ESC-Songcheck kompakt 2022 (23) – Malta: „I Am What I Am“ von Emma Muscat

Bild: Instagram @emmamuscat

Man möchte meinen, dass sich ein Land wie Malta, das oft auch schon im ESC-Halbfinale Probleme hatte, sich überhaupt zu qualifizieren, über einen Platz in den Top 10 des Finales freut. Im vergangenen Jahr war der 7. Platz von Destiny dann jedoch eine Enttäuschung für den maltesischen Fernsehsender TVM, schließlich ist „Je me casse“ als Mitfavorit ins Rennen gegangen und konnte das Halbfinale noch gewinnen. Eine neue Auswahlmethode des maltesischen Beitrags musste also her.

Ob der Vorentscheid „Malta Eurovision Song Contest 2022“ dann jedoch eine gute Idee war, da scheiden sich die Geister. In Fan-Kreisen war jedenfalls immer wieder die Rede von keinem besonders hochwertigen musikalischen Line-Up. Am Ende konnte sich Emma Muscat gegen Mit-Favorit und Hobby-Cowboy AIDAN durchsetzen, der Platz 2 belegte.

Auch wenn viele der insgesamt 22 Vorentscheid-Songs aus Malta eher wie Demoversionen klangen, gab es dann doch den ein oder anderen Lichtblick. Ausstrahlungs-technisch kann auch definitiv Emma Muscat dazu gezählt werden, die im Finale alle möglichen Punkte im Jury- und Televoting ergattern konnte und Malta dieses Jahr somit in Turin vertreten darf.

2018 nahm Emma an der 17. Ausgabe der italienischen Talentshow „Amici di Maria De Filippi“ teil, wobei sie im Finale ausschied. Anschließend nahm ihre Karriere jedoch richtig Fahrt auf und sie arbeitete mit den italienischen Rappern Shade und Astol zusammen. Ihr Debütalbum „Moments“ erreichte in Italien sogar Platz 3 der Charts.

Der Song

Bereits vor sechs Jahren ist es bei Ira Losco passiert – und 2022 war es wieder so weit: Malta tauschte den Gewinnersong des Vorentscheids einfach aus. Statt „Out Of Sight“ singt Emma Muscat in Turin nun einen völlig neuen Song, was bei einigen Fans für Ärger und Verwunderung sorgte. Im Vorfeld sahen die Regeln des maltesischen Vorentscheids allerdings schon vor, dass nur der Act gewählt wird. Dass der Song also im Nachhinein getauscht werden könnte, war abzusehen – vor allem, nachdem die ursprüngliche Gewinner-Nummer nicht sonderlich gut bei den Fans und bei den Buchmachern ankam.

Emma wird im Mai in Italien also „I Am What I Am“ zum Besten geben. Neben der Sängerin selbst haben auch Julie Aagaard, Stine Kinck sowie der Schwede Dino Medanhodzic mitgeschrieben, der bereits viele Melodifestivalen-Beiträge im Rennen hatte. So skandinavisch, wie diese Komponisten-Liste klingt, so skandinavisch klingt auch der Song. Allerdings nicht unbedingt auf eine innovative oder „junge“, sondern eher auf eine vertraute Art.

Obwohl Emmas ESC-Song definitiv hochwertig klingt und zeitgemäß produziert ist, wirkt die Melodie nicht besonders neu oder spannend. Gospel-Elemente im Refrain sorgen zwar dafür, dass Malta aus dem ESC 2022-Feld heraussticht, jedoch ist „I Am What I Am“ dadurch leider nichts Aufregendes.

Ein sehr lebensbejahender Text und vor allem eine wichtige Botschaft zur Selbstliebe könnten einige Menschen dann jedoch trotzdem verzaubern. Im Video sieht man die unterschiedlichsten Personen, die die Message der Akzeptanz gut transportieren. Emma selbst sitzt im Musikvideo am Flügel, den sie wohl auch auf der Bühne In Turin dabei haben wird. Generell wird es entscheidend sein, wie der Song inszeniert wird. In den vergangenen Jahren konnte Malta mit der Inszenierung punkten, da waren die Songs an sich aber auch deutlich stärker.

