ESC-Songcheck kompakt (18) – Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste

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Auch in diesem Jahr vertraute Estland auf sein auch bei ESC Fans sehr beliebtes Format zum Vorentscheid Eesti Laul. Zwei Halbfinale mit jeweils zwölf zuvor von einer Jury „blind“ ausgewählten Beiträgen gipfelten in einem Finale, das am 29. Februar in Tallinn stattfand. Im Vorfeld des Finales wurden besonders die Beiträge von Traffic und vor allem von Jaagup Tuisk als Favoriten gehandelt, doch am Ende sollte Wiederholungstäter Uku Suviste überraschend die Nase vorn haben. Überraschend vor allem, wenn man sich die später veröffentlichten Ergebnisse des Televotings anschaut. Hier gab es keine erwartete knappe Entscheidung,sondern Uku siegte mit insgesamt 33.582 Stimmen vor dem Zweitplatzierten Jaagup, der überraschend nur 7.944 Stimmen erhielt.

Bereits zum dritten Mal nahm der 37-jährige Uku Suviste am Eesti Laul teil – 2017 schied er mit der Popnummer „Supernatural“ schon im Halbfinale aus, im letzten Jahr konnte er aber mit seinem Lied „Pretty Little Liar“ hinter Victor Crone den zweiten Platz ergattern. Der Sänger Begann bereits in jungen Jahren Musik zu machen und schloss 1997 die schulische Ausbildung an der Tallinn Music School mit Fokus auf Klavier ab. Später studierte er Jazz-Gesang und schloss 2006 mit exzellenten Ergebnissen das Berklee College of Music in Boston ab. Neben diversen Wettbewerben, wie dem russischen New Wave Festival, hat Uku auch an der russischen Version von The Voice teilgenommen, wo er im Team der ehemaligen ESC-Teilnehmerin Ani Lorak im Halbfinale ausschied.

Uku Suviste wird nicht automatisch für den Eurovision Song Contest 2021 gesetzt, ihm wird aber ein Startplatz im Halbfinale des kommenden Eesti Laul zugesichert.

Der Song 

Im selbstkomponierten Lied „What Love Is“, nimmt uns Uku Suviste textlich (geschrieben von Sharon Vaughn) mit in sein frohlockendes Inneres und beschreibt fast lyrisch, wie unbeschreiblich schön es ist, verliebt zu sein und welche ungeahnte Kraft daraus entspringt. „I couldn’t have told you what blue is, ‚til I looked into your eyes. Or how soft the feel of a cloud is, ‚til I was touching your skin“.

Was vielleicht eine Spur nach kitschigem Schlager klingt, hört sich zeitweise auch ein bisschen so an. Das sehr klassisch aufgebaute Lied beginnt ruhig mit Klavierbegleitung, die langsam einsetzende Bridge leitet zum fast schon ein wenig hymnisch klingenden Refrain mit sattem Instrumental.

Im Finale des Eesti Laul stand Uku anfangs allein auf der in dunklen Blautönen gehaltenen Bühne. Zum einsetzenden Refrain wurde die Bühne auf einmal in warme Orangetöne getaucht und mit gefühlt fünfhundert Kerzen dekoriert. Spätestens jetzt wurde wohl jedem klar, das fast die komplette erste Minute von Band kam:

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Ein Song, wie ihn sicherlich auch das ARD-Publikum mit Handkuss zum ESC geschickt hätte. 2 Punkte.

Berenike: „What Love Is“ wirkt auf mich in vielerlei Hinsicht zu durchschnittlich: eine durchschnittliche Radiopopballade vorgetragen von einem durchschnittlichen Sänger mit durchschnittlichen Charme. Kann man sich anhören, wenn es gerade läuft, bleibt aber auch nicht hängen, es fehlt das Markante. 4 Punkte.

Douze Points: Ach, so eine herrliche ESC-Powerballade. Kein überflüssiges Chi-Chi, um sich interessant zu machen oder einen künstlerischen Anspruch vorzutäuschen. Altbacken? Ja. Was fürs Herz und zum Mitsummen? Auch. Da reicht’s auch ohne optische Aufwertung für 10 Punkte.

