Letzter Platz: Deutsche Promis äußern sich negativ über den ESC (Leaving Liverpool 14)

Bild: Instagram @consi_quent

Es begann alles so vielversprechend. Nach der fehlenden musikalischen Diversität im deutschen ESC-Vorentscheid 2022, wurde dieses Jahr tatsächlich an vielen Punkten gearbeitet. Der NDR und das gesamte Orga-Team hinter Unser Lied für Liverpool nahm die Kritik aus dem letzten Jahr ernst und präsentierte dem TV-Publikum Anfang März – wie versprochen – ein breiter gefächertes Angebot. Auch wenn viele Fans mit der Show zufrieden waren und Lord of the Lost für die richtigen Vertreter in Liverpool hielten, endete der diesjährige ESC für Deutschland dann doch sehr ernüchternd.

Europa war nicht in Stimmung für Glamrock und obwohl Deutschland in keinem einzigem Land bei den Zuschauer:innen auf dem letzten Platz landete, belegte man am Ende im Gesamtranking dennoch den 26. Platz. Erneut Allerletzter im größten Musikwettbewerb der Welt – eine riesige Enttäuschung! Nicht nur für die Fans, den NDR und die Jungs von Lord of the Lost. Vor allem auch für diejenigen, die den ESC in Deutschland sowieso grundsätzlich für unwichtig und unseriös erachten

Ein letzter Platz war nach dem Finale von Liverpool ein gefundenes Fressen für alle deutschen Kritiker. Viele von ihnen denken immernoch, dass der ESC wenig mit Musik zu tun hat und es nur um Politik geht. Sogar von „Rundfunkgebühren-Verschwendung“ ist nach dem Wettbewerb im Mai zu hören gewesen. Diese klassischen Wutbürger-Äußerungen kommen allerdings größtenteils von Menschen, die sich lediglich an einem Abend im Jahr Zeit für den ESC nehmen. Vor allem dem (deutschen) Durchschnitts-ESC-Zuschauenden fehlt so oftmals Hintergrundwissen und ein Rundumblick, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Der dadurch sofort entstehende Frust sorgt so online für viele negative Kommentare. Dass aber auch Personen, die selbst in der Medienwelt zuhause sind, mitziehen, kommt selten vor.

Genau das war im Mai diesen Jahres aber der Fall. Nur wenige Stunden nach dem ESC-Finale sorgte beispielsweise Showmaster und TV-Moderator Thomas Gottschalk für Unmut in der ESC-Fancommunity. Während er aktuell eher mit seiner Ansage, er moderiere „Wetten, dass..?“ nur noch ein letztes Mal, Schlagzeilen macht, sorgte er im Mai noch mit seiner Meinung zum ESC für Gesprächsstoff (siehe oben). Gottschalk verurteilte nicht etwa die Verantwortlichen aus der deutschen Delegation oder Lord of the Lost selbst, sondern den gesamten Wettbewerb und das Prinzip des ESC:

„Bei aller Liebe, aber wir werden vom Rest Europas doch inzwischen verarscht, was die Bewertung beim ESC betrifft. Die mögen uns einfach nicht.
Den soften Malik haben sie uns genauso weggesägt wie die rockigen Lord of the Lost. Die waren auch viel zu lieb. Wenn schon Heavy Metal, dann muss es auch scheppern. Es bringt auch nix, die Regenbogenfahne zu schwenken, aber die ARD muss nach diesen ganzen Pleiten einfach den Geldhahn zudrehen. Ohne Gold kein Glitter!“

Natürlich ist es immer bequemer, die Schuld auf andere zu schieben („Europa mag uns einfach nicht.“), als den Fehler bei sich selbst zu suchen. Verrückterweise macht Gottschalk in seinem übereilten Kommentar zum ESC jedoch beides. Nach seiner Unterstellung, Europa verarsche Deutschland, spricht er schließlich auch an, dass das Problem am diesjährigen deutschen Beitrag selbst lag und sagt, Metal müsse ja auch „scheppern“ und LOTL seien „zu lieb“ gewesen.

Kurz gesagt: Gottschalk widerspricht sich in seinem Statement zum ESC 2023 selbst und zeigt damit, dass er kein Experte auf diesem Gebiet ist. Ihm ist durchaus bewusst, dass auch die Darbietung des deutschen Beitrags für das Abschneiden verantwortlich sein kann, gibt aber dennoch Europa die Schuld. Das Problem daran: wenn jemand mit einer großen Reichweite wie Gottschalk so etwas Widersprüchliches und Vernichtendes in Richtung ESC äußert, beeinflusst das viele Personen und bestärkt sie. Das ist auch völlig menschlich; man geht bei einer Medien-Größe wie Thomas Gottschalk schließlich davon aus, dass er weiß, wovon er da spricht. 

Wichtig an dieser Stelle: Wir wollen den hier genannten, in der Öffentlichkeit stattfindenden, Personen keinesfalls ihre Meinung verbieten. Doch einige Meinungsäußerungen verstärken nun mal Hass und Vorurteile – auch bei einem Thema wie dem ESC. Dass also gerade Gottschalk einen so verwirrenden – und vernichtenden – Kommentar zum ESC abgibt, kann tatsächlich nachteilig sein. Insbesondere die „Empfehlung“, man solle doch gar nicht mehr teilnehmen, löste einige Diskussionen aus – die der NDR schnell im Keim erstickte. Doch damit nicht genug: auf der einen Seite verlangt Gottschalk, man solle nicht mehr mitmachen, im nächsten Atemzug gibt er seine Empfehlung zum nächsten deutschen Kommentatoren ab.

Gottschalks Empfehlung, Constantin Zöller (bekannt als Consi) als Kommentator einzusetzen, findet auch bei vielen Fans großen Zuspruch. Consi hat nicht nur einiges an ESC-Erfahrung vorzuweisen, er ist auch langjähriger Fan der Show und hat sich, im Vergleich zu seinem Radio-Kollegen Gottschalk, nach Liverpool nicht negativ zum Wettbewerb geäußert. Stattdessen hat er mit einem Instagram-Reel unter anderem erklärt, wie sich die Tore zum ESC für ihn öffneten (siehe oben). Auch Gottschalk und das Thema Kommentator beim ESC wird angesprochen und so kann das Video eventuell sogar als unterschwellige Bewerbung für den Posten des künftigen deutschen Kommentatoren gewertet werden… wir sind gespannt und drücken Consi die Daumen!

Negative Statements zum ESC gab es allerdings auch von einem Mann, dessen eigene Karrieremaßgeblich von einer ESC-Teilnahme profitiert hat. Das Statment von Guildo Horn nach dem Finale im letzten Mai klingt zwar nicht ganz so vernichtend wie das von Gottschalk – seine Ideen zur Zukunft des ESC sind aber mindestens genauso radikal:

„Mein Tipp: Einfach mal pausieren und das gesparte Geld vernünftig investieren. (…) Vielleicht dann in ein paar Jahren mit einem neuen verantwortlichen Kreativteam nochmal mit einer gewissen Leichtigkeit des Seins einsteigen. Das hilft beim Musizieren nämlich ungemein.“

Horns Vorschlag wäre unter anderem, das „gesparte Geld“, das der ARD bzw. dem NDR mit einer Nicht-Teilnahme zur Verfügung stünde, in den Bau von Kitas zu investieren. Seit wann die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für Kitas zuständig sind, ist uns leider nicht bekannt. Zudem wurde mittlerweile mehrmals von offizieller Seite bestätigt, dass die Teilnahmekosten durch die hohen Einschaltquoten des ESC in Deutschland mehr als ausgeglichen werden.

Nach dem letzten Platz von LOTL gab es zudem eine negative Reaktion von deren Vorentscheid-Mitbewerber Ikke Hüftgold. Der Partyschlager-Sänger hat sich mittlerweile nicht nur mit Ex-Kommentator Peter Urban und dem NDR angelegt. Auch am ESC selbstlässt er kein gutes Haar (mehr) und wiederholt mehr oder weniger, was schon Horn und Gottschalk als einzige Konsequenz vorgeschlagen haben: „Geldhahn abdrehen und aus diesem Wettbewerb aussteigen!“

Wie bereits bei Thomas Gottschalks Statement angesprochen, sind diese „Empfehlungen“ an den NDR vermutlich Kurzschluss-Reaktionen, die in einem emotionalen Moment unüberlegt gepostet wurden. Man erreicht aber nichts damit, einfach kampflos aufzugeben und dem ESC ab sofort keine Chance mehr zu geben. Mit Lord of the Lost wurde zwar viel richtig gemacht und selbst unter Fans war das Unverständnis nach dem letzten Platz groß, jedoch gibt es immer Gründe und Lektionen, die man aus einer Niederlage ziehen sollte. Der ESC ist zu tiefgründig und komplex, um einen schlechten Platz auf reine Antipathie gegenüber einem Land zu schieben. Oder hat beispielsweise Michael Schulte als Musiker gar nichts mit dem guten deutschen Abschneiden vor fünf Jahren zu tun? Wir waren 2018 einfach nur für ein Jahr lang international beliebt, liebe Herren Horn, Hüftgold und Gottschalk?

Wie siehst Du die negativen ESC-Äußerungen deutscher Promis in diesem Jahr? Verständlich oder voreilig? Lass uns gerne Deine Meinung da. 

Bisher in der Serie „Leaving Liverpool“ erschienen:



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159 Comments
Ralf
Ralf
2 Jahre zuvor

Ach Gottschalk, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nix sagen. Diese bescheuerten Verschwörungstheorien. Wenn man keine gute Musik schickt, dann ist es keine Verarsche, sondern die gerechte Quittung! Von mir hätte es auch keine Punkte gegeben 🥳

Jared
Jared
2 Jahre zuvor

Wie, die sollen den Geldhahn zudrehen? Also bitte Thomas, da kommt doch jetzt schon kaum was raus.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor

Diese Kommentare sind schöne Beispiele für die Kombination aus deutschem Überlegenheitsgefühl und deutscher Weinerlichkeit. Das ist lächerlich und peinlich. 🤮 Und merken die Kommentierenden nicht, dass sie mit solch dummen und gefährlichen Kommentaren die Europahasser weiter anspornen??? (Gibt es ein emoji für „saudumm“?) Mir zumindest war sowohl 2022 als auch 2023 bereits nach dem deutschen Vorentscheid klar, dass Deutschland um die Plätze ganz unten mitspielen wird. Ich empfehle: Die Blase des sich bzgl der Konkurrenzfähigkeit in die Tasche Lügens verlassen, die Arme hochkrempeln und zur Abwechslung mal richtig anstrengen. Und falls der lächerliche VE 2023 (Frida Gold und mit Abstrichen Anica Russo ausgenommen) das Resultat der besten Bemühungen der derzeit Verantwortlichen war, dann muss man eben die Köpfe austauschen. Ich jedenfalls habe die Nase gestrichen voll von dieser scheinbar endlosen Parade des Mittelmaßes, die uns Jahr für Jahr zugemutet wird.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

ceterum

Um deine Frage zu beantworten: Nein, das interessiert die überhaupt nicht, Hauptsache sie haben wieder für 2 Minuten die volle Aufmerksamkeit für ihren verbalen Nonsens.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

🙁

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Ein Kommentar von mir ist komischerweise immer noch nicht sichtbar.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

@ESC1994

Habe auch einen Kommentar geschrieben, der offenbar verschluckt wurde. Woran liegt es wohl? Wird nach verfänglichem Vokabular gefiltert. Wüßte nicht, dass ich was Schlimmes geschrieben hätte….

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

@Gaby

Mein Kommentar ist jetzt mittlerweile sichtbar, war der von 18:56 Uhr.

Michael Steiner
Michael Steiner
2 Jahre zuvor

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Der vorenscheid wirkte schon extrem plump und ja es simmt sie waren bei keinem land im televoting auf dem letzten platz. Dennoch sie waren auch bei fasst allen nicht in den top 10 und genau das ist der punkt für mittelmãssigkeit auf den plätzen 13-18 gibts halt keine punkte.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

Wenn man keine Ahnung hat sollte man einfach mal die Klappe halten. Gottschalk ist für mich einfach nur ein Wichtiguer, dass aber auch Horn in diese Kerbe schlägt hat mich sehr (negativ) überrascht.

Na ja, ansonsten hat dieser Artikel wirklich alles gesagt, dieses Pseudoargument „keiner mag uns“ kann ich wirklich nicht mehr sehen und hören, zumal dass auch fast immer von Leuten kommt die sich das ganze Jahr einen Dreck für den ESC interessieren und kaum schneidet Deutschland schlecht ab kommen sie aus ihren Löchern gekrochen und sondern ungefragt ihren Stammtisch-Müll ab.

Zumal wir 2018 sicherlich nicht „beliebter“ waren als sonst auch, der Song hat damals einfach einen Nerv getroffen.

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor

Ich kann und will dem NDR für den letzten Platz in diesem Jahr wirklich nichts vorwerfen, da viele von uns -mich mit einbegriffen- die Auswahl der Künstler für den Vorentscheid und letztendlich auch die Auswahl von LOTL dann letztendlich als ESC-Teilnahmer für in Ordnung fanden. Natürlich gab es einige Details zu kritisieren, welche aber jetzt nichts mit dem letzten Platz beim ESC selbst zu tun haben, wie z.B. die für mich zu kleine Bühne beim Vorentscheid. Aber wie gesagt, letztendlich hat die Vorentscheid-Bühne nichts mit der Platzierung beim ESC zu tun.

Ich kann verstehen, falls das ESC-Team des NDR nach dem diesjährigen ESC verzweifelt war. Ich war es ja selbst auch! Ja man kann sagen die Performance/Choreo war nicht gut, aber weiß man es zu 100% dass es an der Performance lag? War bzw. ist das ESC-Publikum nach 2021 rockgesättigt?

Was mir noch auf dem Herzen liegt:
Ich finde es gegenüber em NDR nicht gerade fair, wenn sich manche NACH dem ESC so äußern als hätten sie den letzten Platz kommen sehen und das Dies und Das falsch war, obwohl man zuvor -also bevor das diesjährige Endergebnis bekannt wurde- noch alles toll oder zumindest gut gefunden hat.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Falls Du in Deinem letzten Absatz auf mich anspielst, kannst Du gerne meine Kommentare aus der Zeit zwischen dem VE und dem ESC raussuchen. Ende März oder im April hatte ich hier auf ESCK sogar mal einen kleinen Disput mit Benjamin H., weil ich den letzten Platz prognostoziert habe.

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor

Nein togravus ich spiele nicht auf dich an! Als ich meinen Kommentar geschrieben hatte ich deinen sogar noch überhaupt nicht gelesen. Ich habe das allgemein gemeint!

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Dann stimme ich Dir voll zu. Hinterher alles besser wissen, ist doof.

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor

LOL, offensichtlich findet Blogger Rick Consi scharf – 2 Pics und ein Screenshot?
Ansonsten viel dummes Gelaber von Leuten, die mal wieder etwas Aufmerksamkeit wollen, aber bei Exclusiv nicht auf der Liste stehen.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

@4porcelli

Och, finde Consi eigentlich auch ganz schnuckelig. 😉

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

ESC1994 – ja, sieht immer etwas brav aus, aber ganz cute. Fand es aber daneben, als er nach dem Maneskin-Sieg mit dieser ebenfalls beleidigten Tussi bei der After Show die ganze Zeit im Hintergrund rummaulte.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

@4porcelli

Gut, ob er das so in der Öffentlichkeit hätte machen müssen sei dahingestellt. Aber ganz ehrlich?? Warst du nicht auch mal angesäuert wenn ein Song denn du gar nicht/nicht so gerne mochtest gewonnen oder gut abgeschnitten hat??

Thilo mit Bobby
Mitglied
Thilo mit Bobby
2 Jahre zuvor
Limmo
Limmo
2 Jahre zuvor

Gottschalk und Horn haben die Sache eben nicht gut durchdacht, aber ich fand die Kommentare nicht schlimm. Ich glaube viele Leute sind einfach total enttäuscht und dann redet man wirr. Wir ESC Fans sind eben mehr in der Materie drin. Ich bin dafür dass man weiter macht und bloß nicht pausiert. Das bringt meiner Meinung nach gar nichts. Wenn man nicht antritt, kann man auch nicht gewinnen. Ich glaub nicht dass Europa Deutschland hasst. Wenn es so sein sollte, würde ich erst recht weiter machen. Ich hoffe dass der NDR sich bald mit nem Plan meldet.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

Da mein ursprünglicher Kommentar irgendwie in den Nebeln von Norwegen verschollen ist gerne nochmal.

Das Gottschalk sich gerne wichtig nimmmt war mir klar, dass allerdings auch Guildo Horn in die Kerbe schlägt hat mich sehr (negativ) überrascht.

Ich persönlich kann jedenfalls solche Kommentare der Marke „keiner mag uns“ nicht ernst nehmen, zumal die auch zu 99 % von Leuten kommen die sich das ganze Jahr nicht die Bohne für den ESC interessieren und kaum schneidet Deutschland mal wieder schlecht ab meinen sie ungefragt ihren Senf dazugeben zu müssen. Mein Gesicht wird um diese Zeit des Jahres regelmäßig ganz rot durch die vielen Facepalms.

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

ESC1994 – aber wie wir in den Kommentaren eines „Fans“ tausendfach gelesen hatten, hassen alle Deutschland und darum gewinnen wir nicht dauernd, wie es sich gehört. Und unsere Gebühren!

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

@4porcelli

Fehlen nur noch die Illuminaten und Reptiloide und dann wäre jeder Verschwörungsquatsch vertreten gewesen.

SanomiKedvesem
SanomiKedvesem
2 Jahre zuvor

Ich habe mir tatsächlich schon mal gedacht, bei all den miesen Ergebnissen, die wir Jahr für Jahr einfahren, da werden wir doch sicher auch von der EBU belächelt. (Gab es denn noch ein anderes Land, das in so kurzer Zeit so oft hinten landete?)

Ich hatte sogar mal die Befürchtung, irgendwann käme ein Punkt, dass Deutschland nur noch deswegen Letzter werden könnte, weil es Deutschland ist. Nicht, weil wir nicht gemocht werden würden, eher, weil es zum Running Gag wird, Deutschland fallen zu lassen, egal wie gut (oder schlecht) unser Song sein mag. Dieses Jahr sah ich diesen Punkt fast schon erreicht – aber so ganz stimmt es ja auch wieder nicht, im Televoting war man ja so unbeliebt nicht, aber Mittelmaß holt beim ESC keine Punkte, sondern nur die Top 10.

Und dadurch, dass der Song ja so anders war als die letzten deutschen Beiträge, mit viel mehr Power und nicht so bieder oder peinlich, da hoffte man auch auf den Befreiungsschlag. Am Ende wurde es das genaue Gegenteil, nämlich ein Schlag ins Wasser. Dadurch war auch die Enttäuschung umso größer – sieht man gut beim ESC-Barometer.

Und dennoch: Ich war immer der Meinung, dass Deutschland auf jeden Fall weitermachen sollte, egal, wie es ausgeht. Bislang hält man sich mit dem Auswahlverfahren für Malmö ja noch bedeckt, sicher ist nur, dass wir wieder dabei sein werden. Zumindest das freut mich – und dich hoffentlich auch, Guildo!

Meine Erwartungen jedoch habe ich mittlerweile niedrig geschraubt: Ich wäre schon mit dem drittletzten Platz zufrieden. Einfach, weil es nicht der letzte oder vorletzte Platz ist. Aber alles darüber würde mich umso mehr freuen…

icebreaker
icebreaker
2 Jahre zuvor
Reply to  SanomiKedvesem

Das ist eher meine Sorge, nicht dass andere Länder Deutschland hassen, aber das Deutschlands schlechtes Abschneiden so zum running gag geworden ist, dass Leute extra nicht für Deutschland voten damit wir wieder letzter werden, auch wenn sie eigentlich den Beitrag mögen.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  icebreaker

Ähm, ernsthaft Leute ?? Als ob irgendjemand außerhalb der Bubble sich die Platzierungen der letzten Jahre merkt und dann beim Voting denkt:“Och der deutsche Beitrag ist toll, aber es war ja soooo lustig die letzten Jahre dass sie immer auf den letzten Platz gelandet sind, also rufe ich mal für jemand anderes an.“

Das ist mindestens genauso dämlich wie die Verschwörungstheorien des „Fans“ dass alle sich aus reinem Hass gegenüber Deutschland verschworen hätten.🤦🏻‍♂️

Rainer 1
Rainer 1
2 Jahre zuvor

Schade funktioniert eine mögliche dach-koalition nicht. Gibt es eigentlich noch shows, die in alle drei länder übertragen wird?

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor
Reply to  Rainer 1

Ja die „Silvestershow“ läuft im Ersten, im ORF und im SRF! Die „Silvestershow“ ist der Nachfolger der Silvesterausgabe vom „Musikantenstadl“, auch „Silvesterstadl“ genannt, welcher ebenfalls in alle drei Länder übertragen wurde.

Ansonsten laufen gibt es aber keine Shows, welche noch in alle drei Länder übertragen werden. Nicht mal die Silbereisenshow, welche aktuell gesendet wird! Dies läuft nämlich nur im Ersten und bei ORF2, aber nicht im SRF.

Teufelchen
Teufelchen
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Wird „Verstehen Sie Spaß“ nicht auch nach Österreich und die Schweiz übertragen oder „Klein gegen Groß“? Oder ging es bei der Frage nur um Musikshows?

Tobiz
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Die jährliche Wetten dass-Ausgabe gibt es doch sicher auch in allen Ländern.
Die sind ja alle Teil der Eurovision meines Wissens.
Hier ist eine Liste
https://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision

Festivalknüller
Festivalknüller
2 Jahre zuvor

Wenn vom NDR keine Stellungnahme kommt, haben die ausgedienten Promis mit ihrer größtenteils unzutreffenden Meinung natürlich freie Bahn.
Meiner Meinung nach bestand der grundlegende Fehler des Misserfolges trotz „Diversität“ in der Zusammenstellung des Teilnehmerfeldes.
Einen Hype-Act wie Hüftgold über das Tik Tok Voting ins Finale zu schicken, führt die ganze Idee der Talentunterstützung und Zielgruppenerweiterung bei jüngeren Zuschauern durch TikTok ad Absurdum. Auch das dadurch entstandene Verhinderungswahlszenarium war nicht sehr hilfreich. Andere aussichtsreiche Kandidaten hatten einfach keine Chance mehr.
Dass LOTL am Ende international nicht zündete war zusätzliches Pech und hatte die schon verbreiteten Gründe, die am Act lagen, nicht am Herkunftsland.

Dirtsa
Dirtsa
2 Jahre zuvor

All die letzten Jahre habe ich es kommen sehen, dass wir eher hinten landen werden, die Ausnahme waren 2018 und dieses Jahr. Das waren die Jahre, wo mein eigener Geschmack so sehr getroffen wurde, dass ich für mein eigenes Land mitgefiebert habe.
Also war meine Enttäuschung bei der Punktevergabe riesig. Ich war fassungslos! Und dann hat Finnland noch nicht mal gewonnen, was mich vielleicht etwas emotional gerettet hätte.
Ich kann also den Frust der genannten Herren durchaus nachvollziehen, aber nicht die geforderten Konsequenzen.
Ich habe selber nachgegrübelt, woran es dieses Jahr lag.
Ein Stück weit ist es vielleicht tatsächlich so, dass es die Big 5 Länder schwerer haben sich zu beweisen, da sie nicht durch die Semifinals müssen und viele es als ungerecht empfinden und dann nur eines dieser Länder wählen, wenn das Lied sie so richtig überzeugt.
Es gibt Länder, die hat der geneigte ESC-Zuschauer tendenziell auf dem Schirm. Von Schweden geht man von gutem Pop aus, Italien hat die letzten Jahre gut abgeschnitten, also warum nicht auch dieses Jahr? Und ich denke seit Blind Channel haben die Leute auch Finland auf dem Radar. Es ist ein bisschen so wie eine Siegesserie.
Genauso haben die Leute Deutschland, England und evtl noch Spanien als ewige Letzte auf dem Schirm. Oftmals auch nicht ganz unbegründet.
Dieses Jahr gab es den großen Zweikampf Schweden vs Finland. Der hat LOTL meiner Meinung nach Punkte gekostet, da Fans der alternativen Musik sich mehr auf Finland gestürzt haben.
Die Performance von LOTL war gut, aber es wäre noch besser gewesen, wenn Chris noch mehr rumgerannt wäre, so wie bei ihren Live-Konzerten.
Für mich ist besonders ärgerlich, dass nun die Bestätigung ausgeblieben ist, dass alternative Musik aus Deutschland besser ankommt. Also bitte bloss nicht wieder radiofreundlich, sondern ein breites Feld abseits des Einheitsbreis im Vorentscheid anbieten.
Die Änderungen, die Chris für gut halten würde, würde ich voll unterstützen. Vor allem weg vom System, dass nur die ersten 10 Länder Punkte erhalten. Aber das kann ja leider nur auf höherer Ebene entschieden werden.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor

Na ja, solche Statements wie die von Thomas Gottschalk kann ich wirklich nicht ernst nehmen
Von Guildo Horn bin ich allerdings schon enttäuscht. Und von wegen Geldhahn: Bin doch sehr, sehr froh darüber, dass man sich Siege bzw. gute Platzierungen beim ESC nicht erkaufen kann, wie es mittlerweile im Fußball zu sein scheint (durch Rekrutierung guter, millionenschwerer Spieler). Ziemlich peinlich, diese Statements, von Leuten, die sich das ganze Jahr über einen Dreck um den ESC scheren. Statt konstruktive Vorschläge wird nur völlig – sorry – unsachlicher Müll abgesondert.🙁

Was das Schlechte Abschneiden von LOTL angeht: Ja, auch ich war enttäuscht, und auch irgendwie ratlos. Fand im ersten Moment: Das haben die Jungs nicht verdient.
Wenn man aber noch mal in aller Ruhe den Auftritt Revue passieren läßt, leuchtet das schlechte Abschneiden schon ein wenig ein. Es haperte, wie leider so oft beim deutschen Beitrag, am Staging. Zu statisch, zu teutonisch, zu …. deutsch eben. Trotzdem: Der letzte Platz war schon hart, und ich fand ihn auch nicht verdient.
Aber deshalb gleich die Flinte ins Korn werfen? Never, ever… Einfach mal Mühe geben, vor allem in Marketing und Staging. Was die Bandbreite der Songs angeht, ist der der NDR schon auf dem richtigen Weg. Es wäre nur schön, wenn die VE zur Primetime laufen würde und nicht so stiefmütterlich auf einem Spartensender am späten Abend. Von einem mehrtägigen Festival brauchen wir in Deutschland gar nicht erst zu träumen, aber eine qualitativ hochwertige VE, idealerweise bestückt mit Songs, die man alle international vorzeigen kann, … das wäre schön.😊

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Gaby – das Problem war meiner Ansicht nach auch, dass keiner ein Lied über Blut mit martialischem Staging und Klamotten sehen wollte, passt nicht in die Zeit. Finnland hat die Zielgruppe besser bedient und erweitert; dazu sah er noch cute-witzig aus und kam sympathisch rüber.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor

Volle Zustimmung. DEU23 war ein klarer Fall von zur falschen Zeit am falschen Ort … In einem anderen Jahr hätte es vielleicht für Platz 20 gelangt …

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor

Das kommt natürlich noch dazu, wobei ich nicht weiss, inwiefern das Publikum darauf achtet. Aber die Jurys auf jeden Fall

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

Nee, von der Blut-Theorie halte ich nicht viel. Kroatien hatte Bomben und Diktatoren auf der Bühne und wurde im Finale 7. beim Televoting. Ganz anderer Beitrag, ich weiß, aber Gewalt bzw. (vermeintlich) Morbides war jedenfalls kein Showstopper.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Ah… da ist er ja, nehm‘ alles zurück.😀

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor

Hmm… hat das System meinen Kommentar verschluckt, oder habe ich einen Fehler gemacht, was Falsches geschrieben? Oder habe ich den Kommentar aus Versehen abgebrochen… keine Ahnung, na ja, schon spät… heute Abend.

Festivalknüller
Festivalknüller
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Same here.😐

Anja
Anja
2 Jahre zuvor

Also ich gucke den ESC ja, um dadurch neue Künstler kennenzulernen, neue Lieder zu entdecken und mich Musikrichtungen zu öffnen, die ich sonst ignorieren würde. Wer den ESC nur einschaltet, um zu sehen, wie „sein“ Land abschneidet, hat mMn den Sinn des Wettbewerbs nicht verstanden.
Aber jedes Jahr aufs neue reichen sich Großbritannien und Deutschland die Hand im ewigen „die anderen mögen uns einfach nicht“, und es ist jedes Jahr so anstrengend. Kann man denn den Wettbewerb nur gut finden, wenn das eigene Land gut abschneidet? Und wieso muss ich überhaupt für das eigene Land sein?
(Am mir prallt ja aber auch das Diaspora-Voting ab: warum sollte ich für das Land anrufen, aus dem ich komme, anstatt für mein Lieblingslied? Wenn ich im Ausland leben würde, würde ich für Deutschland abstimmen, wenn sie das für mich beste Lied schicken würden, und nicht, weil ich aus Deutschland komme. Aber damit steh ich offensichtlich sehr allein da.)

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor
Reply to  Anja

Volle Zustimmung, Anja, danke für den Kommentar!

P.S. Beim Öffnen gegenüber der ein oder anderen Musikrichtung bin ich zugegebenermaßen ein wenig zurückhaltender, sodass mich der letzte Platz eines Metal-Titels mit Growling, der bei den Kommentierenden hier erstaunlich gut ankam, nicht gar so sehr betrübt hat.

Marco
Marco
2 Jahre zuvor

Inwiefern gleichen sich die Teilnehmerkosten durch hohe Einschaltquoten aus, versteh ich nicht?

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  Marco

In vielen Ländern werden die Postkarten mit Werbung überbrückt.

Benjamin Hertlein
Admin
2 Jahre zuvor
Reply to  Marco

Ganz einfach: Viele Sendungen sind teurer, haben aber schlechtere Einschaltquoten.

murzel2003
Mitglied
2 Jahre zuvor

Ich bin mir zu 100% sicher – hätte Deutschland Lieder wie die aus Norwegen, Zypern, Litauen, Österreich, Belgien oder Estland als Beitrag geschickt, es wäre genauso auf den letzten Platz hinausgelaufen. Nur die Lieder (und die entsprechenden Perfomances) auf den Plätzen 1 bis 4 waren wirklich herausragend. Dahin sollte der Blick künftig gehen.

Meckie
Meckie
2 Jahre zuvor

Warum ist Alexandra Wolfslast immer noch Head of Delegation? Dachte, sie tritt freiwillig ab, wenn es wieder letzter Platz wird? Warum holt man sich eigentlich keine Profis ins ESC-Team? Tippe mal, 2024 könnte der NDR ganz gezielt auf einen Song für die (Augen und Ohren der internationalen) Jurys schielen!

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor
Reply to  Meckie

Diese Fußball-Mentalitat („wenn’s nicht klappt, schmeißen wir den Trainer raus“) braucht’s beim ESC doch nun wirklich nicht.

Meckie
Meckie
2 Jahre zuvor

Naja, wenn man dem Trainer nicht die Schuld geben kann, dann sind ja die Spieler schuld. Soll man also den Acts die Schuld geben, für das schlechte Anschneiden? Finde einfach, der NDR gibt sich seit einigen Jahren gar keine Mühe mehr, wettbewerbsfähige Songs in den Vorentscheid zu integrieren. Auch die Stagings lassen meiner Meinung nach deutlich zu wünschen übrig, wie bei Levina oder Malik oder den anderen. Klar, dann bleibt alles wieder so wie immer und wir behalten halt den Trainer bei. Aber am Ende entscheidet auch das Resultat über die Zukunft, Zuschauer, Resonanz beim ESC mit. Wir erinnern uns alle an die medialen Echos in 1991, 1996, 2005… Oder positive Beispiele in 1998, 2010, 2018. Den Künstlern die alleinige Schuld zu geben, finde ich da auch keine Lösung. Schließlich filtert das NDR ESC Team die Songs der Vorentscheidung letztlich selbst aus und entscheidet, wer mitmacht. Wenn man dem Volk die Auswahl zwischen „Pest und Cholera“ anbietet, dann ist der NDR und Head of Delegation wenigstens mitschuld. Auf Dauer kann sich doch niemand ein „Same procedure as every year“ wünschen. Dass man sich da vielleicht ein neues ESC Führungsteam an der Spitze, um im Fußball Jargon zu bleiben, wünscht, ist nicht verwunderlich. Andere z. T. große Länder machen das auch: Frankreich, Spanien, UK, Azerbaijan,…

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor

„Schuld“ finde ich das falsche Wort. Klar ist der ESC ein Wettbewerb, aber diese verbissene Erfolgsorientiertheit wie beim Leistungssport braucht’s doch nun wirklich nicht. Musik ist doch auch einfach Geschmackssache, und es wird in ganz Europa auch viele Menschen geben, denen der Titel gefallen hat, der Letzter wurde. Und Lord of the Lost haben doch durch ihre Teilnahme zahlreiche neue Fans gewonnen.

„Aber am Ende entscheidet auch das Resultat über die Zukunft, Zuschauer, Resonanz beim ESC mit.“ Du meinst „beim ESC in Deutschland“. Wenn Deutschland Letzter wird, dann ist die Resonanz dafür möglicherweise in anderen Länder besser, die ja dadurch weiter vorne gelandet sind. Somit gleicht sich das für den ESC insgesamt wieder aus, und darauf kommt’s doch an.

Meinst Du beim mittleren der drei von Dir als Negativbeispiele erwähnten Jahre eventuell 1995 (1996 war für mich einer der besten deutschen Beiträge, leider durfte er international nicht starten)?

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Meckie

ich denke die Wolflast ist selbst die ärmste Sau. Wenn sie die vollständige Kontrolle hätte, ohne das ihr jemand reinredet, würde das alles vielleicht ganz anders aussehen. Aber sie kann leider nicht über das allein entscheiden, was mit dem ESC zu tun hat. Der Fisch stinkt über ihr am meisten.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Nach dem ESCK live mit ihr gehe ich inzwischen auch tatsächlich davon aus, dass ihr persönlich das Potential von Electric Callboy auch durchaus bewusst war, der Widerstand der graumelierten Radio-Herren und der Intendanz aber einfach zu groß war.

Aka Nichts
Aka Nichts
2 Jahre zuvor

Also was den Kommentar von Gottschalk angeht muss ich leider sagen: es gibt durchaus einen Hass ggü. Deutschland, der größer ist als ggü. anderen Ländern. So war es gar nicht solange her, dass ein Freund von mir (ohne ESC-Bezug) bei einem Aufenthalt in Griechenland eine Demo gesehen hat bei der auch eine DE-Flagge verbrannt wurde. Auch in Polen gibt man lieber den Deutschen die Schuld als wirklich Politik zu machen und heizt damit auch das Volk richtig an (Die Öffis haben darüber berichtet). Es gibt also durchaus diesen Hass. Allerdings bezweifle ich, dass das so große Auswirkungen auf die Punktzahl hat, da
1. nicht in jedem Land so gegen uns geschossen wird bzw. es sind sehr wenige Länder
2. es so oder so immer noch 24-25 andere Acts im Finale gibt, die den Leuten nun mal besser gefallen können – egal ob sie DE hassen oder nicht
3. vor allem ESC-Fans abstimmen und mein Eindruck von der ESC-bubble ist, dass ein Großteil sich nicht für politische Hintergründe interessiert (und wer mir jetzt damit kommt, dass Cypern von den griechischen Televotern mal wieder 12 Punkte bekommen hat, dem sei gesagt, dass für sowas i.d.R. nur wenige Prozent ausreichen, die Diaspra-Voting machen. Deshalb achte ich auch eher auf die 1-8 Punkte)
4. DE 2018 und GB 2022 beide bewiesen haben, dass sehr gute Platzierungen möglich sind.

Zu Guildo Horn: Ich denke solange der ESC teilweise in solchen Strukturen gefangen ist, bringt eine Pause nichts. Da müsste man schon mehr Entscheidungsfreiheiten zulassen. Btw. glaube ich auch deshalb, dass ein Austausch des Kreativteams genau deshalb nicht so viel bringen würde. Auch denke ich, dass man sich ja durchaus verbessert und das nun zu stoppen finde ich falsch.

Den Narzissmus des letzten Promis in der Liste möchte ich an dieser Stelle keine Befriedigung geben.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  Aka Nichts

Was die Beliebtheit bzw. Unbeliebtheit der Deutschen im Ausland angeht, sollte man sich aber mal ein Großteil der Deutschen Gedanken darüber machen, wie man nach außen hin wirkt. Hat natürlich nichts mit der Punktevergabe beim ESC zu tun, aber viele deutsche Touristen werden international als notorische Meckerer wahrgenommen, die sich gefühlt über alles beschweren. Habe schon mehrere Berichte darüber gehört. Kann verstehen, wenn das nicht gut ankommt, mag es auch nicht, wenn jemand andauernd nur meckert.

Aber wie gesagt, glaube kaum, dass sich das bei der Punktevergabe beim ESC auswirkt, und die Leute deshalb. nicht anrufen, weil der Beitrag aus Deutschland stammt. Das ist Unsinn.😉

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

@Gaby

Zumal es gewisse Vorurteile gegen bestimmte Länder überall gibt, daraus aber gleich einen „Hass“ gegenüber Deutschland zu konstruieren ist absolut billiges Stammtischniveau.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

@ESC1994

Natürlich, von „Hass“ zu reden, wäre schon arg hoch gegriffen. Aber um nur ein Beispiel für diese doch weit verbreitete Unzufriedenheit zu nennen: Habe von einem Fall gehört, wo sich sogar ein deutscher Tourist auf einer Kreuzfahrt darüber beschwert hat, dass er angeblich so viel essen müsste (und er dadurch zunehmen würde) Auf die Erwiderung, dass ja niemand dazu gezwungen wird, dauernd zum Buffet zu rennen, entgegnete er: „Nichts, das habe ich ja bezahlt, also muss ich es auch essen“.😉

Sind natürlich längst nicht alle so, Dir traue ich es nun wirklich nicht zu, obwohl ich Dich nicht persönlich kenne. Es scheinen aber doch viele unserer Landsleute so drauf zu sein, und das fällt irgendwie doch auf alle zurück. So sind nun mal die Menschen leider, alles über einen Kamm zu scheren.

Aber wie schon erwähnt, hat natürlich nichts mit der Punktevergabe zu tun. Da zählt in aller erster Linie die Darbietung. Im Fall von LOTL, sie kamen einfach auch ein paar Jahre zu spät, wären sie noch Jahre vor Maneskin und Blind Channel aufgetreten, wäre das Ergebnis möglicherweise besser ausgefallen.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

@Gaby

Na ja, ich finde da gilt finde ich immer noch folgendes Sprichwort: Wie man es in den Wald hineinruft so kommt es auch zurück. Wenn man sich im Urlaub aufführt wie die Axt im Walde braucht man sich nicht wundern wenn die Reaktion nicht gerade nett sind. Interessanterweise sind es dann gerade die Leute die dann in Deutschland von Ausländern verlangen sich ja zu benehmen, aber im Urlaub heißt es dann „****** drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. Habe da immer ganz schlimme Fremdscham.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Vor allem aber:

5. Man kann beim ESC nur für, nicht aber gegen etwas stimmen. Und ich glaube auch kaum, dass jemand 20 Länder mit je einer Stimme bedenkt, nur damit er Deutschland im direkten Vergleich eins auswischen kann. 😉

Wie man es auch dreht und wendet: Dieses „Die hassen uns einfach alle!“ aus Deutschland und insbesondere Großbritannien ist und bleibt einfach der allergrößte Humbug überhaupt.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

Ich finde es wirklich gut, wenn man Äußerungen die die ESC-Teilnahme Deutschlands kritisch sehen, nicht als „Wutbürgeräußerung“ diffarmieren würde. Und natürlich gibt es immer noch Ressentiments in vielen Ländern gegen Deutschland. Sie werden von z.bsp. Polnischen Politiker offen im Wahlkampf geschürt. Für mich ist eine erneute ESC-Teilnahme daher Geldverschwendung. Warum man unbedingt fast 500.000 Euro ausgeben muss, von dem man vorher weiß, wie es endet, ist tatsächlich Geldverschwendung. Das man angeblich, mit Freude teilnimmt, wie man es nach dem ESC verkünden ließ, ist nur eine Behauptung und wird durch das Handeln des NDR nicht untermauert. Die VE wird erst um 22:00 Uhr gesendet, Werbung im linearen Fernsehen wird so gut wie gar nicht gemacht. Die VE wird in der kleinstmöglichen Halle abgehalten Von Freude an der Teilnahme am ESC habe ich in den Letzten Jahren was den NDR nix mitgekriegt. Nur das das alles ziemlich halbherzig war.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Der Blödsinn von „Europa hasst uns“ wird nicht wahrer wenn man in tausendfach wiederholt.🥱

Traffy
Traffy
2 Jahre zuvor

Anderer Gedankengang:
Werden in Lettland und Georgien, die ja nun seit Stockholm 2016 nicht mehr das Finale erreicht haben, auch die Köpfe so rauchen weil man überlegt wie es weiter gehen soll? Ob dort die Leute auf ein erneutes Halbfinal-Aus auch so extrem reagieren vonwegen „mimimi niemand mag uns“?