Der Check

Song: 2/5 Punkten

Stimme: 3/5 Punkten

Darbietung: 4/5 Punkten

Instant Appeal: 3/5 Punkten

Benny: Also erstmal: „I Am What I Am” ist viel besser als „Out Of Sight“. Aber eben auch trotzdem noch maximal belanglos. Kaum gehört, schon wieder vergessen. 4 Punkte.

Berenike: Vor drei Tagen habe ich noch geschrieben „ich nehme Michael Ben David ab, dass er meint, was er singt“. Genau das Gegenteil ist bei Emma Muscat der Fall: „I Am What I Am“ wirkt auf mich wie absolute Stangenware. Der Textinhalt ist eine belganglose Selbstwertmessage vom Reißbrett und enthält meinem Empfinden nach keinen Funken eines inneren Ausdrucksbedürfnisses der Künstlerin. Handwerklich ist das sicherlich kein schlechter Mainstreamplastikpopsong. Und weil es diese in diesem Jahr fast gar nicht gibt, wird Emma sicherlich einige Stimmen sammeln. Da der Refrain etwas eingängig ist, würde der Song musikalisch 2 Punkte von mir erhalten, abzüglich eines moralischen Punktes ist es dann aber letztendlich nur 1 Punkt.

Douze Points: Natürlich ist Emma Muscat für den ESC gemacht. Und offenbar war sie reif – unabhängig von ihrem Lied. Denn wie unangenehm muss das eigentlich für die ganzen anderen Acts sein, die Emma im nationalen Finale unterlegen waren, dass der Siegerbeitrag direkt am Tag drauf ausgetauscht wird, weil er zu schwach ist. Der Songtitel „I Am What I Am“ weckt natürlich alte Bewegungsschwester-Reize und die sich aufbauende Dynamik mit dem Gospel-Klatschteil am Ende tut ihr Übriges, um mich durchaus wohlgesinnt zu stimmen. Wären da nur nicht das Vorführen der (vermeintlichen) Minderheiten, die mit Emma singen. 7 Punkte.

Flo: Es ist immer eine schwierige Angelegenheit, wenn ein Titel, der einen Vorentscheid gewonnen hat, dann im Nachhinein ausgetauscht wird. Und anders als bei Ira Losco 2016 dürfte Malta das in diesem Jahr auch nicht besonders weiterhelfen. „I Am What I Am“ klingt viel zu vertraut und uninspiriert. Der Songtext ist dazu ebenso austauschbar. Zwar gibt es schlechtere Beiträge in diesem Jahr, aber nach drei Minuten bleibt bei mir nicht viel hängen. 4 Punkte.

Manu: Wenn schon das eigene Lied nicht zündet, dann schaut man eben in Schweden, welche Lieder da noch in irgendwelchen Schubladen rumschlummern. Kann man machen – und tatsächlich wirkt „I Am What I Am“ auch etwas interessanter und launiger als Emmas eigentlicher Beitrag. Trotzdem ist das für mich absolutes Mittelmaß: 5 Punkte.

Max: Hier hat mir das neue Lied in etwa so viel gefallen wie das ursprüngliche Lied – also nicht sehr. „I Am What I Am“ trägt einen Titel, von dem man schon einiges erwarten könnte. Es kommt aber ein Pop-Song, der an die späten 2000er erinnert oder von den schwedischen „Mamas“ stammen könnte. Das reißt mich absolut nicht vom Hocker, auch wenn sich einige Song-Fetzen dann doch manchmal im Kopf festsetzen und ich denke „och mist“. 4 Punkte, schade! Malta war im vergangenen Jahr einer meiner großen Faves.

Peter: Mir ist tendenziell unsympathisch, wenn ein Teilnehmerland plötzlich den bereits ausgewählten Song austauscht, weil der erste Wurf nicht ankommt. Vor allem, wenn der erste Song mit viel öffentlichem TamTam ausgewählt wurde. Das hat was von Absurdistan. Diesen Minuspunkt vorausgeschickt finde ich „I Am What I Am“ ganz beschwingt. Das könnte tatsächlich auch von Dotter sein, deren Buddy Dino (Medanhodzic) hier bekanntlich mitgewirkt hat. Emma sieht top aus, hat einen eleganten Partystyle und der Titel groovt super. Allein der Text („Take it or leave it“) ist arg schlicht. Aber ok, alles im allen in der oberen Hälfte des Jahrgangs ’22. 10 Punkte.

