
Oh my Goodness! Mehr als 1.000 Tage ist es nun her, dass das Vereinigte Königreich beim Eurovision Song Contest einen Punkt aus dem Televoting bekommen hat. Sowohl Olly Alexander (2024) als auch Remember Monday (2025) konnten die Votenden nicht erreichen. Nur dank der Jurys reichte es jeweils doch noch für ganz okaye Platzierungen im unteren Mittelfeld. Dieses Jahr allerdings hat man sich bei der BBC mit LOOK MUM IT’S CAPS LOCK LOOK MUM NO COMPUTER für die Schocktherapie entschieden.
Sam Battle, wie der Mann hinter den Computern bürgerlich heißt, kommt wie auch etwa die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher aus Grantham, einer 45.000-Einwohner-Stadt bei Nottingham. Zwar war er schon vor zehn Jahren als Musiker Teil einer Band namens Zibra, in den sozialen Netzwerken hat sich LOOK MUM NO COMPUTER aber eher als Tüftler einen Namen gemacht. In vielen Videos sieht man ihn an Computern oder Instrumenten herumarbeiten. Früher arbeitete er als Hausmeister und schraubte in der Freizeit an seinen Maschinen: „Ich habe viel Zeit damit verbracht, ohne Geld in meinem Zimmer zu sitzen und aus Schrott irgendetwas zusammenzubauen“, so der 37-Jährige. Mit Einnahmen aus Patreon und später von YouTube konnten diese Maschinen immer größer und ausgefeilter werden.
LOOK MUM NO COMPUTER hat schon zahlreiche Singles und Alben veröffentlicht. In seinen Songs hört man natürlich auch die von ihm selbst gebauten Instrumente. Am berühmtesten dürfte eine Orgel sein, die er aus 44 Furbys, einem Kinderspielzeug der 90er-Jahre, zusammengedengelt hat. Mittlerweile füllen seine ganzen Eigenkreationen sogar ein Museum. Der Liebhaber von Tech- und Synthie-Sounds bezeichnet sich aber auch selbst als ESC-Fan. Und er hofft, Europa ist bereit, „synthesized“ zu werden.
Das Lied
Sein ESC-Titel „Eins, zwei, drei“ beginnt schon mit einer recht ironischen Titelzeile. Bei „So sick of doing the whole 9 to 5“ singt LOOK MUM NO COMPUTER von einer Arbeitsroutine, die er so nie hatte. Sam Battle ist schließlich sein eigener Boss – und arbeitet für gewöhnlich auch länger als bei einer 40-Stunden-Woche. In „Eins, zwei, drei“ geht es um das Ausbrechen aus festgefahrenen Strukturen. Interessanterweise nicht nur aus denen der Arbeitswelt – sondern auch aus seinem eigenen Land.
Im Musikvideo sieht man viele von ihm gebaute Apparaturen, wenig appetitliches britisches Essen und ein Auto, das er zu einem Flugzeug umfunktioniert. Mit diesem Flugzeug will er das Vereinigte Königreich ver- und das eintönige Leben hinter sich lassen. Etwas mit mehr Geschmack essen als „Roly-Poly“ (ein britisches Dessert), Karaoke singen – all diese Träume beschreibt er im Refrain. Er möchte andere Sprachen verwenden als Englisch („Eins, zwei, drei“) und auch mit Euros statt Britischen Pfund zahlen. Denn diese fühlen sich für ihn an wie „Falschgeld“. Alles in allem steckt erstaunlich viel UK-Kritik in diesem Song, der unter dem Union Jack in Wien antreten wird. Er selbst spricht davon, dass es in dem Song um Urlaub in Europa gehen soll – und nur um eine Pause von dem Britischen.
„Eins, zwei, drei“ ist dabei sehr klassisch aufgebaut. Es besteht aus zwei Strophen, einer Bridge und dem sich wiederholenden Refrain. Natürlich durchziehen den gesamten Track die für den Interpreten typischen Synthie-Sounds. Auf den Titel selbst sei man beim Verrücken eines Sofas gekommen. Beim Hochheben zählte der Sänger auf Deutsch und sofort kam die Idee, dass so der Song heißen soll, den man für den ESC bei der BBC einreicht. Weil man dort eher Konventionelles möge, habe er sich aber keine großen Chancen ausgerechnet. LOOK MUM NO COMPUTER erkennt an, dass seine Wahl für die BBC auch ein Risiko darstellt. An dem Song haben allerdings neben dem Sänger selbst auch drei Komponisten mitgearbeitet, die man seit Jahren von diversen ESC-Songs kennt: Thomas Stengaard, Julie Aagaard und Lasse Nymann.
Als Big-Four-Land ist das Vereinigte Königreich direkt fürs Finale am 16. Mai qualifiziert. LOOK MUM NO COMPUTER tritt außer Konkurrenz im zweiten Halbfinale zwischen den Startnummern 12 und 13 auf.
