ESC-Songcheck kompakt (16) – Ukraine: „Solovey“ von Go_A

Go_A Solovey Ukraine ESC 2020 Eurovision Vidbir
Bild: UA:PBC

Go_A setze sich in der ukrainischen Vorentscheidung Vidbir 2020 mit ihrem Song „Solovey“ durch. Nachdem die Gruppe sich zunächst im Halbfinale qualifizieren musste, gewann sie im Finale sowohl die Jurywertung als auch das Publikumsvoting. Trotz der Konkurrenz von bekannten Künstlern wie Khayat, KRUTь oder Tvorchi war Go_A der Sieg nicht zu nehmen.

Die Gruppe Go_A besteht aus Kateryna Pavlenko, Ihor Didenchuk, Taras Shevchenko und Ivan Hryhoriak. Sie entstand ursprünglich aus der Idee heraus, moderne elektronische Musik mit ethnischen Einflüssen zu kombinieren. Taras Shevchenko setzte dies letztendlich im Jahre 2012 in die Tat um und nachdem sich die Band gefunden hatte, entstanden erste Songs.

Der Name der Band, Go_A, setzt sich aus dem englischen Wort „Go“ sowie dem griechischen Buchstaben „A“ für Alpha zusammen, was das Symbol des Anfangs darstellen soll. Dementsprechend gibt sich die Gruppe das Leitmotiv, zu ihren Wurzeln zurückzukehren.

Der Song 

„Solovey“ wurde von Kateryna Pavlenko und Taras Shevchenko geschrieben. Der Song steht stilistisch für die Kombination aus elektronischer Musik und ethnischen Elementen, die die Band seit ihrer Gründung 2012 auszeichnet. Anfang März wurde zudem ein Revamp des Titels veröffentlicht. Dieser setzt durch neue Perkussionselemente sowie eine leicht veränderte Instrumentation im Vergleich zum Original nochmals einen etwas anderen Klangschwerpunkt und stellt die elektronischen Teile stärker in den Vordergrund.

In „Solovey“, was auf Deutsch „Nachtigall“ bedeutet, singt die Kateryna darüber, wie sie in einer malerischen Umgebung auf einen Mann trifft, der sie in seinen Bann zieht. Sie schafft es nun nicht mehr, ihn aus dem Kopf zu bekommen und wird die am Morgen singende Nachtigall erinnert sie daran. Die Beziehung kann anscheinend nur so lange funktionieren, wie sie vor ihrer Mutter geheim bleibt. Sobald dies ans Licht kommt, müssten die beiden wieder getrennte Wege gehen.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 3/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: „Solovey“ gefällt mir als Mischung zwischen modernem Elektropop und traditionellem Weißem Gesang sehr gut – der Mix macht’s! Noch dazu ist der Refrain ein totaler Ohrwurm und die Ukraine hätte in Rotterdam für eine richtige Überraschung sorgen können. 10 Punkte.

Berenike: Klasse! Dieser Mix aus Elektro, Folklore und Exzentrik ist fantastisch. Schon allein die Flötenmelodie hat 10 Punkte verdient. Dazu der Beat und die Stimme, die sich im Ohr festhämmern. Im Gegensatz zu Tulia im letzten Jahr wird für mich die Grenze zum nervig-quietischigen auch nicht überschritten. Eindeutige 12 Punkte meinerseits.

Douze Points: Wo zaubert die Ukraine eigentlich immer die Künstler her, die traditionelle Klänge erstaunlich gekonnt mit modernen Sounds verbinden? Das heißt jetzt nicht, dass mir das gefällt. Aber ich kann es zumindest objektiv würdigen. Subjektiv gehen mir die Stimme der Sängerin und der Beat ganz schrecklich aufs Skrotum. 4 Punkte.

Florian: Die Ukraine hat in diesem Jahr mit Vidbir 2020 eine starke und vor allem diverse Vorentscheidung geliefert. Go_A waren zwar nicht meine Favoriten, dennoch ist „Solovey“ durch seine interessante Kombination aus traditionellen und modernen Elektropopelementen ein wirklich gut produzierter Song – der in Rotterdam für eine Überraschung hätte sorgen können. 8 Punkte.

