ESC-Songcheck kompakt (37) – Frankreich: „Roi“ von Bilal Hassani

Nach dem großen Erfolg im Vorjahr wurde in Frankreich erneut Destination Eurovision als Vorentscheidformat eingesetzt. In den beiden Halbfinals traten jeweils neun Beiträge an, von denen sich vier für das Finale qualifizierten. Während Bilal Hassani mit „Roi“ im Finale am 25. Januar bei den Juroren nur auf Rang 5 landete, holte er beim Televoting mehr als doppelt so viele Stimmen wie die Zweitplatzierte und sicherte sich so das Ticket für Tel Aviv.

Der 19-jährige Bilal Hassani entstammt einer aus Marokko nach Frankreich eingewanderten Familie. 2015 nahm er an The Voice Kids teil. Als YouTuber baute er sich eine Fanbase auf und outete sich 2017 öffentlich als homosexuell. In der Folge war er oft Zielscheibe homo- und xenophober Angriffe im Netz. Obwohl er seit 2016 mehrere Singles veröffentlicht hat, erreichte bisher nur „Roi“ die französischen Charts.

Der Song 

„Roi“ ist ein Midtempo-Klavier-Popsong mit R’n’B-Elementen. Nach der zweiten Strophe folgt eine erwartbare, aber recht kurze Brücke bevor der Refrain noch einmal wiederholt wird. Das ist alles recht vertraut. Beim Vorentscheid wurde der Titel etwa hälftig auf Französisch und auf Englisch vorgetragen.

Das Lied wurde von Emilie Satt und Jean-Karl Lucas, besser bekannt als Madame Monsieur, komponiert und geschrieben. Der Song soll eine Botschaft von Selbst-Akzeptanz und Hoffnung vermitteln.

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 2/5 Punkte
Instant-Appeal: 3/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Ich finde den Song immer noch toll und hoffe, dass Bilal und die französische Delegation die Zeit genutzt haben, um an den deutlichen Schwächen beim Live-Auftritt zu arbeiten. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass Bilal weit kommen kann, auch wenn er im Moment unter dem Radar fliegt. 8 Punkte

Douze Points: Schlimmer Fan-Hype um mehr oder weniger Nichts. Zumindest kann man dem Lied zugestehen, melodisch zu sein und nicht total auf die Nerven zu gehen. Grundsätzlich eine tolle Aussage, allerdings kann das die anderen Defizite nicht kompensieren. 5 Punkte

Peter: Es ist mir sympathisch, dass das französische TV-Publikum einen Interpreten gewählt hat, der seine Extrovertiertheit und Exaltiertheit und seine Individualität in seinem Auftritt, seiner Stimme, seinen Bewegungen authentisch auslebt. Die Botschaft seines Titels kommt glaubwürdig rüber, allein der Song selbst ist eher banal. Absolut nichts, was bei mir in „heavy rotation“ laufen würde. Hoffentlich verzichtet die französische Delegation zumindest auf englische Versatzstücke im Text beim Finale. Die Originalität und den Charme von Bilal würdigend komme ich wohlwollend zu 8 Punkten.

Gesamtpunktzahl: 21/36 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Roi“ auf Platz 27 von 41.

Wie schneidet der französische Beitrag "Roi" von Bilal Hassani ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis
(1) Finnland: „Look Away“ von Darude feat. Sebastian Rejman
(2) Montenegro: „Heaven“ von D Mol
(3) Polen:„Pali Się (Fire Of Love)“ von Tulia
(4) Serbien: „Kruna“ von Nevena Božović
(5) Slowenien: „Sebi“ von Zala Kralj & Gašper Šantl
(6) Tschechien: „Friend Of A Friend“ von Lake Malawi
(7) Ungarn: „Az én apám“ von Joci Pápai
(8) Weißrussland: „Like It“ von Zena
(9) Zypern: „Replay“ von Tamta

Zweite Hälfte des ersten Semis
(10) Australien: „Zero Gravity“ von Kate Miller-Heidke
(11) Belgien: „Wake Up“ von Eliot
(12) Estland: „Storm“ von Victor Crone
(13) Georgien: „Sul tsin iare“ von Oto Nemsadze
(14) Griechenland: „Better Love“ von Katerine Duska
(15) Island: „Hatrið mun sigra“ von Hatari
(16) Portugal: „Telemóveis“ von Conan Osíris
(17) San Marino: „Say Na Na Na“ von Serhat

Erste Hälfte des zweiten Semis
(18) Armenien: „Walking Out“ von Srbuk
(19) Dänemark: „Love Is Forever“ von Leonora
(20) Irland: „22“ von Sarah McTernan
(21) Lettland: „That Night“ von Carousel
(22) Moldau: „Stay“ von Anna Odobescu
(23) Österreich: „Limits“ von Paenda
(24) Rumänien: „On A Sunday“ von Ester Peony
(25) Schweden: „Too Late For Love“ von John Lundvik
(26) Schweiz: „She Got Me“ von Luca Hänni

Zweite Hälfte des zweiten Semis
(27) Albanien: „Ktheju tokës“ von Jonida Maliqi
(28) Aserbaidschan: „Truth“ von Chingiz
(29) Kroatien: „The Dream“ von Roko
(30) Litauen: „Run With The Lions“ von Jurij Veklenko
(31) Malta: „Chameleon“ von Michela
(32) Niederlande: „Arcade“ von Duncan Laurence
(33) Nordmazedonien: „Proud“ von Tamara Todevska
(34) Norwegen: „Spirit In The Sky“ von KEiiNO
(35) Russland: „Scream“ von Sergey Lazarev

