ESC-Songcheck kompakt (27) – Albanien: „Fall From The Sky“ von Arilena Ara

Arilena Ara Sunglasses

Den diesjährigen Albanien-Songcheck könnte man auch mit den Worten überschreiben: Wie man einen kantigen Balkan-Hit kommerziell weichspült und (folgerichtig) verunstaltet. Aus „Shaj“ wurde „Fall From The Sky“ – und es war ein tiefer Fall.

Das Festivali i Këngës (bei Hardcore-Fans gerne „FiK“ abgekürzt) hat in der ESC-Community einen respektablen Kultstatus, ist es doch in der Regel der erste Song des neuen Jahrgangs, der dort gewählt gewählt wird und meistens der einzige, der noch im alten Jahr (im Dezember) feststeht. Insofern gilt FiK, für das albanische Fernsehen immerhin mit drei große Shows inszeniert (2x Halbfinale, 1x Finale), auch als der inoffizieller Saisonauftakt.

Arilena Ara sexy smart

Überraschend setze sich dann im diesjährigen Finale Arilena Ara mit „Shaj“ gegen die große Favoritin Elvana Gjata und ihren Song „Me tana“ durch, die im Voraus in der geliebten Bubble maximal gehypt worden war und über/für die allein dieser Blog (Hallo Max) vier eigene Stücke übrig hatte. Und in der Tat hatten die drei internationalen Juroren (darunter Jurysprecher und Mello-Chef Christer Björkman) in der fünfköpfigen Jury auf ihrem Bewertungsbogen jeweils Elvana vorne. Die albanische Jurorin Mikaela Minga konnte mit Elvana aber wenig anfangen und so siegte am Ende siegte aber Arilena Ara, die bei allen Juroren in der Top 3 platziert war. Arilena ist erst 21 Jahre und in Albanien durch verschiedene Casting-Show-Teilnahmen (u.a. X-Faktor als Gewinnern und später The Voice Kids als Jurorin) populär geworden.

Arilena Ara smiling

Der Song

Geschrieben wurde Arilenas Song „Shaj“ von Darko Dimitrov, der in der Bubble schon mehrfach Songwriter-Spuren hinterlassen hat. Sein größter Erfolg war im vergangenen Jahr Tamara Todevskas „Proud“, Sieger des Juryvotings im ESC Finale 2020 (wiewohl – Digame sei Dank – dies in der Liveshow unterschlagen wurde). Ferner zeichnete der mazedonische Produzent, Komponist und Balkan-Spezialist aber auch für zahlreiche weitere ESC-Hits verantwortlich – etwa „Kruna“ (Serbien 2019), „Lost and Found“ (Mazedonien 2018) oder „Pred da se razdeni“ (Mazedonien 2013).

Arilena Ara stylish

So weit, so gut. Der erste Beitrag des Jahres wird in der ESC-Fancrowd immer mit gewissem Wohlwollen aufgenommen, die meisten Reaktion auf die kantige Balkan-Powerballade waren verhalten positiv. Bis die Verantwortlichen dann auf auf die inzwischen sehr um sich greifende Revamp-Unsitte gekommen sind, den (so wie er ist) gewählten Beitrag „ESC-kompatibel“ zu machen. So wurde aus einer kantigen Balkan-Ethno-Powerballade ein weichgespülter „Wir können auch ein bissel James Bond“-Mainstream-Schmachtkitsch. Schade, vor allem für die stimmlich starke Arilena.

Hier der unmittelbare Vorher-Nachher-Vergleich:

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 4/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Albanien war mal eines meiner ESC-Lieblingsländer, die Tendenz zeigt allerdings deutlich nach unten („Mall“ nehme ich hier ausdrücklich aus). Da bildet auch „Fall From The Sky“ keine Ausnahme, das mir als „Shaj“ noch deutlich besser gefallen hat. Wer hat eigentlich die Revamps erfunden? Entweder man hört kaum einen Unterschied oder das Lied wird total verhunzt. Bitte einfach ordentliche Songs für die Vorentscheidungen schreiben, danke. 5 Punkte.

