Kommentar zum FreeESC: Stefan Raab als Retter des ESC? – Nein Danke!

FreeESC Screenshot Trailer Erfunden vom ESC Retter

Am kommenden Wochenende sind alle Musikfans in der Zwickmühle. Es ist (eigentlich) ESC-Finaltag, aber der ESC in Rotterdam findet in diesem Jahr bekanntlich nicht statt. Im Fernsehen gibt es an diesem Tag aber so viel ESC-Live-TV wie noch nie zuvor und das auf mehreren Sendern zeitgleich – auch wegen Stefan Raab. Soll man ihm dafür dankbar sein?

Über acht Stunden sendet die ARD am 16. Mai 2020 ESC-Programm. Es beginnt mit dem „deutschen Finale live aus der Elbphilharmonie“ in Hamburg, moderiert von Barbara Schöneberger. Danach folgt die zeitversetzte Übertragung des offiziellen EBU-Programms „Europe Shine A Light“ und ab Mitternacht sendet die ARD den Lena-ESC aus Oslo 2010.

Parallel startet – ebenfalls nach der Tagesschau – auf ProSieben die Stefan Raab/Brainpool-Produktion „FreeESC„, wo in einem Kölner Studio (bislang) 15 Acts Corona-vorschriftskompatibel auftreten, die 15 Länder repräsentieren wollen, aus denen in DACH das Publikum und in den anderen Ländern „FreeESC-Sympathisanten“ (whatever that means) einen Sieger ermitteln. Das Ganze hat mit knapp vier Stunden ebenfalls epische ESC-Länge, umfangreich zu erwartende Werbepausen inklusive.

Die Geister, die ich rief…

Wie kommt es zu dieser Kollision in der Primetime? „Die Story behind the story“ ist schnell erzählt. Noch in der Nacht nach der ESC-Absage durch die EBU hat der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber „ein Konzept für eine europaweite Show für 40 europäische Länder und Australien“ geschrieben und anschließend persönlich Stefan Raab als Sparringspartner ins Boot geholt. Mit Stefan Raab gemeinsam hat er das Konzept bei der EBU und dem verantwortlichen niederländischen Senderverbund eingereicht und eine Absage kassiert. Die EBU wollte in Corona-Zeiten keinen Wettbewerb, in dem Songs/Länder gegeneinander antreten – was ironischerweise jetzt in ganz vielen europäischen Ländern bei autonomen ESC-Formaten passiert.

Soweit die Faktenlage. Die Idee von Thomas Schreiber hat dann Stefan Raab „inspiriert“, eben sein eigenes Ding zu machen und er hat bereits am 31. März 2020 rudimentäre Infos zum eigenen „Free European Song Contest“ veröffentlicht. Und ist damit der EBU (und dem NDR/der ARD) zuvorgekommen, die zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Pläne für den 16. Mai 2020 veröffentlicht hatten. Das war ein maximal geschickter Zeitpunkt, weil er in diesem Info-Vakuum den „FreeESC“, wie er jetzt heißt (sehr verwunderlich, wieso die EBU sich das gefallen lässt), ganz oben auf die Agenda bei Fans und Fachöffentlichkeit gehoben hat.

Das Raab-typische-Agenda-Setting ist zwar taktisch klug, aber sympathischer macht es den Vorgang nicht…

Retter des ESC

Über das „FreeESC“ Konzept ist bei uns an anderen Stellen schon viel veröffentlicht und diskutiert worden. Mein persönlichen Zwischenfazit: Das könnte ’ne coole Sache werden. Raab weiß die Spannung zudem perfekt anzuheizen, für Deutschland trete „eine echte Legende an, die alle bisherigen deutschen Teilnehmer an europäischen Musikwettbewerben künstlerisch und charakterlich überstrahlt.“ Puuh, kleiner geht’s nicht und immer wieder nutzt Herr Raab das Inszenierungsinstrument der Negativ-Abgrenzung. (Singt er selbst?)

Wie cool auch immer der „FreeESC“ wird, uncool, unappetitlich und überheblich ist der Trailer für die ProSieben-Live-Show, in der Stefan Raab sich selbst weitgehend ironiefrei und als „ESC-Retter“ verkauft. Abgesehen davon, dass „Eigenlob stinkt“ wie der Volksmund sagt, ist dieser Anspruch überzogen und unzutreffend.

