Deutscher Vertreter Ben Dolic zur Absage des ESC 2020: „Getroffen und unendlich traurig“

Die Absage des Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam ist für die Zuschauer sicher schade, für die Künstler ist sie aber in vielen Fällen eine Katastrophe. Für sie wäre es der größte Auftritt in ihrem Leben gewesen. Das trifft natürlich auch auf den deutschen Vertreter zu: für Ben Dolic hätte der ESC der große Durchbruch sein können. National wie international. Entsprechend betroffen zeigte er sich nach der Bekanntmachung der Absage:

„Die Nachricht über die Absage des Eurovision Song Contest 2020 hat mich persönlich natürlich tief getroffen und ich bin unendlich traurig. 

Angesichts der Lage um uns herum ist die Absage aber total verständlich und das einzig Richtige. Die Gesundheit geht einfach vor. Wir müssen jetzt alle aufeinander Acht geben und zusammenhalten, damit wir diese Krise gemeinsam überwinden können.“

Ben Dolic war in einem sehr aufwändigen Auswahlverfahren gefunden und mit dem Song „Violent Thing“ gematcht worden. Der NDR (links im Bild der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber und rechts der neue deutsche ESC-Teamchef Christian Blenker) hatte dafür wieder mit der Unternehmensberatung Simon Kucher zusammenarbeitet. Die Auswahl erfolgte durch eine hundertköpfige Eurovisions-Jury und eine zwanzigköpfige Experten-Jury. Die Bekanntgabe von Künstler, Song und Video erfolgte am 27. Februar 2020 in Hamburg.

Nach der Veröffentlichung hat der Titel „Violent Thing“ ein sehr positives Feedback erhalten. Bei unserem EKI, dem ESC-kompakt-Index, erreicht er einen hervorragenden dritten Platz. Auch in den Wettquoten lag er zuletzt auf Platz 10 (Bild unten). Darüber hinaus entwickelten sich die Abrufzahlen auf den Streaming- und Videoplattformen positiv. Last but not least konnte sich „Violent Thing“ auch in den Airplay-Charts platzieren. Der große Schub für den Song wäre dann natürlich nach einem guten Abschneiden beim ESC zu erwarten gewesen.

Wettquoten am Tag der Bekanntgabe der Absage des ESC 2020 

Gerade vor diesem Hintergrund ist es aus deutscher Perspektive besonders bedauerlich, dass der Eurovision Song Contest in Rotterdam 2020 nicht stattfinden wird. Wie es nun für Ben Dolic, aber auch Deutschland bei ESC weitergeht, liegt in der Hand des NDR. Wir halten Euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden.

Das war er, der deutsche Beitrag für den nun abgesagten ESC in Rotterdam: Ben Dolic – Violent Thing


27 Kommentare

  1. Armer Ben…. 🙁

    ****

    Ich denke, dass vor allem der holländische Sender auf eine reine Absage aus war. Es wären definitiv Optionen dagewesen. Ich denke man nutzt das „fehlende Feeling“ eher aus „Ausrede“. Man darf schließlich nicht vergessen, ein ESC ohne Fans wäre ein ESC ohne Geld. Also keine eigenommenen Ticketpreise. Keine Fankäufe in Rotterdam. Alles diesbezüglich würde natürlich entfallen. Natürlich möchte man mit dem ESC den Umsatz vor Ort ankurbeln. Das wäre nicht möglich gewesen. Genauso hätten die Preise für die Tickets erstattet werden müssen. Also eigentlich ein ESC der sich finanziell für das Land überhaupt nicht lohnen würde. Auch die Hotelkosten würden ja ebenfalls anfallen. Ich denke dass das eher eine Frage des Geldes, statt des Feelings war.

    • Jein. Ich habe heute mal den Kaffeeautomaten-Kanal* meiner Arbeit ausnahmsweise offen gehalten und das Geld spielte erst an zweiter Stelle eine Rolle.

      Schaltsendung war lange im Gespräch, ist am Ende in der virtuellen Gruppenknuddelrunde der Delegationen/Sender gescheitert.

      So einer Sendung ist ziemlich billig zu produzieren und hätte NPO** weniger gekostet als der geplante Feier in Rotterdam. Für Stadt, Verein Avrotros und NPO ist nur wichtig, dass man alle Ausgaben verantworten kann gegenüber die Gemeinderat, bzw. die Mitglieder*** und Staat.

      Aber: auch für so eine Sendung müssen viele Leute sich zusammen in einem Raum aufhalten und da sind die Verbote für Treffen mit mehr als 10 (Dänemark, heute) oder 50 (Russland, gestern) oder 100 (Niederlande) Menschen wirklich im Weg.

      An diesem Verbot in NL sind auch alle andere Optionen gescheitert. Für jedes Teil der Sendung gab es Alternativen.

      * Alle arbeiten zu Hause. Nur ein anderer Kollegen und ich sind freigestellt, wegen ein Virus.
      ** NPO ist führend bei alle Finanzfragen.
      *** Die Mitglieder des Vereins zahlen mit, etwa 2. Mio Euro und für 2021 gibt es noch mehr private Spenden.

    • Für mich hat sich der ESC erledigt. Hätte genug Alternativen gegeben. Ich hoffe, der ESC wird nie wieder stattfinden und zu grunde gehen. Genau wie alle Leute, die diesen entsetzlichen virus eingeschleppt haben und trotz warnungen nach china und italien fahren mussten und meinten, man müsse in solchen zeiten karneval feiern…

  2. „Violent Thing“ war endlich ein deutscher Beitrag, der modern und zeitgemäß war. Perfekt in die Charts und ins Radio passt. Schade, dass der Song nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die er verdient hätte.

