So haben sich Juryvoting und Televoting beim ESC 2026 unterschieden (Viva Vienna 11)

Alexandra Căpitănescu ist von der Televoting-Punktzahl überwältigt – Foto: Screenshot https://www.youtube.com/watch?v=3DjH4n6XoG8

In diesem Jahr war die Gesamtsiegerin des Eurovision Song Contest sowohl die Siegerin im Juryoting als auch im Televoting: DARA aus Bulgarien führte am Ende beide Abstimmungen an. Diese Situation hatten wir das letzte Mal 2017 als Salvador Sobral für Portugal gewann. Trotzdem traten auch in diesem Jahr große Unterschiede zwischen Publikum und Musikprofis auf, die wir im heutigen Artikel unserer Serie Viva Vienna genauer beleuchten wollen.

Zu Beginn erst einmal alle Punkte und Platzierungen des Gesamtergebnisses sowie für das Jury- und Televoting als Übersicht. Die Spalten können beliebig sortiert werden:

Punkte GesamtPlatz GesamtPunkte JuryPlatz JuryPunkte TelevotePlatz Televote
Bulgarien516120413121
Israel343212382203
Rumänien296364132322
Australien287416521229
Italien281513461477
Finnland279614151388
Dänemark243716537811
Moldau226843171834
Ukraine221954151675
Griechenland2201073121476
Frankreich1581114441418
Polen1501213371716
Albanien1451360148510
Norwegen1341411591915
Kroatien1241553167112
Tschechien1131610410920
Serbien901738195213
Malta89188111821
Zypern751941183414
Schweden512035211617
Belgien36213620024
Litauen222210231219
Deutschland12231222023
Österreich624124522
Vereinigtes Königreich125125025

Wenn man jetzt die von Jury und Televotern vergebenen Punkte voneinander abzieht, erhält man diese Punktedifferenzen:

Punkte JuryPunkte TelevoteDifferenz
Rumänien64232+168
Moldau43183+140
Ukraine54167+113
Bulgarien204312+108
Israel123220+97
Griechenland73147+74
Albanien6085+25
Kroatien5371+18
Serbien3852+14
Italien134147+13
Österreich15+4
Litauen1012+2
Vereinigtes Königreich10-1
Finnland141138-3
Zypern4134-7
Deutschland120-12
Schweden3516-19
Belgien360-36
Australien165122-43
Malta818-73
Dänemark16578-87
Tschechien1049-95
Norwegen11519-96
Polen13317-116
Frankreich14414-130

Die größte Differenz zwischen Televote und Juryvote trat in diesem Jahr bei Rumänien auf. Alexandra Căpitănescu erhielt von den Zuschauenden ganze 168 Punkte mehr als von Jurys. Auch eine sehr große Differenz findet sich bei Moldau: 140 Punkte mehr gab es für Satoshi von den Televoter*innen. Ebenfalls relativ große Differenzen zeigen sich bei der Ukraine (113 Punkte mehr vom Publikum) und Israel (97 Punkte mehr vom Publikum). Und auch bei der ESC-Siegerin DARA ist die Punktedifferenz ziemlich hoch, obwohl sie Jury- und Televote gewinnen konnte: plus 108 Punkte erhielt die Bulgarin in der Publikumsabstimmung.

Auf der unteren Seite der Tabelle finden sich ganz andere Länder. Am stärksten bevorzugt von den Jurys wurde Frankreich: Monroe erhielt 130 Punkte mehr von den Musikprofis. Sehr viele Jury-Punkte konnte auch ALICJA aus Polen einsammeln: 116 mehr als von den Zuschauenden. Außerdem klare Jury-Favoriten waren Norwegen (plus 96 Punkte), Tschechien (plus 95 Punkte) und Dänemark (plus 87 Punkte).

Einer Meinung waren Jurys und Publikum beim Vereinigten Königreich und Österreich, dort gab es von beiden Instanzen ganz wenige Punkte. Auch recht einig waren sie sich bei Finnland und Italien, die von beiden gemocht, aber nicht absolut geliebt wurden. Bei Litauen und Zypern traten ebenfalls nur kleinere Differenzen auf.

Wenn man sich jetzt anschaut, welche Unterschiede in der Punktevergabe zu welchen Unterschieden in der Platzierung führten, ergibt sich folgendes Bild:

Platz JuryPlatz TelevoteDifferenz
Moldau174+13
Rumänien132+11
Ukraine155+10
Griechenland126+6
Serbien1913+6
Israel83+5
Albanien1410+4
Kroatien1612+4
Zypern1814+4
Schweden2117+4
Litauen2319+4
Österreich2422+2
Bulgarien110
Vereinigtes Königreich25250
Italien67-1
Deutschland2223-1
Finnland58-3
Belgien2024-4
Norwegen915-6
Australien29-7
Dänemark311-8
Polen716-9
Tschechien1020-10
Malta1121-10
Frankreich418-14

Den größten Sprung nach oben konnte Moldau nach der Vergabe der Televoting-Punkte machen. Für das Land ging es 13 Plätze aufwärts. Auch deutlich zugewinnen konnten Rumänien (11 Plätze besser) und Ukraine (10 Plätze besser).

Keine Änderung der Platzierung zeigt sich ganz vorne und ganz hinten: DARA liegt bei beiden Instanzen ganz vorne, LOOK MUM NO COMPUTER bei beiden ganz hinten.

Am meisten Plätze nach Bekanntgabe der Televoting-Punkte verlor Frankreich, das auch die größte negative Punktdifferenz aufweist. Danach folgen Tschechien und Malta, das trotz „nur“ 73 Punkten Differenz ganze 10 Plätze einbüßte.

Abschließend noch einmal die Differenz der Punkte und der Platzierung zusammengefasst im direkten Vergleich:

Punkte DifferenzDifferenz Platz
Rumänien+168+11
Moldau+140+13
Ukraine+113+10
Bulgarien+1080
Israel+97+5
Griechenland+74+6
Albanien+25+4
Kroatien+18+4
Serbien+14+6
Italien+13-1
Österreich+4+2
Litauen+2+4
Vereinigtes Königreich-10
Finnland-3-3
Zypern-7+4
Deutschland-12-1
Schweden-19+4
Belgien-36-4
Australien-43-7
Malta-73-10
Dänemark-87-8
Tschechien-95-10
Norwegen-96-6
Polen-116-9
Frankreich-130-14

Was sagst Du zu den großen Differenzen zwischen Jury- und Televoting bei Rumänien und Moldau sowie Frankreich und Polen? Sind diese berechtigt oder müssen weitere Kriterien des Jury- und/oder Televotings verbessert werden? Diskutiere gerne in den Kommentaren. 

In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:

Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:



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