Advent der liebsten Blogger-ESC-Momente (19): Viermal 12 Punkte – und 65 Jahre ESC-Voting-Geschichte

Wir schreiben den 12. Mai 2018. Stephan und Jörg hatten zur ESC-Party geladen und so saßen wir vollgefuttert, extrem gespannt und zufrieden mit der bisherigen Show aus Lissabon um 23:57 alle gebannt vor dem Fernseher. Michael Schulte, da waren sich alle einig, hatte einen tollen und bewegenden Auftritt gezeigt, da mussten doch endlich mal wieder ein paar Punkte für uns fällig werden?

Aus San Marino kam schon schnell die erste hohe 10-Punkte-Wertung, die schon mehr als nur aufhorchen ließ. Als fünfte kamen die niederländischen Schwestern OG3NE, die im Vorjahr einen guten elften Platz erreicht hatten, an die Reihe und kündigten die Wertungen der Jury unseres Nachbarlandes an. Und plötzlich, nach langen, viel zu langen acht Jahren, fielen sie – die magischen Worte: „… our 12 points go to … Germany“! 

Wir jubelten laut auf – was war das mal wieder schön? Jeder einzelne Punkt schien fortan unsere in den letzten Jahren geschundene Eurovision-Seele ein kleines bisschen zu heilen. Jeder einzelne Punkt wurde beklatscht und bejubelt. Nach der dänischen Jurywertung, die ebenfalls 12 Punkte für uns bereit hielt, stand Michael Schulte sogar punktgleich mit dem Schweden Benjamin Ingrosso und der späteren Siegerin Netta aus Israel ganz vorn.

Wir konnten viel jubeln an diesem Abend – nach gerade einmal der Hälfte der Jurystimmen erreichte Michaels Beitrag stolze 100 Punkte. Weitere zwei Jurys aus Norwegen und der Schweiz zückten ebenfalls die Höchstwertung, diverse andere gaben „You Let Me Walk Alone“ hohe Punkte. Am Ende der Jurywertungen lag Deutschland so auf einen großartigen 4. Platz und wir waren allesamt total glücklich – wohlwissend, dass die folgenden Zuschauerstimmen vielleicht nicht ganz so gnädig sein würden. 

2018 wurden die Zuschauerstimmen noch in der tatsächlichen und aufsteigenden Reihenfolge des Votings vergeben. So wurde es immer spannender, da mit jedem Land, das Punkte bekam, auch klar wurde, dass unser Beitrag mehr Punkte erhalten hatte. Schließlich wurden gar die Top 10 im Televoting erreicht, ohne das Deutschland erwähnt wurde, während die vor uns platzierten Schweden mit schwachen 21 Punkten und Österreich mit 71 Punkten abschlossen. Mit jedem weiteren Land, das Punkte bekam, stieg die Spannung, Michael Schulte hatte Europa berührt! Am Ende erreichte sein emotionaler Beitrag den 6. Platz im Televoting mit tollen 136 Punkte und insgesamt einen grandiosen 4. Platz – nur 2 Punkte hinter Cesár Sampson aus Österreich. 

Michael Schulte hat bewiesen, dass man ein schlechtes Abschneiden nicht darauf schieben kann, in Europa unbeliebt zu sein. Er hat bewiesen, dass ein Künstler auch nach dem Eurovision Song Contest nicht automatisch seine Karriere ruiniert und er sich selbst mit einem 4. Platz in viele Herzen der nicht nur deutschen Zuschauer singen kann. Aber es geht mir bei diesem liebsten Moment nicht nur um Michael Schultes tolles Abschneiden in Lissabon, sondern vielmehr um das allgemeine Zelebrieren der Punktvergabe.  

Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso ich den ESC so liebe – zusätzlich natürlich dazu, dass ich mich als sehr musikinteressiert empfinde und ich einfach gern unterschiedlichste Musik aus verschiedensten Ländern kennenlerne. Knapp eine Stunde Zahlen und Punkte, Rangfolgen und spannende Wertungen – auch das ist für mich der Eurovision Song Contest!