Gesetzt fürs Finale
(36) Deutschland: „Sister“ von S!sters



85 Kommentare

  1. Kein Platz in meiner Komplett-Top 10, mein Tipp: Platz 20+-3
    Überzeugt mich nicht. Ist mir auch zu simpel komponiert. Und ganz lange dachte ich, dass Bilal Hassani ein Mädchen ist. Rechne fest mit dem schlechtesten Ergebnis Frankreichs seit 2015. Für mich nach all den guten Vorjahren eine Enttäuschung. Mein Platz 25.

  2. Da wurde der französische Vorentscheid ad absurdum geführt, mit qualitativ höherwertigen Titeln landen sie schon im Mittelfeld, mit Bilal Hassani, dem hochnarzisstischen Conchita Wurst Fan, wird das auch nicht weiter nach vorne gehen. Hege immerhin nicht die selbe Abneigung gegen ihn wie gegen Herrn Neuwirth, aber irgendwas überzeugendes finde ich da nicht.

  3. Komposition: Wie erwartet und somit langweilig
    Gesang: Stimme verfehlt manche Noten
    Text: Selbsterfindungstrip.
    Gewinner: Nein.

    Wer jung ist und noch dabei ist Körper und Geist unter einem Hut zu bringen, wird vieles erkennen und seine Freude mit diesem Song haben. Alle andere werden doch schwanken zwischen Mitleid, Fremdschämen oder sich ärgern über alle Gesten, über das Gehabe. Ohne Perücke konnte der Sänger authentischer herüberkommen.

  4. Für mich ist Frankreich in diesem Jahr kein Anwärter auf einen Platz auf der linken Tableauseite. Da haben mir die Beiträge vom letzten und vorletzten Jahr deutlich besser gefallen. Der Song kommt zehn Jahre zu spät und die Inszenierung im Finale fand ich auch schwach.

  5. Gibt mir gar nicx, sogar noch weniger als das deutsche Liedchen. Bilal ist einfach zu sehr eine B-Conchita ohne zu überzeugen. Dünne Stimme, öder Song und ich mag nunmal keinen Kauderwelsch.

    Ich befürchte, daß der Hype bei Youtube auf der ESC-Bühne keine Rolle spielen wird und es wird bestenfalls Platz 21.

    Ich werte lediglich mit 1 von 10 Punkten.

  6. Diese Entscheidung für Frankreich ist eine mutige Entscheidung. Sicherlich entspricht dies nicht den Erwartungen der Eurofans, aber wenn man die sehr enttäuschenden Ergebnisse der vergangenen Jahre sieht…. Frankreich will zu Recht seine Strategie ändern.

    Bilals Stimme ist nun bereit (siehe London Eurovision Party). Wenn Frankreich mit der Staging und Revamp nicht enttäuscht, ist für mich eine Top 10 möglich.

  7. Mutig, ich weiß nicht…. Nur wegen der Optik ? Und wie soll mit dieser schlageresken Nummer die „Strategie geändert“ werden ?

    • Mutig, denn Eurofans lieben das französische Klischee: das Liebeslied einer Frau, die schwarz gekleidet ist und nie tanzt. Mit einer übertrieben nüchternen Inszenierung. Und doch sind die Ergebnisse nicht gut.

      Bilal Hassani kann tanzen. Und der neue französische Delegationsleiter hat verstanden, wie wichtig es ist, eine beeindruckende Inszenierung zu machen. 🙂

  8. Typisches Lied fürs Mittelfeld. Ja, das hatten wir irgendwie alles schon einmal bei Conchita. Allein das Lied ist eingängige Pop-Musik mit einer Prise ESC-Classics (Steigerung und Drama in der Melodie). Das wird seine Anhänger finden. Ich find’s soweit ganz ok, aber reißen wird das nix. Die englischen Streusel stören mich. Wirkt so, als müsste Bilal da kurzatmig durchhetzen.

  9. Fand ich vor Monaten schon doof und öde, find ich auch immer noch genauso doof und öde. Könnte so (komplett Englisch) auch ein typischer deutscher Beitrag sein, rein vom Lied her. Und das heißt nichts Gutes. Da verschwende ich keinen langen Kommentar dran 3.5/10

  10. Schwaches Stimmchen, schwaches Liedchen (von Madame Monsieur, deren Mercy ich letztes Jahr ebenfalls als langweilig und verzweifelt um eine Botschaft bemüht empfand). Bilals Text wirkt, wie seine Persona, eher narzisstisch als wie Conchita, die in-your-face und empowering war. Conchita war ein Gesamtkunstwert; Bilal wirkt auf mich wie jemand der lieber make-up Tutorials auf YT machen sollte. Toll, wenn ihm das bei der Selbstfindung hilft, aber beim ESC leider ein weiterer schwacher Big 5 Beitrag).