Nun sind Stefan Raabs Verdienste um deutsche ESC-Erfolge (mit Unterbrechungen) in den Jahren 1998-2012 unbestritten, er hat mit Max Mutzke, dem supersupersympathischen Roman Lob und natürlich Lena echte ESC-Duftmarken gesetzt und ESC-Geschichte geschrieben.

Aber ein ESC-Retter ist er nicht. Es bleibt verborgen in den Nebeln von Norwegen, was er damit überhaupt meint? Douze Points hat hier mehrere Interpretationsmöglichkeiten geschildert. Meint er die Revisitalierung des ESC in Deutschland nach dem Traumajahren 1996/1997, als Guildo Horn auf dem Weg nach Birmingham seine Schützenhilfe erbat und Jürgen Meier-Beer als  NDR-ESC-Verantwortlicher und vor allem die BILD maximalen Support leisteten? Oder ist damit gemeint, dass er den Fans einen ESC schenkt in dem ersten Jahr, in dem es keinen gibt (aber international betrachtet mehr ESC-Programmstunden als jemals zuvor)? Eine entsprechende Anfrage von ESC kompakt ließ Stefan Raab seit Anfang der Woche unbeantwortet.

Jedenfalls braucht der ESC keinen Retter und auch keinen Befreier, schon gar nicht in diesem überehrgeizig vorgetragenen „Ich Ich Ich“ Tonfall. Wenn das ironisch gemeint ist (wofür es keine Indikatoren gibt), dann kommt das nicht rüber.

Warum zeitgleich?

Letztendlich ist es Geschmackssache, wie man die Eigenpositionierungen „ESC-Retter“ und „FreeESC“ empfindet und der eine oder andere Kommentator wird mir sicher Humorlosigkeit oder eine „Kuchenblogger“-Haltung vorhalten. Für mich wirken die „FreeESC“-Trailer etwas verzweifelt, nachdem der NDR im Endspurt jetzt ein ausgewachsenes attraktives Echt-ESC-Angebot aus der Elbphilharmonie angekündigt hat.

Aber wie gesagt, ich werde mir die Brainpool-Show definitiv auch ansehen, sie verspricht witzig und unterhaltsam zu werden und ich bin fast sicher, dass einige der Acts, über die wir hier und hier spekuliert haben, dort tatsächlich zu sehen sein werden. (Bitte, bitte, lasst Vanessa Mai für Kroatien singen!)

Aber der „FreeESC“ bleibt – von Copyright-Fragen einmal ganz abgesehen – ein Schlau-Abgekupfert-Format und so gibt es am Samstagabend zeitgleich zwei Liveshows, in der in ESC-Manier Songs prämiert werden.

Es ist mir klar, dass für dieses Brainpool-Copycat-Projekt (neben dem kreativen Selbstverwirklungsdrang von Herrn Raab) in erster Line merkantile Gründe den Ausschlag gegeben haben dürften. Das Format klingt sehr teuer und sorgt bei Brainpool für anständig Umsatz und bei ProSieben für Werbeerlöse in diesbezüglich schwierigen Zeiten.

Aber Werbeerlöse werden auf der Basis von Reichweiten/Einschaltquoten vergeben und aus dieser Perspektive ist eine zeitgleiche Ausstrahlung unverständlich. Denn selbstverständlich werden sich der „FreeESC“ und die von Barbara Schöneberger moderierte aufwändige ARD-Show gegenseitig Zuschauer wegnehmen. Am Ende profitiert der Krimi im ZDF.

Und auch für die Fans ist dieser Verdrängungswettbewerb eine Zumutung. Ich hätte so gerne beide Shows live verfolgt. Auch die Raab-ESC-Version klingt spannend und beschwingt und wäre live viel besser als als Konserve. So gerne würde ich live mitfiebern, aber nicht wenn ich dafür auf die Elphi und die anschließende EBU-Verbeugung vor der „Class of 2020“ und vor der Zusammenhalt Europas in der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten verzichten muss.

Es kann sein, dass ich meine Entscheidung anders justiert hätte, wenn ich beide Shows gesehen habe. Dass der „FreeESC“ brutal „gegenprogrammiert“ ist, ist für alle Musikfans eine Folter. Ich würde so gerne auch mal wieder eine kreative Raab-Show zelebrieren, aber er macht es einem wahrlich nicht leicht, das zu tun.


