Nimmt Deutschland im kommenden Jahr am Junior Eurovision Song Contest teil?

Junior Eurovision Song Contest 2019 Opening Ceremony Logo
Bild: Instagram @junioreurovisionofficial

Der morgige Junior Eurovision Song Contest könnte der letzte ohne deutsche Beteiligung sein. Wie die Fanseite Eurofestivales recherchiert hat, ist eine Delegation aus Deutschland nach Polen gereist, um den Wettbewerb zu beobachten. Dieses intensive Interesse lässt darauf schließen, dass ein Debüt Deutschlands beim JESC zumindest nicht sehr unwahrscheinlich ist. Von welchem Sender die Delegation entsandt wurde, ist allerdings nicht bekannt.

In der Vergangenheit hat ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber schon häufiger die Bereitschaft signalisiert, in den Eurovisons-Kinderwettbewerb einzusteigen. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass er dafür den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (KiKA) und dessen Sendung „Dein Song“ als Kooperationspartner gewinnen wollte. Bei „Dein Song“ treten junge Songwriter mit der Unterstützung von prominenten Paten gegeneinander an und am Ende wird der „Songwriter des Jahres“ gekürt.

Die Sendung hat mit Lina Larissa Strahl schon einen echten Superstar hervorgebracht. Die damals 15-jährige gewann den Songwriter-Wettbewerb 2013, wurde der jungen Zielgruppe seitdem sowohl als Bibi Blocksberg in der „Bibi & Tina“-Reihe als auch durch ihre Musik bekannt und ist aktuell Kandidatin bei „Dancing on Ice“. In diesem Jahr hat Peer Waibel-Fischer „Dein Song“ mit seinem Lied „You’ll Never Walk Alone“ und tatkräftiger Unterstützung von „Unser Lied für Lissabon“-Pausenact Mike Singer gewonnen.

Es gäbe da aber auch noch eine andere Möglichkeit: Wie wir wissen, waren beim Eurovision Song Contest in der jüngeren Vergangenheit vor allem auch die Kooperationen mit ProSieben erfolgreich. Im Dezember beginnen die Dreharbeiten für die neue Staffel der Sat.1-Sendung „The Voice Kids, bei der auch ESC-Siegerin Lena wieder in der Jury sitzen wird. Wenn regelmäßig Teilnehmer von „The Voice of Germany“ an der deutschen Vorentscheidung teilnehmen bzw. im Falle von Michael Schulte sogar einen hervorragenden 4. Platz im internationalen Finale belegen, wieso sollte dann nicht auch eine Teilnahme eines „The Voice Kids“-Siegers oder -Teilnehmers am JESC möglich sein?

Ein schlechtes Zeichen im Hinblick auf eine deutsche Teilnahme im kommenden Jahr ist allerdings, dass der JESC – im Gegensatz zu manchem früheren Jahr – nicht einmal online von einem öffentlich-rechtlichen Sender oder auf eurovision.de übertragen wird. In trockenen Tüchern scheint die ganze Sache also noch nicht zu sein und insofern müssen wir uns wohl weiter gedulden, bis es eine offizielle Stellungnahme vom NDR oder einem anderen Sender der ARD gibt. Wir behalten das natürlich im Auge.

Alle Beiträge des Junior Eurovision Song Contest 2019 findet Ihr hier im Überblick. Am morgigen Sonntag bieten wir an dieser Stelle einen Live-Blog zur Show an. Wie Ihr jetzt schon abstimmen könnt, erfahrt Ihr hier.



38 Kommentare

  1. Ich würde eine Teilnahme begrüßen und sehr glücklich sein. Deutschland ist das einzige „Big 5 Land“ welches nicht am JESC teilnimmt. Wenn man sich die Qualitätssteigerung von Bühne, Übertragung (in HD), Moderation, Pressearbeit, Liedauswahl, Staging usw. anschaut, dann steht der Junior ESC seit 2017 dem ESC der Erwachsenen gleich – bei manchen Sängerinnen und Sängern bzw. Songs sind die „Kleinen“ den Erwachsenen einen Schritt voraus. Gut finde ich außerdem, dass die EBU und die Veranstalter sehr viel Wert auf das Kindeswohl legen. Der Sieg steht bei den Delegationen nicht an 1. Stelle – sondern, dass sich das Land würdig darstellt und alle Freude haben. Klar möchte man auch gut abschneiden. Man sieht es den meisten Kids an, dass sie zwar ausgepowert – aber glücklich und zufrieden sind. Warum nicht mal mit Pro.7 zusammenarbeiten? The Voice Kids ist jedesmal wahnsinnig gut und die dortigen Sänger sind herausragend. Übrigens finde ich es auch ausgezeichnet, dass beim JESC 60 % des Liedes in der Landessprache zu singen sind.