Was die genannten Herren angeht, war das ganze doch nur ein Versuch wieder für einen Augenblick relevant zu sein und den eigenen Namen in der Presse zu lesen (was ja scheinbar geklappt hat, den man spricht erneut, 3 Monate danach, wieder von besagten Herren).

Und ob eine Pause sich überhaupt lohnt für DE, wird man Testweise doch beim diesjährigen JESC sehen.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Traffy

Ich finde es nicht richtig, wie hier gegen Gottschalk und Gildo Horn gehetzt wird. Ihnen zu unterstellen, sie würden sich sonst nie für den ESC interessieren, ist absoluter Schwachsinn. Gottschalk selbst hat 1979 den deutschen Vorentscheid moderiert und Jahre später war er Kommentator für die ARD. Gildo Horn hat 1998 für Deutschland beim ESC teilgenommen und einen 7. Platz belegt. Beides sind integre Menschen, das man hier gegen sie so hetzt, nur weil sie ihre Meinung sagen, finde ich unverschämt.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Ähm, wie lange ist 1979 nun her?? Und 1998 war auch nicht gerade gestern.

Und dass ausgerechnet DU das Wort „unverschämt“in den Mund nimmst ist wirklich der Witz des Jahres.🤦‍♂️

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Gottschalk ist, VE-Moderation und Songcheck-Teilnahme hin oder her, doch in erster Linie ein Moderations-Söldner. Auch Babsi kann noch weitere hundert Jahre den VE moderieren – ein ernsthaftes Interesse an der Sache kann ich bei ihr bislang nicht erkennen. Auf diese Meriten würde ich daher auch nicht viel geben.

Bei Guildo ist das natürlich was Anderes.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

Ach ja: Gottschalk und Gildo Horn haben absolut recht. Das Ganze ist absolute Geldverschwendung. Zumal die EBU den ESC in eine Richtung lenkt, die mir absolut nicht gefällt. Die Abbafestspiele von Osterdahl schaue ich mir im nächsten Jahr jedenfalls nicht an.

floppy1992
Mitglied
floppy1992
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Was machst du dann noch hier auf der Seite?

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  floppy1992

Was machst du hier?

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  floppy1992

Das fragen sich glaube ich viele hier, erst groß ankündigen das wäre der letzte ESC gewesen und dann unter neuem Usernamen die Stimmung weiter vergiften.

AgnethaFrida
AgnethaFrida
2 Jahre zuvor

Toller Artikel, Rick, danke.

Stimme dir in allen Punkten zu, außer einem: bitte nicht Consi als Kommentator.

Bei Gottschalk zeigte sich wieder mal, dass er vom aktuellen Musikgeschehen keine Ahnung hat, ist irgendwo zwischen den Beatles und Sweet stehen geblieben. Sieht man in jeder Wetten, dass… Sendung. Ich denke manchmal, er ist schon etwas senil. Rückzug dringend angesagt um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  AgnethaFrida

Sorry, das geht zu weit. Mit Gottschalk. Seniler als so ein altes Abbamitglied, das ernsthaft Deutschland empfohlen hat, Schlager zum ESC zu schicken kann er ja nicht sein. Als ob wir Ratschläge von denen bräuchten.

AgnethaFrida
AgnethaFrida
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Als ob es jetzt um Björn ging…………natürlich war der Tipp Blödsinn.

Aber Thema hier ist Gottschalk. Und in meinen Augen, ist seine Zeit längst vorbei. Es traut sich nur niemand, es ihm zu sagen.

Thomas O.
Thomas O.
2 Jahre zuvor

Die „keiner mag mich“ Haltung sollte man eigentlich mit dem Erwachsen werden abgelegt haben, bei vielen kommt sie aber wohl im Alter zurück

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

Das deutsche Ergebnis war ein Schlag ins Gesicht, das Unverständnis über die Einmütigkeit bei Loreens Jury-Wertungen kam noch hinzu. Ich habe dieses Jahr nach 25 Jahren erstmals direkt nach der Verkündung des Siegers abgeschaltet, mir Loreens zweiten Auftritt und die After Show gar nicht mehr angesehen. Das tat echt ungemein weh, weil diese „Blamage“ ausnahmsweise mal aus dem Nichts kam und wirklich unverdient war.

Dennoch: Was Leute wie Gottschalk oder leider auch Guildo Horn im Anschluss so für Kommentare raushauen, um mal wieder schnelle und günstige Aufmerksamkeit zu bekommen … geschenkt. Ist das nicht mittlerweile längst ein alljährliches Ritual?
Und über Ikke Hüftgold muss man eigentlich auch kein Wort mehr verlieren. Sollte man auch gar nicht. Es genügt, bei Google unter „News“ zu gucken, um ganz schnell festzustellen, dass er allgemein bloß auf Krawall und Zustimmung aus der „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“-Fraktion aus ist. Da war ich bereits positiv überrascht, dass er auch im Nachhinein nicht auf Lord of the Lost selbst draufgehauen hat.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

Ich stimme zu das das deutsche Ergebnis wirklich ein absoluter Schlag in die Fresse war. Zumal, weil die Reaktion der internationalen Youtuber zuerst auch positiv war. Und man allgemein froh war, das Lord of The Lost die VE gewonnen hatte. Ich habe nicht erwartet, das sie das Ding gewinnnen, aber das sie deutlich besser abschneiden als die Jahre zuvor. Das deutliche Televotingergebniss sprach ja auch klar für Lotl. Dazu kam, diese offensichtliche Bevorteilung der Jury der Schweden an sich. Die EBU muss sich was überlegen, es kann nicht sein Televotingsieger, der so deutlich das Televoting gewonnen hat, von einer Jury so derart runtergewertet wird, das er nicht gewinnen kann. Ich wäre dafür, das das Televotingergebniss doppelt so viel zählen muss wie das Juryergebniss.

Jofan
Jofan
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

„runtergewertet“…
Ich lach mich schlapp, der war gut 🤣😅🤣!
Für mich war die Sensation (in negativer Hinsicht) eher, dass es der Vollplayback-Brüll-Song vom grünen Monster auf Platz 4 der Jurywertung geschafft hat. Die Juries sind dafür da, Qualität objektiv zu bewerten – und da gehörte der Ramsch-Song aus Finnland eher auf Platz 4 von unten…
Warum waren Loreen, Noa Kirel und Alika bei den Juries denn so gut? Richtig, weil sie mit Abstand die besten Stimmleistungen gezeigt haben, im Semi und Finale, und genau das von den Juries bewertet werden soll.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

@ Jofan

Noa Kirel war kein Ramsch?

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

Es ist unbestritten, dass es sowohl für „Blood and glitter“ als auch für „Cha cha cha“ in der Fan-Bubble einen ziemlichen Hype gab (bei „Blood and glitter“ nur in der deutschen Fan-Bubble – im internationalen OGAE-Voting lag der Titel ja auch weit hinten), die Ergebnisse waren aber, bis auf das viel zu hohe Televote-Ergebnis für „Cha cha cha“, meines Erachtens sehr verdient und ich war nach Wertungsende endlich mal wieder richtig glücklich.

Der deutsche Fan-Hype um „Blood and glitter“ mag in der sympathischen Art der Gruppenmitglieder begründet gewesen sein, in der Ehrfurcht vor einer Iron-Maiden-Begleitgruppe und in der Genugtuung, einen Schlagertitel verhindert zu haben, am Lied selber kann’s aber doch nicht wirklich gelegen haben.

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor

Das „richtig glücklich“ bezog sich auf Loreens Sieg, nicht auf den letzten Platz (der meine gute Laune aber auch nicht getrübt hat), und auf Alessandras Vorpreschen durch das Televoting.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

Naja, selbst wenn man das Lied nicht mochte, kann man aber ja, glaube ich, auch sogar objektiv festhalten, dass es zumindest besser war als die Darbietungen Blankas, Mae Müllers oder womöglich (da scheiden sich die Geister) Let 3s.

Ein letzter Platz sollte theoretisch für die Manel Navarros und Jendriks des Jahrgangs vorbehalten sein. Leider gehört es aber auch zu den ungeschriebenen Gesetzen des ESC, dass es dann doch häufiger anständige bis gute Sachen wie „O Jardim“, die Makemakes oder Jamie-Lee trifft. 🤷🏻‍♂️

Thomas M. (mit Punkt)
Thomas M. (mit Punkt)
2 Jahre zuvor

„I wrote a song“ und „Solo“ waren wirklich gute Songs, und das ist für mich wichtiger als der Auftritt. Let 3s Beitrag hätte von mir aus gerne die rote Laterne hinter „Blood and Glitter“ einnehmen dürfen.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

In einem stimme ich Dir zu: Die Ergebnisse waren 2023 wirklich schlimm; wahrscheinlich die schlimmsten seit 2008. Ich habe nach dem Voting ein großes Gefühl der Leere verspürt. Wir haben einen komplett irrelevanten Siegertitel, und dann haben auch noch die fürchterlichen Machwerke aus Israel und Norwegen die TOP 5 erreicht. Der Publikumsliebling war zwar flott, aber leider nicht mit Livegesang vorgetragen. 2022 hatte sich dieser Trend mit dem Erfolg der Gruselnummern aus dem Vereinigten Königreich und Spanien bereits angekündigt, während das Ergebnis 2021 für mich perfekt war. Hoffentlich lässt sich der Trend zu Langweilerpop, grell geschminkten Gymnastiknummern und Haudraufvorschlägen mit kurzem Haltbarkeitsdatum noch mal umkehren.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

ceterum

Abgesehen von Norwegen stimme ich dir zu, lediglich das Abschneiden von Italien hat mich einigermaßen versöhnlich gestimmt.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor

ceterum

Das gute Abschneiden von Israel dieses Jahr hat mich noch ratloser zurückgelassen wie Loreens Sieg.
„You wanna see me dance“. – Hallo??? Kam mir doch schon etwas selbstverliebt vor, die Dame. Fand ich noch um einiges schlimmer als Chanel letztes Jahr.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

Norwegen war für mich okay, da verstehe ich den Appeal. Israel lässt mich allerdings auch komplett ratlos zurück. Was wurde da eigentlich von allen Seiten belohnt? Die Choreographie? Das Lied kann es jedenfalls nicht gewesen sein, von „einem“ Lied konnte man bei diesem akustischen Hackepeter ja gar nicht erst reden. 🤷🏻‍♂️

Und ja, 2021 war in fast jeder Hinsicht ein perfekter Jahrgang. Ich habe auch ein Bisschen die Befürchtung, dass das der Gipfel war und 2022 eine Trendumkehr zum Schlechteren eingeläutet hat; wir qualitativ bald wieder auf dem Niveau der frühen 10er oder noch schlimmer der düsteren 00er-Jahre rumkrebsen.

Dirtsa
Dirtsa
2 Jahre zuvor

Stimme in fast allem zu.
Das Voting war für mich auch sehr schlimm! Es fühlte sich so falsch an. All die 12 Punkte für Schweden …. Israel konnte ich auch nichts abgewinnen.
Finnland und Norwegen mochte ich allerdings.
2021 war auch für mich das Top-ESC-Jahr. Super Top 10. Vielleicht nicht alle in meiner Reihenfolge und 2 Ausreißer, aber immerhin!
Für mich wären die Top 10 so gewesen:
1.Finnland, 2.Frankreich, 3.Ukraine, 4.Italien, 5.Schweiz, 6.Island, 7-Litauen, 8.Russland, 9.Bulgarien, 10.Belgien

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

@ Dirtsa

Ich gehe mit deiner Top 10 einhundertprozentig mit! 👍

Christliches
Christliches
2 Jahre zuvor

Ich befürchte, wenn Deutschland paar Jahre aussetzen würde, im ESC Universum würde es nicht auffallen und vermissen würde unsere Songs im Contest auch keiner.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Christliches

Das Geld aus Deutschland würde die EBU schon vermissen und vor allen Dingen die Einschaltquoten.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Die deutschen Teilnahmegebühren kommen für nicht mal 3 % des Gesamtbudgets auf, finanziell ist die deutsche Teilnahme also ein Sack Reis. Politisch/Image-technisch wäre das natürlich was anderes. Aber der ESC hat auch die portugiesischen, israelischen und österreichischen Auszeiten gut überstanden, also sollte man auch da nicht glauben, dass nach Deutschland groß ein Hahn krähen würde.

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor

Ich weiß nicht wie ihr jetzt da alle „mitgeht“, aber ich würde halt wirklich sehr gerne mal wieder einen Schlager als deutschen ESC-Song haben. Einfach nur mal um zu schauen wie ein „Schlager“ aktuell so beim ESC ankommt. Für dieses Experiment würde ich sogar noch ein weiteres Jahr einen letzten Platz in Kauf nehmen. Natürlich ein guter Schlager, vielleicht auch noch gepaart mit einem emotionalen Text und nicht so typischen Schlager-Floskeln wie „Deine Liebe zu mir brennt in meiner Seele wie Feuer“. Als Beispiel hier nehme ich gerne immer Eric Philippi, welcher nicht nur singt, sondern seine Songs auch selbst (mit)schreibt und auch für andere Songs verfasst.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

@AlexESC

Nein danke, Schlager und auch Deutschrap sind so zwei Musikrichtungen die bei mir einen extrem starken Fluchtreflex auslösen.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

@AlexESC

Wäre Schlager gegenüber nicht generell abgeneigt. Dann sollte er aber eher wie „Wer Liebe lebt“ klingen als wie „Lied mit gutem Text“, also schon gut gemacht sein, mit Niveau und nicht nach Ballermann klingen.
A pro pro, „Wer Liebe lebt“: Dieser Titel hat es mit reinem Televoting immerhin auf Platz 8 geschafft, und 2001 waren Österreich und die Schweiz noch nicht einmal vertreten, möglicherweise hätte der Song noch ein etwas höher landen können.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Grundsätzlich: Warum nicht? Mit dem Kirmes-Schlager einer Helene würde man aber sicherlich keinen Blumentopf gewinnen. Da bin ich ganz bei Gaby: Wenn, dann müsste das schon noch eine gewisse Eleganz haben – so wie eben „Wer Liebe lebt“.

Dirtsa
Dirtsa
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Schlager sind in der Regel so gar nicht meins! Gibt nur wenige niveauvolle Ausnahmen. Ich habe z.B. immer Udo Jürgens gerne gehört oder einige Lieder von Juliane Werding. (sind das Schlager oder irgendwas anderes?)
Lieder in deutscher Sprache an sich fände ich schon interessant, aber gerne aus einem anderen Genre. Singer Songwriter oder wirklich gut gemachte Pop-Musik und für mich auch gerne wieder Rock oder Metal oder Mittelalter-Bands wie Saltatio Mortis oder Feuerschwanz oder Faun …. gerne auch Patty Gurdy mit einem Lied, das sich nicht so anhört, als wäre es extra für den ESC geschrieben, sie hat wirklich ein tolles Repertoir, sogar (wenn auch weniges) in deutsch.
Aber in einem Vorentscheid würde ich nie deutsche Musik wählen, nur wegen der Sprache. Das Lied muss mir eben am besten gefallen.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  Dirtsa

Juliane Werding.😍😍😍

Ihre Lieder und vor allem ihre Texte sind viel zu anspruchsvoll für Schlager. Bin immer noch großer Fan von ihrer Musik.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Ich bin generell gegenüber Deutschsprachige Musik (Nicht nur Schlager) nicht abgeneigt. Wenn Schlager, dann aber kein Ballermannschlager. Wenn Rap, dann aber bitte kein Rapper a la Fahrid Bang. Mehr so in Richtung von Seeed oder Fantastische Vier. Sollte es jemals so weit kommen, wäre ich dafür das man bis zu 20 Songs aussucht. Die Hälfte davon sollte Deutschsprachig sein, die andere kann Englischsprachige oder in anderen Sprachen gesungen werden. Es gibt 2 Halbfinale mit jeweils 10 Song. Das eine Halbfinale besteht nur aus deutschsprachigen Songs, egal ob Schlager, Rap oder Rock. Das zweite Halbfinale besteht aus fremdsprachigen Songs. Auch da ist das Genre egal. Jeweils 5 aus den Halbfinale kommen ins Finale.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

OT: Ich weiß nicht wohin damit also poste ich es mal hier. 😉

Kann sein dass ich etwas hobbylos bin, aber ich habe eine vierwöchige Langzeitbeobachtung gestartet da ichwollte wissen wie oft der Siegertitel von Loreen bei den großen Sendern läuft, habe es gleichzeitig mit „Snap“ von Rosa Linn verglichen weil ich wissen wollte wie oft der Song nach über einem Jahr immer noch läuft. Habe mir dafür alle neun Popwellen der ARD sowie 15 große private Radiosender rausgepickt.

Kleine Info noch: Erhebe damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bei manchen Sendern funktionierte an ein paar Tagen die Anzeige der Playlist nicht so ganz, die endete da z.B. um 12:00 Uhr. Kann also sein dass mir ein paar Einsätze durch die Lappen gegangen sind.

Beobachtungszeitraum: 10.07.2023-06.08.2023

Zuerst die Popwellen der ARD:

NDR 2 – Tattoo 0x, Snap 54x
WDR 2 – Tattoo 0x, Snap 30x
Bremen Vier – Tattoo 0x, Snap 43x
Antenne Brandenburg – Tattoo 4x, Snap 5x
SR 1 – Tattoo 52x, Snap 26x
MDR Jump – Tattoo 40x, Snap 42x
hr3 – Tattoo 1x, Snap 61x
SWR 3 – Tattoo 0x, Snap 37x
Bayern 3 – Tattoo 1x, Snap 57x

Mit Ausnahme von SR1 und MDR Jump hat „Tattoo“ bei den Popwellen einen ziemlich schweren Stand. Interessanterweise hat NDR 2 in der Woche bevor ich angefangen habe den Song von Loreen noch gespielt, danach aber gar nicht mehr.

Aus der Reihe tanzt da Antenne Brandenburg wo beide Songs eher selten laufen. Finde es generell eigenartig dass der Sender mittlerweile als „Popwelle“ gilt, die Musik ist eher ein Gemischtwarenladen von Oldies aus den Sechzigern bis aktuellen Hits.

Nun zu den Privasendern,ich schreibe dazu wenn nicht klar ersichtlich ist in welchen Bundesländern die Sender verortet sind.

Antenne Bayern – Tattoo 12x, Snap 41x
Radio Regenbogen (Baden-Württemberg) – Tattoo 0x, Snap 46x
RPR1 (Rheinland-Pfalz) – Tattoo 0x, Snap 28x
Hitradio FFH (Hesen) – Tattoo 3x, Snap 50x
Radio Salü (Saarland) – Tattoo 0x, Snap 154x
Antenne Thüringen – Tattoo 0x, Snap 57x
Radio PSR (Sachsen) – Tattoo 16x, Snap 7x
Radio SAW (Sachsen-Anhalt) – Tattoo 0x, Snap 46x
BB Radio (Brandenburg) – Tattoo 72x, Snap 37x
Hitradio Ostseewelle (Mecklenburg-Vorpommern) – Tattoo 0x, Snap 64x
radio ffn (Niedersachsen) – Tattoo 4x, Snap 96x
Radio Hamburg – Tattoo 0x, Snap 12x
RSH (Schleswig-Holstein) – Tattoo 6x, Snap 59x
104.6 RTL (Berlin) – Tattoo 131x, Snap 131x
94,3 rs 2 (Berlin) – Tattoo 45x, Snap 40x

Auch bei den Privatsendern gilt dass „Tattoo“ entweder sehr oft oder gar nicht gespielt wird. Man muss auch sagen dass manche Sender (Radio PSR, Antenne Bayern, 94,3 sr2) den Song nur in der ersten Woche meines Beobachtungszeitraums (10.07.2023-16.07.2023) gespielt haben und danach abrupt überhaupt gar nicht mehr, während er bei BB Radio genau dann plötzlich in die Hot Rotation kam. Echt komisch finde ich.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Da haste dir zugegeben, wirklich viel Mühe gegeben. RESPEKT.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor

Bin auf jeden Fall froh, dass sich offenbar die „Niederlage“ nicht negativ auf die Karriere von LOTL ausgewirkt hat. Im Gegenteil, ich denke, sie haben noch einige Fans hinzugewonnen.😊

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Auch das ist, wie schon der anhaltende Erfolg von Malik, wirklich eine gute Sache. Hoffentlich erhöht sich so die Bereitschaft der Künstler, den ESC in Erwägung zu ziehen.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

In der Rockbubble werden sie wohl immer noch gern gesehen. Sie waren ja auch in Wacken. So ähnlich wie damals bei dem unvergesslichen Roger Cicero. Schlechtes ESC-Ergebnis, aber seiner Karriere hats nicht geschadet. Wenn man sich als Künstler in seinem Genre, einen Namen gemacht hat, kann man auch nach dem ESC noch ne gute Karriere haben, auch wenn man nicht gut abgeschnitten hat.

Funi_Cula
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Obwohl man einen 19. Platz wie damals bei Cicero aus heutiger Sicht ja ganz gerne mal wieder nehmen würde.

Dirtsa
Dirtsa
2 Jahre zuvor
Reply to  Gaby

Sie haben auf jeden Fall Fans hinzugewonnen, ich gehöre zu ihnen!
Als ich in Wolfsburg in der Schlange zum Konzert stand, habe ich nette Bekanntschaften gemacht. Etwa die Hälfte davon waren Fans schon vorm ESC, die ander Hälfte ist genau wie ich nicht bei „Blood and Glitter“ stehen geblieben, sondern haben tiefer gebuddelt und dabei ein unglaublich weit gefechertes musikalisches Repertoir gefunden, das einfach fasziniert und gefangen nimmt. Auch war das Publikum sehr gemischt. Von typischen Gothik-Outfits über Band-T-Shirts bis zu ganz normalen Klamotten. Von Kindern bis Großeltern.
Allen, denen „Blood and Glitter“ zu heftig war, empfehle ich mal 2 Videos mit absolut anderem Sound: „My constellation“(Live at SINISTER SUMMER STREAM) und „Lost in a heartbeat“. Anhören und genießen!
Und es gibt auch Menschen, die den ESC nicht ansehen, aber den ersten und den letzten Platz auschecken! Habe schon einige Reaktionen gelesenn: „This came last?“

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor

Acht Gott, das „alle hassen uns“ Gejammer unseres Blog-„Deutsch-Nationalen“ ist mal wieder ausser Kontrolle. Wahrscheinlich keift er auch auf einem Disney-Blog, dass Leute Ctelle DeVil gegenüber unfair sind. Können wir diesen unangenehmen Troll bitte gegen das irgendwie amüsante Orakel eintauschen?

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

Also 1. Bin ich nicht Deutsch-National, diese Unterstellung verbitte ich mir, Freundchen. 2.Ist hier nicht viel mit dem angeblich toleranten und respektvollen Umgang, wenn man hier nicht mit dem Mainstream schwimmt. Da wird ein hochgeachteter deutscher Promi schon mal als „senil“ beschimpft, nur weil er eine andere Meinung hat.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Also ich fand Gottschalk schon immer doof und konnte ihn nie länger als 5 Minuten ertragen. Oberflächliche Selbstdarsteller mit offensichlichen Bildungsdefiziten waren noch nie so mein Ding.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

@disneyfan5000

Schon mal den Spruch „getroffene Hunde bellen“ gehört??😉

ceterum

Als Kind habe ich „Wetten dass“ noch gerne geschaut, je älter ich wurde desto langweiliger fand ich es und desto nerviger fand ich den Gottschalk.

Gaby
Gaby
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

ceterum

Bin ja auch kein Gottschalk-Fan. Würde ihm jetzt aber keine mangelnde Bildung unterstellen, dafür kenne ich ihn, ehrlich gesagt, auch zu wenig. Hab Wetten dass… auch nie wirklich verfolgt.
Aber selbst wenn es so wäre, was ich noch gar nicht mal glaube, macht das alleine noch keinen Menschen aus, wie ich finde. Gibt z. B. AkerdemikerInnen, die ich persönlich richtig blöd finde, menschlich gesehen.

Natürlich, seine Einlassung zum Thema ESC war richtig dämlich, aber ich vermute mal, da wollte er sich einfach mal wieder ins Gespräch bringen.😉

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Gottschalk ist wie viele Promis zu lange geblieben und dazu auch immer wieder omnipräsent. Er hält sich wie die Schöneberger, weil er halt kein überscripteter Moderationsroboter wie Pflaume, Kerner, Pilawa… ist. Auf das Level von Carrell/Rosenthal/Kulenkampf kömmen aber beide nicht, sie spielen immer wieder die exakt gleiche Nummer ab.
Wetten dass fand ich lange genial, finde auch gut, dass die Show jetzt wieder einmal im Jahr läuft (ich gucke ansonsten keine der zahlreichen aufgeblähten Quizshows, ein Format, das wie Krimis in Deutschland anscheinend bis ans Ende der Zeit laufen wird). Ich hoffe, die Sendung wird nach seinem Rücktritt weitergeführt, bin mir allerdings nicht klar, wer moderieren sollte, man braucht halt einen gewissen Witz und Spontanität.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor

@ Ihr Lieben weiter oben, die Biene Maja scheint hier auf ESCK ja doch einige Freunde zu haben. 🙂🤔
Die Ergebnisse 2021 grenzten für mich an ein Wunder: 9 meiner persönlichen TOP 10 fanden sich am Ende in den tatsächlichen TOP 10 wieder. Nur Griechenland, das Platz 10 belegte, hatte ich lediglich auf dem 12. Platz. Dafür wurde mein 10. Platz Portugal in der wirklichen Welt 12 … Wie gesagt: ein Wunder. 😇

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

2021 bestand ja praktischerweise fast das gesamte Feld nur aus Knallern: Måneskin, Barbara Pravi, Gjon’s Tears, Dadi, Go_A, Blind Channel, The Roop, Manizha, Victoria, die überraschend guten The black Mamba, Hooverphonic, Senhit …

Selbst Nummern, die ich nicht so pralle fand, haben immer noch großen Unterhaltungswert geboten: Ob nun Destiny, Stefania oder Hurricane – alle toll auf die Bühne gebracht. Und über Tix, Natalia Gordienko, Jendrik und die armselige Inszenierung von James Newman konnte man sich auf der Couch immerhin noch vortrefflich beömmeln.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

Jetzt hast Du mich daran erinnert, dass ich Victoria auf dem 11. Platz hatte und sie dann auch 11. geworden ist. Das ist schon fast unheimlich. Und ja, die 4 aus dem Kuriositätenkabinett, die Du auflistest, haben wenigstens 3 Minuten lang unterhalten, wenn auch auf fragwürdige Art und Weise. Immer wenn ich Natalia Gs Auftitt sehe, muss ich an Siw Malmkvist denken: Primaballerina, Primaballerina … ♫♪♫

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

Fand auch, dass die Top 10 in unwahrscheinlichen acht von zehn Fällen in Ordnung gingen (würde nur Malta und Griechenland ersetzen). Das kam noch hinzu, wobei ich eigentlich schon zufrieden bin, wenn ich mit dem Sieger einigermaßen d’accord bin.

Natalia Gordienko wurde von einem Kumpel kurzerhand zum „Islamischen Staat des ESC“ erklärt. Das wäre für mich, wenn überhaupt, dann zwar „unser“ „Künstler“ gewesen. Aber dass selbst ihr Mikrofon weg von Natalia Gordienko wollte, fand ich sehr bezeichnend. 😁

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Nils

Jendrik fand ich lustig, nur gesanglich war es schwierig. Bei James Newman hat der Song irgendwie nicht zum Sänger gepasst. Die Doppelnull fand ich aber trotzdem schlimm.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

@ESC-Fan1994: Ich würde ja auch dir nicht unterstellen das du eine bestimmte politische Neigung hast, obwohl du gegen alles und jeden hetzt, der nicht deiner Meinung ist. Dafür kenne ich dich zu wenig.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Tja, dann lies dir mal deine eigenen Postings über einen längeren Zeitraum nicht und frage dich mal warum du diesen Ruf hast.🤷🏻‍♂️

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Ups,sollte „durch“ heißen.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Ich kenne meine Beiträge und stehe auch zu ihnen. Ich bezeichne mich trotzdem nicht als Deutsch-National und wehre mich dagegen. Im Gegenteil. Ich verstehe auch nicht, warum es so derart verpöhnt ist, sich erst mal für die eigenen Beiträge zu interessieren. Ist doch in anderen Ländern auch so. Oder glaubst du etwa, das die sich dafür interessieren, wie gut andere Songs abschneiden, die nicht aus ihren Ländern stammen? Beim Fussball bin ich ja auch nur für die Deutsche Mannschaft und jubel nicht für die anderen.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Ich sag’s ja, brauchst dich nicht wundern.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

ceterum: Natürlich kannst du Gottschalk doof finden, ändert aber nix an der Tatsache, das er seit Jahrzehnten sehr erfolgreich in der Deutschen Fernsehunterhaltung auf verschiedenen Sendern arbeitet. Jetzt aktuell bei RTL. Und ungebildet ist Gottschalk auch nicht, ich glaube er hat sogar eine Lehrerausbildung. Er zieht sich aber so langsam zurück, bei Wetten Dass wird er aufhören.

togravus ceterum
Mitglied
2 Jahre zuvor

„Beim Fussball bin ich ja auch nur für die Deutsche Mannschaft und jubel nicht für die anderen.“

Quod erat demonstrandum … 🙁

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

ceterum

Ich sag´s ja, bei solchen Posts braucht man sich nicht wundern wenn der Ruf im Eimer ist.

4porcelli - The 🦦's the best
4porcelli - The 🦦's the best
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

ESC1994 -es hat inzwischen wirklich was von Selbstparodie. Und das kann ich so sagen, ich lasse mir den Mund nicht verbieten!

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

@4porcelli

Finde sowas ja eh ziemlich lächerlich. Erst mit großem Bohei sagen dass wäre der letzte ESC gewesen und man würde sich verabschieden und dann doch weiter die Stimmung vermiesen, nur unter neuem Namen.

Thilo mit Bobby
Mitglied
Thilo mit Bobby
2 Jahre zuvor

@ Disneyfan5000 natürlich ist es okay für den eigenen Beitrag zu sein oder mit dem eigenen Land mit zu fiebern. Komisch wird das nur wenn alles andere unwichtig ist. Gerade beim ESC gibt es soviel mehr tolle Songs als nur der eigene Beitrag. Und beim Fußball freue ich mich auch für andere Länder die gegeneinander spielen.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor

👍

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

Agree to Disagree. Kann ja nix dafür, wenn ihr so intolerant seid. Freuen ist ein starkes Wort. Ich habe zum Beispiel das Ergebniss des letzten WM-Finals zur Kenntnis genommen. Ehrlich gesagt ging mir das am sonstwo vorbei.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor

@Thilo mit Bobby

Mit diesem User darüber zu diskutieren ist absolut sinnlos, der kapiert es niemals.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

@ESC-1994: Als wäre mit dir zu diskutieren, eine ewig Quell der Freude. Du bist ja nur froh, wenn du gegen andere hetzen kannst.

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Hahahaha!! Du bist ja witzig. Ich „hetze“ nicht, wenn man wie du dauernd irgendwelchen Blödsinn laberst muss man halt mit Gegenwind rechnen. Wenn du keinen Bock drauf hast dann hör auf Blödsinn zu verbreiten, wenn nicht musst du halt damit leben, simple as that.🤷🏻‍♂️

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  ESC1994

Du tust es doch gerade wieder. Wir haben beide verschiedene Meinungen. Punkt. Lass es dabei bewenden. Du hast deine Meinung und ich meine. Ich akzeptiere deine Haltung und du meine. Dann ist alles gut.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor

Das Einzige was ich Lord of The Lost ein wenig Übel genommen habe, das sie nicht über ihren Schatten springen konnten, und bei der Vorstellung der Künstler nicht mit der Deutschlandfahne eingelaufen sind. Alle anderen Künstler sind mit ihrer Nationalflagge eingelaufen. Wie das Verhältnis der Band privat dazu ist, ist ihre Sache, aber in Liverpool waren sie offizielle Vertreter unseres Landes, da hätten sie mal ne Ausnahme machen können. Sah einfach nur doof aus, das sie als Einzige ohne Flagge eingelaufen sind.

Edelweiß
Edelweiß
2 Jahre zuvor

Natürlich hat’s der NDR wieder verbockt! Blöd & Glitter war wieder der Einäugige unter den Blinden, wir konnten wieder einmal nur das kleinste Übel wählen.
Gottschalk hat keine Ahnung, vom ESC nicht und nicht von einer guten Moderation der Show. Wer den eitlen Dampfplauderer und Selbstdarsteller Constantin Zöller vorschlägt. disqualifiziert sich. Schon vergessen: Die peinlichen Fremdschäm-Interviews und Spielchen des Herrn Zöller mit den Kandidaten vor Ort in Liverpool – more than embarrassing.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Edelweiß

ich fand Consi in Liverpool witzig. Ob ihn das aber als neuen Kommentator qualifiziert, ist natürlich diskutabel. Ich hätte lieber ein Kommentator der der Allgemeinheit bekannter ist. Es muss auch nicht wie in den letzten 26 Jahren immer der selbe Kommentator sein. Vor 1997 haben sich die Kommentatoren für die ARD beim ESC ständig abgewechselt.

disneyfan5000
disneyfan5000
2 Jahre zuvor
Reply to  Edelweiß

Gottschalk ist ja nur Jahrzehnte als Moderator in der deutschen Unterhaltungsbranche erfolgreich tätig, da hast du natürlich mehr Ahnung von guten Moderatoren.

Edelweiß
Edelweiß
2 Jahre zuvor
Reply to  disneyfan5000

Ja, ein paar Jahrzehnte zuviel ist Gottschalk als Moderator tätig. Er war mal gut. Aber das ist lange her. Jetzt zehrt er nur noch von seinem Nimbus.

eurovision-berlin
2 Jahre zuvor

Horn: „„Mein Tipp: Einfach mal pausieren und das gesparte Geld vernünftig investieren.“ Ich finde, der NDR sollte seine Pause langsam mal beenden :-)))
Und für die ARD ist die Eurovision als eine internationale Show, die auf jeden Fall Zuschauer garantiert, nicht teuer.
Und momentan ist es ja nicht nur die Eurovision. Wir werden ja mit allen erdenklichen Mitteln vor der Weltöffentlichkeit lächerlich gemacht.

Stellar
Stellar
2 Jahre zuvor

hellen

Stellar
Stellar
2 Jahre zuvor

ILLUMINATI BROTHERHOOD TEMPLE“ GRÜSSE! HERZLICHE GRÜSSE, DASS SIE MITGLIED DER GROSSEN ILLUMINATI WERDEN, WIR HERZLICH WILLKOMMEN. WERDEN SIE TEIL VON ETWAS PROFITABLEM UND BESONDEREM (WILLKOMMEN IN DER WELT DER ILLUMINATI). Sind Sie ein Politiker, Ingenieur, Arzt, Entertainer, Model? , ABSCHLUSS/STUDENT, ODER SIE HABEN VOR, IHR UNTERNEHMEN ZU ERWEITERN, um GROSSE KÖPFE ZU WERDEN. Es ist wichtig, auch zu wissen, dass Sie als Mitglied die Summe von 1.000.000 USD als ersten Vorteil der Illuminati-Mitgliedschaft verdienen können. Klären Sie Ihre Zweifel oder Angst, ich bin echt. NUTZE DIE GOLDENE „GELEGENHEIT“ Die große Illuminati-Organisation macht dich reich und berühmt in der Welt, sie wird dich von der Basis herausziehen und dich zu einer größeren Höhe führen, wo du schon lange sein und zusammen sein wolltest Wir werden die Welt mit der großen und mächtigen Macht der Illuminaten regieren, ein langes Leben und Wohlstand hier auf der Erde mit ewigem Leben und Jubel. Vertrauen Sie mir, ich gebe Ihnen mein Wort. Begleiten Sie uns für weitere Informationen WhatsApp Plus zwei drei vier acht null fünf fünf vier fünf neun sieben fünf sieben

ESC1994
ESC1994
2 Jahre zuvor
Reply to  Stellar

Ähm, ich glaube das ist nicht die richtige Seite für sowas.

Stellar
Stellar
2 Jahre zuvor

Dies ist meine Aussage darüber, wie ich mich schließlich der neuen Weltordnung, den Illuminati, angeschlossen habe, nachdem ich schon seit über zwei Jahren versucht habe, beizutreten, aber Betrüger mir mehrmals Geld weggenommen haben. Ich habe schon so lange versucht, den Illuminaten beizutreten, aber Betrüger stehlen mir weiterhin Geld, bis ich mich Anfang dieses Jahres online mit Lord Felix Morgan treffe. Ich kontaktierte ihn und erklärte ihm alles. Er empfahl mir die Registrierung und ich bezahlte Ein großes Mitglied hat mir den Einstieg erleichtert und ich wurde in die Weltordnung eingeweiht. Nach Abschluss meiner Einweihung erhalte ich die Summe von 1.000.000 US-Dollar. Ich bin sehr glücklich! Und versprechen Sie, die gute Arbeit von Lord Felix Morgan zu verbreiten. Wenn Sie noch heute daran interessiert sind, der neuen Weltordnung der Illuminati beizutreten, wenden Sie sich noch heute an Lord Felix Morgan. Er ist Ihre beste Chance, Mitglied der Illuminati zu werden, die Sie sich immer wünschen. Kontaktieren Sie Lord Felix Morgan per WhatsApp Plus zwei drei vier acht null fünf fünf vier fünf neun sieben fünf sieben

Danke______ Ro bin Son.Bu Ckl Er (@ Ya Ho O .C O M
Danke______ Ro bin Son.Bu Ckl Er (@ Ya Ho O .C O M
2 Jahre zuvor

ch freue mich, meinen Ex-Liebhaber zurück zu haben._____________________________________

(Lass den Ex zurückkommen.