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick

Auch wenn schon beim ersten Contest 1956 Punkte vergeben wurden und damit Lys Assia als Siegerin aus dem Song Contest hervorging, so durchlebte die Punktvergabe über die Jahre einige Veränderungen. 1956 angefangen mit Jurys von zwei Personen aus jedem Land, die zwei Punkte vergaben, wurden schon im Folgejahr insgesamt 10 Punkte einer aus zehn Personen bestehenden Jury aus jedem Land auf die teilnehmenden Beiträge verteilt. 1962 vergaben die Jurymitglieder für ihre drei Lieblingsbeiträge drei, zwei und einen Punkt, ein Jahr später bekamen die beliebtesten fünf Beiträge von jeder Jury aufsteigend einen bis fünf Punkte. 1964 bis 1966 wurden nur noch ein, drei und fünf Punkte für die beliebtesten drei Beiträge vergeben. Auch wenn es für die jeweiligen Jurys möglich war, auch nur zwei Beiträge mit sechs und drei Punkten zu werten oder gar 9 Punkte für nur einen Beitrag zu vergeben, griff lediglich Belgien 1965 darauf zurück und hatte sechs Punkte für das Vereinigte Königreich und drei Punkte für Italien übrig. 

1967 bis 1969 wurden erneut die Wertungsregularien verändert und jede Jury erhielt insgesamt zehn Punkte, die sie so auf die Beiträge verteilen und Gewichten konnte, wie sie es wollte. Das hatte zur Folge, dass 1969 auf einmal vier Länder mit gleich vielen Punkten den Wettbewerb für sich entscheiden konnten. Gleich vier Länder boykottierten daraufhin den Wettbewerb im Folgejahr und so sah sich die EBU erneut gezwungen, Änderungen am Abstimmungsverfahren vorzunehmen. 1970 hätte es bei Punktegleichstand eine weitere Wertungsrunde gegeben, 1971 bis 1973 wurde gar das komplette System umgestellt. Nun wurden die Länderjurys mit jeweils nur zwei Personen besetzt. Ein Mitglied musste dabei unter und ein Mitglied über 25 Jahr alt sein – zudem musste der Altersunterschied mindestens zehn Jahre betragen. Jedes Mitglied vergab nun für jeden Beitrag ein bis fünf Punkte (siehe Bild oben). 1974, bei der ersten ESC-Teilnahme Ralph Siegels (damals für Luxemburg) und dem Gewinn von ABBA, wurde allerdings wieder auf das Wertungssystem zurückgegriffen, das von 1967 bis 1969 eingesetzt wurde.

Historisch in vielen Belangen: 1974 gewinnt ABBA den letzten ESC ohne „12 points“

„And twelve points goes to…“

Im Jahr 1975 installierte die EBU das Punktesystem, das wir noch heute kennen und das bei Nicht-Fans immer wieder Fragen aufwirft. Seit 1975 werden nun als Höchstwertung zwölf Punkte vergeben. Der oder die Zweitplatzierte erhält zehn und der dritte Platz acht Punkte. Von Platz 4 bis Platz 10 werden die Punkte zwischen sieben und einem Punkt absteigend verteilt. Seit 1980 werden die Punkte nicht mehr in der Reihenfolge der Auftritte, sondern von Platz zehn bis zu Platz eins aufsteigend verlesen. 

Ende der 90er-Jahre wurde viel getan, um den Wettbewerb wieder moderner zu gestalten und so wurde den einzelnen Ländern 1997 erstmals freigestellt, ihre Wertungen durch eine Jury oder durch ein Televoting zu ermitteln. Insgesamt fünf Länder (Deutschland, Schweden, Österreich, die Schweiz und das Vereinigte Königreich) stellten auf Televoting um. Schon im Folgejahr wurde das für alle Länder verpflichtend – es sei denn, es konnte technisch nicht umgesetzt werden (unvergessen sicherlich das Unglück von Enschede, weshalb die Niederlande 2000 kein Televoting umsetzen konnte). 2001 und 2002 konnten die Länder aussuchen, ob sie ihre Punkte durch ein reines Televoting vergaben oder durch eine 50/50-Mischung aus Televoting und Jury. Schon 2003 wurde diese Möglichkeit aber wieder abgeschafft und die Länder wieder verpflichtet, ihre Punkte durch Televoting (oder natürlich SMS) zu ermitteln – es sei denn, ein solches System war technisch nicht möglich. Seit 2004 (bis einschließlich dem Halbfinale 2009) muss zudem eine „Back-Up-Jury“ eingesetzt werden, um im Notfall Punkte vergeben zu können. 

