Live-Blog: Eurovision Home Concerts (5)

Ganze neun Acts sind heute bei der fünften Folge der Eurovision Home Concerts mit dabei. Darunter zum ersten Mal auch zwei deutsche Künstler:

  • Michael Schulte (Deutschland 2018)
  • Ben Dolic (Deutschland 2020)

Von Michael Schulte, der sich seine Musikerkarriere auch mit heimgemachten Akkustikvideos aufgebaut hat, ist eine starker Auftritt zu erwarten. Wie sich Ben Dolic (Aufmacherbild) reduziert ohne große Produktion schlagen wird, bleibt spannend.

Aus dem 2018er-Jahrgang werden wir neben Michael auch die schweizerischen Vertreter erleben dürfen:

  • ZiBBZ (Schweiz 2018 )

Außerdem performen wieder viele Künstler des aktuellen Jahrgangs aus ihrem Wohnzimmer:

  • ROXEN (Rumänien 2020)
  • Samanta Tīna (Lettland 2020)
  • Sandro (Zypern 2020)
  • Senhit (San Marino 2020)
  • Tom Leeb (Frankreich 2020)
  • VAL (Weißrussland 2020)

Wie in den vergangenen Episoden werden alle Acts jeweils ihren ESC-Titel sowie einen weiteren Beitrag, der vorher von den Fans in den sozialen Medien gewählt wurde, singen.

Folgende Titel standen hier zur Auswahl:

  • Ben Dolic: Euphoria (Schweden 2012), Believe (Russland 2008), Satellite (Deutschland 2010), Beautiful Mess (Bulgarien 2017)
  • Michael Schulte: Fly On The Wings of Love (Dänemark 2000), Together (Irland 2018)
  • ROXEN: Sweet People (Ukraine 2010), Undo (Schweden 2014)
  • Samanta Tina: Shady Lady (Ukraine 2008), Come Back (UK 2002)
  • Sandro: My Last Breath (UK 2020), Tonight Again (Australien 2015)
  • Senhit: L’Essenziale (Italien 2013), Insieme: 1992 (Italien 1990)
  • Tom Leeb: Me and My Guitar (Belgien 2010), Arcade (Niederlande 2019)
  • VAL: Story Of My Life (Weißrussland 2017), Rhythm Inside (Belgien 2015)
  • ZiBBZ: Nobody But You (Österreich 2018), Love Shine a Light (UK 1997)

Die Show wird ab 17 Uhr auf dem offiziellen YouTube-Kanal von eurovision.tv gestreamt.

Der Live-Blog zum vierten Home Concert mit Eugent Bushpepa, Damir Kedžo, Elisa, VICTORIA, Stefania, Paenda, KEiiNO und Ana Soklič findet sich hier. Beim dritten Home Concert waren Jalisse, Lake Malawi, Victor Crone , Lesley Roy, Uku Suviste, Hurricane, Ulrikke und Jeangu Macrooy mit dabei, wir haben hier live gebloggt. Der Live-Chats zum zweiten Home Concert, bei dem Daði Freyr, Montaigne, Vasil, Aksel, Gjon’s Tears, Jamala und Leonora performt haben, könnt Ihr hier nachlesen und den Live-Chat zum zweiten Home Concert mit Ryan O’Shaughnessy, Rasmussen, Tamara Todevska und Slavko Kalezić hier.

Die Home-Concert-Serie läuft jeden Freitag bis zum 15. Mai, dem Tag vor „Europe Shine A Light“. Die zweieinhalbstündige Show wird von 46 Sendern am 16. Mai übertragen.

Herzlich Willkommen zum Liveblog des fünften Home Concerts. Uns erwarten sicherlich wieder einige gute Akkustikversionen und die Künstler müssen beweisen, was sie ohne großes Brimborium drum herum „drauf haben“. Youtube sagt, dass die Premiere „gleich“ startet. Bei uns schlägt die Rathausturmuhr 17 Uhr und ein Testbildschirm-Countdown setzt ein. Jetzt geht es los!

Als erstes sind ZiBBZ dran. „Unterstützt“ werden sie im Intro vom kleinen Nachwuchs, der begeistert aufs Klavier hämmert. Corinne singt und trägt den üblichen Hut, Stefan begleitet sie am Klavier. Als Geschwister können sie wohl auch relativ problemlos zusammen performen und müssen nicht getrennte Aufnahmen per Video mischen. Die Version von „Stones“ wirkt akustisch sehr gut, besonders Corinnes rauchige Stimme kommt sehr gut zur Geltung.

