ESC-Songcheck kompakt (7) – Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Ana Soklič gehört zu der guten Hälfte der Künstlers des Jahres 2020, die in 2021 eine zweite Chance erhalten. Der verantwortliche Sender RTV SLO hat bereits im Mai 2020 bekanntgegeben, dass Ana Soklič , die sich in einer exzellent besetzten EMA 2020 mit „Voda“ durchgesetzt hatte, Slowenien auch 2021 beim ESC vertreten wird.

Ana Soklič gehört zu den erfahrensten Teilnehmern im Wettbewerb. Die slowenische Sängerin aus Bohinj ist bereits 36 Jahre alt und ist vor allem im Jazz, Blues, R&B und Soul zuhause. Sie trat schon zusammen mit dem Harlem Gospel Choir New York auf und auch mit vielen Größen der Modern Jazz Szene. Ihre Blue-Eyed-Soul-Stimme gilt als eine der eindrucksvollsten, kraftvollsten und eigenständigsten, die der ESC in vielen Jahren erlebt hat.

Ana selbst hat Texter und Komponisten aufgefordert, Songs für den ESC 2021 vorzuschlagen. Knapp 200 Songvorschläge wurden danach in einem zweistufigen Juryverfahren ausgesucht.. In der ersten Runde mit Ana standen ihr zwei renommierte ESC-Veteranen zur Seite, zum einen Darja Švajger, die Slowenien in 1995 und 1999 beim ESC vertreten hat, zum anderen Vladimir Graić, der als Songwriter für den ESC-Klassiker „Molitva“ verantwortlich zeichnete.

In der zweiten Runde ohne Anja war Darja Švajger wieder dabei, außerdem Mojca Menart, „Head of Publishing and Record Label“ bei RTV, sowie Matevž Šalehar Hamo, ein bekannter slowenischer Musiker.

Der Song

Ausgewählt haben die beiden Jurys die pathetische Powerballade „Amen“, ein Titel der von RTV SLO sehr, sehr selbstbewusst angekündigt wurde, und der federführend unter Mitwirkung von Songwriter Charlie Mason entstanden ist. Charlie zeichnet co-verantwortlich für „Rise Like a Phoenix“, Maraayas „Here For You“ und „Beauty Never Lies“ (Bojana für Serbien 2015).

Man hört der epischen Ballade „Amen“ an, dass die Producer auf die maximale Intensität von Anjas Stimme und auf starke Conchita-Style-Gesten auf der ganz großen Bühne schielen. Abgemischt hat „Amen“ Tony Maserati aus Los Angeles, der schon mit Beyoncé, Usher, Jason Mraz und The Black Eyed Peas gearbeitet hat. Der hymnische Backgroundchor ist von Producer Žiga Pirnat rund um Dorian Holley gruppiert worden, der schon mit Michael Jackson und James Taylor getourt hat.

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: Ich bin nach wie vor ziemlich enttäuscht von „Amen“. „Voda“ war sehr eigenständig und diesmal hat Ana leider eine Allerwelts-ESC-Ballade im Gepäck. Der Song beginnt noch ganz gut und interessant, aber verliert sich dann leider und der einfältige Text vor allem im Refrain tut sein Übriges. Wenn ich aber meine Enttäuschung außen vor lassen, tut „Amen“ natürlich auch nicht weh und lässt sich gut weghören, außerdem habe ich mich mittlerweile ein bisschen reingehört. 6 Punkte.

Berenike: Ana hat eine fantastische tiefe Stimme, das kommt in „Amen“ auch wieder sehr gut zur Geltung. Leider ist der Song für mich nur eine unauffällige Gospelballade. Trotz einiger interessanter Ansätze wie dem Spannungsbogenaufbau mit nur sehr reduzierter Instrumentierung und dem Chor zum Schluss, verliert sich das Lied am Ende etwas im Nirgendwo. Ich fand „Voda“ viel interessanter, weil es eigenständiger und „mehr Nische“ war. Da Ana aber so eine tolle Sängerin ist trotzdem 7 Punkte.

Douze Points: Das ist ja wohl am ehesten ein Jury-Pleaser, oder? Nach dem ersten Refrain frage ich mich immer, ob da jetzt noch was kommt und das Lied richtig losgeht. Das stellt die gesanglichen Fähigkeiten von Ana überhaupt nicht in Frage. Aber kompositorisch und textlich ist das doch eher Hausmannskost. 6 Punkte.

Florian: Anas Stimmfarbe gefällt mir in „Amen“ sehr gut und kommt meiner Meinung nach sehr angenehm zur Geltung. Die große stimmliche wie musikalische Explosion zum Refrain lässt nach mehr hoffen, doch dann ist der Song recht schnell auserzählt. Was bei „Voda“ noch dramaturgisch exzellent dargeboten war und seine Anhänger fand, wirkt in diesem Jahr mit „Amen“ doch etwas schwerfällig. 5 Punkte. 

