jedem Tierchen sein Plesierchen“. Aber ich kann nicht unbedingt behaupten, dass ich böse darum bin, dass Deutschland nicht teilnimmt🙂.

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