ESC-Songcheck kompakt 2022 (15) – Norwegen: „Give That Wolf A Banana“ von Subwoolfer

Am 60. Norsk Melodi Grand Prix nahmen im Frühjahr 2022 insgesamt 21 Acts teil. Der Wettbewerb bestand aus vier Vorrunden, zwei Sistesjansen (Letzte Chancen)-Sendungen und einem Finale. Dort traten zehn Beiträge gegeneinander an. Im Goldduell setzen sich Subwoolfer (Aufmacherfoto) durch und dürfen nun mit ihrem Song „Give That Wolf A Banana“ Norwegen beim Eurovision Song Contest 2022 in Turin vertreten. 

Die Gruppe Subwoolfer war wie vier andere Beiträge vorab für das Finale gesetzt und musste sich somit nicht zuerst in einer der Vorrunden qualifizieren. Allerdings mussten sie aufgrund einer Corona-Infektion ihren Titel in einer anderen Vorrunde vorstellen als zunächst geplant.

Dass Subwoolfer direkter Finalist war, mag überraschen, da die Kombo erstmals am 10. Januar 2022 in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat – und zwar bei der Bekanntgabe der Teilnehmer/innen am Norsk Melodi Grand Prix. Auch auf ihrem Instagram-Profil stammt ihr erster Post vom 7. Januar diesen Jahres. Während die Bandmitglieder, die auch die Komponisten des Songs sind, bis heute ihre wahre Identität nicht bekanntgegeben haben, ist davon auszugehen, dass es sich um bekannte oder zumindest sehr gut vernetzte Persönlichkeiten aus der norwegischen Musikindustrie handelt.

Derweil nennen sich die beiden Protagonisten also nur Keith und Jim. Sie treten in der Öffentlichkeit mit gelben Wolfsmasken, Handschuhen und schwarzen Anzügen auf. Neben ihnen gibt es noch DJ Astronaut, der einen goldenen Weltraumanzug trägt. Der Bandname Subwoolfer ist eine Kreuzung aus den Wörtern „Subwoofer“ und „Wolf“, womit sie sowohl ihren basslastigen Sound als auch ihre visuelle Erscheinung als Wölfe beschreiben.

Die Band sagt zu ihrer Geschichte folgendes: „Die größte Band in der Galaxie, erstmalig geschaffen vor über 4,5 Milliarden Jahren auf ihrem Heimaplaneten, dem Mond. Seitdem haben die Brüder Keith und Jim die Musikszene auf allen Planeten erobert und sie zur erfolgreichsten Popgruppe aller Zeiten gemacht. Am 20. Juni 1969 erschien ein Prophet mit Namen Neil und wurde als „Mann mit den stärksten Armen“ ausgerufen. Er versprach, zurückzukehren und ihnen zu helfen, auch auf seinem Planeten die größte Band zu werden, aber erst dann, wenn sie einen großartigen Song in seiner Sprache geschrieben hätten – Englisch. Neil ist nie zurückgekehrt, doch die Band hat sich mit dem größten existierenden Song ausgerüstet: „Give That Wolf A Banana“, mit dem sie sich auf die Suche nach ihm begeben und um den Musikthron durch die Performance beim größten und prestigereichsten Musikevent in der Welt kämpfen, dem Norsk Melodi Grand Prix 2022.“

Der Song

Der Titel wurde von den bereits erwähnten Bandmitglieder Jim, Keith und DJ Astronaut geschrieben und getextet. Jim und Keith geben als Pronoun They/Them an, betrachten sich somit weder als männlich noch als weiblich. Über das Geschlecht von DJ Astronaut ist nichts bekannt.

