ESC-Songcheck kompakt (14) – Norwegen: „Attention“ von Ulrikke

Ulrikke ESC 2020 Norwegen Attention Eurovision

Aufgrund seines 60-jährigen Jubiläums fand der „Norsk Melodi Grand Prix“ in diesem Jahr umfangreicher statt als gewöhnlich. Ganze fünf Halbfinals und ein Finale wurden in Norwegen abgehalten. Aus jedem Halbfinale qualifizierte sich einer von vier Acts für das Finale. Die fünf erfolgreichen Semifinalisten trafen dort auf fünf gesetzte Finalisten, zu denen auch Ulrikke zählte, die sich schließlich mit „Attention“ im Superfinale durchsetzen konnte. Gänzlich skandalfrei blieb die norwegische Vorentscheidung aber nicht, denn im Finale versagte das Online-Voting, so dass das Ergebnis der ersten Votingrunde allein von einer 30-köpfigen Jury bestimmt wurde, die prompt 4 der 5 gesetzten Finalisten ins Aus stellte.

Ulrikke Brandstorp ist in Norwegen spätestens seit ihrem zweiten Platz in der TV-Show „Stjernekamp“ im Jahr 2018 sehr bekannt. Bereits im Jahr zuvor nahm sie am Norsk Melodi Grand Prix teil und erreichte mit dem Song „Places“ das Goldfinale. Im Sommer 2019 gastierte sie bei „Allsang på Grensen“, wo sie zusammen mit Ben Adams von der Gruppe A1 den Hit „Shallow“ sang. Das Duett wurde mehr als 2 Millionen Mal online gesehen und war eines der Gesprächsthemen in Norwegen. Im Herbst 2019 war Ulrikke am Folketeater in Oslo zu sehen und spielte dort in „Sound of Music“ die Liesl. Ein Interview mit Ulrikke haben wir hier veröffentlicht.

Der Song 

„Attention“ wurde von Ulrikke gemeinsam mit Ex-ESC-Teilnehmer Kjetil Mørland und A1-Mitglied Christian Ingebrigtsen komponiert und getextet. Bei dem Lied handelt es sich um eine klassische Ballade, deren besonderer Reiz in der dramatischen Steigerung liegt: Ulrikke beginnt „Attention“ zunächst sehr ruhig und gefühlvoll, um sich dann bis zum dramatischen und emotionalen Finale immer weiter zu steigern. Nicht zuletzt durch diese Entwicklung sagt man dem Song auch gewisse Parallelen zum Vorjahressieger „Arcade“ von Duncan Laurence nach.

Der Text von „Attention“ beschäftigt sich zwar mit dem universellen Thema der unerfüllten Liebe, greift dabei aber einen ganz bestimmten Aspekt von gesellschaftlicher Relevanz heraus. Letztendlich geht es in Ulrikkes Lied nämlich vor allem auch darum, sich nicht zu verstellen und selbst zu verleugnen, nur um einem anderen Menschen oder auch anderen Menschen generell zu gefallen.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: „Attention“ ist und bleibt für mich eines der größten Fragezeichen des Jahrgangs. Der Song bleibt mir im Ohr, ich will ihn aber nicht freiwillig hören. Er ist emotional vorgetragen, berührt mich aber überhaupt nicht. Ich würde ihn gern mögen, auch weil ich Ulrikke sympathisch finde, es gelingt mir aber nicht. Ich glaube, „Attention“ hätte ein guter Song sein können, ist dann aber zu kühl und berechnend umgesetzt worden. 6 Punkte.

Berenike: „Objektiv“ gesehen ist weder Song noch Performance schlecht, ein sehr intensiver und verletzlicher Beitrag. Aber zwischen mir und dem Song ist eine Art Wand: Ulrikke schafft es nicht „meine Aufmerksamkeit“ zu erregen und ich connecte emotional nicht, sodass ich mit ihr mitfühlen würde. Dazu bekomme ich eine Gänsehaut der unangenehmen Art und Weise, wenn sie so hoch singt. Deshalb rein subjektiv nur 2 Punkte.