Und schon ist unser diesjähriger Vertreter Ben Dolic an der Reihe. Hier bin ich sehr gespannt, wie der Song akustisch wirkt. Ben steht vor einem lila Hintergrund, der ihn optisch fast verschluckt, weil er ein braunes Hemd trägt. Akustisch ist der Auftritt doch nicht, es wird die Tonspur von „Violent Thing“ gespielt und Ben singt dazu. Er wirkt sehr steif und schüchtern und bewegt sich kaum. Das wirkt auf mich schon fast wie ein Amateur-Youtube-Cover-Video. Schade, nicht wirklich überzeugend, da waren ZiBBZ deutlich besser.

Tom Leeb ist im Intro mit Gitarre zu sehen, hier werden wir also dann wieder eine Akustikversion hören. Gefällt mir gleich von Anfang an sehr gut, Toms Stimme hat eine sehr schöne Klangfarbe. Nur mit Gitarrenbegleitung hat „The Best In Me“ nicht mehr dieses übertriebene boybandartige Schmalzige und die an sich sehr schöne Melodie kann viel besser wirken. Das fand ich wirklich angenehm anzuhören, eine schöne Überraschung für mich.

Senhit begrüßt uns nicht aus San Marino, sondern aus Bologna. Man kann schon mal festhalten, dass die optischen Effekte „Freaky“ sind. Von LED-Videoeffekten über Verfünffachungen von Senhit bis hin zu Einspielern von tanzenden Fans. Das ist schon irgendwie cool und so unterhaltsam, dass der Song eher wie Hintergrund wirkt und es gar nicht stört, dass er ziemlich repetitiv ist und nicht ganz klar ist, ob das jetzt überhaupt live war.

Als nächstes ist der „dritte“ Deutsche im Bunde an der Reihe: Sandro Nicolas, der in diesem Jahr für Zypern antreten sollte. Ähnlich wie Tom Leeb präsentiert er seinen ESC-Beitrag „Running“ nur an der Gitarre. Er überzeugt aber deutlich weniger als der Franzose. Auf mich wirkt es jammerig und schafft es nicht meine Aufmerksamkeit zu halten. Ich merke, dass ich die mehrfarbige Zimmerpflanze und das Jalousienband interessiert betrachte.

Roxen hat sich ein Vorbild an Corinne von ZiBBZ genommen und trägt auch einen Hut. Sie hat den Beamer heraus gekramt und lässt Wolken im Hintergrund vorbei schweben. Ihre Stimme klingt auch live sehr gut, leider ist die Abmischung allerdings nicht so gut gelungen, sodass das Instrumental ihren Gesang zu sehr übertönt.

VAL begrüßen uns auf ihren Sofa. Valerija erkennt man mit kurzen schwarzen Haaren ohne Perlenperücke und in ausgewaschener Jeans kaum. Was an Optik fehlt, gewinnt der Song dafür musikalisch. Die Akustikversion steht „Da Vidna“ ausgezeichnet. Valerijas Stimme kann hier richtig wirken und man merkt, dass der Titel eine wirklich schöne Melodieführung aufweist. Das hat so Qualität und kommt überhaupt nicht mehr stampfig herüber.

Samanta Tīna ist die nächste. Mal sehen, ob wir auch zu Hause ein paar Sprühflaschen sehen werden. Wahrscheinlich wird das der Fall sein, Samanta hat nicht an Kulisse gespart: Sie singt auf einer Dachterrasse (?) umgeben von vielen Pflanzen, Glühbirnen und Wimpeln, ihre Backroundsängerinnen und ein Schlagzeuger sind auch dabei. Nur für den Kameramann war anscheinend kein Platz auf der Dachterrasse mehr, der filmt nur von der Seite und nicht von vorne. Von der Inszenierung und Performance her ist das der Supernova-Performance recht ähnlich. Huh, wurde das zu zeitig abgebrochen? Bevor die Backgroundsängerinnen sprühen konnten, ist das Video plötzlich zu Ende.

Von Michael Schulte erleben wir die nächste „Junge mit Gitarre“-Performance des Nachmittags. Da man Michaels Gesicht so groß sieht, kann er sehr viele Emotionen über seine Mimik transportieren. Aber auch rein von der Stimme her ist das sehr traurig-gefühlsvoll, man kann kurz die Augen schließen und nimmt ihm ab, was er singt.

