ESC-Songcheck kompakt (34) – Portugal: „Medo de Sentir“ von Elisa

Elisa Portugal ESC 2020 Eurovision
Bild: André Madeira

Der portugiesische Beitrag für den Eurovision Song Contest 2020 wurde über das traditionelle Festival da Canção gesucht. Insgesamt 16 Acts traten in zwei Halbfinals und einem Finale gegeneinander an. Am Ende konnte sich weder die Fanfavoritin und Televotingsiegerin Bárbara Tinocos mit ihrem „Passe-Partout“ durchsetzen, noch Jurysieger Filipe Sambado mit „Gerbera Amarela do Sul“. Stattdessen war Elisa als Zweitplatzierte bei beiden Votinggruppen die lachende Dritte und löste mit ihrem „Medo de Sentir“ das Ticket nach Rotterdam.

Die 21-jährige Elisa stammt von der Insel Madeira und nahm schon früh an regionalen Musikfestivals teil. Später begann sie ein Studium der Jazzmusik erst in Madeira, aktuell in Lissabon. Mittlerweile hat sie einen Plattenvertrag mit Warner Music und bereitet die Veröffentlichung ihrer eigenen Kompositionen vor. Für den ESC im kommenden Jahr wird Portugal voraussichtlich wieder eine Vorentscheidung veranstalten und Elisa nicht direkt nominieren.

Der Song 

Die Ballade „Medo de Sentir“ wurde von der Komponistin und Texterin Marta Carvalho geschrieben. In dem langsamen Song geht es um die „Angst zu fühlen“. Elisa singt davon, dass ihr Herz gebrochen wurde und sie deshalb nicht weiß, wann und ob sie wieder lieben kann. Sie hat Angst, sich auf einen neuen Partner einzulassen aus Angst, wieder verletzt zu werden.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: „Medo de Sentir“ löst bei mir nichts aus. Ich finde den Song einfach nur unglaublich langweilig und nichtssagend. Darüber hinaus bringt Elisa meiner Meinung nach den gefühlvollen Text nicht gut rüber und singt nur okay. 3 Punkte.

Berenike: „Medo De Sentir“ ist ein ganz typischer portugiesischer Beitrag: ruhig, in Landessprache, authentisch und absolut dem Untergang geweiht, weil er zu unauffällig und vollkommen am Mainstream vorbei ist. Und genau deshalb mag ich es. Der Track hat ein wunderbar besänftigendes, warmes Grundgefühl. 8 Punkte.

Douze Points: Richtig schön … langweilig. Und dabei habe ich durchaus ein Faible für klassische Balladen. Elisas Stimme schmeichelt meinem Ohr jedoch in keiner Weise. Ihr zuckersüß-verzweifelter Gesichtsausdruck lässt mich aber von einer zu negativen Bewertung Abstand nehmen. 4 Punkte.

Florian: Portugal schafft es immer wieder, einen großartigen Vorentscheid auf die Beine zu stellen und am Ende das falsche Lied zu wählen. Elisa hat eine schöne Stimme und gegen ihren Song ist wenig zu sagen. Gleichzeitig finde ich ebenso wenig, was diesen Beitrag auszeichnet. Das ist genau das Problem des Songs und wahrscheinlich der Grund, weshalb Portugal den Finaleinzug verpasst hätte. Für das gefühlvoll vorgetragene „Medo De Sentir“ von mir 5 Punkte.

Manu: Manchmal gibt es Titel, die einen vom ersten Ton an sofort berühren und man nicht mal weiß wieso. So ging es mir mit „Medo De Sentir“, trotz des recht klassischen Balladenaufbau. Schon bevor ich erkannte, dass der Titel mich auch textlich sehr anspricht und berührt, hatte sich diese entspannte Melodie längst über mein Herz direkt in meinen Kopf gefressen. Live hätte ich den Titel zwar komplett anders inszeniert und stimmlich war da im Finale vom Festival da Cancao auch nicht alles, wo es hingehörte – aber ich kann hier nicht anders: 10 Punkte.

Max: Portugal kehrt wieder zu den ruhigen Tönen zurück. „Medo de Sentir“ ist eine schöne, moderne Pop-Ballade. Nicht Fado-lastig und nicht so wehmütig wie Portugal es gerne mal zum ESC schickt. Das Lied bleibt jedoch nicht wirklich in Erinnerung und den Nerv Europas hätte es vermutlich nicht getroffen. Eine Finalteilnahme wäre absolut nicht selbstverständlich gewesen, eher wäre Portugal wieder einmal im Semi kleben geblieben. Schade, 4 Punkte.