  11. Beim ersten Hören war ich komplett entsetzt, wie ein Mensch mit dieser Gesangsleistung eine VE gewinnen kann. Inzwischen habe ich mir das Lied schöngehört, ich finde es noch immer nicht großartig (You cannot change me, boo. Reim dich oder ich fress dich), aber Roi liegt jetzt klar im Mittelfeld. Im Mai werde ich hoffentlich nicht mehr geschockt sein, weil irgendein Vocalcoach ihm hoffentlich großartige Tipps gegeben hat. Ansonsten könnte das auch Letzter werden, falls Bilal durch die Nervosität noch schlechter singt…

  12. Der größte Anteil an den Berichten zum französischen Beitrag bezieht sich auf die Person Bilal Hassani. (Vergleiche zu Conchita, homophobe Angriffe,…)
    Aber das zeigt doch auch schon die Chancen von „Roi“, wenn das Lied selbst kaum Aufmerksamkeit bekommt.
    Schließlich ist es klassisches Füllwerk- nichts herausragend gutes, aber auch nicht schlecht.
    Ich persönlich finde seine übertrieben gesteigerten Passagen nervig. Das „shining BRIGHT“ oder „kingdom NOW“ als Beispiel.
    Wird vielleicht in Tel Aviv etwas erträglicher (wegen Backing- Unterstützung)
    Ansonsten sehe ich nicht, wie das viele zum Telefon greifen lässt. Am ehesten gibt’s noch ein paar Jurypunkte.
    Das wird im (unteren) Mittelfeld landen.

  13. 1.Niederlande 10/10
    2.Island 10/10
    3.Slowenien 10/10
    4.Russland 10/10
    5.Belgien 9.5/10
    6.Portugal 9.5/10
    7.Aserbaidschan 9/10
    8.Schweiz 9/10
    9.Albanien 9/10
    10.Griechenland 9/10

    11.Ungarn 8.5/10
    12.Armenien 8.5/10
    13.Nordmazedonien 8/10
    14.Malta 8/10
    15.Irland 8/10
    16.Polen 7.5/10
    17.Serbien 7/10
    18.Finnland 7/10
    19.Tschechien 7/10
    20.Dänemark 6.5/10
    21.Deutschland 6.5/10
    22.Estland 6.5/10

    23.Lettland 6/10
    24.Schweden 5.5/10
    25.Zypern 5.5/10
    26.Rumänien 5/10
    27.Australien 4.5/10
    28.Österreich 4/10
    29.Litauen 4/10

    30.Frankreich 3.5/10
    31.San Marino 3.5/10
    32.Montenegro 3/10
    33.Norwegen 3/10
    34.Weißrussland 3/10
    35.Georgien 2.5/10
    36.Kroatien 2.5/10
    37.Moldawien 2/10

  14. Also ich finde es soweit OK. Auch der Wechsel zwischen französisch udn englisch passt m.E. nach ganz gut. Was ist daran eigentlich so schlimm? Bei Amir hat sich doch 2016 auch kaum einer beklagt. Alles in allem ein recht eingängiger Song, der auch gut zu ihm passt. Wie dann der Auftritt in Tel Aviv sein wird, müssen wir abwarten. Für mich ist der Song aber auch eher Mittelmaß. Derzeit etwa meine Nummer 25 bis 28.

    Germany: 6/10
    France: 5/10

  15. Für mich klingt dieses Kauderwelsch nunmal sehr künstlich und wäre so wohl außerhalb des ESC nicht produziert worden und das sagt mir in der Regel eher wenig zu.

  16. Ich habe mir ja vorgenommen bei den Favoritensongchecks bis Tel Aviv nicht zu kommentieren. Die Gefahr, dass Bilal in den Top10 landet, erscheint mir trotz aller Bemühungen Frankreichs, die Story vom VE aufzuwärmen, nicht gegeben. Die neue Perücke hilft auch wenig, die magere Komposition und das ziemlich dünne Stimmchen nach vorne zu bringen. Die Vergleiche mit Neuwirth (Conchita) sind unangebracht, da es hier in erster Linie nicht um Verwandlungskunst in möglichst kurzen Abständen geht, sondern um den Songwettbewerb und in dem Bereich ist Conchita um Längen voraus. Bilal wird sein Königreich woanders finden müssen, in Tel Aviv wird ihm das nicht gelingen.

    • Vor allem wird auch musikalisch nichts angeboten, was es noch nie gab bzw. andere Konkurrenten eventuell sogar besser können. Diese „Selbstfindungsmasche“ wird international eh kaum jemand richtig wahrnehmen und das Outfit ist nunmal schlicht albern.

    • Hilfe – hier wurde das Croissant von vorgestern von unseren Katern bearbeitet. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen…..

  17. @Douze Points

    Wie ist der Eingangsstz zu verstehen? Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war man doch in Frankreich extrem enttäuscht nur 13. geworden zu sein, Schließlich galt man doch als sicherer Top5-Kandidat.

  18. Mein Gott, ein schwuhles Coming-Out ist mittlerweile so langweilig, geradezu generischer Lebens-Trash. Es soll ja schön Mütter geben, die total enttäuscht sind, wenn ihr gepäppeltes Söhnchen eine Freundin mit nach Hause bringt und ihn daraufhin enterben, indem sie ihm am Wochenende nicht mehr die Pömps ausleihen.

    Das mag in gewissen Pariser No-Go-Areas anders sein, aber da leben Könige in der Regel eh nicht lang und Shoppen kann man da auch nicht gut.

    Ich fände es gut, wenn er auf der Bühne eine gelbe Weste anzöge und alles kurz und klein schlüge.

