ESC-Songcheck kompakt (28) – Armenien: „Chains On You“ von Athena Manoukian

Athena Manoukian Armenien 2020 ESC Eurovision Chains On You
Bild: AMPTV

Nach der internen Auswahl und dem Halbfinal-Aus von Srbuk im vergangenen Jahr, kehrte Armenien in diesem zur nationalen Vorentscheidung „Depi Evratesil“ zurück. Diese bestand aus einer einzigen Show, in der 12 Beiträge um das Ticket nach Rotterdam konkurrierten. Am Ende setzte sich sowohl im Publikums- als auch im Juryvoting deutlich Athena Manoukian mit ihrem Song „Chains On You“ durch und gewann so die Neuauflage von „Depi Evratesil“..

Athena ist in Griechenland geboren, hat aber armenische Wurzeln. 2007 gewann sie die Talentshow „This Is What’s Missing“, ein Jahr später nahm sie mit „To fili tis Aphroditis“ an der griechischen Vorentscheidung zum Junior Eurovision Song Contest teil, landete allerdings nur auf dem 7. Platz. Von 2011 an veröffentlichte Athena mehrere Singles, ihr größter Hit ist bis dato „XO“. 2018 versuchte die Sängerin ihr Glück dann in der britischen Version von „X Factor“, schaffte es allerdings nicht in die Liveshows.

Der Song 

Athena Manoukian hat den Text zu „Chains On You“ selbst geschrieben, komponiert hat sie den Song zusammen mit DJ Paco. In dem Song präsentiert sich Athena als starke Frau, die ihren Mann wie eine Marionette spielen kann, ihm dabei aber gleichzeitig das Gefühl gibt, dass er die Entscheidungen trifft. Wenn man so will, ist „Chains On You“ das diesjährige „Me too“-Lied, in dem die gängigen Machtverhältnisse nicht nur aufgelöst, sondern sogar umgekehrt werden. Dabei ist der Text durchaus an etlichen Stellen zweideutig und kann als Anspielungen auf BDSM (Ketten und Schmerzen) und Drogen („I’m trying, I’m flying“ und Diamanten als Social-Media-Code für Koks) gelesen werden.

In der Vorentscheidungsfassung war „Chains On You“ noch unstrukturiert und unterproduziert, doch dann entschied sich die armenische Delegation für einen Revamp und nachdem wir die Revamp-Kultur gestern noch gescholten haben, muss man sagen, dass das hier eine sehr gute Entscheidung war. Athenas Lied ist jetzt ein gut produzierter Pop-Hit mit armenischen Einflüssen, der sich auch HipHop- und R’n’B-Elementen bedient. „Chains On You“ ist damit einer der modernsten Songs im diesjährigen Wettbewerb und wird stilistisch häufig mit den Werken von Ariana Grande verglichen.

Der Check

Song: 3,5/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 3/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: Unglaublich! Wie konnte aus der Soundmatsche im Vorentscheid dieser moderne Pop-Banger mit State-of-the-Art-Musikvideo werden? Hut ab! Wenn die armenische Delegation und Athena das auch so auf die Bühne gebracht hätten, wäre das Finale sicher gewesen. 7 Punkte.

Berenike: Eine Mischung aus Britney Spears und Ariana Grande in billig. Athena versucht lasziv und sexy zu sein, wirkt auf mich stattdessen jedoch amateurhaft bemüht. Nichtdestotrotz gefällt mir der Song nicht schlecht, gerade wegen seiner Monotonität, die sich hypnotisch im Kopf festhämmert. 5 Punkte.

Douze Points: Eines muss man Armenien und Athena lassen: „Chains On You“ ist einer der zeitgenössischsten Songs des diesjährigen Jahrgangs. That being that gehört es auch zur Wahrheit, dass der Refrain einer der schwächsten und nervigsten ist. Das Drumherum passt aber und hält mich bei der Stange. 6 Punkte.

Florian: Diese Nummer muss aus der Restetruhe vom letzten Ariana Grande Album stammen. „Chains On You“ wird durch den Revamp tatsächlich noch minimal verbessert, ist letztendlich in seiner Grundkomposition aber so eintönig und uninspiriert, dass ich dem ganzen wirklich nicht mehr viel abgewinnen kann. Einzig das Musikvideo ist wirklich gut gemacht – nur das hätte beim ESC allein auch nicht gereicht. 2 Punkte.

Manu: So wird’s gemacht: Der wohl beste Revamp diesen Jahres. Was anfangs noch viel zu gleichströmig und flat war, wird nun unterbrochen von treibenden Bässen und mystischen Sounds und bleibt damit über die kompletten 3 Minuten interessant. „Chains on you“ schaut nicht, was ESC-tauglich ist, sondern will eine bestimmte (junge?) Zielgruppe erreichen. Ein Titel, bei dem ich mir vorstellen kann, dass er besonders außerhalb der Bubble auf Interesse stoßen könnte. 8 Punkte.