  2. Das sollte man nicht überbewerten
    Bereits (ich glaube) 2013 und 2014 hat NDR bzw. das ZDF eine Delegation zum JESC geschickt auch damals folgte keine Teilnahme.

    Der NDR und Thomas Schreiber mögen gewillt sein am Wettbewerb teilzunehmen, aber der KiKa scheint an der Idee keinen Gefallen zu finden, zumal der JESC inzwischen (im Gegensatz zu den anfänglichen Ausgaben) kein Nachwuchssongwriter Contest mehr ist, sondern zahlreiche ESC Gesichter fleißig für den JESC komponieren. Da passt Dein Song überhaupt nicht mehr dazu und das wird denke ich ein Hauptgrund des KiKa sein.

    Versuche aber momentan in Erfahrung zu bringen von welchem Sender die Delegation kommt

      • Mit dem Einsatz von GEZ-Gebühren kann man sich auch mal einen Wochenendausflug zum JESC gönnen. Ich glaube an keinen ernsthaften Hintergrund. Ich bin da skeptisch, denn der Aufwand für den JESC ist inzwischen nicht unerheblich. Die Konzentration sollte in Deutschland beim ESC verbleiben.

      • Also wenn wesentlich kleinere Länder die Doppelbelastung locker weckstecken können, dürfte das doch für den im Vergleich sehr gut ausgestatteten deutschen Rundfunk kein Problem sein. Es muss sich ja nicht unbedingt der NDR drum kümmern.

      • @Benjamin
        Die große Frage ist eben von welchem Sender die Delegation ist
        Wenn sie vom KiKa selbst ist, ist’s ja das erste Mal, denn bisher waren nur NDR und ZDF bei einem JESC

        Aber wie gesagt, glaube nicht dass der KiKa Dein Song so stark modifizieren will, sodass das Format zum JESC passt

        @floppy
        Um die Doppelbelastung gehts ja gar nicht, denn der NDR will ja, KiKa eben nicht

    • Ja daran musste ich auch sofort denken, aber es scheint ja so zu sein als wolle man es sich nochmal anschauen.
      Den JESC 2014 oder 2015 (weiß ich nicht mehr genau) haben sie ja auch auf deren Webseite übertragen und kommentiert.
      Ich glaube das Deutschland auch eines der Länder war, weshalb des JESC nun nicht mehr am Abend sondern nachmittags stattfindet, was auch einige Länder zu einer Teilnahme gebracht hat (z.B. Polen) andere allerdings auch wieder zu einer Absage „gezwungen“ hat (z.B. Slowenien)

      • Die Live-Streams von 2015 und 2016 sind auf Initiative von Eurovision.de zustande gekommen

        Dachte damals eigentlich auch, dass man mit der Verschiebung auf Nachmittag den Weg zur Teilnahme vom KiKa freigemacht hat
        Gleichzeitig hat man aber die Komponistenregel deutlich aufgeweicht, was wohl dem KiKa wieder eher nicht gefallen haben dürfte

  3. Ja, deutsche Delegationen gab es schon zur JESC-Beobachtung. Das heißt erstmal nix. Ich hätte nichts gegen eine deutsche Beteiligung, wobei ich auch gute Gründe für eine Nichtbeteiligung bei solchen Veranstaltungen sehe. Wenn Deutschland teilnimmt, dann bitte aber nicht mit „Dein Song“ als Vorentscheid. Ich bin ein Riesen-Fan dieser Sendung, aber die selbstkomponierten Beiträge der Kinder dort sind – nicht falsch verstehen – „viel zu gute“, sehr bewundernswerte Kompositionen, die eher was für den aufmerksamen Hörgenuss und nationalen Musikgeschmack sind, als etwas für diesen inszenierten Popwettbewerb. Da würde der The Voice Kids-Ansatz aus meiner Sicht besser passen.

    Wie schon mal an anderer Stelle von mir vorgeschlagen: Das „Dein Song“-Konzept würde ich aber durchaus als Vorstufe zu einem deutschen Vorentscheid des „großen“ ESC empfehlen. Ist echt ein tolles Format. Wärmste Zuschauempfehlung!