45 Kommentare

  1. Man kann es wirklich einfach übertreiben. Erst meckert man über gar kein Ersatzprogramm….Dann meckert man darüber das überhaupt was gemacht wird nur um im Nächsten Moment immer und immer wieder dagegen zu schießen. Wie Peinlich ist das denn bitte. Ich verstehe nicht warum man sich nicht einfach mal freuen kann statt alles ins Negative zu ziehen. Dabei geht es hier nicht nur um den Free ESC. Selbst als der ESC noch stand und man noch nicht wusste wer für DE antritt wurde nur gemeckert, gemault und pesimismus betrieben. ich verstehe es einfach nicht. Sollten wir in dieser Zeiten nicht lieber Froh sein überhaupt solche Sendungen zu bekommen vor allem da solche Musikshows nicht mehr groß existent sind oder ist es besser alles immer nur schlecht zu reden und zu Kritisieren wie ein Kleinkind das seinen Lolly weggenommen bekommt.

    • Genau, das ständige Gejaule geht mir auch auf die Nerven. Raab hat seine Sendung angekündigt, als es noch kein Alternativkonzept gab; von daher ist es nicht seine Schuld wenn (verbflüffenderweise!) der NDR nachzieht. Außerdem wissen inzwischen die meisten Leute U70, dass man TV-Sendungen nicht mehr live im linearen TV sehen muß, sondern zeitversetzt streamen oder downloaden kann.

    • Max, wieso gehst Du davon aus, dass die Leute, die Anfang des Jahres über den NDR gemeckert haben, dieselben sind, die jetzt an diesem Free-ESC Kritik üben?

      Der Artikel von Peter enthält weder Gemecker noch Gejaule, sondern fundierte, berechtigte Kritik.

      • Weil es die selben Kommentartoren hier sind die bei beidem so gemeckert und gejault haben.

      • Das hat jetzt nix mit Kritik an dieser Show zu tun, find ich spannender als das ARD-Ding, das grad läuft.
        Aber der Österreicher Song ist doch geklaut, oder?: “ bitte gib mir doch ein o…“ oder

    • Herausragender Beitrag.
      Wie lautet eigentlich dein Auftrag hier, Max? Du bist nicht zufällig der Max, der jahrelang als nicht alternder „Max_15 Jahre“ ständig jeden Murks des NDR schöngeredet hat? Klingst jedenfalls genauso. Wenn ja, gehst du als Sympathisant leider nicht mehr durch. Könnte dann an dieser Stelle noch über Reflexionsvermögen, Profilneurosen und einhergehender Kritikunfähigkeit referieren, das manche Brüder gleiche Kappen haben und über Peinlichkeiten ganz anderer Natur, aber bestimmt wäre das wie so vieles andere vergebliche Liebesmüh…
      @Peter Dein Blick auf den Menschen sitzt genauso am richtigen Fleck wie dein Herz. Und lass(t) dir(euch)bitte nicht den Quatsch einreden, diese Form von Berichterstattung/Journalismus wäre defätistisch, unsachlich oder sonste was, nur weil man nicht vor jeder Entscheidung wie ein Wurm im Staub rumkriecht.
      Auf jeden Fall: You made my month! (werde deinen Beitrag ausdrucken in der Tasche mit mir herumtragen).

      • @Kowalski: Ich teile Deine Einschätzung zu Peter Beitrag. Allerdings gefallen mir die Worte „Schönreden“ und erst recht „Auftrag“ nicht (durfte ich auch mal lesen, als ich den NDR in einer Situation verteidigt habe), genauso wenig, wie wenn bei Kritik zu schnell von „Meckern“ oder „Jaulen“ die Rede ist.

        Immerhin scheine ich nun ein Beispiel für Kommentatoren gefunden zu haben, die Max auf meine Nachfrage hin gemeint haben könnte ;-), diese Zuschreibung erklärt vielleicht ein wenig die Intensität Deiner Reaktion.

      • Am Ende von „Peter“ scheint die „s“-Taste geklemmt zu haben.

