Live-Blog: Junior Eurovision Song Contest 2020

Foto: EBU / Stijn Smulders

Wer folgt auf Viki Gabor und gewinnt den diesjährigen Junior Eurovision Song Contest? Die Entscheidung wird am Sonntagnachmittag in Warschau fallen. 12 Länder kämpfen um den Sieg. Aufgrund der Corona-Pandemie treten die Teilnehmer diesmal nicht live in der Halle auf, die Performances wurden in den Heimatländern oder vorher in Warschau aufgezeichnet.

Wir bloggen das Finale live ab 17 Uhr hier auf ESC kompakt. Kommentiert und diskutiert gerne mit!

Der JESC wird live auf KiKA übertragen. Alternativ steht ein Livestream auf kika.de oder der offizielle JESC-Stream zur Verfügung.

Wer sich noch einmal einen Überblick über die Beiträge des diesjährigen JESC verschaffen will, findet hier eine Übersicht. Unsere Spotify-Playlist zum JESC 2020 könnt Ihr hier aufrufen.

Eure Stimme im Online-Voting könnt Ihr schon jetzt abgeben. Das erste Abstimmungsfenster ist noch bis zum Beginn des Finales geöffnet. Nachdem alle Acts aufgetreten sind, wird es ein zweites 15-minütiges Votingfenster geben.

Susan wird die Show eröffnen. Die gesamte Startreihenfolge der 12 teilnehmenden Länder ist folgende:

  1. Deutschland: Susan – Stronger With You
  2. Kasachstan: Karakat Bashanova – Forever
  3. Niederlande: Unity – Best Friends
  4. Serbien: Petar Aničić – Heartbeat
  5. Belarus: Arina Pehtereva – Aliens
  6. Polen: Ala Tracz – I’ll Be Standing
  7. Georgien: Sandra Gadelia – You Are Not Alone
  8. Malta: Chanel Monseigneur – Chasing Sunsets
  9. Russland: Sofia Feskova – My New Day
  10. Spanien: Soleá – Palante
  11. Ukraine: Oleksandr Balabanov – Vidkryvai (Open Up)
  12. Frankreich: Valentina – J’imagine

Die letzten Wochen hattet Ihr die Möglichkeit über die 12 Beiträge abzustimmen. Seit wenigen Stunden ist nicht mehr Ala Tracz aus Polen mit „I’ll Be Standing“, sondern Susan aus Deutschland mit „Stronger With You“ Eure Favoritin. Am Nachmittag werden wir erfahren, ob Ala ihrer Mit-Favoritenrolle auch live gerecht werden kann und ob Polen das Triple gelingt.

Viel Spaß beim Anschauen, Mitlesen und Kommentieren!

Witaj! Ein „Hallo“ an alle Leser. Ich wünsche einen schönen ersten Advent und hoffe, dass alle Kerzen gelöscht sind, sodass wir alle einen schönen JESC-Nachmittag genießen können. Der Countdown läuft, noch sind es drei Minuten bis zum Beginn der Show.

Im Vorprogramm wünschen viele bekannte Gesichter Susan alles Gute. Wir auch! Hoffentlich kann Susan die Zuschauer in Europa überzeugen und holt einen guten Platz.

3… 2… 1! Es geht los!

Die Show beginnt mit Bildern aus Krakau, der Stadt, in der Viki Gabor, die letztjährige Siegerin, zu Hause ist.

Viki darf die Show mit ihrem Gewinnersong eröffnen. Sie trägt einen coolen weißen Ganzkörperanzug mit schillernden Reflektoren und wird von vielen Tänzer:innen begleitet. Der Auftritt kommt sehr gut herüber. Der Titel könnte auch in diesem Jahr wieder um den Sieg mitspielen, weil er sehr modern ist. Die Stimmakrobatik zum Schluss gelingt ihr nicht ganz. Trotzdem ein schöner Einstieg – mit Fontänen.

Die Kandidaten stellen sich kurz selbst in Videoeinspielern vor. Es ist schön die verschiedenen Landessprachen zu hören. Susan hat ihre Grüße vor dem Brandenburger Tor gefilmt. Im Zusammenschnitt ist wirklich auffällig, wie wenig Jungs in diesem Jahr dabei sind. Ob das ein Vorteil für die Ukraine und Serbien ist? Auf jeden Fall wirken alle Teilnehmer wirklich sympathisch.

Die drei Moderatoren Ida Nowakowska, Małgorzata Tomaszewska und Rafał Brzozowski begrüßen uns und erklären den Ablauf des Votings.

Noch einmal die Information durch Bürger Lars Dietrich, dass die Auftritte nicht live sondern voraufgezeichnet sind.

