Deutsche Vorentscheidung 2020: Jetzt keine Panik!

© NDR/Julian Rausche

Gestern noch Erfolgskonzept, heute schon nichts mehr wert – das könnte man denken, wenn man die Diskussion über Deutschlands vorletzten Platz beim ESC 2019 und damit auch unweigerlich über die Vorentscheidung „Unser Lied für Israel“ verfolgt. Auch NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber hat angekündigt, zu überprüfen, ob das aktuelle Konzept weiterhin das richtige ist. Dabei wäre es genau falsch, jetzt wieder alles über Bord zu werfen und bei Null anzufangen. Stattdessen sollte die deutsche Delegation die guten Ansätze des seit 2018 etablierten Vorentscheidungsformats „Unser Lied für…“ stärken und Fehler, die in diesem Jahr passiert sind, im nächsten Jahr vermeiden.

Authentizität schlägt Thema

Nach dem vierten Platz von Michael Schulte und dem Sieg von Netta machte sich der NDR aktiv auf die Suche nach Songs, die ebenfalls eine sehr persönliche Geschichte erzählen und/oder ein gesellschaftspolitisches Thema ansprechen. Fündig wurde man im Empowerment-Song „Sister“. Zu diesem suchte man dann zwei Sängerinnen. Allerdings wurden die Künstlerinnen nie eins mit dem Thema und konnten den Song deshalb auch nicht glaubwürdig rüberbringen. Das zeigte sich auf den Social-Media-Kanälen ebenso wie an der Tatsache, dass bis zum Ende regelmäßig von den S!sters als „Mädels“ gesprochen wurde – nicht gerade ein Synonym für „Powerfrauen“. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Song passte nicht zu den S!sters und umgekehrt. Das kann in Zukunft vermieden werden, indem man weiterhin zuerst den Act aussucht, für den dann der passende Song geschrieben/ausgesucht/weiterentwickelt wird.

Sich nicht angreifbar machen

In mindestens zwei Artikeln (nachzulesen hier und hier) auf dem Blog haben wir schon dargelegt, warum sich die Vorentscheidungsverantwortlichen zwar formal korrekt verhalten, aber trotzdem angreifbar gemacht haben. Die nicht ausgeloste Startreihenfolge, das Festhalten an Johannes Strate als Jurymitglied und die (oben dargestellte) Erweiterung des Vorentscheidungskonzeptes auf so genannte „concept songs“ – all das hat zu Missstimmung und Verschwörungstheorien geführt, wäre aber überhaupt nicht nötig bzw. leicht vermeidbar gewesen. Wichtig ist es, das aktuelle Vorentscheidungskonzept zunächst in „Reinform“ zu etablieren und jeglichen Hauch von Bevorteilung eines Acts zu vermeiden. Das bringt Akzeptanz und Kontinuität und vermeidet ablenkendes Störfeuer.

Kantige Künstler

Es war eigentlich die ausgegebene Marschroute für das neue Vorentscheidungskonzept: Künstler mit Ecken und Kanten wollte der NDR. Und ja, das ist der richtige Weg. Denn nur wenn auch die Künstler selbst eine eigene Meinung zu Songauswahl, Bühneninszenierung und ihren Promotionaktivitäten haben, kann man miteinander diskutieren, sich aneinander reiben und gemeinsam Ideen entwickeln, verwerfen und umsetzen. So entstehen kreative Prozesse. Bei Michael Schulte war das der Fall. Dass die Zusammenarbeit mit einem Ryk, der eine klare Vorstellung von seinem Song und der passenden Inszenierung hat, oder einer Aly Ryan, die ihr komplettes Team aus den USA mitbringt, nicht ganz einfach ist, glaube ich sofort. Aber der deutsche Vorentscheid braucht mehr solcher Künstler mit klarer Vision und nicht weniger. Mit den genannten, aber zum Beispiel auch lilly among clouds oder Xavier Darcy haben die Juroren schon die entsprechende Auswahl getroffen. Der Weg, solche eigenständigen Künstler zu suchen und zu finden, sollte weiter gestärkt werden. Und ja, gerne darf es sogar noch eigenständiger und noch kantiger werden.

Wenn die Vorentscheidung in diesem Sinne fortgesetzt wird und dazu noch die Zeit zwischen Vorentscheidung und ESC genutzt wird, um Song, Künstler und Inszenierung weiterzuentwickeln, dann kann „Unser Lied für…“ wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Das Konzept hat jedenfalls nach wie vor Potenzial und sollte eine dritte Chance erhalten.