Rick: Von Anfang an war mir klar, dass Emmas Gewinnersong nicht ihr ESC-Song sein wird. Dafür war er viel zu nichtssagend und teilweise auch altbacken, finde ich. „I Am What I Am“ klingt zwar besser und auch die Botschaft scheint massentauglicher zu sein, allerdings gefällt mir der „frühe 2000er“ Vibe nicht so ganz. Die Nummer erinnert mich irgendwie immer an Ace of Base. Aber gut… die Nuller-Jahre erleben aktuell ja eine Art Revival. Meinen Geschmack trifft’s dennoch nicht ganz, Emma hat aber eine super Ausstrahlung und die Produktion des Songs ist immerhin hochwertig. Insgesamt vergebe ich gute 4 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 39/96 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „I Am What I Am“ auf Platz 38 von 40.

Wie schneidet der maltesische Beitrag "I Am What I Am" von Emma Muscat ab?

View Results

Loading ... Loading ...

Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Albanien: „Sekret“ von Ronela Hajati
(2) Bulgarien: „Intention“ von Intelligent Music Project
(3) Lettland: „Eat Your Salad“ von Citi Zēni
(4) Litauen: „Sentimentai“ von Monika Liu
(5) Moldau: „Trenuleţul“ von Zdob şi Zdub & Fraţii Advahov
(6) Niederlande: „De Diepte“ von S10
(7) Schweiz: „Boys Do Cry“ von Marius Bear
(8) Slowenien: „Disko“ von LPS
(9) Ukraine: „Stefania“ von Kalush Orchestra

Zweite Hälfte des ersten Semis

(10) Armenien: „SNAP“ von Rosa Linn
(11) Dänemark: „The Show“ von REDDI
(12) Griechenland: „Die Together“ von Amanda Tenfjord
(13) Island: „Með Hækkandi Sól“ von Systur
(14) Kroatien: „Guilty Pleasure“ von Mia Dimšić
(15) Norwegen: „Give That Wolf A Banana“ von Subwoolfer
(16) Österreich: „Halo“ von LUM!X und Pia Maria
(17) Portugal: „saudade, saudade“ von MARO

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Finnland: „Jezebel“ von The Rasmus
(19) Israel: „I.M“ von Michael Ben David
(20) Serbien: „In corpore sano“ von Konstrakta
(21) Aserbaidschan: „Fade To Black“ von Nadir Rustamli
(22) Georgien: „Lock Me In“ von Circus Mircus


114 Kommentare

    • Nun ja, wenn ich mich über weitere Siegel-Beiträge freuen würde, ist das doch nicht „übertriebene Begeisterung“ – besonders wenn man bedenkt, dass es nur eine Gegenreaktion auf den bereits zweiten Kommentar in diesem Thread ist, der andeutet, dass man von Siegel beim ESC nur Schrott zu hören bekommen hätte.

      • Was die jüngeren Beiträge von Siegel betrifft, waren sie alle nur Schrott. Die besten Zeiten hatte er in den achtzigern. Leider hat er zu spät den Rückzug angetreten.

      • Was ist Dir denn heute morgen für eine Laus über die Leber gelaufen? Dass Du alle jüngeren Titel von Siegel als „Schrott“ bezeichnest (was natürlich völliger Quatsch ist), ist ja kein allzu großes Problem, aber Deinen „Äääääääbööhhhhhhh“-Kommentar weiter oben, den Du kurz danach geschrieben hast, finde ich ziemlich daneben.

      • Ich sage es mal ehrlich: Nach 1987 hätte ich keinen Siegel-Titel mehr gebraucht,,,,

  1. Ich würde es nicht ganz so krass wie escfan05 ausdrücken, aber im Kern gebe ich ihm diesmal recht. Den Beitrag von 2002 kann ich beispielsweise nicht ausstehen.