    • Dinselben Gedanken hatte ich auch – das Liedchen ist zumindest in Westeuropa thematisch etwa 10 Jahre zu spät. Von daher wundert es mich, dass es aus Frankreich kommt; aus Belarus oder Azerbeijan hätte ich das zumindest inhaltlich eher nachvollziehen können.

    • So ist das eben mit persönlichen Geschichten – man identifiziert sich damit oder nicht. Das Klima hat sich in Frankreich de letzten Jahre allgemein eher wieder vergiftet. Und mit seinem kulturellen Background muss ich das nicht im berliner.rheinländischen Kontext sehen.

    • Hm … Wer schwul ist, erlebt immer wieder ein Coming-Out. Jedes mal wenn man neue Leute trifft.

      Dass es sexuelle Minoritäten gibt, ist mittlerweile angekommen in West-Europa, aber alles danach eben nicht. Auch für West-Europa ist so etwas immer aktuell, weil die farbenfrohe Nachrichten alle 5 bis 10 Jahre wiederholt werden mussen um die neue Generation aufzuklären.

      Wer schwul ist und in einem Umfeld aufwächst, wo dies abgelehnt wird, tendiert zu überkompensation. ‚Ich durfte nicht schwul sein, also betone ich es jetzt doppelt‘. Deswegen wundere ich mich keineswegs über vergleiche mit Conchita. Der Unterschied liegt hauptsächlich im Alter. Conchita hatte bereits einen eigenen Stil gefunden als er teilnahm, Bilal ist noch auf der Suche.

      Trotzdem – es heißt ‚Grand Prix de la Chanson‘ und jedes Jahr wieder solche Selbsterfindungstrips … Nö, danke. Die Songs sind wichtiger.

  19. Das Problem der Franzosen ist, dass musikalisch kaum etwas für sie spricht. Das Lied ist absolut mittelmäßig, der Live-Auftritt beim VE war ziemlich schlecht und der Sprachwechsel ist völlig übertrieben. Ergo ist Bilal schon bei Destination Eurovision von den Jurys abgestraft worden, und das gleiche droht ihm auch in Tel Aviv. Da fehlt ihm aber die Popularität, um im Televoting weit vorne zu landen. Denn auch wenn die Kommentatoren natürlich seine Geschichte erzählen werden, ist er als Gesamtact nicht auf Anhieb zugänglich. Den Vergleich mit Conchita finde ich auch nur begrenzt sinnvoll; sie war ja eine Kunstfigur, während Bilal er selbst ist und sein will.

    Platz 24 von 41

  20. Dann muss ich wohl mal wieder voll reinschlagen, sorry:
    „Mein Platz 5: Frankreich
    Bilal ist ein sweetheart und „Roi“ ein hervorragender Mix aus Französisch und Englisch mit einer Botschaft von Selbstbewusstsein und Akzeptanz, die auch im Jahr 2019 noch höchst aktuell ist. Der Livegesang wird auch von Auftritt zu Auftritt besser. Go Bilal!
    9/10″
    1) Wie man das narzisstisch finden kann, ist mir ein absolutes Rätsel. Conchita singt auch “ I am gonna fly“. An der Verwendung der 1. Person Sg. kann es also nicht liegen.
    2) Ich liebe den Mix der zwei Sprachen. Das war auch bei Amir und Alma so. Absolute Spitzenklasse. Für mich fließt das ineinander über. Das macht Abwechslung, das ist spannender als reines Französisch (fand ich bei Requiem 2017 im direkten Vergleich FR vs. FR+Eng), das ist elegant. Ganz ganz toll!

    • Schließt und ergreifend ich fand auch den Herrn Neuwirth bedenklich narzisstisch. Es gibt nen Unterschied zwischen stolz sein und sich selbst zur Zielscheibe machen und da ist Bilal ganz groß drinnen, nicht dass hier angenommen wird, ich sympathisiere mit seinen Gegnern, aber mit seiner Art schreit er danach gehatet zu werden. Er polarisiert extrem, sein Lied ist dafür extrem langweilig.

      • Danke dir, bei DIR mache ich mir da sowieso keine Gedanken, ich kenne ja deine Haltungen, alles cool 😀 Es ging mir eher um die Haltung „Conchita ist so toll, aber Bilal ist _im Vergleich_ so narzisstisch“. Das ist Blödsinn. Und das Lied kommt auch in Westeuropa nicht zu spät. Da muss ich nur die französischen YouTube-Kommentare lesen, ja selbst die deutschen machen einem manchmal noch Sorgen. Stellt euch mal in Frankreich mit Bilals Look auf nen Schulhof. Viel Spaß.
        ich hoffe übrigens auf eine schöne lange Perücke, blond steht ihm nämlich ausgezeichnet <3

    • Wie schon einer meiner Englischlehrer meinte: In songs and poems you don’t need to care about grammar.