Mirabel
Mirabel
1 Jahr zuvor

Dies ist mein Zeugnis darüber, wie ich mich schließlich der neuen Weltordnung, den Illuminaten, angeschlossen habe, nachdem ich nun schon seit über 2 Jahren versucht habe, beizutreten, aber Betrüger mir mehrmals Geld abgenommen haben. Ich habe so lange versucht, den Illuminaten beizutreten, aber Betrüger nehmen mir immer wieder mein Geld ab, bis ich Anfang dieses Jahres Lord Felix Morgan online traf. Ich kontaktierte ihn und erklärte ihm alles und er empfahl mir die Registrierung und ich bezahlte für die große Mitgliedschaft, um mich einzuarbeiten und ich wurde in die Weltordnung aufgenommen und erhielt nach meiner Aufnahme die Summe von 1.000.000 US-Dollar. Ich bin sehr glücklich! Und ich verspreche, die gute Arbeit von Lord Felix Morgan zu verbreiten. Wenn Sie daran interessiert sind, heute der neuen Weltordnung, den Illuminaten, beizutreten, kontaktieren Sie Lord Felix Morgan noch heute. Er ist Ihre beste Chance, die Mitgliedschaft bei den Illuminaten zu erlangen, die Sie sich immer gewünscht haben. Kontaktieren Sie Lord Felix Morgan per E-Mail: Illuminatiofficial565gmail.com oder WhatsApp Plus zwei drei vier acht null fünf fünf vier fünf neun sieben fünf sieben

GRACE
GRACE
1 Jahr zuvor

ZEUGNIS, WIE ICH MIT HILFE DER ILLUMINATI ÜBERSCHRITTEN MILLIONÄR WURDE Hallo Zuschauer, ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Lord Alexander Smith zu danken, der mir schließlich half, ein vollwertiges Mitglied der Großen Illuminaten-Bruderschaft zu werden, und nun lebe ich ein glückliches Leben. Ich bin Lord Alexander Smith dankbar. Ich war einst mittellos und lebte in extremer Armut, mein Lebensstandard wurde so niedrig, dass ich sogar an Selbstmord dachte. Ich war zutiefst von Armut erdrückt und hatte niemanden, der mir half. Essen war für mich und meine Familie ein Problem. Bis ich einen großen, großzügigen Erleuchteten namens Lord Alexander Smith traf, der mir sagte, ich müsse nicht sterben, und mich in das Reich von Reichtum und Ruhm einführte. Er sagte mir, ich solle meinen Mitgliedsantrag besorgen, was ich tat, und er sagte mir, ich solle mich auf meinen Aufnahmetag vorbereiten und dass alle neuen Mitglieder an meinem Aufnahmetag eine Belohnung von 1.000.000 USD in bar erhalten würden. Ich war so glücklich. so wurde ich in die Welt der Illuminaten eingeweiht und einige Tage später ausgezeichnet. Wenn Sie ihre Hilfe benötigen, kontaktieren Sie Lord Harris über WhatsApp +1 313 844 5374

Prof van Dusen
Prof van Dusen
9 Monate zuvor

Michael Koser: Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988)

Erzählerin: Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser.

Hatch: Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6. Juni 1903, wir saßen beim Frühstück, und fühlten uns wohl, es war rundherumschön.

Hatch: Herrliches Wetter Prof.

vanDusen: Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräsizen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise.

Hatch: Aber Prof, ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter.

vanDusen: Ganz recht, und was hätten sie sagen sollen.

Hatch: Weiß ich doch nicht, ich bin schließlich kein Metero Meteo na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wirds doch ganz anders.

vanDusen: Nicht nur ein Meteorologe, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken, wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigen Lokalitäten herangeführt wird, der wolkenlose oder allenfalls.

Hatch: Little Bacon ist ein idyllisches Dörfchen in Mittelengland, nicht weit von der Stadt Worchester, wo sie die berühmte Soße machen, da gibt es eine Kirche aus dem Mittelalter, einen soliden Gasthof mit ländlicher Küche und gepflegtem Bier, romantische Fachwerkhäuser, Efeu, Heckenrosen, ein richtiges kleines Paradies, und wenn sie noch nicht in Little Bacon waren, meine Damen und Herren, dann gebe ich ihnen einen guten Rat, lassen sie es auch in Zukunft bleiben.

Baconsfield: Morgen die Herren, herrliches Wetter heute, was?

Hatch: Sie meinen ein dynamisches Hochdruckgebiet wodurch Warmluft aus den Subtropen.

vanDusen: Hatch, und was sie betrifft, Sir, ich habe sie nicht aufgefordert, an meinem Tisch platzzunehmen.

Baconsfield: Ach wissen Sie, Prof, was brauchts der Formen unter artverwandten Seelen, Milton oder Shakespeare egal, sie sind doch Prof van Dusen, dieser Superschnüffler aus Amerika.

vanDusen: Sir.

Hatch: Stehen Sie auf Fremder, gehen sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet äh wollte sagen sein Assistent und Chronist Hatch, Hutchinson Hatch.

Wirt: Herr Prof wünschen.

vanDusen: Haben sie die Güte, Herr Wirt dieses, dieses Subjekt von meinem Tisch zu entfernen.

Wirt: Aber Herr Prof, das geht nicht, das ist doch Mr Alastair.

vanDusen: So und wer oder was ist Mr Alastair.

Hatch: Mr Alastair war ein drahtiges Kerlchen ungefähr so alt und so groß wie der Prof, außerdem war er der ehrenwerte Alastair Baconsfield, der jüngere Bruder von Lord Hogsford und Lord Hogsford war in der Gegend die absolute Nr. 1, seit Jahrhunderten saß er d.h. seine Familie auf Schloß Hogsford, nur ein paar Minuten von Little Bacon entfernt, ihm gehörte fast alles Land um uns herum, sein Wort war Gesetz und darum war natürlich auch sein Bruder eine Respektsperson.

vanDusen: Das ist mir ganz und gar gleichgültig Sir, für mich sind sie ein Flegel.

Baconsfield: Regen Sie sich ab Prof und lassen sie mich auch mal zu Wort kommen, ich hab was für sie, ein Angebot.

vanDusen: Ich wünsche es nicht zu hören.

Baconsfield: Ein kriminologisches Angebot, auf Schloß Hogsford ist nämlich was passiert, das Verbrechen des Jahrhunderts könnte man sagen.

vanDusen: In der Tat Mr Baconsfield, äußern sie sich genauer, aber knapp, wenn ich bitten darf, präzise.

Hatch: Und von Anfang an.

Baconsfield: Ja also es geht um die Marquise von Hogsford.

vanDusen: Ein Mitglied ihrer Familie Mr Baconsfield.

Baconsfield: Das denn nun doch nicht, allerdings wenn sie meinen Bruder Cecil fragen, die Marquise gehört ihm müssen sie wissen.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen Mr Baconsfield.

Baconsfield: Sie ist eine Sau, die Marquise.

vanDusen: Wie bitte.

Baconsfield: Ein Schwein, na kennen sie doch Prof, so ein dickes fettes Tier das grunzt und sich im Dreck suhlt.

vanDusen: Ja ich weiß was ein Schwein ist, Mr Baconsfield.

Baconsfield: Na wunderbar, dann wirds ihnen ja nicht schwer fallen die Marquise zu finden, sie ist nämlich verschwunden, aus ihrem Stall, wahrscheinlich geklaut von unserem Nachbar Sir Pelhal Grenwil auf Woodhouse.

vanDusen: Mr Baconsfield.

Baconsfield: Die Marquis ist der Augapfel meines Bruders, wissen Sie, eine Berkshiresau, edelste Rasse, schon dreimal hat sie den großen Preis auf der Land-wirtschaftsausstellung gewonnen in Worcester und in diesem Sommer holt sie den Preis zum vierten Mal, deshalb ist ja Sir Palham so sauer weil für sein Vieh immer nur der zweite Platz bleibt.

vanDusen: Mr Baconsfield, gehe ich fehl in der Annahme, daß sie mir zumuten, den unbekannten Aufenthaltsort eines verschwundenen womöglich entwendeten Hausschweins, sus scrofa domesticus zu eruieren.

Baconsfield: Spucken Sie doch nicht so große Töne Prof, sie sollen rauskriegen, wo die Marquise steckt und was mit ihr passiert ist, so was ist doch ihr Job wie sie da drüben in Amerika sagen oder.

vanDusen: Entfernen sie sich Sir, auf der Stelle.

Baconsfield: Ist das ihr Ernst.

vanDusen: Mein voller Ernst, das versichere ich ihnen, hinaus.

Baconsfield: Alright, aber ich sag ihnen was, wir sprechen uns wieder, und zwar bald, wissen sie die Menschen hier sind ein besonderer Schlag, kernig, ein bißchen schlicht, aber treu, und auf den Adel lassen sie nichts kommen und sie finden es gar nicht schön, wenn man seiner Lordschaft in die Suppe spuckt, das werden sie noch merken Prof.

vanDusen: Ein besonderer Menschenschlag, wie wahr, vor einer halben Stunde belästigt mich der hiesige Krämer mit dem Ansinnen einen des Nachts stattgehabten Einbruchs Diebstahl in seinem Laden aufzuklären, einen Einbruchdiebstahl bei welchem gestohlen worden sein soll, was wars noch gleich.

Hatch: Ein großer schwarzer Luftballon und ein Eimer mit Farbe.

vanDusen: Und nachdem ich dieser, ich kann es nicht anders ausdrücken unverfrorenen Dreistigkeit die gebührende Abfuhr habe zu teil werden lassen, wagt man es mir, eine noch wahnwitzige Anmutung zu unterbreiten, ich Prof van Dusen der größte Amateurkriminologe, den die Welt je gesehen hat, ich soll eine abhanden gekommene Sau wieder zur Stelle schaffen, in der Tat, in dieser rustikalen Abgeschiedenheit scheinen Degeneration, Debilität, Idiotie, kurz der blanke Schwachsinn zu grassieren, wir reisen ab, gleich morgen.

Wirt: Tut mir leid Herr Prof, aber sie reisen heute noch, sofort, ihr Gepäck steht schon auf der Straße, hier ist die Rechnung.

Hatch: Wir wurden vor die Tür gesetzt, kurz aber nicht schmerzlos und ohne Begründung von ein paar kräftigen Hausknechten, telefonieren durften wir übrigens auch nicht.

Wirt: Nur wenn sie auf Schloß Hogsford anrufen und mit Mr Alister sprechen wollen, nein, dann machen sie daß sie weiterkommen.

Hatch: Wir wanderten zum kleinen Bahnhof von Litte Bacon, finster beäugt von den Dorfbewohnern, sauer und schwer bepackt, letzteres bezog sich natürlich nur auf meine Wenigkeit, auf dem Bahnsteig erfuhren wir eine neue Hiobsbotschaft.

Bahnhofsvorstand: Der nächste Zug, keine Ahnung, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, vielleicht in einem Monat, vielleicht noch später, eine unvorher-gesehene Fahrplanänderung, bis auf weiteres hält kein Zug in Little Bacon.

Hatch: Schöne Bescherung, wie sollen wir denn wegkommen.

vanDusen: Lassen sie das Lamentieren, tun sie etwas, mieten sie uns einen Wagen.

Bahnhofsvorstand: Ein Automobil, im Dorf gibt’s keins, nur auf Schloß Hogsford.

vanDusen: Dann von mir aus auch ein Pferdefuhrwerk.

Bahnhofsvorstand: Zwecklos keiner wird sie fahren.

Hatch: Ok gehen wir eben zu Fuß.

Bahnhofsvorstand: Können sie ja gern versuchen, aber ich würds nicht tun an ihrer Stelle, auf den Wiesen wimmelt es von wilden Bullen.

Hatch: Da standen wir nun und sahen uns an und ich hatte das Gefühl, auch Prof van Dusen wußte nicht, wie es weitergehen sollte, aber da hatte ich ihn unterschätzt.

vanDusen: Hören sie.

Hatch: Ja ein Zug, was solls, der fährt ja doch durch.

vanDusen: Nicht wenn sie sich quer über die Schienen legen.

Hatch: Was.

vanDusen: In diesem Falle sehe sich der Zugführer zum Halten genötigt, wir könnten zusteigen.

Hatch: Schwierig mit abgefahrenen Beinen.

vanDusen: Sie haben Bedenken.

Hatch: Das können sie laut sagen, zufällig ist mir heute gar nicht nach Selbstmord, wissen sie was, statt mit lebensgefährlichen Ideen zu jonglieren, sollten sie lieber diesen ulkigen Schweinefall lösen, das ist doch für sie ein Klacks und dann sehen wir zu, daß wir von hier verschwinden.

Baconsfield: Sehr gut Mr Hatch nicht wahr, und sie Prof inzwischen auch vernünftig geworden.

vanDusen: Angesichts der empörenden ja unglaublichen Verfolgungen und Beeinträchtigungen welchen wir meine Person und Mr Hatch uns ausgesetzt sehen, auf ihre Veranlassung Mr Baconsfield, daran kann ja wohl kein Zweifel bestehen, angesichts dieser Situation bleibt mir keine Wahl, ich übernehme den Fall.

Baconsfield: Na bitte Prof, nur ein bißchen gut zureden und schon klappt die Sache, Fahrplan wieder in Kraft, Kidney.

Bahnhofsvorstand: In Ordnung, Mr Alastair.

Baconsfield: Kommen Sie, meine Herren, mein Automobil steht auf dem Vorplatz, ihr Gepäck lassen sie am besten hier, in 5 Minuten sind wir im Schloß, gerade richtig zum Lunch.

Hatch: Lunch im Speisesaal von Schloß Hogsford war eine trübselige Angelegenheit, nicht nur was das Essen betraf, Cecil Bakensfield, Lord Hogsford, Schloßherr und Gastgeber, tränte vor sich hin, vermutlich sorgte er sich um sein geliebtes Borstenvieh, ein bißchen munterer wurde er nur, wenn die Rede auf Schweine kam zB als Bruder Alastair ihm den Professor vorstellte.

Lord: Zoologe ja.

vanDusen: Unter anderem Milord.

Lord: Großartig, verstehen Sie was von Schweinen.

vanDusen: In der Tat Milord.

Lord: Großartig, großartig, dann müssen sie sich meine Marquise ansehen, Prof, wundervolles Geschöpf, ganz wundervoll, nur leider momentan nicht da, sozusagen verschwunden, jawoll, traurige Sache.

vanDusen: So scheint es Milord.

Lord: Sie kennen Mr Whiffle, Prof, Augustus Whiffle, unseren großen britischen Schweineexperten.

vanDusen: Selbstverständlich ist Mr Whiffle Ruf mir bekannt, Milord, allerdings hatte ich noch nicht das Vergnügen.

Lord: Können Sie nachholen, auf der Stelle, hier sitzt er, direkt neben ihnen.

Hatch: Der große britische Schweinepapst mit dem interessanten Vornamen Augustus sah aus, als habe sein Spezialgebiet sehr intensiv auf ihn abgefärbt, fett, rund, rosa, borstig, außer ihm gab es noch 2 Gäste auf Schloß Hogsford.

Baconsfield: Mr Osgood P. Quackenbush, Millionär und ein Landsmann von ihnen.

vanDusen: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt.

Hatch: Mir übrigens auch nicht, zweimal waren wir uns über den Weg gelaufen, in NewYork während der Affäre um das Auge des Zyklopen und erst vor ein paar Tagen im englischen Glastonbury beim Fall des unheimlichen Schwarzen Ritters, in dieser Sache hatte Quackenbush eine recht zwielichtige Rolle gespielt, vielleicht wirkte er deshalb wie das personifizierte schlechte Gewissen.

Baconsfield: Dann kennen Sie wohl auch seine reizende Tochter, Ms Iris Quackenbush.

Iris: Das hat sich bisher leider nicht ergeben, aber ich habe natürlich von ihnen gehört, Prof.

vanDusen: Wer hätte das nicht, Ms Quackenbush.

Baconsfield: Und der junge Mann an Ms Quackenbush Seite, ja der mit dem Monokel und dem eingeschlafenen Gesichtsausdruck, das ist mein Neffe, Cecils Sohn und Erbe, der ehrenwerte Ronald Bakensfield.

Ronny: Ronny, sagen Sie Ronny Prof, alle sagen Ronny.

Hatch: Van Dusen sagte nicht Ronny zu ihm, er sagte überhaupt nichts zu ihm, sondern unterhielt sich mit seinem schweinekundigen Nachbarn.

vanDusen: Wenn ich recht informiert bin, Mr Whiffle, empfehlen sie in ihrem Werk über die sachgerechte Aufzucht des Hausschweins die nicht unumstrittene Wolf- Lehmann-Kolimofski Diät.

Whiffle: Koli waas.

Lord: Großartige Diät, ganz großartig, gibt nichts besseres, was Whiffle.

Whiffle: Gewiß Milord, prima Diät, die Schweine nehmen ab wie ein geölter Blitz.

vanDusen: Sie nehmen ab?

Lord: Kleiner Scherz, was Whiffle, sie nehmen zu, dick und fett werden sie, wie meine Marquise, ach ja, die arme Marquise.

Whiffle: Natürlich, natürlich, sie nehmen zu.

Lord: Müssen sie ja auch, bei 50000 Kalorien.

vanDusen: Mrs Quackenbush, hätten sie wohl die Güte, mir das Salzfaß zu reichen.

Iris: Sicher Prof, wo, ah hier.

vanDusen: Das ist ihre Fingerschale, Mrs Quakenbush.

Quackenbush: Wie oft hab ich’s dir schon gesagt, Iris, du brauchst eine Brille.

Hatch: Nach dem Lunch wanderten wir durch den Garten zum Schweinestall, es wurde langsam Zeit, den geheimnisvollen Fall der verschwundenen Marquise in Angriff zu nehmen und das tat der Prof denn auch, er verhörte den Schweinewart seiner Lordschaft.

vanDusen: Wann ist das ihrer Wartung anvertraute Tier verschwunden.

Wart: Jo, weiß ich nicht.

vanDusen: Dann lassen sie mich die Frage anders formulieren, wann und wo haben sie die Sau zuletzt gesehen.

Wart: Ja gestern beim Mittagessen, hier, dann bin ich eingeschlafen ja und wie ich aufgewacht bin, war sie weg die Marquise, ja.

Hatch: Wann war das.

Wart: Was.

vanDusen: Wann sind sie aufgewacht.

Wart: Gegen 5.

vanDusen: So, und pflegen sie jeden Tag einen so ausgedehnten Mittagschlaf zu halten.

Wart: Nö nie.

vanDusen: Und gestern.

Wart: Kann ich mir nicht erklären.

vanDusen: Hatten sie getrunken.

Wart: Ne, nur mein Dünnbier, wie immer, können sie die junge Dame aus Amerika fragen, die hat es mir nämlich gebracht, gestern, aus der Küche.

vanDusen: Mrs Quackenbush.

Wart: So heißt sie.

Quackenbush: Prof, hallo Prof.

vanDusen: Mr Quackenbush.

Hatch: Mr Quackenbush steckte hinter einer Hecke und winkte heftig, weil er unbedingt und sofort mit van Dusen sprechen wollte.

Quackenbush: Ich weiß Bescheid, Prof sie sind doch nicht als Zoologe auf Schloß Hogsford, so was können sie dem vertrottelten Lord erzählen oder seinem noch dämlicherem Sohn, also sie sind hier als Detektiv.

vanDusen: Kriminologe, Mr Quackenbush, Amateur-Kriminologe.

Quackenbush: Wie sie wollen Prof, jedenfalls sollen sie rauskriegen, wer sich an dieser gottverdammten Sau vergriffen hat.

vanDusen: Durchaus möglich, Mr Quackenbush.

Quackenbush: Ich weiß, was sie können Prof, ich hab ihnen schon zweimal zugesehen und darum will ich lieber gleich reinen Tisch machen.

vanDusen: Ja Mr Quackenbush.

Quackenbush: Also ich wars, ja ich hab das Unglücksvieh aus dem Stall geholt.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Mr Quackenbush.

Quackenbush: Ich hatte es nicht geplant, glauben Sie mir, aber als ich gestern hier vorbeikam, auf meinem üblichen Spaziergang nach dem Lunch.

vanDusen: Gestern, wann genau.

Quackenbush: Kurz vor zwei würde ich sagen, die Sonne schien, alles war still, dieser Kerl der Schweinewart schnarchte in seinem Schuppen und ja da hab ich einfach die Tür im Gatter aufgemacht und das Schwein rausgescheucht mit meinem Spazierstock.

Hatch: Nur so aus Jux und Dollerei, oder hatten sie einen bestimmten Grund.

Quackenbush: Natürlich hatte ich einen Grund, meine Tochter Iris hat sich verliebt, in Ronny Bakensfield, ja sie will ihn heiraten, das paßt mir gar nicht, gar nicht, sie haben Ronny ja kennengelernt, degeneriert, dumm wie Bohnenstroh, aber Iris besteht darauf, und wenn sie sich mal was in den Kopf setzt.

Hatch: Kann Daddy nicht nein sagen.

Quackenbush: So ist es, Mr Hatch, leider.

Hatch: Soweit alles klar, ich verstehe bloß nicht was Lord Hogsford Sau mit der Sache zu tun hat.

Quackenbush: Sehen Sie, ich kenne Lord Hogsford seit Jahren und ich weiß immer wenn was mit seinem geliebten Tier was nicht stimmt, ist er völlig daneben, übermorgen reisen wir ab, Iris und ich, und wenn die Marquise solange verschwunden bleibt, also hab ich mir gedacht, wird der Lord nicht ansprechbar sein, auch nicht für Ronny und seine Heiratspläne.

vanDusen: Ah ich verstehe, Mr Quackenbush, wo befindet sich die Marquise.

Quackenbush: Da drüben im Wäldchen, ich hab sie mit dem Stock hingetrieben und in eine leerstehende Holzfällerhütte gesperrt.

Hatch: Fall schon gelöst, so sah es aus. Als Quackenbush uns eine viertel Stunde später die Tür zur Hütte aufmachte, erlebten wir eine Überraschung.

Quackenbush: Leer, das Schwein ist weg.

Hatch: Aber es hat was hinterlassen, auf dem Boden, das heißt, es war da.

vanDusen: Jedoch nur sehr kurze Zeit, mein lieber Hatch, ansonsten wäre die von ihnen konstatierte Hinterlassenschaft wesentlich umfangreicher, Moment, was ist denn das hier.

Hatch: Ein Monokel, sagen sie mal, Quackenbush, die Marquise hat doch wohl kein Monokel getragen.

Quackenbush: Unsinn, es gibt nur einen auf Schloß Hogsford, der mit so einem Stück Glas im Auge rumläuft, der ehrenwerte Ronny, ja, den sollten sie sich mal vorknöpfen Prof.

Hatch: Auf seinem Zimmer im Schloß nahm van Dusen den edlen Sproß aus blauem britischem Blut ins Gebet, der versuchte zuerst, sich noch dümmer zu stellen, als er schon war, aber damit kam er beim Prof natürlich nicht weit, bald fing er an zu beichten.

Ronny: Es war Iris Idee, Prof, bestimmt, ich wär nie auf so was gekommen.

Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.

VanDusen: Hatch, weiter Mr Bakensfield.

Ronny: Wir klauen Papas Sau, hat Iris gesagt, wir verstecken sie ein zwei Tage ja und dann finden wir sie, hat Iris gesagt, und bringen sie Papa zurück, der ist selig, hat Iris gesagt und wenn ich ihm klarmache, daß Iris mich heiraten will, ich meine daß ich Iris daß wir.

vanDusen: Schon gut, um ihren Plan ungestört durchführen zu können, haben sie gestern ein Schlafmittel in das mittägliche Dünnbier des Schweinewarts praktiziert.

Ronny: Ich nicht Prof, das war Iris, deshalb hat sie ihm es ja gebracht das Bier, ja und wie wir uns zum Stall schleichen, so eine Stunde später, wen sehn wir da.

vanDusen: Mr Quackenbush.

Ronny: Genau, Prof, Iris alten Herrn, woher wissen sie.

vanDusen: Die Quelle meiner Erkenntnis ist im Augenblick ohne jeden Belag, Mr Bakensfield, fahren sie fort.

Ronny: Stellen Sie sich vor, der alte Quackenbush holt Papas Marquise aus den Stall und treibt sie weg.

vanDusen: In einen nahen Wald zu einer Hütte.

Ronny: Genau, und wie er weg ist der alte.

vanDusen: Haben Sie das Schwein anderswo hingebracht.

Ronny: In einer Schubkarre, schweres Stück Arbeit, gottseidank ist sie nicht weit weg, die Villa Waldeslust.

vanDusen: Villa Waldeslust.

Ronny: Ja, die hatten wir uns ausgeguckt, als Versteck für die Marquise, weil sie leersteht, die Villa, sie gehört nämlich dem alten Admiral Malenspeik und der segelt gerade in der Nordsee, oder wars die Ostsee.

vanDusen: Sie verbargen also das Schwein in der Villa Waldeslust.

Ronny: Im Bad, und wenn sie es ganz genau wissen wollen, in der Badewanne, sicherheitshalber.

vanDusen: Worauf sie wie ich annehme ins Schloß zurückkehrten.

Ronny: Ja Prof und da war der Teufel los, Papa hat inzwischen spitzgekriegt, daß die Marquise weg war, er hat getobt wie wie tausend nackte Kannibalen, da wollte ich lieber nicht mehr mitmachen und Iris hat auch getobt und gesagt, ich soll mich schä-men und sie zieht die Sache alleine durch, Iris hat ihren eigenen Kopf wissen Sie.

Hatch: Ja und sie sind ein richtiger Held, tapfer, furchtlos wagemutig.

Ronny: Finden Sie, Mr Hatch.

vanDusen: Holen Sie Hut und Stock, Mr Baconsfield, führen sie mich zu Villa Waldeslust.

Ronny: Wenn sie wollen Prof gern, aber es hat keinen Zweck, das Schwein ist nicht mehr da.

vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo ist die Sau.

Ronny: Keinen Schimmer, Prof, großes Ehrenwort, da müssen sie schon Iris fragen, die ist nämlich heute ganz früh zur Villa, praktisch zu nachtschlafender Zeit, um die Marquise zu füttern und als sie zurückkam war sie ganz durcheinander, eine unglaubliche Geschichte hat sie erzählt.

Hatch: Und die erzählte sie van Dusen gleich nochmal, ich mußte dem ehrenwerten Ronny recht geben, es war wirklich eine ganz und gar unglaubliche Geschichte, am frühen Morgen kurz vor 6 war Iris Quackenbush zur Villa Waldeslust geschlichen mit einem Eimer gekochter Kartoffeln, die sie in der Schloßküche organisiert hatte, sie hatte die Haustür geöffnet, war über den Korridor gegangen, hatte die Tür zum Bad aufgemacht und das Schwein.

Iris: Lag ganz ruhig in der Wanne, ich denke, es schlief noch, als ich dann die Kartoffeln reinschüttete, wurde es wach, es fing an sich zu bewegen, grunzte ein bißchen, alles in Ordnung, und wie ich gerade vorsichtig die Haustür aufmache höre ich was, im Bad, ein lautes Geräusch, eine Art Knall, ich sofort zurück ins Bad, und was soll ich ihnen sagen Prof, das Schwein war verschwunden.

vanDusen: In der Tat Mrs Quackenbush.

Iris: Die Wanne war leer, bis auf die Kartoffeln und den Dreck natürlich, das ganze Bad war leer, nirgends ein Schwein.

vanDusen: Fenster, Mrs Quackenbush.

Iris: Eins, Prof, ca 20 mal 30 cm, unmöglich und durch die Tür ist auch kein Schwein gekommen, ich war ja direkt davor, im Korridor.

vanDusen: Sie hörten einen Knall, Mrs Quackenbush, sind sie sicher.

Iris: Ja Prof, einen lauten scharfen kurzen Knall.

Hatch: Vielleicht ist das Vieh geplatzt.

vanDusen: Mein lieber Hatch, gestatten sie mir die Bemerkung daß gerade in diesem Augenblick sie mich an ein wie sie sich auszudrücken belieben Vieh gemahnen.

Hatch: Zu gütig Prof.

vanDusen: Ich meine jenes sprichwörtliche Huhn, welchem es trotz seiner mangelnden Sehfähigkeit gelegentlich doch gelingt, ein Körnlein zu entdecken, das kleine Fenster im Bad, Mrs Quackenbush, stand es offen.

Iris: Warten sie, Prof, es war angelehnt.

vanDusen: Soso, gestern Nachmittag hatten sie, sofern ich recht unterrichtet bin, bin eine verbale Auseinandersetzung mit Mr Ronald Bakensfield.

Iris: Auseinandersetzung, gestritten haben wir uns, daß die Fetzen flogen, ich hätte nie gedacht, daß Ronny so ein Feigling ist.

vanDusen: Sie haben sich also gestritten.

Iris: Ja.

vanDusen: Laut.

Iris: Sehr laut, aber wieso.

vanDusen: Wo.

Iris: Wenn sie es unbedingt wissen wollen, Prof, in der Bibliothek.

vanDusen: Waren sie beide allein.

Iris: Moment, hinten in der Ecke saß einer, aber der schlief.

vanDusen: Wer.

Iris: Dieser Schweinemensch glaub ich, Whaffle oder wie heißt er.

vanDusen: Whiffle, danke Ms Quackenbush, wenn sie mich nunmehr zur Villa Waldeslust geleiten wollten, ich wünsche den Ort in Augenschein zu nehmen, an welchem die Marquise von Hogsford sich auf so mysteriöse Weise in Luft auflöste, was sie betrifft, mein lieber Hatch.

Hatch: Ich komme natürlich mit, Prof.

vanDusen: Mit nichten mein lieber Hatch, erheischt die Notwendigkeit gebieterisch den Einsatz des kriminologischen Assistenten, so hat der Chronist und Begleiter zurückzustehen, für sie habe ich einen Sonderauftrag, sie werden sich ins Dorf Little Bacon begeben, dortselbst den Krämer aufsuchen und ihm folgenden Fragen stellen.

Hatch: Anfangs war der Krämer ja etwas muffig, weil van Dusen ihn morgens im Gasthof so heftig abgebürstet hatte, aber er beruhigte sich wieder und erzählte mir was ich bzw. der Prof wissen wollte.

Krämer: Der Ballon, schwarz und groß, größer als ein normaler Luftballon, haben sie ihn nicht gesehen Mister, er hat doch wochenlang hier gehangen, da über dem Regal, seit der Kirmes, da ist er übriggeblieben.

Hatch: Und der Einbrecher hat ihn mitgenommen.

Krämer: So wie er war, Mr. und einen kleinen Eimer Farbe, weiße Farbe, damit ist er raus auf die Straße zu seinem Automobil und ist.

Hatch: Haben sie den Einbrecher gesehen.

Krämer: Aber ja doch Mr, von meinem Schlafzimmerfenster im 1. Stock, bloß erkennen konnte ich ihn nicht, weil er sich ein Tuch vors Gesicht gebunden hat, wie im wilden Westen Mr.

Hatch: Wie sah er aus.

Krämer: Dick, sehr dick.

Hatch: Das Automobil, welche Marke.

Krämer: Gott Mr, von so neumodischen Sachen versteh ich nichts, ich weiß bloß, daß er damit weggefahren ist.

Hatch: Welche Richtung, Schloß Hogsford.

Krämer: Genau anderslang, da wos zum Wald geht.

Hatch: Wie wir es verabredet hatten, traf ich den Prof vor der Villa Waldeslust, er hörte sich meinen Bericht an und war offensichtlich zufrieden.

vanDusen: Sehr schön, mein lieber Hatch, dank ihrer Tätigkeit zeichnet sich die von mir zunächst rein theoretisch konzipierte und postulierte Lösung des Falles nunmehr immer präziser, immer schärfer konturiert ab, sie sehen die Fußspuren, direkt am Mauerwerk, unter dem Fenster zum Badezimmer.

Hatch: Groß und breit.

vanDusen: Und tief eingesunken, die Spuren eines gewichtigen Mannes, welcher sich geraume Zeit vor dem Fenster aufhielt, weitere Spuren allerdings ganz anderer Art stellen wir vor dem Tor fest.

Hatch: Reifeneindrücke von einem Automobil.

vanDusen: Wohin führt dieser Weg, Mrs Quackenbush.

Iris: Nach Woodhouse, Prof, das ist das Anwesen von Sir Pelham Grenvill.

vanDusen: Ah, der neidische Nachbar, welchen Mr Alastair Baconsfield als den Hintermann, die graue Eminenz der Affäre verdächtigt, mein lieber Hatch, wohin treibt es sie.

Hatch: Nach Woodhouse, Prof, den Reifenspuren nach.

vanDusen: Später, mein lieber Hatch, später, zunächst gilt es nach Schloß Hogsford zurückzukehren, um durch die nur dort zu entdeckenden bislang noch fehlenden Mosaiksteine das Bild einfürallemal zu komplettieren, während ich einige Worte mit Mr Whiffle, dem sog. Schweineexperten zu wechseln gedenke, werden sie, lieber Hatch einen zweiten speziellen Auftrag auszuführen haben.

Hatch: Worum es dabei ging, werden sie jetzt noch nicht erfahren, meine Damen und Herren, wegen der Spannung, und weil es ein Geheimauftrag war, hier nur soviel, alles ging glatt, ich machte Meldung, der Prof rieb sich die Hände.

vanDusen: Mein lieber Hatch, der Fall ist gelöst.

Hatch: So.

vanDusen: Sie zweifeln, mein lieber Hatch.

Hatch: Das würde ich mir nie erlauben, Prof aber wenn sie mich fragen, mir ist noch längst nicht alles klar.

vanDusen: Das ist nicht mehr als recht und billig, sie sind der Assistent, ein in diesem Falle recht zufriedenstellender ja lobenswerter Assistent, doch doch, ich möchte nicht versäumen das hinzuzufügen.

Hatch: Danke, ich weiß selber daß ich kein kriminologischer Großmeister bin, aber ein bißchen weiß ich doch, ich weiß, wer das Vieh aus der Villa geklaut hat und wo es jetzt steckt, aber was ich nicht weiß ist, wie hat der Kerl das Ding gedreht, wie hat er das fette Vieh in wenigen Sekunden mit einem Knall verschwinden lassen.

vanDusen: Ein im Prinzip höchst simpler Trick.

Hatch: Den sie natürlich durchschauen.

vanDusen: Natürlich.

Hatch: Und wie ich sie kenne, wollen sie ihn mir auch nicht verraten.

vanDusen: Dies mein lieber Hatch wäre ein krasser Verstoß gegen jede kriminologische Tradition, aufgeklärt wird bekanntlich erst zum guten Schluß in Anwesenheit aller Beteiligten.

Hatch: Das weiß ich.

vanDusen: Warum lösen sie das Rästel nicht selber, sie kennen alle Indizien, prüfen sie sie, werten sie sie, nach dem Grundsatz.

Hatch: 2 plus 2 geschenkt Prof, sagen sie mir lieber was für Indizien ich prüfen und werten soll.

vanDusen: In aller kürze diese, mein lieber Hatch, a Mrs Quackenbush ist stark kurzsichtig, weigert sich jedoch aus Eitelkeit eine Brille zu tragen, b die Marquise von Hogsford gehört der Rasse der Berkshireschweine an, c beim Krämer von Little Bacon wurde ein großer schwarzer Luftballon entwendet, wenn sie ferner die Spuren an der Villa Waldeslust in Betracht ziehen.

Hatch: Dann weiß ich ehrlich gesagt immer noch nichts.

vanDusen: Auch wenn ich in der Regel keine intellektuellen Meisterleistungen von ihnen erwarte, mein lieber Hatch, enttäuschen sie mich dieses mal doch ein wenig, nun gut, der eine hats, der andere nicht, kommen sie, wir werden Sir Pelham Grenvil einen Besuch abstatten, präziser seinem Schweinstall, bitte verständigen sie Mr Quackenbush, ich wünsche seine Begleitung.

Hatch: Den alten, nicht Iris.

vanDusen: Mr Osgodd P. Quackenbush, ich habe meine Gründe.

Hatch: Quackenbush wunderte sich, aber er wußte, wenn Prof van Dusen ruft, gilt kein Zögern und nein sagen erst recht nicht, eine knappe Stunde später, es war inzwischen 5 geworden, standen wir vor Sir Pelham Grenvils Schweinestall am Zaun, alles war still, kein Mensch zu sehen, außer uns drei natürlich, im Koben suhlte sich ein Schwein.

Quackenbush: Aber das ist nie und nimmer die Marquise von Hogsford.

vanDusen: Meinen Sie, Mr. Quackenbush.

Quackenbush: Die Marquise ist ein Barkshireschwein und Barkshireschweine sind schwarz, von der Schnauze bis zum Ringelschwanz, das Vieh hier ist.

Hatch: OK Kopf ist schwarz, Hinterteil auch, aber dazwischen ist es weiß, eindeutig.

vanDusen: Wie es den Anschein hat, handelt es sich um ein Tier vom Typ Wessex Saddleback, ein Typ welcher gekennzeichnet ist durch einen großen weißen Sattel oder Ring um den Rumpf, wenn sie jedoch meine Herren an diesem weißen Ring mit dem Fingernagel kratzen, igitt, wie ich es jetzt tue, so werden sie feststellen.

Hatch: Die Farbe geht ab.

vanDusen: So ist es, erinnern sie sich, beim Krämer wurde nicht nur ein Ballon gestohlen sondern auch ein kleiner Eimer voller weißer Farbe und hier hier steht er auf der Fensterbrüstung, mitsamt dem noch feuchtem Pinsel, kein Zweifel, meine Herren, die Sau, welche wir hier sehen, ist ein mittels weißer Farbe in ein Wessexsaddleback transponiertes quasi verkleidetes oder auch maskiertes Barkshireschwein, kurz die Marquise von Hogsford.

Quackenbush: Bravo Professor, ja und was tun wir jetzt.

Hatch: Wir lassen die Sau raus und bringen sie zurück, nach Schloß Hogsford.

Quackenbush: Das müssen wir wohl Mr Hatch, ja dann mal los.

vanDusen: Bitte meine Herren vorsichtig, ich werde die Tür aufmachen, halten sie die Sau solange fest.

Hatch: Drei Stunden später, im Speisesaal von Schloß Hogsford hatten sich alle Beteiligten versammelt, um sich bester amateurkriminologischer Tradition entsprechend vom Prof über den sensationellen Schweinefall aufklären zu lassen, sie erfuhren erstaunt oder schuldbewußt, je nachdem, wie die Marquise zuerst von Quackenbush und dann von dessen Tochter Iris in Zusammenarbeit mit dem ehrenwerten Ronny geklaut worden war und warum die Diebe sich diesem in amerikanischen Millionärskreisen nicht gerade üblichen Tun hingegeben hatten.

vanDusen: Nach dem sie ihre Beute in der Villa Waldeslust verborgen hatten, kehrten Mrs Quackenbush und der ehrenwerte Ronald Baconsfield hierher zurück, in der Zwischenzeit war das Verschwinden der Marquise entdeckt worden, und Lord Hogsford gab seiner Empörung Ausdruck, auf so entschiedene so vehemente Weise, daß Mr Bakensfield kalte Füße bekam, so lautet das ja wohl volkstümlich, sein Entschluß fürderhin seine Hände in Unschuld zu waschen, führte zu einem heftigen Steit zwischen zwischen ihm und seiner Mitverschworenen, dieser Streit wurde belauscht, dabei erfuhr der Lauscher unter anderem zwei ihn höchstlich interessier-ende Tatsachen, daß das Schwein sich in der Villa Waldeslust befand und daß Mrs Qackenbush die Absicht hatte, es am kommenden Morgen zwecks Fütterung aufzu-suchen, beide Tatsachen beschloß der geheime Mitwisser sich zunutze zu machen, hatte er doch ohnehin die Absicht, die Marquise von Hogsford zu stehlen.

Baconsfield: Und wer war nun dieser Lauscher an der Wand, Prof.

vanDusen: Kein anderer als der Mann, welcher sich Augustus Whiffel nennt.

Lord: Was, Mr. Whiffle, das ist doch blühender Blödsinn, Prof, so was würde Mr. Whiffle nie tun, was Mr Whiffle.

Whiffle: Niemals Milord.

vanDusen: Mr Whiffle, Milord ist nicht Mr Whiffle, um wen es sich bei dieser Person in Wahrheit handelt, hat dankenswerterweise mein Assistent ermittelt, indem er das Zimmer des Verdächtigen einer Durchsuchung unterzog, dabei entdeckte er zwei äußerst bemerkenswerte Dokumente, bitte Mr Hatch.

