Advent der besten DACH-ESC-Beiträge (15): Auf der Suche nach dem Paradies

Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren liebsten ESC- und Vorentscheidungs-Beiträgen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gefragt – einen lieben Dank an dieser Stelle an alle, die dabei so fleißig mitgemacht und so insgesamt 154 unterschiedliche Beiträge in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir ausgewertet und präsentieren Euch nun Eure liebsten 24 Beiträge der sogenannten DACH-Länder – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 10: ZOË „Loin d’ici“ (Österreich 2016)

Ja, unsere süße Prinzessin aus Österreich haben wir zwar schon vor ein paar Tagen erwähnt, als wir vom Vorentscheid 2015 und dem für viele überraschendem Kalendertürchen mit DAWA berichtet haben. Aber klar – auch ZOË hat es in unseren Adventskalender geschafft! Und das sogar unter eure zehn liebsten DACH-ESC-Beiträge.

Tatsächlich war es aber nicht erst 2015, als ZOË das erste Mal im Fernsehen auftauchte. Denn schon im zarten Alter von nur neun Jahren moderierte sie schon gelegentlich die Sendung Close up auf Confetti TiVi, dem Kinderprogramm im öffentlich-rechtlichen Sender ORF 1. Ein Jahr später nahm sie auch am Kiddy Contest teil und sang dort ein Cover von Mark Medlock.

Nach dem Sieg von Conchita Wurst und der Überarbeitung des Konzeptes der österreichischen Vorentscheidung schmiss sich auch ZOË ins Rennen, um Österreich im eigenen Land zu vertreten. In der ersten Show „Die Audition“ sang sie „Adieu“, das auch am selben Tag als ihr erstes Musikvideo veröffentlicht wurde und erreichte damit scheinbar spielend die besten sechs und damit die nächste Runde. In der zweiten Runde ging es lediglich darum, dass die Zuschauer die sechs Kandidaten noch besser kennenlernen können. Hier versuchte sich ZOË an einem Cover der Beatles:

In der folgenden Sendung stellten die Kandidaten den Jurymitgliedern jeweils zwei Lieder vor. Beide Lieder – „My Heart Still Beats“ und das französische „Quel Filou“ – hatte ZOË zusammen mit ihrem Vater geschrieben. Christoph Straub hatte Anfang der 90er die in Österreich sehr erfolgreiche Band Papermoon mitgegründet. Gerade das französische „Quel Filou“ begeisterte die Jury, die dieses ins Finale wählte. Dort war auch die eingesetzte internationale Jury begeistert und vergab für „Quel Filou“ sogar die zweithöchste Wertung. Mit 11,32 % der Zuschauerstimmen reichte es am Ende dennoch knapp nur zum dritten Platz.

ZOË lies es sich aber nicht nehmen, beim Public Viewing des Eurovision Song Contests 2015 auf dem Wiener Rathausplatz zu singen. So verwundert es auch nicht, dass sie 2016 wieder an der Vorentscheidung teilnahm.

Diesmal genügte den Verantwortlichen aber wieder ein klassischer Vorentscheid unter dem Motto „Eurovision Song Contest – Wer singt für Österreich?“ an einem Abend mit zehn Startplätzen. Das musikalisch recht spannend zusammengesetzte Feld stellte sich einer Jury (unter anderem Conchita Wurst und Julie Frost) und dem Fernsehpublikum. In der ersten Runde entschieden beide Instanzen zu jeweils 50 Prozent, in der zweiten Runde „Die Entscheidung“ allein das Publikum zwischen den zwei Bestplatzierten.