61 Kommentare

  1. Amen to that! Zustimmung in allen Punkten! Danke, Benny!

    Herr Schreiber: Bitte lesen und beherzigen und nächstes Jahr nicht wieder eine neue Sau durchs Dorf jagen! Das passt nämlich eigentlich so ganz gut!

  2. ….für mich war ‚Lilly among clouds‘ von Anfang an die Favoritin, habe sie vorher zweimal Live erleben dürfen…autentischer geht es für mich nicht aber ich denke, das sie auch so weiter ihren Weg gehen wird.

  3. Die Giant Rooks habe ich auch zweimal erlebt, einmal war Lilly among clouds die Vorband! Das sind Super Typen, auf einem guten Weg nach oben….

  4. Zunächst einmal müssen wir uns eingestehen dass Deutschland keine Popschmiede ist. Welche deutschen Popsongs sind international erfolgreich? Rischtisch! Jiebbet nich. Wir müssen halt die Perlen rausfischen, die eine möglichst gute Chance haben. Also gilt es umso mehr auch gestandenen Künstlern einen Anreiz bzw. ein Forum der Teilnahme zu schaffen. Junge unerfahrene Menschen können auch funktionieren, aber meistens geht es doch schief, dafür ist die ESC Bühne einfach zu groß. s.a. Belgien, Jamie Lee, Elaiza … Es ist peronality gefragt! Außerdem muss die Nation hinter dem Lied stehen, das ist Grundvorraussetzung und wirkt sich auf die Ankündigung des Beitrags in den einzelnen Ländern und auch auf die Wahrnehmung bei den Nachbarländern aus. Bei mir persönlich läuft das alles immer wieder auf einen VE nach dem Melodienfestivalen hinaus. Song mitsamt Künstler haben die Chance sic mehreren Abenden einem großen Publikum zu zeigen und sich durchzusetzen. Hier sind etablierte Bands, Jungstars, Altstars, Castingsternchen, Rammstein, Helene Fischer … gefragt – alle Genres willkommen. Auch mal was wagen!
    Das alles ist mit den alten Herren des NDR nicht möglich. Ich finde mich damit ab, das sich in Deutschland nix ändern wird und freue mich über tolle Beiträge aus anderen Ländern. 🙂

    • Einspruch: Warum muß es denn immer „Popmusik“ (oder was der NDR darunter vesteht) sein ? Es gibt noch eine Reihe anderer Acts, die international durchaus herausstechen könnten. War auch schon einiges in früheren Vorentscheidungen vertreten, nur eben beim heimische Publikum chancenlos.

      Bestes Beispiel ist ja wohl Italien, daß es auch anders geht.

      • In den 80er Jahren gab’s da so Manches. Kraftwerk war im UK auf 1, auch Trios „Da da da“, Alphaville und Propaganda waren dort erfolgreich und Peter Schillings „Major Tom“ war in den US Top 20. Ach ja, und Nicole hatte übrigens die 500ste Nummer 1 der britischen Hitparade! Ich habe bestimmt noch Einiges vergessen.

        In den 90ern gab es dann so manche deutschen Eurodance-Projekte, die international gut ankamen, wie z.B. Culture Beat (in den 2000ern natürlich auch Cascada).

        Allerdings waren alle von mir genannten Beispiele in englischer Sprache, die von Matti erwähnten „99 Luftballons“ haben es tatsächlich auf Deutsch an die Spitze der US-Charts geschafft.

      • Abgemacht. Nominieren wir NENA für 2020 direkt. Was die BBC mit Bonnie Tyler geschafft hat, schaffen wir auch! 😉

        Ich bin sicher, Chris Cross meinte aktuelle deutsche Popsongs, die international nicht stattfinden.

  5. Immer wenn ich „deutscher Vorentscheid“ lese, möchte ich den Kopf auf die Tischplatte schlagen. Naja, immerhin kam dieses Jahr das großartige „Surprise“ dabei raus. Lilly Among Clouds hätte ich sehr gerne in Tel Aviv gesehen.

  6. Ein sehr guter, sachlicher und konstruktiver Beitrag, der in meinem Ermessen den Nagel auf den Kopf trifft. Vielen Dank! Ich hoffe, Herr Schreiber liest diesen Beitrag und setzt sich konstruktiv damit auseinander; direkt nach dem Vorentscheid hatte er ja leider eher eine verteidigende, „zickige“ Haltung zu den (aber auch relativ emotional verfassten) geäußerten Kritikpunkten. Jetzt ist die Emotionalität langsam aus dem Thema raus und ich hoffe sehr, dass das zu einer sachlichen Auseinandersetzung führt.

