ESC-Songcheck kompakt (17) – Zypern: „Running“ von Sandro

Nach längeren Spekulationen, die bereits den Künstler im Fokus hatten, bestätigte das zyprische Fernsehen am 29. November, dass Sandro intern ausgewählt worden sei, um das Land beim Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam zu vertreten.

Sandro heißt eigentlich Alessandro H. Rütten. Er wurde am 2. August 1996 in Deutschland geboren, wo er derzeit auch wohnt. Sandro begann seine Musikkarriere im Alter von vier Jahren, als er anfing zu singen und Schlagzeug zu spielen. Beeinflusst durch seine musikalisch veranlagte Familie startete Sandro mit acht Jahren mit dem Gitarrenspiel und mit 19 Jahren kam das Klavier dazu. Mit 15 Jahren gründete er seine erste Band. In dieser Teenager-Phase begann er, seine eigenen Lieder zu schreiben und zu produzieren, vor allem aus den Bereichen Rock und Pop. 2018 nahm der Sänger an der deutschen Castingshow „The Voice of Germany“ teil. Zwischenzeitlich trat Sandro auch unter dem Namen Sandro Nicolas auf und er soll auch im Rennen gewesen sein, Deutschland beim ESC zu vertreten.

Der Song 

„Running“ kommt als elektronisch- und bass-fokussierter Uptempo-Song daher, zündet aber zu keinem Zeitpunk auf diese Art und Weise. Dabei ist das Lied mit vielen repetitiven Elementen versehen und verfügt über eine bisweilen dramatische Instrumentierung. Es wurde von Alfie Arcuri, Sebastian Metzner Rickards, Octavian, Sandro und Teo DK geschrieben und am 6. März veröffentlicht.

Der Titel erzählt grob vom Kampf gegen Widrigkeiten und den Stürmen, die wir im Leben überstehen müssen. Konkreter könnte man „Running“ auch als verzweifelten Hilferuf interpretieren. Weglaufen, bevor alles noch schlimmer bzw. wieder schlimm wird. Denn: „I don’t wanna fall again“.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 1/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Der Song gibt mir überhaupt nichts und ich finde ihn schlicht langweilig. Ich vergesse ihn auch noch jedem Hören sofort wieder und wenn ich mich versuche zu erinnern, kommt mir „nur“ „Running“ von András Kállay-Saunders in den Kopf. Noch dazu hat Sandro sowohl bei der rumänischen Vorentscheidung als auch bei der Pre-Mello-Party in Stockholm nicht wirklich gut gesungen. 3 Punkte.

Berenike: Wie so viele Beiträge in dem Jahr: an sich nicht schlecht, modern, gut produziert, radiotauglich, eine Portion Emotionalität. Und doch austauschbar. Kommt in den großen Sack der 5-Punkter.

Douze Points: Wer den Refrain aus dem Gedächtnis tongenau wiedergeben kann, bekommt von mir ein Musik-Bienchen. Die Zutaten passen: moderner Beat, gute Stimme, cooler Typ. Nur alles zusammen ist nichts, das irgendwie verfängt. Schade. Auch wenn’s nicht wehtut. 5 Punkte.

Florian: Nach mehrmaligem Hören gefällt mir „Running“ schon ein wenig besser, dennoch bleibt für mich ein grundsätzliches Problem bestehen. Wer Interviews von Sandro gesehen hat, weiß, dass er ein wirklich netter und sympathischer Zeitgenosse ist – davon merke ich in dem Song leider wenig. „Running“ wirkt für mich schon fast kalt und ohne wirkliche Authentizität – da habe ich mir etwas mehr von Zypern erhofft. 6 Punkte.

Manu: Ich muss sagen, ich beginne mir „Running“ langsam schön zu hören. Allerdings auf recht niedrigem Niveau – zu sehr erinnert mich der Titel an die Lieder der italienischen DJs Meduza feat. Goodboys, ohne dabei aber ansatzweise so zwingend zu sein. Zudem ist „Running“ nicht besonders gut produziert, klingt zeitweise fast breiig. Die Beats, die gerade für einen solchen Song wichtig sind, wirken nicht gut herausgearbeitet. Momentane 4 Punkte.