      Deshalb geht da auch „chico solo“, äh „she go so low“ durch 🙂

  21. Abwarten .. wie sicher Bilal ‚Roi‘ stimmlich performen wird, von seinen Aussetzern bei DE abgesehen finde ich seine Stimme (und ihn als Typ) schon prägnant. Die Kritik an den Lyrics (sicher keine Innovation) empfinde ich etwas überzogen, wenn ich sehe wie nachsichtig man vorgeblich tiefgründige Nummern behandelt (NMAZ,GEO, etc.). Hier geht’s um eine I-Have-A-Dream Selbstbehauptung, man will nicht auf gebrochen machen und da ist plakativ OK. Ich bin sicher nicht der erste Adressat für melodiöse, langsame Pophymnen, aber wäre froh, wenn das nicht durchs Raster fiele. Und 7 Bonuspunkte Landessprachenanteil stehen ihm natürlich zu. 😉

    • LOL prägnant ist eine geschickte Wortwahl, die eine Wertung ob gut oder schlecht vermeidet. Bei den „tiefgründigen“ Texten stimme ich Dir völlig zu, das ist 1-zu-1 das Level von NMAK oder D (und sicher noch viele andere).

      • Wenn er nicht schreit, mag ich seine Stimme. Finde aber allgemein, dass er als Typ auch unabhängig von der LGBT-Story Aufmerksamkeit zieht – egal, ob man ihn mag oder nicht.

      • Wobei Aufmerksamkeit auf sich ziehen an sich – siehe zB Donald Trump oder Kardashians – nicht umbedingt was Positives ist.

      • Ich wusste nicht, dass du ihn so manipulativ einschätzt. ^^ Primär ist es gut, dass man bei ihm 3 Sekunden länger hinsieht. Wollte eigentlich nicht LGBT schreiben, weil ich gegen Kampagnenwording bin, der Zusammenhänge chiffriert.

      • LOL manipulativ ist doch in der Jobbeschreibung von „Influencern“ (bei nicht-Influencer Werbung/Marketing natüüürlich nicht). Heißt es inzwischen nicht LGBTIQ? Es ist auf einer gewissen Ebene faszinierend, dass bei diesem ESC die beiden Archetypen (vereinfacht drag und leather) auftreten, die TV-Sender auch bevorzugt bei CSD-Paraden zeigen.

      • Brauchtest du nicht mal einen Influencer bei der Beratung für ein Bärchentattoo? Hast Recht, habe einfach 2 Untergruppen vergessen. Es braucht noch ein paar Vokale, dass aus dem Akronym ein sinnvolles Initialwort gebildet werden kann. Hatari sind eher Rubber/Latex-SM-Scene, Leather ist so 90er! Und irgendwer macht mal ne Dissertation über Zielgruppenüberschneidung von 50shades und ESC. 😉

      • Ne, meine Tattoo-Ideen kommen immer aus Lucas Films. Trotzdem danke für Deinen Tipp, wie Du ein Portrait meiner Mutter als Sleeve machen zu lassen. Sieht echt scharf bei Dir aus!
        Hatari haben soweit ich erkennen kann weder rubber noch leather noch neoprene, sondern ebay aus China – sicher ist das aber bewußt subversiv.

      • Jenny Silverstick konnte das Tattoo zum Glück mit einem CoverUp retten. Du weisst schon, dass George Lucas Werke jetzt unter Disney laufen?

      • Diese bestimmt nicht lach… wer ist denn Jenny S; die Pointe versteh ich – ausnahmsweise – mal nicht.

      • LOL gottseidank kein Problem, da ja mein Beuteraster überschaubar definiert ist ;-).

      • Bei mir sind’s inzwischen 4 (wobei Nr. 4 quasi eine stilistisch andere Erweiterung von 2 ist).

  22. Auf jeden Fall sollte Bilal auf die längere Perücke verzichten. Mit der wirkt er nämlich für den unbedarften Durchschnitts-Zuschauer erst recht wie ein Conchita-Klon.
    Ich fand den DE-Look eigentlich schon gut so.

  23. Ich wünsche Bilal für die Zukunft alles Gute, aber ein sonderlich beeindruckender Sänger ist er definitiv (noch) nicht. Das Lied ist solala, der Spachmix funktioniert (im Gegensatz zu Dänemark) nicht und sein Styling ist überhaupt nicht mein Geschmack. Frankreich könnte die deutschen Schwestern vor dem letzten Platz retten. Viel Glück!

    • Hier wieder der typische Neid, weil jemand dasselbeStyling hat! Ohne Witz, ich glaube nicht, dass Bilal letzter wird – ich könnte mir vorstellen, dass es einige Televote-Punkte aus kleineren Ländern gibt, wo Schwule sich freuen, sich irgendwie repräsentiert zu sehen. Man vergisst leicht, dass das in einigen Ländern überhaupt nicht der Fall ist (nicht dass D da mit der Schwuler-als-Kaspwr/bester Freund Nebenrolle führend wäre).

      • Die Frage ist, ob es genug solcher Stimmen aus kleinen Ländern gibt, um für Punkte zu sorgen. Wir werden sehen.
        Das ist nicht meine Perücke, das sind die Haare meine Sekretärinnenpuppe Jennifer!