Manu: Vom ersten Moment an habe ich „Solovey“ gefeiert! Irgendwo zwischen TULIA, Yoga und Dancefloor angesiedelt, bringt mich die märchenhafte Geschichte um eine verbotene Liebe und die an diese Liebe erinnernde Nachtigal („Solovey“) jedes Mal zum Tanzen und mitsingen. Ich bin froh, dass der Titel auch nach dem musikalisch etwas geglättenden Revamp in ukrainisch geblieben ist und vergebe aus vollster Überzeugung 10 Punkte.

Max: „Solovey“ bringt etwas Spezielles, keine Frage: Die so sehr geschätzte Verschmelzung von Tradition und Moderne. Mein Problem bei dem Lied ist der Schreigesang. Als südländisches Gewächs, kann man damit wohl nur wenig anfangen. Schlecht ist die Nummer jedoch nicht, gerade die Gesangspausen im Lied finde ich cool. 4 Punkte.

Peter: „Solovey“ erinnert mich stark an Tulia aus Polen im letzten Jahr – und die fand ich auch schon klasse!. Der Ethno-Pop-Crossover-Hit ist super, mir gefallen das Flötenintro, der schmissige Folktronica-Beat und die treibende kantige Stimme von Leadsängerin Kateryna Pawlenko (in Landessprache – auch top). Schön, dass Go_A im nächsten Jahr wieder dabei ist und (Shame on you, EBU) schade, dass sie nicht mit „Solovey“ antreten dürfen. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 60/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Solovey“ auf Platz 9 von 41.

Wie hätte der ukrainische Beitrag "Solovey" von Go_A abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen


41 Kommentare

  1. „Trotz der Konkurrenz […] war Go_A der Sieg zu nehmen.“ Oder auch nicht. 😀

    Gefällt mir richtig gut, aber ich mochte auch schon Tulia. Ich glaube aber nicht, dass die Ukraine damit in Rotterdam überrascht hätte – wenn alle von einer guten Platzierung ausgehen, ist das keine Überraschung. 😉

  2. Grässliches Lied. Wäre aber, da Ukraine, selbstverständlich ins Finale eingezogen und mit Hilfe der befreundeten Staaten auch um den 10. Platz rum gelandet. Aber so Pinkelpausen sind mir wegen des überdurchschnittlichen Sekt-Prosecco-Cremant Verbrauchs am Finalabend ja grundsätzlich ganz recht. 😊😂

    • Vielleicht hätte die Ukraine damit auch einfach einen guten Platz erreicht, weil „Solovey“ ein Lied ist, dass auffällt und viele damit etwas anfangen können – und nicht nur weil es für die Ukraine startet. 😉

  3. Die drei Musiker und ich 😉

    Gesang: Herrlich. Diese Gesangstechnik ist sehr schwierig, auch schwer zu erlernen ++ Wie in Slavonien. ++ Gewohnungsbedurftig. ++ Schert entlang der Schmerzgrenze
    Melodie: Herrlich. Alles vom Land ++ Prägt sich ein ++ Aus der Steppe ++ Wie im Mittelalter
    Gesamt: Perfekt ++ Gut ++ Bemerkenswert ++ Für ein Festspiel
    Chancen: Finale, Top 10 ++ Finale ++ Da muss mehr passieren auf der Bühne ++ Gehört ins Finale
    Optik: Frau De Jager berät gerne ++ Verkörpern sie nun Geister oder Hexen? ++ Da ist mehr drin ++ Personenschützer

  4. Hat was. Aber schreigesang ist nix für meine feinen gehörgange. Trotzdem, 2x3minuten hätte ich die gut ertragen und hätte dort auch dank guten freunden platz 10-15 gemacht.

  5. In seiner dosiert polarisierenden Mischung aus Folklore und Pop extrem gelungener Beitrag und einer der wenigen Acts,,bei dem ich mich auf die „erneute“ Teilnahme 2021 auch wirklich freue.

  6. Richtig gutes Lied und in meiner Top 10 so ein cooler Mix aus Modern und Folklore.Die Flöte setzt nochmal einen drauf und der Tanz da macht man doch mit .An Tulia erinnert nur der Gesang . Wäre sicher im Finale gewesen und denke es würde auch in die Top 10 kommen .