Hatch: Erstens eine Lizenz als Privatdetektiv, ausgestellt auf einen gewissen Blister, Percy Blister, wohnhaft in London, zweitens ein Schreiben worin Sir Pelham Grenvil Blister 500 Pfund verspricht, wenn er für ihn die Marquise klaut.

Baconsfield: Sir Pelham, hab ich ja gleich gewußt, daß der dahinter steckt.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, ich fahre fort, dem falschen Mr Whiffle, welcher beiläufig bemerkt eine beklagenswerte Unkenntnis in Bezug auf Schweine an den Tag zu legen pflegt, bot sich nunmehr die heißersehnte Gelegenheit, er beschloß, die Marquise aus der Villa Waldeslust zu entführen und Sir Pelham Grenvil zuzustellen, doch damit nicht genug, indem er in raffinierter Inszenierung die Sau auf quasi magische Weise verschwinden ließ, wollte er die Angelegenheit zusätzlich verwirren, komplizieren, einnebeln, wenn sie so wollen, um dieses sein Vorfahren durchzuführen entwickelte Mr Blister in der vergangenen Nacht eine bemerkenswerte geradezu hektische Aktivität, als erster unternahm er einen Einbruch in den Kramladen von Little Bacon, wobei er den wie ihm wohlbekannt war dort befindlichen großen schwarzen Ballon nebst einem Eimer weißer Farbe entwendete, sodann begab er sich in seinem Automobil zur Villa Waldeslust, er verschaffte sich Einlaß, wie ich vermute mittels eines sog Dietrichs, kein Problem für einen privaten Detektiv, praktizierte die Marquise in seinen Wagen und transportierte sie zum Schweinestall von Sir Pelham Grenvil, wo er mit der gestohlenen Farbe das Barkshireschwein in ein Wessexsaddleback umwandelte.

Lord: Wessexsaddleback, tatsächlich, inferiore Rasse.

vanDusen: Kurz vor dem Morgengrauen suchte Mr Blister zum zweiten Mal die Villa Waldeslust auf, er legte den schwarzen Ballon in die Badewanne, befestigte an ihm eine Schnur, deren zweites Ende er durch das leicht geöffnete Fenster nach draußen verlegte, bezog vor dem Fenster Posten und wartete, auf Mrs Iris Quackenbush, vor der der wußte, wer auf Schloß Hogsford wußte dies nicht, daß sie sich trotz ihrer ungenügenden Sehfähigkeit weigerte, ein Brille zu benutzen, als Mrs Quackenbush im Bad erschien, gab Blister Grunztöne von sich und zog gleichzeitig an der Schnur, der Ballon bewegte sich, Mrs Quackenbush sah, was sie sehen sollte, eine lebendige Marquise von Hogsford, sie verließ das Badezimmer und Mr Blister kam zum Höhepunkt seiner Illusionsschau, er brachte den Ballon zum platzen.

Baconsfield: Wie Prof.

Iris: Besser gefragt womit.

vanDusen: Mittels seines Spazierstock, wie ich annehme, an dessen Ende er eine Nadel angebracht hatte, die schlaffe Ballonhülle zog er an der Schnur durchs Fenster, worauf er sich ungesehen entfernte, Iris Quackenbush stand vor einem Rätsel, das von ihr soeben noch wahrgenommene Schwein war in Sekunden-schnelle verschwunden, dies würde sie beschwören, und sich so, da niemand ihr glauben würde, selbst aufs schwerste belasten, alle Spuren, so glaubte Blister, welche auf ihn bzw seinen Auftraggeber Sir Pelham Grenvil deuteten, seien verwischt, doch hat er, und damit, komme ich zum Ende meiner Ausführungen, doch hatte er Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen nicht in seine Rechnung einbezogen.

Lord: Gut und schön, Prof, großartig kombiniert, alles was recht ist, aber das wichtigste, nichtwahr das fehlt doch noch.

vanDusen: Euer Lordschaft meinen.

Lord: Die Marquise, was denn sonst, wo ist sie, wo steckt sie.

Baconsfield: Hast du doch gehört, Cecil, bei Sir Pelham Grenvil.

vanDusen: Sie irren, Mr Baconsfield.

Lord: Ja wo dann, sagen sies doch endlich Prof.

vanDusen: Ich werde sie zu ihrem Tier führen, Milord, folgen sie mir.

Hatch: Kurz darauf bewegte sich eine interessante Prozession durchs Gelände, vorneweg der fette Butler, dahinter van Dusen und wir anderen, der Lord nebst Bruder und Sohn, die beiden Quackenbushs und meine Wenigkeit, nur der unglückselige Blister alias Whiffle war nicht dabei, der saß im tiefsten Schloßverließ, nach einer guten viertel Stunde erreichten wir ein einsam gelegenes unschönes Gebäude, das Armenhaus von Little Bacon, wir traten ein, gingen über den Flur, dem immer stärker werdenden würzigen Duft nach und kamen schließlich in einen großen Raum, auf einem gewaltigen Herd brutzelten zahllose Töpfe und Pfannen, um den riesigen Holztisch beladen mit vollen Tellern und Schüsseln hockten die Dorfarmen und futterten wie die Scheunendrescher.

vanDusen: Milord, meine Herrschaften, wir sind am Ziel.

Lord: Am Ziel, ja wirklich, ja wo ist die Marquise.

vanDusen: Hier Milord.

Lord: Tatsächlich, Prof, ich seh sie nicht.

vanDusen: O doch, Milord, sie sehen sie bzw das, was von ihr übrig ist, sie sehen sie überall in diesem Raum, auf dem Herd, auf dem Tisch, in Töpfen, Schüsseln, Pfannen, Tellern, in Form von Wellfleisch, Blutwurst.

Lord: Meine Marquise.

vanDusen: Braten, Kotelett.

Lord: Geschlachtet.

vanDusen: Ja.

Arme: Wir danken dem edlen Spender. Rülps.

Lord: Rache, blutige Rache, alle festnehmen, alle festnehmen, einsperren, hinrichten, alle, diesen diesen Blister auch und Sir Pelham Grenville.

Ronny: Aber Papa.

Lord: Und du Ronny, du wirst enterbt, was sie betrifft, Quack, Quackenbush, nehmen sie ihre Tochter und gehen sie mir aus den Augen.

Quackenbush: Mit Vergnügen.

Lord: Polizei.

Iris: Nichts lieber als das.

Lord: Scotland Yard.

Ronny: Aber Papa, Iris und ich wollen doch heiraten.

Lord: Die Feuerwehr, die Armee, die Marine.

Iris: Das ist vorbei, einen Schlappschwanz nehme ich nicht.

Lord: Der Henker, Henker seiner Majestät, aufhängen, alle miteinander, an den Kielern von Schloß Hogsford.

Hatch: Lord Hogsford wurde ohnmächtig, während die Verwandschaft sich um ihn kümmerte und die Armen von Little Bacon nicht wußten, wie ihnen geschah, entfernten wir, van Dusen, Quackenbush und ich uns unbemerkt im Getümmel, wir hatten es eilig, der letzte Zug nach Worcester fuhr in einer halben Stunde, und während wir zum Bahnhof eilen, drehe ich für sie, meine Damen und Herren, die Uhr kurz zurück, sie erinnern sich, der Prof, Quackenbush und ich waren mit der Marquise unterwegs nach Schloß Hogsford, es war keine muntere Landpartie, vor allem van Dusen wirkte verkrätzt.

Baconsfield: Na los dumme Sau, sie sagen ja gar nichts, Prof.

vanDusen: Ich denke nach, Mr Quackenbush.

Hatch: Über ihre atomare Strukturtheorie.

vanDusen: Nein mein lieber Hatch, über den massiven Affront, welchen man meiner Person angetan hat, Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen wurde durch die Anwendung hinterhältiger ja schändlicher Methoden gezwungen, einen tief unter seiner amateurkriminologischen Würde liegenden Fall zu übernehmen, dekadente Aristokraten haben mir morbide Spiele getrieben.

Baconsfield: Los jetzt.

Hatch: Müssen wir ihnen zu allem Überfluß das Vieh auch noch zurückerstatten, mit rosa Schleifchen und schönen Grüßen.

vanDusen: Müssen wir das, mein lieber Hatch.

Hatch: Naja, immerhin haben sie den Fall übernommen, Prof.

vanDusen: Und gelöst, mein lieber Hatch, ganz gleich was mit dem corpus delicti will sagen der Sau noch geschehen mag.

Baconsfield: Wissen sie, was ich denke, wenn das Schwein wieder da ist, wird Lord Hogsford einverstanden sein, daß Iris diesen Idioten Ronny heiratet, entsetzlich.

vanDusen: Andererseits käme das Tier nicht zurück, gäbe es keine Hochzeit.

Baconsfield: Ja, das wär eine Idee.

vanDusen: Sehen sie das Gebäude vor uns.

Hatch: Grau und häßlich.

vanDusen: Das Armenhaus von Little Bacon, man hat es weit außerhalb der Dorfgrenzen errichtet, weil man mit den Insassen möglichst wenig zu tun zu haben wünscht, diese führen, so fürchte ich, ein nicht eben angenehmes Leben, der zweifellos seltene Genuß einer reichhaltigen, schmackhaften Mahlzeit wäre ihnen von Herzen zu gönnen.

Hatch: Ah, ich habe eine Idee.

Baconsfield: Ich auch Mr Hatch.

Hatch: Gehen sie voraus, Prof, Quckenbush und ich komme in ein paar Minuten nach.

Baconsfield: Sobald wir eine Kleinigkeit erledigt haben. Ja.

Hatch: Wir banden die Marquise an den Türpfosten des Armenhauses und dann malte Quackenbush ihr große weiße Buchstaben auf die schwarze Haut, Farbeimer und Pinsel hatten wir mitgenommen, um sie dem Krämer zurückzugeben, eine Spende, guten Appetit, so mein kleines dickes Etwas.

Baconsfield: Hatch, ziehen sie die Glocke, und jetzt nichts wie weg und um die Ecke, kommen Sie.

Hatch: So kam es, daß die Armen von Little Bacon ein fröhliches Schlachtefest feierten, daß Iris Quackenbush nicht Ronny Baconsfield heiratete und daß Lord Hogsford in Ohnmacht fiel, übrigens falls es sie interessiert, als er wieder zu sich kam, wurde er strenger Vegetarier und verlegte sich auf die Kürbiszucht, und noch ein Wort zum Schluß, meine Damen und Herren, Sie kennen Prof. van Dusen, Sie wissen, er ist ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, aber wenn man ihn so richtig ärgert, dann kann es passieren, daß auch ein so bedeutend-er Zeitgenosse mal kurz die Sau rausläßt, in diesem Sinne, meine Damen und Herren, bis zu nächsten Mal.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Cecil Baconsfield, Lord Hogsford: Hans Madin
Alastair Baconsfield, sein Bruder: Klaus Jepsen
Ronald (Ronnie) Baconsfield, sein Sohn: Hubertus Bengsch
Osgood P. Quackenbush: Christian Rode
Iris Quackenbush, seine Tochter: Lisa Adler
Augustus Whiffle alias Percy Blister: Walter Pfeil
Bahnhofsvorstand: Krikor Melikyan
Schweinewart: Heinz Rolfing
Krämer: Gerd Holtenau
Wirt: Otto Czarski

Prof van Dusen
Prof van Dusen
9 Monate zuvor

Michael Koser: Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989)

Hatch: Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildromantische Bergwelt Montenegros, vorn auf dem Bock hockten Kutscher und Führer und innen stöhnte eine achtköpfige Reisegesellschaft.

Bernhardine: O Baltasar es ist so heiß.

Bullrich: Wünschest du ein Taschentuch, teuerste, sudarium sudarii neutrum, meine Gattin ist blutarm.

Mayfair: Also wissen sie Dr. Bullrich, man braucht nicht blutarm zu sein um bei dieser Hitze umzukommen, sehen sie mich an, ich hab eher zu viel Blut, was Franco.

Franco: Sisi Carissima.

Mayfair: Und ich schwitze wie verzeihen sie wie ein Schwein.

Bullrich: Sus Sus femininum.

Bernhardine: Und wie es hier riecht, Baltasar.

Hatch: Ihr Musterkoffer, Grenouille.

Grenouille: Missiö Hatch süwosapli, die edelsten Duftkompositionen aus Paris.

Tafelspitz: Nix da, von draußen stinkts eini, na was wollens, Montenegro, tschuschen, schauens doch aus dem Fenster, trostlos, Berge, nix wie Berge, kei Fabrik, kei Kaserne, kei Kultur, die schiere Wildnis, na wird halt zeit daß wir Österreicher auch hier a bißerl a Fortschritt bringen netwahr Herr Prof.

vanDusen: Bitte Herr von Tafelspitz, als amerikanischer Bürger fühle ich mich nicht berufen, zur nicht unumstrittenen Balkanpolitik ihrer Regierung Stellung zu beziehen.

Hatch: Immer weiter, immer höher, immer tiefer ins Gebirge, es war 12 Uhr mittags als wir endlich hielten, auf einer Felsplatte hoch über Schluchten und Abgründen, wir stiegen aus und unser Führer, ein munterer kleiner Grieche namens Dimitri erklärte uns die Landschaft.

Dimitri: Bitte sich umzuwenden hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu beachten am Horizont tiefblauen Schimmer. Oh. Adriatisches Meer, hochgeehrte Damen, hochgeschätzte Damen und daran anliegend wunderschönes Land Dalmatien.

Tafelspitz: Gehört uns.

Dimitri: Bitte nun Blick zu werfen auf rechte Seite, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, in ferne sie sehen Bosnien und Herzegowina.

Tafelspitz: Gehört auch uns.

Dimitri: Ein wenig weiterdrehen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, und was liegt vor ihren herrschaftlichen Füßen, gewaltige schwarze Berge in serbische Sprache genannt Tschernagora auf italienisch Montenegro.

Mayfair: Das gehört ihnen nicht, Herr von Tafelspitz.

Tafelspitz: Noch nicht gnä Frau Christian, noch nicht.

Dimitri: Nun hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, stehen sprachlos vor wunderbar schöner Landschaft, schöner als Maler kann malen, als photografischer Künstler kann fotografieren.

Bernhardine: Oh Baltasar wie wonnig.

Bullrich: Amönus amöna amönum.

Hatch: Der englische Schriftsteller Dr. Johnson hat mal gesagt ohne ein gemütliches Gasthaus im Vordergrund ist die schönste Landschaft keinen Pfifferling wert.

Bullrich: Banause, Philister, Homo obtusus.

Bernhardine: Ha, Baltasar.

Bullrich: Was ficht dich an, geliebtes Weib.

Bernhardine: Da Baltasar, da steckt einer, hinter dem Felsen. Ja.

Dimitri: Bitte sich nicht unberuhigen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu besichtigen Bergbewohner, Montenegriener, Tschernagorze, typisches Exe-mplar, romantisch wie Landschaft, malerisch in Pluderbeinkleid, goldbestickte Weste sowie Kappe, bitte ferner zu beachten hierzulande üblichen Schmuck der Waffen.

Hatch: Zwei Revolver, Säbel, Dolch, Patronengürtel, bißchen viel für einen einzelnen Herrn.

Mayfair: Sie haben aber auch immer was auszusetzen, Mr Hatch, ist doch sehr männlich so eine Aufmachung.

Bernhardine: Baltasar hier ist noch einer.

Franco: Ecco hier auch.

Bullrich: Und vor uns.

Mayfair: Und hinter uns.

Hatch: Und um uns herum.

Franco: Sie kommen näher.

Bullrich: Sollten wir nicht besser aufbrechen, meine Gattin ist nämlich blutarm.

Mayfair: Ach was machen sie sich nicht in die Hosen, Bullrich, das hat sich Firma Cook für uns ausgedacht, als Überraschung, was soll das werden, Dimitri, Volkstanz, lebende Bilder, Fruchtbarkeitsriten.

Gojko: Das ist Überfall, verhalten sie sich ruhig, folgen sie unsere Anordnungen, leisten sie keine Widerstand.

Tafelspitz: Jessasna.

Hatch: Die sehen mir nicht aus wie Angestellte der Firma Cook und wie biedere Bergbauern auch nicht.

vanDusen: Wohl kaum, ohne Zweifel handelt es sich bei diesen martialischen Herrschaften um wie der Dalmatiner sich ausdrückt, Molaken oder auch Uskopen, in Griechenland heißen sie Kleften, in der Ukraine Heidermarken, Dakeutz in Indien, Rugaruga in Ostafrika, hierzulande pflegt man sie sofern ich nicht irre Rasbonditschi oder auch Heiduken zu nennen.

Hatch: Ach ja und was würde ein sprachlich nicht so gebildeter Zeitgenosse sagen, einer wie ich zum Beispiel.

vanDusen: Nun Wegelagerer vermutlich Banditen, Räuber.

Bullrich: Latro latronus maskulin.

Gojko: So ist es ihr Herren, Räuber sind wir, ehrsame Räuber die im Schweiße ihres Angesichts ihrer Arbeit nachgehen, in aller Bescheidenheit.

Bernhardine: O gott Baltasar Räuber wie fürchterlich.

Tafelspitz: Na typisch Räuber auf offener Straße, a Wirtschaft ist das hier.

Mayfair: Was für ein Abenteuer, leibhaftige Räuber, bitte meine Herren, bedienen sie sich, meine Börse, meine Ringe, mein Strumpfband.

Gojko: Später, sie kommen alle mit.

Grenouille: Wohin missiö.

Gojko: In die Berge.

Bullrich: Zu Fuß.

Gojko: Selbstverständlich zu fuß, auf herrschaftliche Kutschen sind unsere bescheidenen Pfade nicht eingerichtet.

Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm.

Und der Kutscher.

Gojko: Den brauchen wir nicht. Ah. Los, ein bißchen munterer, wenn ich bitten darf, wir haben einen langen Weg vor uns.

Hatch: Lang und heiß und mühsam, rauf und runter, durch Felsen und Geröll über einen halsbrecherischen Klettersteig, auf dem sogar einer montenegrinischen Bergziege schlecht geworden wäre, trotzdem kamen wir zügig voran, auch die blutarme Frau Bullrich, dafür sorgte ab und zu ein Stoß mit dem Gewehrkolben, nach stunden, die Sonne fing schon an hinter die hohen Gipfel im Westen zu rutschen, erreichten wir unser Ziel, ein Mauerviereck, prekär an eine steile Bergwand geklebt, wir wurden über eine Zugbrücke getrieben, die man hinter uns hochzog und blieben im Innenhof stehen vor einem holzgeschnitzten Stuhl auf dem hochgewachsener Greis saß mit einem gewaltigen Walroßschnauzbart, er musterte uns scharf und hob die Hand.

Drako: Hochverehrte Gäste, seien sie gegrüßt ich freue mich daß so zahlreich der Einladung gefolgt sind, die mein Sohn Gojko an der Spitze unserer Männer ihnen überbracht hat und heiße sie willkommen auf Burg Urosch, dem Stammsitz der ruhmreichen Sippe Wassojewitsch, ich bin das Oberhaupt, der Poglawica, Drako Wassojewitsch und mit wem habe ich die Ehre, sie dort mein Sohn, treten sie vor, nennen sie mir ihren Namen.

Grenouille: Jean-Baptiste Grenouille.

Drako: Schante, aus Paris.

Grenouille: Mewie missiö.

Drako: Ah Paris die Hauptstadt der Welt, was ist ihre Profession, Mr Grenouille.

Grenouille: Ich bin Geschäftsreisender Missiö für unsere großen Parfümerien, hier mein Musterkoffer, gestatten sie daß ihnen bzw den reizenden Damen ihres Hauses ein paar Proben.

Drako: Eines nach dem anderen Missiö Grenouille, haben sie Geld.

Grenouille: Ein paar Franc Missiö.

Drako: Aha und zu hause Mr Grenouille ein Sparstrumpf, ein Konto, Rentencoupons.

Grenouille: Nichts von alledem Missiö leider.

Drako: Leider, sie sagen es, Missiö Grenouille, kümmere dich um ihn Gojko.

Gojko: Ja Vater.

Grenouille: Ah.

Mayfair: Hören sie mal was fällt ihnen ein, der arme Mr Grenouille, wo sind wir hier eigentlich.

Drako: In Montenegro, Weib, und in Montenegro haben Frauen im Rat zu schweigen.

Mayfair: Was gehen mich ihre hinterwäldlerischen Sitten an, ich bin Engländerin, Rhoda Mayfair, weltberühmte Schriftstellerin, Verfasserin von Liebe in Fesseln, eine Insel für zwei, Lebwohl auf ewig, Flammen der Leidenschaft, usw usw Millionenauflagen, Übersetzung in alle besseren Sprachen, sie haben bestimmt schon was von mir gelesen das heißt falls sie lesen können natürlich.

Drako: Das Buch des Montenegrieners ist sein Revolver, sind sie reich Mrs Mayfair.

Mayfair: Miss Mayfair bitte, lassen sie ihre Flinte unten, Gojko oder wie sie heißen, ich hab genug, ich kann zahlen.

Franco: Und ich Carissima.

Mayfair: Für dich zahl ich auch Franco, das bin ich doch gewohnt, stell dich vor.

Franco: Si carissima Franco Peroni Italiano.

Mayfair: Mein Sekretär und wie ich immer sage Knabe für alles.

Drako: In Ordnung, jetzt sie, ja sie meine ich mit dem Kneifer.

Bullrich: Statum exemplum, domine referendissime, Bullrich, Baltasar Bullrich, Dr. der Philosophie, aus Hannover im deutschen Reich, Oberstudienrat, klassische Sprachen, mein Gattin Bernhardine, sie ist blutarm.

Drako: Oberstudienrat eine Person von Gewicht wie es scheint, auch von Vermögen.

Bullrich: Nun domine referendissime einerseits.

Drako: Gojko.

Bullrich: Andererseits ein wenig Geldes ist vorhanden, pecunia, pecunium femininum oder auch argentum argenti neutrum.

Drako: Gut mein Sohn, der nächste.

Dimitri: Ich nur Reiseführer großmächtiger gospodar, bescheidener Name Dimitri.

Tafelspitz: Gusch, las uns gütigst besseren Leuten den Vortritt, alsdann Nepomuk Edler von Tafelspitz, habe die Ehre, Offiziar im kaiserlichköniglichen Finanz-ministerium in Wien, leidlich vermögend.

Drako: Sieh da, im Gegensatz zu unseren Fürsten schätzen wir Wassojewitsch die Österreicher, und die letzten beiden Herren.

vanDusen: Prof van Dusen.

Hatch: Hutchinson Hatch, Journalist beim Daily Newyorker, Amerikaner wie der Prof.

Drako: So ein Gelehrter und ein Zeitungsschreiber, wahrlich keine fette Beute, sie gehören dir Gojko.

Hatch: Moment mal alter Knabe sie haben keine Ahnung wer vor ihnen steht, Prof DrDrDrAugustus van Dusen in aller Welt voll Ehrfurcht die Denkmaschine tituliert ist der bedeutendste Wissenschaftler, Erfinder und nebenbei Amateurkriminologe den die Erde je gesehen hat, seine zahllosen Patente haben ihn zum Krösus gemacht.

vanDusen: Mein lieber Hatch, sie übertreiben wieder mal.

Hatch: Klappern gehört zum Handwerk, ich selbst Hutchinson Jefferson Hatch nenne einen Herrn Vater mein eigen welcher mehr Dollars besitzt denn Dagobert Duck.

Drako: Wer soll sein Dagobert Duck.

Hatch: Von Rockefeller ganz zu schweigen, und was sie betrifft alter knabe sie können uns überhaupt nicht imponieren, Räuberhauptmann in Montenegro was ist das schon, da kennen wir ganz andere, der Prof und ich, Präsident Theddy Roosevelt, König Edward von England, Kaiser Willhelm.

Drako: Schweigen sie, nun denn, als Lösegeld setze ich pro Person die Summe von 1000 Mariatheresiataler fest.

vanDusen: Rund 1060 Dollar.

Drako: Auch Mrs Mayfair und Frau Bullrich haben den vollen Betrag zu entrichten.

Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm.

Drako: Da in ihren Heimatländern die ausgefallene Ansicht vorzuherrschen scheint, eine Frau sei ebenso viel wert wie ein Mann, ich werde einen Boten nach Kataro entsenden, auf daß er sich bei ihren Konsulaten um das Geld bemühe, in drei Tagen am 19. August wird er sich wieder auf Burg Urschusch einstellen, wenn nicht übernimmt Gojko das weitere.

Hatch: Alles klar alter Knabe und wenn er mit den Talern pünktlich anmarschiert.

Drako: Werden sie alle entlassen, mit dank und unsern besten Wünschen.

Hatch: Wirklich, wer garantiert uns das.

Drako: Wir sind Ehrenmänner, mein Herr, ich gebe ihnen mein Wort.

Hatch: Na da bin ich aber beruhigt.

Drako: Seien sie in der Zwischenzeit unsere Gäste, sie dürfen sich innerhalb der Burg frei bewegen.

Hatch: Kunststück bei hochgeleierter Zugbrücke.

Drako: Sie können tun was immer sie wollen, mit zwei Ausnahmen, mein Vorkoster ist gestern ein Opfer eines Berufes geworden, ein Hammelknochen in der Luftröhre, ihr für mich ansonsten wertloser Führer wird seine Stelle einnehmen und meine Speisen kosten, bevor ich sie selbst zu mir nehme, eine hierzulande unumgängliche Vorsichtsmaßnahme.

Hatch: Pech für Dimitri, und die zweite Ausnahme.

Drako: Sie, Mr Hatch sind ein sympathischer Mensch, zurückhaltend, bescheiden, gerade sie darauf lege ich wert, sollen sich bei uns wie zu hause fühlen deshalb werden sie Gelegenheit erhalten, sich nützlich zu machen, in der Küche aushelfen, servieren, was so anfällt.

Hatch: Ok wenn sie mir den Lohn vom Lösegeld abziehen.

Drako: Genug, Gojko.

Gojko: Ja Vater.

Drako: Führe unsere Gäste in ihre Quartiere.

Hatch: Die Quartiere bestanden aus ein paar kahlen Löchern möbliert mit antiken Strohsäcken, an denen alles vermodert war, nur nicht die lieben Tierchen die putzmunter darin herumhüpften und krabbelten, waschen konnten wir uns an der sparsamen Pumpe im Hof und was die übrigen sanitären Einrichtungen betrifft die übergehe ich wohl besser mit schweigen, kein wunder daß wir sog. Gäste uns am nächsten morgen kaum von den Gastgebern unterschieden, nur Tafelspitz, der edle Wiener war sauber, glatt wie aus dem Ei gepellt, naja Adel verpflichtet, die Räuber schlichen trübe durch die Gegend, sie hatten nachts den Musterkoffer des seligen Mr Grenouille ausgetrunken und das war ihnen nicht gut bekommen, auch van Dusen wirkte finster, aus guten Grund, man hatte ihn bestohlen.

vanDusen: Sehen sie mein lieber Hatch, meine schwarze Tasche.

Hatch: Ihr chemophysikalisches Miniaturlabor, meinen sie Prof.

vanDusen: Eben dieses, mein lieber Hatch, des Nachts während ich schlief wurde es gewaltsam geöffnet.

Hatch: Ach ja und fehlt was.

vanDusen: wie es scheint wurde lediglich ein Fläschchen mit HCl vulgo Salzsäure entwendet.

Hatch: Sowas, die schlucken hier wohl alles.

vanDusen: Um gottes willen Hatch.

Hatch: Und sonst haben sie keine sorgen Prof, arbeiten sie lieber einen Fluchtplan aus.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich denke nicht daran, einige Tage relativer Unbequemlichkeit, der Verlust einer nicht allzugroßen Summe, deshalb das Risiko einer gefahrvollen Flucht durchs Gebirge einzugehen, lohnt wahrlich nicht, fassen sie sich ein bißchen in Geduld.

Gojko: Los los, Mr Hatch an die Arbeit, in die Küche marsch.

Hatch: Und ich in der Küche wurde ich ganz schön in Atem gehalten, erst ausfegen dann Kartoffelschälen und schließlich Maisbrei rühren, stundenlang, eine verantwortungsvolle wenn auch reichlich stumpfsinnige Tätigkeit, Führer Dimitri, der zwischen den Mahlzeiten frei hatte, leistete mir Gesellschaft, an einer etwas abseits gelegenen Feuerstelle stocherte er in einem Topf herum.

Hatch: Was brutzeln sie denn, das riecht ja seltsam.

Dimitri: Sehen doch Knochen von Schaf.

Hatch: Abgenagte Hammelknochen und Wasser, was soll das werden wenn es fertig ist.

Dimitri: Sie nichts angehen Mr Hatch kümmern um eigene Angelegenheit, bitteschön, rühren fleißig Kukuruzs sonst brennen an und Räuber böse.

Hatch: Auch gut, ansonsten ereignete sich nichts an diesem Tag, oder doch, beim gemeinsamen Abendessen hatte der edle Tafelspitz eine Ankündigung zumachen.

Tafelspitz: Sans a bißl still ich bitt schön.

Drako: Ruhe.

Tafelspitz: Naja verehrte Anwesende, Damen und Herren Räuber sowie geschätzte Mitgefang wollte sagen Gäste, am morgigen Tag schreiben wir den 18 August und wie jeder brave Österreicher weiß, geruht sich am 18 August der holdselige Geburtstag seiner allergnädigsten kaiserlichköniglichen Majestät Franz Josef zu zu stattzufinden.

Hoch soll er leben.

Tafelspitz: Ich bin kei Redner verehrte anwesende, doch es drängt mich zu konstatieren, daß so ein glorreicher patriotischer Feiertag ja gefeiert werden muß, auch unter widrigen oder sagen wir ungewöhnlichen Umständen, nun ich machs kurz, anläßlich des erhabenen Anlaßes erlaube ich mir alle verehrten anwesenden zu einem Festmahl einzuladen, morgen abend soll hier aufgetischt werden, was Küche und Keller vermögen, zu ehren seiner Majestät.

Drako: Für die Kosten aber kommen sie auf Herr von Tafelspitz.

Tafelspitz: I zahl alles.

Die Getränke auch.

Tafelspitz: Na selbstverständlich.

Hatch: Da, jetzt steckt er sich schon wieder eine Havanna an.

vanDusen: Wen meinen sie, mein lieber Hatch.

Hatch: Den Tafelspitz, das ist jetzt die fünfte, ich habe mitgezählt und ich armes Schwein habe seit gestern nichts mehr zu rauchen.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, so hat unser erzwungener Aufenthalt in dieser Wildnis denn doch sein gutes, sie werden wenn auch wie ich zu befürchten Anlaß habe lediglich für wenige Tage dem Laster des Nikotingenußes entsagen müssen.

Hatch: Am 18 August gegen 6 Uhr abend fing es an das rauschende Festmahl für Kaiser Franzjosef und alle waren bester Stimmung alle bis auf Hutchinson Hatch ihren ergebenen Diener, und letzteres meine ich wortwörtlich, vom frühen morgen an hatte ich mir am Herd die Beine in den Bauch gestanden, und jetzt mußte ich sie mir wieder ablaufen, Schüsseln, Töpfe, Flaschen schleppen, vorlegen, eingießen, immer auf trab, auch der gute Dimitri machte übrigens keinen ganz glücklichen Eindruck, er war im Dienst und stand unter dem Stuhl des Häuptlings und sah ausgesprochen nervös aus, wahrscheinlich hoffte er inständig daß niemand auf die Idee kam den alten gerade jetzt zu vergiften, wie gesagt, es war ein rauschendes Fest, von Tafelspitz hielt eine Rede, alle schrien hurra, der Gusla, der lokale Barde griff in die Seiten das heißt in die Seite, denn das traditionelle Instrument dieser Landstriche, die Guslar hat nur eine, der Guslar besang endlos und steinerweichend die Heldentaten der edlen Räuber vom Stamme Wassojewitsch und es wurde gegessen.

Gojko: Der erste Gang, saure Kraupensuppe mit Kuttel.

Hatch: Es wurde gegessen, aber nicht einfach drauf los, sondern nach strenger Etikette, der Chef nahm seinen großen silbernen Löffel, tauchte ihn in seine Schüssel und reichte ihm gefüllt dem Vorkoster, der steckte ihn den Mund, schluckte, gab ihn zurück, eine Minute gespanntes warten und wenn der Vorkoster dann noch am Leben war, fing der Chef an zu essen und gab so das Signal zum Beginn der allgemeinen Brekelei.

Gojko: Der zweite Gang, Hammel am Spieß gebraten.

Bullrich: Hammel am Spieß.

Hatch: Mit Salz, Knoblauch, Zwiebeln und Fladenbrot, nicht raffiniert aber reichlich, das konnte man auch vom dritten Gang sagen, als Dessert gab es einheimischen Landwein blutrot und essigsauer oder Slibovicz ganz nach Wunsch und dabei meine Damen und Herren ist es dann passiert, ich entkorkte eine Weinflasche, goß dem alten Drako Wassojewitsch ein, der nahm einen großen Schluck, stellte das Glas ab, plötzlich sprang er auf mit verzerrtem Gesicht krampfte beide Hände um den Hals.

Gojko: Vater, vater, vater was hast du.

vanDusen: Er ist tot.

Gojko: Tot, vergiftet.

vanDusen: Ja ohne jeden Zweifel.

Gojko: Dann weiß ich, wer ihn auf dem Gewissen hat, du warst es.

Hatch: Ich.

Gojko: Ja du Hutchinson Hatch aus Amerika.

Hatch: Das ist doch nicht ihr Ernst, ich mach ja jeden Blödsinn mit aber.

Gojko: Du hast den Korken aus der Flasche gezogen, du hast den Wein eingeschenkt, und dabei hast du das Gift hineingetan, nur du konntest das tun.

Hatch: Aber warum sollte ich denn.

Gojko: Du hast meinen Vater getötet, unseren Häuptling, du bist der Blutrache verfallen, bindet ihn, du wirst deine Tat sühnen und diese Sühne wird schrecklich sein, holt einen Pfahl, spitzt ihn an.

Hatch: Wieso Pfahl.

Gojko: Weil wir dich pfählen werden du Hund.

Hatch: Und wie macht man das.

Gojko: Du wirst auf einen hohen spitzen Pfahl gesetzt hier vor unser aller Augen und wir werden zuschauen wie du schreist und dich windest wenn die Spitze in dein Gedärm dringt tiefer und tiefer, Höllenqualen wirst du leiden.

Hatch: Sagen sie mal wollen sich wirklich so viele Mühe machen.

Pope: Haltet ein meine Kinder, höret den Mann Gottes.

Gojko: Was willst du Pope, mach es kurz.

Pope: Seid ihr Türken, seid ihr Heiden, nein das seid ihr nicht, Christen seid ihr und so handelt denn auch an diesem Menschen wie es Christen geziemt mit Sanftmut und Milde.

Gojko: Nicht pfählen.

Pope: Nein mein Sohn dies wäre unchristlich.

Gojko: Was sollen wird dann mit ihm machen, schlag was vor Pope.

Pope: Nun mein Sohn warum schneiden wir ihm nicht einfach den Kopf ab, so haben schon unsere frommen Vorväter Mord und Totschlag geahndet.

Gojko: Das ist viel zu leicht für den Kerl Pope.

Pope: Nicht wenn wir ein ganz besonders stumpfes Messer benutzen mein Sohn.

Hatch: Prof tun sie doch was, helfen sie mir.

vanDusen: Meine Herren leihen sie mir für einen Augenblick ihr Ohr, bei allem Verständnis für ihren berechtigten Unmut, zügeln sie ihren Übereifer, begehen sie keinen Fehler den sie später bereuen könnten, Mr Hatch lassen sie sich das von mir gesagt sein, Mr Hatch ist nicht der Mörder.

Gojko: Sie können uns viel erzählen, sie sind sein Freund.

vanDusen: Zunächst einmal bin ich Prof DrDrDrAugustus van Dusen Amateur-kriminologe von nicht gewöhnlichem Ruf, und als solcher versichere ich ihnen, Mr Hatch ist unschuldig, hören sie auf mich, meine Herren, bei einem Gift welchem ihr dahin geschiedner Häuptling zum Opfer fiel, handelt es sich, der typische Bittermandelgeruch an seinen Lippen beweist es, um eine der Zyanverbindungen.

Gojko: Was.

vanDusen: Zyan Wasserstoff besser bekannt als Blausäure, oder Kaliumzyanatum, kurz Zyankali, beide gehören bekanntlich zu den rapiden in sekundenschnelle wirksam werdenden Giften.

Gojko: Natürlich der Wein.

vanDusen: Sie irren, mein bester, überzeugen sie sich selbst, weder die Flasche noch das Glas erhalten auch nur eine Spur von Zyan.

Gojko: Überzeugen ja wie denn.

vanDusen: Mittels ihrer Nase, mein bester riechen sie.

Gojko: Ah, nein nein keine bittere Mandel.

vanDusen: Bitte.

Gojko: Das ist unmöglich Prof sie sagen das Gift wirkt sofort und wenn im Wein keins war wie ist mein Vater dann vergiftet worden, sicher er hat vorher Graupensuppe gegessen und Hammelbraten aber das lag eine halbe Stunde oder noch länger zurück und dann wäre ja auch der Vorkoster daraufgegangen, die ganze Sache ist.

vanDusen: Ein Rätsel wollen sie sagen, ich stimme ihnen zu, ein nicht uninteressantes kleines Problem, eine kriminologische Herausforderung, der ich mich stellen werde, ich übernehme den Fall.

Hatch: Für mich, danke Prof, ich danke ihnen.

vanDusen: Ihretwegen mein lieber Hatch ja dies auch doch in erster Linie sehe ich mich motiviert durch die mysteriösen Umstände, die scheinbare Unvereinbarkeit der Fakten, die Aura des auf den ersten Blick Unmöglichen, geben sie mir Zeit bis Morgen mein bester und ich werde ihnen den Täter präsentieren.

Hatch: Manchmal kann er recht innervierend sein der Prof aber wie ich immer sage besser ein enervierender Prof als ein angespitzter Pfahl, Gojko vertagte seine unfreundlichen Absichten, er blieb aber mißtrauisch, nicht nur mir gegenüber, Gojko sperrte uns acht Gäste alle zusammen in einen Kellerraum und stellte eine Wache vor die Tür, da saßen wir nun und versuchten uns auf die Ereignisse der letzten Stunden einen Vers zu machen.

Tafelspitz: Na was sag ich kein Anstand die Tschuschen, ausgerechnet an Kaisers Geburtstag muß er sich umbringen lassen, der Frechling, der Ausgschamte.

Dimitri: Herr Prof sagen bitte Wer ist Mörder.

Bullrich: Sicarius sicarii maskulin.

vanDusen: Doch wohl eher venefikus Dr Bullrich wir haben es mit einem Giftmischer zu tun, nicht mit einem Messerstecher.

Bullrich: Requie, Herr Kollege.

Bernhardine: Baltasar es ist ja alles zu furchtbar.

Bullrich: Beruhige dich teuerste, sie wissen ja meine Gattin ist blutarm.

Mayfair: Also ich glaube es war dieser Goyko, der hat seinen Vater umgebracht.

vanDusen: In der tat Miss Mayfair von wannen wart solche Weisheit.

Mayfair: Machen sie sich nur lustig, Prof ich weiß was ich sage, Gojko hat ein Motiv.

Bullrich: Causa causae femininum.

Mayfair: Jetzt ist er nämlich Häuptling oder poglawica wie die hier sagen gut kombiniert was.

Franco: Brava carissima, du bist so klug wie senior Sherlock Holmes.

Hatch: Auch das noch.

vanDusen: Kommen sie mein lieber Hatch.

Hatch: Der Prof winkte mich in eine Ecke und fing an mich über Dimitri auszufragen ob mir irgendetwas Ungewöhnliches an oder bei ihm aufgefallen sei, vielleicht in der Küche und ich erzählte ihm daß Dimitri gestern Hammelknochen ausgekocht hatte.

vanDusen: Aha hochinteressant mein lieber Hatch, vor allem in Zusammenhang mit der aus meiner schwarzen Tasche entwendeten Salzsäure, die Konturen des Falles beginnen sich zu klären.

