Songwriting-Camp mit VICTORIA und Ben Dolic am Schwarzen Meer, Go_A schreiben neue Songs online

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Songwriting-Camps stehen im ESC-Kontext seit ein paar Jahren hoch im Kurs. Offensichtlich greifen auch einige der – aufgrund der Corona-bedingten Absage des diesjährigen Wettbewerbs – bereits feststehenden Künstler für den ESC 2021 auf diese Form der Liedersuche zurück.

Ein großes Event findet aktuell in den Städten Burgas und Primorsko am Schwarzen Meer in Bulgarien statt. Gesucht werden soll vor allem ein Lied für VICTORIA, aber auch für andere bereits feststehende ESC-Künstler, die teilweise selbst an dem Camp teilnehmen, teilweise aber auch Corona-bedingt nicht vor Ort sein können.

Heute hat Ben Dolic über die sozialen Medien bekanntgegeben, dass er ebenfalls an dem Camp teilnimmt. Gut möglich, dass er dort den Beitrag schreiben will, mit dem er sich wieder für Deutschland bewerben möchte. Wenn VICTORIA und Ben Dolic am Eurovision Songwriting Camp teilnehmen, ist es auch nicht gerade unwahrscheinlich, dass der aus Bulgarien stammende „Violent Thing“- und „Tears Getting Sober“-Komponist Boris Milanov ebenfalls am Start ist.

Möglich ist auch, dass dort bis zum 26. August ESC-Beiträge auf Vorrat entstehen, für die es aktuell noch keinen passenden Act gibt. Neu ist dabei, dass für dieses Songwriting-Camp aktuell sogar Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird, es gibt ein eigenes Logo sowie einen Twitter-Account. Außerdem sollen die teilnehmenden Künstler und Songwriter bekanntgegeben werden. Unterstützt wird das Camp von iCard, das auch die bulgarische ESC-Teilnahme in diesem Jahr finanzieren sollte.

VICTORIA sollte Bulgarien mit „Tears Getting Sober“ beim Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam vertreten und wurde bereits als Vertreterin für den Contest im kommenden Jahr bestätigt. In Deutschland kommt dagegen wieder das Auswahlverfahren aus dem vergangenen Jahr zum Einsatz, so dass sich Ben Dolic neu bewerben muss.

Ebenfalls schon bestätigt ist, dass die Band Go_A im kommenden Jahr einen neuen Anlauf für die Ukraine wagen darf. Deshalb ist auch die vierköpfige Kombo auf der Suche nach einem Beitrag für Rotterdam 2021. Dazu gab es bereits im August ein Online-Songwriting-Camp, in dem Go_A jeden Tag einen neuen Song geschrieben haben. Dazu haben sie teilweise auch ESC-erfahrene Unterstützung bekommen, unter anderem von Ashley Hicklin, der zum Beispiel 2010 „Me and My Guitar“ für Tom Dice mitgeschrieben hat oder in diesem Jahr unter seinem Pseudonym Bright Sparks den spanischen Beitrag „Universo“ von Blas Cantó. Organisiert wurde das Camp von dem renommierten Songwriter-, Produzenten-, Verlags- und Management-Kollektiv „Unified Songs“, das auch schon bei Luca Hännis „She Got Me“ seine Hände im Spiel hatte und mit Weltstars wie Taylor Swift und Ariana Grande zusammengearbeitet hat.

Während es wahrscheinlich ist, dass der letztendliche ESC-Beitrag für VICTORIA in Bulgarien wieder intern ausgewählt wird, steht bislang nicht fest, wie genau die Entscheidung in der Ukraine fällt. Go_A selbst hatten in Aussicht gestellt, dass fünf Songs veröffentlicht werden könnten, aus denen die Zuschauer dann einen auswählen. Bestätigt ist das genaue Verfahren aber bislang noch nicht. Wir halten Euch hier auf ESC kompakt natürlich weiter auf dem Laufenden.

Freut Ihr Euch schon auf die ESC-2021-Beiträge von VICTORIA und Go_A? Seid Ihr gespannt auf neue Musik von Ben Dolic? Und welche Acts und Songwriter könnten am Camp in Bulgarien wohl noch teilnehmen?


26 Kommentare

    • Ich muss dir zustimmen, die Formulierung finde ich auch unglücklich.
      Das Songwriting-Camp ist, meiner Meinung nach, eine gute Sache. Hier können sich die Songwriters sich voll und ganz auf die Sache konzentrieren, und dass am Ende auch was herauskommt, ist bewiesen.