„Give That Wolf A Banana“ ist eine Elektro-Uptemponummer, die vor allem durch die prägnante Bassuntermalung heraussticht. Der Titel beginnt und endet jedoch mit einem vergleichsweise ruhigen Gitarrenteil. Mit dem Refrain nimmt der Titel dann an Fahrt auf und die besagten Bässe setzen ein. Nach dem Refrain folgt jeweils ein Dancebreak, der textlich nur vom Wort „Yum“ (lecker) begleitet wird. Musikalisch ist der Song trotz des DJ- und Bass-Sounds durchgängig mainstream-(und sogar radio-)tauglich.

Inhaltlich knüpft der Beitrag ganz offensichtlich an das Märchen „Rotkäppchen“ von den Gebrüdern Grimm an. Gleichzeitig solle der Wolf lieber eine Banane bekommen, damit er nicht die Großmutter frisst. Es wurde aber darüber spekuliert, ob der Songtext eine Anspielung auf die Corona-Pandemie und den Aufruf zur Impfung gegen das Coronavirus darstelle. Insgesamt ist der Text also genauso crazy wie die Story der Band.

Die Inszenierung des Auftritts war von Beginn an durchchoreographiert und perfektioniert. Neben den beiden Wölfen Jim und Keith befinden sich auch drei Tänzerinnen auf der Bühne. Hinter einem DJ-Pult geht außerdem DJ Astronaut seiner Arbeit nach. Dieser kommt ganz am Ende der Nummer nach vorn und legt sich vor die anderen fünf.

Der Check

Song: 4/5 Punkten

Stimme: 3/5 Punkten

Darbietung: 5/5 Punkten

Instant Appeal: 5/5 Punkten

Benny: Daran mag ich einfach alles. Den Song, die Kostüme, die Performance, einfach alles. Keine Ahnung, was der Text bedeutet, und diese inszenierte Background-Geschichte der Band bräuchte ich auch nicht, aber egal: Hit bleibt Hit. 12 Punkte.

Berenike: Es gibt beim ESC oft Lieder und Auftritte, die lustig sein wollen, die ich aber nur peinlich finde. Subwoolfer jedoch treffen genau meinen Humor, ich finde dieses Konzept megaunterhaltsam. Schon allein das Subwoo(l)fer-Wortspiel… Darüber hinaus die ikonische Zeile „And before the wolfs eats my grandma, give that wolf a banana“. Diese brennt sich direkt beim ersten Hören so intensiv ins Gehirn, ob man will oder nicht. Dazu dann noch dieser verrückte Text ganz ohne Botschaft, der mir zigmal lieber ist als ausgelutschte, gewollt bedeutungsschwangere Zeilen von der Stange. Für mich schaffen es Subwoolfer, den schmalen Grat zwischen cool und dämlich zu halten. 12 Punkte.

Douze Points: Leider habe ich mir den Song zu einem sehr frühen Zeitpunkt überhört. Insofern feiere ich den Beitrag nicht übermäßig. Aber natürlich hat der Act alles, was man beim ESC braucht: eingängige Musik, auffällige Outfits, gute Inszenierung und einen einigermaßen bekloppten Text. Das Finale ist sicher, vermutlich auch die Top 10. Die Norweger sind mit Recht mal wieder gut im Rennen. 10 Punkte.

Flo: Um mit dem Konzept für Subwoolfer um die Ecke zu kommen, muss man schon sehr kreativ (oder verrückt sein) – doch das genau ist es, was die Nummer der Brüder auszeichnet. Ihr Auftritt ist durchgeknallt und eckt an und spannt trotzdem den Bogen zu einem potenziellen Hit, der vor allem durch die Choreographie im Refrain Potenzial hat, nach dem ESC viral zu gehen. Das ist einfach extrem clever gemacht und wird nicht nur im ersten Halbfinale herausstechen – das Wiedersehen am 14. Mai im Finale ist garantiert. 7 Punkte.