Florian: So gern ich Uku für diesen engagierten und emotionalen Auftritt in Eesti Laul mit Punkten überschütten möchte, mit diesem Song ist leider nicht viel drin. Obwohl er auch stimmlich alles gibt, dem Song mehr Ausstrahlung zu verleihen, täuscht das nicht über die altbackene und wirklich aus der Zeit fallende Produktion hinweg. Hier sollte alles richtig gemacht werden, und dabei ging leider ziemlich viel daneben. 4 Punkte.

Manu: Für mich ist „What love is“ mit großem Abstand der bisher schwächste Song von Uku im Rahmen des Eesti Laul (während „Supernatural“ noch heute immer mal wieder in meiner Playlist auftaucht). Irgendwo zwischen Schlagermelodie und anstrengender Langeweile, knödelt er sich mit angezogener Handbremse durch ein Lied, das unbedingt im Radio gespielt werden will, es aber dahin wohl nicht schafft. Sorry, aber da vergebe ich nur 2 Punkte.

Max: Wer unsere Live-Streams verfolgt weiß, dass ich Uku-Fan bin. Klar ist die Nummer radiotauglich, Mainstream eben und deshalb auch nicht wirklich innovativ, aber „What Love Is“ gefällt mir trotzdem ganz gut. Der Refrain ist eingängig, Uku kommt sehr gut rüber (ja, ich schmachte etwas). Mit dem Finale wäre es in Rotterdam denke ich knifflig geworden da das Lied nicht weh tut, nicht polarisiert und dadurch auch nicht wirklich aus der Menge sticht. 8 Punkte.

Peter: Gott, ist das langweilig. Uku ist ja ganz hunky and (you know what I mean), aber „What love is“ ist echt sedierend. Man wartet und wartet und wartet, dass der Song endlich losgeht, aber ein cooler musikalischer Spannungsbogen sieht anders aus. Dazu der schmalzige Text, der zuweilen hastig vorgetragen wird. Es stellt sich der Eindruck ein, da ist zuviel Text für zu wenig Noten nicht kompatibel. Sorry Uku, 4 Punkte (bereits mit Hunk of the day Bonus).

Gesamtpunktzahl: 34/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „What Love Is“ auf Platz 41 von 41.

Wie hätte der estnische Beitrag "What Love Is" von Uku Suviste abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro


40 Kommentare

  1. Da ist er ja endlich ..mein Hassbeitrag des ESc 2020 ein grottenschlechtes nerviges Machwerk vor allem der völlig dümmliche Text und Refrain treiben mich zur Weissglut ..ausserdem unsympatischer verbissener Auftritt ganz klar die rote Laterne 41/41 und auch prognosenmäßig auf jeden Fall der letzte Platz im Semi 2

    • Bei Zypern stimmte ich der Aussage zu „Der Sänger gut; das Lied schlecht“. Hier exakt das gleiche.
      Estland hatte in den 1990ern seine große Zeit gehabt. Nach dem Sieg 2001 nur noch bergab. Schade 🙁

  2. 32/41 mit 3 Punkten, kein Finale

    @Manu: Danke dir, nun hab ich auch mitbekommen, dass der Anfang des Auftritts bereits aufgenommen war. Letztes Jahr bei Storm ist es mir früher aufgefallen 🙂

  3. Übel… Auch wirklich schlimm, was aus dem Eesti Laul in den letzten Jahren geworden ist. Früher edgy und überraschend und jetzt gewinnt da stets nur noch schlimme Schlager-Grütze….

    • Sehe ich ähnlich. Man muss aber sagen, dass den Eesti Laul auch oft schon eher konventionelle Beiträge gewonnen haben, obwohl kantige und moderne Sachen dabei waren. Siehe z.B. 2013.

  4. In einer schwachen VE, wie ich finde, noch der angenehmste Titel. Haut mich zwar jetzt nicht gerade aus den Socken, aber sooo schlecht finde ich den Song jetzt auch wieder nicht. Estland hatte in der Vergangenheit schon wesentlich stärkere Songs am Start: 2009, 2011 (viel zu schlecht bewertet), 2012, 2015, 2017. Uku wäre wohl im Semi hängengeblieben, der Beitrag ist insgesamt doch zu blass.

  5. Dieses Lied ist voll boring and stupid and you know what I mean. Das ist mein Don’t give a fuck about the day-Song für heute. Und ich bin nichtmal horny auf den and you know what I mean.