Spannend bis zur allerletzten Wertung: Das Voting 1998

Kombiniertes Voting

Seit dem Finale 2009 sind die Jurys wieder komplett zurück. Bis 2012 rankte nun jeweils eine Jury ihre Top 10, die dann zusammen mit den besten zehn Plätzen im Televoting verwoben wurden zu einer gemeinsamen Punktvergabe. Bei einem entstehendem Punktegleichstand erhielt das Ergebnis im Televoting den Vorzug. 2013 bis 2015 wurden die Jurys gezwungen, nicht nur die jeweiligen besten zehn Plätze, sondern alle Plätze komplett zu ranken. Wer dachte, dass nun endlich das perfekte und endgültige Wertungsverfahren gefunden wurde, der irrte sich. Seit 2016 werden nun in einer ersten Wertungsrunde die Punkte jeder einzelnen teilnehmenden Jury angezeigt und die Höchstwertung verlesen. In einer zweiten Wertungsrunde werden die Punkte aus allen Televotings zusammengezählt und auf die einzelnen Beiträge verteilt. 2016 bis 2018 in aufsteigender Reihenfolge des Televotingergebnisses, seit 2019 in aufsteigender Reihenfolge des Juryergebnisses. 

Und sonst so?

Auch die Darstellung der Punktetafel änderte sich von 2003 an grundlegend. Nun wurden die Länder nicht mehr statisch an ihrer Startposition im Finale angezeigt, stattdessen verschieben sich die Länder auf der Anzeigetafel bei jeder Punktvergabe in die Reihenfolge des derzeitigen Zwischenstands. Das macht es für den Zuschauer nun visuell noch spannender, die Punktvergabe mitzuverfolgen. Wer auf diese Spannung auch bei den älteren Wettbewerben nicht verzichten will, der sollte unbedingt mal beim YouTube-Kanal „thereorderboard : Eurovision“ vorbeischauen. Hier werden auch die Votings älterer Conteste grafisch aufwendig in unsere jetzige Sehgewohnheit überarbeitet. 

Das Voting 1982 in der heutigen Darstellung (Voting beginnt bei 19:58 min)

Egal wie oft das Wertungssystem vielleicht in Zukunft noch umgestellt wird – die Eurovision-Geschichte hat gezeigt, dass die Punktevergabe mit jedem System spannend sein kann und für viele das Herzensstück des gesamten Wettbewerbs darstellt.

Bislang in unserem Adventskalender erschienen:

(1) Mein „erstes Mal“
(2) Die BRAVO und ein Kindheitstrauma
(3) Der ESC 2000 in Stockholm
(4) Ein Hoch auf Moya Doherty
(5) Null Punkte und das Comeback von Ann Sophie
(6) Abba 1979 live in Dortmund
(7) Der Euroclub in Kiew
(8) Jamalas Sieg in Stockholm
(9) Hier geht es nicht um Oslo und Lena
(10) Deutscher Vorentscheid 2019 und Eurovision in Concert in Amsterdam
(11) Aufregung nach einem Jahr ESC-Entzug
(12) Mamma Mia Musical Premiere in Hamburg
(13) Das ECG-Treffen 2021 mitten in der Coronazeit
(14) Fitnesstraining mit Birthe Kjær
(15) Mit dem Kassettenrekorder vor dem Fernseher
(16) Måneskin katapultieren den ESC auf die globale Chartbühne
(17) Twelve Points für „ABBA Voyage“
(18) Feuer und Flamme für „Taken By A Stranger“

2020: Advent der besten DACH-ESC-Beiträge
2019: Advent der besten ESC–Momente


44 Kommentare

  1. Wir bekammen am 21.mai 2005 letzmals 12 punkte, nämlich aus estland und lettland. Dann mussten wir 16(!) Lange jahre warten, bis es wiede mal hiess: and finaly, switzerland 12 points. Dann dafür immer noch unglaubliche 8x.