Max: Einer meiner Favoriten dieses Jahr. Das Lied trifft ziemlich genau meinen Geschmack. Sicherlich haben sich die Songschreiber von Meduza inspirieren lassen, vor allem von den Liedern „Lose Control“ und „Piece Of Your Heart“. Aber genau diese Lieder liebe ich und hatte mich gefreut, so etwas jetzt beim ESC zu hören. Sandro ist zudem ein sympathischer Sänger, der auch Ausstrahlung mitbringt. 10 Punkte.

Peter: Sandro sieht klasse aus und ich mag sehr seinen internationalen Multikulti-Background. Toll ist auch, dass man ihm seinen ESC-„Hunger“ anmerkt. Der Song ist allerdings weniger stark als erhofft, die schnellen Parts gefallen mir am besten. 8 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 41/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Running“ auf Platz 39 von 41.

Wie hätte der zyprische Beitrag "Running" von Sandro abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A


41 Kommentare

  1. Ich find den Song sehr gut. Er ist einfach was anderes als der Einheitsbrei und diese vielen Depriballaden. Dann lieber ein Depri Uptempo Song😉

  2. Na ja, irgendwie nicht schlecht, erreicht mich aber auch nicht wirklich. Für einen Uptempo-Song hat er meiner Meinung nach zu wenig Schmiss.
    Sehr schwierig zu sagen, wie Sandro damit abgeschnitten hätte. Ich denke, man hätte ihn schon recht gut inszenieren können, deshalb wäre er wohl knapp ins Finale gekommen. Aber dort, wenns dumm gelaufen wäre, eher hinteres Mittelfeld. Für einen vorderen Platz hätte es, glaube ich, nicht gelangt. Dafür ist die Komposition zu schwach.

  3. Oh Zypern… 2018 und 2019 großartig und dann das… Wenn ich als leidenschaftlicher „Verteidiger“ des englischsprachigen Pop beim ESC einen ebensolchen englischen Popsong mit 2 von 10 Punkten auf Platz 40 habe und damit sogar einen Platz tiefer als die Ukraine (also das komplette Gegenteil des englischsprachigen Pop), dann glaube ich das selber kaum. Aber der Beat ist so langweilig und sein Gesang auch so eintönig. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Keine Emotion, keine Power, gar nichts… Weder kommt da Fuego bei mir an, noch will ich das auf Replay hören 😥

  4. Erinnert mich ein bisschen an Deutschland, allerdings mit attraktivem Sänger – ich müsste es eigentlich vom Stil her mögen, aber es bleibt nicht wirklich hängen. Wäre wohl im Semi ausgeschieden, zumal Griechenland im anderen Semi gewesen wäre.

  5. Ganz ok, auf jeden Fall besser als „Fuego“ oder „Replay“, bei mir im vorderen Mittelfeld.

    6,5 Punkte (von 12)

    • Ich mag es auch lieber als „Fuego“ und „Replay“, aber das sagt nicht viel aus. Letzteren Titel hatte ich letztes Jahr sogar auf dem letzten Platz. (Ist letzterer Satz nicht ein rhetorisches Meisterstück?)

      O je, was ist nur aus meinem ehemaligen ESC-Lieblingsland Zypern geworden? Eine scheinbar endlose Parade dümmlicher Popnummern. 🙁

      • Der Satz ist wirklich ein rhetorisches Meisterstück 🙂 Schade nur, dass ausgerechnet in Deinem letzten Satz kein Wort vorkommt, dass mit „L“ beginnt 😉

        Ja, früher hatte Zypern tolle Beiträge! Ich finde es ein bisschen frustrierend, dass einige Länder, die oft spannende Beiträge geboten haben und teilweise noch bieten, ihre erfolgreichsten Platzierungen mit 0-8-15-Nummern (Bulgarien, Griechenland, Türkei, Zypern) erreicht haben. Zu „Fuego“: Als in Fankreisen recht früh schon diese „Toy“-Euphorie herrschte, hätte ich nie gedacht, dass ich mal über den ersten Platz dieses Songs erleichtert sein würde!