Manu: Ich mache es ja gern, dass ich mir erstmal die jeweiligen Lieder ohne Auftritt oder Musikvideo anhöre. Und da muss ich sagen, dass mir der spaßig Beitrag „Give That Wolf A Banana“ durchaus als das was er ist gefällt: ein gut produzierter Popsong mit einprägsamer Melodie. Den Maskenauftritt samt Tanz und Pseudo-DJ brauche ich dabei nicht, der lenkt mich eher negativ vom Lied ab. 6 Punkte.

Max: Dieses Lied wird dafür sorgen, dass Nicht-ESC-Fans sagen werden „Das ist typisch ESC!“. Und sie werden auch Recht haben. Diese Art Camp braucht der Wettbewerb eben. Und ja, die Wölfe sind lustig und der Text auch einigermaßen. Aber das Lied ist obendrein auch noch gut und eingängig. Und dann könnte der Tanz noch viral gehen auf TikTok und Co. Es ist allerdings auch so, wie mein Kollege Douze Points in einem Live-Video erwähnt hat: Die Story des Liedes ist bereits nach dem ersten Refrain erzählt. Dennoch einer meiner Faves in diesem Jahr. 8 Punkte von mir!

Peter: Luca aka LUM!X hat im ESC kompakt LIVE gesagt, dass er hinter die Masken von Subwoolfer blicken will und dass er den Song feiert. Beides gilt für mich auch. Das ist augenzwinkernd originell, 100% mitreißend, ein witziger und maximal aktivierender Partysong mit grandiosem Beat und beschwingter Melodie. Die Inszenierung ist Eins Plus auf kreativ-alberne Art und Weise. Erinnert mich an die Puppies, die ich für ESC kompakt auf dem CSD in HH fotografiert habe. Das könnte mein Co-Favorit ’22 nach Brividi werden. 12 Punkte mit Nachdruck!

Rick: Ich liebe es! Der House/Electro-Stil ist einfach genau meins und passt total nach Skandinavien – dem Zuhause von legendären DJs wie Kygo oder Avicii. Thematisch zwar völlig Banane, aber wir brauchen diese unterhaltsamen Beiträge. Daher: danke Norwegen! 12 Punkte von mir.

Gesamtpunktzahl: 79/96 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Give That Wolf A Banana“ auf Platz 7 von 40.

Wie schneidet der norwegische Beitrag "Give That Wolf A Banana" von Subwoolfer" ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Albanien: „Sekret“ von Ronela Hajati
(2) Bulgarien: „Intention“ von Intelligent Music Project
(3) Lettland: „Eat Your Salad“ von Citi Zēni
(4) Litauen: „Sentimentai“ von Monika Liu
(5) Moldau: „Trenuleţul“ von Zdob şi Zdub & Fraţii Advahov
(6) Niederlande: „De Diepte“ von S10
(7) Schweiz: „Boys Do Cry“ von Marius Bear
(8) Slowenien: „Disko“ von LPS
(9) Ukraine: „Stefania“ von Kalush Orchestra

Zweite Hälfte des ersten Semis

(10) Armenien: „SNAP“ von Rosa Linn
(11) Dänemark: „The Show“ von REDDI
(12) Griechenland: „Die Together“ von Amanda Tenfjord
(13) Island: „Með Hækkandi Sól“ von Systur
(14) Kroatien: „Guilty Pleasure“ von Mia Dimšić


95 Kommentare

  1. Ich bin absolut kein Fan von diesem Beitrag, Norwegen gehört sonst meist zu meinen Lieblingsländern – aber in diesem Jahr bin ich davon eher genervt. Hört man nur den Song, geht es noch einigermassen (wenn man den bescheuerten Text mal ausser Acht lässt) aber der Auftritt mit den Masken – meine Güte. Ich kann auch einfach nach über 2 Jahren Corona keine Masken mehr ab, auch keine Wolf/Bananas Masken😣 da denk ich doch etwas wehmütig an TIX zurück…

  2. Ich musste beim 1. hören sofort an what does the fox say denken, finde beide Songs super. Könnten es nicht doch Ylvis sein?