  7. Ein toller Artikel, den ich so unterschreiben würde!
    Meiner Meinung nach braucht man keine Wildcard für einen Vorentscheid. Außerdem finde ich, dass auxh Deutschland genügend talentierte Songwriter und Produzenten hat, als Bsp. Wincent Weiss, Nico Santos, Felix Jaehn & Robin schulz. Wenn jemand von denen am Vorentscheid teilnehmen würde, wäre sehr glücklich.
    Nur weil einmal das Konzept fehl geschlagen ist, würde ich‘s nicht gleich über Bord schmeißen!

  8. Ich finde auch, dass man jetzt nicht überreagieren und wieder alles über den Haufen werfen sollte.
    Leider sieht es aber genau danach aus, da noch keine Antworten auf die Eurovisions-Jurybewerbungen gekommen sind, obwohl diese für Ende Mai angekündigt waren (naja morgen ist ja noch Zeit).

    Ich finde die Idee fertige Songs einzubringen grundsätzlich nicht schlecht, allerdings sollte man dazu bitte nicht kurzfristig, völlig untransparent irgendeine Band zusammenstellen (Und ich war wirklich großer S!sters Fan, aber den Kritikpunkt kann ich absolut nachvollziehen).

    Ich bleibe dabei, dass wir 2 Halbfinale (auch wenn diese nur im NDR oder bei ONE laufen) und damit ca. 16-20 fertige Acts brauchen (sowas bekommen auch kleinere Länder wie Estland oder Island hin).
    Dazu sollte man von Anfang an einen zweigleisigen Weg gehen, zum einen über Bewerbungen wie die letzten beiden Jahre mit einem später folgenden SWC (wo auch fertige Kompositionen vorgestellt werden dürfen), aber mit mehr als 6 Künstlern, die Zahl sollte nicht in Stein gemeißelt sein aber um die 10.
    Zum anderen auch den Weg über fertige Songs mit fertigen Künstlern (ob bekannt oder nicht, aber nicht vom NDR gecastet!). Auch hier den Weg über eine Eurovisions und internationale Jury, sodass man am Ende auch hier ca. 10 Acts hat.

    Für die Shows würde ich aber dann dafür plädieren, dass die Eurovisions-Jury nicht mehr mit abstimmen darf und auch die Juroren der internationalen Jury ausgetauscht werden (auch andere von Halbfinale zu Finale), da diese die Songs bereits kennen und deshalb weniger auf die Live-Performance achten und zu voreingenommen sind in Bezug auf die Songs.

    Für die jeweilige Performance bitte aber unbedingt mit Profis zusammenarbeiten oder für den VE die Idee mit den Hochschulen umsetzen, die man 2016 für Naidoo hatte.
    Spätestens für das ESC-Finale sollte man dann allerdings mit professionellen Choreographen zusammenarbeiten (ich bin mir sicher wir haben da selbst einige gute im Lande und müssen nicht auf eine Sacha Jean-Baptiste zurückgreifen!) und das ganze bitte nicht erst auf der ESC-Bühne „ausprobieren“! Wenn man zu den Proben fährt, muss das Bühnenkonzept stehen!
    Fürs Ausprobieren den Act lieber im Vorfeld in diverse TV-Shows einladen.

    • Was soll die ganze Diskussion. Wäre Deutschland nicht ein großer Geldgeber, wären sie nie für das Finale qualifiziert.

      • Tja, anderenfalls wäre aber der NDR gezwungen, sich besser reinzuhängen. Ich finde, man hat sich zu lange auf dem „Big 5“-Status ausgeruht und vier Pleiten in fünf Jahren sprechen wohl eindeutig Bände.

    • Eine Frage an Thomas M:
      Warum sollte in den Shows die Eurovisions-Jury nicht mehr mit abstimmen? Schließlich hatte sie ja dieses Jahr mit Aly Ryan wohl den richtigen Riecher gehabt.

      • Weil diese Eurovisions-Jury die Songs und auch Künstler bereits vor der Show kennt und somit voreingenommen ist, sprich gerade ESC-Hardcore Fans neigen dazu einen Song (ab und zu auch einen speziellen Künstler) zu overhypen und diesen dann nicht mehr anhand der dargebotenen Live-Performance zu bewerten

        Lieber vorher bei der Künstler- und Songauswahl intensiver mit dieser Jury arbeiten und dann dafür 2 Halbfinal-Shows… diese 100 Leute in 3 Shows einzusetzen wäre ohnehin sehr aufwendig

  9. Da der ndr und herr schreiber schon einen super song für 2020 in der schublade haben, braucht sich ja sowieso niemand sorgen zu machen.