Und schon geht es in den zweiten Teil über. Alle Teilnehmer in dieser Woche präsentieren eine Coverversion.

Sandro hatte „My Last Breath“ und „Tonight Again“ zur Wahl gestellt. Die Entscheidung fiel auf den australischen Titel. Zur Unterstützung hat Sandro diesmal einen Gitarrenspieler. So kann er sich beim Singen auch bewegen und mitgrooven. Diese Performance finde ich gelungener als seinen eigenen Beitrag.

Ben Dolic darf „Beautiful Mess“ singen. Und auch hier gefällt mir die Coverversion besser als die Version des eigenen Eurovision-Beitrags. Ben hat ja eine sehr spannende stimmliche Klangfarbe und die kommt hier viel besser zur Geltung. Und sein braver Topfhaarschnitt passt auch besser zu diesem Titel als zu einem Tanz-Track.

Senhit präsentiert uns ein Cover auf Italienisch: „L’essenziale“ von Marco Mengoni. Sie ist umgeben von sehr vielen Kerzen, ein Geigenspieler ist als Schatten zu sehen. Ihre Version ist zu Anfang sehr ruhig, dann erfolgt eine Steigerung und viele Streicher setzen ein. Im dritten Teil wird es dann etwas „too much“, bis dahin hat mir diese Variante aber gut gefallen.

VAL hatten „Story Of My Life“ und „Rhythm Inside“ zur Wahl. Am liebsten hätte ich beide gesehen, das Publikum hat sich für „Rhythm Inside“ entschieden. Die Version ist nicht schlecht, hier bedauere ich aber sogar etwas, dass es „nur“ eine Akkustikversion ist. VAL sind ja als Band im elektronischen Bereich angesiedelt, da hätte ich eine elektronische Coverversion spannend gefunden. Vielleicht gibt es die Chance noch einmal bei einem anderen Format.

Tom Leeb darf uns „Arcade“ präsentieren. Das macht er sehr professionell. Seine Stimme passt zum niederländischen Siegertitel. Erstaunlicherweise würde ich aber trotzdem sagen, dass „The Best In Me“ mich mehr überzeugt hat. Wenn nicht noch etwas ganz Überraschendes folgt, wohl mein Favorit des Nachmittags.

ZiBBZ tragen uns „Nobody But You“ aus dem Nachbarland Österreich vor. Es macht echt Spaß Stefan am Klavier zuzuschauen, wie er da mit vollen Körpereinsatz spielt. Am Ende wird viel geklatscht und der Song wirkt schon fast gospelartig. Die beiden sind wirklich gute Livekünstler und Vollblutmusiker, dass beweisen sie hier wieder einmal.

Roxen covert „Undo„. Zuerst war ich etwas enttäuscht, ich hatte auf „Sweet people“ gehofft. Im Nachhinein bin ich jetzt aber doch froh, dass sich die Voter für den schwedischen Song entschieden haben, weil mir die Version sehr gut gefällt. Roxen strahlt die Emotionalität aus, die ich bei Sanna Nielsen immer vermisst habe, sie wirkte auf mich immer so steif, dass ich mit dem Beitrag nie so richtig warm geworden bin.

Michael Schulte darf seinen Lieblingsbeitrag aus 2018 singen: „Together„. Da wir seine Version von „Fly On The Wings Of Love“ schon mehrmals gehört haben, freut mich die Wahl. „Together“ ist ein Track, der für eine Gitarrenversion perfekt geeignet ist. So kommt Michaels Version sehr gut rüber. Seine leicht kratzende Stimme gibt dem Lied einen schönen emotionalen Touch.

Zwei spannende Lieder hat Samanta Tīna zur Wahl: „Come Back“ und „Shady Lady„. Der Wunsch des Publikums ist der ukrainische Beitrag. Das Franzenoutfit ist geblieben, die Umgebung hat sich geändert: jetzt sehen wir doch noch Samantas Wohnzimmer. Und Samanta kann zeigen, was sie stimmlich drauf hat.

Zum Schluss dürfen alle noch ein paar Grußworte und etwas Promo los werden. Der ZiBBZ-Nachwuchs ist einfach goldig. VAL arbeitet an einen neuen Album, Tom Leebs hat einen neuen Song, genauso wie Roxen. Michael Schulte wird nächsten Freitag ein Duett mit Ilse Delange herausbringen.