Max: Wer hätte gedacht, dass Armenien mit einer R’n’B-Nummer um die Ecke kommt. Zugegeben, „Chains on you“ kommt noch immer etwas düster daher, doch die Armenier haben aus einem eher schwachen Beitrag das Meiste herausgeholt. Der Revamp war hier bitter notwendig, man kann sich das Lied nun auch antun. Ein Meilenstein in der Musik-Geschichte ist es natürlich nicht und ein Freifahrtschein für das Finale hat Armenien lange nicht mehr. Deswegen wäre eine Finalteilnahme hiermit nicht selbstverständlich gewesen. 4 Punkte.

Peter: Das hat was! Der Song ist wie Athena, ein moderner Mix aus griechischen und armenischen Einflüssen mit einer Prise US-Westcoast-Hiphop-Beats. Das toll geschnittene Video mit einer sehr einprägsamen Lightshow und Choreo ist großartig, hier wäre ich so gespannt gewesen, wie das auf der Bühne umgesetzt wird. Rihanna meets Sirusho meets Elena Paparizou. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 44/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Chains On You“ auf Platz 26 von 41.

Wie hätte der armenische Beitrag "Chains on You" von Athena Manoukian abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane
(26) Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Albanien: „Fall From The Sky“ von Arilena Ara


27 Kommentare

  1. Der Aufsteiger des Jahres!!! nach der billigen Ve Version noch auf Platz 39/41 klettert er mit dem gekonnten Revamp auf Platz 15/41 mit 7/10 Punkten …

  2. Ich bin erstaunt, dass so viele der Blogger diesem Song einiges abgewinnen können.
    Mir ist beim ersten Hören ein regelrechter Schauder über den Rücken gelaufen.
    Douze Point schreibt von dem „zeitgenössischsten Songs des diesjährigen Jahrgangs“.
    Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Der Song wäre vielleicht vor 10-15 Jahren modern und zeitgenössisch gewesen. Richtung Anfang der 2000er.
    Peter bezeichnet es als „moderner Mix aus griechischen und armenischen Einflüssen“.
    Ich kann von beidem nichts erkennen. Obwohl ich Ethno-Klänge sehr mag.
    Und der Vergleich mit Athena? Das würde ich mir an deren Stelle verbitten.
    Auf alles mögliche wäre ich gekommen, aber nicht auf Athena (mag ich im Gegensatz dazu sehr gerne).
    Ich stimme euch aber zu, das Video ist noch das beste, des ganzen Arrangements. Und modern 😉
    Vorallem im Vergleich zum Präsentationsauftritt.

  3. Tatsächlich einer der wenigen Songs, den man sich auch gut außerhalb der Bubble vorstellen kann. Modern, ohne dabei zu nerven – ein hier gelungenes Kunststück.

  4. Eigentlich finde ich das ziemlich schlimm, aber Kontext ist alles. Zwischen all den Schnarchballaden (EST, MDA, POL, FRA etc.) und generischen Popnummern (AUT, CYP, DEU, ESP etc.) bleibt das dann doch irgendwie positiv hängen.

  5. Wenn man sich ihren ve-auftritt anschaut, läuft es einem kalt über den rücken. Schauderhaft. Das video ist dann um einiges besser aber die hätte das nie im leben gesanglich auch nur einigermassen auf die bühne gebracht. Sie hat dafür andere talente, aber bitte nicht singen.

  6. Hier wird von einem der „zeitgenössischsten“ und „modernsten“ Songs des diesjährigen ESC gesprochen, der auch außerhalb der Bubble Anklang finden könnte. Das klingt sehr plausibel, trotzdem finde ich das Lied gar nicht mal sooo schlimm, von den drei Kaukasusstaaten wohl noch der beste Beitrag. Allerdings gefällt mir dieser glatt produzierte Revamp gar nicht, er nimmt dem Song das bisschen Charme, das er am Anfang hatte, somit 1,5 Punkte Abzug und …

    4,5 Punkte (von 12)

  7. Merkwürdig, anfangs fand ich den Song ganz, ganz schlimm. Aber mittlerweile steigt er in meiner Gunst. Ist
    auf jeden Fall einer der besseren armenischen Beiträge. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Armenien dieses Jahr die TOP 10 geknackt hätte.

  8. Ist zwar überhaupt nicht meine Musikrichtung, aber beeindruckt mich schon, dies düstere ist schon mein Fall, der Beat und die wiederkehrende Ethno-Melodie klasse, könnte in den Charts laufen und bleibt sofort im Gedächtnis hängen, Top 15

  9. Zugegeben: es gibt bessere Stimmen, aber sie ist trotzdem die klare Popqueen des Jahrgangs mit diesem frischen, modernen Song.
    Vielleicht das beste Video.
    Und die Zweideutigkeit ihrer Statements im Text gefällt mir auch sehr.
    Top 5 bei mir.

