Komm, wir fahren nach Amsterdam – meine erste Eurovision Pre-Party (Malmö Memories 22)

Wenn ich Leuten erzähle, dass der Eurovision Song Contest mein Hobby ist, verstehen das viele nicht. „Das ist doch nur einmal im Jahr?!“. Als ich dann also mitgeteilt habe, dass ich nach Amsterdam fliege, um die dortige Pre-Party „Eurovision in Concert“ zu erleben, hatte ich Schwierigkeiten, das Konzept zu erklären. Mein Vater denkt noch immer, es sei eine Generalprobe, und vielleicht hat er damit gar nicht so Unrecht. Im nicht-Eurovision-Fan-Freundeskreis hat sich der Begriff „Mini-ESC“ für meinen Kurztrip im April etabliert. Auch schon wieder gar nicht so falsch.

2024 gab es sechs dieser Partys in Madrid, Barcelona, London, Amsterdam (die größte in Europa) und zwei Newcomer in Skandinavien mit Stockholm und Kopenhagen. Eurovision in Concert findet in Amsterdam in der AFAS Live Mehrzweckhalle statt. Auf dem Weg dorthin sind wir erst vorbeigelaufen und steuerten Richtung Ziggo Dome. Unser Fehler. Der Abend ist zweigeteilt: Eurovision in Concert lieferte 29 der 37 am ESC teilnehmenden Acts und bei der After-Show-Party warteten Alexander Rybak, Jedward, Go_A und Efendi. Wie man an die Tickets für die Afterparty kommt? Eine Mammutaufgabe, denn offiziell heißt es:

Tickets can be purchased in two ways:

Friday, 12 April: At the door of Amsterdam Calling at Melkweg

Saturday, 13 April: At the door of AFAS Live

Wann? Wo genau? Welche Tür? Wir wussten es nicht und sind nach Ankunft in Amsterdam am Samstagnachmittag direkt zur Halle gefahren. Fehlanzeige: Wartende Teenager, die anscheinend schon seit dem Morgen an der Halle saßen, erklärten, dass man die Tickets in der Halle bekommt. First Come, First Serve. Lasset die Spiele beginnen! „Stop, don’t say that it’s impossible, cause I know it’s possible“ – wir waren bereit!

Zwei Stunden vor Einlass standen wir dann mit unserem Abendessen (Burger und Pommes auf die Hand) wieder an der AFAS Live Hall und waren erleichtert: Die Schlange war nicht sehr lang. Mit unserem Essen setzten wir uns auf Stufen und beobachteten das Treiben vor der Halle: Junge Amsterdamerinnen und Amsterdamer auf dem Weg ins Kino, eine pro-palästinensische Demo, die die EBU lautstark kritisierte, und Möwen, die an unsere Pommes wollten. Nach dem Abendessen machten wir uns auf den Weg zum Schlangenende (Erinnerung: wir dachten ja, die Schlange sei nicht so lang), nur um festzustellen, dass wir die ganze Zeit nicht das Ende der Schlange sahen, sondern nur die Kurve. Unser Fehler.

In der Halle angekommen, waren die Tickets dann natürlich ausverkauft und wir kurz traurig, denn das bedeutete auch, dass wir weder einen Leuchtstab noch eine Flagge bekommen haben. Denn auch bei der Pre-Party in Amsterdam gab es dieses Jahr laut Veranstalter ein Flaggenverbot – mit dem Hinweis „das Team händigt vor Ort Flaggen aus“. Nicht für uns. First Come, First Serve. Und wir waren zu spät.

Dementsprechend aufgeteilt war dann auch der Innenraum vor der Bühne: Die vordere Hälfte mit Flaggen und Leuchtstäben und hinten: Dunkelheit. Die Stimmung trübte das nicht! Schon vor der Show spielte der DJ alle Hits von „Tattoo“ und „Cha Cha Cha“ bis hin zu „Replay“. Die Menge war heiß wie niederländisches Frittenfett. Und auch die Moderation von Cornald Maas zusammen mit der ehemaligen Eurovision-Gewinnerin Charlotte Perrelli führte charmant durch den Abend. Angereist aus Dänemark mussten wir leider feststellen, dass „Sand“ von Saba vom DJ in der Pause gespielt wurde (warum???), nur um dann bei Saba auf Instagram zu lesen, dass die Sängerin leider krank ist und nicht in Amsterdam performt. Von „Eurovision in Concert“ wurde das nicht angekündigt und wir mussten unsere detektivischen Fähigkeiten bemühen.

Highlights in Amsterdam waren definitiv der erste und exklusive Pre-Party-Auftritt von Joost Klein (da war das Publikum sogar heißer als Frittenfett) und „Fairytale“ von Alexander Rybak. Wir konnten ihn also zumindest kurz auch ohne After-Show-Party-Ticket sehen. Immerhin. Und auch Baby Lasagna, Angelina Mango, Nebulossa, Silvester Belt, Kaleen und Co. brachten die Halle in Stimmung – das hatten wir auf Videos schon von den spanischen Pre-Partys gesehen und uns dementsprechend auch über die gute Laune in Amsterdam sehr gefreut.

Einziger Wermutstropfen (nachdem wir den Verlust der After-Show-Party bereits zu verdauen hatten): Zum Ende des Konzerts sollten Wasserbälle von der Decke fallen. Das hat leider nicht geklappt, denn das Netz ließ sich nicht öffnen. Ob die Bälle da einfach bis 2025 bleiben?