Ida trägt ein sehr schönes weißes Kleid – schlicht und gleichzeitig edel. Małgorzata trägt auch weiß, Rafał hat einen schwarzen Anzug gewählt.

Und schon geht es mit den Beiträgen los. Es ist der große Moment von Susan. Lasst uns fest die Daumen drücken!

Deutschland: Susan – Stronger With You

Susan wirkt zu Anfang etwas nervös, kommt dann aber sehr schnell in den Song hinein. Oh, der erste Refrain ist in Deutsch! Das klingt gut. Die Bühne ist zu Anfang dunkel gehalten, im Backdrop ist nichts zu sehen. Erst im zweiten Teil taucht alles in oranges Licht, Schattenfiguren von Bäumen sind zu sehen, Lichtstangenkunstwerke schließen die Bühne seitlich ab. Im letzten Teil wird Susan von Schattentänzen begleitet. Auf mich wirkt alles etwas zu simpel. Stimmlich klangt Susan aber sehr gut. 5/10

Kasachstan: Karakat Bashanova – Forever

„Simpel“ und „etwas zu wenig“ sind nicht die Worte, die man für Kasachstan finden wird. Karakat trägt ein ellenlanges weißes Kleid, ähnlich wie Elina Nechayeva. Im Hintergrund ist eine scharfe Felslandschaft zu sehen, im Backdrop ein Sternenhimmel. Die Bilder wechseln sehr stimmig zum Spannungsbogen des Songs. Karakat singt sehr emotional und authentisch. Das berührt. 9/10

Niederlande: Unity – Best Friends

Einer der wenigen Beiträge, die sich noch so richtig nach „junior“ anhören. Schon deshalb erhält der Beitrag einen Extrapunkt von mir. Die vier Mädels tragen jeweils ein andersfarbiges Kleid und tanzen vor Türen in entsprechender Farbe. Die Animation im Hintergrund ist farbenfroh. Der Auftritt kommt sehr fröhlich herüber, das passt sehr gut zum Song. Die vier Niederländerinnen tanzen zwar eine Choreographie, trotzdem wirkt es nicht so strikt und eingezwängt, sondern als würden sie trotzdem ehrlich Spaß haben. 6/10

Eine Videoschalte zu Susan, die sich freut das erste Mal für Deutschland beim JESC dabei zu sein. Sie ist wirklich eine sehr sympathische Person.

Und schon geht es weiter mit den Beiträgen.

Serbien: Petar Aničić – Heartbeat

Petar hat sich wohl von Duncans Inszenierung inspirieren lassen. Er sitzt zu Anfang am Piano, Sternenleuchten umgibt ihn. Im Laufe des Songs erhebt er sich. Sein rot-weiß gemusterter Anzug wirkt etwas unruhig. „Hearbeat“ ist eine klassische Klavierballade, die sehr schön fließt. Das Klavier bleibt den ganzen Song über dominant, das gefällt mir sehr gut, es wird diesem schönen Instrument nicht nur das Intro zugestanden. Trotzdem plätschert der Song etwas dahin. Und Petar fehlt leider etwas die Ausstrahlung. Obwohl man ihn ansieht, dass er „alles gibt“, werde ich nicht stark gefesselt.  4/10

Belarus: Arina Pehtereva – Aliens

Es wird düster. Arina trägt den gleichen Mantel wie im Video. Immer wieder werden kleine Kinder eingeblendet, die die Erdkugel tragen. Ihr starrer Blick hat wirklich was von einem Gruselfilm und unterstützt die bedrückende Stimmung des Songs. Arina singt sehr emotional, das verstärkt die Wirkung. Nur: ich würde auch behaupten, das das, was wir hier zu sehen bekommen haben, nicht live war. Das wäre natürlich wirklich wettbewerbsverzerrend. 7/10

Polen: Ala Tracz – I’ll Be Standing

Der Gastgeber ist an der Reihe. Ala trägt ein weißes Kleid und wird von Tänzern begleitet. Dann ein Schnitt – und das Kleid ist rot! Dieser simple Trickeffekt ist doch immer wieder schön. Auf mich wirkt Ala etwas zu jung für ihr Lied. Am Ende „vermehren“ sich die Tänzer und es kommen viele weitere virtuelle im Backdrop hinzu. Das ist zwar ein schöner Effekt, dadurch wirkt es aber für mich dann zu hektisch und Ala geht unter. 5/10