  7. Na ja, gefällt mir zwar etwas besser als die Nummer aus Weißrussland, aber so richtig überzeugen will es mich auch nicht.

    Finale ja, dort aber maximal Platz 6-10.

  8. ❤Mein absoluter Lieblingssong 2020 neben der Schweiz und Albanien, wäre vermutlich weit vorne gelandet.
    .
    Und von wegen Freundschaftsvoting, die Ukraine hat immer wieder tolle Songs geliefert, die sich auch für westliche ESC-Ohren vom üblichen Einheitsbrei abhoben, wie Under the ladder, Time, 1944, Dancing Lasha Tumbai und Wild Dances. Für mich aber am schönsten Angel und ganz ganz doll Sweet People. ❤

  9. Ich finde die „Nachtigal“ als Melodie richtig gut, nur der Schreigesang ist nichts für meine Ohren, tendenziell zwar etwas besser als Tulia, aber dennoch eher unangenehm. Ich hab das kommentarlos einer Bekannten (28 Jahre alt) aus der Ukraine vorgespielt, sie konnte sich dafür nicht begeistern (also wohl auch nicht für alle ukrainischen Ohren ein Genuss😉) Trotzdem, ich kann nicht sagen, dass ich das schlecht finde: 4 Punkte

  10. Einer meiner Lieblingslieder der Saison. Das gefällt mir richtig gut, was ich leider nicht oft von den ukrainischen Beiträgen sagen kann.
    Mein Tipp: Das Finale hätten GO_A locker erreicht, und dort wäre eine Platzierung im unteren Top 10-Bereich drin gewesen.

  11. In diesem ersten Semifinale gibt es wirklich viele tolle Beiträge!

    Wie schon bei The Roop und Roxen von mir 12 Punkte (von 12)

  12. Richtig geil!!!

    Gehört zu mein Lieblungssongs 2020!
    Wäre sowas von verdient ins Finale eingezogen.
    Bin so froh Go_A 2021 wiederzusehen!

    8/41 und 12Punkte!

  13. Das Lied find ich gar nicht übel und es wäre eigentlich so rein musikalisch exakt das, was ich wirklich mögen könnte. Aber dann ist da noch diese furchtbare Stimme dieser Sängerin und die macht für mich alles, wirklich alles daran kaputt.

  14. Stimmlich und musikalisch fallen sie positiv aus dem Rahmen.
    Aber das taten die Polinnen mit ihrem Gesang auch und es hat ihnen wenig genützt.

  15. Ich schließe mich @DouzePoints an. Objektiv würdigen kann ich es. Da schlagen ja auch viele Herzen höher: Landessprache, Gesangstechnik, traditionelle Elemente, moderne Elemente, kein sogenannter „Mainstream“ oder „Einheitsbrei“ (ich mag letzteres Wort gar nicht ^^). Aber das bedeutet nicht, dass ich es subjektiv mögen muss, mehr als einmal hören muss und unbedingt die Daumen drücken muss, dass es ins Finale kommt (kommen würde). Alles drei beantworte ich mit „Nein“ 🙈
    2/10 und mein Platz 39 von 41.

  16. Das ist für mich eindeutig das seltsamste Lied in diesem Jahr. Obwohl ich es ganz schlimm fand und nicht zu Ende hören konnte hab ich den Refrain immer wieder vor mich hergesungen oder leise geschrieen. Mittlerweile mag ich es. 8 Punkte

  17. Finde ich persönlich noch nerviger, als Polen letztes Jahr, was auf mich etwas innovativer wirkte – aber beide sind stressig für meine Ohren. Weil Ukraine das „falsche Lied“ gewählt hat, bleibt mir immerhin der Trost, dass ich nicht ständig „was wäre, wenn Khayat zum ESC gegangen wäre – hätte er gewonnen?“ denke.
    Kleine Bemerkung am Rande – das Land heißt Ukraine, nicht „die Ukraine“.

    • Ich hätte jetzt gedacht, dass man wie bei „der Niederlande“, „der Schweiz“, „der Türkei“ oder „der/den USA“ den Artikel immer mit aufführt. Sonst wären die ESC Fans 2017 statt „in die Ukraine“ doch „nach Ukraine“ gefahren, oder?