  2. Wir brauchen aber einen Raab, der uns vor der B-Komponisten-Mafia rettet, sonst hat der Bewerb keinerlei Zukunft

  3. Ich finds super! Wenn er jetzt am freitag oder sonntag laufen würde, wärs noch viel superer😀. So kann ich leider nicht live schauen.

  4. Peter, kann es sein, dass du den Werbespot einfach viel zu ernst nimmst, von wegen ESC-Retter? Das ist Marketing, damit kennste dich doch auch aus.
    Einfach mal ganz in Ruhe chillen und abwarten, das würde ich doch jedem raten, der sich über die Show, das Konzept, den Sendeplatz etc. aufregt. Es ist nur eine Show. Wer die nicht gucken will, soll sie halt nicht gucken.

    Man kann aber natürich auch alle Aussagen Raabs für voll nehmen. Das wäre nur allerdings nicht so klug. Er hat sich damals auch selbst König Lustig genannt – bzw. wurde er so genannt. Hat sich da irgendjemand ernsthat drüber echauffiert und gesagt „OMG ICH FINDE ABER HARALD SCHMIDT VIEL LUSTIGER!!!“? Nein. Fahrt mal runter.

  5. Sehr gut analysiert , Peter. Nur am Schluss „trennen“ sich unsere Wege.
    Ich werde mir definitiv nicht den Pro7 Ersatz ESC live anschauen – dafür rangiert dieser Sender im allgemeinen bei mir fast ganz hinten.Auch wirkt seine Werbung auf mich eher negativ.
    Interessant ist aber schon der bekannte Fakt ,dass Stefan Raab nicht verlieren kann.
    Verlieren im Sinne von verloren!
    Er ist ein Typ der sich noch so richtig schön ärgern kann wenn er nicht als Sieger vom Platz geht.
    Nun bin ich gespannt wir dieses „ESC Schlag den Raab“ ausgehen wird denn unter einem anderen Aspekt sehe ich seine Ersatz Show nicht.
    Denn , wäre er wirklich ein Eurovision Fan würde es nicht zu diesem Zwiespalt kommen und seine Show würde perfekt am Freitag Abend laufen.

    • Warum ignorieren hier eigentlich sehr viele Leute immer noch den Fakt, dass die ARD bzw. der NDR die Konkurrenzsituation geschaffen hat?
      Raab hat sein Konzept, seine Show doch viel eher, einige Wochen eher sogar, präsentiert als die ARD das Programm, das dort geplant ist.

      Damit ist die ARD/der NDR doch der Spalter und nicht Raab. Wenn man überhaupt diesen sehr unschönen Begriff benutzen will. Die ARD hat die Konkurrenzsituaton geschaffen, nicht Raab. Warum verlangt man also von Raab, er soll den Sendeplatz wechseln? Weil an einem ESC-Abend nur die ARD eine Musikshow senden darf?
      Dieses Dogmatische, dieses Engstirnige – es geht mir so hart auf den Sender.

      • Die Leute wollen unbedingt alles was mit ESC zu tun sehen, hören…alles gut. Aber wenn die Shows die Erwartung nicht erfüllen, dann hagelt es wieder an Gemecker und Kritik ohne Ende.
        Schade.

        Auch meine Empfehlung wäre, bleibt chillig – bleib gesund.

      • Andi, hast Du schon die EBU-Sendung vergessen? Dass es die gibt, steht schon lange, lange fest. Klar, sie wurde erst kurz nach Raabs Plänen bekannt gegeben, und viele andere Länder bzw. Sendeanstalten hatten auch schon Alternativprogramme vorgesehen. Die haben es aber hingekriegt, dass in 46 Ländern nun doch „Europe shine a light“ zu sehen sein wird, nur Pro7 beharrt auf seinem Konkurrenzprogramm zu einer Sendung, bei der den 41 verhinderten ESC-Teilnehmern eine europaweite Bühne geboten wird. Ok, man sieht sie nur kurz, aber immerhin. Wie es ankommt, wenn 41 Titel an einem Abend ausgespielt werden, konnte man ja am letzten Wochenende beobachten.