Douze Points: Die Stimme von Sanna Nielsen, aber das Aussehen einer verbissenen Streberin. Das ist Ulrikke – und gleichzeitig ihr Problem. Es macht wenig Spaß, der Norwegerin beim Singen zuzusehen. Dabei ist die Stimme großartig. Leider kommt das Lied auch erst zu spät aus der Knick, so dass beim ESC-Finale maximal ein mittlerer Platz möglich gewesen wäre. Aber schöngehört ist schöngehört. Daher: 7 Punkte.

Florian: Ulrikke war lange meine Gesamtfavoritin. „Attention“ ist zwar eine eher typische Ballade, aber sie bringt diese ausdrucksstark rüber. Bei ihr ist jede Textzeile wirklich gefühlvoll vorgetragen. Für mich ist es definitiv die stärkste Ballade dieses Jahrgangs, auch aufgrund der Steigerung des Songs. Meine Aufmerksamkeit hat Ulrikke vom ersten Ton an und dafür gibt es von mir 10 Punkte.

Manu: Ulrikke hat eine gute und angenehm zu hörende Stimme. Leider erreicht mich das Lied „Attention“ überhaupt nicht. Es stört mich nicht, aber ich würde es auch nicht freiwillig anmachen. Interessant fand ich die Aussage, dass „Attention“ nicht mit Blick auf den ESC entstanden sei, da ich mich frage, wo eine solch klassisch strukturierte Ballade heutzutage sonst noch stattfinden kann. Es tut mir sehr leid, aber ich muss hier ja ehrlich bepunkten: 3 Punkte.

Max: Attention ist einer meiner Favoriten in diesem Jahr. Ulrikke ist eine tolle Sängerin, sie und ihr Song kommen ganz ohne Schnickschnack aus. Das Lied ist so dramatisch wie das MGP-Finale war, in dem es gewählt wurde, und gehört für mich zu den besten Balladen, die im Mai ins Rennen gegangen wären. Finale und eine Top-10-Platzierung hätte ich für absolut möglich gehalten. 10 Punkte.

Peter: Ich möchte diesen Song noch lieber mögen als ich ihn mag. Er hat sich in einem sehr starken Wettbewerbsumfeld durchgesetzt, Kristin hatte im Superfinale den lässigeren Auftritt, Ulrikke aber das bessere Gesamtpaket. Stimmlich und im Ausdruck stark, allein für mich kann eine Ballade ruhig pathetisch bis zum Anschlag sein und da ist Ulrikke mir ein bissel zu zurückgenommen. Ungeachtet dessen 10 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 48/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Attention“ auf Platz 6 von 41.

Wie hätte der norwegische Beitrag "Attention" von Ulrikke abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis
(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis
(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny


31 Kommentare

  1. Ulrikke möchte ich vergleichen mit der Eiskönigin. Bildhübsch, tolle Stimme aber das was so ein Song braucht fehlt. Herzblut, Gefühle, Emotionen. Davon kam mir leider zu wenig rüber. 6 Punkte

  2. Nicht mein Lied… Die teilweisen Begeisterungsstürme in der Bubble dafür sind mir ein Rätsel. „Places“ war viel besser!

  3. Den Beitrag mag ich sehr, wobei ich Rein Alexander noch ein bisschen besser fand.
    Aber egal, toller Song, schön gesungen. Für mich einer der besten Songs 2020. Ich behaupte mal keck, Ulrikke wäre in die TOP 5 gekommen.

  4. Ihr vortrag beim nmgp fand ich schrecklich. Ihre mimik, die frisur , das güldene kleid und ihre gepresste singweise war schon sehr grenzwertig. Ich muss aber sagen, ihr auftritt in stockholm war besser und vor allem viel symphatischer

  5. Mir gefällt der Song, aber ie beste Ballade dieses Jahr ist es für mich definitiv nicht. Sie kommt Diodato bei weitem nicht ran.