  1. Dass dem Publikum 5 Songs vorgestellt werden sollen, aus denen sie wählen könnten, wäre eine gute Idee, finde ich. Hoffentlich machen sie es auch so. Wäre auch eine Alternative für Deutschland, wer uns auch immer nächstes Jahr vertreten wird. 🙂

  2. Esc -songs auf vorrat produzieren tönt verdächtig nach fliessband. Wenn jemand songs am fliessband produzieren kann, dann boris milanov..
    Wenns denn schon sein muss, dann bitte ein g-son songwriting-camp .

  3. „ESC-Songs auf Vorrat schreiben“ klingt tatsächlich eher nach Handwerk als nach Kunst. Weniger leichte Muse und mehr Kalkül. Muss ja nix schleches sein. In meiner Heimat wird eine tägliche ARD-Serie produziert – und das ist tatsächlich in allen Gewerken Handwerk und nicht Kunst und die Leute gucken es ja trotzdem und es ist sogar für so eine Produktionsdichte sehr ordentlich, so vom Handwerk her.
    Dennoch stört es mich irgendwie, dass man Musik so begreift, dass man gezielt auf Vorrat irgendwas produziert und irgendwer es dann schon singen wird. Es klingt irgendwie alles nicht so, als würde man um Noten und Silben ringen, weil man unbedingt für einen bestimmen Künstler etwas schaffen will, was absolut authentisch ist. Natürlich KANN sowas dabei rauskommen, aber dann wohl eher durch Zufall. Nein, diese Songwriting-Camps sind nix für mich.

  4. Mal ne Frage: Haben wir in Deutschland wirklich keine guten Songschreiber mehr, das wir uns Hilfe aus Bulgarien holen müssen? Verstehe ich nicht. Trotz aller Sympathie, wirklich viel mit Deutschland hatte der Song Violent Thing nicht viel zu tun.

    • Ich gebe Dir recht, aber das ist ein grundsätzliches Problem mittlerweile. Der ESC wird von wenigen Komponisten dominiert, die durch ganz Europa ziehen, und ihre Produkte vermarkten. Die Individualität bleibt so leider auf der Strecke, nicht nur in Deutschland. Schade.☹️

      • Da stimme ich Dir völlig zu, Gaby, die Austauschbarkeit von Leuten wie Barker, Symphonix, Kir-Kon, Fokas, G:son, etc. zieht das ganze leider inzwischen an die Grenze des erträglichen, vor allem wenn dann auch noch wie bei uns dieses Jahr zusätzlich der Sänger importiert wird.

      • Ich finde da geht auch viel Seele dem ESC verloren. Am schlimmsten war für mich in diesem Jahr Zypern. Der Sänger hatte mal Griechische Großeltern, hatte aber sonst mit dem Land und deren Musikszene nix zu tun. Ich finde es auch nicht richtig, das Leute wie Milanov und Gson ihre Songs über ganz Europa verteilen. Das sollte man beschränken auf maximal 2 Länder. Deswegen hat mir auch Italien wirklich gut gefallen, weil der Song halt so typisch italienisch war.

  5. Ich liebe Songwriting-Camps. Vor allem wegen des europäischen Gedankens. Wenn sich der Schwede G:Son, der Österreicher und Bulgare Milanov, die Israelin Londoner, der Däne Steengard und auch noch die Kanadierin in der Schweiz Barker und die US-Amerikanerin Frost treffen würden, schreit das doch regelrecht „Building Bridges“. Oder es kommen noch Ex-Teilnehmer*innen dazu. Man stelle sich mal vor, ich trete in einem deutschen VE mit einem Song von Ryk und Julie Frost an. Oder ich schreibe mit Dotter und Talia Londoner. Wie geil klingt das bitte? So richtig europäisch-international. Ein starkes Team für Europa! 😍

    Mir ist dennoch klar, wieso sich viele nach einem „Heim-Beitrag“ sehnen. Ich bin da nunmal anders aufgestellt 🙂

    • Ich verstehe durchaus, was Du damit sagen willst. Aber der ESC als Veranstaltung hat ja eine völkerverbindende Wirkung (sollte zumindest so sein). Dort kommen die Künstler zusammen.
      Aber ich schätze eben die Vielfalt der Kulturen, das macht für mich den Reiz dieser Show aus.
      Und wenn alle Songs nur von 4 oder 5 Komponisten geschrieben werden, ist von den musikalischen Unterschieden nicht mehr viel zu spüren.
      Aber man möchte ja auch die eigene Kultur näherbringen, das ist doch auch Völkerverständigung, meiner Meinung nach.🙂