  2. Bei der Punktevergabe 1963 wich Norwegen von der Regel ab, die Punkte nach der Startreihenfolge der Teilnehmerländer zu verkünden und machte es in aufsteigender Form. Es gab eine Rüge und das Land mußte am Ende seine Wertung regelkonform nich einmal durchgeben.

  3. „…Michael Schulte hat bewiesen, dass man ein schlechtes Abschneiden nicht darauf schieben kann, in Europa unbeliebt zu sein…“ – ein gefährlicher Satz, über das sich viele ESC-Fans, Journalisten, Völkerkundler seit x-Jahren streiten, ob Deutschland in Europa beliebt ist oder nicht. Es gibt viele Hinweise und Argumente pro und contra.

    • Das mag sein und ja, wir haben zumindest keine natürlichen Punktelieferanten, wie es durchaus andere haben. Aber es wurde nach Lena erneut bewiesen, dass das zuvor schlechte Abschneiden nicht der Grund ist, dass Deutschland unbeliebt ist (auch wenn die Verantwortlichen sich gern darauf beriefen). Es ist sicher eine Hürde, aber nicht der Grund.

    • Das ständige Gejammere „keienr mag uns“ finde ich völlig idiotisch; es entspricht auch nicht den Tatsachen. Umfrage um Umfrage zeigt, dass D seit Jahren eines der beliebtesten Länder Europas ist. Wir sind nicht mehr im Jahre 1946. Abgesehen davon glaube ich kaum, dass Leute

      • … ihre Entscheidung, für welche Lieder sie abstimmen, davon abhängig machen, aus welchen Ländern die kommen.

      • Wenn es nach Beliebtheit ginge, müßte ja Russland Jahr für Jahr nach hinten durchgereicht werden. Oder umgekehrt: Finnland kann man insgesamt ja auch nicht gerade zu den erfolgreichsten Ländern beim ESC zählen. Aber das liegt ja wohl mitnichten daran, dass die Finnen keiner leiden kann. Dieses Jahr haben sie halt den Nerv des Publikums getroffen, kommt ja auch nicht so oft vor. (Wobei ich sagen muss, dass sie in den 80er und 90er Jahren mMn oft zu Unrecht hinten gelandet sind. Aber ich schweife schon wieder ab, sorry.😉
        Mir geht es nur darum, dass man begreift, dass es in aller, aller erster Linie auf die Musik und den Auftritt beim ESC ankommt. Das ist auch bei Deutschland so.

      • Absolut, Gaby – ich verstehe wirklich nicht, dass Leute glauben, Televoter sitzen da und entscheiden anhand irgendwelcher geopolitischen Präferenzen, für welches Lied sie anrufen. Viel zu kompliziert. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, für Russland anzurufen aber glücklicherweise machen sie es mir mit ihren Acts leicht, das nicht zu tun. Allgemein ist es so, dass mein ESC-musikalischer Geschmack eher bestimmte Länder bevorzugt – freue mich aber, wenn mich immer wieder Länder überraschen!

      • @4porcelli & Gaby

        Solche Kommentare kommen praktisch ausschließlich von Leuten die sich das ganze Jahr über nen Scheißdreck für den ESC interessieren und dann aber die Gelegenheit nutzen um über dass ach so böse Ausland herzuziehen.

        Vor allem wie die dann mosern dass sich ja alle die Punkte zuschieben, gleichzeitig aber beschweren dass es aus Österreich und der Schweiz keine Punkte für Deutschland gab und dann drohen den Urlaub dort zu stornieren.🙄

        Ganz ehrlich?? Ich denke mir da immer folgendes: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die F****e halten!!

        Sorry für die Wortwahl, aber das nervt mich einfach.

      • Absolut, darum sag’s einfach – Fresse halten bzw they should shut the fuck up.

    • Ich konnte mich über eure Reaktionen nicht wundern, weil sie genau spiegeln was seit x- Jahren an gleichen Gegenargumente als Hilflosigkeit vorzeigen. Jetzt denkt euch mal neue Betrachtungen aus. Egal…wir kommen nie auf einem Nenner, wenn man die Argumente hin und her schiebt, verbiegt und dreht.