  4. Ne, muss meiner Meinung nach nicht sein. Von allen Eurovisionswettbewerben halt ich den Junior-ESC für mit Abstand am überflüssigsten.

  5. @escfan05 – wenn Du es für überflüssig findest, dann ist das Deine Meinung ….aber sorry, ich finde den Wettbewerb klasse. Alleine die 60/40 Regel (dass die Beiträge zu 60 % in Landessprache zu singen sind) finde ich großartig (schau Dir mal Albania und Ireland dieses Jahr an).

    • Genau meine Meinung. Hier stimmt irgendwie einfach alles. Tolle Sänger, großartige Show, Geschmackvolle Kostüme und Landessprachliche Einflüsse. Im übrigen finde ich es zum Verständnis der Botschaft ganz gut, dass auch immer etwas Englisch in den Songs gesungen wird. Wenn es passt und nicht irgendwie willkürlich wirkt, warum nicht?

      • Sorry, bei nicht wenigen englischen Texten versteht man nur Bahnhof und es stört eher.

        Interessanterweise wird dieses Argument meist nur aus deutschsprachigen Kreisen gebracht und zwar schon seit zwei Jahrzehnten. In Finnland ist man beispielsweise viel kreativer – dort wird bei den ESC-Beiträgen immer der Text in Landessprache eingeblendet und in Zeiten des Internets dürfte es nicht allzu schwer sein, sich die jeweiligen Übersetzungen zukommen zu lassen.

  6. Hier singen Kinder, die sich wie Erwachsene benehmen müssen. Ich glaube auch nicht, dass das Interesse an dieser Veranstaltung bei Kindern besonders hoch ist. Insofern sehe ich das ganze sehr kritisch. Ich denke nicht, dass Deutschland daran teilnehmen wird.

  7. Der NDR sollte erstmal den Schlüssel finden um beim ESC erfolgreich zu werden. Die Songs der letzten Jahre waren schon schwer verdaulich, wenn selbiges dann auch noch beim JESC passiert…. So ein Debakel muss man nicht 2x im Jahr haben!

  8. Wie fast in jedem Jahr habe ich meine ESC-Sommerpause durch einen Traum beendet, in dem es um den nächsten ESC geht. Diesmal hat übrigens Griechenland mit einer entsetzlichen Schnulze gewonnen, aber ich behaupte glücklicherweise ja auch nicht, dass meine Träume irgendwie die Zukunft voraussehen können.

    So viel gibt es hier aber noch nicht zu sehen (eher erschreckend, mit welchen „Neuigkeiten“ sich die Blogger durch den Sommer gemogelt haben), kann also noch eine Weile weiter abstinent bleiben, habe mir ja sowieso vorgenommen, nur noch bei den Vorentscheiden mitzureden und ansonsten das ganze Gejammer ob bösem Schreiber etc. einfach zu ignorieren.

  9. Kinderarbeit ist doch verboten, oder?

    Kinder, die Erwachsene imitieren, haben beim ESC prinzipiell nichts verloren. Den JESC braucht kein Mensch.

  10. Jedenfalls interessant zu sehen, wie sich die anhängerschaft in zwei lager teilt. Die allermeisten leser die schon lange bei prinz/esc-kompakt sind, sind eher contra. Viele neue kommentatoren sind eher pro. Das verständliche ziel, mehr esc-kompakt leser zu generieren, wurde erreicht. Ich hoffe, das die neuen kommentatoren auch noch dabei sind, wenns am 20(?).dez. dann mit dem fik richtig losgeht.
    Meine meinung ist eigentlich, das esc-kompakt eine esc-seite ist und dabei bleiben sollte,aber wenn der jesc unsere esc-fan-group hier auf esc-kompakt vergrössert, spricht fast nichts dagegen.
    Ich persönlich müsste den jesc nicht haben. Aber ich finde ja auch zbsp. Litthle miss america-wahlen und so ein zeugs ziemlich makaber, heutzutags.

    • Ich glaube ja, das ist ein typischer Generationenkonflikt. Die „Älteren“ sind eher skeptisch, während die „Jüngeren“ dem ganzen eher offener gegenüberstehen. Das Gleiche scheint übrigens auch für Castingshows zu gelten.