      • Grüße von meiner Chantal an Deine Jennifer (Dchännifah?)! Man braucht ja nicht viele Punkte, um die maximal 2 Jurypunkte aus MLT und ALB für s!Sborez zu toppen…

  24. Destination Eurovision war wie auch im Vorjahr ein extrem schwacher Vorentscheid; das spiegelt das Ergebnis perfekt wider. Ich mochte schon „Mercy“ nicht sonderlich, aber damit haben Madame Monsieur es nochmal unterboten. Naja, meine Eltern werden am „Alien“ (Zitat meiner Mutter) garantiert viel Spaß in der Finalnacht haben. 😀

    Finale 6/6
    Prognose: Platz 15+ (16-20)
    Gesamt 38/41

  25. Ein Freund von mir hat mal den Begriff „Gutmenschen-Pop“ benutzt. Wenn ich mir „Gutmenschen-Pop“ vorstellle, dann kommt dabei wohl Bilal heraus. Ein mittelmäßig begabter Sänger wird gepusht, weil er die Massage im Gepäck hat und bekommt einen Preis, weil das Leben ja schwer ist. Und vorab berichtet Jan Feddersen mit betroffenheitsgeschwängertem Ton, dass der arme Bilal schon alleine deswegen Stimmen bekommen muss, weil das Leben ja so schwer ist! Ach, hatten wir ja schon….
    Sei’s drum: wird sicher einige Jury-Punkte bekommen, aber im Televote abschmieren! Denn wie Pop mit Aussage ohne Betroffenheit geht, zeigt der wunderbare italienische Beitrag!
    Da Bilal aber ja schon König ist, kann er dann dem Sieger seine Hochachtung damit zeigen, dass er das Zepter schwingt und dabei das Krönchen nicht verliert! (shit, jetzt habe ich auch noch ein Bild zu Gutmenschen-Pop im Kopp…)

    • Glückwunsch. Da bekommst du jetzt sicher zig likes drauf. Andererseits könnte man sich, wenn es schon das Label sein muss, auch einen Kopp darüber machen, dass Bilals Beitrag weder ein Song über die ärmliche Situation dritter noch wehleidig ist.

      • Wenn die Kombination gut + Mensch negativ besetzt ist, sind unsere Gesellschaft und Kultur wirklich auf den Hund gekommen.

      • Tut mir leid, aber mir geht dieser ganze Bimbam um die Interpreten herum tierisch auf die Nerven. Da ist ne Hose, eine Perücke, ein Tanz etc. wichtiger als der Song.Und der ist nunmal nicht gut!
        Und ob das jetzt jemand ‚liked‘ oder nicht, ist mit ziemlich latte.

      • Unsere @Susanne ist und bleibt ne liebe. Da ging’s wohl eher um’s „zu gut gemeint ist irgendwie scheisse“ und gut meinende Songs gibt es ja in Massen beim ESC. Finde es nur komisch, dass Bilal immer fälschlicherweise missionarischer Eifer oder Masche nachgesagt wird. Peace!

      • Ach Gott hierfür die Nazi-Keule rauszuholen ist jetzt aber wirklich übertrieben. Zumal der Begriff ja nicht von einem der 2 Deutschtümlern benutzt wurde.

      • Dass in der Zeit des Nationalsozialismus das Wort „Gutmensch“ verwendet wurde ist mir auch neu

      • Duden: ‚[naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt‘

        Oder wie ich in meinem Umfeld feststellen musste: Vor allem derjenigen, die populistisch-rechts wählen, verwenden dieses Wort für allen, die eine andere Meinung sind. Politisch Korrektes Verhalten ist dabei irrelevent.

        Cedric hat recht – verwende dieses Wort lieber nicht.

  26. Frankreich hat bei mir eine Achterbahnfahrt hinter sich. Beim ersten Hören fand ich den Song ziemlich lahm, nach ein paar Mal Hören hat er sich dann bei mir festgesetzt und war sogar auf meinem zehnten Platz. Mittlerweile ist die Halbwertszeit dann wieder abgelaufen: Platz 32. Mal abwarten, wie es im Mai dann letztendlich aussieht.

  27. Der Begriff „Gutmensch“ hat übrigens tatsächlich mit der Nazi-Zeit nix, aber auch gar nix, zu tun. Einschlägige Internetquellen helfen da sicherlich weiter. Aber es wird ja mittlerweile alles mit Adolfs Nazi-Zeit in Verbindung gebracht, was nicht dem eigenen – sehr eingeschränkten – politischen Weltbild entspricht.

    Und das trifft dann doch den Begriff „Gutmensch“ eher. Eine Person, die sich als gut – und absolut moralisierend alternativlos darstellt – ohne andere Meinungen und Ansichten zuzulassen, weil diese Person (der Gutmensch) sich überlegen und in seinen Ansichten absolut erhaben fühlt.

    Früher (als ich Kind war) waren das totale Aussenseiter, mit denen keiner was zu tun haben wollte, weil diese nur am rumplären waren und in ihrer Opferrolle total aufgegangen sind.

    Die Leute, die selber nix gebacken bekommen, aber jeden anderen gleich denunzieren, nur weil er nicht ihrer Ansicht ist. Andere für ihr persönliches Scheitern verantwortlich machen.

    Das sind Gutmenschen.

    Mit Adolf und den Nazis hat der Begriff nada zu tun.

    Ob der Begriff auf die französische L’Oreal-Locke zutrifft, vermag ich selbstverständlich nicht zu beurteilen.

    • Noch nie so eine schlechte Definition von Gutmensch gelesen.
      Leute die „Ausländer raus!“ schreien passen auch 1 zu 1 auf deine Beschreibung.

      Alles Snowflakes, ob links oder rechts.