        Jetzt kommt sicher gleich wieder jemand mit zeitversetzt Streamen und Downloaden daher. Aber mir geht es nicht um die Fans, die eh schon alle Titel in- und auswendig kennen. Mir geht’s um die Samstag-Abend-Linearfernsehzuschauer außerhalb der Bubble, die sich jedes Jahr oder alle Jahre wieder immer mal wieder gerne das Finale des ESC anschauen. Dem Liebhaber und Retter des ESC scheint es egal zu sein, dass viele dieser Leute wegen seiner Sendung nun halt keinen kurzen Eindruck von den Künstlern bekommen werden, deren ESC dies gewesen wäre.

        Warum ist man engstirnig und dogmatisch, wenn man sich darüber aufregt?

      • …. dein Kommentar ist nicht ganz richtig . Es geht nicht um den Fakt wer erster war sondern wie nun die Umsetzung erfolgt . Der ARD sind da leider “ etwas “ die Hände gebunden. Die Show egal was uns da erwartet wird wohl in über 50 Länder zeitgleich übertragen. Pro7 hat schon des Öfteren Sendungen kurzfristig geändert oder ersetzt. Der Quote zuliebe wäre eine damaliger zeitiger Wechsel auf den Freitag sehr gut gegangen und hätte sich garantiert gelohnt.

      • @Thomas M.:
        In anderen Ländern gibt es doch aber auch Konkurrenzprogramme. Und es gibt auch in jedem Jahr, in dem der ESC regulär läuft, Konkurrenzprogramme, unter anderem auch mit Neuausstrahlungen von Krimis im ZDF, die an die 7 oder 8 Millionen Zuschauer holen.

        Mir isses einfach zu dogmatisch zu sagen, wie von Peter zum BEispiel formuliert: das ist für jeden Musik-Fan doch eine Folter. Natürlich ist die Programmierung unglücklich, das versteh ich vollkommen. Aber es ist doch nun wahrlich keine Folter.
        Ich finde auch, wie schon erwähnt, das Wort „Spaltung“ so furchtbar in dem Zusammenhang. Man geht dabei immer von bösen Absichten aus. Und das vermag ich einfach nicht zu erkennen. Mir geht das schon zu weit in den Bereich der Verschwörungstheorie hinein wenn man behauptet, Raab will der ARD, dem ESC und der EBU schaden, weil er sich erdreistet, einen Musikwettbewerb zu initiieren.

        Natürlich hätte P7 nach der ARD-Programmierung sagen können: na gut, gehen wir uns in aller Freundschaft aus dem Weg, wir machen unsere Show ne Woche später. Oder wann auch immer. Ich seh nur nicht, warum P7 das zwingend hätte machen müssen und was so schlimm daran ist, dass es nicht gemacht wurde.
        Man kann doch bitte nicht ernsthaft annehmen, dass daran der ESC zugrunde geht. Das geht mir einfach zu weit. Und das ist auch zu engstirnig. Es ist ein weiteres Angebot für Musikfans, die den europäischen Gedanken mögen. Vielleicht könnte man das einfach mal so sehen. Als Angebot. Nicht als Spaltung.

      • Die ARD als EBU-Mitglied hat aber mMn. ein Vorrecht darauf, ein Ersatz-Programm zu entwickeln. Insofern kann ich Dir nicht zustimmen. Die Konkurrenzsituation ist vermutlich mangels klarer Kommunikation und durch die undurchsichtige Situation kurz nach der Absage bedingt, da würde ich jetzt direkt keinem die Schuld geben. Die Frage bleibt nur, ob die voreilige Ankündigung unklug oder besonders gut bedacht war, vermutlich eher Letzteres, aber genauer wird man die Frage nach Samstag beantworten können.
        Recht gebe ich Dir aber, dass der Begriff „ESC-Retter“ in erster Linie großes Marketing-Poltern ist. Ich würde mich daran jetzt nicht aufhängen.

        Ich bin mir noch unsicher, wie ich meinen Samstagabend gestalten werde; vermutlich schalte ich anfangs bei beiden Sendungen rein und entscheide mich dann für die bessere. Da wird man dann sehen, wer das überzeugendere Konzept vorweisen kann.

      • Ich bin ja lernfähig. Falls (ich wiederhole, weil ich nichts unterstellen will: falls) es im nächsten Jahr also einen zweiten Free-ESC geben sollte, der gleichzeitig mit dem traditionellen, unfreien ESC stattfindet, dann will ich nicht engstirnig sein, sondern das einfach als ein weiteres Angebot an Musikfans sehen, die den europäischen Gedanken mögen. Außerdem gibt es ja zeitversetztes Streamen und Downloaden.