  4. Vielen Dank für den interessanten geschichtlichen Exkurs, Manu.🙂
    Ach ja, manchmal trauere ich ein bißchen der kompletten Punktevergabe (Verlesung der Punkte 1 bis 12) nach. Aber auf der anderen Seite war es schon verständlich, dass man 2006 bis 2015 nur die Punkte 8, 10 und 12 vorgelesen hat. Das waren ja so viele Teilnehmer, so wirkte es doch manchmal etwas ermüdend, habe ich krass 2004 und 2005 gemerkt, wie die Konzentration nachließ. Aber anfangs hatte ich schon ein bißchen Mühe, der Punktevergabe zu folgen, da ich die Punkte 1 bis 7 der jeweiligen Länder nicht richtig erkennen konnte. War schon ein bißchen gewöhnungsbedürftig.😉
    Heutzutage würde ich mir die Punkteverlesung von 2006 bis 2015 wieder zurückwünschen. Mit der heutigen Punktevergabe werde ich leider immer noch nicht richtig warm.

    Was Michaels tollen 4. Platz angeht: Natürlich habe ich mich auf der einen Seite schon gefreut, dass Michael so gut ankam. Die Performance war schon gelungen, insofern war es mMn schon verdient. Mit dem Song bin ich allerdings nie richtig warm geworden. Ist einfach nicht meine Musikrichtung.

  5. Es tut mir echt leid, aber Michael Schultes gesungenes Rührstück fand ich damals schrecklich. Nach dreieinhalb Jahren habe ich mir den Auftritt jetzt noch mal angeschaut, und leider finde ich es noch immer ganz grässlich. Das mag ja alles aus des Bardens Herzen kommen, aber für mich ist es einfach zu dick aufgeratgen: Mit einem Edding Stift skizzierte Gefühle werden mit Bildern hinterlegt, die mich an eine jener vorweihnachtlichen Spendengalas erinnern … und die Sentimentalität trieft aus jeder Pore. Nennt mich gefühlskalt, aber für mich ist das wie der Kleine Lord: Ich will nur weg davon.

    Und da ich auch kein Patriot bin, habe ich mich über die vielen hohen Wertungen für Deutschland geärgert. Ist auf meiner 2018er-Liste leider nur Platz 26.

    • Also, ich war total erstaunt, hatte Michael auf Platz16 bis 18 getippt. Das ganze hatte von daher irgendwie was surreales. Glaube noch immer, dass der Michael als Typ und nicht der Song gepunktet habt. Aber geärgert? Nee. Da habe ich mich über andere Ergebnisse viel mehr geärgert …
      .
      Toller geschichtlicher Abriss, obwohl ich mir das wohl nie merken werde, welche Votingsysteme und Juries und Punkte wann, warum und wie.😗

      • Der Song ist allerdings ebenfalls nicht ungeschickt gemacht. Auch wenn er erst durch Michaels Authentizität vollkommen auflebt.

    • Ich bin ja froh, dass ich mit dieser Ansicht nicht völlig alleine bin … mir geht es ganz genauso. Aber wenn er bei Dir auf Platz 26 liegt, liegt er immer noch 16 Plätze höher als bei mir, nur die Samoylova fand ich noch schlimmer. Ich habe tatsächlich am Ende die Daumen gehalten, dass das nicht gewinnt. Mit Platz 4 kann ich einigermaßen leben, bei einem Sieg weiß ich nicht, was ich dann gemacht hätte.

      • @Tamara

        Schön von dir zu hören. 🙂

        Ich nehme an du hättest dich gefühlt wie 2017 nachdem Francesco Gabbani nicht gewonnen hat. 😉

        Sorry fürs in der Wunde stochern, aber der Hype um Italien 2017 ist mir immer noch ein Rätsel, obwohl ich den Song nicht schlecht finde.

      • @ESC1994: Touché 🙂

        Nee, das Gabbanigate war bedeutend schlimmer. Es war ja nicht nur dieser sechste Platz, sondern vor allem auch die Tatsache, dass das Ding hinterher kein Hit geworden ist, wie auch der gesamte Jahrgang keinen wirklichen Hit abgeworfen hat. 2017 war schon in jeder Hinsicht ganz ganz schrecklich.

