Advent der liebsten Blogger-ESC-Momente (14): Fitnesstraining mit Birthe Kjær

Mein heutiger liebster Blogger-Moment liegt nur wenige Woche zurück, nachdem ich bisher mit Euch 40 Jahre (ABBA live – unvergeßlich) und zwanzig Jahre („Mamma Mia“ mit Benny persönlich) in die ESC-Vergangenheit eingetaucht bin.

Meine heutigen Erinnerungen haben mit Birthe Kjær (DK 1989) und Tommy Seebach (DK 1979, 1981, 1993) zu tun, haben sich aber im Hamburg des Jahres 2021 ereignet. Und zwei Kickboxer spielen eine zentrale Rolle.

Im Herbst letzten Jahres empfahl mir mein von mir sehr geschätzter Hausarzt mehr (körperliche) Bewegung in mein Leben bzw. meinen Alltag zu bringen. Fitness wird mit fortgeschrittenem Alter wichtiger (I mean, I’ve seen ABBA live) und wenn ich noch ganz viele ESC-Finalshows live vor Ort besuchen möchte, ist dafür körperliche Ertüchtigung hilfreich, die ich am besten unter „Aufsicht“ anstreben sollte.

Entsprechend gebrieft wandte ich mit den Empfehlungen meines Hausarztes an einen sportlich aktiven Freund J. (ich nenne ihn ab jetzt TJ, frei nach Trainer J.), von dem ich wusste, dass er auch Fitnesstrainer-Talente hat.

TJ (links) organisierte dann einen „Trainingsplan“ für mich, der inzwischen ritualisierter Bestandteil meiner Arbeitswoche ist. Das klingt in der Niederschrift einfacher als es ist, manche Trainings sind mörderanstrengend, fast schmerzhaft und durchaus – ich benutze noch einmal ein Lieblingswort – eine Grenzerfahrung. Und TJ kennt kaum Erbarmen.

Kürzlich war das Training besonders anspruchsvoll. In unserem Fitness-Center in HH hatte TJ herausgefunden, dass eines der dort vorhandenen Studios, wo regulär Gruppenkurse stattfinden, während unserer Trainingsstunde frei ist. Das Studio war riesig, auf dem Boden waren diverse „Trimm-Dich-Pfade“ aufgezeichnete und TJ baute außerdem noch Fitness-Stationen mit Stufen, Matten, Stöcken, Gewichten – you name it.

TJ macht die Übungen vor, der Blogger macht sie brav nach…

Das Programm, das ich dann in diesem Mega-Studio (nicht im Bild), wo sich sonst Frauen-Gym-Gruppen Jane-Fonda-Style bewegen, zu absolvieren hatte, war anstrengend (auch intellektuell, die schnellen Schrittfolgen empfand ich als komplex), kraftraubend, schweißtreibend und zuweilen nervig. Noch im ersten Drittel kam ich auf die Idee, dass es mit Musik viel leichter geht und wir aktivierten YouTube auf TJs Mobile. Reflexartig wählte ich als ersten Workout-Song Birthe Kjærs „Vi Maler Byen Rød“ und Ihr werdet es nicht glauben, TJs Trainingsaufgaben fielen mir plötzlich relativ leicht. Auch als Birthe durch war, blieb ich motiviert, denn dank YouTubes Ähnlichkeits-Algorithmus spielte das Mobile weitere Melodi-Grand-Prix-Klassiker, die sich – für mich – ebenfalls bestens zum Trainieren eigneten. Und in dem riesigen, komplett leeren Studio funktionierte der Schall in der Größe des Raums wie ein optimaler MGP-Sound-Verstärker.

Doch meine Freude über die Trainings-Atmo sollte nicht lange dauern, denn bereits nach zweieinhalb MGP-Songs betraten zwei weitere Kaifu-Lodge-Mitglieder die Studio-Arena und TJ schaltete das Mobile aus. Woraufhin ich allen Mut zusammenfasste und auf die Jungs (die zum Kickboxen gekommen waren und so souverän auftraten, dass man ihnen diese Sportart auch sofort abgenommen hat) befragte, ob es sie stören würden, wenn wir weiter Musik abspielen.

Die Kickboxer waren ausgesprochen freundlich und unverstellt zugewandt. Sie stimmten nicht nur der Beschallung zu, sondern forderten uns/mich sogar – quasi als kameradschaftliche Geste – dazu auf, die Musik lauter zu stellen. Ich mag es nicht beschwören, aber ich bin mir 99,9% sicher, dass die Jungs (deren Hardcore-Kickboxing-Training sogar TJ beeindruckte) zum allerersten Mal in Ihrem Leben dänische Schlager gehört haben.