Hatch: So na mir soll alles recht sein, wenn die Brüder mich nur nicht auf den Pfahl setzen oder mir den Kopf abschneiden.

vanDusen: Seien sie unbesorgt mein lieber Hatch, es ist spät, begeben wir uns zu Ruhe.

Hatch: Rotwein mit Sliwowiz ist ein ausgezeichnetes Schlafmittel, ich träumte von einer wunderbar duftenden Havanna, plötzlich gerade als ich anrauchen wollte, verwandelte sie sich in einen spitzen Holzpfahl.

Bernhardine: Ha.

Hatch: Ich schreckte hoch, riß die Augen auf, sah daß es schon hell war und hörte wie Frau Bullrich aus vollem Halse schrie.

Bernhardine: Da liegt er Baltasar auf seinem Strohsack und überall Blut.

Bullrich: Sanguies sanguie maskulinum, laß sehen geliebtes Weib, in der Tat, Dimitri ist tot, mortus, mortum.

vanDusen: Kein Zweifel Dr Bullrich, seine Kehle ist durchschnitten.

Bullrich: Und da sein offenes Taschenmesser blutbefleckt neben seiner rechten Hand liegt bedarf es keinerlei meisterdetektivischen Scharfsinns Selbtentleibung zu konstatieren, mors voluntaria.

vanDusen: Meinen sie, aus welchem Grund sollte unser Führer sich töten.

Hatch: Der Grund zeigte sich als wir die Taschen der Leiche durchsuchten, ein kleines Stück weißer Substanz das aussah wie das Ende einer Zuckerstange.

Bullrich: Oder wie Kreide, creta creatae femininum, lassen sich mich einmal kosten, Mr Hatch.

vanDusen: Um gotteswillen nicht in den Mund, legen sie das Stück ab mein lieber Hatch und waschen sie sich bei nächster Gelegenheit gründlichst die Hände, ja wie ich erwartet habe, Zyankali, bekanntlich wird dies hochgiftige Salz in form solcher Stangen gehandelt.

Hatch: Zyankali, na dann ist ja alles klar.

Mayfair: Dimitri hat den alten Häuptling vergiftet.

Franco: Nichte Gojko, charissima.

Bullrich: Und dann er gemerkt, daß sie ihm auf die Schliche gekommen sind, Herr Kollege.

Mayfair: Sie haben ja laut genug geredet gestern abend.

Bullrich: Und deshalb hat er sich eigenhändig entleibt.

Hatch: Aus Angst vor Blutrache.

Bullrich: Quod erat demonstrandum.

Bernhardine: Ja wer hat denn nun wen umgebracht Baltasar.

Bullrich: Ich werde es dir später explizieren, teuerste, meine Gattin ist ja so blutarm.

vanDusen: Auch ich werter Dr Bullrich meine Herrschaften bin mir des tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse nicht so sicher, wie sie es zu sein scheinen, in einem Punkte kann ich allerdings voll und ganz beipflichten, Dimitri unser Führer hat dem Oberhaupt der Sippe Wassojewitsch Zyankali appliziert.

Mayfair: Ja und das sagen sie so leicht dahin Prof.

vanDusen: Warum nicht, Miss Mayfair sie haben doch die gleiche Behauptung aufgestellt.

Mayfair: Naja wo er doch das Gift in der Tasche hatte aber sonst, wissen sie denn wie er den alten vergiftet hat Prof.

vanDusen: Gewiß weiß ich das, Miss Mayfair.

Mayfair: Ja und wollen sie es uns nicht verraten, bitte.

vanDusen: Meine Herrschaften, angesichts ihrer Inständigkeit erkläre ich mich gern bereit ihrem Ersuchen stattzugeben.

Hatch: Wie gern.

vanDusen: Jedoch nicht an diesem tristen Orte, Prof van Dusens Aufklärungsvortrag erheischt einen anderen, einen würdigeren Rahmen, Wächter rufen sie mir ihren Häuptling.

Hatch: Zehn Minuten später standen wir auf dem Hof, alle, auch der edle Tafelspitz, der sich aus dem Trubel um den toten Dimitri vornehm rausgehalten und derweil seelenruhig rasiert hatte, vor einem Taschenspiegel, natürlich hatten sich auch sämliche Wassojewitsche eingefunden, schließlich wollten sie erfahren, wer ihren alten Chef ermordet hatte, der Prof stieg auf den großen Banketttisch, sah sich um, und fing an.

vanDusen: Wertes auditorium, zwei plus zwei, nicht zum ersten male finde ich Ver-anlassung auf diese unbestreitbare Tatsache hinzuweisen, zwei plus zwei ergibt vier.

Hatch: Immer und überall.

vanDusen: Oder lassen sie es mich anders ausdrücken, ausgekochter Hammel-knochen plus Salzsäure ergeben nun.

Bullrich: Nesciore domine Kollege.

vanDusen: Die Summe heißt Gelatine, dieser Stoff hierzulande fraglos noch wenig bekannt findet Mrs Mayfair und Frau Bullrich werden es bestätigen, bei uns zuhause immer häufiger Verwendung in der feinen Küche, bei der Komposition von Gelee beispielweise.

Bernhardine: Aspik Prof, Aspik auch.

vanDusen: Daran zweifele ich nicht Frau Bullrich, auf welche Weise wertes Auditorium wird Gelatine hergestellt, man nehme Knochen, reinige sie sorgsam und befreie sie sodann mittels Applikation von Salzsäure von anorganischen Bestandteilen, das heißt von phosphorsaurem und kohlesaurem Kalk, zurück bleibt eine knorpelartige Substanz, welche man nun in Wasser solange kocht bis sie sich auflöst, den bei milder Hitze reduzierten Sud läßt man erstarren, möglichst in platten Formen, bei Ermangelung solcher tut es auch ein flacher Teller und fertig ist die Gelatine, ein spröder glänzender durchsichtiger Stoff, in praxi die reine Erscheinungsform von Glutin oder Knochenlaib.

Tafelspitz: Na dankschön für die Nachhilfe aber ich seh nicht ein was das damit zu tun hat.

vanDusen: Warten sies ab Herr von Tafelspitz, nach dieser Methode welche dies sei am Rande angemerkt nach meinem franz. Kollegen Darfi benannt zu werden pflegt hat Dimitri, unser Reiseführer, Gelatine produziert, hier auf Burg Urusch, er hat wie Mr Hatch bezeugt, Knochen gekocht, nachdem er diese, daran kann ja wohl kein Zweifel obwalten, mit hilfe der meiner Person entwendeten Salzsäure vorschriftsmäßig gesäubert hat.

Franco: Bene bene Prof, materke, warum.

vanDusen: Gelatine, Senior Peroni, wertes auditorium, stellt eine im Endstadium relativ resistente Substanz dar, eine Substanz welche von säure, etwa der menschlichen Magensäure nur langsam aufgelöst wird.

Hatch: Aha.

vanDusen: Ganz recht mein lieber Hatch, aha, wir wissen Drako Wassojewitsch hat das Zyankali nicht im Wein zu sich genommen, angesichts der bekannt schnell Wirkung des Giftes kann es ihm auch nicht in der vorher genossenen Speise beigebracht worden sein, so dachte man, und so sollte man denken, wenn jedoch die Zyankalidosis in Gelatine eingeschlossen war, so mußte zwischen Einnahme und Resultat eine gewisse Zeitspanne liegen, eine halbe, eine ganze Stunde, je nach Stärke der Gelatine.

Bullrich: Das tödliche Gift befand sich also in einer der Speisen, cibus cibu maskulin.

vanDusen: Aber so werden sie fragen, wie konnte es in diesem Fall geschehen, daß der als Vorkoster fungierende Dimitri nicht am Gift zugrunde ging.

Hatch: Ja.

vanDusen: Zyankali, wertes Auditorium ist ein höchst intensives Gift, die tödliche Dosis liegt noch unter ein halben Gramm, das bedeutet die zur Ausführung des Mordes notwendige Gelatinekapsel brauchte nicht größer zu sein als sagen wir ein Getreide- oder Pfefferkorn, eine so winzige Kapsel kann mit Leichtigkeit für eine gewisse Zeit im Munde verborgen gehalten, unbemerkt auf einen Löffel geschoben und mit diesem in die Schüssel des Opfers praktiziert werden, besonders einfach erscheint eine solche Manipulation oder sollte ich korrekter Linguapulation sagen wenn es sich bei der betreffenden Speise um eine Graupensuppe handelt, sieht doch eine kleine Kapsel aus heller Gelatine mit einem ebenfalls hellen Zyankalikern einer Graupe täuschend ähnlich.

Hatch: Ah darum sah Dimitri beim vorkosten so angespannt aus, naja wenn er das Ding ausversehen runtergeschluckt hätte.

Gojko: Ein besonders heimtückischer Mord, aber plausibel, so wie sie es erklärt haben ProfvanDusen, ich bin überzeugt, wir alle sind überzeugt, Dimitri hat meinen Vater getötet, aber warum, Prof warum, das verstehe ich nicht.

vanDusen: Meine Ausführungen wertes auditorium sind noch nicht beendet, Dimitri der Mörder war lediglich ausführendes Organ.

Gojko: Ich muß sie unterbrechen Prof, Milosch, der Bote den mein Vater nach Kataro geschickt hat, ist zurück, Milosch hast du das Lösegeld.

Milosch: Jawohl Chef, hier.

Hatch: Der muntere Mann mit dem Geld war dar, und was dann auf Burg Urusch los war, das hätten sie erleben sollen meine Damen und Herren, welch ein Jubel welch ein Leben, alle drängten sich um Milosch und seinen Sack voll glänzender Silbertaler, Mord und Mörder waren vergessen oder wären vergessen gewesen wenn van Dusen sich nicht energisch gehör verschafft hätte.

vanDusen: Ruhe, ich ersuche um Ruhe, lassen sie mich wenn ich bitten darf meinen Vortrag in aller gebotenen kürze zu Ende führen oder haben sie kein Interesse daran zu erfahren wer Drako Wassojewitsch wirklich.

Hatch: Seid doch mal ruhig.

Gojko: Aber das wissen wir doch Prof, Dimitri.

vanDusen: Wie ich bereits anmerkte war Dimitri lediglich Handlanger, Helfershelfer, Befehlsempfänger, er hat den Mord begangen in der tat, doch ein anderer führte ihm die Hand, ein anderer plante, zog die Drähte, dieser andere ist der eigentliche, der wahre Mörder, der Mörder von Drako Wassojewitsch und von Dimitri.

Bullrich: Dimitri hat Selbstmord begangen.

vanDusen: Nullo modo Dr Bullrich, Dimitri wurde ermordet, zwei gewichtige Gründe hatte der Mörder für diese seine tat, erstens nachdem er meiner Unterredung mit Mr Hatch entnommen hatte ich sei seinem Komplizen auf der Spur, wollte er diesen daran hindern ihn zu verraten, und zweitens der vorgetäuschte Selbstmord hatte die Funktion Dimitri als Sündenbock auszuweisen und so die Aufmerksamkeit vom Drahtzieher im Hintergrund abzulenken.

Mayfair: Wieso vorgetäuscht sein blutiges Messer lag doch direkt daneben.

vanDusen: Eine präparierte falsche Spur welche uns in die irre führen sollte, wie das geschulte Auge des Pathologen zweifelsfrei festzustellen in der Lage ist, wurde die tödliche Halswunde nicht durch das aufgefundene Taschenmesser verursacht sondern durch ein Rasiermesser.

Hatch: Rasiermesser Rasiermesser da war doch was.

vanDusen: Wessen Hand wertes Auditorium führte das Rasiermesser, der Schauplatz des Mordes an Dimitri, jenes verschlossene und bewachte Kellergewölbe in welchem sich allein die acht Mitglieder unserer Reisegesellschaft aufhielten läßt keinen anderen Schluß zu.

Bernhardine: Einer von uns, der Mörder ist einer von uns.

vanDusen: In der Tat Frau Bullrich und nur ein Mitglied der Gesellschaft besitzt ein Rasiermesser.

Hatch: Tafelspitz.

Bernardine: Ja Tafelspitz.

Tafelspitz: Hörens auf, Herr Prof, machens ihnen ned lächerlich.

vanDusen: Lassen sie mich bitte fortfahren, wie kommt es so lautet die nächste an meine Vorbemerkung anknüpfende Frage wie kommt es daß Herr von Tafelspitz und nur Herr von Tafelspitz im Besitz eines Rasiermesser ist.

Hatch: Ja und.

vanDusen: Ich, Mr Hatch, Dr Bullrich, Senior Peroni, wir führten dieses der männlichen Toilette so notwendige Instrument nicht mit uns, waren wir doch lediglich auf einen kurzen Tagesausflug vorbereitet, anders Herr von Tafelspitz, er rechnete ganz ohne Frage mit einem mehrtägigen Aufenthalt.

Hatch: Havannas hatte er sich auch genug eingesteckt.

vanDusen: Und diese hochinteressante Tatsache wertes Auditorium macht es möglich zu den Motiven, den Hintergründen der gesamten auf den ersten Blick so kompliziert wirkenden Affäre vorzudringen, Dimitri mit von Tafelspitz im Bunde und von ihm bezahlt führte uns auftraggemäß an einen Ort an welchem wir überfallen und gefangen wurden, Tafelspitz war im Bilde, weshalb keine Frage, er selbst hat den Überfall organisiert, zusammen mit Drako Wassojewitsch versteht sich.

Gojko: Sie könnten Recht haben Prof, es sind öfter Boten zu Vater gekommen aus den österreichischen Gebieten Bosnien Kataro und er hat uns nie gesagt worum es ging.

Bullrich: Incredible, warum sollte Herr von Tafelspitz mit einem Räuberhauptmann konspirieren.

vanDusen: Herr von Tafelspitz ist beim Finanzministerium in Wien angestellt, dieses Ministerium verwaltet bekanntlich die von Österreich besetzten Gebiete auf dem Balkan, ohne jeden Zweifel ist Österreich höchlichst daran interessiert seinen Besitz durch die Einverleibung des bis dato unabhängigen Fürstentums Montenegro abzurunden, Unruhen an der Grenze, Räubereien, Überfälle kämen der Wiener Politik durchaus gelegen, würden sie doch vor der Weltöffentlichkeit eine spätere österreichische Invasion rechtfertigen, welche nur so das Kalkül einem krisen- geschüttelten Landstrich Ruhe und Frieden brächte.

Mayfair: Raffiniert, dann ist Tafelspitz ja so was wie ein Geheimagent.

vanDusen: So scheint es Miss Mayfair, Drako Wassojewitsch, davon bin ich überzeugt, war in diese polische Dimension keinesfalls eingeweiht, für ihn ging es lediglich um eine geschäftliche Vereinbarung, Tafelspitz hatte sich erboten, ihm eine Gruppe finanziell potenter Opfer zuzuführen, damit die Motive die wirklich hinter der Sache standen auch fernerhin verborgen blieben, war Tafelspitz von anfang an entschlossen, den Mitwisser Häuptling Drako nach durchgeführtem Überfall zu töten, zu diesem Zweck hatte er sich mit einer Stange Zyankali versehen, die präzisen Details der Untat, welche sein Handlanger Dimitri auf seine Anweisung auf die bereits geschilderte Art durchführte, hat Tafelspitz wie ich annehme erst auf Burg Unrusch konzipiert, nach der Bestimmung Dimitri zum Vorkoster, ich bin am Ende wertes Auditorium, der Fall ist gelöst.

Franco: Bravo Prof.

Gojko: Du du warst es also du hat ihn getötet, die Blutrache wird dich verschlingen.

Tafelspitz: Ich sog nix, gor nichts sag i.

Bernhardine: Hättest du das gedacht Baltasar, vier Menschen hat er umgebracht, der nette Herr Tafelspitz.

Bullrich: 4 teuerste quartur, ich zähle deren nur 2, den Räuberhauptmann und Dimitri.

Bernhardine: Na und der arme Monsieur Grenouille und der Kutscher, die hat er doch auch auf dem Gewissen.

Mayfair: Toll wie sie das alles rausgekriegt haben Prof, vielleicht mach ich ein Buch daraus, Räuber, Mörder, Detektive oder so ähnlich.

Hatch: Das lassen sie mal lieber, Miss Mayfair, Prof van Dusen darf nur einer literarisch ausschlachten und der heißt Hutchinson Hatch.

Mayfair: Naja ist ja eigentlich auch kein Stoff für Roda Mayfair, die ist eher für Liebe und Leidenschaft, was Franco.

Franco: Sisi carissima.

Gojko: Prof van Dusen wie können wir ihnen unsere Dankbarkeit beweisen.

Hatch: Na ganz einfach, rücken Sie sein Lösegeld wieder raus.

Gojko: Oh unmöglich Mr Hatch.

Hatch: Warum.

Gojko: Das würde gegen unsere Berufsehre verstoßen, ein Räuber gibt niemals etwas zurück, wie wäre es denn mit der Würde eines Ehrenhäuptlings der Sippe Wassojewitsch, würden Sie das annehmen Prof.

vanDusen: Prof van Dusen, Poglavica honoris causa, warum nicht.

Gojko: Abgemacht, sie sind frei, alle, ah, bis auf Tafelspitz natürlich, der bleibt hier.

Tafelspitz: No Schicksal.

Hatch: Und das verdiente Schicksal hat ihn dann ja auch ereilt den edlen Tafelspitz, was genau mit ihm geschah, wollten wir gar nicht wissen, am Abend dieses ereignisreichen Tages sahen wir restlichen sechs Kataro vor uns liegen, unser Abenteuer in Montenegro war zu Ende.

Bullrich: Finis finis maskulin. Was ich noch sagen wollte, meine Gattin ist blutarm.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Drako Wassojewitsch, Räuberhauptmann: Heinz Rabe
Gojko, sein Sohn: Friedhelm Ptok
Nepomuk Edler von Taflspitz: Peter Matic
Dr. Balthasar Bullrich, Oberstudienrat: Lothar Blumhagen
Bernhardine, seine Gattin: Gudrun Genest
Rhoda Mayfair, Schriftstellerin: Regina Lemnitz
Franco Peroni, ihr Sekretär: Helmut Stauss
Dimitri, Reiseführer: Joachim Grubel
Jean-Baptiste Grenouille, Parfüm-Vertreter: Jean Cuillerier
Pope: Hans Teuscher

Prof van Dusen
Prof van Dusen
9 Monate zuvor

Michael Koser: Prof. van Dusen im letzten Moment (RIAS 1989)

Hatch: Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von San Francisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen, die Todeszelle von Sing Sing, Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags.

Wärter: Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly.

Kelly: Lassen Sie mich in Ruhe.

Wärter: Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie wir sie aus der Zelle holen und über den Gang schleppen nicht weit Kelly nur bis zu dem kleinen Raum ohne Fenster gleich nebenan und was da auf sie wartet das wissen sie Kelly, der Stuhl, der elektr. Stuhl, sie nehmen Platz Kelly, wir schnallen sie an, wir machen die Kontakte fest an ihren Knöchel und auf ihren kahlgeschoren Schädel, sie sitzen da und warten warten, der Obmann der Jury gibt das Zeichen, ich schalte den Strom ein, aber sie sind gleich tot Kelly glauben sie das ja nicht, sie werden schmoren, Kelly Sekunden Minuten eine Ewigkeit, sie werden sich aufbäumen.

Kelly: Hören sie auf.

Wärter: Nur noch 30 Stunden Kelly.

Hatch: Versetzen sie sich aus der Todeszelle im Zuchthaus Sing Sing an einem wesentlich angenehmeren Ort, in das Haus von Prof van Dusen, zwei Personen befanden sich im Salon, der Hausherr und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, wir hatten uns ein paar Wochen nicht gesehen, ich war in Kanada gewesen wegen einer Reportage und der Prof. hatte in dieser Zeit am geheimnisvollen Element Radium herumgeforscht und sich jeder kriminologischen Abschweifung enthalten, ganz leicht konnte ihm das nicht gefallen sein sonst hätte er mich nicht gleich gefragt.

vanDusen: Nun mein lieber Hatch was bringen sie mir, einen mysteriösen Mord, ein kriminologisches Problem, welches unsere wackere Polizei wieder einmal vor ein unlösbares Rätsel stellt, gibt es etwas neues.

Hatch: Nicht daß ich wüßte, Prof, hm, der Fall Kelly natürlich aber ist nicht neu und ein unlösbares Problem ist er auch nicht weil er nämlich abgeschlossen ist, Kelly ist rechtkräftig verurteilt, morgen abend kommt er auf den elektrischen Stuhl das ist so sicher wie das amen in der Kirche.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch.

Hatch: Da beißt keine Maus auch nur den allerkleinsten Faden ab, die Sache ist gelaufen, und dabei hat er ihn womöglich gar nicht umgebracht den alten Waldorf, na was solls, Kelly sitzt in der Todeszelle, und da holt ihn keiner raus.

vanDusen: Meinen Sie mein lieber Hatch.

Hatch: Nichts mehr zu machen, traurig, und wie siehts denn so bei ihnen aus Prof, leben noch frisch was macht die Wissenschaft erzählen sie doch mal dieses Radium.

vanDusen: Später später mein lieber Hatch, ihr Automobil.

Hatch: Vor der Tür aber was.

vanDusen: Komm sie schon.

Hatch: Ja wohin denn Prof.

vanDusen: Nach Sing Sing natürlich.

Hatch: Na also, wir fuhren los in meinem Pierce Arrow, aber nicht direkt in Richtung Sing Sing, ich machte einen kleinen Umweg über den Times Square, da stand schon jemand an der Straße und wartete mit Ungeduld, ich hielt, er stieg zu, ich gab Gas.

vanDusen: Was hat das zu bedeuten.

Hatch: Darf ich vorstellen, Mr Dolphin, Elmar S Dolphin, Anwalt der Rechte, Prof van Dusen die sog. Denkmaschine.

Dolphin: Wer kennt ihn nicht, den weltberühmten Wissenschaftler und Amateur- kriminologen, ich freue mich Prof, ich freue mich wirklich sehr, daß sich bereit gefunden haben meinem Mandanten zu helfen.

vanDusen: Ihrem Mandanten Mr Dolphin.

Dolphin: Ja hat Hatch sie nicht informiert, ich bin der Verteidiger von Francis Kelly.

vanDusen: Ich verstehe, ein abgekartetes Spiel, ich wünsche nach hause zurück zu kehren, Hatch, haben sie die Güte zu wenden.

Dolphin: Warten sie Hatch, ja ich geb es ja zu, ich hab meinem alten Freund Hatch gebeten auf sie einzuwirken, sie für den Fall meines Mandanten zu interessieren.

Hatch: Und das hat ja auch geklappt, haha, gewußt wie.

Dopphin: Und warum hab ich so gehandelt Prof weil es gilt einen Justizmord zu verhindern, weil es gilt das leben eines unschuldigen zu retten, und weil nur ein Mensch fähig ist das Unmögliche möglich zu machen, nur ein Mensch in New York, in Amerika, in der ganzen Welt, sie Prof van Dusen.

Hatch: Bravo.

vanDusen: Hände ans Steuer, Hatch, da sie an den Menschen in mir appellieren.

Dolphin: An den Menschen, an den Kriminologen, an das Genie, sie dürfen sich ihrer humanitären Pflicht nicht entziehen.

vanDusen: So hat es den Anschein Mr Dolphin, nun gut, worum geht es, referieren sie, knapp summarisch jedoch präzise.

Hatch: Und von Anfang an.

vanDusen: Hatch bitte.

Hatch: Und der Anfang war das große Kostümfest im Hause Waldorf, Park Avenue am 25. Januar, das Ereignis der Saison, davon müssen sogar sie etwas gehört haben Prof.

vanDusen: Nicht das mindeste mein lieber Hatch.

Hatch: Sie leben eben auf dem Mond Prof.

vanDusen: Wie ihnen durchaus bekannt ist lebe ich in der 35. Straße West nicht weit von der öffentlichen Bibliothek, dort pflege ich mich den exakten Wissenschaften zu widmen, gelegentlich in meinen Mußestunden wohl auch der Kriminologie, keinesfalls jedoch törichten Zerstreuungen wie sie in der sog. guten Gesellschaft im schwange sind, insofern.

Hatch: Müssen wir sie wohl ein bißchen ausführlicher aufklären.

vanDusen: Darum bitte ich.

Hatch: Also das Fest stand unter dem Motto die Wunder des 20 Jahrhunderts und entsprechend waren die Kostüme, modern verwegen der Zeit voraus und wunderbar vor allem wunderbar, Mrs Morgan und Mrs Vanderbild hatten ihre Roben mit Phosphor bestrichen und strahlten um die Wette als Elektrizität und als Radium.

vanDusen: Radium.

Hatch: Der alte Rockefeller wandere in einer Art Goldene Kutte, er war nämlich der sog. Krösus.

vanDusen: Krösus im 20 Jahrhundert.

Hatch: Ja da das hab ich ihn auch gefragt, und er hat gesagt Geld braucht der Mensch in jedem Jahrhundert mein Sohn, dabei hat er Mrs Rockefeller angestoßen und die klirrte und klapperte weil sie Krösus Schatzkammer vorstellte und mit Schmuck behängt war wie ein Weihnachtsbaum, der einzige Mensch der kein Kostüm trug war der Gastgeber Mr Waldorf, als erfolgreichster Bankier der Ostküste hielt er eine Verkleidung wohl für unter seiner Würde und begnügte sich mit einem schlichten Frack, aber diesen Mangel machte die Gastgeberin mehr als wett.

vanDusen: Mrs Waldorf meinen sie.

Hatch: Nein ich meine Mrs Steuvesant, Waldorfs Schwester, er ist nämlich Witwer und wenn er zu feierlichen Anläßen eine Dame des Hauses braucht.

vanDusen: Ich verstehe ich verstehe bitte bemühen sie sich ihre Ausführungen ein wenig zu straffen.

Hatch: Ja keine Angst Prof, gleich wirds kriminell oder kriminologisch, wenn ihnen das lieber ist.

vanDusen: Ja bitte.

Hatch: Wo war ich denn.

Dolphin: Mrs Steuwesand.

Hatch: Richtig Mrs Steuwesand hatte sich mit Unmengen grauer Seide umwickelt und schwebte als Luftschiff über den ganzen.

vanDusen: Verrückt.

Hatch: Kurz, Glanz und Glamour allüberall, ganz New York war da, das heißt die Spitzen der Gesellschaft, die oberen 400.

Dolphin: Da durfte natürlich auch Hutchinson Hatch junior nicht fehlen, ein interessantes Kostüm hatten sie übrigens an Hatch was wars doch gleich.

Hatch: Damit brauchen wir uns jetzt nicht aufzuhalten.

Dolphin: Seien sie doch nicht so bescheiden, Hatch, war doch originell ihre Aufmachung, Brille, gelbe Perücke, altmodischer Rock, dann liefen sie so komisch mit eingeknickten Knien und murmelten dauernd vor sich hin, was war das noch.

Hatch: Auweia.

Dolphin: Irgendwas mathematisches 1 mal 1.

vanDusen: Das ist doch.

Dolphin: 2 plus 2, richtig 2 plus 2 gibt vier.

vanDusen: Hatch sie haben sich unterstanden.

Hatch: Prof da muß ich wohl beichten.

vanDusen: Darum möchte ich bitten.

Hatch: Ja ich war als sie auf dem Fest, als Prof van Dusen, ein Riesenerfolg, die Leute haben sich totgelacht, waren sehr beeindruckt, meine ich, wenn sie kein Wunder des 20 Jh, Prof dann weiß ich nicht.

vanDusen: Schweigen sie, Hatch, gehe ihr recht in der Annahme besagtes Kostüm sei auch von ihnen besucht worden Mr Dolphin.

Dolphin: Ja Prof ich war ein mechanischer Mensch, mein Schneider hatte mir ein.

vanDusen: Sehr interessant in diesem Falle seien sie so freundlich den Bericht fortzusetzen, was sie betriff Hatch ihnen empfehle ich mit aller Dringlichkeit sich auf die Führung des Automobil zu konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit ungeteilt dem Straßenverkehr zuteilwerden zu lassen, ich höre Mr Dolphin.

Dolphin: Nun es war mein Freund Hatch hat es ja bereits angedeutet ein rauschendes Fest, Jubel Trubel Heiterkeit, Eleganz, es wimmelte von lebenden Maschinen aller Art, von Unterseebooten.

vanDusen: Gewiß Mr Dolphin gewiß, kommen sie doch bitte zur Sache.

Dolphin: Sehr wohl Prof, gegen 10 Uhr gab es eine längere Tanzpause, das junge Volk begann bereits unruhig zu werden, und Mrs Steuvesand, ein Dame die ihre Pflichten als Gastgeberin sehr ernst nimmt, begab sich zur Orchesterempore um die Musiker zur baldigen Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu bewegen, Waldorf blieb an seinem Tisch und trank Champagner mit seiner Tochter und ihrem Verlobten.

Hatch: Ja das war ja überhaupt der Grund für das ganze Fest, die Verlobung von Diotima Waldorf und Lord Tilbury aus England, nett sah sie aus Diotima als neue Frau in ihrem kurzen engen Reformkleidchen, fanden sie nicht Dolphin, vor allem neben dem edlen Lord, der sich als Marsmensch verkleidet hatte, eine aufgeblasene grüne Kugel mit sechs Armen und 2 Antennen obenauf, die Schöne und das Biest.

vanDusen: Ihre mehr oder weniger munteren Impressionen aus der großen Welt mögen im Daily New Yorker am platz sein, in einem seriösen kriminologischen Vortrag muß ich sie mir aufs entschieden verbitten.

Hatch: Bitte.

vanDusen: Und sie Mr Dolphin.

Dolphin: Ich komme zur Sache, das heißt ich bin ja schon mitten drin, denn in der erwähnten Tanzpause sprang plötzlich ein Gast auf den Tisch, neben der den Waldorfs, ein Gast im Kostüm eines Aeronauten, er riß Lederhelm und Brille ab, verlangte Ruhe und als es nicht sofort still wurde, zog er aus seiner weiten Jacke einen gewaltigen Revolver und schoß in die Luft, dann richtete er die Waffe auf Waldorf, der war bleich geworden, offenbar kannte er den Mann.

Kelly: Ich sehe sie haben mich nicht vergessen Waldorf.

Diotima: Francis.

Kelly: Und du erinnerst dich auch noch an mich, Diotima, wie nett, den übrigen Anwesenden darf ich mich bekannt machen, mein Name ist Kelly, Francis Rian Kelly, vorbestraft 1 Jahr Gefängnis Betrug und Veruntreuung, sie wissen Waldorf, wem ich das verdanke, ihnen ganz allein ihnen.

Waldorf: Hören sie Kelly.

Kelly: Sie hören Waldorf, sie hören mir zu, sie alle hören mir zu, ich hab ihnen etwas zu sagen über unseren geschätzten Gastgeber den ehrenwerten Mr Walter Waldorf, Bankier und Börsianer von untadeligen Ruf, er ist ein Lump, unser lieber Mr Waldorf, ein Lügner, ein gemeiner Betrüger.

Waldorf: Was erlauben sie sich.

Kelly: Ganz ruhig Waldorf sonst geht mein Revolver los, ich liebte ihre Tochter, Waldorf ich liebe sie immer noch.

Diotima: Francis.

Kelly: Das mißfiel ihnen, Waldorf ich war ja nur ein kleiner Börsenmakler und sie hatten ganz andere Pläne für ihr Kind, sie versuchten uns auseinanderzubringen, aber es gelang ihnen nicht, und da beschlossen sie, mich auf andere Weise loszuwerden, sie kamen zu mir und sagten sie wollten mich reich machen, alles was ich hätte sollte ich in die Firma Chemopetrol investieren, ein kleines Unternehmen in Pittsburgh, ein neues technisches Verfahren und ein hoher Kredit würde den Wert der Aktien über Nacht verzehnfachen, ein todsicheres Geschäft, sie rieten mir die bei mir liegenden Kundengelder kurzfristig auszuleihen und damit Chemopetrol Aktien zu kaufen, ich wollte nicht, aber sie haben mich überredet, goldene Berge habe sie mir versprochen und die Hand ihrer Tochter.

Diotomia: Francis.

Kelly: So wars doch, Waldorf am nächsten Tag ging die Firma Chemopetrol bankrott, kein neues Verfahren, kein Waldorfkredit, ich war ruiniert, ich stelle sie zu rede, sie stritten alles ab, ich beschwor sie mir Geld vorzustrecken damit ich meine Kunden auszahlen konnte, sie haben mich ausgelacht und die Polizei anrufen, sie haben mir eine Falle gestellt, sie haben mich ins Gefängnis gebracht und während ich meine Strafe absaß, haben sie ihre Tochter an einen englischen Lord verkuppelt und du hast dich verkuppeln lassen, Diotima.

Diotima: Aber Francis ich wußte nicht.

Kelly: Sie sind eine Kanaille Waldorf eine widerliche gemeine Kanaile sie haben mein Leben zerstört und dafür werden sie zur Rechenschaft gezogen, jetzt auf der Stelle.

Waldorf: Darüber können wir in Ruhe reden, Kelly, morgen.

Kelly: Heute werden sie reden Waldorf, sie werden eingestehen was sie mir angetan haben hier vor ihren Gästen, ihren Freunden, vor den Menschen auf deren Achtung sie wert legen und vor Diotima und ihrem Verlobten, und dann werden sie mich um Verzeihung bitten, machen sie den Mund auf Waldorf, sie wollen nicht, dann werden sie sterben.

Waldorf: Nein Kelly nicht.

Diotima: Oh was hast du getan Francis.

Kelly: Das versteh ich nicht.

Dolphin: Kelly hatte abgedrückt und Waldorf war zusammengebrochen, Lord Tilbury und ein paar andere Gäste, die in der Nähe waren, stürzten sich auf den Schützen, entrissen ihm die Waffe, überwältigen ihn, der Butler telefonierte nach der Polizei, Waldorf wurde in ein abgelegenes Zimmer getragen, aber der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen, Todesursache eine Schußwunde über dem Herzen.

vanDusen: Aha, wie verhielt sich Kelly.

Dolphin: Er ließ alles mit sich geschehen, wirkte verstört.

Hatch: Und machte ein ausgesprochen dummes Gesicht.

Dolphin: Beim Polizeiverhör erkläre er sich für unschuldig, er erzählte eine kuriose Geschichte, die er später vor Gericht wiederholte, daß er nämlich nach der Entlassung aus dem Gefängnis.

vanDusen: Bitte Mr Dolphin, was Kelly zu berichtet hat, wünsche ich aus erster Hand das heißt aus seinem Mund zu vernehmen.

Dolphin: Einverstanden Prof aber das sollten sie wissen, als Kellys Revolver ballistisch untersucht wurde im Labor der Kriminalpolizei stellte sich eindeutig und einwandfrei heraus, daß die Kugel in Waldorfs Herzen aus dieser Waffe und keiner anderen stammte.

Hatch: Vergessen sie den Drohbrief nicht Dolphin.

vanDusen: Drohbrief.

Dolphin: Ja drei Tage vor dem Kostümfest hatte Waldorf einen mit der Maschine geschriebenen anonymen Drohbrief erhalten und in Kellys Zimmer fand die Polizei eine Schreibmaschine, eine alte Underwood.

Hatch: Und die ist genau diejenige welche.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Dolphin: Ohne jeden Zweifel Prof, wenn sie jetzt sagen sie wollen umkehren könnte ich es ihnen nicht verdenken, der Fall erscheint so einleuchtend, so absolut klar, einige hundert Tatzeugen dazu diverse gewichtige Indizien.

vanDusen: Ein wenig zu viel des guten, finden sie nicht Mr Dolphin.

Dolphin: Genau das ist auch mein Eindruck Prof, Kelly ist kein Idiot und nur ein Idiot würde einen Mord auf diese weise.

Hatch: Wir sind da, Sing Sing voraus.

Hatch: Die Uhr schlug vier, als wir den finsteren Gang mit den drei Gittertüren betraten, death row, die Todeszeile, nur eine Zelle war besetzt, der muffige Wärter schloß die Tür auf und bleib daneben stehen.

Wärter: Vorschrift.

Kelly: Hallo Dolphin.

Dolphin: Kelly.

Kelly: Was soll denn das werden, ne Abschiedsparty.

Dolphin: Francis Rayn Kelly.

Kelly: Zum Tode verurteilt und dennoch ungebrochen.

Wärter: Warts ab Freundchen das heulen und zähneklappern kommt noch in 26 Stunden.

Dolphin: Prof van Dusen, Mr Hutchinson Hatch.

Kelly: Was sie sind der berühmte van Dusen der Superschnüffler die Denkmaschine.

Hatch: Enttäuscht Kelly.

Kelly: Ehrlich gesagt ja, den hab ich mir anders vorgestellt, irgendwie imposanter.

vanDusen: Ich bedaure ihren Vorstellungen so wenig zu entsprechen Mr Kelly, kommen sie.

Dolphin: Bitte Herr Prof, bitte gehen sie nicht, jetzt hören sie mal zu Kelly, man hat mir alles abgeschmettert, Berufung, Eingaben, Gnadengesuch, Prof van Dusen ist ihre letzte Chance oder wollen sie auf den elektrischen Stuhl.

Kelly: Tut mir leid, danke daß sie gekommen sind, Prof bin ein bißchen nervös.

Wärter: Bißchen nervös.

vanDusen: Nungut Kelly angesichts der Situation in welcher sie sich befinden bin ich bereit, ihre mangelhaften Manieren zu übersehen, auch ein Flegel hat Anspruch auf Gerechtigkeit, sagen sie was sie zu sagen haben.

Kelly: Die Wahrheit, Prof ich werde ihnen erzählen was wirklich passiert ist, hören sie zu.

Hatch: Kelly bestätigte uns, was wir schon wußten, wie Waldorf ihn reingeritten, von seiner Tochter getrennt und ins Gefängnis gebracht hatte.

Kelly: Als ich rauskam übrigens genau am 1. Januar nahm ich mir ein Zimmer unten in Hesterstreet, besseres Viertel konnte ich mir nicht leisten, kaufte mir eine gebrauchte Schreibmaschine, versuchte wieder fuß zu fassen, als Agent, Vermittler, an der Börse war es vorbei, viel zu tun gabs nicht, ich krebse so rum, dann traf ich Quinn.

vanDusen: Wen.

Kelly: Den geheimnisvollen Quinn eines abends in der Kneipe, wir kamen ins Gespräch und stellten fest, daß uns was verband, die Abneigung gegen einen gewissen Bankier.

Quinn: Nieder mit Waldorf.

Kelly: Tod dem Blutsauger.

Quinn: Tod das ist wohl ein bißchen übertrieben Kelly aber heimzahlen sollten sie es ihm schon, was er mit ihnen gemacht hat, übrigens haben sie den Daily New Yorker von heute schon gelesen.

Kelly: Hab ich, Quinn, hab ich, Diotima Waldorf verlobt sich mit einem englischen Aristokraten und deshalb gibt Daddy nächsten Sonnabend Fest mit Kostümzwang.

Quinn: Da fällt mir was ein Kelly, eine interessante Sache, die vor ein paar Jahren passiert ist in Rio de Janeiro glaub ich, einem kleinen Beamten ist unrecht geschehen durch ein hohes Tier und dafür hat er sich auf ungewöhnliche Weise gerächt, er hat sich auf dem Empfang des Bürgermeisters eingeschlichen mit einer Pistole, hat ihm sein Sündenregister vorgehalten und ihn gezwungen, seine Schandtaten vor aller Welt zu bekennen, wie finden sie das, Kelly.

Kelly: Klingt nicht schlecht, Quinn.

Quinn: Nicht wahr wenn ich das mal auf ihren Fall übertrage, sie könnten Waldorf blamieren und vor der Öffentlichkeit rechtfertigen.

Kelly: Und vor Diotima.