Berenike: Ein weiteres Mal eine Schreiballade aus Albanien. Diesmal eine, die durch die Produktion versucht moderner zu sein als viele Vorgänger. Leider gelingt das nur bedingt. Arilena hätte etwas wirklich Modernes meiner Ansicht nach deutlich besser gestanden. „Fall From The Sky“ ist relativ „leer“ für mich, hängen bleibt bei mir nur „Hört, wie toll ich zu Schreien und zur Stimmakkrobatik in der Lage bin“. Da Arilena live jedoch überzeugt trotzdem 6 Punkte.

Douze Points: Und wieder mal schickt das Land eine vermeintliche Powerballade, die von einer Frau mit starker Stimme vorgetragen wird. Das tut nicht weh, geht aber auch nicht nach vorn und nimmt mich nirgendwohin mit, ist in diesem Genre aber eines der besseren Stücke. 5 Punkte.

Florian: Albanien müsste in diesem Jahr den Preis dafür bekommen, wie man aus einem Song per Revamp ein wirklich steriles und lustloses Werk kreiert. Noch wohlwollend nach dem Sieg von Arilena Ara beim FiK im Dezember (es war natürlich auch der erste ESC-Song, da war ich ebenfalls noch voller Hoffnung auf einen tollen Jahrgang) flacht der Song spätestens mit der englischen Version wirklich ab und ist für mich nahezu ausdruckslos. 2 Punkte.

Manu: So nicht Albanien. Ich mochte die ursprüngliche Version von „Shaj“ nicht nur wegen der albanischen Sprache. Die eingesetzten Streicher trugen atmosphärisch die leidvolle klassische Ballade. Der Schmerz Arilenas schien allgegenwärtig. Der Revamp jedoch polierte das komplette Lied glatt – modernes Instrumental, der Text auf Englisch. Nun ist „Fall From The Sky“ für mich überproduziert und verliert fast komplett seine Authentizität. Damit nur noch im Strudel der anderen Balladen und nur noch bei 3 Punkten.

Max: Naja, da versuche ich mal als „Me Tana“-Fan objektiv zu bleiben. Shaj, oder nun „Fall from the sky“ ist eine solide Nummer, die auch perfekt in die albanische Historie der dramatischen Balladen passt. Arilena gibt natürlich auch optisch etwas her. Ins Finale wäre es, denke ich, auf alle Fälle gekommen, dort hätte das Lied dann aber eine untergeordnete Rolle gespielt. Die verdichtete Version auf Englisch büßt etwas an Originalität ein. 5 Punkte.

Peter: Die Unterschiede zwischen der FiK-Version in Landessprache und dem Eurovisions-Revamp sind schon fundamental und ich bin mir nicht sicher ob „Fall From The Sky“ wirklich besser ist als „Shaj“. Auf jeden Fall aber ist es weniger kantig und auch weniger herausstechend. Arilena hat eine fantastische Stimme und eine gute Ausstrahlung, aber den Song bringt man eher hinter sich, als dass man ihn genießt. Eine pathetische Ballade mehr, die vorbeiplätschert. 3 Punkte (Shaj hätte ich 6 Punkte gegeben).

Gesamtpunktzahl: 29/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Fall From The Sky“ auf Platz 25 von 41.

Wie hätte der albanische Beitrag "Fall from the Sky" von Arilena Ara abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane
(26) Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo


34 Kommentare

  1. Immerhin hat das Lied eine nachvollziehbare Melodie und Arilena kann wirklich gut singen. Mehr positives dazu fällt mir allerdings leider nicht ein…

  2. Einfach nur schrecklich Song und Wahl !!
    Betrug wird nicht belohnt zum Glück die zwei Juroren in letze Sekunde dazu kamen hatten nur ein Absicht Elvana zu eliminieren Grund Vera die Veranstaltung zuständig wahr gleichzeitig Managerin von arilena zum Sieg zu führen, da auf ausländische Juroren kein verlas wahr!! Einfach Ekelhaft !!
    Wäre in Finale gekommen hatte unsere Club Fan während ihre Auftritt auszuschalten !!