Gleich als erstes rollte ein Mann auf die Bühne, auf dem derzeit alle österreichischen Hoffnungen liegen: Vincent Bueno. Sein „All We Need Is That Love“ brachte schon ordentlich Stimmung in die Bude und zeigte, dass man auch im kommenden Jahr beim Song Contest auf einen guten Auftritt von Vincent hoffen darf. Auch Elly V (Eleonora Vardanian), die im Jahr zuvor in Deutschland durch ihre Teilnahme bei The Voice of Germany Bekanntheit erlangte, überzeugte das Publikum. Ihr „I’ll Be Around“ war nicht nur modern, sondern auch optisch gut umgesetzt. Da lobte sogar die Jury, die sich während der Sendung mit Kritik nicht zurückhielt, und vergab stolze 37 Punkte.

Auf Startplatz 8 ging der extrovertierte Sankil Jones ins Rennen, der 2012 fast für Armenien beim Eurovision Song Contest angetreten wäre, wenn sich das Land nicht aus politischen Gründen zurückgezogen hätte. Stimmlich vielleicht gewöhnungsbedürftig (oder lags an seiner Erkältung?), legte er mit seinem „One more Sound“ im wahrsten Sinne des Wortes eine heiße Performance hin und ergatterte am Ende die vierthöchsten Jurypunkte. Ebenso ungewöhnlich auch der Friedenssong „Weapons Down“ von Bella Wagner, die sich als Aktivistin für Frieden und Umwelt sieht und sich für den Erhalt der Natur, für die Menschen, und für das Leben engagiert. Ihr Lied und ihr Auftritt wurden von der Jury als hochinteressant betitelt und Bella landete mit 36 Punkten direkt hinter Elly V auf Platz 2.

Endlich war ZOË mit dem selbstgeschriebenen Popschlager „Loin d’ici“ an der Reihe. Sie stiefelte auf einem Laufband im Prinzessinnen-Kleid durch ein Bonbon-farbenes Paradies und erzählte ihre Geschichte von der Suche nach dem Paradies.

„Loin d’ici erzählt eine Geschichte über die Suche nach dem Paradies. In diesem Zusammenhang ist das Paradies kein physischer Ort, sondern ein inneres Bild, das jeder für sich finden kann. Das Lied soll Menschen zum Lächeln bringen und sich einfach gut anfühlen.“ (ZOË)

Viel Applaus im Publikum, geteilte Stimmung bei der Jury und so landete ZOË erstmal nur auf dem vierten Platz – zusammen mit Sankil Jones. Hatte sich die Teilnahme für ZOË damit erledigt? Nein, mit der Hilfe des Publikums erreichte sie die Entscheidungsrunde gemeinsam mit Elly V. Das Publikum entschied sich am Ende dann sogar für den leicht zugänglichen französischen Popschlager „Loin d’ici“ und schickte ZOË damit nach Stockholm. Wer möchte, kann sich den durchaus interessanten Vorentscheid in 3 Teilen noch einmal ansehen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3 gibt es auf YouTube.

Was dann kam, war so nicht unbedingt vorherzusehen: Während man sich in Österreich noch fragte, ob es sinnvoll ist, mit einem französischsprachigen Lied beim ESC anzutreten, eroberte ZOË die Herzen der Eurovision-Fans im Sturm. Schon beim ersten Fan-Event in Amsterdam lagen ihr die Fans zu Füßen, sangen lauthals das komplette Lied mit und der Applaus für ihren Auftritt wollte nicht abbrechen. Da staunten selbst die hochgewetteten Favoriten nicht schlecht.

Dieses Bild und die Tendenz im Vorentscheid, dass das Publikum mehr hinter ZOË stand als die Jurys, zeigte sich auch beim ESC 2016 in Stockholm. Während sie dort von den Jurys in ihrem Halbfinale lediglich auf Platz 11 landete (und damit nicht einmal das Finale erreicht hätte), setzten die Zuschauer sie gar auf den 2. Platz und brachten ZOË so ins Finale. Auch dort relativierte sich das Bild nicht. Die Jurys ließen nur 31 Punkte springen, die Zuschauer jedoch starke 120 Punkte. Bei der Bekanntgabe der Zuschauerpunkte brandete großer Applaus in der Halle auf und „Loin d’ici“ landete letztendlich auf dem 13. Platz.