        Dagegen ist 2018 für mich einer der besten Jahrgänge der Geschichte, der meine All Time Top 2 und ein weiteres Mitglied meiner All Time Top 25 enthält, die im übrigen alle HINTER dem Herrn aus Buxtehude gelandet sind *grummel*.

        Um der Fairness die Ehre zu geben: So wenig ich den Beitrag auch persönlich mag, haben diese Platzierung und der entsprechende Charterfolg dem ESC in Deutschland generell sehr gut getan. Und mehr will man als Fan doch gar nicht 🙂

      • @Tamara

        Dürfte ich erfahren was genau das Problem zwischen Song und dir ist??

        Ich mag 2017 dagegen sehr gerne, allein schon wegen der unverhersehbaren Ergebnisse. Ich meine wer hätte 2016 direkt nach Stockholm erahnt dass die TOP 3 aus Portugal, Bulgarien und Moldau bestehen würde?? Drei bisher ziemlich erfolglosen Ländern??

        Muss aber zugeben dass ich die anderen Songs von Michael noch lieber mag, besonders „Back to the Start“.

      • @ESC1994: Ja, klar. Zunächst mal hasse ich alle Songs, die mir mit Gewalt auf die Tränendrüse hauen wollen, sei es jetzt YLMWA, „In evighet“ von der von mir ansonsten sehr geschätzten Bettan, oder, am allerschlimmsten, „Wars for Nothing“.

        Dazu kommt in diesem Falle das Sujet. Ich finde es extrem befremdlich, mit dieser Sache in dieser Form an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich hab 2016 selbst meinen Vater verloren und wäre eigentlich genau die Zielgruppe, aber sorry, dieses Öffentlichmachen geht für mich gar nicht, und dazu aufzurufen, dass einem die Leute doch bitte Bilder ihrer Väter schicken sollen, um dann so ein Video für die Performance zu machen, geht dreimal nicht. Das fühlt sich für mich an, als ginge Michael mit dem Tod seines Vaters hausieren. Es ist einfach eine Frage dessen, was man öffentlich verhandelt sehen möchte und was nicht – und für mich ist das gesamte Ding in dieser Form ein absolutes No Go. Letztlich muss das aber jeder für sich selbst entscheiden.

        Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, und wie man überall sehen kann, sieht das der Großteil der ESC-Fans ja anders. Aber dieser Beitrag und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

      • @Tamara

        Das muss jeder für sich selbst entscheiden, nicht alle verarbeiten Trauer und Verlust auf die gleiche Art und Weise.

        Den Vorwurf dass er den Tod seines Vaters benutzt finde ich sehr schwer. Du darfst die Meinung gerne haben, aber ich finde dass geht schon etwas zu weit für meinen Geschmack.

        Ach ja, der „Herr aus Buxtehude“ hat auch einen Namen und der ist Michael Schulte. Ich möchte auch schon einige Beiträge nicht, aber die Künstler selber habe ich immer in Ruhe gelassen. Oder würdest du es toll finden wenn man dich dauernd beispielsweise als „die Alte aus Stuttgart“ bezeichnen würde??

        So, jetzt aber bin ich wieder friedlich und wünsche dir noch einen schönen vierten Advent.🙂🕯️

      • @ESC1994: Ah komm, alles cool. Wie gesagt, da kommen wir wohl nicht mehr zusammen – ich mag Dich aber trotzdem leiden.

        Ich empfinde bei diesem Beitrag einfach ein profundes Unbehagen und eine ebensolche Abneigung. Das lässt sich auch rational nicht steuern und war bei mir von der ersten Minute so. Andere sehen das anders. Damit „muss“ ich leben, und damit „müssen“ die anderen leben. So isses halt 🙂 Das sagt weder was über Michaels Absicht noch über uns als Personen, sondern nur, wie wir von so einem Beitrag berührt oder eben nicht berührt werden. Und ich gehöre zu denen, die berührt werden – aber eben unangenehm. Dem een sing Uhl, dem annern sing Nachtigall. Auch das war schon immer so und wird immer so sein.