  10. Am Konzept hat es auch nicht gelegen. Nicht mal an den Sängerinnen lag es, sondern einfach am Song selbst, der in Europa einfach nicht ankam! Da Herr Schreiber noch einen Song in der Schublade hat, kann ich nur hoffen, dass kein Musiker dazu bereit ist ihn anzunehmen.

    Ein Sänger mit „Ecken“ und „Kanten“ soll es sein? Was versteht man unter „Ecken“ und „Kanten“?
    Soll damit eine auffällige Stimme des Interpreten gemeint sein, oder eine auffällige Körperhaltung? Oder vielleicht sogar ein auffälliges Image?

    Für mich können nur Interpreten in Frage kommen, die eine positive Anbindung zum Publikum haben. Guildo Horn war damals keinesfalls ein grandioser Sänger, aber er konnte die Zuhörerschaft mitreißen. Und dafür musst Du als Sänger ein Gefühl haben.

    Von daher wünsche ich mir für den deutschen VE einen Musiker, der weiß,wie man das Publikum packen kann!

    • @Gaby voll Deiner Meinung und @ess-kompakt guter Artikel. Ich nehme an, Aly Ryan mit ihrem Team aus den USA war Thomas Schreiber zu selbstbewusst. Dabei wäre die genau die Art Künstlerin die beim ESC Erfolg gehabt hätte. Das Schreiber Team ist einfach Unprofessionell!

  11. „Künstler mit Visionen“, genau das ist der Punkt. Vielen Dank. Die entsprechenden Sänger/innen sollten schon eine klare Vorstellung davon haben, wie sie ihren Song auf der Bühne umsetzen möchten. So wie Michael Schulte. Bei aller Sympathie für die S!sters: Ihnen fehlte einfach die Erfahrung und wurden somit zu Marionetten, sorry für den Ausdruck. Aber sie wirkten ein wenig unbeholfen und hilflos. Sie hätten eine professionelle Betreuung gebraucht, um aus dem mittelmäßigem Song rauszuholen was möglich ist. Aber offensichtlich können die Verantwortlichen dieses nicht leisten.
    Also braucht man möglichst ein überzeugendes Gesamtpaket. Die Künstler sollten in der Tat ihre Song (mit)-schreiben und somit ihre eigene Geschichte erzählen. So wie bei Michael.
    Auf den „Jugendwahn“ zu setzen ist jedenfalls keine Option, meiner Meinung nach. Wer auch immer an der Vorauswahl der Songs für die VE 2020 beteiligt ist: Ihr solltet echt auch Acts über 30 berücksichtigen. Oder gab es dieses Jahr nur Bewerber/innen im jugendlichen Alter? Für solch ein Projekt wie den ESC braucht es auch eine gewisse Reife, meiner Meinung nach. Es sei denn, es handelt sich um so eine aussergewönliche Persönlichkeit wie Lena, aber sie hatte halt auch einen professionellen Mentor wie Stefan Raab im Rücken.
    Und noch etwas, lieber NDR: Bitte lost die Startreihenfolge wieder aus, so könnte man die Diskussion um Bevorteilung in diesem Punkt vermeiden. Alternativ könnte man auch (zumindest einen) Schnelldurchlauf in umgekehrter Reihenfolge durchführen.

    • „Künstler mit Visionen“??? Klingt irgendwie nach Johannes vom Kreuz. Hätte ich nichts dagegen. Sind fantastische Texte. 😉 🙂

    • Ich bin und war schon immer gegen den Jugendwahn. Dieses Jahr hat sich gezeigt, daß auch Teilnehmer mit längerer Erfahrung absolut ESC-konform sind und es sich auszahlt (Tamara Todevska, John Lundvik, Sergey Lazarev). Wir müssen auch drigend weg von der Masche „aus der Castingshow direkt rein in den ESC“, mittlerweile total veraltet.

  12. Ich habe die Idee auf Instagram gelesen und schon auch länger drüber nachgedacht, warum macht man nicht als VE eine Art Bundesvision Song Contest, wäre doch auch mega spannend. 🙂

  13. Man sollte keine Panik schüren, aber schon Sorge haben, ob man im nächsten Jahr besser abschneiden wird.
    So lange der piefige Muff in der NDR-Unterhaltung-Redaktion vorherrscht, der den Geschmack des typischen ARD-Fernsehzuschauer bei der Song- und Künstlerauswahl mehr berücksichtigt als den eines europäischen Fernsehpublikums wird auch das nächste Mal kaum was erfolgreicheres herausspringen.