Wir hörten dann einen MGP-Mix mit (neben Birthe) u.a. den herausragenden Klassikern „Krøller eller ej„, „Ka du se hva jeg sa“ und „Under stjernerne på himlen„. Zwischendurch gab es auch noch eine Portion Island und am nächsten Morgen hatte ich heftig Muskelkater und konsumierte kiloweise Magnesium.

Abschließend mag ich noch erläutern, wieso speziell „Vi Maler Byen Rød“ und „Under stjernerne på himlen“ zu meinen All-time-favorites gehören.

I. „Under stjernerne på himlen“

Tommy Seebachs „Under stjernerne på himlen“ (DK 1993) verbinde ich maximal stark mit dem Melodi Grand Prix 2011 in Ballerup, den ich an einem fantastischen Kopenhagen-Weekender mit sehr guten Freunden (Carola, Andrea und Thomas – Hugs, Ihr Lieben) erleben durfte. Pausenact war ein Interval-Act, den wir nicht einmal live erlebt haben, weil der Auftritt bei der Generalprobe aufgezeichnet wurde. Aber die Hommage an den 2003 verstorbenen Tommy Seebach der MGP-Ikonen Kirsten Siggaard, Keld Heick and Dario Campeotto (startet bei 2:50) war derart ergreifend, dass mir sogar bei dem Einspieler im Live-Finale die Tränen kamen. Schon vorher gehörte „Under stjernerne på himlen“ zu meinen All-Time-ESC-Favourites, danach noch mehr.

II. Vi Maler Byen Rød

Birthe K. sollte Ihren dänischen Schlagerklassiker (funktioniert in Dänemark so wie bei uns „Fiesta Mexicana“ oder die Evergreens von Udo Jürgens) bei der EBU-Liveshow „Congratulations: 50 Years of Eurovision“ vorstellen, die am 22. Oktober 2005 aus dem Forum in Kopenhagen ausgestrahlt wurde. Aber wenige Tage vorher erlitt sie einen Herzinfarkt (das war die Schlagzeile auf allen Boulevardzeitungen, während wir vor Ort waren) und Tomas Thordarson (DK 2004) ist kurzfristig eingesprungen und interpretierte Birthes ESC-Evergreen in der EBU-Liveshow.

Geprägt von den Sorgen um Birthe feierte Dänemark den Song und seine Original-Interpretin umso intensiver und Birthe erholte sich nach der Kreislauf-Vollbremsung auch sehr schnell. „Vi Maler Byen Rød“ entwickelte sich in meiner spezifischen ESC-Bubble in der Folge zu einem Kultklassiker und zu einem der wenigen Partyhits aus dem letzten Jahrtausend, der auch heute noch zu den Must-Be-Floorfillern auf den allermeisten ESC-Partys gehört. Btw, Birthe hörte 2005 mit dem Rauchen auf (eine der damaligen Boulevard-Headlines) und erholte sich erfreulicherweise vollständig.

2016 erlebten PRINZ-Blogger Janni und der Autor dieser Zeilen sie dann bei einem Spontanbesuch im Euroclub elf Jahre später überraschend in Stockholm. Denn Birthe war leidenschaftlicher Höhepunkt der (mit Höhepunkten gespickten) OGAE Party 2016 im Euroclub.

Birthe hat den Euroclub mitgerissen wie niemand sonst an diesem Abend. Dieses Bunte-Welt-Erlebnis rangiert für mich auf Augenhöhe mit dem ABBA Live-Konzert 1979 in Dortmund und „Vi Maler Byen Rød“ hat seitdem einen Platz ganz, ganz tief in meinem ESC-Herz. Und – das sei noch mal hervorgeben – der Song ist ideal für Herzsport-Gymnastik.

Dänemarks ESC-Heldin Birthe Kjær topfit und in bester Laune live auf der Euroclub-Bühne 2016 in Stockholm

Bislang in unserem Adventskalender erschienen:

(1) Mein „erstes Mal“
(2) Die BRAVO und ein Kindheitstrauma
(3) Der ESC 2000 in Stockholm
(4) Ein Hoch auf Moya Doherty
(5) Null Punkte und das Comeback von Ann Sophie
(6) Abba 1979 live in Dortmund
(7) Der Euroclub in Kiew
(8) Jamalas Sieg in Stockholm
(9) Hier geht es nicht um Oslo und Lena
(10) Deutscher Vorentscheid 2019 und Eurovision in Concert in Amsterdam
(11) Aufregung nach einem Jahr ESC-Entzug
(12) Mamma Mia Musical Premiere in Hamburg
(13) Das ECG-Treffen 2021 mitten in der Coronazeit

2020: Advent der besten DACH-ESC-Beiträge
2019: Advent der besten ESC–Momente


18 Kommentare

  1. @peter, gut das du erwähnst, dass dein tj.der linke ist. Sonst hätte ich das trainingsprogramm auf der stelle 1:1 übernommen.
    Ich hab da eine gemeinsamkeit. Seit jahren gehört „Under stjernerne på himlen“ ohne unterbrechung zu meiner jogging-playlist.