Und das war es schon. Wenn man nebenbei tippt, verfliegt die Zeit nur so. Ich bin nicht einmal zum Kommentare lesen gekommen, das werde ich jetzt noch nachholen. Ich fand die Episode gelungen. Besonders begeistert haben mich Tom Leeb, dessen Gitarrenversion von „The Best In Me“ mich 10x mehr überzeugt hat als die Studioversion, ZiBBZ, die begnadete Livekünstler sind, und wie zu erwarten Michael Schulte.

Nächste Woche geht es u.a. mit den Mamas aus Schweden weiter. Auch dann werden wir selbstverständlich wieder live bloggen. Ich wünsche allen Lesern noch ein schönes verlängertes Wochenende. Bleibt alle gesund!

 


58 Kommentare

  1. Hoffentlich singt Roxen Sweet people, mein all time fav, Undo mag ich allerdings auch, Geschmack hat sie, bin gespannt

  2. Es sind sogar 3 deutsche Sänger dabei; Zypern hat ja einen von uns geborgt.

  3. Na, dann sind wir doch mal auf Bens Sangesqualitäten gespannt.
    Nachdem in die Song Auswahl ja nun wenigstens ein bisschen Varietät reingekommen ist, ist mein nächster Wunsch das Schluss achten mit der Unsitte die schnellen Coversongs zu unplugged Balladen zu machen. Danach kann ich dann mein Meckern auch einstellen. Freue mich!

    • Benny, das kann nicht Dein Ernst sein 😉 Zu recht haben sich alle über die erste „Wohnzimmer“-Performance mit lila Hemd vor weißer Wand aufgeregt. Okay, das hat „man“ (wer?) sich wohl zu Herzen genommen. Aber was bitte ist besser an „braunem Hemd vor weißer Wand“? Bitte nicht dieses Gras aus dem Tedi-Shop. Alle schaffen es mehr oder weniger, Echte Wohnzimmer-Atmo zu schaffen. Beide Performances von Ben sehen aus wie „im Altenheim von ihn seine Oma“ gedreht. Gäbe es das Finale, hätten wir uns damit keine Sympathiepunkte gewonnen, nicht mal aus Mitleid. Wer berät ihn bei sowas?

      • Also Ben hat sich was den Hintergrund betrifft gesteigert. Aber es könnte auch das Wartezimmer einer Zahnarztpraxis sein wo er gerade singt. Aber egal er singt sehr gut und das Cover sogar richtig gut. Er gefällt mir mit ner Ballade sogar richtig gut

  4. Uiiiiii, Senits Performance kommt im Musivideo-Stil, auch unterhaltsam!
    Auch schön, dass bisher alle stimmlich qualitativ hochwertig waren!

  5. Wow, Samantha ist einfach ein Phänomen für sich, auch wenn ich den Drop von Still Breathing immer noch nicht mag

  6. Hi ich hab’s verpasst und musste es etwas später ansehen. Meine Highlights waren Zibbs und Michael Schulte sowie Samantha Tina. Positiv haben mich Roxen, Val und Ben überrascht. Senhit war mit Lˋessentiale klasse. Wenn sie wieder antritt nächstes Jahr dann bitte auf Italienisch. Tom fand ich beim eigenen Song besser als mit dem Cover und bei Sandro war die Gitarre zu laut.

  7. Das war wirklich wieder ein wunderbarer Abend – viele der Künstler wachsen sogar im Homekonzert über sich hinaus – möchte da Tom Leeb und die Val`s sehr positiv erwähnen – beide haben vor allem bei den Covers stark beeindruckt. Aber auch Ben Dolic hat total überzeugt – zumindest beim Gesang, das hat er echt drauf!! Wer mal wieder störend war, war Herr Schulte aus Buxtehude – der hat echt ne Ausstrahlung wie ein Sack Kartoffeln – und strunzlangweilig isser wie eh und jeh; wie man das auch mit langsameren Stücken viel besser hinbekommt hat heute Tom Leeb bewiese. Wie lustig und fröhlich wäre das mit den Voxxclubbern gewesen – die hätten alles an die Wand gerockt.

    Freue mich schon auf nächsten Freitag wenns eine weitere Folge gibt!!

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