Der Check
Song: 3/5 Punkten
Stimme: 2/5 Punkten
Darbietung: 2/5 Punkten
Instant Appeal: 3/5 Punkten
Benny: Ich finde hier auf rationaler Ebene viele Elemente extrem interessant und und außerdem mag ich, dass Großbritannien sich nach diesem musikalischen Fiasko im letzten Jahr endlich mal wieder etwas traut. Allein: Das Gesamtwerk erreicht mich auf der gefühlsebene trotzdem nicht. Die Strophen sind ziemlich uninspiriert und der Song insgesamt zu eintönig. Für mich das internationale „Ciao Ragazzki“. 5 Punkte
Berenike: Ich finde es auf jeden Fall gut, dass sich das Vereinigte Königreich mal was traut. Insgesamt ist das schon recht cool – Sam ist ein positiv Bekloppter und der Song ein gelungener in Synthieklängen verpackter Partybanger. Allerdings wird das schwer auf die Bühne zu bringen sein und die Briten sind für Bühnenunfälle bekannt… Und wir haben dieses Jahr deutlich stärkere Konkurrenz im „Hau-Drauf-Spaßnummern“-Bereich. Von daher befürchte ich dann doch eher ein Flop- statt Top-Ergebnis. In der Studioversion aber aktuell erst mal 6 Punkte.
Marcel: Synthiepop ist für mich niemals out. Und so britisch wie dieser Song klang schon lange nichts mehr aus dem Vereinigten Königreich. Dazu noch ein deutscher Titel – für mich reicht das vollkommen zur Spitzenwertung. Allerdings war ich ja vor drei Jahren auch schon Fan von Mae Muller und ich fürchte, dass Computer-Boy diesen Titel noch schlechter auf eine ESC-Bühne bringen wird als sie. „Eins, zwei, drei“ ist ein Song zum Hören, nicht zum Performen. Deshalb erwarte ich in Wien Schlimmes – mich aber holt es komplett ab. Und ich habe durch den Titel britische Redewendungen gelernt. Dieser Song cuts the mustard. 12 Punkte
Max: Auf der einen Seite ist es ein sehr ausgefallener, kreativer Beitrag der das Line-Up bunter macht. Gerade die Strophen finde ich zudem auch sehr eingängig und ich mag diesen Retro-Vibe. Aber der Refrain ist leider nicht so eingängig, auch wenn er wohl mit den deutschen „1,2,3“ genau das bewirken soll – aber nicht bei mir. So pendelt sich das ganze in meinem Mittelfeld ein. 6 Punkte
Rick: Mir gefällt Großbritanniens Beitrag dieses Jahr wieder mal (zu) gut, denn vermutlich wird auch „Eins, zwei, drei“ am Ende schlechter abschneiden, als ich es mir wünsche. Ich find’s jedenfalls mega, dass UK dieses Mal Mut beweist und aus dem radiofreundlichen Spektrum heraustritt. Der diesjährige Beitrag ist auffällig und mit dem richtigen Staging KANN das für die Top 15 reichen. Ich finde trotzdem, dass der Nummer insgesamt irgendetwas fehlt. Ich mag’s, aber ganz oben spielt’s für mich nicht mit. 6 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Bennet: 4 Punkte
- Douze Points: 7 Punkte
- Giulia: 2 Punkte
- Laureen: 1 Punkt
- Manu: 10 Punkte
- Peter: 3 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 62/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Eins, zwei, drei“ auf Platz 11.
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
- Israel: „Michelle“ von Noam Bettan
- Litauen: „Sólo quiero más“ von Lion Ceccah
- Montenegro: „Nova zora“ von Tamara Živković
- Polen: „Pray“ von Alicja
- San Marino: Superstar von Senhit feat. Boy George
- Serbien: „Kraj Mene“ von LAVINA
Zweites Halbfinale
- Armenien: „Paloma Rumba“ von SIMÓN
- Aserbaidschan: „Just Go“ von JIVA
- Bulgarien: „Bangaranga“ von DARA
- Luxemburg: „Mother Nature“ von Eva Marija
- Rumänien: „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu
- Schweiz: „Alice“ von Veronica Fusaro
- Tschechien: „Crossroads“ von Daniel Žižka
- Albanien: „Nân“ von Alis
- Australien: „Eclipse“ von Delta Goodrem
- Dänemark: „Før vi går hjem“ von Søren Torpegaard Lund
- Lettland: „Ēnā“ von Atvara
- Malta: „Bella“ von AIDAN
- Norwegen: „YA YA YA“ von JONAS LOVV
- Ukraine: „Rydnim“ von LELÉKA
- Zypern: „JALLA“ von Antigoni
Bereits gesetzt für das Finale
- Deutschland: „Fire“ von Sarah Engels
- Italien: „Per Sempre Sì“ von Sal Da Vinci
- Frankreich: „Regarde !“ von Monroe
- Österreich: „Tanzschein“ von COSMÓ
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Hm… als Kind der 80er bin ja mit Sythiepop aufgewachsen. Normalerweise mag ich auch diese Musikrichtung. Aber der Song wirkt auf mich dennoch irgendwie chaotisch, nervt mich schon nach ca. 1 Minute.