Manu: Letztes Jahr war Ana zusammen mit der lettischen Samanta wohl die Teilnehmerin, die gerade durch die Home Concerts begeistern konnte. Umso enttäuschter war ich beim ersten Hörgang von „Amen“. Ana singt gut, ich liebe die stimmlich tiefen Momente. Die Bridge zum letzten Refrain begeistert mich mit einer ungewöhnlichem Melodiefolge und dem aufbrandenden Chor. Die schönste Stelle ist der alleinige Chorgesang ganz zum Schluss – dieser ist aber leider in Rotterdam weggeschnitten und damit kann ich insgesamt nur 5 Punkte geben.

Max: „Amen“ ist zwar nicht schlecht und Anas Stimme ist wirklich super, aber irgendwie dümpelt der Song in meinem persönlichen Ranking im Mittelfeld herum. Der Refrain ist zwar ziemlich stark, vor allem am Ende mit dem Gospelchor. Aber er tröstet für mich nicht über die schwachen Strophen und restlichen Passagen hinweg. 5 Punkte dennoch von mir!

Peter: Es war gar nicht so einfach, sich im „objektiven“ Songcheck-Text zurückzunehmen. Ja, die Erwartungshaltung an Ana (speziell in der Bubble) war höher als das, was Slowenien letzten Endes abgeliefert hat. Zu kalkuliert und zu wenig innovativ. Aber die Stimme von Ana ist breathtaking unique, sexy, catchy und der Gospelchor im letzten Drittel sorgt für anständig Adrenalin. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 46/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Amen“ auf Platz 30 von 39.

Wie schneidet der slowenische Beitrag "Amen" von Ana Soklič ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse


75 Kommentare

  1. Das Problem ist, dass das, was wir kennen, nicht die finale Version sein kann, denn die ist knapp 30 Sekunden zu lang. Ein Problem ist das, weil das Gesamtkunstwerk, so wie es ist, gut funktioniert. Da etwas weg zu kürzen wird dem Beitrag einiges nehmen. Die einfachste Lösung wäre sicherlich, den „Schluss“ abzuschneiden, in dem man nur den Chor hört. Aber gerade der ist doch ziemlich stilvoll. Aber sonst sehe ich kaum Raum dafür, irgendwo was rauszukürzen.

    So oder so schreit dieser Beitrag nach einer bombastischen Inszenierung. Da muss mehr kommen als in dem Video. Deutlich mehr (genau das war die letzten Jahre aber auch eins der Probleme von Slowenien). Dann kann das aber auch gut abschneiden.

    Sie startet im deutlich schwierigeren Halbfinale, wo es neben ein paar Ländern mit starker Diaspora und somit erwartbar starkem Zuschauer-Ergebnis auch einige potenzielle Jury-Hits gibt. Es ist zu erwarten, dass die Jurys Malta, Schweden (wie immer), Belgien und vermutlich Litauen hoch bewerten werden. D.h. ihr bleibt wohl maximal Platz 5 bei den Jurys und das ist bereits eine gefährliche Positionierung. Einige Beiträge, die bei den Jurys 5. waren, sind im Halbfinale hängen geblieben. Finale ist daher durchaus alles andere als sicher. Nicht weil sie einen schwächeren Beitrag hätte als 10 andere (für mich ist es sogar einer der besten des Jahrgangs), sondern wegen der besonderen und schwierigen Konstellation im 1. Halbfinale, wo es so viele erwartbare Finalisten gibt. Im 2. Halbfinale wäre das Finale sicher gebucht.

  2. Eine tolle Sängerin mit einer gigantischen Stimme.Sympathisch und deswegen wünsche ich Ihr den Finaleinzug aber es wird sehr schwer werden im ersten Semi. Der Song ist ein bisschen altbacken ja aber wie gesagt gut gesungen. Viel Glück für Slowenien ich halte die Daumen.

  3. Voda war sehr altbacken. Amen eigentlich auch. Aber es ist doch etwas hörbarer. Ein Weiterkommen im Semi kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

  4. Die erste Sängerin mit Slawisch-Englisch (fettes ‚L‘). Musterballade,lädt ein zum Mitsingen (aber überlebt sie eine Kneipe voller betrunkene Gäste?)

    Song: rundum gelungen, trotzdem fehlt das gewisse Extra.
    Stimme: besser auf Slowenisch singen
    Instant-Appeal: in Ordnung
    Optik: Ohne Augenschwarz wäre sie noch schöner

  5. Wieder profitiert Slowenien von Anas hervorragenden Stimme, diesmal allerdings etwas weniger als im letzten Jahr. Der Refrain ist sehr powervoll und erfrischend. Allerdings könnte man das Lied auch als „Halleluja“ durchgehen lassen. 5 Punkte von mir.

  6. Außer Anas guter Stimme und diesem „Hallelujaaaaah“ im Refrain ist absolut nichts drin. Wird sich um den letzten Platz im Semi kloppen. Da hat man leider eine gute Sängerin verheizt. Gebt der Frau doch mal ein richtig gutes Lied!

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