Peter: Ein Song, wie man ihn aus Portugal erwartet: Fado-Mood meets pathetisch-schmalzige Powerballade (Kategorie getragen). Es ist gut vorstellbar, warum so ein Gähnen-ist-erlaubt-Titel beim Festival da Canção reüssiert, aber international wäre es wieder schwer geworden für Portugal. Der stimmlich überzeugende Vortrag von Elisa ist gefällig und ich bin immer sehr für Songs in Landessprache, aber wirkungsvoll einprägsam und stimulierend ist „Medo de Sentir“ nicht. Hat aber Schönhören-Potential, wenn man sich viel viel Zeit gibt. 6 Punkte

Gesamtpunktzahl: 40/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Medo de Sentir“ auf Platz 40 von 41.

Wie hätte der portugiesische Beitrag "Memo de sentir" von Elisa abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane
(26) Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Albanien: „Fall From The Sky“ von Arilena Ara
(28) Armenien: „Chains On You“ von Athena Manoukian
(29) Bulgarien: „Tears Getting Sober“ von VICTORIA
(30) Dänemark: „YES“ von Ben & Tan
(31) Finnland: „Looking Back“ von Aksel
(32) Georgien: „Take Me As I Am“ von Tornike Kipiani
(33) Lettland: „Still Breathing“ von Samanta Tīna


29 Kommentare

      • Aber ja, kann doch schön sein, wenn zwischendurch mal nichts passiert. Natürlich könnte „Nichts“ gerne besser abgemischt sein. Wieder fällt mir auf, dass die portugiesischen Hörgewohnheiten auch diesbezüglich recht eigen sind. Das klingt immer ein bisschen wie Unterwassermusik, sehr gedämpft, auch der Gesang säuft ab.
        Den besonderen Reiz des Liedleins finde ich darin, dass es auf eine merkwürdig plausible Weise nicht aus sich herauskommt. Dieser Mauerblümchenkomposition wohnt eine ganz zarte, zauberhafte Seele inne. Je länger ich zuhöre, desto mehr geht mir auf: Ich bin verliebt. Top 20.
        Im echten Leben Schlussvorhang im Semi, ein klassisches portugiesisches Drama.

      • Was für ein Unfug. Das hätte natürlich keine Antwort sein sollen, sprengt ja die rechte Seite komplett 😕

  1. Ich weine immer noch Barbara Tinoco hinterher. Unfassbar das die Jury ihr so wenig Punkte gab.
    Lisas Song hat mir zwar auch gefallen weil ich schöne Balladen eben gerne mag aber der Song ist leider zu unauffällig. 6 Punkte

  2. Leider habe ich es nach so vielen Wochen immer noch nicht geschafft, das Lied zu Ende zu hören – viel zu langweilig und nichtssagend. Ich verstehe aber auch nicht, wie Portugal so etwas Jahr um Jahr zum Esc schicken kann, möchte und will.

  3. Tatsächlich mag ich ja portugiesische Musik sehr, aber das Lied hier ist nun wirklich ein wenig zu öde…es verliert sich im Nichts.

  4. Leider ein sehr langweiliger Beitrag. Schade, mit Blasted oder Barbara hätte es so gute Alternativen gegeben.
    Ich fürchte, Portugal wäre dieses Jahr mit der Nummer total untergegangen.

  5. Schade, da hatte Portugal mit Barbara und Blasted mal 2 richtig gute Nummern im VE und dann gewann wie so oft dort etwas todlangweiliges, das man sofort wieder vergisst.

    • Ich dachte erst, Du hättest „in den (19)20er Jahren“ geschrieben; da wäre es sicher auch ganz hinten gelandet. Es ist zeitlos öde.

  6. Wie bei so vielen portugiesischen ESC-Beiträgen verlangt auch dieses Lied dem geneigten Fan einiges ab. „Medo de sentir“ ist nicht leicht zugänglich und bleibt nach dem ersten (zweiten, dritten, vierten, fünften …) Hören auch nicht hängen. Wenn man allerdings bereit ist zu investieren … und zu investieren … und zu investieren … und immer wieder zu dem Lied zurückkehrt, wird man irgendwann reichlich belohnt, und zwar mit warmer, entspannter und unaufdringlicher Eleganz. Portugal wäre im Halbfinale wahrscheinlich krachend gescheitert, aber für mich ist MDS eine der interessanteren Balladen des Jahrgangs. Reicht das dauerhaft für meine Playlist? Warten wir mal ab …

  7. Portugal gefällt mir. Das ist ein typischer Mittelfeldsong für mich, zumindest von der Platzierung innerhalb meines Rankings, von der Punktzahl sogar etwas besser. Aber es ist wirklich erträglicher als manch anderes, sodass mich Platz 40 etwas entsetzt – und dann auch wieder nicht, weil polarisierende Beiträge insgesamt ja doch höhere Chancen haben als middle of the road…
    Platz 24/41 mit 7/10

  8. Ach ja, die Portugiesen wählen wie fast immer eine ultra öde und langweilige Ballade. Das hat noch nie funktioniert und hätte es dieses Jahr auch nicht. Der letzte Platz im Semi ist eigentlich vorprogrammiert.