  3. Na ja, ich bin vielleicht auch etwas voreingenommen, weil ich immer noch etwas enttäuscht bin, dass Elvana nicht gewonnen hat.
    Aber auch im Vergleich zu früheren albanischen Beiträgen fällt „Fall From The Sky“ deutlich ab, meiner Meinung nach.
    Obwohl ich recht schlecht im Vorhersagen bin, bin ich mir doch relativ sicher, dass Albanien dieses Jahr im Semi gescheitert wäre.

  4. Mir wäre arilena jetzt beim fik nicht gross aufgefallen. Da fand ich elvana und alberië hadergjionaj viel besser. Und wie man aus einem mittelmässigen song einen schlechten macht, hat der albanische revamp eindrücklich demonstriert. Wäre vielleicht knapp ins grand final gekommen und dort 20-26

  5. Ich finde die Kritik an der überarbeiteten Version etwas undifferenziert. Der Song wirkt live einfach intensiver als in einer Studioversion.
    Die Übertragung ins Englische finde ich gelungen.

  6. Ich war so begeistert als ich Shaj im Dezember das erste Mal gehört habe, da gefiel es mir sogar leicht besser als Me Tana. Nach dem Festival hat das Lied irgendwie die Magie verloren und auf Englisch kannst das eh vergessen. Vielleicht wäre das sogar ins Finale gekommen, weil es das schwache Semi gewesen wäre. Wahrscheinlich aber trotzdem nicht.

    Elvana wäre in die Top 5 gegangen, aber man wollte unbedingt Arilena, weswegen man die zwei albanischen Juroren ungeplant noch schnell eingefügt hat.

  7. Ich möchte nie nach Albanien reisen; das Land scheint voller schreiender Frauen zu sein.

    • na im Gegensatz zu anderen albanischen Beiträge ist sie ja noch vergleichsweise harmlos was das Schreien angeht:-) Aber hast schon recht. Aber ich glaube „schreiend singende“ Frauen sind eine allgemeine „Krankheit“ im Ostblock

    • Kleiner tip. Geh mal hin, bei einem folkloristischen abend wirkt das richtig autentisch. Und albanien ist wirklich sehenswert.

  8. Hier schließe ich mich der Mehrzahl der Kommentator/innen an. Der Song hat durch das Revamp verloren (ich vermisse vor allem die Chorpassage) und findet sich nun in meinem hinteren Mittelfeld wieder, in Sichtweite der Schlussgruppe.

    4,5 Punkte (von 12)

  9. So ein toller Text – ich liebe das Wort „suffocating“, das kommt auch in Sam Smiths „Writings On The Wall“ vor. Es klingt so schön! Ich singe auch immer „Fall from the skyyyyy“ durchs Haus 🙈 Dann ein gutes Instrumental und ganz viel Drama.
    Man denke sich dazu eine tolle Inszenierung. Auf dem Backdrop fallen brennende Trümmer vom Himmel, während Arilena auf einem Podest hinterm Mikrofon steht, inmitten von Feuer zu ihren Füßen. Der „helle Look“ aus dem Lyric Video steht ihr auch so viel besser als der „dunkle Look“ aus dem VE. Ein paar sexy Tänzer hüpfen durch die Landschaft am Boden, zwischen den Pyroanlagen. Und zum Finale geht hinter ihr der komplette Goldregen von der Decke runter. Am Ende alles dunkel, aber sie hat überlebt, als helle Gestalt auf dem Podest, die stolz sagt: I am destined to fly! Ende.
    Meint ihr, ich sollte beruflich dramatische Filme inszenieren? 😂

  10. Ich fand ja schon die FiK-Version überdramatisch und inhaltsleer, aber mit dem Revamp hat man auch noch den kleinen Rest Charakter, den das Lied hatte, herauspoliert.

  11. Eine sehr technokratische Komposition, die ganz auf Lautstärke ausgerichtet ist. Ist ganz gut, aber ich mag so was einfach nicht.