      • Die Gefahr, die ich einfach sehe ist, dass Songs am „Fliessband“ produziert werden, und sie sich irgendwie vom Stil her ähneln. Ich will jetzt nicht schreiben „gleich“ sind, denn der Herr Milanov ist da wohl schon recht vielseitig. Ich denke aber schon, dass man die Handschrift erkennt. Das finde ich langweilig. Besonders problematisch finde ich, wenn sie in mehreren Ländern gleichzeitig unterwegs sind.

    • Mir wäre nach wie vor lieber, wenn das autoren-und komponistenteam komplett aus dem eigenen land stammen müsste. Aber ich bin ja auch kein richtig überzeugter europäer.

  6. Ob G:son, Milanov, Kirkorov … sie haben jetzt ihre Zeit.
    Früher waren es Siegel, Curtis, Calderon, Reber, Delanoe…
    Bald kommen andere Komponisten…

  7. Im Grunde zeigt es doch, dass Ben wirklich motiviert ist, wieder etwas Gutes abzuliefern, wenn er an diesem Songwriting-Camp teilnimmt, und sich nicht darauf verlässt, mit irgend einem halbgaren Schubladensong sowieso gewählt zu werden.
    Außerdem ist der Wettbewerb ja für alle offen, und wenn Karl-Heinz zu Hause allein am Klavier den Song des Jahrtausends schreibt, kann der ja immer noch ausgewählt werden, wenn er besser ist als alle anderen.
    Die zunehmende (gerade auch internationale) Kollaboration von Songwritern ist heutzutage eben sehr verbreitet und das schlägt sich dann auch beim ESC nieder.
    Das diese Songs dann nicht unbedingt generisch sein müssen, zeigen ja die für ihre Authentizität hoch gelobten „You Let Me Walk Alone“ und „Répondez-Moi“, die auch aus Songwriting-Camps stammen.

    • Schön, wie hier so viele über das von Benjamin formulierte Stöckchen „ESC-Beiträge auf Vorrat“ hüpfen, aber ich sehe solche Einrichtungen auch etwas zwiespältig. So geschmeidig wie eingängig auch manche auf diesem Weg produzierte Songs sein mögen, hat diese Produktionsweise für mich auch immer einen Hauch von Arbeit und Funktionalität. Ich weiss, dass sich solche Begriffe und soetwas wie „Kunst“ nicht zwingend ausschließen, nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass individuelle Verwirklichung dort meist der Zielgruppenorientierung unterliegt. Einen Namen wie „Unified Songs“ finde ich da schon sehr vielsagend (Stichwort Einheitsbrei;).

      Keine Ahnung wieviel von Schulte wirklich in „You Let Me Walk Alone“ steckt (nicht zuletzt durch den Inhalt entstand damals der Eindruck, dass Schulte den Song selbst schon vor dem Camp begonnen hatte), aber abgesehen von seiner emotionalen Aufhängung empfand ich den Song auch nicht besonders spannend.

  8. „Auf Vorrat“ ist vielleicht etwas flapsig formuliert gewesen, aber es ist ja auch bekannt, dass einige Komponisten ein und dasselbe Lied in mehreren Ländern oder auch für mehrere Wettbewerbe anbieten und insofern trifft es das schon ganz gut, denke ich. Gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, dass Songs je nach Arrangement bzw. Überarbeitung schon auch noch später „personalisiert“ werden können.

  9. Das Songs schreiben und proben über das Internet war 1999 noch Neuland, heute schon längst selbstverständlich. Wie die Zeit vergeht…

  10. Wir dürfen auch gespannt sein wie es in Belarus weitergeht. Wenn es nach Putin geht soll Belarus in eine Union mit Russland eintreten. Ein russlandfreundlicher Nachfolger Lukaschenkos könnte das ermöglichen. Hoffen wir aber das die Unruhen in Belarus friedlich gelöst werden

    • Ich bezeichne es fast als Sensation, dass die Menschen überhaupt öffentlich demonstrieren, das ist natürlich völlig richtig und ich hoffe, dass der Druck so gross sein wird, dass sich am Ende doch die Oppositionsführerin durchsetzen wird. Allerdings ist es auch ein sehr gefährliches Unterfangen. Hoffen wir das Beste.

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