ZOË – Die Siegerin der Herzen des Eurovision Song Contest 2016 und Platz 10 in unserem Adventskalender!

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr hier:
Platz 24: Timebelle „Apollo“ + Cesár Sampson „Nobody But You“
Platz 23: Ben Dolic „Violent Thing“
Platz 22: Mary Roos „Nur die Liebe lässt uns leben“
Platz 21: Max Mutzke „Can’t Wait Until Tonight“
Platz 20: Katja Ebstein „Diese Welt“
Platz 19: Roman Lob „Standing Still“
Platz 18: DAWA „Feel Alive“
Platz 17: Peter, Sue & Marc „Io senza te“
Platz 16: Lena „Taken by a stranger“
Platz 15: Rosenstolz „Herzensschöner“
Platz 14: Ella Endlich „Adrenalin“
Platz 13: Lena Valaitis „Johnny Blue“
Platz 12: Gjon’s Tears „Répondez-moi“
Platz 11: Luca Hänni „She got me“


31 Kommentare

  1. Absolut bezaubernd😍
    Ich bin freudig überrascht, dass „Loin d’ici es in den Adventskalender geschafft hat und gleich auf den 10. Platz.
    Asche über mein Haupt, aber ich habe sie bei der Wahl total vergessen, um so mehr freue ich mich, dass andere User da umsichtiger waren.😉

  2. Sehr informativ wieder mal, Manu. Eigentlich wie alle Beiträge im Adventkalender. Großen Respekt und Dank dafür.

    Gestern gab´s ein Interview mit Zoe in der Kronen Zeitung
    Zoe erwähnte, sie habe nicht nur 2007 am Kiddy Contest teilgenommen, sondern war im Jahr davor bereits im Halbfinale ausgeschieden und danach bitter enttäuscht gewesen.
    Genauso ging es ihr nach dem Vorentscheid 2015, als sie die Kritik der Jury scheinbar härter getroffen hat als man vermuten möchte.
    Deswegen wollte sie 2016 unbedingt nochmals antreten- ein weiteres Mal hätte sie es aber nicht probiert.
    Ansonsten ging´s um ihre Zukunftspläne als Schauspielerin (etwas holprig wegen Corona) und ihren 10 Monate alten Sohn (Victor)
    Und um ihre neue Single- Tout Paris- logischerweise wieder auf französisch

      • Kein Problem. Ich hätte doch eher Anlass, böse zu sein, wenn Du mir zutauen würdest, diesen Beitrag zu mögen, oder? Und außerdem ist rosa eh was für Mädchen … 😉 😉 😉

  3. Mir fällt für ihren damaligen auftritt kein anderes wort ein als bezaubernd. Als fränzösisch aufgewachsener halber österreicher war das in jeder beziehung genau mein ding.

  4. Ich hab im ersten Moment auch an Ulla Wiesner gedacht. Aber stimmt, da passt L’oin dici auch gut. Nur denkt man da nicht gleich dran, weil ja Französisch. Den Beitrag fand ich anfangs gewöhnungsbedürftig, später bezaubernd und noch etwas später fast schon zu süßlich. Ich denke, dass es einer der besseren österreichischen Beiträge ist. Man kann am Werdegang der Sängerin sehen, dass aber auch wirklich hart dafür gearbeitet hat.

  5. Ich nenne das mal ein Special Interest Kalendertürchen. Das war einfach meilenweit an meinen Bedürfnissen vorbei. Story of Fire Saga lässt grüßen. ..

    Miss Helium, Rosenberg oder Joy rütteln sicher auch schon an ihren Adventstürchen.