  6. Für mich einer der besseren Beiträge in diesem Jahr. Top 10 wären drinne gewesen. Und ich denke bei der Jury hätte attention richtig gut abgeschnitten

    Bei der Bloggerbewertung: Plus 2 weitere Punkte von Florian, der sich von Benny beeinflussen hat. Das nimmt ja aserbaidschanische Bewertungszüge hier an 😉

  7. Langweilige Schnarchnummer, die es vermutlich trotzdem ins Finale geschafft hätte. Zum einen, weil die Konkurrenz so schwach ist, zum anderen weil es halt viele ESC-Fans gibt, die eine Frau im goldenen Kleid und mit Disney-Ballade abfeiern. 🙂
    Überproduziert, gefühl- und seelenlos. Für mich eine echte Nullnummer.

  8. Kurz nach der Bekanntgabe von drei Musiker und mir bewertet.

    Gesang: Fast wie ein rolliger Katze. ++ Mau ++ Geschulte Stimme ++ Wirkt unsicher
    Melodie: Fast ‘a capella’, Musik unterstutzt den Gesang ++ Pause für die Musiker ++ Harmoniert mit der Stimme ++ Extrem ruhig am Anfang
    Gesamt: Kann man auch mit einem Chor machen ++ Doch stark ++ Fast perfekt. ++ Übung macht die Meisterin
    Chancen: Finale, top 10. ++ Finale ++ Gut ++ Gehört ins Finale
    Optik: Leiterin eines Internats ++ Mit so einem Kleid sieht man dich! ++ Sie fordert Aufmerksamkeit. ++ Ich bewerte keine Frauen

  9. Die Popularität dieses Songs und dieser unsympathisch wirkenden Sängerin wird sich mir nie erschließen. Wie Laserboys Scream letztes Jahr fällt das Lied für mich in eine neue Kategorie, Disney-Bösewicht-Song

  10. 2020 ist kein Megajahrgang aber auch nicht schlecht .. Es wäre aber ein spannender Jahrgang der #Plazierungen gewesen kein wirklich herausragender Favorit 2020 …Dieser Song hätte wohl zwischen 8-10. Platz im Finale erreicht schätze ich… Bei mir trotz allemdie NR 1 des Jahrgangs wenn auch knapp 10/10…Meine Top 10 sind ganz eng

  11. „Attention“ gehörte in diesem Jahr zu meinen Favoriten. Wäre im Finale bei den Jurys mit Sicherheit in den Top 10 gelandet, im Televoting wäre es aber wohl schwierig geworden.

  12. Ist ’ne kompetente Standardballade, und so etwas findet ja immer seine Fans und gehört zum ESC ja auch irgendwie dazu. Findet nicht den Weg in meine Playlist, hätte beim ESC aber wahrscheinlich ganz gut abgeschnitten.

  13. Schöne dramatische Instrumentalisierung, ein grandioser Text und dann diese vocals. Über allem thronen die vocals von Ulrikke. Alesia Michelles Reaktion dazu eine der Besten, die ich jemals von ihr gesehen habe btw 😂 Aber Ulrikke ist auch der Wahnsinn!
    Meine Lieblingsstelle ist der dynamische Beginn der 2. Strophe, während es diese Kamerafahrt von oben gibt, man sieht, dass ihr Podest nach vorne geht wie ein Laufsteg und sie da vor- und runterläuft. Ich liebe es. Und dann auch noch schön viel Goldregen…
    9/10 und mein Platz 6 von 41. Was mir Angst macht, weil schon mein Platz 2, 4, 5 und 6 im 1. Semi auftauchten. Das wird für mich persönlich ein Blutbad, ob davon alle weiterkommen. Naja, es wäre eins geworden 😀

  14. Ulrikke und der italienische Schreihals sind meine absoluten Hasslieder in dieser besch… Saison. Ich nehme ihr keine einzige Note ab, alles nur gekünstelt…