    #BenDolicforESC2021 aber mit einem neuen Song. Ein 1,5 Jahre alter Song wäre wohl meiner Meinung nach schon ausgelutscht.

      • Muss er ja auch nicht , Michael Schulte war auch nur 1 Woche drin und erst durch den Erfolg beim ESC ist er wieder eingestiegen . Ben kam gut an und war immer in den Top 10 der Wettquoten . Also ein guter gradmesser

  3. Ich hofe der NDR bestätigt recht bald das Ben auch 2021 für uns beim ESC antritt. Mit welchem Lied wird man dann sehen? Ach ja,bin auch sehr traurig. 2020 das erste Jahr ohne ESC für mich seit 1974…

  4. Ben Dolič wird hoffentlich seine neue Chance für 2021 haben. Das wäre mehr als verdient. Ich bin stolz auf ihn, dadarfman traurig sein Ben wird auch ohne den ESC 2020 in den Medien seine Chance haben, denn sein Song ist medientauglich. Liebe Radiosender, gebt ihm die Chance. Er sollte präsent bleiben. In die Geschichte des ESC wird er sowieso eingehen in dem schwierigsten Jahr der ESC-Geschichte.
    Pass auf dich auf. Ich bitte um Fairness. 🙏👋👍

  5. …und wieder liegt es unter außergewöhnlichen Umständen in den Händen des NDR.
    Ich kann nur immer und immer wieder für die einfachste Lösungen von allen plädieren: die eines vollkommen einfachen Vorentscheids für die Auswahl des Beitrags 2021.

    So sehr ich es menschlich für naheliegend halten würde, Ben Dolic’s gutes „Violent Thing“ ein Ticket für den nächsten ESC zu gönnen: Es läuft in einem Jahr auch popmusikalisch so viel Wasser durch Elbe, Rhein und Maas, dass ich da kein automatisches Ticket für das nächste Jahr sehen kann. Ein Ticket für einen Vorentscheidsplatz aber natürlich schon. Soll das Volk oder das bekannte Jury-Volk-Gemisch entscheiden, bevor hier wieder unglücklich verdeckte Sender- und Juryentscheidungen laufen.

    Es wäre doch eine schöne Sache, wenn man jedem ESC-Act 2020 einen Auftritt in Rahmen eines großen Eurovisionskonzertes in Stile des „Het grote songfestivalfeest“ (also ohne Abstimmungen etc.) Ende des Jahres gönnen würde – zu einem Zeitpunkt irgendwann in den Niederlanden (oder notfalls woanders), wenn sich die große Coronawelle hinreichend gelegt hat. Dafür braucht man eine Halle ohne großes Brimborium auch nur einmal an einem Tag und kann dies dann recht flexibel irgendwann mal ausrichten und jeweils national übertragen. So gibt es dann zumindest etwas des verdienten internationalen Ruhmes für den ESC-Act 2020.

    Den Sendern kann dann überlassen werden, ob sie mit dem Beitrag nach dieser Art der „Wiederauffrischung“ nochmal antreten wollen oder ob nicht eine neue Auswahl (mit oder ohne diesen Beitrag im Köcher) durchgeführt wird. Für Deutschland kann ich es nur empfehlen… Back to Vorentscheid!

  6. Ich bin auch für eine Rückkehr der VE, aber natürlich mit anderem Konzept als 2019 und mehr als nur einem Teilnehmer.

    Möglicherweise hätte ich anders argumentiert, wenn es tatsächlich hierzulande einen großen Ben-Hype gegeben hätte.

  7. „Violent Thing“ gehört nicht zu meinen Lieblingstiteln 2020. Aber für Ben tut es mir aufrichtig leid. Ich habe gerade angefangen, mich an seine Stimme zu gewöhnen. Vielleicht versucht er es nächstes Jahr noch einmal mit einem anderen Song.

  8. Ben bekommt nächstes Jahr einen Vorentscheid mit 4 Songs von ihm. Siehe Israel oder Rumänien. Das wäre fair gegenüber Ben und man könnte das Publikum wieder einbinden. Also auf Gehts Symphonix schreibt schon mal los

  9. Wenn er mit dem gleichen Song nicht antreten darf, dann hoffe ich, dass er einen neuen von Symphonix bekommt. Denen traue ich eigentlich zu, in einem Jahr was ähnlich Gutes oder sogar besseres zustande zu bringen. Aber am fairsten fände ich es immer noch, wenn alle ihre Songs behalten dürften, wenn sie wollen.

    • Auf jeden Fall natürlich superfrustrierend für ihn und die anderen Teilnehmer. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das für eine Achterbahn der Gefühle sein muss, wenn man mitten in diesem Promomarathon ist, wahrscheinlich voller Vorfreude und Performance-Pläne, und dann auf einmal alles abgeblasen wird… 🙁

  10. Mal ne Frage: Könnte man hier nicht auf dieser Seite so unseren eigenen kleinen Wettbewerb oder Umfrage starten, alle User vergeben an die Punkte 1 bis 12 . Als kleine Spielerei wäre das doch bestimmt nett, oder?

  11. @ Frederik

    Genau diese Meinung vertrete ich auch, obwohl Mekado gar nicht mal so übel waren (nur eben für das breite Publikum nicht interessant)

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