    Ey. Hunky. Es tut mir leid und jeder soll in diesem schönen Land sprechen und schreiben dürfen,wie er will. Aber warum man so unfuckingfassbar viele Anglizismen, die nichtmal besonders geläufig sind, einbauen muss, wenn es im Deutschen so viele schöne Synonyme gibt, wird sich mir nicht und niemals erschließen.

  6. An diesem Lied und seinem Sänger ist alles „trying too hard“. Das Lied möchte eingängig sein, ist aber nur banal. Und er möchte sexy sein, ist aber so steril wie eine Schaufensterpuppe.

    • Ach, haste das Video ohne Ton angeguckt? Und Frankreich auf der 1, oder ;-)?

  7. „Pretty little liar“, seinen letztjährigen VE-Titel, fand ich schrecklich, sodass ich von „What love is“ positiv überrascht war. Einer der besten Titel einer zugegebenermaßen recht schwachen VE. Seine Stimme ist nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber in Bezug auf Optik und Ausstrahlung möchte ich usain1 doch widersprechen 🙂

    Klar ist der Song schlagerhaft. Aber genau so was hat schon immer zum Grand Prix gehört und muss unbedingt auch in Zukunft dazugehören. Natürlich auch Kantiges und gerne auch Modernes und Charts-Orientiertes, aber eben nicht nur, sonst wär’s nicht mehr der Grand Prix!

    Der Song ist in meinem vorderen Mittelfeld, ich gebe 6,5 Punkte (von 12).

  8. Ganz klar 12 Punkte – also für den Kommentar von Benny: „Ein Song, wie ihn sicherlich auch das ARD-Publikum mit Handkuss zum ESC geschickt hätte.“

    • Ja, sehr gelacht 😀 Trifft sicher auch auf das ORF-Publikum zu („Shine“, „The Secret Is Love“). Wobei – wofür habe ich eigentlich angerufen damals? 😉

  9. Eigentlich ist alles gesagt, eine sterbensöde, altbackene Schmalzballade. Sein Eesti-Laul-Beitrag von letztem Jahr war Welten besser. Null Chance auf irgendein Finale.

    Platz 30 von 41 (eigentlich viel zu weit oben, aber es gibt noch schlimmeres)

  10. Dass es heute Schlechtwetterfront gibt, war klar 😀 Halte durch, Uku, ich komme mit dem Regenschirm. Schau, nicht alle hier liegen unter dem gesetzlichen Mindestmasturbationsalter, auch ich bin von der alten Schule. Nach Ihnen bitte 😉
    Wie schon gestern bei Sandro, vergebe ich Extrapunkte für eine „rusty voice“. Die Hälfte davon muss ich leider gleich wieder abziehen, weil der Flugrost in der Studiofassung mit Autotune wegpoliert wurde. Ehrlich, da sind mir ein paar schwankende Töne bei „Eesti Laul“ lieber.
    Mein Lieblingstrack 2020 in der Kategorie „Von gestern“. Mit Beginn in Bariton-Stimmlage. Zum Harmoniewechsel kommt auch noch ein akustisches Schlagzeug herein – und spielt durch ohne Overdubs.
    Das Ablaufdatum 1993, das ich (mit Sehbehelf) sehr wohl zu lesen vermag, das kann mich mal. Mag ich.

  11. Mir gefällt diese dynamische Melodie im Refrain total 😀 Und wie schnell diese Heinzelmännchen die Kerzen aufgebaut haben! Unglaublich! 😉

    Es mag keine Neuerfindung des Rads sein, aber ich kann es persönlich anhören. Und dieser Umstand setzt es bei mir klar über Beiträge wie Weißrussland, die Ukraine und sogar Litauen und Russland. Man mag mich dafür schlagen ^^
    6/10 und Platz 29 von 41.

    Ich bin allerdings sehr auf Calis Kommentar als „Estland-Experte“ gespannt und das meine ich tatsächlich völlig ironiefrei. Und eigentlich wünsche ich mir dazu noch eine Review von „Yksi, kaksi, kolme“. Erika Vikman hat mich nämlich ernsthaft inspiriert, da was zu tun 😃

  12. Mein diesjähriges Guitly Pleasure (die Optik wie immer völlig außen vor lassend). Der Refrain ist ein totaler Ohrwurm und auch sonst hat das Lied irgendwas, was mich einfängt. Ja klar, nach irgendwelchen objektiven Qualitätsstandards kommt man hier nicht auf vordere Plätze und Estland hätte auch eher nicht das Finale erreicht, aber bei mir kommt’s an – überrascht mich selbst, ist aber so. 🙂