Quinn: Auch das, Kelly denken sie mal drüber nach, ich habe Verbindungen, ich könnte ihnen, wenn sie wollen eine Eintrittskarte für Waldorfs Fest besorgen.

Kelly: Ich fing an mich mit der Idee anzufreunden, ein paar Tage vor dem Kostümfest kam Quinn zu mir, ich hatte ihm meine Adresse gegeben.

vanDusen: Ein paar Tage, wann genau.

Kelly: Das Fest war am 25. Januar und Quinn war bei mir am am 21. Dienstag, er brachte die Karte mit, wir setzten uns zusammen und machten einen Plan, wir berieten meinen Auftritt, das heißt was ich wann tun und sagen sollte, mein Kostüm und dann das wichtigste.

Quinn: Die Waffe, die brauchen sie unbedingt, Kelly, sie müssen sich doch Respekt verschaffen bei der ganzen Gesellschaft, vor allem bei Waldorf, gleich wenn sie loslegen schießen sie einmal in die Decke, damit ganz klar ist, sie meinen es ernst, und später wenn der alte Gauner nicht gestehen will, ein zweiter Schuß direkt auf ihn gezielt.

Kelly: Aber mit Platzpatronen.

Quinn: Natürlich mit Platzpatronen, sie wollen ihn doch nicht wirklich umbringen, sie tun nur so, aber da er das nicht weiß, wird er in seiner Todesangst auf alles eingehen, sie brauchen also eine Waffe, die nach was aussieht, die Angst macht, eben als ich durch die Hesterstreet ging, hab ich das richtige für sie gesehen im Fenster des Pfandleihers an der Ecke, Colt Peacemaker, Kaliber 45, die berühmten Revolver unserer Wildwesthelden, 20 cm langer Lauf, sehr eindrucksvoll, laufen sie gleich runter, kaufen sie sich so ein Ding, haben sie Geld.

Kelly: 10 Dollar sollte ein Revolver kosten, ich handelte die Pfandleiherin runter auf 8.

vanDusen: Einen Augenblick, Kelly, wenn ich recht verstehe, befanden sich im Besitz der Pfandleihanstalt 2 Coltrevolver der Marke Peacemaker.

Kelly: Na klar ein paar, das ist so im wilden westen, man hat zwei Revolver, einen rechts einen links, haben sie denn nie ein Buffalo Bill Heft gelesen.

Hatch: Wo denken sie hin Kelly.

vanDusen: Das betreffende Pfandleihinstitut, wo genau befindet es sich.

Kelly: Hester Ecke Norfolk Street.

vanDusen: So, sie erwarben also eine der beiden ausgestellten Waffen, während dieser Zeit befand sich Quinn in ihrem Zimmer.

Kelly: Ja.

vanDusen: Allein.

Kelly: Das nehm ich doch an.

vanDusen: Mit Zugang zu ihrer Schreibmaschine.

Kelly: Die stand auf dem Tisch.

Dolphin: Ich verstehe Prof der Drohbrief an Waldorf.

vanDusen: Darauf will ich hinaus Mr Dolphin, fahren sie fort Kelly.

Kelly: Als ich zurückkam, hatte Quinn es eilig, aber tags darauf war er wieder bei mir, wir besprachen nochmal alle Einzelheiten, vor allem auf den zweiten Schuß direkt auf Waldorf, hat Quinn größten Wert gelegt wegen der psychologischen Wirkung hat er gesagt, wir haben die Sache geübt richtig durchgespielt so wie es dann tatsächlich ablief.

Dolphin: Mit einem Unterschied, Waldorf wurde erschossen.

Kelly: Das versteh ich bis heute nicht.

vanDusen: Ihr Revolver enthielt Platzpatronen.

Kelly: Ja.

vanDusen: Wann haben sie ihn geladen.

Kelly: Am 25 abends kurz bevor ich das Haus Waldorf betrat.

vanDusen: Könnten die Platzpatronen danach gegen scharfe Munition ausgetauscht worden sein.

Kelly: Unmöglich der Revolver war die ganze Zeit in der Innentasche, ich hab ihn nicht aus der Hand gegeben, bis ich überwältigt und entwaffnet wurde, das war nach dem Schuß.

vanDusen: Nach dem Schuß, sie wurden also festgenommen, ins Polizeigefängnis eingeliefert, verhört.

Kelly: Tagelang, nächtelang, mal nett und freundlich, mal dritter grad, geglaubt haben sie mir kein Wort.

Dolphin: Also dennoch das muß ich zur Ehrenrettung der Polizei hier einflechten, man gab sich alle Mühe den mysteriösen Mr Quinn aufzuspüren, niemand kannte ihn, niemand hat ihn gesehen, als habe es ihn nie gegeben.

vanDusen: Wie sah Quinn aus, Kelly, beschreiben sie ihn.

Kelly: Ältlich, 50 bis 60, graue Haare, grauer Bart, ungepflegt, runtergekommen, schäbig angezogen, speckiger Mantel, grüne Brille, Typ der in der Gegend um Hesterstreet nicht auffällt, von der Sorte gibts da viele, Einwanderer, Schnorrer, Leute die bessere Tage gesehen haben.

vanDusen: Eine geschickte Maske, was meinen sie, Kelly könnte es sich bei Quinn auch um eine Frau gehandelt haben.

Kelly: Warum nicht, wenn die Dame eine tiefe Stimme hat und kräftigen Körperbau.

vanDusen: Die Polizei hat ihnen nicht geglaubt und das Gericht.

Dolphin: Genauso wenig, es gab nur zwei Menschen im Saal, die Quinn nicht für eine Fiktion hielten, Kelly und mich, der Richter erklärte die Aussage des Angeklagten sogar für eine nicht besonders intelligente Schutzbehauptung.

Kelly: Ein Märchen aus tausend und einer Nacht, hat er gesagt und da haben die Geschworenen mich schuldig gesprochen, im Eiltempo, und der Richter.

Wärter: Tod auf dem elektrischen Stuhl am 9 Mai 1902, 7 Uhr abends.

vanDusen: Kopf hoch, Kelly ich glaub ihnen, ich Prof DrDrDr Augustus van Dusen und ich werde mein möglichstes tun, sie zu retten, zurück nach New York, meine Herren, es gibt viel zu tun und wir haben wenig Zeit.

Wärter: 6 Uhr Kelly nur noch 25 Stunden.

Hatch: Zurück vom Städtchen Sing Sing an dem lieblichen Ufer des Hudson in die Häuserschluchten der Metropole, 40 km, ich fuhr was der Wagen hergab, ich wußte jede Minute, jede Sekunde zählte.

Dolphin: wir sind uns einig Prof, Kelly hat Waldorf nicht ermordet, frage wer dann.

vanDusen: Selbstverständlich jene Person welcher sich Quinn nannte.

Dolphin: Aber wer ist Quinn.

vanDusen: Das Mr Dolphin wird sich zeigen, Waldorf Testament ist wie ich annehme bereits eröffnet.

Dolphin: Vor zwei Monaten Prof.

vanDusen: Wer erbt das Vermögen des Ermordeten.

Dolphin: Haupterbin ist Waldorfs einziges Kind Diotima, außerdem geht eine größere Summe an seine Schwester Steuwesand.

vanDusen: Wie hoch.

Dolphin: Eine viertel Million, nur ein Bruchteil der gesamten Hinterlassenschaft.

Hatch: Aber trotzdem ein warmer Regen, der alte Steuwesand soll ja kurz vor der Pleite stehen.

vanDusen: Und sonst Mr Dolphin, wohltätige Stiftungen, Legate für die Dienerschaft.

Dolphin: Kein einziger Cent, Prof.

Hatch: Typisch Waldorf knickrig, bis zum letzten.

vanDusen: Nur 2 Erben und beide waren anwesend, als Waldorf erschossen wurde.

Hatch: Wissen sie was Prof, Mrs Steuwesant ist eine große kräftige Person, ein richtiger Dragoner.

vanDusen: Mein lieber Hatch, widmen sie sich wenn ich ihnen einen guten Rat geben darf, widmen sie sich ihren Chauffeurspflichten, überlassen sie die kriminologische Feinarbeit dem Kriminologen.

Hatch: Von mir aus, wir setzten Dolphin am Times Square ab, er versprach in seiner Kanzlei zu bleiben jederzeit erreichbar, der Prof ließ sich zur Mulberry street fahren, wie jeder Kriminelle und Kriminologe weiß, liegt da im Haus Nr 3000 die Zentrale der New Yorker Polizei, unsere Jungs in blau sind immer für uns in Dienst, und so fand van Dusen im kriminaltechnischen Labor, wo er seit Jahren ein bekannter wenn auch nicht immer gern gesehener Gast ist einen kompetenten Gesprächspartner, Leutnant Bigshot legte ihm die Beweisstücke im Mordfall Waldorf vor und äußerte sich zum ballistischen Gutachten das er vor Gericht abgegeben hatte.

Bigshot: Die tödliche Kugel stammt eindeutig aus dem Revolver der von uns bei Kellys Festnahme sichergestellt wurde Prof.

vanDusen: Sind sie wirklich ganz sicher Leutnant.

Bigshot: 100 prozentig.

vanDusen: Kann es nicht lediglich eine ähnliche Waffe, ein Revolver der gleichen Marke.

Bigshot: Wollen sie mich beleidigen, ich weiß was ich sage, bin genau nach dem Lehrbuch vorgegangen, aus der vermuteten Tatwaffe habe ich eine Kugel abgefeuert und mit der bei der Obduktion des Opfers geborgenen Mordkugel verglichen, beide wiesen dieselben Zugrillen auf, dieselben Kratzer und Unregelmäßigkeiten, ich hab sie natürlich unters Mikroskop gelegt.

vanDusen: Ich kenne den Lakasanjatest, desgleichen seinen erst kürzlich durch meinen deutschen Kollegen Dr Paul Jeserich entwickelte Modifizierung, und ich weiß daß sie nicht zum ersten mal durchgeführt haben, ich akzeptiere ihr Ergebnis, wie ich auch bereit bin das Ergebnis ihres Schrifttypenvergleichs zu akzeptieren.

Bigshot: Das können sie auch Prof, der Drohbrief an Waldorf ist auf Kellys Maschine geschrieben worden.

vanDusen: Zweifellos Leutnant zweifelos, mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Wenn ich mich recht erinnere, behaupteten sie Waldorf habe während des für ihn fatalen Festes kein Kostüm getragen, vielmehr einen Frack.

Hatch: Ja das stimmt Prof.

vanDusen: In diesem Fach befindet sich mit den übrigen Beweisstücken auch die Kleidung des Ermordeten, wie sie sich selbst überzeugen können ist ein Frack nicht vorhanden.

Bigshot: Ja wirklich sie haben recht Prof kein Frack ist mir noch gar nicht aufgefallen.

vanDusen: Das glaub ich ihn aufs Wort Leutnant.

Bigshot: Ist das wichtig, Prof.

vanDusen: Wer weiß.

Bigshot: Vermutlich ist der Frack im Haus Waldorf geblieben.

vanDusen: Vermutlich ja vermutlich, kommen sie Hatch eine Inspektion des Tatorts steht ohnehin auf meinem gedrängten Programm.

Wärter: 9 Uhr Kelly, noch 22 Stunden.

Hatch: Im Hause Waldorf empfing uns der Verlobte der Tochter, Lord Tilbury und führte uns auf van Dusen Wunsch in den Ballsaal.

Tilbury: Bißchen spät für unangemeldeten Besuch, was Prof, aber keine Sorge habe volles Verständnis, kenne mich aus, alle Prof exzentrisch, anders als du und ich, wollte sagen anders als ich und sie, Mr.

Hatch: Hatch, Hutchinson Hatch.

Tilbury: Apropos exzentrisch, dieser Kelly verrückt, wie erschießt Schwiegerpapa vor 500 Menschen, muß verrückt sein, verrückt wie Hutmacher.

van Dusen: Meinen sie, Milord.

Tilbury: Bitte Mrs Waldorf entschuldigen, bißchen mitgenommen, Vater ermordet, ehemaliger Verehrer morgen hingerichtet, in 4 Wochen Hochzeit irgendwie tragisch, hat sich zurückgezogen, Migräne.

vanDusen: Durchaus verständlich.

Tilbury: Äh ja was kann ich für sie tun.

vanDusen: Lassen sie mir bitte eine hohe Leiter bringen.

Tilbury: Äh Leiter.

vanDusen: Ja Leiter.

Tilbury: Exzentrisch.

Hatch: Raten sie mal meine Damen und Herren, wer auf die hohe Leiter steigen mußte, richtig meine Wenigkeit und als ich oben war muß ich die Decke des Saals absuchen cm für cm besonders sorgfältig über die stelle wo Kelly gestanden und seine Tirade gegen Waldorf gehalten hatte.

Hatch: Nichts, sagen sie mal was suchen wir eigentlich.

vanDusen: Das was sie gefunden haben, mein lieber Hatch, nichts, steigen sie wieder herab.

Tilbury: Exzentrisch, wie ein Oxford.

vanDusen: Sagen sie bitte Milord, wurde dieser Saal seit jenem tragischen Fest renoviert.

Tilbury: Renoviert, kein Schimmer, äh Goosbury.

Butler: Nein Herr Prof.

vanDusen: Es wurden auch keinerlei Reparaturen ausgeführt.

Butler: Nein Herr Prof.

vanDusen: So, wo befindet sich der Frack, welcher ihr Herr an jenem Abend trug.

Butler: Das entzieht sich meiner Kenntnis, Herr Prof.

Tilbury: Muß da sein, Goosbury, weiß noch genau haben Waldorf Frack ausgezogen, vor Untersuchung durch Arzt und in irgendeine Ecke gelegt.

Butler: Sehr wohl Milord, ich kann nur erklären fraglicher Frack befindet sich nicht bei der Garderobe des seligen Herrn.

Hatch: Eine Stunde später saß ich wieder in van Dusen Salon, ich versuchte meinen knurrenden Magen durch einen doppelten Whiskey zu besänftigen und meine Wißbegierde durch gezielte Fragen an den Hausherrn.

Hatch: Was haben sie eigentlich mit Waldorfs Frack, Prof warum ist ihnen das gute Stück so wichtig.

vanDusen: Weil das gute Stück wie sie es zu nennen belieben, uns einen höchst bedeutsamen Hinweis auf die Ausführung des Mordes an Waldorf zu geben im stande ist.

Hatch: Na dann weiß ich alles, darf ich jetzt nach Hause und ins Bett Prof.

vanDusen: Warum nicht mein lieber Hatch, wenn sie mir versprechen sich gleich morgen früh um 7 Uhr bei Dienstbeginn im Archiv ihres von manchen geschätzten Blattes einzufinden und dort eine gewisse hochwichtige Recherche vorzunehmen.

Hatch: Sing Sing Todeszelle.

Wärter: Ungeduldig Kelly, dauert nicht mehr lange, nur noch 18 Stunden.

Hatch: Am nächsten Morgen gegen 9 trat ich befehlsgemäß beim Prof an, unausgeschlafen und ungefrühstückt.

vanDusen: Lassen sie das querulieren, wozu schlafen, wozu speisen, ein kriminologischer Assistent findet volle Befriedigung allein in den intellektuellen Wonnen, welches sein Tun gewährt, hatten sie Erfolg.

Hatch: Wie mans nimmt, so eine Geschichte wie Quinn sie Kelly erzählt hat ist tatsächlich passiert, vor 4 Jahren, 1898 aber nicht in Rio de Janeiro sondern in Kalkutta, in Indien beim Empfang des Vizekönig.

vanDusen: Sehr gut.

Hatch: Ich habs nur rausgekriegt weil unser Archivar ein so phänomenales Gedächtnis hat, in der Zeitung stand die Sache nicht, nur in einem unveröffentlichten Korrespondentenbericht.

vanDusen: Verstehe ich sie recht, besagter Bericht über die Affäre zu Kalkutta ist nicht im Daily New Yorker erschienen.

Hatch: Nicht im Daily NewYorker Prof und auch in keiner anderen Zeitung der Stadt.

vanDusen: Ausgezeichnet mein lieber Hatch kommen sie.

Hatch: Wir fuhren Südosten in die finstere Gegend zwischen Bowery und Eastriver.

Wärter: Na Kelly, 9 Stunden Kelly.

Hatch: Die Gegend war schmutzig, die Pfandleiher an der Ecke Hester Norfolk street waren noch schmutziger und am schmutzigsten war die alte Frau die beim Klang der Türglocke aus dem Hinterzimmer schlurfte.

Frau: Sie wollen kaufen, liebe Herren, verkaufen, etwas versetzen, sie brauchen Geld, sie bringen Geld.

vanDusen: Nichts von alledem gute Frau wir benötigen lediglich eine Information.

Frau: Sie wollen nicht kaufen verkaufen versetzen liebe Herren, sie brauchen kein Geld, sie bringen kein Geld, time is money.

vanDusen: Geben sie ihr etwas Hatch, fünf Dollar.

Hatch: Viel zu viel, einer ist genug.

Frau: Aber lieber Herr, 10 Dollar, hat das nicht der andere Herr gesagt.

Hatch: 10, zwei.

Frau: 8 Dollar lieber Herr.

Hatch: 6 Dollar wurden es schließlich, dafür erzählte sie uns daß sie tatsächlich ein Paar Colt Peacemaker besessen und eine davon an Kelly verkauft hatte am nachmittag des 21. Januar.

vanDusen: Und die zweite Waffe.

Frau: Hab ich auch verkauft lieber Herr am selben Tag eine halbe Stunde später, an einen anderen Herrn.

vanDusen: Etwa 55 Jahre alt grauhaarig, graubärtig, grüne Brille.

Frau: Ja das ist er, kennen sie ihn.

vanDusen: In der Tat, gute Frau, ich kenne ihn.

Hatch: Auf der Rückfahrt hielten wir am Telegrafenamt wo ich auf Anweisung des Prof. mehrere Kabel aufgab, die Mittagzeit war schon vorüber.

Wärter: Ein Uhr Kelly, sie haben ja gar nichts gegessen, aber aber, sie müssen doch groß und stark sein wenn es soweit ist, in 6 Stunden Kelly.

vanDusen: Hier ist die Residenz von Prof van Dusen, Prof van Dusen höchstpersönlich am Apparat.

Tilbury: Lord Tilbury, sagen sie mal Prof, sie doch haben vorhin was gesucht, am Plafon vom Ballsaal.

vanDusen: Jaja so ist es Milord.

Tilbury: Und wegen Renovierung gefragt.

vanDusen: Ganz recht Milord.

Tilbury: Die ist jetzt tatsächlich nötig.

vanDusen: Bitte Milord.

Tilbury: Renovierung Prof, Diotima hat was entdeckt, gute Augen das Mädchen.

vanDusen: Lassen sie mich raten Milord ein Loch.

Tilbury: Genau ins schwarze, Prof ein Schußloch, noch was Prof, Frack hat sich auch eingefunden.

vanDusen: Ach ist es die Möglichkeit Milord, ich werde mich gleich bei ihnen einstellen.

Hatch: Na dann wollen wir mal wieder Prof.

vanDusen: Nicht sie mein lieber Hatch, Sie bleiben.

Hatch: Ach was.

vanDusen: Drei für die Lösung des Falles wesentliche Aufgaben hab ich ihnen zugedacht, zuerst werden sie bei der Kriminalpolizei anrufen, Leutnant Bigshot möge sich im Labor bereithalten, sodann werden sie die Antworten auf die von ihnen aufgeben Kabel erwarten und mit diesen Antworten schließlich werden sie sich nach Singsing begeben, ich erwarte sie dort spätestens um 6 Uhr abends.

Hatch: Ich telefonierte und ich wartete.

Wärter: Drei Uhr Kelly, bald haben sie hinter sich, nur noch 4 Stunden.

Hatch: Es war kurz vor 6 als ich in Sing Sing eintraf, in der Todeszelle und auf dem Gang davor herrschte ein Treiben wie sonnabends am Broadway, halb New York war da, Kelly und sein Wärter natürlich, Dolphin, Leutnant Bigshot, der Gefängnisdirektor, ein Geistlicher für den letzten Gang und ein paar sehr offiziell wirkende Herren, darunter ich traute meinen Augen nicht der Governor des Staats NY, ferner Familie Waldorf, das heißt Diotima, Mr Stewesand, Lord Tilbury, wo es dann noch ein freies Plätzchen gab stand todsicher ein Polizist, der Prof war natürlich auch schon da.

Tilbury: Unverschämtheit, Prof, angesehene Bürger, Damen, Lord aus England widerrechtlich hierher gebracht auf ihre Anordnung, Freiheitsberaubung, Zumutung, ich verlange Erklärung.

vanDusen: Die sollen sie erhalten, Milord, sie und die übrigen Anwesenden, meine Damen und Herren, ich ersuche um Ruhe und Aufmerksamkeit.

Wärter: Es hat 6 geschlagen, Kelly noch eine Stunde.

Hatch: Prof van Dusen begann seinen Vortrag mit einer kurzen Zusammenfassung der Vorgeschichte, die sie ja bereits kennen meine Damen und Herren, sodann berichtete er wie der mysteriöse Mr Quinn sich an Kelly herangemacht und ihn dazu gebracht hatte beim Kostümfest als Rächer aufzutreten.

vanDusen: Mr Quinn, lassen sie mich die betreffende Person fürs erste weiterhin mit ihrem selbstgewählten Namen bezeichnen, Mr Quinn war ebenfalls Gast des Kostümfestes im Hause Waldorf, selbstverständlich in seiner wahren Identität, als Kelly wie besprochen auf Waldorf zielte und schoß, schoß auch Quinn, keiner sah es, denn alle Augen waren auf Kelly gerichtet, Quinn presste seinen Revolver, den Zwilling der Waffe, die Kelly in der Hand hielt gegen Waldorfs Brust und drückte ab, gleichzeitig mit Kelly, er verbarg seine Waffe wieder, stürzte sich gemeinsam mit anderen Gästen auf Kelly, überwältige ihn, entriß ihm den Revolver und tauschte ihn im allgemeinen durcheinander unbemerkt gegen seinen eigenen aus.

Bigshot: Darum das ballistische Gutachten.

vanDusen: Ganz recht Leutnant, bei der Durchführung seines raffinierten Szenarios unterlief Quinn allerdings ein Fehler, er hatte nicht bedacht daß Kelly vorher bereits einmal geschossen hatte in die Luft und zwar mit mit seinem Revolver dh mit einer Platzpatrone welche natürlich keine Spur am Plafond hinterlassen konnte, als ich diesen untersuchen ließ versuchte Quinn seinen Fehler wiedergutzumachen, indem er Kelly abgenommen Revolver diesmal scharf geladen nachträglich in die Decke schoß, ich habe die Kugel entfernt und Leutnant Bigshot zur Untersuchung überlassen, ihr Ergebnis Leutnant.

Bigshot: Die Kugel stammt aus einem Colt Peachmaker.

Tilbury: Na bitte.

Bigshot: Aber nicht aus der Waffe mit der der tödliche Schuß auf Waldorf abgegeben wurde.

vanDusen: Aha, auch der Frack des toten hat er verschwunden lassen.

Hatch: Warum.

vanDusen: Warum mein lieber Hatch, weil die Pulverspuren im Gewebe verrieten, daß der Todeseschuß aus nächster Nähe abgefeuert wurde, übrigens tauchte auch der Frack wieder auf, doch es war der falsche, ein starker Geruch nach Mottenpulver bewies, das Kleidungsstück war jahrelang nicht getragen und nur deshalb zur Stelle geschafft worden, weil ich mich für das Detail interessiert hatte, das Fazit meiner Nachforschungen und Schlußfolgerungen, Kelly diente lediglich als Sündenbock, nicht er hat Waldorf ermordet sondern.

Dolphin: Quinn, das ist klar Prof, aber wer ist Quinn.

vanDusen: Eine Person, welche sich während der Kelly verursachten Szene in Waldorfs unmittelbarer Nähe aufhielt und welche einen gewichtigen Grund hatte Waldorf zu töten.

Dolphin: Das Erbe.

vanDusen: In der Tat Mr Dolphin das Erbe und wer erbt Waldorfs Vermögen.

Kelly: Diomita.

vanDusen: Sie ist die Haupterbin, aber sie nicht die Mörderin ihres Vaters.

Diotima: O Francis.

vanDusen: Auf dem Fest trug Mrs Waldorf das Kostüm einer neuen Frau des 20 Jh. ein Kleid von derartiger Kürze und Knappheit, daß es nicht möglich war, eine gewichtige Waffe wie den Colt Peacemaker darunter zu verbergen.

Tilbury: Mrs Stewesand, war Luftschiff, hätte sogar Haubitze mit sich herum tragen können.

vanDusen: Zweifellos Milord doch als der Schuß fiel war Mrs Stewesand verzeihen sie das Wortspiel weit vom Schuß auf der Orchesterempore, auch sie kommt für den Mord nicht in frage.

Dolphin: Achherje wer dann Prof.

vanDusen: Eine Person, welche sich in Waldorfs nähe befand und ein Kostüm trug, in dem sich ein großer Revolver ohne Probleme verstecken ließ.

Dolphin: Vielleicht das Kostüm eines Marsmenschen, Prof, eine dicke grüne Kugel mit 6 Armen und 2 Antennen.

vanDusen: Eben dieses Mr. Dolphin.

Dolphin: Lord Tilbury.

vanDusen: Bitte meine Herrschaften, lassen sich mich meine Ausführungen zuende bringen, ich habe auf telegrafischem Weg in England Erkundungen über Lord Tilbury eingeholt, lesen sie vor Hatch.

Hatch: Sehr wohl Prof, erstes Kabel Lord Tilbury ohne Vermögen hat Familienbesitz verspielt und vergeudet.

vanDusen: Das Motiv, meine Herrschaften, als Gatte der Haupterbin wäre Lord Tilybury in den Besitz der Waldorfmillionen gekommen, weiter Hatch.

Hatch: Zweites Kabel Lord Tilbury 1898 Attache in Kalkutta.

vanDusen: Das heißt er war Zeuge jener Affäre welche den komplizierten Mordplan anregte, um sich nicht bloßzustellen hat er sie im Gespräch mit Kelly nach Rio de Janeiro verlegt, das nächste Kabel Hatch.

Hatch: Zu befehl Lord Tilbury langjähriges Mitglied diverser amateurtheatrischer Zirkel.

vanDusen: Es war ihm also ein leichtes, sich in den ältlichen heruntergekommenen Quinn zu verwandeln, kein Zweifel, Lord Tilbury ist Waldorfs Mörder.

Tilbury: Dummes Zeug, schierer Nonsens, sie sind nicht exzentrisch, sie sind verrückt, verrückt wie Märzhase.

vanDusen: Seine Hand, halten sie seine rechte Hand fest, Bigshot, bei der Waffe welche seine Lordschaft soeben aus der Tasche zu ziehen versucht, handelt es sich sie sehen es alle um einen Colt Peacemaker Single Action Kaliber45.

Kelly: Diotima.

vanDusen: Sieben Uhr, die Stunde der Hinrichtung, Herr Gouvernor, die Entscheidung liegt bei ihnen.

Hatch: Natürlich wurde Kelly nicht hingerichtet, nach Erledigung der notwendigen Formalitäten ließ man ihn frei, Lord Tilbury wurde verhaftet und kam vor Gericht. Ein viertel Jahr später, die Todeszelle von Sing Sing.

Wärter: Zwölf Uhr, Milord, noch sieben Stunden, dann kommen Sie auf den Stuhl.

Tilbury: Verdammt unsportlich ihr elektrischer Stuhl, unfair, unaristokratisch, verlange anständig geköpft zu werden, gehört sich so für Edelmann.

Wärter: Tut uns ja so leid Milord aber wenn sie bei uns morden, werden sie auch bei uns hingerichtet, modern, bürgerlich, demokratisch, finden sie sich damit ab Milord, sie haben es ja bald überstanden, nur noch sieben kurze Stunden.

Hatch: Zur gleichen Zeit in der Greys Church, die Hochzeit von Miss Diotima Waldorf und Mr. Francis Rian Kelly, Trauzeuge war ich, eigentlich hätte es Prof. van Dusen sein sollen, aber er war nicht erschienen, sie kennen ihn ja meine Damen und Herren, wenn er nicht im Mittelpunkt steht.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Francis Kelly, in der Todeszelle: Christian Brückner
Elmer Dolphin, sein Verteidiger: Moritz Milar
Lord Tilbury (alias Mr. Quinn): Hermann Treusch
Wärter in Sing Sing: Henning Schlüter
Lieutenant Bigshot von der Kriminalpolizei: Arnold Marquis
Pfandleiherin: Traute Daniels-Paulschmidt
Butler im Hause Waldorf: Heinz Spitzner
Walter Waldorf, Bankier: Rainer Pigulla
Diotima, seine Tochter: Maren Kroymann

Prof van Dusen
Prof van Dusen
9 Monate zuvor

Michael Koser: Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989)

vanDusen: Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht.

Hatch: Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr.

vanDusen: Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19. Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es.

Hatch: 7 Min. nach 9.

vanDusen: Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts.

Hatch: Ich hatte Prof v. Dusen im chem. Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle verschneite Straßen zu ihm nach Hause, es war am, aber das könnten sie sich eigentlich selbst ausrechnen meine Damen und Herren, falls sie zur schnellen Truppe gehören und eben gut aufgepaßt haben, na nicht, machen sie sich nichts draus, wir können nicht alle Genies sein, also es war am 23. Dezember 1900 abends kurz nach 9, wie gesagt wir wanderten, van Dusen redete und ansonsten war alles still, oder doch nicht.

vanDusen: Seien Sie überzeugt, in 100 Jahren wird es keine Krankheiten mehr geben, keine Kriminalität, keine Kriege, alle politischen, alle sozialen Probleme werden gelöst sein, die Wissenschaft.

Hatch: Seien sie mal einen Moment still.

vanDusen: Sie wollen mir den Mund verbieten, wie ich mich soeben zu bemerken anschickte als ich von ihnen unterbrochen wurde, ist es die Wissenschaft.

Hatch: Entschuldigen sie Prof daß ich ihnen den Mund nicht nur verbiete sondern auch gleich noch zuhalte, aber da schleicht einer hinter uns her, hören sie, Schritte, leise vorsichtige Schritte, jetzt halten sie an.

vanDusen: Ein Straßenräuber.

Hatch: Werden wir gleich feststellen, gehen sie weiter Prof.

vanDusen: Was haben sie vor mein lieber Hatch.

Hatch: Ich schob den Prof um die nächste ecke, drückte mich daneben an die Hauswand und wartete, nicht lange, ein paar Sekunden, dann kam er angeschlichen unser Verfolger, ich griff ihn mir und verpaßte ihm einen Kinnhaken Marke Hatch.

Caruso: Au.

Hatch: So und jetzt ab mit dem Kerl zum nächsten Polizeirevier.

vanDusen: Die Mühe können sie sich sparen.

Hatch: Wieso.

vanDusen: Weil sich die Polizei bereits an Ort und Stelle befindet, sehen sich ihr Opfer genauer an, das ist doch, Caruso ganz recht.

Hatch: Detective Sergeant Caruso, Leuchte der Kripo, Schrecken der Unterwelt, sie sind also hinter uns hergeschlichen, Caruso.

Caruso: Aber deshalb brauchen sie mich doch nicht gleich halb tot zuschlagen.

Hatch: Tut mir schrecklich leid, Caruso würde ich sagen wenn ich höflich wäre, aber da ich ehrlich bin, Hatch, lassen wir das.

vanDusen: In der tat lassen wird das, ein bedauerliches Versehen welches sie sich weitestgehend selbst zuzuschreiben haben, Caruso, aus welchem Grund und zu welchem Zwecke sind sie uns gefolgt.

Hatch: Oder anders ausgedrückt welche Tatsache verdankt meine Faust den Vorzug mit ihrem schlecht rasierten Kinn in Kontakt gekommen zu sein.

Caruso: Ich wollte ihnen fröhliche Weihnachten wünschen, Prof.

vanDusen: Sehr aufmerksam mein lieber Caruso wenn auch ein wenig verfrüht, nehmen sie auch von mir die besten Wünsche anläßlich der bevorstehenden Festtage entgegen und leben sie wohl, kommen sie Hatch.

Caruso: Augenblick Prof, laufen sie doch nicht gleich wieder weg ich wollte.

Hatch: Uns auch noch ein glückliches neues Jahr wünschen, sehr nett Caruso.

vanDusen: Sie haben ein Anliegen Caruso.

Caruso: Ja wissen sie Prof wie soll ich mich ausdrücken.

Hatch: Wie wärs denn damit, ich habe einen Fall, ich komme nicht weiter, ich weiß nicht aus noch ein, ich flehe sie an, Prof van Dusen, helfen sie mir, bitte bitte.

Caruso: Sehen sie Prof, deshalb hab ich sie nicht gleich angesprochen als sie aus der Uni kamen und bin ihnen erstmal nachgegangen weil sie Mr Hatch bei sich hatten und sie wissen doch wie der immer zu mir ist.

Hatch: Wir sind gute alte Feinde Caruso und ich, seit dem Fall des fliegenden Holländers, der übrigens auch van Dusens erster Fall war, ich darf mich kurz vorstellen, Hutchinson Hatch mein Name, Journalist um nicht zu sagen Starreporter beim DailyNewyorker, ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof van Dusen, sie wissen doch der Typ der hinter dem genialen Kriminologen hertrottelt, ihm seine Sachen schleppt und von tuten und blasen keine Ahnung hat.

vanDusen: Durchaus zutreffend formuliert, mein lieber Hatch wenn auch wie es nun einmal ihre Manier ist, ein wenig salopp, zu ihnen Caruso, was gibt es, ein unmögliches Verbrechen, vielleicht gar ein rätselhaften Mord im hermetisch verschlossenen Raum.

Caruso: Das nicht Prof, aber unmöglich ist die Sache schon, kein Mensch weiß wie Lady Liberty verschwunden ist, ein Rätsel.

vanDusen: Lady Liberty, eine Dame der Gesellschaft.

Caruso: Prof, Sie kennen Lady Liberty nicht, mein Gott wo leben sie denn.

Hatch: In den Wolken Caruso wie alle Genies, Lady Liberty ist keine Dame, Lady Liberty ist ein Stein, aha, ein Edelstein, ein Diamant, und der ist offenbar verschwunden, geklaut Caruso.

Caruso: Sieht ganz so aus, Mr Hatch.

vanDusen: Ein schlichter Juwelendiebstahl also, kein Fall für Prof van Dusen.

Hatch: Schlicht, ein Diamant von fast 250 Karat.

Caruso: Der größte und teuerste Klunker in den ganzen vereinigten Staaten Prof.

Hatch: Falls sie an den Maßen und sonstigen Details der Lady interessiert sind, kugelförmig, farblos, mit leichtem Blauschimmer von reinstem Wasser, Gewicht 243 Karat, runde 50 Gramm, Durchmesser etwa 3einhalb cm, ein Geschenk von Pedro dem zweiten Kaiser von Brasilien an das amerikanische Volk, zum 100jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit 1876, daher der Name, aufbewahrt im Metropolitan Museum of Art, Wert unschätzbar, Millionen.

vanDusen: Und wenn es sich um Milliarden handelte, der Fall ist und bleibt trivial sofern er dem erfahrenen und nunja verwöhnten Kriminologen nicht gewisse ausgefallene extraordinäre Elemente zu offerieren hat.

Caruso: Aber das ist es doch gerade, das drum und dran, wenn das nicht ausgefallen ist, Zauberei, Tricks, Magie, hokus pokus.

vanDusen: Was sie nicht sagen Caruso, erklären sie sich näher.

Caruso: Aber gern Prof also.

vanDusen: Nicht hier die offene Straße ist wohl kaum der rechte ort für kriminologische Berichterstattung, folgen sie mir, und was sie betrifft.

Caruso: Vielleicht hat Mr Hatch ja wo anders zu tun.

Hatch: Oh Mr Hatch denkt gar nicht daran, ich werde mir ihre neueste Blamage nicht entgehen lassen, alter Freund, außerdem bin ich der Begleiter von Prof van Dusen deshalb.

vanDusen: Begleiten sie mich, einverstanden sofern sie es meinen Gast nicht an der gebotenen Zurückhaltung fehlen lassen.

Hatch: Eine halbe Stunde später saßen wir in van Dusens Salon im Erdgeschoß seines zweistöckigen Backsteinhauses in der 35. Straße West Manhattan, nach dem aufregenden Nachtmarsch stärkten wir uns mit Whisky bzw im Fall des Prof mit Sodawasser und Caruso berichtete, so wie es sich gehörte, präzise detailliert und von Anfang an.

Caruso: Weiß ich doch Prof, also angefangen hat die Geschichte mit Mr Elliot, oder von mir aus mit Dr Miracel das ist nämlich Elliots Künstlername, so nennt er sich wenn er auf der Bühne seine faxen macht.

Hatch: Damit sie das unqualifizierte Gerede des guten Caruso nicht länger als nötig über sich ergehen lasen müssen, schalte ich mich besser wieder ein, James William Elliot alias Dr Miracel war kein anderer als der weltberühmte Zauberkünstler, der unbestrittene Großmeister der Magie in Amerika.

Caruso: Soll ja sein Mr Hatch, jedenfalls ist dieser Elliot der Obermacker in so nem ulkigen Verein von Zauberern oder Gauklern oder Taschenspielern was weiß ich, Zirkusvolk, wissen sie, windige Typen.

Hatch: Caruso meinte das magische Hexagramm, einen hochexklusiven Club hochkarätiger Zauberkünstler, wie der Name schon sagte bestand das Hexagramm aus ganzen 6 Mitgliedern, wer dazugehörte war absolute magische Spitze und darum hatte jeder auch nur einigermaßen renommierte amerikanische Zauberer den Wunsch, in den elitären 6er club aufgenommen zu werden, das war nicht leicht, denn nur wenn ein Mitglied gestorben war, berief der Präsident, das heißt Elliot, in einsamer Entscheidung ein neues, jetzt hatte vor ein paar Wochen der große Lafayet zum unwiderruflich letzten mal eine Jungfrau zersägt, sein Platz im Hexagramm war frei und Elliot wußte nicht, wen er draufsetzen sollte, er hatte nämlich 3 gleichwertige Kandidaten.

Caruso: Ich hab sie mir aufgeschrieben, ja hier Richard Blaine Bühnenname Voltini, Spezialität Karten und Münzen, dann Bombasto grandioso alias Peter Paul Pudel, Namen haben manche Leute.

Hatch: Es kann nicht jeder Rigoletto Caruso heißen.

Caruso: Der dritte Kandidat ist eine Kandidatin, heißt Elison Bishop, tritt auf als Laila, Königin der Nacht, Gedankenlesern.

Hatch: Kenn ich, die anderen beiden auch, habe sie alle gesehen im Madison Square Garden, im Vanity Fair, im Circus Barnum und Baily.

vanDusen: Wie überaus interessant, haben sie die Güte den Referenten im weiteren Verlauf nicht mit derartigen Belanglosigkeiten zu unterbrechen, danke, fahren sie fort.

Caruso: Wie gesagt die drei waren in der Zauberei etwa gleich gut.

Hatch: Kann ich voll und ganz bestätigen.

Caruso: Und Elliot konnte sich für keinen entscheiden, da hatte er eine Idee, genauer gesagt jemand brachte ihn auf was, ein Freund, der Direktor des Metropolitan Museum oft Art, ein gewisser Franklin S Krauthaus, der zaubert übrigens auch, aber nur als Amateur und nicht sehr gut hab ich mir sagen lassen, es muß so eine Woche her sein, da saßen die beiden zusammen an der Bar von Hofmanhaus, da wo sie auch immer hingehen Mr Hatch.

Hatch: Nur kein Neid.

Caruso: Also sie saßen und brüteten was aus, ein richtige Schnapsidee.

Krauthaus: Drei Göttinnen paradierten vor Paris, dem trojanischen Königsohn, sie kennen die Geschichte und Paris gab den Apfel der Schönsten, auf ihr Problem übertragen heißt das, sie geben ihren Apfel, die vakante Mitgliedschaft im magischen Hexagramm dem besten der drei Zauberkünstler.