      Khayats Titel hat mir übrigens auch prima gefallen 🙂

      • Wenn ich das richtig verstehe, wird der Begriff „die Ukraine“ vor Ort eher so gesehen wie wenn man „die Tschechei“ sagt. Es ist wohl ein Wort aus der Zeit als das Land Teil der SU bzw. Russlands war. Hatte ich mehrfach gelesen, wenn auch nicht in ukrainischen Quellen, klingt aber schlüssig. Die Punkte gehen auch immer an „Ukraine“ und nicht „the Ukraine“, wobei letzteres Wording noch vor gar nicht all zu langer Zeit in englischsprachigen Medien benutzt wurde. Ev. gibt’s ja einen Leser mit Ukraine-connection, der das klären kann.

      • Die Schweiz und die Türkei haben im Englischen, anders als im Deutschen, keinen Artikel, und so könnte es auch bei der Ukraine sein. Und Französisch macht bestimmt für die Ukraine keine Ausnahme, da haben alle Länder Artikel (die meisten Länder sind weiblich, aber Dänemark, Luxemburg und Portugal gehören zu den wenigen männlichen).

      • Nachtrag: Bei „der Tschechei“ ist das Problem glaube ich eher das Wort „Tschechei“, das mit der NS-Zeit verbunden wird, und nicht so sehr der Artikel. „Die tschechische Republik“ ist, wie ich vermute, nicht weniger akzeptabel als „Tschechien“, wenn auch etwas länger. (All das schließt natürlich nicht aus, dass „the Ukraine“, wie Du gesagt hast, in der Ukraine nicht gern gehört wird).

      • Richtig geschrieben (wenn nicht am Satzanfang) sieht’s natürlich so aus: „die Tschechische Republik“

        Und jetzt halte ich zu diesem Thema aber wirklich endlich mal meine Klappe (bzw. ich versuch’s zumindest) …

  18. Mit Englisch als Ausgangssprache hätte diese Komposition nicht entstehen können; erst recht nicht, wenn sie für eine andere Gesangstechnik geschrieben worden wäre. Man hätte natürlich trotzdem patzen können, hat man aber nicht – hier passt alles zusammen. Dringend nötige Abwechslung im Strauß der heurigen Beiträge. Dass ich weißen Gesang nicht sehr gut aushalte, steht auf einem anderen Notenblatt 🙂

  19. Ich freue mich sehr, dass so viele den Beitrag hier ebenfalls würdigen. Mit Abstand mein erster Platz in diesem Jahr. Das Lied hat mich gleich beim ersten Hören abgeholt und ich wollte sogleich mehr. Umso schöner, dass sie den ukrainischen Vorentscheid gewonnen haben (hätte ich nie mit gerechnet!). Gerade das Instrumental mit der Flöte zu Beginn hin zu den rockigen Klängen am Ende ist einfach nur genial. Die Stimme ist genau richtig dosiert zwischen Faszination und Schmerzgrenze, dazu die schöne, wenn auch etwas ausbaufähige (in Rotterdam wäre die aber selbstverständlich ebenfalls perfekt gewesen 😉 ), Performance, die das Werk abrundet. Man merkt es, ich bin begeistert.
    Ich freue mich, dass Go_A auch nächstes Jahr die Ukraine repräsentieren dürfen, allerdings erwarte ich schon, dass der Beitrag dann etwas abfallen wird, gerade nach der Enttäuschung bei Lorena Bućan dieses Jahr. Naja, darüber kann man dann in 12 Monaten diskutieren.

    Prognose: Halbfinale 6/17 (70%), Finale alles offen, hätte aber auch 6-10 gehofft
    Meinung: Platz 1/41 (12+ Punkte)

  20. Das hat Charakter und spaltet die Community. Ich bin auf der Fanseite und werde ‚Solovey‘ auch noch in vielen Jahren hören.

  21. Mal wieder so ein Paradebeispiel,das Landessprache und landestypische Elemente nicht automatisch ein guten Song ausmachen.Wäre natürlich ins Finale gekommen(so 11-15).Aber wenn nicht,hätte ich den Song auch nicht vermisst..

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