        Ich glaube natürlich nicht, dass Raab bewusst mit dem Ziel an die Sache herangegangen ist, der ARD, dem ESC und der EBU zu schaden. Aber als Liebhaber des ESC wären ihm die Künstler dieses Jahres doch wichtiger als die Etablierung seines eigenen Formats, das neben dem Titel (freier und damit womöglich besserer ESC) nun mal einige Grundideen des ESC übernommen hat. Deswegen ist es eben nicht dasselbe, ob zeitgleich zur EBU-Sendung ein Krimi läuft oder ein Free-ESC, gerade im Hinblick auf die von mir oben erwähnten, dem ESC gegenüber grundsätzlich interessiert gestimmten ARD-Linearzuschauer.

        Ich persönlich würde nie von Folter sprechen, weil mich die Pro7-Sendung nicht interessiert (ok, ein Auftritt von Cascada wäre natürlich etwas Anderes, aber den kann ich mir auch später gezielt rauspicken). Ich weiß auch noch nicht, ob ich die ARD-eigene Sendung schaue, denn ich nehme es auch ihr ein wenig übel, dass sie die europaweite Sendung nur zeitversetzt überträgt.

  6. Wieder einmal ein sehr guter Artikel. Vielen Dank dafür🙂.
    Persönlich ist mir Stefan Raab eigentlich eher unsympathisch, seine „Selbstbetitelung“ als „ESC-Retter“ bestätigt mich wieder einmal. Aber ich gebe zu, dass er schon einiges geleistet hat, nicht nur für den ESC.
    Er hat ja seine „Schützlinge“ wohl auch sehr ordentlich behandelt, sowohl vor, während oder auch nach dem ESC, wie ich gehört habe. (Seine überschwengliche Ankündigung nach dem ESC 2010, dass Lena nochmal antreten wird, mal außen vor gelassen. Ich glaube, dass war ihr nicht so recht. Aber sei’s drum).
    Ich werde mir die Show schon als Aufzeichnung anschauen, und wenn sie sich künftig etablieren sollte, finde ich das super, vorausgesetzt, und sehe ich auch nicht als Konkurrenz, vorausgesetzt, sie findet NICHT an demselben Tag wie der ESC statt.😉

  7. Ich frage mich, wie hoch das Durchschnittsalter hier ist. Heutzutage schaut man doch mindestens drei Sendungen gleichzeitig. Gar kein Problem.

  8. Peter,

    nachdem du lang und breit über die Themen ESC, Absage, Ersatzprogramm, FreeESC, Stefan Raab, Retter des ESC usw. in deinem Artikel oder Kommentar mit den Worten begonnen hast „…im Nebel von Norwegen…“, habe ich das Gefühl, du befindest dich mittendrin.
    Wir haben doch nun wirklich ausführlich und intensiv und mehrfach einen Meinungsaustausch über die o.g. Themen vorgenommen.
    Meine Empfehlung: warte ab bis sich der norwegische Nebel verzogen hat. Am 17. Mai hast du wieder klare Sicht, versprochen *smile*

    N.G

  9. Wenigstens bei der Punktevergabe hätte Raab doch auch auf ein eigens Punktevergabe-System kommen können, wenn er schon so ein schlaues Köpfchen, Mastermind und Hero sei. Wieso er sich hierbei beim ESC bedienen musste, bleibt wohl für immer sein Geheimnis, oder hat da etwa jemand noch eine Rechnung mit Herrn Schreiber offen???

    • Ich glaube, du hast da etwas nicht ganz verstanden. Die ganze Sendung bedient sich am ESC, es ist ja als Ersatz-ESC konzipiert, und beim ESC ist nun mal die Punktevergabe ein wesentlicher Bestandteil.

  10. Hier wurde behauptet, die ARD/der NDR hätte die Konkurrenzsituation geschaffen und nicht Raab. Dies jedoch stimmt NICHT, denn es war ziemlich klar, dass es am ESC-Sendeplatz ein entsprechendes alternatives Angebot geben wird. Selbst wenn die ARD/der NDR dies noch nicht gleich und sofort (nach der ESC-Absage) konkret benannt hatten war es klar wie Klossbrühe, dass etwas im Hinblick auf die ESC-Thematik stattfinden wird. Herr Schreiber hatte es jedenfalls schon vage angekündigt.