      • Ich habe „Replay“ ja auch lange Zeit sträflich unterschätzt. War es im Vorfeld des ESC 2019 noch auf Platz 11 meines damals hier geposteten Rankings, möchte ich mich nun offiziell dafür entschuldigen: In meinem aktuellen Ranking nach dem ESC ist es Platz 4 😀 😉

      • Warum überrascht mich das nicht? Für mich war das alles nichts: musikalisch, stimmlich, optisch. 🙁

      • @ESCFan2009: Aber hoffentlich weiterhin noch hinter „Zero Gravity“, und zwar mit gebührendem Abstand.
        @togravus ceterum: Ich fürchte, bei Australien 2019 sind wir weit auseinander.
        🙂

      • @Toggie: Das überrascht mich wiederum nicht 🙂

        @Thomas: Natürlich ist Kate noch die Queen 🙂 Meine Top 5 2019:
        1. Australien
        2. Griechenland
        3. Österreich
        4. Zypern
        5. Malta

      • Da bin ich ja erleichtert 🙂 Von Deinen Plätzen 2 bis 5 gefällt mir übrigens Österreich am besten.

      • Nicht als Lied, aber als Gesamtpaket. 🙁
        Leider kann ich vor allem die Wahl von Garderobe, Frisur und Make-Up nicht näher beschreiben, da ich dafür ein Vokabular benötigen würde, dass ich mich zu benutzen weigere.

    • „Replay“ höre ich eigentlich heute noch gerne. Aber den Hype um „Fuego“ kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Mich hat der Song immer schon nervös gemacht. Außerdem finde ich die Sängerin irgendwie … komisch.
      Also besser als „Fuego“ ist „Running“ allemal, wenn auch nicht der große Wurf.

  6. Mein mann behauptet bis heute, dass sandro symphatisch und nett ist(….und so gar nicht überheblich😂😂). Mir ist das wurst, ehrlich gesagt. Obwohl ich“running“live gehört habe und ein paar schönhör-versuche gestartet, bleibt leider gar nichts. Ausser vielleicht sein ziemlich sexy oberlippen-pornobalken.

  7. Drei Musiker und ich 😉

    Gesang: Nasal ++ Warum gefällt mir seine Stimme nicht? ++ Keine große Stimme ++ Kastrierte Löwe
    Melodie: Holprig ++ Aus den Anfängerkurs ++ Schwankt ++ Harte Klänge
    Gesamt: Unsicher ++ Hier fehlt das warme Gefühl ++ Sparsam komponiert ++ Für die Katze, befürchte ich
    Chancen: Netter Versuch ++ Null ++ Konkurrenz ist starker ++ Tschüß
    Optik: Ganz in Ordnung ++ Standard junger Mann ++ Etwas mehr Haut zeigen ++ Nicht meine Zielgruppe

  8. MIr gefällt solche Musik eigentlich ganz gut , der Vergleich mit Meduza passt auch aber . Aber Meduza ist um Welten-Universen besser als das . Das ist billig produziert und gibt mir leider nichts . Schade und man hatte mit Fuego so ein kracher 2018 .
    Würde für mich nicht ins Halbfinale kommen .

  9. Bei jedem nochmaligen Hören denke ich hm doch nicht so schlecht, kann ich mir aber nicht beim ESC vorstellen, hab das bisschen Melodie auch gleich wieder vergessen. Ich denke ist chancenlos.