  14. Ich halte wirklich nichts von einem Song Camp-Wochenende. Meiner Meinung nach kann man nicht in dieser sehr kurzen Zeit und unter diesen Umständen einen Europahit schreiben. Wenn es aber schon darauf hinauslaufen wird, dann sollte der NDR wenigstens erfolgreiche Komponisten verpflichten. Warum werden ESC Komponisten zb aus Dänemark oder Finnland eingeladen? Die dann wieder typische Liedchen schreiben, die schon lange nicht mehr beim ESC zünden. Ein Johannes Ording muss her und alle anderen guten Komponisten. Und bei den Interpreten brauchen wir auch abwechslungsreiche Künstler. Nicht die 08/15 Gesichter wie es aktuell war.

  15. Ich bin immer noch der Meinung, dass Drangsal ein interessanter Versuch gewesen wäre, aber eigenständige, teils kontroverse Künstler werden wohl beim NDR nicht gerne gesehen.

    • So ist es und genau einer der Gründe, daß für mich Deutschland beim ESC schon fast nicht mehr stattfindet. Etwas mehr Mut bitte !

  16. Unterschreibe ich auch!
    Wo ich als Alternative immer dafür wäre, ist das „UMK“-Modell a la Saara Aalto und Darude. Das könnte einen etwas größeren Namen anlocken und vor allem mehr Zuschauer generieren. Muss aber natürlich ein Anreiz für einen etablierten Act da sein, das klassische Problem. Und es muss jemand Bekanntes sein. „Unser Song für ESCFan2009“ wird sich niemand angucken (oder soll ich mich doch rasch ans Keyboard setzen? 😂😂), aber „Unser Song für Alice Merton“ (die btw neuer Coach bei The Voice wird) wäre mein absoluter Traum 😍

  17. Apropos Kantige Künstler:
    Wird es wieder eine Reihe „Ab nach (…)“ geben, wo ihr Wunsch-Künstler vorstellt? Die Idee fand ich sehr gut und ich hätte auch schon wieder 2 Ideen für Vorschläge. (Was aus meinem letzten Vorschlag geworden ist, ist ja eigen bekannt ;))

    • Oh ja, das war klasse – und Ryk ist noch immer mein ungeschlagener Favorit der letzten Vorentscheids-Jahre. Bin auf deine Ideen sehr gespannt. Ich habe auch einen „Kandidaten“, den ich gerne für 2020 vorschlagen würde.

  18. Da isser wieder der Broder 😅….

    Seine Vorschläge können sich sehen lassen

    Ryk kam ja auch von ihm und seine Geschichte ist ja bekannt …

    • Ich bin anderer Meinung. Italien und Schweden sind deshalb regelmäßig erfolgreich, weil diese Länder aus einer wirklichen Vielfalt wählen können. Dort entstehen größtenteils Beiträge, die nicht am Reißbrett entstehen. 2018 war schon nur Schulte Top. Mit Ryk oder Darcy wäre es nie ein 4ter Platz geworden. Quainoo mit einer tollen Ausstrahlung und Bühnenpräsenz wurde leider mit einem grottenschlechten Song ins Rennen geschickt, wie auch die Voice Gewinnerin. Dieses Jahr hätte es die Top 10 werden können, wenn nicht gerade der schlechteste Song gesiegt hätte. Bei Sister stimmte aber auch gar nichts. Mein Vorschlag: so viel wie möglich erst einmal zulassen. Kontakte zu erfolgreichen deutschen Songschreibern suchen (R. Schulz, F. Jaehn z.B.) und ermutigen Lieder für den Vorentscheid zu schreiben. In mehreren Durchgängen dann den Deutschen Teilnehmer finden.

      • Also mehr Reißbrett als in Schweden geht doch gar nicht. Bei mind. 80% der Melodifestivalen-Beiträge ist jede Note durchkalkuliert.