Denn auch für das nächste Jahr wurde eine Ausgabe von „Eurovision in Concert“ angekündigt. „See you in April, 2025“, hieß es am Schluss. Am 5. April 2025 geht es in Amsterdam wieder los. Auch die Pre-Party in London hat bereits eine neue Edition für 2025 angekündigt und PrePartyES wird am 17., 18. und 19. April in Madrid stattfinden. Würde ich wieder eine PreParty besuchen? Definitiv, denn nach 5 frustrierenden Stunden in der Warteschlange für den Ticketverkauf für den ESC in Malmö, ist eine PreParty eine tolle Möglichkeit, trotzdem irgendwie „dabei zu sein“. Also: Kalender zücken und dieses Mal wissen wir, wie’s geht. Wir sind bereit!

In der Reihe „Malmö Memories“ bereits erschienen:

  1. Mein erster ESC – Ein Gastbeitrag von Johannes Floehr
  2. Im selben Hotel wie Eden Golan und die israelische Delegation
  3. Neue Podcast-Folge von „ESC BITE“: Ein sehr persönlicher Rückblick auf den ESC 2024
  4. Das waren die Fan Favourite Fails und Dark Horses des ESC 2024
  5. Effizient, praktisch, gut – der ESC 2024 profitierte von der erfahrenen Gastgeberstadt Malmö
  6. Die Eröffnungs-, Pausen- und Closing-Acts des ESC 2024
  7. So war das ESC-kompakt-Treffen beim Eurovision Song Contest 2024
  8. Wie hätte Joost Klein mit „Europapa“ für die Niederlande im Jury-Voting beim ESC 2024 abgeschnitten?
  9. Auswirkungen des ESC 2024: Diese Länder könnten 2025 zurückkehren – Teil 1
  10. Jury- und Televoting beim Eurovision Song Contest 2024: So hat Österreich abgestimmt
  11. Erneut keine Jurys: Welche Auswirkungen hatte das reine Televoting in den Halbfinalen des ESC 2024?
  12. Das waren die Unterschiede im Jury-Voting und Televoting beim ESC 2024
  13. Geht die Ära der Dancebreaks beim Eurovision Song Contest langsam zu Ende?
  14. Auswirkungen des ESC 2024: Diese Länder könnten 2025 zurückkehren – Teil 2
  15. Die Qualifikations-Chancen nach dem ESC 2024
  16. Bringt TikTok die junge Generation auf den ESC-Geschmack?
  17. Wie hätte sich das Ergebnis des ESC 2024 mit den Votingsystemen der Vergangenheit verändert?
  18. Jury- und Televoting beim Eurovision Song Contest 2024: So hat die Schweiz abgestimmt
  19. Das waren die ESC kompakt Reactions 2024
  20. Inklusive kurzfristiger Absagen: Das waren die Spokespersons beim ESC 2024
  21. Eurovision in Dänemark – Die Stimmung auf der anderen Seite des Öresund


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11 Comments
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Timo1986
Timo1986
1 Jahr zuvor

Ein sehr kurzweiliger Bericht sowie eine tolle Idee, dass zwei Links von ISAAK und Nemo, die den ESC für mich sehr positiv und nachhaltig geprägt haben, mit eingebaut wurden. 😀

Ich hätte dir liebe Laureen gerne etwas mehr Statements und Kommentare für deine Erlebnisse in Amsterdam gewünscht.

Allerdings ist die Luft für diese ESC-Saison glaube ich bei uns allen einfach draußen. Wir warten bereits sehnsüchtig auf den 01.09.2024 und den Beginn der neuen ESC-Saison 2025.

Vielen Dank / Grazie mille ! 😀

4porcelli - Bring Hersh home!
4porcelli - Bring Hersh home!
1 Jahr zuvor
Reply to  Timo1986

Ja, ich muss auch sagen, dass mich Stories zu pre-parties zZt eher kalt lassen, auch wenn die Kollegin das sicher sehr gut gemacht hat. Deine Verweise auf die beiden Künstler lassen mich eher nach einem Interview mit Friedrich Merz suchen. Der schreit immerhin weniger.

Matty
Matty
1 Jahr zuvor

Gibts denn von ihm noch die Spezial Dragees?

4porcelli - Bring Hersh home!
4porcelli - Bring Hersh home!
1 Jahr zuvor
Reply to  Matty

Noch so ein HocusPocus-Produkt. Passt ja zu FM.

Nils
Nils
1 Jahr zuvor

Da Friedrich Merz ja bekanntermaßen gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt hat, gehe ich mal ganz stark davon aus, dass Dragees von ihm unter das Betäubungsmittelgesetz fielen.

Matty
Matty
1 Jahr zuvor
Reply to  Nils

Merz hatte dafür gestimmt.

4porcelli - Bring Hersh home!
4porcelli - Bring Hersh home!
1 Jahr zuvor
Reply to  Nils

Immer dieses Verleumden des supersympathischen Merz!

Matty
Matty
1 Jahr zuvor
undeuxtrois
undeuxtrois
1 Jahr zuvor

Das mit der Schlangenkurve ist mir auch schon häufiger passiert. 😉
Und das mit den Pommes und den Möwen auch. 😀

Ich hatte ja vor Jahren auch mal erwogen, ganz spontan nach Melkweg zur ESCpreParty zu fahren, vermutlich hätte ich dann ähnliches erlebt. Schöne Schilderung, 🤞 für 2025!

RootingForTheUnderdogs
RootingForTheUnderdogs
1 Jahr zuvor

Was für ein schöner Bericht! Mir geht es ja eher umgekehrt. Nachdem ich um und nach dem ESC erst mal durch war, freue ich mich jetzt über weitere „Memories“.