  13. Kann mich nur anschließen. Auch mein guilty pleasure, ohne die Optik, die aber auch nicht unbedingt schadet. Wie schön, dass es damit noch für das ARD-Publikum reicht, dachte schon, ich wäre im ZDF-Alter 😉

  14. Hui, mit dem beschaulichen Estland beginnen also die Songchecks des zweiten Halbfinale. 🙂
    Normalerweise ist das Eesti Laul eines der Vorentscheide, bei denen ich gerne meinen Computer aus dem Fenster schmeißen würde. Und eigentlich habe ich (wie die meisten anderen wohl auch) sicher mit dem Sieg Jaagups gerechnet, dessen Lied ich fürchterlich fand. Schön, dass die Esten sich stattdessen für den viel besseren Uku entschieden haben, der ja zum erweiterten Favoritenkreis zählte. Aitäh Eesti!
    Klar, gemessen an der Originalität liegt das etwa auf Norwegens Level, aber im Gegensatz dazu spricht mich „What Love Is“ viel mehr an. Uku macht seine Sache gut, die Performance beim Eesti Laul war rund und der Song hat einen mitreißenden Refrain, den man auch danach noch im Ohr behält. So what? 🙂 Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, dass er hier so schlecht wegkommt.
    Dass Uku Suviste sich so deutlich gegen Jaagup durchsetzen konnte (68% zu 17%), überrascht mich aber wirklich. Ich denke, beim ESC hätte es einen ähnlichen, wenn auch nicht ebenso starken, Effekt beim Televoting gegeben. Die Jurys hätten aber eventuell (wie schon bei Verona) ein Weiterkommen verhindert. Aber wer weiß das schon?

    Prognose: Halbfinale 13/18 (40%) (wegen der Jurys)
    Meinung: Platz 8/41 (10 Punkte)

  15. Das freut mich jetzt aber😊😊😊 es gibt sie also doch noch, die ESC Fans, die dieses Lied mögen.
    Ich liiiiieeeebe es so sehr., scheiss auf altbacken oder schmalzig , das sind Gefühle & Romantik, was fürs Herz, wer sich dem verschließt ist selbst schuld. Ist doch toll, wenn für jeden was dabei ist. Es war der erste VE-Song des aktuellen Jahrgangs, den ich in Dauerschleife gehört hab. Ich hätte aber nicht im Traum daran geglaubt, dass er damit gewinnt – drum war die Freude dann um so größer, dass es Uku geschafft hat (und um so trauriger war ich dann, dass ich ihm eben nicht in Rotterdam zujubeln darf😢) @eurovisionismus,der – dein Gedanke mit dem Schirm ist süß, vielleicht haben wir da ja zu dritt drunter Platz😘 bei all dem Mist, der da gerade auf uns herunter prasselt…

  16. 4x

    Gesang: In der Mitte ++ Zwei Oktaven ++ Mit Überzeugung ++ Englisch mit Dialekt
    Melodie: Gebügelt ++ Nicht ausbalanciert ++ Schwankt ++ Mal kräftig, mal schwach
    Gesamt: Alles drin ++ Wie ging der Song mal? ++ Gerne die vegane Version ++ Ohne Technik sehr langweilig
    Chancen: Finale, Top 15 ++ Finale ++ Nur mit mehr nackte Haut ++ Gehört ins Finale
    Optik: Der perfekte Schwiegersohn ++ Schöne Augen ++ Der war schon in Rotterdam zum Einkaufen ++ Gott sei Dank kein Schwarz

  17. Normal würde ich jetzt schreiben, wie viel besser Beautiful Lie war und dass dieser Song hätte gewinnen sollen, aber zum Glück findet der ESC nicht statt, sonst würde ich mich noch Monate weiter ärgern.

  18. Aargh!!!! Da hatten die Esten teilweise so tolle Songs im Angebot und dann gewinnt diese ranzige und stinklangweilige Ballade??

    Sorry, aber da schlafen mir wirklich sämtliche Gliedmaßen ein!! Wäre im Semi hoffentlich kleben geblieben

    Ach ja, kann es sein dass Douze Points ein Herz für ziemlich hoffnungslosen Schleim hat, siehe Frankreich??

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