Nichtsdestotrotz kann ich den Song ganz schlecht einschätzen. Ich denke schon, dass man den Beitrag irgendwie witzig auf die Bühne bringen kann. So könnte es für einen Platz innerhalb der TOP 20 reichen, also irgendwas zwischen Platz 15 und Platz 20.
Mega sympathischer und authentischer Synthi-Nerd. „1, 2, 3“ zählt zu meinen Favoriten in diesem Jahr. Benke ist für die Inszenierung verantwortlich und Sam hat bei den Props fast alles selbst gebastelt, geschweißt und verkabelt – was will man mehr!
Ich freu mich, den Auftritt live im Finale in der Stadthalle mitzuerleben.
Kurz und schmerzlos – I love the 80ies mit ihrer Musikvielfalt 🎶🕺🎉🥳
Wie auch „Tanzschein“ mischt „Eins, Zwei, Drei“ in meiner persönlichen
TOP 10 ordentlich mit, rechne aber in Wien für beide Acts/Songs mit einer
Bottom 5 Platzierung.
Ich muss mal meine Kopfhörer überprüfen. Höre die ganze Zeit: eins, zwei, dry. Liegt bestimmt an mir.
Merci vielmals für die Songchecks 2026 und ich werde mich dazu noch melden wenn Dänemark NICHT gewonnen hat. Bin schon wieder meiner Zeit voraus…
„Un, deux, trois“ hat mir viel besser gefallen. Einfach weil es ein runder Ohrwurm war.
„Eins, zwei, drei“ fehlt leider das i Tüpfelchen. Mir gefällt der Beitrag gut. Aber ganz holt mich der Song nicht ab. Da es in Wien wahrscheinlich bisschen „Ballermann“- mäßig rüberkommen wird, gibt es einmal mehr einen typischen UK- Platz: Letzter!
Bei 1, 2 3 muss ich manchmal an Caterina Valente denken.
1, 2, 3 na was ist denn schon dabei. 🙂
Eigentlich wollte ich gerade die finale Auflistung zu meinem Blogger-Sternzeichen posten. Ich weiß nicht warum, aber der Kommentar ist „Awaiting for approval“. Mal sehen wann er freigegeben wird. 🫣
Haste bestimmt ein verbotenes Wort geschrieben.
Ja vermutlich. Ich kann nur nicht finden welches. 😬
Vielleicht ein Wort wo „Muell“ (mit ü) vorkam??
Weder das noch T*nte habe ich irgendwo als Wortbestandteil entdecken können. Gibt es noch weitere Wörter auf die man achten muss?
N*zi darf man zum Beispiel auch nicht schreiben. Hatte ich mal bei einem Titel von Joan Thiele herausgefunden da kam es drin vor.
Malge hat mir eben geholfen beim Suchen woran es liegt. Ich habe das Wort „Punkt-Unterschiede“ ohne Bindestrich geschrieben. 🥴 Danke für deine Hilfe, Malge!
Gern geschehen. 😀
Ja, der Algo ist da finde ich manchmal sehr kleinlich.
Naja, ich hätte ja auch einfach mal genauer prüfen können. 😅
Guter Kandidat für 0 Punkte bei Jurys und Televoting. Live war das echt schlecht
Wahnsinn, schon der letzte Songcheck. Mir gefällt der britische Song wirklich gut. Ich bin ein großer Fan von diesem Synthie-Sound und finde, dass das hier gut umgesetzt wurde. Der Refrain ist zugegebenermaßen nicht der stärkste, aber insgesamt reicht es in meiner Liste für die Top 15.
Ich würde mir wirklich wünschen, dass das ein halbwegs gutes Ergebnis in Wien gibt. Leider habe ich auch gewisse Zweifel, was die Liveperformance betrifft. Ich bin aber erstmal optimistisch und habe für Platz 16-20 gestimmt.
Mir ist dieser Song zu brav und zu platt. das 1 2 3 passt hier gar nicht rein.
Der Beginn gefällt mir dann wird es schnell langweilig und aus erzählt.
Uk traut sich zwar was aber nicht genug , da hätte es dann sowas gebraucht wie zB PIL mit „This is not a Love Song „,also was richtig Abgefahrenes.
Top 3 inzwischen bei mir! Absolutes Alleinstellungsmerkmal. Wenn die Inszenierung einigermaßen funktioniert, linke Seite im Finale! Vielleicht der beste Refrain im line up. Geht doch GB!🇬🇧
Yeah! Mein Platz 2 dieses Jahr und einer meiner „Ganz ausgezeichnet“-Beiträge! 🙂
Ich hoffe auf eine mitreißende Performance mit den beiden wippenden/hopsenden Plüschmonitoren. 😀 Und dass es nicht so eine öde DJ-Nummer wie bei San Marino letztes Jahr wird. Aber ich denke, Computer-Guy wird das schon hinbekommen.
Platzierung ist dennoch schwer einzuschätzen. Ich tippe mal rechte Tabellenhälfte, auch wenn es bei mir nach Armenien ganz vorne steht.