  28. Was ist den hier heute los….ist ja mal eine heiße Diskussion…..und das alles wegen eines total mittelmäßigen Songs der nicht richtig aus den Puschen kommt und dazu noch relativ schlecht gesungen wird..zumindest live.
    Ich finde auch das Drumherum wird immer wichtiger als der Song selber….aber Frankreich hat in den letzten Jahren mit den unterschiedlichsten Songs relativ schlecht abgeschnitten.
    Das werden Sie mit dem Song auch wieder.

  29. Meine Meinung zu „Roi“:

    Ein schöner Song, den ich sehr gerne höre (das beziehe ich auf die Studioversion). Er war nicht mein
    Favorit in einer starken französischen VE, das waren Aysat und Seemone, aber er ist trotzdem keine schlechte Wahl. Im Feld des ESC 2019 ist Bilal Hassani bei mir einer der vier Kandidaten für meinen zehnten Platz.

    Mariposa hat hier von schlageresken Elementen geschrieben, die mir bisher nicht aufgefallen sind. Aber gut, das wäre noch ein weiterer Punkt, der für dieses Chanson spricht! 😉

    Zum Vergleich Bilal-Conchita: Wenn man 2014 nicht begeistert von Conchita war (und dazu auch nicht euphorisch über das Ausbuhen der russischen Zwillinge) war man leicht dem Verdacht ausgesetzt, schwulenfeindlich und reaktionär zu sein. 2019 finden auf einmal so viele Bilal Hassani, der sich in manchem
    mit Conchita vergleichen lässt (in den Sangeskünsten allerdings wohl eher nicht) lediglich narzisstisch und seine Coming-Out-Story uninteressant bzw. 10 Jahre zu spät, weil in Westeuropa ja inzwischen alles perfekt sei. Das ist Quatsch, ein Coming Out, auch in einem tolerantem Umfeld (was auch in Westeuropa keinesfalls immer gegeben ist), ist für die meisten immer noch ein schwerer Brocken. Bei denjenigen, bei denen das Coming Out schon viele Jahre zurück liegt, mag das in Vergessenheit geraten sein. Eine Coming-Out-Story hat m.E. immer ihre Berechtigung. Allerdings habe ich das Ganze Drumherum nicht so mitverfolgt, von daher kann ich nicht beurteilen, ob Bilal in Interviews und auch sonst evtl. ein bisschen zu viel Drama um seine Geschichte gemacht hat, so klang es ja bei manchen hier an.

    Nochmal kurz zurück zu Conchita bzw. ihrem Song: „Roi“ finde ich kompositorisch deutlich hochwertiger als „Rise like a Phoenix“ (2014 waren m.E. zwei eher schwache Titel vorne, die Auftritte waren aber zugegebenermaßen große Klasse).

    Und jetzt, zum Abschluss, noch etwas Kritik: „Roi“ hätte meinen zehnten Platz (oder sogar noch eine bessere Platzierung) sicher, wenn er durchgehend auf französisch singen würde. Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Sprachmixe, aber bitte, bitte nicht beim französischen Beitrag. Zu den glorreichen Zeiten des Grand Prix Eurovison de la Chanson gab es mal fünf Titel auf französisch, dieser schönsten aller Sprachen (die ich sogar noch mehr als die slawischen Sprachen, Italienisch und British English liebe), und jetzt muss man sich mit einem halben zufrieden geben! Wenn ANDERE Länder mal einen Mix französich-englisch vortragen würden, hätte ich nicht das geringste dagegen, ich würde mich sogar sehr freuen. Gerne auch russisch-französisch, bulgarisch-maltesisch, isländisch-serbokroatisch, albanisch-estnisch, … Und wenn schon Englisch (egal ob durchgängig oder in einem Mix): Bitte nicht immer dieses schreckliche Möchtegern-American-English (dabei gibt es in der Tat auch sehr schöne American-English-Varianten, die habe ich beim ESC aber noch nie gehört).

    Schade, dass „Loin d’ici“ bisher keine Nachahmer gefunden hat: Ein Titel ganz auf französisch als Nicht-Landessprache! Dafür liebe ich Zoé (und natürlich auch für ihren tollen Titel)!

    • Schöner Beitrag. (Gerade wegen solche Beiträge lese ich hier mit.)

      Zu der Sprache: Englisch ist eine Abzweig von französisch; eine Sprache lebt und auch in französisch gibt es viele neue Worte englischer Herkunft. In Frankreich selbst ist es kein Problem Songs in zwei Sprachen zu präsentieren – auch ‚große‘ SängerInnen machen das und haben Erfolg damit.

      Möchtegern-American-Englisch wird beeinflußt vom Fernsehen – in viele Länder sind Untertitel normal und amerikanischen Filme/Serien sind nun einmal billig beim Einkauf. Netflix hat da auch eine immer großere Rolle. Für mich keine große Störfaktor, Österreich-Deutsch ist schließlich auch kein Hamburg-Deutsch. Und wie soll man eine Sprache richtig lernen, wenn man nicht dort ist, wo die Sprache im alltag gesprochen wird?

      Ob Bilal sich nun tuntig, wie eine Obertunte, Stockschwul oder halt schwul benimmt, ist egal. Der Junge ist erst neunzehn, da darf er und das braucht er. Es ist gut, dass er gegen die schlimmste Angreifer Anzeige erstattet hat und ich hoffe, dass der Sender einen guten Coach für ihn organisiert hat.