  10. Eine mir nicht näher bekannte Litauerin sagte mir neulich, sie glaube, um den Sieg hätten dieses Jahr Österreich, Deutschland und Zypern gekämpft. Deutschland mag Höflichkeit gewesen sein, nachdem ich die allgemeine Beliebtheit des litauischen Beitrags erwähnt hatte, Österreich – okay. Aber Zypern? Wie ging der Song eigentlich noch mal? Ach, der ist das. Hmm. Ich seh das nicht mal im Finale, weil zu langweilig – hab ich im Grunde schon vergessen, bevor er zu Ende ist, und wenn er läuft, muss ich ewig nachdenken, bis mir einfällt, was das ist. Immerhin ist der Song auch nicht irgendwie fürchterlich. 😉

  11. Das ist nun wirklich ein langweiliges Lied aus Zypern. Es ist deutlich schwächer als die zypriotischen Beitrage von 2017 (Hovig) und 2016 (Minus One)

    Damit wäre Zypern das erste Mal seit 2013 wieder ausgeschieden und die tolle Qualifikationsserie wäre gerissen.

  12. Da rennt er also. An so vielen Kritikpunkten entlang, dass ich meine einfach mal beiseite lasse.
    Ich habe ein Faible für Sandpapierstimmen, besonders wenn sie auch mal mitten im Ton reißen. Da fahre ich in dieser dystopischen Voice-of-was-weiß-ich-wo-Welt sofort mein Artenschutzprogramm hoch. Sandro mag kein übermäßig begabter Sänger sein, aber er kratzt wenigstens. Und bei den Songs gibt’s heuer wahrhaft Schlimmeres, wenn auch nicht unbedingt beim Frequenzspektrum der Bassline.

    • „Da fahre ich in dieser dystopischen Voice-of-was-weiß-ich-wo-Welt sofort mein Artenschutzprogramm hoch.“
      Danke für diesen tollen Satz 🙂 !

  13. „Running“ scheint hier wahrlich nicht gut weg zu kommen, trotzdem (oder gerade deswegen?) gefällt mir das richtig gut. Als ich dann noch mitbekommen hab, dass den Song Alfie Arcuri geschrieben hat, wusste ich auch warum das Lied mich mitnimmt (Alfies Lieder gefallen mir fast durch die Bank alle)
    10 Punkte

  14. Eigentlich kann ich mich dem Gros der Leserschaft hier anschließen. An sich kein schlechter Song, aber da bleibt wenig im Gedächtnis. Ich habe den Beitrag noch grad so bei „auch ziemlich gut“ (da hatte ich wohl einen guten Tag beim Erstellen der Liste), rutscht fast schon in die Kategorie „gut“. Kommt halt darauf an, wann man das letzte Mal den Song gehört hat.

    Prognose: Halbfinale 13/17 (30%) (nicht komplett chancenlos, hätte es aber schon sehr schwer gehabt)
    Meinung: Platz 21/41 (6 Punkte)

  15. Gruselig ein sehr schlechter unfertiger Song… Bei mir Platz 35/41 mit 2/10 p … es gab noch Schlimmeres … Garantiert letzter Platz im 1. Semi wäre das Resultat gewesen ..

  16. Also das ist mit großem Abstand der fadeste Dance-Track den ich in langer Zeit gehört habe. Ich habe städngi auf die Uhr geschaut um zu wissen wie viel Zeit vergangen ist, und gefühlt ist sie einfach nicht vergangen.

    Ne, das wäre sang und klanglos im Semi abgesoffen!!

  17. Komplette Rangliste erstes Semi

    1. Litauen 9/10
    2. Slowenien 8,5/10
    3. Russland 8/10
    4. Kroatien 7,5/10
    5. Norwegen 7,25/10
    6. Ukraine 7/10
    7. Rumänien 6,5/10
    8. Israel 6/10
    9. Belgien 5,5/10
    10. Aserbaidschan 5/10
    11. Schweden 4/10
    12. Belarus 3,5/10
    13. Australien 3/10
    14. Malta 2,5/10
    15. Nordmazedonien 2/10
    16. Zypern 1/10
    17. Irland 0/10

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