  19. Erst einmal vielen Dank an die ESC-Kompakt-Blogger, die ihre Positionen immer sachlich und fair darstellen!

    Hier nun das, was ich zu dem bisher Gelesenen (auch in den Kommentaren) los werden muss:

    Ich stimme all denen zu, die mehr als 6 Kandidaten wünschen, um eine größere Bandbreite zu haben. Da sollte auch eine gewisse Vielfalt der Musikstile vorhanden sein (übrigens ruhig auch mal wieder ein Schlagerbeitrag). Die von Thomas M (OHNE Punkt) hier vorgebrachte Idee der beiden Halbfinals auf ONE gefällt mir sehr gut, es ist gar nicht schlimm, wenn diese Semis keine riesengroßen Einschaltquoten bringen (so hätten die „Fans“ schon mehr Einfluss und könnten die hier viel kritisierten „Kompromisskandidaten“ raushauen 😉 ). Mich erinnert das ein wenig an die Radio-Voraussscheidungen zur VE in den 80ern, die fand ich eine sehr gute Sache!

    Bitte kein UMK-Modell (wie bei Darude oder Saara Aalto, sorry ESC 2009, sonst teile ich ja oft Deine Meinung). Da fehlt nicht nur die Vielfalt bei den Künstlern, sondern auch bei den Songs, man kann ja nicht einen Interpreten zehn verschiedene Songs vortragen lassen. Ich finde es viel schöner, wenn ein Interpret von Anfang an mit genau einem Beitrag dabei ist, mit dem er/sie identifiziert wird.

    Auf das Song-Writing-Camp kann demnach m.E. gerne verzichtet werden. Zumal ich die Idee, dass in so kurzer Zeit und dann auch noch zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt (nicht alle haben ihre kreative Phase genau dann) DER tolle Song geschrieben werden könnte, ein wenig vermessen finde.

    Zur Startnummernauslosung: Grundsätzlich finde ich das auch die beste Lösung. Ich verstehe allerdings nicht so ganz, warum sich hier so viele Leute über eine nicht ausgeloste Nummer 7 bei 7 VE-Titeln aufregen, mit einer Festsetzung von jeweils 13 Titeln in der oberen und unteren Hälfte durch den Veranstalter des ESC-Finales aber offensichtlich keine Probleme haben und sich gar noch eifrig an Diskussionen über die „optimale“ Final-Startnummernverteilung beteiligen. Um die S!sters hier ein bisschen zu verteidigen (was ich, zugegebenermaßen, nicht zum ersten Mal tue): Wenn der siebte Startplatz bei der VE angeblich verantwortlich für den Sieg war, sollte man doch auch wenigstens mal erwähnen, dass die Startnummer 4 bei 26 Titeln einen gewissen Einfluss auf die 0 Televotingpunkte gehabt haben könnte (ich sage ja überhaupt nicht, dass eine hintere Startnummer eine deutlich bessere Platzierung zur Folge gehabt hätte, ich beziehe mich nur auf diese 0, auf die „Sister“ von manchen Kritikern nach dem ESC reduziert worden ist).

    Zu den „kantigen“ Acts: Von mir aus gerne AUCH, aber nicht NUR. Ein ESC mit lauter Hataris wäre ein völlig neuer Wettbewerb, der viele alte, treue Fans vertreiben würde (nun ja, für manchen, der sich eine „Verjüngung“ des ESC wünscht, wären damit wohl zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen). Mir wäre wichtig, dass auch ab und zu eine Gruppe oder ein Duo mit dabei ist.

    Zum Abschluss noch etwas zum „nationalen Hype“, der von einem Kommentierenden gewünscht wurde. Mir ist bei nationalen Hypes immer etwas unbehaglich zu Mute, das war bei Stefan Raab 2000 genauso wie bei Lena 2010 (auch wenn mir Lena sympathisch war), und bei Fußball-WMs sowieso. Aber das ist was Persönliches, der Erfolg der entsprechenden Beiträge gibt mir natürlich nicht recht. Ich habe mich jedenfalls über die tollen Platzierungen der nicht-gehypten Wind („Für alle“), Mekado und Sürpriz deutlich mehr gefreut als über die der beiden eben erwähnten Beispiele. Ein nationaler Hype um so ein „kantiges“ Projekt wie z.B. Rammstein (die in diesem Thread auch erwähnt wurden) wäre für mich der absolute Super-Gau. Ein letzter Platz mit einem so genannten „Kompromisskandidaten“ ist mir 1000mal lieber als das Gefühl, dass der ESC von den Fans einer Band „übernommen“ wird, die für mich gegen so ziemlich alles steht, was den Grand Prix Eurovision de la Chanson ausmacht.

    • Alles gut, musst dich nicht entschuldigen 😊 Für kontroverse und konstruktive Diskussion sind wir ja da ^^
      (Ich bereite dann schonmal meine Alice-Merton-Fanartikel vor 😂😂😂)

      • Da bin ich schon sehr gespannt! Ich drücke übrigens auch s’Hertogenbosch die Daumen, ein toller Name 🙂 ; Maastricht wäre aber auch ok.