        Im übrigen kann ich damit sogar sehr gut leben. Die Saison 2018 war stellenweise nicht ganz einfach für mich, zugegeben, aber ein bärenstarker Jahrgang, der meiner bescheidenen Meinung nach obendrein noch drei der besten Beiträge der Geschichte enthält, kann so schlecht jetzt auch nicht gewesen sein. Von daher, und um nochmal zum Ausgangspunkt zu kommen: Der Kater nach 2017 war viel profunder als der nicht vorhandene Kater nach 2018 🙂

        Ich wünsche Dir ebenfalls einen schönen Restsonntag! 🙂

      • @Tamara

        Eine Frage hätte ich aber noch: Weshalb hast du mit deiner Nachbetrachtung zu 2021 aufgehört??

      • @ESC1994: Ganz ehrlich? Die nackte, lautere Wahrheit? Ich konnte mich irgendwann nicht mehr aufraffen. Hab ein recht wechselvolles Jahr hinter mir (wie wahrscheinlich alle), und zwischendrin hat es mir einfach an Zeit und Motivation gefehlt. Und irgendwann hatte ich den Punkt verpasst, wo die Nachbetrachtung noch Sinn gemacht hätte 🙁

        (Ja, ich schäme mich deswegen – aber Du bist auch die erste Person, die das überhaupt anspricht …. 🙁 )

    • Es wird nie ein Lied geben, dass alle gleichermaßen erreicht und YLMWA birgt eine Art „kitsch“, wenn man das Lied nicht fühlt. Es ging mir bei meiner Aussage auch eher darum, dass Michael genau wusste worauf er sich einließ und mit seinem Lied nicht nur einige Menschen emotional berühren konnte (und das es so ist zeigen ja diverse Kommentare unter den zugehörigen Videos) sondern auch das drumherum sehr mitgestaltete. Da war jemand der wusste was er wollte und wie er seine Botschaft vermitteln konnte, der eine Idee hatte und nicht jemand, der sich etwas kopflos in den Wettbewerb stellte. Meines Erachtens ein wichtiger Punkt in der bisherigen Zusammenarbeit mit dem NDR.

      • Klar, da hast Du natürlich einen validen Punkt. Ich stimme Dir auch zu, dass Deutschland einen Künstler mit Plan braucht, um beim ESC Erfolg zu haben. Der NDR ist in dieser Beziehung ja hoffnungslos kopflos.

        Andererseits stört mich ja gerade dies an DEU18: Der Plan wird aus- und aufgestellt wie ein Werbeplakat in der Ludwigsburger Fußgängerzone. Ich finde das nicht subtil, und deshalb erreicht es mich auch nicht. Das Gegenbeispiel ist für mich Salvador Sobral. PRT17 hatte einen Plan (ich denke es war Luisas Plan), und trotzdem wirkte Salvadors Auftritt ganz natürlich. Das ist für mich große Kunst!

        Und um Missverständnisse zu vermeiden: Ganz gleich was ich über DEU18 denke, freue ich mich natürlich für Michael Schulte; so wie ich mich für jeden Künstler freue, der beim ESC Erfolg hat. 🙂

      • Ja, da stimme ich dir zu, auch wenn ich glaube, dass es auch Personen gibt, die eine klare visuelle Unterstützung benötigten, um berührt zu werden. Bisher wirkte der NDR oft ideen- und kopflos. Wenn die Künstler (oder deren Hintergrund) nicht mit eigenen Vorstellungen kamen, sah es recht düster aus. Ich blicke aber mal positiv in die Zukunft und hoffe, dass sich das mit den neuen Akteuren verbessert. Selbst nach der vorhersehbaren ersten Bruchlandung in diesem Jahr. Jeder muss auch die Chance bekommen aus gemachten Erfahrungen zu wachsen.

        Guter Vergleich zu Salvador – bei ihm wirkte allein schon das Lied für sich extrem stark – die Reduzierung war zudem Teil ‚des Plans‘. Auf etwas anderes hätte Salvador sich auch wohl nicht eingelassen.