  12. Nach zwei sehr unerfolgreichen Jahren mit Liedern auf Albanisch entschied man sich also, wieder ins Englische zu wechseln. 😉 Dass Arilena das FiK gewonnen hat, überraschte mich jetzt nicht gar so sehr. War sie doch auch eine Nebenfavoritin, und dass die Jury manchmal (oder oftmals?) skurrile Entscheidungen trifft, ist eigentlich auch nichts Neues. Vielen Neulingen wurde damit gleich beim ersten Vorentscheid gezeigt, wie es nicht gerade selten laufen kann. Sei’s drum, Arilena Ara ist eine gute Sängerin, allerdings mit, erhm, interessanten und bisweilen grotesken Mimiken beim Singen. Eigentlich schade, dass eine so blutjunge Künstlerin sich dazu hat hinreißen lassen, so ein recht klassisches Lied zu interpretieren. In der albanischen Version konnte man dem auch noch einiges an Charme abgewinnen (Ich mag eigentlich alle Beiträge Albaniens, die nicht auf den Namen „Suus“ hören.), aber dieser Effekt verdampft leider völlig in der neuen Version. Immerhin, die schöne Melodie bleibt, mehr aber leider auch nicht. Arilena hätte sicherlich live noch einiges herausgerissen, aber ob das fürs Finale gereicht hätte…?

    Prognose: Halbfinale 11/18 (50%)
    Meinung: Platz 22/41 (6 Punkte) (im Original mind. 8 Punkte)

    • Ich bitte Dich, Eugent hat immerhin mit Platz 11 vollkommen zurecht einen Achtungderfolg erreicht (er war sogar mein Jahrgangsfavorit) und letztes Jahr hat man Albanien nicht im FInale gesehen und es hat nie wieder erreicht.

      Albanien bitte nie wieder in Englisch. Das war meistens deutlich erfolgloser.

  13. Man könnte ja meinen, dass ein Land aus seinen Fehlern lernen könnte. Pustekuchen!
    Ich dachte ja eigentlich nachdem man Botë mit dem Revamp das Messer in den Rücken gerammt hat, ist bei den Verantwortlichen die Erkenntnis angekommen…

  14. Ich kannte die Originalversion bisher gar nicht – soo viel besser finde ich das jetzt auch nicht. Vielleicht etwas interessanter, was aber natürlich auch daran liegt, dass man Live- mit Studio-Version vergleicht und natürlich auch ein Sprachwechsel stattgefunden hat. Der tut hier aber meiner Meinung nach gar nicht weh, denn der englische Text ist schon in Ordnung. Das Lied ist für mich in keiner Version spektakulär, es ist grundsätzlich nicht die Art Musik, die ich normalerweise in Dauerschleife höre, aber eigentlich finde ich es sogar ganz nett. Und Arilena ist mir auf den ersten Blick auch ziemlich sympathisch. 🙂

  15. Überflüssige englische Version – nur noch 1/10. Hätte sich mit den anderen Schreisongs aus Polen und Moldau die Punkte gegenseitig weggenommen.

    Für nächstes Jahr bitte Elvana Gjata.

    • Ich fürchte allerdings, dass es auch bei Elvana einen Switch ins Englische geben würde. Wenn eine den internationalen Markt im Visier hat, dann sie. Aber auch das gehört ins süße Reich der ESC-Spekulation 🙂

  16. Auf Albanisch hatte der Song noch Charme, durch die Anglisierung klingt er leider wie die typische ESC-Standardballade.

    Wäre denke ich zwar ins Finale gekommen, dort aber eher weiter hinten gelandet.

  17. Gesang: Sauber ++ Groß ++ Angenehm ++ Stimme könnte noch voller werden
    Melodie: Mit Stolperstellen ++ Für ein ganzes Orchester ++ Harmoniert mit der Stimme ++ Musik zum Träumen
    Gesamt: Restaurantmusik ++ Gut kombiniert ++ Bleibt hängen ++ Das Gesamtpaket, mit Schleife!
    Chancen: Finale ++ Finale ++ Gut ++ Gehört ins Finale
    Optik: Sie steht über das Publikum und das ist sehr gut. ++ Plastik wirkt billig ++ Fesselnd ++ Ich bewerte keine Frauen

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