  10. Hat ein bisschen gedauert, finde ich aber inzwischen gar nicht mal schlecht. Manchmal nervt mich die Monotonie, manchmal fasziniert sie mich. Auf der großen Bühne sehe ich das eher nicht gewinnbringend dargeboten, aber als Abwechslung auf der ESC-Playliste durchaus willkommen.

  11. Ist mein letzter Platz des Jahrgangs, trotzdem muss man neidlos anerkennen, dass dieses Lied nach dem Revamp wirklich tausend Mal besser ist als davor. Könnte ein Überraschungsqualifikant a la Hvala Ne werden

  12. Vielleicht doch lieber was Dezentes? Das hat mir tatsächlich besser gefallen, bevor Athena damit aus der Umkleidekabine zurückkam. Für die ESC-Bühne ist das neue Outfit eine gute Wahl, da steht sogar irgendwo „Finale“ drauf. Oft ist der gute erste Eindruck natürlich schnell dahin, wenn man den Mund aufmacht. Auch wenn die Gesangslinie einfach scheint, für den Transport dieser metallischen Coolness müsste man stimmlich mehr Rihanna auffahren als wir bei Depi Evratesil gehört haben.
    Unterm Strich ein lässiger Mittelfeldtrack, auch für mich.

  13. Ich hätte es gerne live gehört.
    Ich denke nämlich, dass das Revamp gut klingt, weil die Dame es ordentlich am PC bearbeiten lassen hat.
    Kann mir vorstellen, dass eine Live Performance eher wie der Vorentscheid geklungen hätte

  14. Ganz ganz schlimm. Habt ihr euch mal andere Lieder aus diesem Genre angehört? Da ist diese Tante aus Armenien aber echt, auch gesanglich, ein sehr kleines Licht.

    • Was für ein Gesang? Die Frau kann nicht singen.
      Im Studio wird die Stimme per PC aufgepimt. Bei Live-Gesang werden die Regler auf das/die Chorgirl/s gestellt.

  15. Es gibt noch schlimmere Sachen dieses Jahr. Armenien bekommt 2/10.

    In der Tat wäre das ein ganz schwaches Semifinale geworden. Bei mir liegen lediglich vier Beiträge über 5/10.

  16. Bin überrascht, dass das so vergleichsweise positiv wegkommt. Ein Songtext zum Schreien, dazu noch diese schlimme Performance im Vorentscheid. Fast schon genial! Bei mir in der Gruppe war das Lied anfangs echt verhasst, mittlerweile finden es fast alle ausgezeichnet. Absolut mieser Trash, und das gehört einfach zum ESC dazu. Volle Punktzahl!

    Prognose: Halbfinale 8/18 (70%) – ich denke, die Performance hätte noch einiges rausgeholt.
    Meinung: Platz 5/41 (12 Punkte)

  17. Ich denke auch, dass hier der Schuss beim Live Auftritt nach hinten losgegangen wäre. Bei der VE hatte man ja schon eine Vorgeschmack, was einem da erwartet hätte in Rotterdam, gesanglich sicher nichts Gutes.
    Den Song fand ich schon von Anfang an gruselig monoton, was sich bis heute auch nicht geändert hat. Eines meiner Schlusslichter in diesem Jahr.

  18. Mit Abstand meine Nr. 1 dieses Jahr; wenn man ins Gym gehen könnte, wäre das bei mir auf Dauerschleife. Toller Revamp, top produziert Ariana-style und Armenien hätte sicher auch in die Show investiert. Live ist das Problem natürlich, dass sie nicht nur überhaupt nicht singen kann, sondern sich wie das sehr clever geschnittene Video zeigt, auch überhaupt nicht bewegen kann. Dennoch – Athena I’m yours, only yours and of course hurt me!

  19. Ein guter Song finde ich, wenn man sich die Studioaufnahme anhört. Beim Live-Auftritt war das ohne Ohrenschutz nicht anzuhören, finde ich.

  20. Na ja, durch den Revamp klingt der Song nicht mehr ganz so wie ein sinnfreier Klangteppich, aber dennoch ist er immer noch nicht mein Fall. Dass Athena dazu keine gute Sängerin ist macht es auch nicht besser

    Finale?? Knapp ja, dort aber maximal Platz 16-20, eher weiter hinten.

  21. Gesang: Singen, ja? ++ Kehl- und Spuckübung ++ Was ist das denn? ++ Englisch mit Dialekt
    Melodie: Auf dem Gerät vorinstalliert ++ Für Anfänger ++ Dunkel ++ Minimalistisch
    Gesamt: Negativ ++ In Landessprache schöner ++ Mafia-Unterhaltung ++ Zu wenig
    Chancen: Netter Versuch ++ Null ++ Konkurrenz ist starker ++ Tschüß
    Optik: Willkommen in Ost-Europa ++ Schatz, dein Bauchlein! ++ Bademode? ++ Ich bewerte keine Frauen

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