Georgien: Sandra Gadelia – You Are Not Alone

Es wird blumig: Sandra trägt ein schwarzes Blumenoberteil und wird von vier Tänzerinnen im weißen Kleid mit Blumenschmuck im Haar begleitet. Passend zur Situation tragen die Tänzerinnen Masken. Beim Snippet war ich unsicher, ob Tänzerinnen die beste Wahl für die Inszenierung waren. Jetzt, wo ich den Auftritt vollständig sehe, passt es meiner Ansicht nach sehr gut. Die Choreographie unterstreicht den Aufbau des Songs hervorragend. Ich mag das Lied auch sehr, durch den Chor hat es eine tolle Steigerung und durch die Flöte im Hintergrund einen schönen ethnischen Einschlag. Auf der Bühne hat es Sandra auch geschafft mich zu fesseln. 9/10

Malta: Chanel Monseigneur – Chasing Sunsets

Tolle Animationen im Hintergrund! Banksy in Comicart. Chanel wirkt nur leider vom Song etwas überfordert. Ich denke, sie ist einfach noch etwas zu jung für diesen Beitrag. Sie ist wirklich süß, aber das reicht nicht. Außerdem plätschert der Song eher vor sich hin. 4/10

Russland: Sofia Feskova – My New Day

Die Kamerafahrt zu Anfang erinnert an Susans Auftritt. Dann passiert aber gleich viel mehr. Wolken sind zu sehen, Bauwerke, Ballons, Bücher… Sehr kreativ. Sofia trägt ein Cinderella-Kleid und wirkt ganz zuckrig. Das passt aber sehr gut zum Beitrag. Ich bin positiv überrascht. Ich mochte den Song immer aufgrund seiner beruhigenden, aufbauenden Stimmung, trotzdem wirkte er etwas unauffällig. Durch die abwechslungsreiche Inszenierung fühle ich mich jetzt, als würde ich in eine bunte Alice-im-Wunderland-Welt eintauchen. 7/10

Spanien: Soleá – Palante

Spanien wirkt wie der Spiegel von Georgien: Solèa trägt weiß, ihre Tänzer schwarz, statt Blumen moderne Formen. Masken kommen aber auch hier als Stilelement wieder zum Einsatz. Der Beitrag ist sehr modern und hat einen tollen rhythmischen Beat. Und wirkt gleichzeitig sehr authentisch spanisch. Die Choreographie und die Neonlichter im Hintergrund passen sehr gut zur Grundstimmung des Liedes.  9/10

Ukraine: Oleksandr Balabanov – Vidkryvai (Open Up)

Der zweite Junge im Feld hat auch bei Duncan abgeschaut und sich seine Leuchtkugel geborgt. Mir gefällt „Vidkryvai“ als Song wirklich ausgezeichnet, er hat etwas sehr eigenes, mystisch-hypnotisch. Die Inszenierung ist dann aber doch irgendwie etwas einfallslos, nicht mehr als ein paar fliegende Lichter und die Kugel. Trotzdem 8/10

Frankreich: Valentina – J’imagine

Zum Abschluss wird es richtig bunt. Valentina im pinken Kleid mit bunt bestickter Jacke. Verschiedene Sehenswürdigkeiten Europas erscheinen farbig im Hintergrund. Dazu ganz viele Ballons, Feuerwerk, Regenbögen, Naschereien… Das passt perfekt zum fröhlichen, eingängigen „J’imagine“. Das ist alles extrem farbenfroh, fast ein optischer Overkill, aber für den JESC darf es das auch. Es macht schlicht und einfach Spaß. 9/10

Die Moderatoren stellen das offizielle Album vor.

Der Countdown läuft… Zeit für das Online-Voting. Bis zu drei Stimmen dürfen abgegeben werden.

Der Schnelldurchlauf… Währenddessen versuche ich schnell zu voten. Schwer, ich habe vier mal 9 von 10 Punkten vergeben. Meine Stimmen gebe ich wohl an Kasachstan, Georgien und Spanien. Weil bei Frankreich nicht ganz klar ist, ob es live war, fällt es am Ende heraus.

Roksana Węgiel und Viki Gabor präsentieren zusammen mit einem Hologram-Duncan-Laurence eine Version von „Arcade“.  Ihre Stimmen harmonisieren gut, finde ich.

Der nächste Intervallact ist eine Tanzperformance, mit der den „Alltagshelden“ gedankt wird.

Alicja performt als nächstes „Empire“. So darf sie ihren ESC-Beitrag doch noch in einer Eurovision-Show präsentieren. Ich muss aber sagen, dass ich da viele JESC-Stücke besser fand. Ja, sie hat eine tolle Stimme, aber für mich bleibt „Empire“ langweilig.

Das Voting ist beendet. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Zuschauer und Jurys abgestimmt haben, auf mich wirkt das Feld sehr eng.