    • UMK-Modell: Wie viele Songs hatte Lena damals gesungen? 12 waren das sogar. Kann man also schon machen. Ob das dann abwechslungsreiche Sendungen werden, ist natürlich eine ganz andere Frage.

      Song-Writing-Camp: Ich denke, das hast du ein wenig falsch verstanden. Das ist ein Angebot an die Künstler. Es ist nicht verpflichtend, dass der Wettbewerbsbeitrag genau dann geschrieben werden muss. Es können dort Songs entstehen oder auch nur Ideen. Oder es können dort bestehende Ideen weitergedacht werden.

      Nationaler Hype: Ich denke, hier sollte man unterscheiden zwischen Fan-Hype (also Hype von Fans des Acts) und durchschlagendem Erfolg (wie zum Beispiel damals bei Texas Lightning, das zum Nummer-1-Hit in Deutschland wurde). Letzteres würde ich mir mal wieder wünschen und stellt sich eigentlich auch fast immer ein, wenn die Qualität des Beitrags stimmt.

  20. Tut mir leid, Deinem letzten Absatz kann ich nicht zustimmen und auch ich verwende eigentlich viel lieber den Begriff „Grand Prix“.

    • Das macht nichts, mir ist schon klar, dass das eine Minderheitenposition ist. Aber da Du nur vom letzten Absatz gesprochen hast, lässt das hoffen, das vielleicht davor irgendetwas halbwegs Zustimmungswürdiges dabei ist 🙂 Und es freut mich sehr, dass Du auch den Begriff „Grand Prix“ lieber magst. Aber ich muss zugeben, „ESC“ ist natürlich schön kurz. Und wenn man bei ganz jungen Leuten vom „Grand Prix“ spricht, muss man aufpassen, dass die einen nicht für einen Formel-1-Fan halten!

  21. Katja Epstein. Nach dem dritten Platz in Amsterdam im Jahr 1970 und dem zweiten Platz in Den Haag im Jahr 1980 ist es Zeit für den ersten Platz in Rotterdam im Jahr 2020.

  22. Gibt es keine schöne holländische Stadt samt einer großen Halle mit dem Namen „De Tonne“ (Wie De Panne in Belgien) ? Dann könnten wir unsere Vorentscheidung nämlich treffend „Ein Liede für de Tonne“ nennen 😉

  23. „Grand Prix“ ist ja eher wie so ein „Schimpfwort“ und so hieß der Song Contest ja offiziell auch nie. Was die Deutsche VE 2020 betrifft. Das alte System kann gerne beibehalten werden. Aber bitte keine Wildcards mehr und bei der Auswahl der Jury auf mögliche Befangenheit achten. Dann wird das auch wieder.

    • Wieso Schimpfwort? Und wie lautete der offizielle deutsche Name vor der Umbenennung? Ich habe bis dahin jedenfalls immer vom „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ gelesen und gesagt hat fast jeder „Grand Prix“.

  24. Schritt 1: der NDR muss die Verantwortung für den ESC in andere Hände geben. Beim Fussball hätte man diesen „Trainer“ schon vor vier Jahren entlassen.
    Schritt 2: Künstler mit Bühnenerfahrung und/oder Charisma müssen antreten. Nicht solche zwar netten, aber vollig unbedarften Kinder wie die beiden Mädels. Denen nahm man doch keine Zeile ab, die sie performten.
    Schritt 3: mal eine interne Auswahl probieren, von der ein Fernseh-Unterhaltungschef ferngehalten wird. Passender wären Radioleute, die was von Musik verstehen.
    Meine Meinung – muss man nicht mögen