    Platz 37 von 41

  9. Ich habs mir jetzt doch noch mal angehört, am meisten stört mich der verbesserungswürdige Gesang, ansonsten eigentlich eine schöne Melodie, wär aber im Semi pappengeblieben, weil es nicht auffällt

  10. Die Grundstimmung ist wunderschön, aber trotzdem gefällt mir der Song nur, wenn ich ihn ganz bewusst und konzentriert anhöre – das allerdings möchte ich bei der Live-Version lieber vermeiden, da ist gesanglich noch sehr viel Luft nach oben. Nie im Leben wäre Portugal damit ins Finale gekommen, aber in der Studio-Version für mich doch ein angenehmes Lied.

  11. Gesang: Erstes ‘ah’ ist schief ++ Lampenfieber? ++ Üben, viel üben, meine Liebe ++ Katzenverführerin
    Melodie: Minimalistisch ++ Ich will dich begleiten. ++ Mehr wäre besser ++ Sparflamme-Komposition
    Gesamt: Schön ++ Einfach ++ Zu wenig ++ Wir spielen besser
    Chancen: Netter Versuch ++ Null ++ Konkurrenz ist starker ++ Tschüß
    Optik: Fremdenführerin ++ Du bist Portugal ++ Einfach performen, so wie du bist! ++ Ich bewerte keine Frauen

  12. Beim Festival da Canção dachte ich mir noch: Schöne Ballade, die allerdings schnell wieder verklingt. Mit der Zeit habe ich aber Gefallen an dem Song gefunden. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass es beim VE musikalisch interessantere Beiträge wie „Cegueira“ oder „Movimento“ gab, aber „Medo de sentir“ kann durch seine sanfte Melodie bestechen.

  13. Ich bin ganz bei Manu. Sicher hat nicht jeder Zugang zu dieser kleinen Perle und empfindet dabei eher Langeweile – mich hat das jedoch schon beim ersten Hören gepackt, allerdings auch eher in der Studioversion – live war das in der Tat gesanglich noch verbesserungswürdig – aber das hätte Elisa in Rotterdam sicher noch besser hinbekommen. Danke Portugal für diesen sehr emotionalen Beitrag. 10 Punkte

  14. Puh, drei Minuten können wirklich seeehr lang sein. Portugal hatte ja schon viele Perlen beim ESC die stark unterbewertet wurden, aber dieser Song ist einfach nur langweilig und wäre nur mit sehr viel Glück im Finale gelandet und dort auf einem hinteren Platz versauert, wenn sie es denn überhaupt soweit geschäft hätten was ich sehr bezweifle.

  15. Ach Portugal, da hatte man einige interessante Sachen im Angebot (wobei wohl nichts mein Favorit gewesen wäre) und dann sucht man den nichtssagendsten Beitrag aus. Schade. Obwohl ruhigere Lieder eigentlich eine Stärke Portugals sind, fällt dieser komplett ab. Ja, die größte Eigenschaft des Songs ist es, keine Eigenschaft zu besitzen. Weder setzt man auf eine Powerballade (obwohl es eine Steigerung gibt???), noch gibt es Fado-Klänge („Vida Minha“) noch sonst irgendein Element, irgendeine Kleinigkeit („Antes do Adeus“), die diesem Beitrag einen speziellen Charme geben könnte. Nix. Niente. Nüscht. Nothing. Nada. Aber ich finde es schön, dass es auch Leute gibt, die sich für dieses Lied begeistern können, ehrlich.
    Ein finaler Rat an Elisa: Du bist ein ansehnliches Mädchen, bitte lass in Zukunft Omas schöne Vorhänge in Ruhe! Dahinter musst Du Dich nun wirklich nicht verstecken.

    Prognose: Halbfinale 17/18 (20%) (vielleicht hätte es in einem anderen Universum geklappt)
    Meinung: Platz 32/41 (knappe 4 Punkte)

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