  2. DK 1989 gehört für mich zu den besten dänischen Beiträgen. Birthe Kjaer hat schon eine tolle Ausstrahlung.🙂
    Sonst konnten konnten mich die Dänen nicht allzu oft begeistern (nur 1963, 1989 und 2018 fand ich richtig gut,
    2015 nett, und 1979 okay).

    P. S. Bei mir geht nichts ohne Musik, brauche ich wie die Luft zum Atmen.

  3. „Under stjernerne på himlen“ ist Teil meiner Ich möchte mich aus der Welt träumen-Playlist, aber „Vi Maler Byen Rød“ finde ich leider ganz schrecklich.

    Vor Corona habe ich 2 bis 3 x die Woche trainiert, aber seit Corona sich hier rumtreibt, bewege ich mich viel zu wenig. 🙁

    • Wie wär’s mit Spaziergängen? 😉
      Ist zwar kein Krafttraining, aber besser als nichts. Wenn man flott unterwegs ist, soll es ja gut für die Ausdauer sein, und fürs Gemüt.🤓

      Also, ich bewege mich ja am liebsten an der frischen Luft, wo man noch was von seiner Umwelt mitbekommt, als in so einem stickigen Raum.🙂

      • Ich bin auch ein passionierter Spaziergänger … außer in der Stadt im Winter. Ich habe auch gar kein Auto, sondern erledige fast alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wenn ich mal ein Auto brauche, miete ich eins. Das hat auch den Vorteil, dass man sich immer das passende Fahrzeug zur Gelegenheit aussuchen kann. 🙂 Ist ja ein Unterschied, ob man Sperrmüll wegbringen oder zu einem Date vorfahren will …

      • Ich habe auch kein Auto, und keinen Führerschein. Ist zwar ein bißchen nervig, wenn man Großeinkäufe erledigen muss, hat aber den Vorteil, dass man gezwungen ist, sich mehr draußen zu bewegen.🙂

      • Dito. Viel Bewegung habe ich dadurch zwar nicht (dafür wohne ich zu zentral), aber ansonsten hätte ich wahrscheinlich gar keine.^^

    • Willkommen im Club, Dänemark 1989 zählt zu meinen Top 5 (oder dann eher Flop 5?) Hasssongs beim ESC ever. Ich kann es einfach nicht ausstehen, wirklich nicht. Es gab so viele Beiträge dieser Art beim ESC in den 80ern, aber dieser war der Tiefpunkt des Genres.

      Eigentlich müsste ich Sport treiben, aber dank meines Auslandssemesters nehme ich irgendwie von selbst ab, keine Ahnung, warum eigentlich. Aber beschweren tue ich mich nicht. 😉

    • Meines wird das für immer und ewig bleiben, Fra Mols Til Skagen, da kann auch fast gar nichts Nicht-dänisches mithalten. Under Stjernerne På Himlen fand ich hingegen lange Zeit ganz ganz schlimm, wenn ich ehrlich bin immer noch. Aber weil ich einfach hoffnungslos nostalgisch bin, hör ich mir sogar das hin und wieder an. 😁 Die Kreis-Aufstellung auf der Bühne war aber schon sehr süß.

  4. Es gibt Neuigkeiten aus der Südhalbkugel! Australien hat heute drei weitere Künstler für den nationalen ESC-Vorentscheid verkündet und es sind Seann Miley Moore, Charley, Jude York und Voyager:

    https://escxtra.com/2021/12/13/seann-miley-moore-charley-jude-york-voyager-australia-decides-2022-line-up-tik-tok-wildcard-announced/

    Außerdem wird es in diesem Jahr noch einen elften Teilnehmer geben, und zwar kann man sich nämlich über die Plattform TikTok Australia bewerben und eine Jury entscheidet, wer die Wildcard erhält.

  5. FRAGE AN DIE ESC-KOMPAKT-BLOGGER!!!

    Gibt es so wie schon im letzten Jahr ein ESC-Kompakt LIVE Video zum Junior Eurovision Song Contest???
    Und wen Ja, WANN??? Vorher oder nachher???

  6. Da es noch keiner angemerkt hat, kann ich’s mir nicht verkneifen:
    Do you really wanna work it out?
    ‚Cause I won’t take it slow!
    This fucking life is what I’m all about
    I wanna feel it day and night

    Sollte definitiv noch in deine Playlist, Peter. Da freuen sich gewiss auch die Kickboxer. 😉

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