Elliot: So weit bin ich selbst Krauthaus, aber wer ist der beste.

Krauthaus: Das müssen sie feststellen Elliot.

Elliot: Und wie.

Krauthaus: Durch einen Test, eine Probe, eine Prüfung, stellen sie den drei eine Aufgabe, wer sie am besten löst, kriegt Lafayets Platz in Hexagramm.

Elliot: Eine Aufgabe, ich könnte zum Beispiel von den Kandidaten verlangen daß sie irgendein ein Objekt zum verschwinden bringen, eskamotieren.

Krauthaus: Ohne mechanische Tricks, ohne maschinelle Hilfsmittel nicht schlecht, die Frage ist was für ein Objekt.

Elliot: Es müßte schon was besonderes sein, keine Taube, kein Kaninchen, sowas wie wie die Freiheitsstatue.

Krauthaus: Viel zu unhandlich, wir wärs statt dessen mit lady liberty.

Elliot: Ihr berühmter Diamant, Krauthaus, und den würden sie zur Verfügung stellen.

Krauthaus: Wenn es der Magie dient, aber da das gute Stück nicht mir gehört, sondern dem Museum, das heißt dem Staat müßte ich natürlich für gewisse Sicherheitsvorkehrungen sorgen.

Elliot: Versteht sich.

Krauthaus: Ich kenne John Delamir den Kripochef, ich werde mit ihm reden und ihn bitten uns einen kriminalistischen Experten abzustellen.

Hatch: Und da hat er sie ausgesucht Caruso, kein Wunder daß sie Sache schiefgegangen ist, Hatch.

Caruso: Aber das war doch nicht meine Schuld, ich hab alles getan.

vanDusen: Sie greifen vor, darf ich sie ersuchen in chronologischer Ordnung zu referieren, vor allem jede Abschweifung privater natur zu unterlassen, aber Mr Hatch wird seinen Sarkasmus zügeln oder diesen Raum verlassen, weiter.

Caruso: Ja also heute vormittag um 9 da sollte diese Prüfung über die Bühne gehen, im Museum wo Krauthaus einen Raum hergerichtet hat, im Erdgeschoß hinten im Verwaltungstrakt, nicht weit von seinem Büro, ich hab ihn persönlich unter die Lupe genommen den Raum heute früh bevor die Geschichte losging, jeden qcm hab ich abgeklopft, ich kann ihnen sagen, keine Möglichkeit, aber auch nicht die allerkleinste irgendeinen faulen Trick abzuziehen.

vanDusen: Wenn sie das meinen, wie sieht der Raum aus, geben sie mir ein Beschreibung.

Caruso: Sehrwohl, nicht sehr groß, ca 5 mal 6 meter, zwei Türen, eine zum Gang, die andere zu einem Kabuff, kaum größer als ein Wandschrank, ein Fenster verriegelt und vergittert mit blick auf den central park.

vanDusen: Möbel.

Caruso: Kein stück, nur ein kleines hochbeiniges Pult für lady liberty.

vanDusen: Wände Boden Decke.

Caruso: Alles nackt und kahl, kein Teppich, kein Bild, kein Vorhang, keine Falltür, kein doppelter Boden, nichts, null komma nix.

vanDusen: Unterstellen wir daß sie bei ihrer Untersuchung gründlich und gewissenhaft vorgingen.

Caruso: Das können sie unbesehen, ich bin vielleicht kein Geistesriese.

Hatch: Hört hört.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Aber wie man einen Tatort auf den Kopf stellt, das hab ich gelernt.

vanDusen: Davon bin ich überzeugt, kommen wir nun zum eigentlichen krimi-nologischen Geschehen, die drei Prüfungskandidaten erschienen wie ich annehme.

Caruso: Pünktlich um neun, mit Mr Elliot, Mr Krauthause war natürlich schon früher da um mich und meine Leute reinzulassen, ihre Leute, zwei hatte Delamir zugeteilt, Wachtmeister Dalles vom nächsten Revier und Wärterin Denver aus dem Frauen-gefängnis, die drei Kandidaten mußten natürlich durchsucht werden und weil eine Dame dabei war, haben wir für sie eine weibliche Amtsperson vorgesehen, wir von der new yorker Polizei legen nämlich allergrößten wert auf Anstand und Sittlichkeit.

vanDusen: Gewiß, gewiß, die Prüfungskandidaten wurden also einer Leibesvisitation unterzogen.

Caruso: Jawohl im Kabuff, nacheinander.

vanDusen: Mit welchem Ergebnis.

Caruso: Astrein alle drei, keine Gummibänder, Federn oder sonst irgendwelche Trickapparaturen, was geschah dann, dann ging Mr Krauthaus mit Mr Elliot und mir über den Gang in sein Büro, gestern abend als das Museum zumachte, hatte Mr Krauthaus nämlich lady liberty aus dem Ausstellungsraum geholt und in sein Safe gebracht, jetzt schloß er den Safe auf, holte das Glaskästchen mit dem Stein raus.

vanDusen: Sind sie sicher, daß es sich dabei wirklich um den wertvollen Diamanten handelte.

Caruso: Klar war das lady liberty, Aussehen, Größe Gewicht alles stimmte, haargenau.

vanDusen: Sie haben den Stein gewogen.

Caruso: Ja mit einer Goldschmiedswaage die Mr Krauthaus auf seinem Schreibtisch stehen hatte, es sollte auch nicht der kleinste Verdacht aufkommen daß es sich nicht um die echte lady handelte, weil der hochkarätige test auch die passende hochkarätige Aura haben sollte, hat Mr Elliot gesagt, danach kam lady liberty wieder in den Kasten auf ihr dunkelblaues Samtkissen, und ich schleppte die gesamte Geschichte über den Gang ins Prüfungszimmer und da setzte ich den Kasten auf den Pult ab und stelle mich am Fenster, Denver und Dallas blieben auf dem Gang vor der Tür, alles gesichert, alles unter Kontrolle.

vanDusen: Lobenswerte Organisation.

Caruso: Nicht wahr Prof und trotzdem, na sie werden es ja gleich hören, alle andern standen um das Pult herum, Mr Elliot sah auf seine Uhr.

Elliot: Verehrte Anwesende darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten, es ist nunmehr 10 Uhr, wenn die Uhr über dem Haupteingang des Museums die 10 stunde schlägt beginnt ihre Prüfung, Kollege, es gilt sie wissen es, diesen wunderschönen und überallemaßen wertvollen Diamanten genannt lady liberty vor unsren Augen verschwinden zu lassen, eine schwere Aufgabe, gewiß, doch bedenken sie, es winkt ein hoher Preis, die Mitgliedschaft im magischen Hexagramm, sie, Kollegen, sind die engere Wahl gezogen worden, die Hand ist schneller als das Auge, beherzigen sie diese hohe Maxime unserer edlen Kunst, hören sie die Uhr schlägt, möge die oder der beste gewinnen, viel Glück.

Pulaski: Ah.

Caruso: Was ist da los.

Eine Frau. Mit einer Pistole. Sie schießt. Jetzt läuft sie ins Gebüsch.

Caruso: Sie ist weg.

Elliot: Und nicht nur sie, Detective Sergeant.

Caruso: Lady liberty, der Kasten ist leer.

Caruso: Nur eine Sekunde, nur eine einzige Sekunde hatten wir den Diamanten aus den Augen gelassen und schon war er verschwunden, spurlos.

vanDusen: So und was taten sie Caruso.

Caruso: Erstmal ging ich zur Tür und schickte Dallas und Denver raus in den Park hinter der Frau mit dem Schießeisen her, war doch ein komischer Zufall daß die gerade um 10 und ausgerechnet vor unserem Fenster ihre Show abzog.

vanDusen: Sie sagen es.

Hatch: Und haben ihre beiden Trabanten sie erwischt.

Caruso: Leider nicht Mr Hatch.

vanDusen: Das ist bedauerlich, die Aussage besagter rätselhafter Person hätte davon bin ich überzeugt Licht auf das nicht minder rätselhafte Verschwinden des Diamanten werfen können.

Caruso: Meinen sie Prof, wie auch immer, Denver und Dallas kamen zurück und wir warteten, worauf, daß Mrs Bishop oder Mr Pudle oder Mr Blaine den Mund aufmachten und sagte hokus pokus, simsalabim, was Zauberkünstler so sagen, ich wars, ich hab lady liberty weggezaubert, bitte sehr hier ist das gute stück, doch das geschah nicht, nein, und als ich merke daß die Kandidaten genauso dämlich aus der Wäsche guckten, wie sie selbst, wie alle anderen, da wurde mir langsam mulmig, und darum faßte ich den Entschluß was zu unternehmen.

Hatch: Bravo Caruso.

Caruso: Zuerst stelle ich die Frage, ob jemand Lady Liberty bei sich hätte, allgemeine Antwort, nein.

vanDusen: Mit dieser Auskunft gaben sie sich jedoch nicht zufrieden.

Caruso: Natürlich nicht, alle wurden durchsucht, Bischof, Pudle, Blaine, und dann auch Elliot und Krauthaus, beide Herren hatten das selbst vorgeschlagen.

Hatch: Und sie Caruso sie waren doch auch im Zimmer und der gute Kriminologe verdächtigt bekanntlich jeden, wenn sein muß sogar sich selbst.

Caruso: Weiß ich, ich hab mich von Wachtmeister Dallas durchsuchen lassen.

Hatch: Und.

Caruso: Was und.

Hatch: Hatten sie Lady Liberty in der Tasche.

Caruso: Weder ich noch sonst jemand, lady liberty war und blieb verschwunden, und das machte sie stutzig, sozusagen, ich schickte Wachtmeister Dallas ans nächste Telefon im Büro von Krauthaus und ließ aus der zentrale Verstärkung anfordern, und bis die Leute kamen untersuchten wir nochmal den Raum, auch das Kabinett selbstverständlich und das Pult und den Glaskasten und das Samtkissen, Resultat nichts, und da machte ich mir so meine Gedanken.

Caruso: Denver, ich hab nachgedacht, ist das wahr, wir haben das Zimmer durchsucht, und alle anwesenden, aber lady liberty haben wir nicht gefunden.

Denver: Brillant.

Caruso: Ich bin noch nicht fertig.

Denver: Tschuldigung.

Caruso: Es gibt noch eine Möglichkeit, ja, laufen sie zum nächsten drugstore, wie sagt Prof van Dusen immer, stehenden Fußes, und kaufen eine Flasche Rhizinusöl.

Denver: Rizinusöl, ah verstehe Rhizinusöl, sie vermuten, daß einer hier.

Caruso: Lady Liberty verschluckt hat, ganz recht, brillant, danke Denver und da wir den Fall bald abschließen wollen, werden wir den natürlichen Lauf der Dinge etwas beschleunigen, brillant, schon gut Denver.

Denver: Melde mich ab.

Caruso: Lassen sie sich eine Quittung geben für die Polizeikasse es handelt sich um eine für die kriminalpolizeiliche Ermittlungstätigkeit unerläßliche Anschaffung im sinne der öffentlichen Ausgabenverordnung, brillant.

Caruso: Dallas.

Dallas: Zur Stelle.

Caruso: Sie nehmen sich das Pult vor, zerlegen sie es in seine Bestandteile, hacken sie es kurz und klein.

Dallas: Zu Befehl, aber wie.

Caruso: Zeigen sie Initiative.

Dallas: Zu Befehl, Initiative, was ist das.

Caruso: Haben sie ein Taschenmesser, Wachtmeister.

Dallas: Ach so.

Caruso: Na also frisch ans werk, Wachtmeister.

Dallas: Zu Befehl, Initiative, Taschenmesser.

Hatch: Brillant, Wärterin Denver rennt so schnell die Plattfüße sie tragen nach Rizinusöl, Wachtmeister Dallas macht Kleinholz, und sie koordinieren und kontrollieren, kraft ihres überlegenen Verstandes, brillant und was hat dise grandiose geradezu heroische Aktivität des Polizeiapparats gebracht.

Caruso: Nichts Mr Hatch, alles umsonst, kein Geheimfach im Pult und das Rizinussöl das haben wir den Leuten zwar eingetrichtert, allen, sie haben mächtig protestiert, auch als sie in polizeilicher Begleitung aufs Örtchen durften, gewirkt hat es das Zeug und wie, aber lady liberty ist nicht zum Vorschein gekommen.

Hatch: Und sie selbst Caruso haben sie auch Rizinusöl eingenommen.

Caruso: In meinem Fall glaubte ich von dieser extremen Maßnahme absehen zu können.

Hatch: So, sehr verdächtig.

vanDusen: Sie werden doch wohl nicht im ernst den guten Caruso des Juwelendiebstahl bezichtigen.

Hatch: Niemals, das trau ich ihm doch nicht zu dazu, danke, dazu fehlt ihm die wichtigste Voraussetzung, Intelligenz.

vanDusen: Und nach erwiesener Erfolglosigkeit verfielen sie auf den Gedanken sich an meine Person zu wenden.

Caruso: Naja Prof es ist spät, meine 5 Verdächtigen werden immer saurer, ich komm nicht weiter, die Geschichte ist total verkorkst, mein einziger Trost, die Presse hat noch keine Ahnung.

Hatch: Was sie nicht sagen, Caruso, brillant.

Caruso: Mein Gott sie sind ja selber, bitte Mr Hatch könnten sie diesmal den Mund halten ausnahmsweise.

Hatch: Kommt nicht in Frage, die Sache ist ein Knüller und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf die neueste Fehlleistung der Kripo zu erfahren, morgen stehts im Daily Newyorker, vielleicht schaff ich ja noch die Morgenausgabe.

vanDusen: Nicht so hastig, wann schließt die Redaktion ihres von manchen Zeitgenossen merkwürdigerweise geschätzten Blattes.

Hatch: Für die Morgenausgabe, ja, um Mitternacht, das ist zu früh, und für die Spätausgabe, morgen mittag.

vanDusen: Das sollte ausreichen, bis morgen mittag werden sie ihren Knüller haben, vollständig mit allen relevanten Details.

Hatch: Ok ich sehe schon die Schlagzeilen, lady liberty geraubt, Verbrechen des Jh.

vanDusen: Wie wärs mit Verbrechen des Jh aufgeklärt, lady liberty wieder zur Stelle.

Caruso: Zur Stelle, aber wieso.

Caruso: Der Fall ist so gut wie gelöst, denn ich hab ihn übernommen, ich Prof van Dusen, die Denkmaschine Wissenschaftler und Amateurkriminologe ohne gleichen, danke, schreiben sie.

Hatch: Moment, schießen sie los.

vanDusen: Diejenige Dame, welches sich gestern um 10 Uhr, präzise nach dem Glockenschlag im Centralpark hinter dem Metropolitan Museum of Art auf ungewöhnliche Weise zu schaffen machte, wird gebeten, sich in der 35. Straße West Nr 333 zu melden, es winkt eine hohe Belohnung, so und jetzt, jetzt begeben sie sich an den Telefonapart im Foyer und geben diese Annonce durch an den Daily New Yorker zu Veröffentlichung in der Morgenausgabe an prominenter Stelle und wenn sie sich dieser Aufgabe entledigt haben, rufen sie uns eine Droschke.

Hatch: Die Stimmung im Museum war ausgesprochen mies, in einer Ecke des Zimmers das Caruso uns so präzise beschrieben hatte, standen die fünf festgehaltenen beieinander, bleich offensichtlich mitgenommen von der polizeilich verordneten Rizinuskur, und verärgert, sehr verärgert, aber auch die Staatsgewalt in form von Denver und Dallas war nicht in Hochstimmung.

Dalles: Endlich.

Denver: Gott sei dank sie sind wieder da.

Dalles: Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was diese Zauberkünstler mit uns gemacht haben.

Denver: Es war furchtbar.

Dalles: Mir haben sie die Handschellen geklaut.

Denver: Und mir die Polizeimarke.

Dalles: Dann haben sie mir heimlich die Hosenträger abgeknöpft.

Denver: Mir haben sie die Strumpfbänder aufgemacht.

Dalles: Eine Zigarre haben sie mir aus der Nase gezogen.

Denver: Und mir aus dem Ohr ein Alpenveilchen mit Topf.

Dalles: Und immerzu sollten wir uns eine Karte denken und im Kopf behalten.

Denver: Lassen sie die bloß laufen.

Elliot: Jawohl Caruso oder wie sie heißen, wir fordern unsere Freilassung.

Krauthaus: Und zwar sofort.

Caruso: Augenblick, was meinen sie, kann ich die 5 von der Leine lassen.

vanDusen: Warum nicht, immerhin haben sie alles getan, was in einem solchen Fall getan werden muß, sie haben die Leute durchsucht.

Caruso: Auseinandergenommen hab ich sie, auf den Kopf gestellt, mehr ist nicht drin, schließlich kann ich ihnen nicht in den Bauch kucken.

vanDusen: Sie könnten, mittels der kürzlich entdeckten x oder auch Röntgenstrahlen, doch angesichts ihrer gründlichen um nicht zu sagen durchschlagenen Maßnahmen erscheint mir der Einsatz derart aktueller Hochtechnologie unnötig und übertrieben, lassen sie die Leute gehen.

Hatch: Sie waren immer noch ärgerlich als sie von dannen zogen, die drei Kandidaten vorneweg, dann der lange dünne Krauthaus, und neben ihm Elliot der kaum halb so groß war, aber wir wissen ja, nicht in der länge liegt die größe, siehe Prof van Dusen, der hatte inzwischen angefangen das Zimmer unter die intellektuelle Lupe zu nehmen in seiner bekannten scheinbar geistesabwesenden art.

vanDusen: Was ist das.

Caruso: Der Glaskasten, wo lady liberty drin war.

vanDusen: Natürlich ist das der Glaskasten, ich meine dies hier, das Samtkissen, sperren sie die Augen auf, was sehen sie hier, sieht aus wie staub, ein paar helle Staubkörnchen auf dem Samt, wußte gar nicht daß sie so pingeling sind, Hatch, Prof, mein Miniaturlaboratorium haben sies mitgebracht.

Hatch: Die schwarze Tasche, ja, wie könnte ich ihr wichtigstes kriminologisches Hilfsmittel vergessen.

vanDusen: Sehr schön, bringen sies zu mir.

Hatch: Hören ist gehorchen, großmächtiger Sultan.

vanDusen: Öffnen sie Tasche, reichen sie mir das Mikroskop.

Hatch: Nachdem van Dusen den Staub durchs Mikroskop studiert hatte, kostet er ihn von der angeleckten Spitze des Zeigefingers, dabei muß ihm eine Erleuchtung gekommen sein, in seinen Augen zeigte sich nämlich das wohlbekannte Glitzern des Kriminologen, der sich auf der rechten Spur weiß, aber er war noch nicht fertig, von Caruso ließ er sich über den kahlen Gang in das fast ebenso kahle Büro des Mr Krauthaus führen, die Untersuchung dauerte nicht lange, es gab einfach nicht viel zu sehen, ein Wandsafe verschlossen, ein Schreibtisch mit zwei Schubladen, ein Stuhl und das, was auf der Schreibtischplatte stand, ein Telefon, eine Goldschmiedwaage und ein kleiner Weihnachtsbaum, der einzige Lichtblick in einem sonst eher spartanisch eingerichteten Zimmer.

vanDusen: Zweifellos eine Konzession an die weihnachtlichen Traditionen seiner germanischen Vorfahren, apropos Weihnachten ist das Museum morgen am heiligen abend für das Publikum geöffnet.

Caruso: Ja Prof von 9 bis 3.

vanDusen: Aha, kommen sie Hatch, meine Ermittlungen sind beendet.

Caruso: Ja aber der Fall.

vanDusen: Ist gelöst, mein guter Caruso.

Caruso: Und lady liberty.

vanDusen: Befindet sich in Sicherheit.

Caruso: Ach.

vanDusen: Hören Sie Hatch, gehen sie voraus, ich habe Caruso in diesem Zusammenhang noch einige Anweisungen zu geben.

Hatch: Am nächsten Morgen erschien ich schon früh, noch vor 8 beim Prof aber ich war trotzdem nicht sein erster besuch, im Salon fand ich nicht nur ihn vor, sondern auch eine gutaussehende vielleicht ein bißchen auffällig angezogene junge Dame.

vanDusen: Mein lieber Hatch, darf ich ihn Miss Latorre vorstellen.

Latorre: Evelyn Latorre, das ist nämlich mein Künstlername, schick nicht, eigentlich heiße ich Dolly Pulaski.

Hatch: Sie sind Künstlerin, Miss Latorre.

Latorre: Ich tanze im Vanityfair das Varietetheater am Timesquare kennen sie sicher.

vanDusen: Wohl kaum, Miss Latorre.

Hatch: Aber ich, bin schon oft dagewesen.

Latorre: Ach, dann müssen sie mich gesehen haben, die dritte von rechts.

Hatch: Die mit den ganz besonders langen Beinen.

vanDusen: Zur Sache, wie sie sagten sind sie auf meine Annonce im Daily New Yorker zu mir gekommen, was haben sie zu berichten.

Latorre: Langsam alter Herr, so nicht, hohe Belohnung stand in der Anzeige, das wollen wir doch erstmal klären.

vanDusen: Würden sie das übernehmen mein lieber Hatch.

Hatch: Mit Vergnügen Prof, an wieviel dachten sie denn so.

Latorre: 100 Dollar, und keinen Cent weniger, so viel hab ich von dem Rauschebart auch gekriegt.

vanDusen: Welcher Rauschebart, Miss Latorre.

Latorre: Ähäh, erst das Geld.

Hatch: Ich gab ihr einen Riesen und sie packte aus, vorgestern abend hatte sie ein Mann am Bühneneingang des Vanity Fair angesprochen und ihr 100 Dollar geboten wenn sie am 23. Dezember um 10 Uhr, genau nach dem letzten Glockenschlag im Central Park unter einem ganz bestimmten Fenster des Museums das täte, was sie denn auch tatsächlich getan hat.

Latorre: Ich bin nämlich zuverlässig, das wissen alle beim Theater.

vanDusen: Ja das ist interessant, die Pistole.

Latorre: Gehört mir, ein Mädchen von Ballet muß sich manchmal zur wehr setzen.

vanDusen: Soso, ja wie sah der Mann aus.

Latorre: Schwer zu sagen, viel war nämlich nicht von ihm zu sehen, Rauschebart, dunkle Brille.

vanDusen: Hochgeschlagener Mantelkragen, Schlapphut.

Latorre: Ja genau woher wissen sie.

vanDusen: Ganz offensichtlich eine Verkleidung wie groß war der Mann Miss Latorre.

Latorre: Nicht sehr groß, mittel.

vanDusen: Hat er ihren eine Begründung für die sonderbare Aktion angegeben welche sie für ihn ausführen sollten.

Latorre: Er hat was von einer Wette gemurmelt, aber das war eigentlich nicht nötig 100 Dollar sind Begründung genug oder finden sie nicht, alter Herr.

Hatch: Ich brachte Miss Latorre zu Tür und als ich zurückkam stelle ich mir einen festlichen Frühstückstisch vor, mit Kaffee und Tee und Toast und Brötchen mit wurst und Käse und Marmelade, mit gekochten Eiern, Rührei und Spiegelei, mit geschmorten Nieren und Bücklingen und Bratkartoffeln, aber da hatte ich natürlich die Rechnung ohne van Dusen gemacht.

vanDusen: Wie spät ist es, mein lieber Hatch.

Hatch: Halb neun.

vanDusen: Kommen sie.

Hatch: Wohin Prof, zu Delmonico, frühstücken.

vanDusen: Wo denken sie hin, Frühstück ist die schlechte Angewohnheit kleiner Geister, auf ins Museum, wir werden erwartet.

Hatch: Wir wurden erwartet und zwar von Detective Sergeant Caruso und seinem sensationellen Duo Dallas und Denver, im Büro von Krauthaus, van Dusen stellte sich gleich am Schreibtisch in Positur, hinter dem bunten Bäumchen sah er aus wie ein Weihnachtsmann in zivil.

vanDusen: Wie sie wissen meine Herrschaften verlangt die Tradition die anwesenheit aller Beteiligten, wenn zum guten Schluß eines Falles die kriminologische Aufklärung das Wort ergreift, heute habe ich darauf verzichtet, Mrs Bischof, die Herren Elliot, Krauthaus, Blaine und Pudel haben am gestrigen Tag lange genug an diesem Ort ausharren müssen, daher fehlen sie heute, entschuldigt wenn sie so wollen, bis auf eine Person aus ihrem Kreise, welche sich demnächst hier einstellen wird, vorerst muß ich mit ihnen mein lieber Hatch, mein guter Caruso zufrieden geben und natürlich mit Denver und Dalles, den wackeren Staatsorganen welche diese Räume während der Nacht so pflichtgetreu im Auge behielten, ein vergleichsweise bescheidenes Auditorium, nunja beginnen wir, beginnen wir damit, daß wir das uns grundlegende Prinzip der Zauberkunst vergegenwärtigen, ich meine die Ablenkung, die Täuschung, die Irreführung, der Magier lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine rechte Hand, um mit der linken unbeobachtet seinen Trick auszuführen, so auch in diesem Fall.

Caruso: Das Theater draußen im Centralpark.

vanDusen: Sehr richtig Caruso, eben dieses hatte ich im Auge, während ihre Aufmerksamkeit auf das gerichtet war, was sich vor dem Fenster abspielte, auf die Schüsse, die Schreie, blieb eine der anwesenden Personen am Pult stehen, öffnete blitzschnell das Glaskästen, entnahm ihm das darin befindliche Objekt und schob es ebenfalls blitzschnell in den Mund.

Caruso: In den Mund, ist nicht drin, ich hab allen mit ner Lampe in den Mund geguckt und nicht nur in den Mund.

vanDusen: In dieser Zeit hatte der betreffende das Objekt längst verschluckt.

Caruso: Geht auch nicht, das Rizinusöl.

vanDusen: Konnte das Objekt nicht wieder ans Tageslicht bringen, da dieses sich inzwischen vollständig aufgelöst hatte.

Caruso: Aufgelöst, das versteh ich nicht.

Hatch: Ja ich auch nicht, ein Diamant kann sich doch nicht im Magen auflösen.

vanDusen: Ein Diamant nicht, das Objekt von welchem ich rede war jedoch kein Diamant, vielmehr eine Imitation, eine täuschend ähnliche Imitation, die hellen Staubkörner auf dem dunkelblauen Samtkissen gaben mir den entscheidenden Hinweis, es handelte sich um Zuckerkristalle, was bedeutet, auf dem Kissen hatte sich ein Stück Zucker befunden, präziser eine Nachbildung des lady liberty genannten Diamanten aus reinem klaren Kristallzucker, der Täter, manuell geschickt wie alle Zauberkünstler, hatte sie in häuslicher Muße angefertigt und in der Tasche mitgebracht um sie gegen das Original auszutauschen.

Caruso: Aber wie denn und wann.

vanDusen: Diese Fragen könnten sie sich selbst beantworten, wenn sie sich eine entscheidende Tatsache vor Augen hielten, alles was im und am sog. Prüfungsraum vor sich ging, nicht nur das Theater draußen war ein von langer Hand geplantes Ablenkungsmanöver, die Entwendung des echten Diamanten und sein Austausch gegen die süße Imitation wurde vorher durchgeführt, das heißt bevor der angebliche Diamant im Prüfungsraum ab und ausgestellt wurde.

Caruso: Aber den Stein, den Krauthaus aus seinem Safe geholt hat.

vanDusen: Der war ganz ohne Frage der echte Diamant, dafür steht ihre Aussage, Caruso und wenn sie wie sich selbst einschätzen kein Geistesriese sind.

Caruso: Kenne ich den Unterschied zwischen einem Stück Zucker und einem Diamant von 243 Karat, schon das Gewicht.

vanDusen: Daher muß der Austausch in der knappen Zeit zwischen dem Wiegen des Steins und dem wiederverschließen des Glaskästchen bewerkstelligt worden sein, der Diamant war in Bewegung, ging von Hand zu Hand, ihn durch die präparierte Imitation zu ersetzen war war eine Kleinigkeit für einen geübten Prestititateur.

Hatch: Für einen geübten was.

vanDusen: Prestititateur, Eskamoteur, Taschenspieler, Illusionist, Manipulator, Palmeur, kurz Zauberkünstler.

Caruso: Aber welcher Zauberkünstler.

vanDusen: Nur drei Personen kommen in Frage, Sie Caruso, Elliot und Krauthaus.

Caruso: Krauthaus der wars, der hat auch die Idee für die ganze verrückte Geschichte gehabt.

vanDusen: Ein interessanter Gesichtspunkt, Caruso, leider ist er nicht zu vereinbaren mit der Aussage von Miss Latorre, danach war der Auftraggeber der Ablenkung ein nicht eben hochgewachsener Mann, nun ist es zwar möglich daß ein weniger großer Mensch sich um einiges vergrößert etwa durch hohe Absätze, doch auf gar keinen Fall kann ein sehr großer Mann sich merklich kleiner machen.

Caruso: Und Mr Krauthaus ist ein langes ende.

Elliot: Oh Verzeihung.

vanDusen: Treten sie näher Elliot kommen sie, sie sind sehr pünktlich.

Elliot: Ich habe nicht erwartet daß hier jemand, dann will ich nicht weiter stören.

vanDusen: Bleiben sie nur, Caruso, Denver, Dallas, sorgen sie dafür daß Mr Elliot uns nicht gleich wieder verläßt, sie sind im rechten Moment erschienen Elliot, quasi aufs Stichwort, gerade wollte ich den Namen des gesuchten Juwelendieb verkünden, ihren Namen, Elliot, sie haben auf die von mir beschrieben Weise sich lady liberty angeeignet, wer denn sonst, unter den drei möglichen Personen ist er die einzige von geringer Körpergröße, darüber hinaus liefert sein Auftritt gerade jetzt kurz nach 9 Uhr dh nach der Öffnung des Museum, uns den letzten ausschlaggebenden Beweis, Elliot ist nämlich gekommen, seine Beute zu holen.

Caruso: Beute, ja richtig sagen sie mal Prof wo steckt das gute Stück eigentlich.

vanDusen: Direkt vor ihrer Nase, Caruso.

Hatch: Damit griff van Dusen in den Weihnachtsbaum, nahm eine der Kugeln ab, eine kleine, eher unscheinbare, und gab sie Caruso.

vanDusen: Fröhliche weihnachten, gestatten sie mir ihnen ein präsent zu überreichen

Caruso: Für mich.

vanDusen: Für das gesamte amerikanische Volk.

Caruso: Eine Christbaumkugel.

vanDusen: So ist es, eine Christbaumkugel mit einem Durchmesser von etwa 3,5cm und einem Gewicht von 243 Karat.

caruso: Lady Liberty.

vanDusen: Dieser kleine Weihnachtsbaum direkt am Tatort bot dem Täter die einzige Möglichkeit seine Beute bis auf weiteres unauffällig, zu deponieren, mit schnellem Griff unbemerkt, am vorausschauend mitgebrachten Faden, bei sich behalten konnte er sie nicht wegen der mit Sicherheit zu erwartenden Leibesvisitation, und an jeder andern Stelle hier im Büro auf dem Gang oder im Zimmer gegenüber wäre der Stein sogleich bemerkt worden.

Caruso: Ist das die Möglichkeit, was sagen sie denn dazu Mr Elliot.

Elliot: Was soll ich sagen, Prof van Dusen hat alles gesagt.

Caruso: Sie geben es also zu.

Elliot: Das muß ich wohl Caruso, das ist doch ihr Name.

vanDusen: Noch ist der Fall nicht zu gänze abgeschlossen, meine Herrschaften, es fehlt das Motiv, warum haben sie den Diamanten entwendet, Elliot.

Elliot: Ja warum, zunächst war es nur Professionalität, beruflicher Ehrgeiz, ich wollte den junge Kollegen zeigen wie mans macht, deshalb dachte ich mir den Plan aus als magische Trockenübung sozusagen.

Caruso: Wenn das so ist warum haben sie gestern nicht ausgepackt.

Elliot: Ich wollte es tun, glauben sie mir, ich konnte es nicht, ich konnte lady liberty nicht wieder hergeben, ich hatte mich in den Stein verguckt, regelrecht verliebt, halten Sie ihn hoch, gegen das Licht, ist er nicht einmalig, überirdisch, wunderschön.

vanDusen: Romantischer Unfug, Elliot, was ist ein Diamant anderes als ein Stück Kohle wissenschaftlich betrachtet, ein tesseral kristallisiertes Mineral aus der Ordnung der Metalloide welches aus reinem Kohlenstoff besteht, ein Mineral von starkem Lichtbrechungsvermögen und extrem hohem Härtegrad, unter Ausschluß von Luft erhitzt wird der Diamant schwarz wobei er sich oberflächlich in Graphit….

Hatch: Der Meister dozierte, und der Assistent empfahl sich französisch, ich hatte eine Verabredung zum Weihnachtsfrühstück, bei Delmonico, mit Miss Evelyn Latorre, hoffentlich ohne Pistole.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Elliot, Zauberkünstler: Hans Teuscher
Krouthouse, Museumsdirektor: Heinz Rabe
Evelyn Latorre, Tänzerin: Christiane Leuchtmann
Wärterin Denver: Nina Herting
Wachtmeister Dallas: Klaus Jepsen
Allison Bishop, Zauberkünstlerin: Jutta Kausch

Prof van Dusen
Prof van Dusen
9 Monate zuvor

Michael Koser: Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990)

Kellner: Ihr Frühstück meine Herren.

Hatch: Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof, und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment, warten Sie, Sie kriegen noch was.

Kellner: Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren.

Hatch: Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof.

vanDusen: Danke, mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen.

Hatch: Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof.

vanDusen: Hm.

Hatch: Kann eine Kaffeekanne ticken.

vanDusen: Bitte?

Hatch: Die dicke Kanne hier auf dem Tisch, die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken.

vanDusen: Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffnen sie das Coupefenster.

Hatch: Wissen sie Prof ich bin ja auch sehr für frische Luft, aber sollten wir damit nicht bis nach dem.

vanDusen: Widersprechen sie nicht, tun sie was ich sage, schnell.

Hatch: Wenn sie so großen Wert darauf legen Prof.

vanDusen: Eilen sie.

Hatch: Bitte sehr.

vanDusen: Aus dem Wege.

Hatch: Prof, sie haben meine Kaffeekanne aus dem Fenster geschmissen, meine volle Kaffekanne, warum Prof, warum.

vanDusen: Darum mein lieber Hatch.

Hatch: Eine Bombe.

vanDusen: Eine Bombe.

Hatch: In meiner Kaffeekanne.

vanDusen: In ihrer Kaffeekanne, mein lieber Hatch, läuten sie dem Kellner, lassen sie sich eine neue bringen.

Hatch: So fing es an im Orientexpreß am Morgen des 27. Juli 1904, durchaus passend und angemessen mit einem Knalleffekt, die Affäre um den doppelten König von Kravonien, den Grafen Zeppelin und die wunderschöne Prinzessin Dragina hat in der gewaltigen van Dusen Chronik einen ganz besonderen Stellenwert, weniger für Prof. van Dusen, zubenamt die Denkmaschine, den genialen Wissenschaftler und Amateurkriminologen, eher für meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, bekanntlich ist es mir ab und zu vergönnt, aus dem Schatten der Assistenten- und Chronistenrolle herauszutreten ins helle Licht kriminologischer Aktivität, sie erinnern sich vielleicht an das Rätsel der verschwundenen Millionäre oder an die ungewöhnliche Episode, die den Titel trägt, wo steckt Prof van Dusen, aber diese Geschichte, die mit der Bombe in der Kaffeekanne begann, steht für sich, sie ist unerhört und unvergleichlich, ein-malig, einzigartig, beispiellos, warum sie werden es hören meine Damen und Herren.

vanDusen: Sie greifen ja gar nicht mehr zu.

Hatch: Mir ist der Appetit vergangen, das war ein Attentat, jemand wollte uns in die Luft sprengen, wer steckt dahinter, was meinen sie, die Ochrana.

vanDusen: Die russische Geheimpolizei, sie denken an unser Abenteuer in Sankt Petersburg vor wenigen Tagen, höchst unwahrscheinlich.

Hatch: Vielleicht das Phantom.

vanDusen: Wohl kaum, unsere ganz spezielle Gegnerin welche sich hinter diesem sensationellen Pseudonym verbirgt, pflegt sich auf andere Weise mit meiner Person auseinander zu setzen, raffinierter, weniger plump.

Hatch: Wissen sie.

vanDusen: Ja.

Hatch: Vielleicht waren sie gar nicht gemeint.

vanDusen: Wollen sie damit der Auffassung Ausdruck verleihen, der Anschlag habe ihnen gegolten, ist doch lächerlich, wer sollte Grund haben ihnen etwas antun.

Hatch: Keine Ahnung, na Kaffee, in der neuen Kanne keine Bombe, dann wollen wir uns mal auf den Schreck eine gute Tasse.

vanDusen: Vorsicht.

Hatch: Au, Sie haben mir die Tasse aus der Hand geschlagen, mit kochend heißen Kaffee, sehen sie meine Schuhe an, und meine schönen rotgrünkarierten Knickerbocker.

vanDusen: Schließen Sie ihren Mund und öffnen sie gefälligst ihre Nase, was riechen sie.

Hatch: Bittere Mandeln.

vanDusen: So ist es und spätestens seit unserem rencontrer mit dem notorischen Leichenräuber von Manhattan sollte sie wissen.

Hatch: Zyankali in meinem Kaffee und ihrem Tee Prof.

vanDusen: Nicht die kleinste Spur einer toxischen Substanz mein lieber Hatch.

Hatch: So Zyankali in meinem Kaffee, eine Bombe in meinem Kaffee, sagen sie was sie wollen, mich haben sie auf dem Kicker, aber warum und weshalb, au.

vanDusen: Ein Schuß durchs geöffnete Fenster, offensichtlich wurde er aus einem der vorderen Wagen abgegeben, der Expreß fuhr soeben um eine recht scharfe Linkskurve, sind sie getroffen.

Hatch: Und wie, hier am Hals Blut.

vanDusen: Lassen sie sehen, ein Streifschuß, ein Kratzer.

Hatch: Tut aber weh.

vanDusen: Stellen sie nicht an, drücken sie ihr Taschentuch auf die Blessur und bleiben sie wo sie sind, neben dem Fenster außer Sicht.

Hatch: Jetzt ist es ja wohl endgültig klar, jemand hier im Zug hat was gegen mich.

vanDusen: So hat es in der Tat den Anschein, nun es war ja auch ihr Wunsch nicht der meinige, Kravonien aufzusuchen.

Hatch: Ganz recht hatte er da nicht der Prof, es lag nicht an mir, daß wir im Orientexpreß durch Kravonien fuhren, sondern an meinem Chefredakteur zuhause in New York, schließlich bin ich nicht nur Assistent, Chronist und Begleiter von Prof van Dusen, ich bin auch Reporter, und weil ich gerade in Europa und in der nähe war sollte ich natürlich über das Ereignis des Jahres berichten. Kravonien ein ansonsten zurecht weithin unbekanntes kleines Königreich auf dem Balkan stand seit kurzem im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit, am nächsten Tag Sonntag den 28 Juli 1904 sollte sie über die Bühne gehen, die romantische Hochzeit von König Bolko I und der Prinzessin Dragina Kralowitz in der kravonischen Hauptstadt Staropol, mit allem was dazu gehört, Jubel, Trubel, Heiterkeit, Ochsen am Spieß und Rotwein in Strömen für die pflichtschuldig begeisterten Untertanen, hohe und höchste ausländische Gäste, Glanz und Gloria, und als märchenhafter Höhepunkt sollte ein hypermodernes Luft-schiff über der ganzen märchenhaften Show schweben als Symbol des 20 Jh sozu-sagen, Graf Ferdinand von Zeppelin höchstpersönlich war dafür gewonnen worden.

vanDusen: Und diese Tatsache betrachte ich als den einzigen Lichtblick an unserem Ausflug in den tiefsten balkanesischen Hinterwald, zu welchem sie mich, ganz gegen meine Meinung, überredet haben, sogleich nach unserer Ankunft in Staropol gedenke ich mit dem bekannten deutschen Pionier der Aeronautik in einen regen wissenschaftlichen Gedankenaustausch zu treten.