      • Ich finde es immer wieder amüsant, wie Leute, die alles „konventionelle“ und „künstliche“ doof finden auf die Salvador-Masche reingefallen sind. Das war die künstlichste, durchgeplanteste Nummer, an die ich mich erinnern kann. Die scheinbar chaotischen Haare immer gleich liegend, mehr noch als Imri’s (der ja doof und oberflächlich ist) Achselhaare. Die bewusst schlecht sitzenden Designerklamotten, die ’nen second hand Eindruck vermitteln sollten. Und bemerkenswert, dass jemand, der angeblich zu krank zum Proben war auf einmal bei der PK auf und ab springen konnte. Sorry, das Lied war nicht schlecht, aber das war die abgezockteste Nummer aller Zeiten – von einem der arrogantesten Teilnehmer aller Zeiten.

      • Deine Antwort verstehe ich jetzt überhaupt nicht. Das war doch genau mein Punkt: PRT17 war durchgeplant bis ins letzte Detail, konnte aber in den 3 Minuten, die zählen, den Effekt des Natürlichen generieren.
        Und genau das beschreibt für mich große Kunst. 🙂 Da kann man ja unterschiedlicher Meinung sein, aber hier von „reinfallen“ etc zu sprechen, finde ich schon etwas seltsam …

      • Hm… PRT17 ist überhaupt nicht mein Fall, wobei es mir da in erster Linie um die Musik geht. Aber stimmt schon, Herr Sobral wirkte ziemlich arrogant. Also, Michael Schulte kam schon sympathischer rüber, ich glaube auch nicht, dass er mit seiner Geschichte „hausieren“ gehen wollte. Das war halt Michaels Art der Verarbeitung. Aber klar, ich kann schon verstehen, dass es bei einigen unangenehm aufstößt, wenn man mit einem sehr persönlichen Song auf „Stimmenfang“ geht. Ganz ehrlich: Ging mir im ersten Moment auch so, dachte auch zuerst, dass dieses Thema doch privat ist, und habe es erst auch als eher unangemessen empfunden. Aber mittlerweile denke ich wirklich, dass das nicht Michaels Absicht war, sondern er hat diesen Song wirklich gefühlt. Und, so absurd es klingen mag: Hätte er es nicht so gefühlt, hätte er „You net me Walk alone“ nicht so glaubwürdig rüberbringen können. Aber mein Fall ist der Song auch nicht.

  6. Ich habe mich auch sehr für Michael gefreut, vor allem wenn ich mich erinnere wie sehr die Frühaufdreher auf Bayern 3 nach dem Vorentscheid über den Song abgelästert haben und am Montag nach dem Finale waren die soooo kleinlaut, da habe ich seehr in mich reingegrinst. 🙂

    Fühle den Song, vor allem seit ich meinen Vater 2020 an Krebs verloren habe.

  7. Das Wertesystem 1971-73 war äußerst anfällig für Bestechung und Beeinflussung. Es gab Juroren die kontinuierlich nur mit „1“ abgestimmt haben und oft nur bei einem Lied die „5“. Dazwischen gab’s nichts. Das kann man deutlich sehen, wenn man sich die drei Wertungen von einst anschaut. Nicht umsonst wurde das 2-Juroren-Prinzip kurz vor dem ESC 1974 gekippt.
    Die EBU hatte bereits damals schon die Idee der 12er-Wertung, die sich aber bei einigen Mitgliedssendern nicht durchsetzen konnte. Das kam erst im Herbst 1974 unter erfolgreichen Beschluss.

  8. Hach ja, die Punktevergabe (zu dem anderen Thema schreib ich hier jetzt mal nix, das hab ich weiter oben schon erledigt). Was wäre der ESC ohne dieses Ritual? Richtig: Nicht die Kultveranstaltung, für die wir ihn lieben! Ich finde es so, wie es jetzt ist, ein bisschen lieblos, die 8 und die 10 könnte man ruhig noch zelebrieren. Wenn man sich aus heutiger Sicht frühere Jahre anschaut, kommt einem der komplette Countdown von 1 bis 12 allerdings schon SEHR langwierig vor … Vielleicht findet man da ja in nächster Zeit noch einen Kompromiss. Aber die Punktevergabe immer weiter zu verstümmeln ist irgendwie auch nicht das Wahre.

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