  6. Meine unsortierten Tipps für die 1.Neun:
    Siegertitel von Nicole, Lena, Conchita, Udo und Celine. Deutsche Beiträge von Joy, Michelle und Michael und aus den VEn Er gehört zu mir.
    Ich bin gespannt 🤩

  7. Mit Zoe habe ich fix gerechnet. Ich war auch überrascht, dass ihr Song so gut angekommen ist damals. Sie hat aber wirklich eine gute Performance abgeliefert, das süßlich kitschige passte auch zu ihrer Persönlichkeit.

  8. Juhuu, das ist meine Nummer 1 auf der Wunschliste für diesen schönen Adventskalender gewesen!!! Viele schreiben hier, dass das süßlich sei: Umso besser, ich liebe alles süßlich-zuckrige, sowohl in der Musik als auch bei Speisen und Getränken 🙂 Und darüber hinaus wurde endlich mal nicht englisch, sondern französisch als NIcht-Landessprache gewählt, je suis très enchanté!!!

  9. Den österreischichen Vorentscheid habe ich damals geguckt. Es war für mich eine „Sensation“ das ein französischer Song alle englische Songs geschlagen hat. Das Lied „The Sky is the Limit“ (oder so) war mein Favorit.

  10. Zoe oder wie ich sie nenne, die zarteste Versuchung seit es österreichische ESC-Beiträge gibt. 😉

    Mag den Song an sich auch ganz gerne, nur allzu oft kann ich ihn mir dennoch nicht anhören. Fühle mich dann immer als ob ich ne ganze Packung Tofifee allein verputzt hätte, so süß ist das ganze!!

  11. Die Performance beim Esc, war sehr gut und bezaubernd, sie hatte glaube ich selber nicht gerechnet,dass sie beim Publikum so gut angekommen ist.
    Ich würde mir wünschen das sie wieder mal zum Esc fährt.

  12. Auch wenn ich „Quel Filou“ noch besser fand, wie vor ein paar Tagen beim AUS-VE-2015-Türchen geschrieben, höre ich „Loin D’Ici“ schon auch gerne. Und die Idee mit dem Laufband vor der Landschaft ist sehr süß. Ab und zu einfach mal was harmonisch-zuckriges 😀

  13. Am meisten gefällt mir, dass der Song, gerade wenn er anfängt redundant zu werden, gegen Ende noch einige unvermutete musikalische Schlenker macht. Schöne Komposition. 🙂

  14. Ich war sehr überrascht und hab mich richtig gefreut das aus einem Land eine Sprache geschickt wird die man dort nicht amtlich spricht. Seit der Sprachenregelung wird meist nur englisch gesungen das find ich eigentlich schade. Ich bin sehr für Landessprache oder so eine Überraschung wie Loin D´ici für Österreich. Das Lied fand ich auch sehr schön. Ein würdiger Platz 10

  15. Ich weiß noch, wie mir das ganze Bühnendesign in Stockholm viel zu dunkel-düster-depressiv war.
    Selbst der Knallbunte Hintergrund bei Loin D’Ici tut sich schwer dagegen anzukämpfen.
    Der Zuckerwatte Song hat gerade diesem ESC sehr gut getan und Zoe ist sowieso ein Traum.

  16. Ich erinnere mich noch an den Vorentscheid ,vor allem blieb mir in Erinnerung

    Eine unsympathische Conchita Wurst , die „Sky is the Limit“ (mein Platz 2 ) und auch Zoe mein Platz 1, mit gehässigen Kommentaren überhäufte. Die Jury war eh zu vergessen .

    Loin D’ici ist eines meiner Alltime Faves beim ESC und hätte einen Platz in den Top 5 verdient, auch beim ESc selbst war die Jury nicht gnädig , leider .

    Loin Dici erreichte sogar die Charts in Frankreich ,was für ein ESC Lied dort äusserst selten vorkommt.

    Beim Fan Event in Amsterdam , rasteten die Zuschauer förmlich aus , es war toll das miterlebt zu haben

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