Hatch: Solange brauchen sie nicht zu warten.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen.

Hatch: Der Pionier der Aeronautik sitzt in unserem Zug.

vanDusen: Was.

Hatch: Gleich nebenan ein Abteil weiter, ich hab ihn vorhin gesehen.

vanDusen: Sind sie sicher.

Hatch: Runder Kopf, weißer Seehundschnauzbart weiße Schiffermütze unverkennbar Graf Zeppelin, ihren Gedankenaustausch können sie also sofort wenn sie wollen.

vanDusen: Und ob ich will auf der Stelle werde ich.

Schaffner: Bitte um die Fahrkarten meine Herren.

vanDusen: Ah Schaffner gut daß sie kommen, ich wünsche eine Beschwerde vorzubringen.

Hatch: 3 Beschwerden, 3mal hat man versucht mich ins jenseits zu befördern und das im Orientexpreß.

vanDusen: Sie scheinen nicht überrascht Schaffner.

Schaffner: Nein, meine Herren deshalb bin ich ja hier, das mit den Fahrkarten hab ich nur gesagt daß sie kein Verdacht schöpfen.

vanDusen: Wer ist sie.

Schaffner: Die schwarze Garde, die gefürchtete Staatpolizei von Kravonien, der Expreß wimmelt von Schwarzgardisten, heute nacht sind sie zugestiegen gleich hinter der Grenze, sie haben vorn im Speisewagen eine Befehlstelle eingerichtet.

Hatch: Im Speisewagen, dann war also der Kellner der uns das Frühstück gebracht hat.

Schaffner: Ein Schwarzgardist.

Hatch: In weißer Jacke, paradox, die ganze Geschichte ist paradox, was haben wir mit ihrer schwarzen Garde zu tun, wir sind Amerikaner, kravonische Politik interessiert uns nicht.

Schaffner: Verzeihen sie mein Herr aber das zu glauben fällt mir schwer, ich weiß nicht wer sie nicht und was sie vorhaben, aber das weiß ich, die schwarze Garde ist ihretwegen hier.

vanDusen: Was sie nicht sagen und was wünscht die kravonische Staatspolizei von uns.

Schaffner: Von ihnen gar nichts, mein Herr, umso mehr von ihrem Begleiter.

Hatch: Von mir, wieso ausgerechnet von mir.

Schaffner: Weil sie mein Herr unserem guten König Milan wie aus dem Gesicht geschnitten sind.

Hatch: Ach was und dafur wird man in Kravonien umgebracht, moment mal ich denke der König hier heißt Bolko.

Schaffner: König Milan war Bolkos Vorgänger, sein Licht war er, unsere Hoffnung, unser Geld, gott hab ihn selig.

vanDusen: Er ist tot.

Schaffner: Vor 2 Monaten ist er von uns gegangen, und durch sein hinscheiden verfinsterte sich der Himmel über Kravonien.

Hatch: Milan hatte sich was vorgenommen, als er ende 1903 nach dem tode seines Vaters König Danilo den kravonischen Thron bestieg, freie Wahlen, ein Parlament, Pressefreiheit, eine Bodenreform und die Menschenrechte wollte er seinem Volk bescheren, alles Dinge, die bis dato in Kravonien völlig unbekannt waren, der Adel, das Offiziercorps, die Gutsbesitzer waren natürlich gar nicht begeistert, aber Milan blieb bei seinen Plänen und da gerade als es mit den Reformen losgehen sollte, kam König Milan ums leben, ihm folgte sein jüngerer Bruder Bolko und in Kravonien blieb alles beim alten, dafür sorgten der neue König und die schwarze Garde mit Feuer und Schwert.

Schaffner: Unter ihrer Schreckensherrschaft stöhnt das Volk, meine Herren es stöhnt und es träumt von der wunderbaren Wiederkehr des guten König Milan.

Hatch: Aha deshalb.

vanDusen: Später, sagen sie Schaffner, auf welche starb König Milan.

Schaffner: Durch einen Unfall auf der Bärenjagd und dabei wurde er so so sehr ent-stellt daß man ihn kaum erkennen konnte als er in der Kathedrale auf der Bahre lag.

vanDusen: Ein Unfall.

Schaffner: So hieß es, mein Herr doch manche meinen gewisse interessierte Kreise hätten dabei ihre Hände im Spiel gehabt.

vanDusen: So so und diesem verhinderten Musterexemplar eines modernen Monarchen sieht mein Freund ähnlich.

Schaffner: Wie ein Zwillingsbruder wie ein Ei dem anderen.

Hatch: Muß ein gutaussehender Mann gewesen sein.

vanDusen: Hatch.

Schaffner: Ich bin Kravonier, meine Herren mein Herz schlägt noch immer für König Milan, daher hielt ich es für meine Pflicht sie zu warnen, seien auf der Hut meine Herren.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Der Fall ist klar.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Sie etwa nicht Prof, ein Spitzel hat mich im Zug gesehen und die schwarze Garde alarmiert und die gibt sich alle Mühe mich um die Ecke zu bringen.

vanDusen: Weil das Volk zu Staropol sie für den wiederauferstandenen Milan halten könnte, mit unvorhersehbaren Folgen sowohl für die Hochzeit als auch für die weitere Herrschaft des jetzigen Monarchen.

Hatch: Jaja.

vanDusen: Durchaus möglich, doch warum nimmt man sie nicht still und ohne aufsehen in Gewahrsam, um sie abzuschieben, warum ein derart drastisches und spektakuläres vorgehen.

Hatch: Vielleicht ist das hier so Sitte.

vanDusen: Mag sein, mag sein wenn auch nicht auszuschließen ist, daß hinter den Anschlägen auf ihre Person ein tieferes Geheimnis, wie dem auch sei, ich werde mein vor wenigen Minuten konstatiertes Vorhaben in die tat umsetzen und dem Grafen Zeppelin im Nachbarabteil einen besuch abstatten.

Hatch: Ja und ich.

vanDusen: Sie verschließen die Abteiltür sobald ich sie verlassen habe und öffnen sie nur dann, wenn ich Einlaß begehre, lassen sie nicht am Fenster sehen.

Hatch: Werde ich mich hüten.

vanDusen: Und halten sie sich tunlichst verborgen am besten unter der Sitzbank.

Hatch: Weil ich alles tue was der Prof will, tat ich auch das obwohl ich mir dabei schon ein bißchen albern vorkam, der Expreß ratterte durch die kravonische Landschaft, ich lag unter der Bank, dachte an dies und jenes und dabei muß ich wohl eingenickt sein, plötzlich wurde ich wach, zwei blankgewichste schwarze Stiefel standen vor mir, eine Hand packte mich am Arm, zog mich ans Licht, und ehe mir noch so richtig klar wurde was geschah drückte mir eine andere Hand ein Tuch aufs Gesicht, ein stechender Geruch in meiner Nase, diesmal keine bitteren Mandeln sondern Chloroform, ich wehrte mich und strampelte, aber das half nichts, nach ein paar Sekunden verlor ich das Bewußtsein.

vanDusen: In folge der momentan Indisposition des guten Hatch sehe ich mich genötigt den Bericht über die rätselhaften Vorkommnisse im Orientexpreß in höchst eigener Person fortzusetzen, so lassen sie mich denn.

Hatch: Lieber nicht, wissen sie, sie sind ein Wissenschaftler, ein großer Kriminologe sie können alles, nur ein können sie nicht.

vanDusen: In der Tat und das wäre.

Hatch: Sie können keine Geschichte erzählen Prof, sie sind entschuldigen sie zu trocken, zu steif, zu umständlich.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Ich meine und unser Publikum ist glaub ich auch dieser Ansicht, also treten sie zurück, lassen sie wieder den Fachmann ran.

vanDusen: Bitte.

Hatch: Danke, es geht weiter meine Damen und Herren, während seinem Assistenten ein schlimmes Geschick dräute, saß Prof van Dusen gemütlich nebenan und plauschte aeronautisch.

vanDusen: Erstaunlich mein lieber Graf Zeppelin eine Persönlichkeit ihres Ranges läßt sich herab dem gaffenden Pöbel eine aeronautische Zirkusvorstellung zu bieten.

Graf: Gott Prof was wollen sie das Geld, das leidige Geld, ohne Schmieröl will sagen ohne Moneten läuft auch die Luftfahrt nicht, und die Reklame, vergessen sie Reklame nicht, Märchenhochzeit, Weltpresse, Zeppelin in aller munde, unbezahlbar.

vanDusen: Gewiß Graf gewiß, Ihr Luftschiff wo befindet es sich zurzeit.

Graf: Mein LZ2 Nicht hier im Abteil, das kann ich ihnen flüstern.

vanDusen: Versteht sich Graf, versteht sich bei einer länge von 128 m.

Graf: Durchmesser 11 Meter 70.

vanDusen: 16 Gashöhlen mit einem Gesamtfassungsvermögen von 10400 Kubikmeter.

Graf: In einem starren Gerüst als Aluminium in Form einer Zigarre.

vanDusen: 2 Daimlermotoren von je 85 PS.

Graf: Höchstgeschwindigkeit 42 Stdkm sowas hat die Welt noch nicht gesehen, ich habs vorgeschickt mit meinen Leuten heute wirds gefüllt auf einer wiese vor der stadt staro starodings direkt neben dem königlich kravonischen Gaswerk.

vanDusen: Eine klug gewählte Operationsbasis mein lieber Graf.

Graf: Wissen sie was, Prof kommen sie doch heute abend mal vorbei, gucken sie sich mein lz2 an.

vanDusen: Mit dem größten Vergnügen, mein lieber Graf doch auch die demonstratio ad oculos dürfte wie ich fürchte meine wohlfundierte Ansicht kaum ins wanken bringen.

Graf: Ihre Ansicht, Prof was für eine Ansicht.

vanDusen: Ja haben sie denn meine grundlegenden Studien zur aerodynamischen Theorie der Aeronautik nicht gelesen Graf.

Graf: Tut mir leid, Prof ehrlich gesagt Theorie liegt mir nicht so.

vanDusen: In diesem Falle Graf lassen sie mich in aller gebotenen kürze wiederholen was ich erst kürzlich in Schottland auf Schloß Glenmore auszuführen Gelegenheit fand.

Graf: Bei Sir Hektor McMurdock, erstklassiger Aeronaut der Mann, schade daß er so ein Ende nehmen muße.

vanDusen: Er hat es ganz allein sich selbst zuzuschreiben Graf, die Zukunft so sagte ich wird weder dem unstarren Luftschiff ala santosduma noch dem starren Zeppelin gehören, vielmehr dem Drachenflieger, dem Aeroplan, dem Flugzeug, was war das.

Graf: Ach Radau im Nachbarcoupe, unwichtig, das können sie doch nicht im ernst glauben, Prof der Aeroplan, diese technische Mißgeburt.

vanDusen: Im Nachbarcoupe, in meinem Coupe, Hatch, sie entschuldigen mich Graf.

Hatch: Wie ein geölter Blitz sauste er raus durch den Gang zu unserer Abteiltür und weil die abgeschlossen war, bollerte er wie ein Droschkenkutscher, öffnen sie Hatch, der ansonst so gesetzte so auf seine Würde bedachte, offenbar machte er sich wirklich sorgen um mich, Schaffner, öffnen sie die Tür, sie sind doch im Besitz eines Hauptschlüssel.

Schaffner: Gewiß, mein Herr.

vanDusen: Leer.

Schaffner: Vermissen sie etwas mein Herr.

vanDusen: Das kann man wohl sagen, mein Freund und Begleiter.

Schaffner: Der Herr der aussieht wie König Milan selig.

vanDusen: Eben diesen Schaffner.

Schaffner: Ich hatte sie gewarnt, mein Herr die schwarze Garde, sie hat ihn geholt.

vanDusen: Das ist zu vermuten, doch auf welche weise, ach das Fenster.

Schaffner: Es ist nicht völlig geschlossen mein Herr.

vanDusen: Das seh ich Schaffner und hier am rahmen ein Stückchen Stoff zweifarbig giftgrün und magentarot, diese abstoßende Kombination abstoßender Farben findet sich meines Wissens auf der ganzen Welt einzig und allein an Mr Hatch Reiseanzug.

Schaffner: Sie haben ihn aus dem Fenster gestürzt.

vanDusen: Wohl kaum, wäre es den Schergen der schwarzen Garde lediglich drauf angekommen meinen Freund schnellstmöglich zu töten hätten sie sich keinesfalls die Mühe gemacht ihn zu betäuben.

Schaffner: Betäuben.

vanDusen: Ja mittels Chloroform, ein leichter Hauch der potenten Chemikalie liegt noch immer in der Luft, kein Zweifel, Mitglieder der schwarze Garde drangen durch das Fenster ins Abteil, versetzen Mr Hatch in Bewußlosigkeit und entfernen sich sodann mit ihm wiederum durchs Fenster.

Schaffner: Und weiter übers Dach.

vanDusen: Wohin, nach vorn Richtung Speisewagen und Lokomotive, das ist ausgeschlossen, in diesem Falle hätten sie das Coupe des Graf Zeppelin überqueren müssen und da auch nicht das leiseste Geräusch einer solchen Passage an mein ungewöhnlich empfängliches Ohr drang.

Schaffner: Also nach hinten.

vanDusen: So ist es, Schaffner und was finden wir in dieser Richtung.

Schaffner: Nicht mehr viel, mein Herr, in diesem Wagon nur noch 2 Abteile, eines hat eine alleinreisende Dame belegt, das anders ist das Schaffnercoupe.

vanDusen: Die nächsten Wagen.

Schaffner: Nur noch ein Wagen mein Herr der letzte, der Packwagen.

vanDusen: Der Packwagen, aha folgen sie mir Schaffner.

Schaffner: Wenn sie gestatten mein Herr würde ich es vorziehen hier auf sie zu warten.

vanDusen: Sie weigern sich mich zu begleiten.

Schaffner: Ich wage es nicht, mein Herr sehen sie auf der Plattform vor dem Packwagen steht ein Wächter, in schwarzer Uniform.

Hatch: Davon ließ der Prof sich nicht abschrecken, eiligen Schrittes strebte er dem Packwagen zu, aber schon in Höhe des nächsten Abteils wurde er aufgehalten, eine große schlanke Dame in Reisedress, tief verschleiert, trat ihm den Weg.

Dragina: Prof van Dusen.

vanDusen: Bitte Madam lassen sie mich passieren.

Dragina: Sie sind doch Prof van Dusen, der weltbekannte amerikanische Detektiv.

vanDusen: Kriminologe, bitte Amateurkriminologe.

Dragina: Sie sind es.

vanDusen: Geben sie den Weg frei Madame.

Dragina: Prof van Dusen, ich flehe sie an, helfen sie mir, helfen sie dem unglücklichen Kravonien.

vanDusen: Später Madame später, treten sie zur Seite.

Dragina: Ich verstehe, Prof bevor sie sich meinem Anliegen widmen können, haben sie ein anderes ein vordringlicheres Problem zu erledigen.

vanDusen: Madam bitte.

Dragina: Ich machte einen Vorschlag, Prof ich helfe ihn, und dann helfen sie mir, einverstanden.

vanDusen: Keineswegs Madam sie wissen ja nicht.

Dragina: Zum Packwagen wollen sie Prof, ich gehe voran, halten sie sich dich hinter mir, und vertrauen sie mir.

vanDusen: Aber Madam der Wächter auf der Plattform.

Dragina: Den überlassen nur mir Prof.

Hatch: Damit schlug sie ihren Rock hoch und zog darunter einen gewaltigen Schießprügel hervor eine neunschüssige Armeepistole vom Typ Webley & Scott Kaliber 9 mm, sie öffnete die Tür am ende des Wagens und schoß dem Schwarzuniformierten vor dem Packwagen kaltblütig durchs Herz.

Ah.

Dragina: So ein Schwarzgardist weniger, kommen sie Prof in den Packwagen.

vanDusen: Ja aber.

Dragina: Schnell bevor die andern schwarzen hier sind, meine Webley ist leider recht laut, aber sonst Prof eine ausgezeichnete Waffe, präzise und zuverlässig in allen Lebenslagen sehr zu empfehlen, nun kommen sie schon.

vanDusen: Wie sie wünschen, Madame.

Dragina: Gut so jetzt verrammeln wir die Tür und dann Prof.

vanDusen: Ja Madame.

Dragina: Dann erzählen sie mir was wir hier im Packwagen eigentlich suchen.

Hatch: So geschah es, der Prof ausnahmsweise einmal nicht Herr der Situation sondern zumindest zeitweilig konsterniert fast unverunsichert, schob brav den schweren Innenriegel vor, berichtete seiner mysteriösen Begleiterin kurz was ihn in den Packwagen geführt hatte und hielt dann mit ihr Ausschau, durch ein Fenster am hintern Ende des Wagens fiel diffuses Licht auf Kisten, Kästen, auf Rollen, Ballen, Pakete.

vanDusen: Jedoch kein Assistent, kein Chronist, kein Begleiter, kein Hutchinson Hutch.

Dragina: Wo mag er nur stecken ihr Adlatus.

Hatch: Sind sie das Prof helfen sie mir.

Dragina: Was sagten sie Prof.

vanDusen: Nichts Madame das ist seine Stimme, Hatch wo befinden sie sich.

Dragina: Geben sie laut, Mr Hatch.

Hatch: Hier Prof, hier bin ich.

Dragina: Es kommt aus dieser Ecke hier wo der Sarg steht.

vanDusen: Der Sarg aber natürlich.

Dragina: Sie glauben Prof.

vanDusen: Ich bin sicher Madame helfen sie mir den Deckel zu öffnen, noch einen Augenblick mein lieber Hatch sie werden in kürze frei sein.

Hatch: Ach.

Hatch: Jawohl in einem Sarg hatte ich mich abgelegt meine unmenschlichen Entführer und wer weiß was sie noch alles mit mir vorgehabt hatten, ich stieg aus noch ganz benommen und da fiel mir plötzlich ohne Vorwarnung eine Frau um den Hals und drückte mich leidenschaftlich an ihr wohlgeformtes Herz.

Dragina: Milan geliebter du hier.

vanDusen: Nicht Milan, Madame, bei der von ihren Armen umschlungenen Person handelt es sich ohne jeden Zweifel um den vermißten Mr Hatch.

Hatch: Kann ich voll und ganz bestätigen, verstehen sie mich nicht falsch, gnädigste ich habe nichts gegen Impulsivität aber vielleicht könnten sie mir doch irgendwie erklären.

Dragina: Sogar die Stimme, Milan wie er leibt und lebt, eine gerade zu unglaubliche Ähnlich aber wenn ich sie mir eingehender betrachte, Mr Hatch fällt mir doch der eine oder andere kleine Unterschied ins Auge, Milan hätte nie den Mut einen Anzug von solch exquisiten Schnitt zu tragen, der kühne Ausdruck in ihren stahlblauen Augen sehr sympathisch.

Hatch: Ganz meinerseits.

Schwarzgardist: Im Namen des Königs öffnen sie.

Dragina: Die schwarze Garde.

Hatch: Was jetzt.

Dragina: Wir werden uns verteidigen Mr Hatch bis zum letzten Hauch, bis zur letzten Patrone.

vanDusen: Bei insgesamt noch 8 Patronen in 1 Pistole heroisch aber unvernünftig, in unserem fall wäre Flucht angebrachter oder falls sie dies Wort nicht lieben eine kontrollierte temporäre Absetzbewegung.

Schwarzgardist: Öffnen sie, aufmachen.

Dragina: Sie haben recht, Prof setzen wir uns ab, fragt sich nur wie.

vanDusen: Wir befinden uns im letzten Wagen, Madame falls es uns gelingt ihn vom übrigen Expreß abzukoppeln.

Dragina: Großartige Idee Prof, aber dazu müßten wir die Kupplung erreichen und die ist draußen unter der Plattform, durch die Tür kommen wir nicht, das Fenster.

Hatch: Viel zu klein, da paßt ja nicht mal der Prof durch.

Dragina: Tja schade um ihren schönen Plan, Prof aber sie sehen ja wir kommen nicht raus.

vanDusen: Oh doch Madame es gibt noch eine Hintertür.

Dragina: Eine Hintertür Prof.

vanDusen: Ja die Bodenbretter Madame, zu unserm Glück sind sie von nicht eben imponierender Solidität, werden 2 oder 3 von ihnen herauslösen, tunlichst nah der Tür, durch die so entstanden Lücke wird eine gelenkige Person sich unter die Plattform hangeln und den Stift der Kupplung entfernen, zücken sie Taschenmesser und dann frisch ans Werk.

Hatch: Zu befehl.

vanDusen: Madame würden sie unseren lästigen Belagerern freundlicherweise einen kleinen warnenden Hinweis zukommen lassen.

Dragina: Wird gemacht Prof so und nun lassen sie mich ein Blick aus dem Fenster werfen, aha, könnten sie in etwa einer halben Stunde mit ihrer Arbeit fertig sein, Mr Hatch.

Hatch: Ich tue mein bestes.

Dragina: Wir werden dann die Ausläufer der Matchagora passieren, der finsteren Berge, ich habe da ein ganz bestimmte Stelle im Auge, eine Steigung nach einer scharfen Kurve.

vanDusen: Ich verstehe.

Hatch: Gut für sie Prof, ich verstehe nur Bahnhof.

vanDusen: Das macht nichts, arbeiten sie nur weiter und wenn es an der zeit ist.

Dragina: Gebe ich das Kommando, vertrauen sie mir.

Hatch: Was anders blieb uns ja wohl nicht übrig, gut 20 min wütete ich mit dem Messer wie der Herrgottschnitzer von Oberammergau, dann lief alles nach Plan, die gelenkige Person, Hutchinson Hatch mit namen oder was hatten sie gedacht quälte sich durchs Loch im Boden, an den Beinen festgehalten von der interessanten unbekannten und vom Prof, mit dem Griff eines alten Regenschirms der sich im Packwagen eingefunden hatte, angelte ich nach dem Kupplungsstift, und als ich ihn endlich erreicht hatte, zog ich ihn raus unbemerkt von den Schwarzgardisten auf der Plattform über mir, der Expreß dampfte weiter, die Steigung hoch, unser Wagen rollte zurück, immer schneller, bog um die kurve, zwei Schüsse fielen, und zwei Schwarz-gardisten die sich an die Wagentür geklammert hatten stützten tot auf die Schienen und wir.

Dragina: Wir springen ab, meine Herren.

Hatch: Wenns unbedingt sein muß.

vanDusen: Es muß sein.

Dragina: Vertrauen sie mir, sprung marsch marsch, alles in Ordnung mein Herren.

vanDusen: Ja so scheint es, Madame was ist mit ihnen Hatch.

Hatch: Was soll sein Prof mir geht bestens, man hat mich bebombt, verbrüht, beschossen, chloroformiert, eingesargt, dann mußte ich als Holzhacker schuften, eine akrobatische Einlage geben, mich kopfüber in die Brennessel stürzen und wer weiß was jetzt noch alles kommt.

Dragina: Wir schlagen uns in den Wald, meine Herren folgen sie.

vanDusen: Wohin, Madame.

Dragina: Ich kenne den Weg, vertrauen sie mir.

Hatch: Ab durch den Wald, falls man diese verfilzte Wildnis überhaupt Wald nennen konnte, das war eher ein Dschungel, voll von knorrigen Bäumen, krummen Wurzeln, dichtem Unterholz, Bären und Wölfe sollte es hier übrigens auch noch geben, nach einem Gewaltmarsch von mehreren Stunden tauchte zwischen Blättern und Ästen ein roter Giebel auf, zu dem Giebel gehörte ein Anwesen, ein großes Haus mit ein paar Nebengebäude, unsere Führerin öffnete die Tür und betrat eine mit schwerem Eichenmöbel ausgestattete Halle, auf den Boden lagen Bärenfälle, Hirschgeweihe hingen an den Wänden.

Dragina: Treten sie näher, meine Herren, vertrauen sie mir.

vanDusen: Ein Jagdschloß wie ich vermute.

Hatch: Eher ein Hexenhaus, und wir beide sind Hänsel und Gretel.

vanDusen: Seien sie doch nicht töricht.

Diener: Hoheit haben geläutet.

Dragina: Bring uns einen Imbiß für 4 Personen.

Diener: Für 4 Personen sehr wohl Hoheit.

Hatch: Ein Imbiß, der erste positive Programmpunkt in dieser strapaziösen Geschichte, es kam noch besser, als wir uns zu Tisch setzen, schlug die unbekannte den Schleier zurück und demaskierte sich als gutaussehende junge Frau, was sage ich, gutaussehend, schön war sie wunderschön, schön über alle Maßen, ich über-treibe nicht, ich weiß, was ich sage, schließlich habe ich sie wenig später geheiratet.

Dragina: Hier sind wir vorerst in Sicherheit meine Herren, im alten Jagdschloß meines Geschlechts, umgeben von einer treuer Dienerschaft, ich bin Prinzessin Dragina Kralowitz.

vanDusen: Aha, Ihr Name Hoheit ist mir nicht unbekannt, werden sie sich nicht morgen mit König Bolko von Kravonien vermählen.

Dragina: Nein Prof das werde ich nicht, mein Herz gehört König Milan, ihn bin ich seit frühester Jugend verlobt, ihn werde ich heiraten.

Hatch: König Milan aber der ist tot.

Dragina: Meinen sie Mr Hatch.

Milan: Ach endlich teuerste, wurde auch Zeit, wer sind diese Subjekte.

Hatch: Ein Mann trat aus dem Wandschrank und dieser Mann war ich, dasselbe Gesicht, dieselbe Statur, mein Spiegel- und Ebenbild.

vanDusen: Eine erstaunliche Ähnlichkeit königliche Hoheit, in der tat nicht nur Größe Figur und Gesichtszüge meines Assistenten entsprechen dem ihrigen in einem so hohen Maß daß der Betrachter doppelt zu sehen glaubt, auch was Stimme und Tonfall betrifft ist Hatch ihr Doppelgänger, obgleich bei gründlicherer Observation ihre Ausdrucksweise königliche Hoheit ein wenig gemessener erscheint und sich insofern von der meines guten Hatch unterscheidet, welcher gelegentlich eine beklagenswerte Neigung zum vulgären ja aufweist, König Milan von Kravonien lebt also noch, diese Tatsache wirft Licht auf bislang dunkle Zusammenhänge.

Milan: Natürlich lebe ich sehn sie doch.

Hatch: König Milan war nicht durch Jagdunfall umgekommen, er war entführt worden von der schwarzen Garde im Auftrag Bolkos, während eine passende Leiche feierlich bestattet wurde, steckte der echte Milan in den finsteren Kasematten einer einsamen Burg tief in der Wildnis als geheimer Staatsgefangener auf Lebenszeit, aber einer der Wächter stand auf Milans Seite, und verhalf ihm in der vorigen Nacht zur Flucht, Milan gelang es Dragina zu erreichen, und die versteckte ihn in ihrem Jagdschloß, die schwarze Garde hielt Hutchinson Hatch für den entflohenen und schoß sich auf ihn ein, Dragina hatte derweil incognito den Orientexpreß bestiegen.

Dragina: Um sie zu konsultieren Prof, ich hatte gehört sie würden in Staropol erwartet, das weitere kennen sie.

vanDusen: In der tat Hoheit und was kann ich für sie tun.

Dragina: Zweierlei, meine Hochzeit mit Bolko verhindern und Milan wider auf den kravonischen Thron setzen.

vanDusen: Ihr Vertrauen in meine Fähigkeiten ehrt mich, Hoheit, daß ich als amerikanischer Staatsbürger keine große Neigung verspüre mich auf innenpolitische Auseinandersetzungen in Kravonien einzulassen.

Dragina: Das spielt jetzt keine Rolle mehr Prof sie stecken längst in der Sache drin, sie und vor allem ihr freund Mr Hatch, außerdem Recht und Moral sind auf unserer Seite.

vanDusen: So scheint es, Hoheit nun gut, Prof van Dusen steht zur ihrer Verfügung.

Milan: Na also, sie da Hatch oder wie heißen, drehen sie sich um, will ihr Gesicht nicht sehen, macht mich nervös.

Hatch: Bitte sehe ich eben die Prinzessin an, ist mir sowieso lieber.

Milan: Was meine Braut anglotzen, unterstehen sie sich.

Hatch: Dürfe ich königlicher Hoheit ergebens vorschlagen sich möglichst schnell in dero Wandschrank zu verziehen.

Milan: Impertinentes Subjekt.

vanDusen: Königliche Hoheit, mein lieber Hatch ich bitte sich nicht in läppische Kontroversen zu ergehen, vielmehr ihre Konzentration den vor uns liegenden von der Prinzessin so bewundernswert knapp umrissenen schwierigen Aufgabe zu widmen.

Hatch: Wir waren uns einig, König Milan mußte nach Staropol, wie das war die große Frage, die Hauptstadt Kravoniens war von der schwarzen Garde abgeriegelt, alle die in die Stadt wollten wurden genau überprüft, so ging das also nicht.

Milan: Dann eben anders, Prof van Dusen sie sind doch so ein großer Denker, sogar Denkmaschine, denken sie sich was aus.

vanDusen: Das ist bereits geschehen königliche Hoheit.

Dragina: Wunderbar, Prof was für eine Hintertür haben sie denn diesmal.

vanDusen: Keine Hintertür, Hoheit ich öffne ihrem Verlobten ein immenses Portal, würdig eines Monarchen.

Dragina: Ach und wo Prof.

vanDusen: In der Luft Hoheit.

Hatch: Aber ja Graf Zeppelin.

vanDusen: Sehr gut mein lieber Hatch.

Milan: Luft, Zeppelin verstehe kein Wort.

Hatch: Der Prof erkärte seinen Plan, ein typischer van dusen Plan, durchdacht fehlerfrei logisch ausgefeilt, Prinzessin Dragina war hingerissen, und was meint König Milan.

Milan: Total unmöglich, Luftschiff, abseilen, viel zu unsicher, lebensgefährlich, wenn mir was passiert, was wird dann aus Kravonien, außerdem werde ich seekrank, luftkrank sicher auch.

Dragina: Oh Milan geliebter wie kannst du nur so kleinmütig sein, das ist doch eine wunderbare Lösung, die Prof van Dusen sich ausgedacht hat, vom Himmel hoch.

Milan: Wenn dir die Sache so gut gefällt, flieg du doch mit dem Luftschiff über Staropol, und laß du dich am Seil runter.

Dragina: Aber Milan du weißt doch, nur einer kann das tun du, der rechtmäßige König den unser Volk liebt.

Milan: Ich, denke nicht daran, ohne mich.

vanDusen: Bedenken sie königliche Hoheit dies ist der einzige Weg zum angestammten Thron ihrer Ahnen.

Milan: Ist mir egal, niemals.

Hatch: Alles bitten und barmen nutzte nichts, ob Milan ein guter König war oder nicht, eins war er mit sicherheit, ein Angsthase, was nun.

vanDusen: Nur einer kann das tun, der rechtmäßige König den das Volk liebt, warum nicht auch eine Person, welche dem rechtmäßigen König zum verwechseln ähnelt.

Hatch: Moment mal.

Dragina: Großartig Prof, Mr Hatch in vollem königlichen Wichs.

Hatch: Also da hab ich ja wohl auch noch ein Wort mitzureden.

Dragina: Ach Mr Hatch, Ich weiß sie werden es tun, ihr kühnes Auge sagt ja, ihre Tollkühnheit die sie heute so oft unter beweis gestellt haben.

vanDusen: Nur Mut mein lieber Hatch.

Dragina: Kravonien wird ihnen dankbar sein, ich werde ihnen dankbar sein bitte Hutchinson.

Hatch: Ok, ehe ich mich schlagen lasse.

Milan: Was, dieser unverschämte Amerikaner soll als König Milan auftreten Majestätsbeleidigung.

Dragina: Halt lieber den Mund Milan oder hast du es dir anders überlegt, du bleibst hier bis alles vorbei ist im Wandschrank damit dir ja nichts passiert, in einer Stunde fahre ich nach Staropol, sie kommen mit, Mr Hatch und sie natürlich auch Prof, vor der Stadt setze sie ab auf der Wiese beim Luftschiff.

Hatch: Die Dunkelheit brach herein als wir van Dusen und ich uns im Zelt des Grafen Zeppelin melden ließen, der Prof verlor kein Zeit, er schilderte dem berühmten Aeronauten kurz den Sachverhalt und machte ihm klar was er von ihm erwartete.

Graf: Mein LZ2 für einen Staatsstreich, nein nein nein nein das ist nicht drin, Prof, Graf Zeppelin ist kein Umstürzler.

vanDusen: Nicht um Staatsstreich geht es, mein lieber Graf, nicht um einen Putsch oder gar einen Umsturz, im Gegenteil es gilt dem legitimen König des Landes welcher durch eine heimtückische Intrige der Krone beraubt wurde wieder auf den ihm zustehenden Thron zu setzen.

Graf: Wenn das so ist Prof.

Hatch: Soweit die politisch moralische Seite Graf, aber sehen sie die Sache doch auch mal praktisch, zwei Superknüller auf einmal, Fürstenhochzeit und Auferstehung des toten Milan, Schlagzeilen von Nordpol bis Feuerland, Reklame Graf Reklame.

vanDusen: Und ihre Luftschiff mein lieber Graf wird in dieser höchst aufsehend erregenden Affäre die unbestrittene Hauptrolle spielen.

Graf: Ja dann.

Hatch: Am nächsten Morgen in Staropol, die Sonne schien auf den großen Platz zwischen Schloß und Kathedrale, auf Fahnen und Transparente, auf gedrängte, festlich gekleidete Kravonier, und die eine oder andere schwarze Uniform, die aufpaßte, daß das Volk nicht auf dumme Gedanken kam, über den bunten Panorama brummte majestätisch das Luftschiff des Grafen Zeppelin, warf Konfetti ab, und zog ein Spruchband hinter sich her, worauf stand Glück und Segen dem hohen Paar, auf der Plattform vor dem Tor der Kathedrale war weithin sichtbar ein Altar aufgebaut, davor standen drei Menschen, der Patriarch von Staropol, dann ein dicklicher junger Mann im Hermelinumhang, eine Krone auf dem Kopf, das war natürlich König Bolko und Dragina, meine wunderschöne Dragina in einem langen weißen Kleid aus Atlas und Spitzen.

Patriarch: Wollen sie königliche Hoheit Bolko der erste von Kravonien die hier anwesende Prinzessin Dragina Kralowisch zur Gemahlin nehmen, sie lieben und ehren bis daß.

Bolko: Schon gut jawohl ich will.

Patriach: Wollen sie Hoheit Dragina Kralowitsch den hier anwesenden König Bolko.

Dragina: Nein.

Patriarch: Bitte Hoheit.

Dragina: Ich will nicht, Eminenz, Bolko hat weder ein Recht auf meine Hand noch auf den Thron von Kravonien, beide gehören König Milan.

Patriarch: Milan ist verschieden Hoheit.

Dragina: Nein, Eminenz schauen sie nach oben, dort steigt er nieder aus des Himmels Höhen.

Hatch: So war es, meine Damen und Herren, er schwebte herunter der gute König alias Hutchinson Hatch, aus der Gondel des Luftschiffs ließen die Mannen des Grafen Zeppelin langsam zwei Seile herab, die unten durch eine Stange verbunden war, auf dieser Stange saß ich in prächtigen rotweißgoldenen Uniform die Dragina noch schnell hatte nähen lassen, mit der linken Hand klammerte ich mich fest, mit der rechten winkte ich meinem Volk zu so huldvoll ich konnte, schließlich habe ich nicht König gelernt, und aus der Gondel tönte gewaltig die Stimme der Geschichte, Prof van Dusen mit Megaphon.

vanDusen: Volk von Kravonien sieh hier deinen wahren Monarchen, König Milan, er kommt seinen Thron wieder einzunehmen dem Neid und Bosheit ihm geraubt haben, nieder mit dem Usurpator Bolko, es lebe König Milan.

Hatch: Das Volk von Kravonien war begeistert und schrie sich heiser, die schwarze Garde wußte nicht was tun sollte und Exkönig Bolko machte ein ausgesprochen dummes Gesicht was in erster Linie darauf zurückzuführen war daß seine Exbraut ihm ihre Webley und Scott in die Rippen gerammt hatte, deshalb blieb ihm auch nichts anders übrig, als seinen Schwarzgardisten zähneknirschend zu befehlen die Waffen niederzulegen, König Milan hatte gesiegt, ohne Kampf, ohne Blutvergießen, übrigens war er inzwischen auf festem Boden gelandet und am überlegen wie er möglichst schnell Uniform und Rolle loswerden könnte, als die Dinge eine plötzliche unerwartete Wendung nahmen.

Patriarch: Das Volk, Majestät es verlangt, daß die Trauung stattfindet, König Milan und Prinzessin Dragina sollen auf der stelle heiraten, das Volk besteht darauf.

Hatch: Aber.

Dragina: Sie müssen mitspielen sonst werden sie mißtrauisch, der Wunsch unseren teuren Volkes spricht uns aus dem Herzen, nicht wahr Milan geliebter, walten sie ihres Amtes Eminenz.

Patriarch: Mit freunden Hoheit, Musik.

Hatch: So kam es daß wir feierlich vom Patriarchen getraut wurden, Prinzessin Dragina und ich, vor der Kathedrale von Staropol, inmitten des jubelnden Volkes von Kravonien. Am nachmittag dieses ereignisreichen Tages in den königlichen Gemächern.

Dragina: O Hutchinson sie waren wunderbar, jeder Zoll ein König.

Hatch: Ein guter kriminologischer Assistent muß eben alles können, Prinzessin trotzdem bin ich froh, wenn ich klammheimlich aus dem Schloß verschwinden und an König Milan übergeben kann, bin gespannt was er zu unserer Hochzeit sagt.

Dragina: Gehen sie nicht, Hutchinson.

Hatch: Was war das.

Dragina: Bleiben sie, als mein Gemahl als König Milan.

Hatch: Ja aber der echte Milan.

Dragina: Kommt ohne aufsehen zurück in die Kasematten zusammen mit seinem Bruder, dafür werde ich sorgen, er meint es gut ich weiß aber ich kenn ich jetzt, er ist ein Schwächling, sie Hutchinson haben ein ganz anderes Format, sie werden Kravonien und mich glücklich machen, bleiben Sie, Hutchinson, bleiben sie bei mir, ich beschwöre sie.

vanDusen: Dennoch haben sie sich entschlossen, Kravonien mit mir gemeinsam den Rücken zu kehren, sehr vernünftig mein lieber Hatch.

Hatch: Vernünftig, ich weiß nicht, Prof hätte ich vielleicht doch bleiben sollen, diese Prinzessin Dragina ist eine tolle Frau, mindestens so energisch wie sie, Prof, aber viel viel schöner.

vanDusen: Das will ich neidlos konzedieren mein lieber Hatch.

Hatch: Und dann, Majestät, königliche Hoheit, das hat doch was.

vanDusen: Aber mein lieber Hatch, wer will schon König von Kravonien werden, wenn ihm das Schicksal ein weitaus besseres Los beschieden hat.

Hatch: Was meinen Sie Prof.

vanDusen: Sie sind Assistent, Chronist und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen mein lieber Hatch was wollen sie mehr.

Hatch: Ach.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
König Milan von Kravonien: Klaus Herm
Prinzessin Dragina: Marietta Bürger
Graf Zeppelin: Jürgen Thormann
Schaffner im Orient-Expreß: Bernd Ludwig
Patriarch von Staropol: Herbert von Boxberger
Kellner/Schwarzgardist: Konstantin Netzband
Diener: Gerd Holtenau
König Bolko von Kravonien: Klaus Jepsen