Die Hologramm-Technik kommt ein weiteres Mal zum Einsatz: alle Kandidaten singen gemeinsam „Move the world“. Das ist eine wirklich geniale Lösung in Pandemie-Zeiten. Im Vergleich sticht Susans Stimme sehr positiv heraus. Das verdeutlicht für mich noch einmal, dass Song und Inszenierung bei weitem nicht stark genug waren.

Rafał interviewt Martin Österdahl, den „neuen“ Jon Ola Sand. Also, von der Körpersprache her ist er auf jeden Fall ein würdiger Nachfolger, die ist ähnlich. Gert Kark sagt, dass die Online-Stimmen noch zusammen gerechnet werden, dass das Jury-Voting aber losgehen kann.

Da kommen auch schon die Jury-Stimmen.

12 Punkte von Deutschland an die Niederlande.

12 Punkte von Kasachstan nach Belarus.

12 Punkte von den Niederlanden an Frankreich.

Die tieferen Punkte werden immer nur eingeblendet.

Wieder 12 Punkte nach Belarus, von Serbien.

Jetzt vergibt das Land selbst die Punkte: 12 Punkte gehen nach Frankreich.

Der Gastgeber vergibt 12 Punkte nach Belarus. Schon wieder!

Trotzdem führt aktuell Frankreich.

Die Punkte aus Georgien: 12 Punkte gehen an Kasachstan.

Die nächsten sind Malta: Frankreich erhält 12 Punkte.

Russland vergibt 12 Punkte an Kasachstan, Spanien 12 Punkte an Georgien.

Noch zwei Votes: Georgien erhält noch einmal 12 Punkte, aus der Ukraine. Frankreich vergibt 12 Punkte nach Serbien. 6 an Deutschland. Hhm… War das ein taktisches Voting?

Sieger des Juryvotings ist damit Frankreich vor Kasachstan und Belarus.

Jetzt das Online-Voting.

Ein leider gewohnter Platz ganz unten: Deutschland. Da bringen die 39 Punkte im Onlinevoting auch nicht viel.

Vorne ein buntes Wechsel-Dich-Spiel.

Wie erwartet recht viele Punkte an Spanien. Zwischenzeitliche Führung.

Georgien erhält nicht viele Votingpunkte, damit führt weiter Spanien vor der Niederlande.

Auch Belarus kann Spanien und die Niederlande nicht überholen.

69 Punkte an Kasachstan, die damit an Spanien vorbeiziehen.

Hat Frankreich genug Votes erhalten um den Sieg zu holen?

Wow, 4,5 Millionen Stimmen wurden abgegeben.

Es reicht! Deutlich! Frankreich erhält 112 Punkte und gewinnt damit den Junior Eurovision Song Contest 2020. Glückwunsch.

Süß, wie sich Valentina freut. Die Trophäe kann ihr natürlich nicht direkt überreicht werden. Dafür sind ihrem Team alle Abstandsregeln egal, alle knuddeln sie.

Vom Lied und von der Inszenierung her ist der Sieg absolut verdient. Ich freue mich auch sehr, dass ein „kindlicher“ Beitrag gewonnen hat. Ich finde diese Tendenz des JESC der letzten Jahre auf Krampf „erwachsene“ Lieder einzureichen etwas schade.

Wenn Valentinas Gesang allerdings nicht live war, dann wäre das höchstkritisch.

Susan wirkt geknickt, hält sich aber tapfer. Ich kann die Platzierung nachvollziehen, schade ist es trotzdem. Ich hoffe Susan lässt sich davon nicht zu sehr herunter ziehen, Talent steckt in ihr.

Und hoffentlich spielen die organisierenden öffentlich-rechtlichen Sender nicht die beleidigte Leberwurst und nehmen im nächsten Jahr einen neuen Anlauf. Es wäre wirklich schön, Deutschland weiterhin beim JESC zu sehen.

Danke an alle, die mitgeguckt und mitkommentiert haben. Wenn ihr Lust habt, dann schaut gerne noch in unser ESC kompakt live hinein, wo wir die Ergebnisse und das Abschneiden von Susan diskutieren.

 


370 Kommentare

  1. Sehr verdiente Siegerin! Die einzige Performance, bei der Kind wirklich Kind sein durfte.

    Zum deutschen Act: Sympathische Teilnehmerin. Schade, dass auch der NDR sich, wie fast alle anderen teilnehmenden Sender, dazu entschieden hat, Song und Performance einfach überzustülpen, statt alles auf die Künstlerin aufzubauen.

    Und wann fängt der NDR endlich an, nicht nur Songs in Schweden und Bulgarien einzukaufen, sondern auch Cutter*innen und Regisseure*innen? 🙈

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