  3. Für mich eine der cleversten und originellsten Nummern des ESC 2022. Hier wurde an alles gedacht und es wirkt nicht überfrachtet, albern, plump oder berechnend. Die Nummer hat einen tollen Flow und ist zudem musikalisch sehr gelungen. Das wird sowohl bei der Jury anklang finden und beim Publikum allemal. Top 5 halte ich fast für sicher. In die Karten spielt das wir in diesem Jahr kaum flottere Songs finden und diese dann zu einem regelrechten Erwachen führen.

  4. Soo doof, dass es schon wieder schön ist…

    Da die beiden Wölfe ja offenbar nicht singen (und auch gar keine Mikros haben), gehe ich davon aus, dass die Stimme vom Astronauten kommt. Es singt ja nur einer und in den undurchsichtigen Helm lässt sich ja leicht ein Mikro integrieren. Problem gelöst, geht also durchaus live.

    Ich persönlich hasse den Song weder, noch liebe ich ihn, ist bei mir im oberen Mittelfeld.

    Die werden aber sicher weit kommen, egal ob man es mag oder nicht, man wird es sich auf jeden Fall merken, und durchdacht und professionell (inclusive der bewusst unprofessionellen Masken) ist das schon alles…

  5. Es war zu erwarten, dass der große Erfolg von „The Masked Singer“ auch irgendwie auf den Eurovision Song Contest überschwappt. Obwohl ja eigentlich Lordi da schon die maskierten Vorreiter waren. Und irgendwie erinnert das natürlich auch an Daft Punk. Beim Anfang des Liedes denke ich auch, ach guck an „Heroes Teil 2“ . Hitpotential hat das durchaus und im Finale ist das sicher. Im Meer der Trübsaal und Kriegsangst ist abzuwarten, ob dem Publikum aber der Sinn danach steht.

  6. Geil! Geil, geil, geil! Ich liebe es! Allerdings: Ich finde sie fast noch zu zurückhaltend. Da geht noch mehr! Wenn schon drüber, dann auch richtig! Aber vielleicht heben sie sich das bis Turin auf. Die Top Ten dürfte auf jeden Fall in Reichweite sein!

  7. Einfach großartig! Ich musste Hänsel und Gretel auch schon mal abändern für meine 5jährigen Nichte, hatte son Spielset von Playmobil, aus Hexe wurde Oma und sie aßen zusammen das Lebkuchenhaus auf oder so. Vielleicht hatte jemand von den Subwoolfer ähnliche Probleme beim Gute Nacht Geschichte vorlesen? Kreativ ist es allemal und vegan liegt eh im Trend.

    Gut durchdacht und gemacht, die Gefahr, dass es lächerlich wirkt, ist einfach sehr groß, die scheinen da auch viel ausprobiert zu haben, wenn man ältere Fotos und Videos sieht. Die wollen es wirklich wissen.

    Leider haben die Sänger wenig Raum um da stimmlich irgendwie zu glänzen oder gefordert zu sein, wenig Strophe viel Playback im Refrain. Ob das bei den Jurys gut ankommt?

    Bringen zumindest ihren ganz eigenen Unterhaltungswert noch so nebenbei mit. In den react videos schaffen sie es wirklich jeden zum schmunzeln und zum Lachen zu bringen.
    Diese ganze Backstory brauche ich nicht, aber die waren clever genug um zu wissen, dass die Journalisten aber mit irgendwas gefüttert werden wollen, wenn die standardmäßig nach tieferen Bedeutungen und Botschaften bohren.

    Mein klarer Favorit bisher, mal sehen was in den Semifinals passiert.

  8. Song, Stimme, Darbietung: … ähm … Spaßbeitrag. Höflicher geht es heute nicht.

    Instant Appeal: fehlt. Is ja nichts zu sehen.

    Finale: ja.
    Gewinner: nein.

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