      • Kann sein@floppy. Aber eher darum, weil die „älteren“ eher die problematik sehen, die hinter solchen veranstaltungen steckt. Die jüngeren stehen dem tatsächlich offener gegenüber.
        Hangkehrum gabs da erst grad das thema, das die kids dem posten und weiterleiten gewisser unschönen clips auch offen gegenüberstehen.

      • Mir ist das Spannungsverhältnis zwischen Kindern und medialer Öffentlichkeit natürlich auch bewusst. Diese amerikanischen Wettbewerbe, bei denen teils Dreijährige von ihren karrieregeilen Eltern gestylt werden wie Marilyn-Monroe-Lookalikes sind aus meiner Sicht menschenverachtend. Der JESC ist in seinem kleinen Rahmen ohne zweimonatigen Promotion-Stress wie beim ESC für mich allerdings vertretbar für KInder ab 9, aber da mag jeder anderer Mwinung sein(persönlich würde ich die untere Grenze noch ein Jahr raufsetzten); allerdings ist selbstverständlich die EBU (aber eigentlich schon die nationalen Sender) in der Verantwortung, genau darauf zu achten, dass die Kinder freiwillig da sind und an der Sache Spaß haben, worum es eigentlich bei der ganzen Veranstaltung gehen sollte.

  11. Da machen sich 2 Themen auf:

    1) Wie sieht es aus mit der moralischen Ebene, Kinder singen zu lassen?

    Ich finde es gut, Ausnahmetalenten eine Bühne zu geben (bezieht sich wohl eher auf The Voice Kids), aber der Spaß der Kinder sollte im Vordergrund stehen. Kommt auch aufs Alter an. Zwischen 8 und 14 gibt es Riesen-Unterschiede. Man muss aufpassen, dass es nicht zuviel wird. Prinzipiell aber eine schöne Idee und ich möchte z.B. „Bim Bam Toi“ nicht mehr missen – es macht mir halt am Ende des Tages einfach Spaß…

    2) Wie ist der Stellenwert des JESC in Bezug zum ESC?

    Es ist schon irgendwie ganz gut, dass beim JESC keine 43 Länder mitmachen. Trotzdem gehört er zur „Eurovisions-/EBU-Familie“ dazu. Da habe ich einen relativ breiten Blick und das nervt auch viele ^^ Aber es ist ein kleines Geschenk, dass man eben bein Warten auf den nächsten ESC solche Dinge wie Junior Eurovision, Eurovision Choir und Eurovision Young Musicians ziemlich genau in der Sommer- und Herbstpause serviert bekommt. Für mich gehört alles mit ESC-Bezug dazu und ich begrüße die Berichterstattung sehr. Wer daran keinen Spaß hat, darf es ignorieren und gehört trotzdem zur Familie 💁‍♂️

    • zu 1) Ja, es ist gut den Kindern auch beim Singen eine Plattform zu geben. Wir sollten es nicht verteufeln.

      zu 2) Treffend formuliert!

  12. Eigentlich interessiert mich diese Veranstaltung nicht sonderlich. Aber ich finde es originell, daß der Beitrag aus GB (wenngleich nicht repräsentiert mit dem Union Jack) nicht in englischer Sprache ist.

  13. Auch ich gehöre eher zu den Skeptikern dieser Veranstaltung, weil ich es irgendwie grenzwertig finde, schon Kinder als kleine Erwachsene aufzustylen. Muss irgendwie mit Grummeln in der Magengegend and die Sandra Kim 1986 denken. Aufgemotzt wie eine 20jährige und war gerade mal ein paar Monate älter wie ich (wurde in diesem Jahr 13). Furchtbar.
    Aber nun ja, es ist halt ein internationales Musikfestival, und hat auf dieser Seite durchaus eine Berechtigung, da der JESC offenbar viele Anhänger hat. Finde ich deshalb gut, dass ihr darüber berichtet. Kann die Veranstaltung ansonsten ignorieren, und es ist mir völlig schnuppe, ob Deutschland teilnimmt oder nicht.

  14. Ich sehe immer noch nicht das Argument, dass sich die Kinder wie Erwachsene verhalten müssen. Kinder und Jugendliche hören Popmusik, vielfach so wie sie beim Junior ESC dargeboten wird. Seit Generationen schon treten Kinder bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ auch in Deutschland an, ohne dass es jemanden stört. Aber da geht es ja um klassische Musik und die ist sowieso über jede Kritik erhaben, obwohl der kindliche Bezug dazu fast gar nicht gegeben ist. Das ist bei Popmusik ganz anders.

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