    Mir kann keiner erzählen, dass Raab sich dessen nicht bewusst war und die entstehende Konkurrenzsituation nicht ganz bewusst angepeilt hat. Dass jetzt von ARD/NDR eine Sendung mit Wettbewerbsformat dagegen gesetzt wurde ist für Raab und ProSieben blöd gelaufen – selbst schuld würd ich sagen, höhö :-).

  11. Raab hat sich in der Lücke platziert, als es noch keine Antwort von EBU und ARD zum 16.Mai gab. SVT, NOS und BBC hatten hingegen schon eigene Alternativen angesagt.
    Da sah es nicht nach einer europäischen Lösung aus.

    Und so gut gemeint das Elphi-Programm auch ist, das Hauptprogramm Europe shine a light wird 1h zeitversetzt gesendet! Soviel zum Thema live…..
    Wer es mit dem ESC aus EBU-Händen dann wirklich ernst meint, schaut ab 21 Uhr nicht mehr ARD!

  12. Es wird hier von Peter erneut über diesen Clip sowie die lediglich flapsig-werbende „ESC-Retter“-Formulierung diskutiert, und dies dabei – seien wir doch mal ehrlich – etwas pikiert überhöht aufgenommen.

    Man könnte quasi analog auch darüber diskutieren, dass die ARD Trailer in Ihrem Programm sendet, die dem Zuschauer suggerieren, es gäbe trotz Absage doch einen ESC. Was ein „echter“ ESC ist, wissen wir doch. Das ARD-Angebot ist unter den gegebenen Bedingungen in der Tat gut und vielleicht das Bestmögliche, aber ein „Echt-ESC-Angebot“, wie es Peter nennt, doch auch nicht.

    Also, alle arbeiten mit gewissen Bandagen und kochen am Ende nur mit Wasser. Lasst uns beide Süppchen versuchen zu genießen… 😉

    @Branko: Anderes Punktesystem für den FreeESC? – Wieso denn? Der FreeESC ist doch als Ersatz für den ersatzlos abgesagten ESC angetreten und der BuViSoCo lief doch auch schon so gelaufen. Es gibt Gottseidank kein exklusives Recht auf ein Zahlenschema.

    Und zurück zu Peters anfänglicher Frage. „Stefan Raab – Soll man ihm dafür dankbar sein?“
    Man „soll“ natürlich nicht, man „kann“ aber mit gutem Grund. Und das tue ich.

    • Alle, was Böörti01 sagt. Bestes Posting hier zu dem Thema und dem vollkommen einseitigen Kommentar. Da hätte ich Peter als Medienschaffenden etwas mehr Reflexion zugetraut. 🙂

  13. Ganz ehrlich eins muss man Raab und seiner Produktionsfirma sowie P7 lassen. Innerhalb von 6 Wochen hat man einen Kompletten Musikwettbewerb mit Künstlern, Moderation, Studio und Grafikdesign etc auf die Beine gestellt. Das ist eine Leistung die man anerkennen muss. Aber egal ob man jetzt die ARD oder P7 schaut wir sollten einfach froh sein das man trotz Abgesagtem ESC uns so ein Programm überhaupt bietet. .

    • Macht echt Sinn, wenns am Ende auch so aussieht wie in 6 Wochen zusammengeschustert. Was man ihm lassen muss ist, das er sich wieder mal einen schönen Stiefel zusammengeklaut hat, das kann er gut, das muss man neidlos anerkennen. Der Brüller wäre wirklich noch, wenn mit der künstlerisch und charakterlich alle überstrahlenden Legende diese selbstverliebte Kanaille sich tatsächlich selbst meint.

    • Deine Kommentare zum NDR sind dagegen immer voller Spaß und Freude, und wenn Du doch mal Kritik äußern solltest, ist sie ausschließlich konstruktiv. Leuten, die etwas Positives über den NDR schreiben, begegnest Du stets freundlich und verständnisvoll.