  25. Ich möchte nochmal erinnern, dass es hier nur um 180 Sekunden geht. Es ist völlig egal, ob eine Inszenierung oder der Gesang beim Vorentscheid eher schwächelt. Warum wollt ihr immer alles schon im Vorentscheid perfekt haben? Nach dem VE sind noch drei (!) Monate Zeit, diesen zu optimieren. Und bei Gesangsproblemen kann man mit Background-Gesang schummeln, was ich sehr gut finde. Man erinnere sich an Poli Genova und die geleakte Audio-Datei von ihrem reinen Live-Gesang. Das war sehr schrecklich und wurde anscheinend auch mit Background-Gesang ausgebügelt. Oder Ivy aus Zypern 2012, die selbst quasi die Backgroundstimme war und den Hauptgesang jemand übernommen hat, der am Rande der Bühne stand. Oder Aysel und Arash, wo dieser Arash quasi nur den Mund bewegt hat. Das finde ich auch am ESC so toll, dass es keine DSDS-X-Factor-the-Voice-Show ist, wo es ständig nur um Gesang geht! ESC ist ein SONG-Wettbewerb. Hört endlich auf, den ESC zu einer Gesangs-Castingshow zu degradieren. Was man wirklich braucht ist ein guter SONG und eine spekatuläre Inszenierung auf der BÜHNE. Außerdem halte ich es schwachsinnig zu behaupten, dass bei mehreren Vorrunden das Gesamt-Ergebnis sich verfälscht, weil man die Songs nicht das erste mal, sondern mehrmals hört. Gerade DAS ist ja der Vorteil beim ESC, dass man eine Favoritenrolle einnimmt und dadurch in aller Munde international gelangt. Wenn bei mehreren Runden ein Kandidat sich zum Favoriten entwickelt, wird er es auch international schaffen und VOR dem ESC es durch alle Medien schaffen. Vielleicht erwähnt der Kommentator das in dem jeweiligen Land.

    • Es ist schon korrekt, dass der Song im Vordergrund stehen muss – aber wenn er von einem langweiligen oder schlicht unpassenden Interpreten vorgetragen wird, kommt da auch nichts Gutes raus.

  26. Mein Konzept für ,,Unser Lied für Maastricht“
    —-
    0) Der NDR sortiert nur doppelte oder ungültige Bewerbungen aus. Sonst bleiben alle drin.
    1) Eurovisions-Jury wählt aus allen (z.B. 800 übrigen) Bewerbern 200 Kandidaten aus. Nicht jeder Juror muss alle 800 bewerten. Sie werden gleichmäßig verteilt.
    2) Diese 200 Bewerber schicken ein zweites Video ein und werden zu 50 Kandidaten reduziert. Diesmal werden spielt die Reihenfolge eine Rolle.
    3) Das SWC 2018 und 2019 hatte jeweils eine Kapazität von 30 Liedern. Diese Kapazität wird voll ausgenutzt und an die ersten 30 Kandidaten verteilt. Also pro Kandidat nur ein Lied. Dabei kann man es so machen, dass auch eingesendete Lieder ausprobiert werden können. Die Kandidaten, die mit einem eigenen Song antreten möchten, machen nicht beim SWC mit und die somit freigewordenen Plätze werden an Nachrücker aus der Top50 (also aus Schritt 3) vergeben. In meinem Beispiel haben 6 Acts sich für Eigenkompositionen entschieden und somit sind nun 36 Kandidaten im Rennen.
    4) Soooo… jetzt gibt es 36 Acts mit 36 Songs. Diejenigen, die im SWC vielleicht nicht zufrieden geworden sind, MÜSSEN trotzdem mit diesem einen Lied antreten. Gleiches gilt für die Eigenkompositions-Acts.
    5) Es gibt im Januar sechs (!) Vorrunden, die im TV ausgestrahlt werden (meinetwegen auf ONE), aber nur Aufzeichnungen sind. Dabei singen in jeder Show sechs Kandidaten und nur jeweils 2 kommen weiter. Jede Vorrunde läuft so ab, dass die Kandidaten auf einer provisorischen Bühne die Lieder vortragen. Die Eurovisions-Jury und die internationale Jury schauen sich diese Auftritte an und vergeben 12, 10, 8, 7, 6 und 5 Punkte – sie haben vier Stunden Zeit, das zu tun. Nach diesen vier Stunden werden die Reaktionen aufgezeichnet von den Kandidaten, die weitergekommen sind. So dauert ein Drehtag Stunden und alles wird zusammengeschnitten und kommt ins TV.
    6) Jetzt sind nur noch zwölf Kandidaten im Rennen, die in die Live-Show kommen, wo die internationale Jury, die Eurovisionsjury und erstmaös die Televoter zu je 1/3 den ESC-Beitrag Deutschlands auswählen.

  27. Ich habe ja die Befürchtung, dass, nachdem ein Jahrzent nach der neuen Lena gesucht wurde, jetzt ein weiteres Jahrzehnt damit verbracht wird, Michael Schulte reproduzieren zu wollen und wir jetzt jedes Jahr Tränenzieher-Balladen mit dem Thema „Mir ist schomal was ganz Schlimmes passiert“ bekommen.
    Bitte nicht!

  28. Bla, bia ,bla … Deutschland sollte bayrisch Blasmusik schicken, oder Udo Lindenberg ! Von Schlager haben wir keine Ahnung.

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