  15. Ja, die Instrumentalisierung ist schön und gerade der Beginn des Liedes und die Anfänge der Refrains bekommen mich. Was Kjetil Morland bei Monster Like Me noch vergeigt hat, klappte hier schon besser. Das Ding ist aber die absolute Standardballade des Jahrgangs. Hätte um den Sieg mitgespielt – im Jahre 1995 (ein Glück hat da Norwegen sowieso gewonnen 😉 ). Norwegen hätte vermutlich dieses Jahr den Rand der Top 10 (also um Platz 8-10) erreicht, mehr wäre da nicht drin gewesen. Ansonsten existiert der Beitrag für mich einfach, nicht mehr und nicht weniger.

    Prognose: Halbfinale 5/17 (80%), Finale Platz 8-10
    Meinung: Platz 28/41 (5 Punkte)

  16. Ach, Ulrikke! „Attention“ ist schon rein phonetisch kein schöner Start-Zielpunkt für einen Text. Außerdem ist mir nicht ganz klar, ob du dich selbst verbiegen oder dann doch lieber mich unter Rechtfertigungsdruck bringen willst. Beides ist keine Option.
    Was für ein Totalschaden bei den Lyrics, sehr unreflektiert. Die Komposition ist eine sehr formalistische, sehr kalkulierte Plattform für Ulrikkes technisch brillante Stimme. Okay.
    Overall ist der Beitrag für mich, ich muss das jetzt leider so sagen, lästig. Schau, wer drei- bis viermal zu oft nachfragt, was denn zu tun sei, riskiert ein „Sei doch einfach still jetzt“. Und das hast du wirklich nicht verdient, Ulrikke.

  17. Gut produziert und gesungen, aber letztlich zu kalkuliert, um bei mir zu punkten.

    Schade für die Norweger, die sich mit dieser Ballade Chancen auf einen der vorderen Plätze ausgerechnet haben. Zumindest in den heimischen Charts ein Erfolg. Hat doch auch was.

  18. Ich werde mit „Attention“ nicht warm. Obwohl ich das MGP-Finale gesehen habe, wo der Song ja mehrfach vorgetragen und in Schnelldurchläufen angspielt wurde, hätte ich zu keinem Zeitpunkt, nicht mal mittendrin, irgendeine Stelle des Liedes nachsingen können. So viel Eindruck hat das auf mich gemacht. Ulrikke trifft die Töne, klar, aber sie wirkt dabei null gewinnend auf mich – so ’ne Ballade muss man mitfühlen (wollen/können), und das passt für mich einfach nicht. Natürlich hilft es auch nicht, dass ich diese Art Ballade eh nicht sonderlich mag. Ein bisschen hab ich mir das Lied inzwischen schöngehört, aber direkt angewählt habe ich Norwegen noch nie.

  19. Eine sehr schöne klassische Ballade mit klugem Text, wie man das von Mørland erwarten kann. Ulrikke singt perfekt und am Ausdruck hätte man ja noch arbeiten können. Wenn Norwegen mit dem Machwerk von letztem Jahr auf Platz sechs gelandet ist, dann hätten sie dieses Jahr definitiv in die Top 10 gemusst.

    Platz 5 von 41

  20. Ich liebe sie ja bisher alle, die Morland Songs (allen voran „ A Monster like me“ aber auch „who we are“ von Rebecca) So enttäuscht mich natürlich auch diese Nummer nicht. Ulrikke hätte damit sicher eine gute Platzierung erreicht. Überzeugender, sicherer Auftritt – tolle Stimme. 10 Punkte

  21. Puh, schwierig. Einerseits ist der Song durchaus gut gemach und sie singt das auch gut, aber andererseits wollen sich die großen Gefühle bei mir einfach nicht einstelen!!

    Wäre aber denke ich ziemlich locker ins Finale gekommen, dort so Platz 6-10.

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