      Oder mal privat – Mein Sohn war sechs, als er sehr überzeugt von sich meinte, dass er eines Tages einen Jungen heiraten möchte. Aktuell schaut er sich um, die ‚willst du mit mir gehen‘-Phase und entdeckt, dass die meisten anderen Jungs in seinem Alter sich schwer tun mit ihre Orientierung, wo er sie bereits verinnerlicht hat. Bilal bringt ihn zum Lachen.

      Über ‚Roi‘ sind wir unterschiedlicher Meinung und das ist auch gut so. 😉

      • @Marko: Vielen Dank für Deinen netten und sehr interessanten Kommentar!

        Es ist toll, dass Deinem Sohn das Coming Out (das Wort passt hier vielleicht gar nicht so, es war ja immer etwas Selbstverständliches für ihn) leicht fiel, das wünsche ich vielen anderen Jugendlichen auch, und dass auch sie Eltern haben, die ihnen das ermöglichen. Ich wünsche ihm alles Gute für die „willst du mit mir gehen“-Phase!

        Selbstverständlich hat sich in den letzten Jahren, v.a. in Westeuropa, in dieser Hinsicht doch vieles zum Positiven gewendet und es gibt immer mehr Jugendliche, die in ihrem Umfeld (auch bei Gleichaltrigen, wo es ja oft auch schwierig ist, manchmal sogar schwieriger als bei den Eltern) keine Probleme erleben, das ist super. Ob es aber schon die Mehrheit ist? Und selbst bei einem unterstützenden Umfeld vermute ich, dass das Coming Out, also das Eingeständnis, dass man zu einer Minderheit gehören wird, für viele auch weiterhin nicht ganz einfach sein dürfte.

        Meine Sprach-Bemerkungen waren sehr subjektiv: Auch wenn französisch und englisch aus derselben Sprachfamilie kommen, sie klingen in meinen Ohren halt doch sehr unterschiedlich. Und auch wenn in Frankreich zweisprachige Songs kein Problem darstellen (was auch gut so ist), ich persönlich möchte im „Concours de la chanson européenne“ einfach nicht nur ein halbes Lied in dieser einst dominierenden Sprache zu hören bekommen und ich mag es auch nicht, wenn Englisch alles andere verdrängt. Da hat zum Glück der Sieg von Salvador Sobral, vielleicht auch schon der von Jamala, vorerst eine, wenn auch kleine, Trendumkehr bewirkt (vielleicht ist es aber auch nur ein zwischenzeitliches Anhalten des Trends, ich hoffe nicht).

        Ich werfe den Sänger/innen nicht vor, dass sie keine „Native Speakers“ sind; aber ich mag das Englische eben auch so sehr, dass mir diese Darbietungen oft in den Ohren weh tun und für mich den Song beeinträchtigen. Dabei haben diese Sänger/innen meist so schöne Landessprachen! Es gibt hin und wieder Beiträge, bei denen man über weite Passagen gar nicht erkennt, dass es sich um Englisch handelt, aber diese Songs sind mir dann wieder deutlich lieber, denn dann kann ich die Sprache als „Fantasiesprache“ einordnen 🙂

    • Diesmal kann ich Dir wenigstens teilweise zustimmen. Bei Thema Gesangssprache d´accord und Zoe mochte ich auch und mir wird wohl keiner Homophobie unterstellen, nur wenn ich Bilal nicht mag. Das hat ausschließlich mit der musikalischen Qualität und nichts mit ihm als Person zu tun.

      Es ist zu befürchten, daß die ESC-Bühne eine Nummer zu groß für ihn sein könnte.

      • @Mariposa: Ja, beim Thema Landessprache liegen wir gar nicht so weit auseinander, das habe ich schon bei früheren Beiträgen von Dir gesehen! Bei der Würdigung der 70er als tolles Jahrzehnt ja übrigens auch (selbst wenn wir da andere Songs im Blick haben könnten) 🙂

        Es wäre Quatsch, jemandem Homophobie zu unterstellen, nur weil er den Song „Roi“ nicht mag, das Gleiche gilt für „Rise like a phoenix“. Deine Befürchtung bzgl. der ESC-Bühne habe ich auch ein wenig, ich drücke ihm die Daumen, dass es gesanglich dort besser läuft als bei der VE.

    • sehr schöner Kommentar. Ja, mehr französisch wäre toll. Vielleicht mal aus Schweiz oder Belgien?

      Allerdings muss ich in einem Punkt widersprechen: Ich fand 2014 waren genau die richtigen zwei Songs ganz vorne, wobei ich mir sogar „Calm after the storm“ als Sieger gewünscht hätte. „Loin d’ici war hingegen einer der wenigen Songs 2016, die ich nicht mochte… nicht wegen der Sprache, sondern wegen dieses furchtbaren Eurobeats….

      • Merci beaucoup, GEF! Ja, mal wieder was Französisches aus der Schweiz oder Belgien wäre toll. Und ich träume immer noch davon, dass Monaco und Luxemburg wieder zum Grand Prix zurückkehren!

        Bei „Calm after the storm“ und „Rise like a phoenix“ habe ich sicher eine Minderheitenposition. Vielleicht hatte ich’s mir ja gerade deswegen nicht verkneifen können, diese eigentlich ziemlich überflüssige, mit dem Hauptthema nichts zu tun habende Nebenbemerkung loszuwerden 🙂

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