  14. Was ich ganz interessant finde: Die EBU kann eine dem ESC ähnliche Show nicht durchführen, weil sonst die Versicherung nicht zahlt. Aber Stefan Raab kann sämtliche Elemente des ESC übernehmen, ohne dass das die EBU (oder deren Versicherung oder deren Juristen) stört. Ich würde wirklich mal gern alle, alle Überlegungen kennen, die hinter dem abgesagten ESC stecken…

    • Als ob nach Horn und Raab alles soviel besser gelaufen wäre – es stimmt einfach nicht, denn auch nach 1998 hat es aus deutscher Sicht so manche Pleite gegeben – ich nenne mal nur die heftigsten: 2005, 2008, 2009, 2015, 2016, 2017, 2019. Eine der gravierendsten Folgen der Raabisierung des deutschen VE ist, dass eine ganzes (und weiss Gott nicht unerfolgreiches) Musikgenre, nämlich der deutsche Schlager, ausgegrenzt wurde und wird. Und das nur, weil man panische Angst davor hat, dass Herr Siegel nochmal zum Zuge kommt.

  15. Ich habe mich eben an anderer Stelle lang und breit positiv zum #FreeESC geäußert, deswegen hier nur ein relativ kurzer Kommentar.

    Raab muss man nicht unbedingt sympathisch finden, aber man muss lobend anerkennen, dass er eine tragende Rolle gespielt hat, den Wettbewerb gerade für uns Fans zu erhalten. Da reicht allein ein Blick auf die deutschen ESC-90er vor dem Jahr des Guildo Horn und Alf Igel. Die Zeit war doch geprägt von Has been-Acts wie Wind und Münchener Freiheit 1992 respektive 1993, schrägen Siegel-Schlager wie Frei zu leben, Wir geben ’ne Party oder Zeit. Und eine Band, die zum Glück ein ähnliches Nebel von Norwegen-Schicksal wie deren Namensinspiration: Atlantis 2000. Und für die Chronistenpflicht: die Scheidung von Stone & Stone war durchaus berechtigt. Viel mehr Jahre mit solchen Beiträgen wären nur weitere Sargnägel gewesen.

    Von einem gewissen Standpunkt kann man schon berechtigt davon sprechen, dass er ein Retter ist, muss aber auch nicht. Zumindest hat er aber eindeutig den Contest aus der Ferner liefen-Ecke rausgezogen. Natürlich, da steckt auch viel Werbe-Promotion hinter dieser kurzen Aussage, der wahre Kern lässt sich aber nicht bestreiten. Gerade für meine Generation, die den Guildo Horn noch als erste Fernseherinnerung haben.

    • Wieso wäre der Wettbewerb ohne Raab nicht erhalten geblieben? Wer sagt, dass ohne Raab nicht auch abwechslungsreichere Beiträge gekommen wären, mit Leon 1996 gab’s ja schon erste Anzeichen dafür? Und wenn’s auch nicht mein zentraler Punkt ist: Viele der von Dir geschmähten Beiträge gefallen mir persönlich immer noch besser als „Guildo hat Euch lieb“, „Wadde hadde dudde da“ und ja, sogar „Can’t wait until tonight“.

    • Sorry, mein Posting gehört hierhin:

      Als ob nach Horn und Raab alles soviel besser gelaufen wäre – es stimmt einfach nicht, denn auch nach 1998 hat es aus deutscher Sicht so manche Pleite gegeben – ich nenne mal nur die heftigsten: 2005, 2008, 2009, 2015, 2016, 2017, 2019. Eine der gravierendsten Folgen der Raabisierung des deutschen VE ist, dass eine ganzes (und weiss Gott nicht unerfolgreiches) Musikgenre, nämlich der deutsche Schlager, ausgegrenzt wurde und wird. Und das nur, weil man panische Angst davor hat, dass Herr Siegel nochmal zum Zuge kommt.

      • Fakt ist aber das immer wenn Raab beim deutschen Vorentscheid beteiligt dann immer ein sehr gutes bis gutes Resultat herausgekommen ist. Jeder der Acts plus er selbst haben zumindest Top 10 und besser erreicht. Fast immer wenn Deutschland gut abgeschnitten hat in den letzten 2 Jahrzehnten war Raab mit involviert. Ausnahmen waren 1999, 2001 und 2018. Ohne Raab war meistens nur deutsche ESC-Tristesse angesagt.

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