    • Ich mag beide Beiträge sehr. Auch Lou und Sürpriz war prima. Am besten natürlich „Crisalide“.
      Auf seine 1987er Komposition für Wind hätte ich dagegen gerne verzichten können.

      • Sürpriz fand ich ziemlich aufgesetzt, nicht wirklich mein Fall. „Let’s get happy“ fand ich eigentlich ganz nett. Lou war für meinen Geschmack ein bißchen zu grell geschminkt und wirkte künstlich, aber der Song hatte schon Ohrwurmqualitäten. Gab schon Schlimmeres.

        Zustimmung zu „Grisaiide“, ein wunderschöner Song.😍
        „Lass die Sonne in Dein Herz“ fand ich schrecklich.

  2. @Thomas M.: Ich kann ja nix dafür wenn ich dir als Siegelfanboy die Wahrheit sagen muss. Aber so ist es nun mal. Alle seine jüngeren Beiträge, ab den späten neunziger waren nun mal schrott. Das beste was er in der Zeit an Platzierung erreicht hat, war Platz 12 2003 mit Lets get happy. Und der war schon zum Fremdschämen. Danach gings mit dem Niveau ganz tief runter. Keiner seiner Beiträge hat die Top 10 auch nur von Nahem gesehen. Er hatte seine Zeit, aber die ist schon lange vorbei. Leider hat ihm das nie jemand gesagt.

    • Ab den später Neunzigern: Was ist mit Sürpriz? Die schnitten besser als die blöden Raab-Titel in den beiden Nachbarjahren ab. Aber streite ich mich hier über Platzierungen rum. Die sind für meine Einschätzungen von Titeln eh irrelevant. Und ich tu‘ im Unterscheid zu Dir meinen persönlichen Geschmack nicht als „Wahrheit“ darstellen.

      • Okay, Asche über mein Haupt. Die habe ich ganz vergessen. Aber danach gings nur noch bergab mit den Platzierungen und dem Niveau der Lieder. Deshalb brauch ich auch keine weiteren Siegelbeiträge. Der soll einfach nur seine Rente genießen. Die hat er sich redlich verdient.

      • Ich hätte einen Kompromißvorschlag, was Siegel angeht: Ich könnte ihn mir beispielsweise sehr gut als Mitglied der deutschen Jury vorstellen. Was sagst Du dazu ?

  3. Leider hat man von Surpriz nach dem ESC nix mehr gehört. Obwohl sie ja wirklich gut abgeschnitten hatten, mit Platz 3.

  4. …ich glaube, der Punkt ist immer das WIE (man etwas sagt).

    Wenn ich ein Lied mag (aus welchem Grund auch immer. Ich könnte hier als Beispiel hunderte von (kölschen) Karnevalslierdern anführen… 🙄😂🥳 ) und dabei lesen muss, dass das Lied einfach nur Schrott der übelsten Sorte ist, fühle ich mich automatisch schlecht (egal, ob ich das zu rationalisieren und relativieren versuche)

    Okay, Drama ist beim ESC im Preis einbegriffen… Trotzdem…

    • Vielleicht sollte man nicht einfach so mimosenhaft reagieren. Es geht ja nur um ein Lied, das ist ja nix persönliches. Heutzutage darf man ja keine Witze mehr machen, ohne das sich irgendwer gleich auf den Schlips getreten fühlt. Es ist nur noch eine Mimimi-Gesellschaft.

      • Also komm jetzt. Wer im Glashaus sitzt. Wer hat denn am lautesten geheult als Trevoristos über die Fettleibigkeit von dem Sänger aus Kentucky philosophiert hat. Du hast jetzt das gleiche mit Emma Muscat gemacht. Reflektiere dich bitte mal selber. Und Witze über Krankeiten anderer sind ganz schlechte Witze die brauchen wir hier nicht

      • Naja. Ich lebe gerne in einer Mimose-Gesellschaft. Ich habe kein Problem damit 🍕🍺🌻

  5. @thilo: Es ist ja wohl ein Unterschied ob man einen harmlosen Witz macht, oder ob man ungefragt einen Menschen belehrt und irgendwelche Vorwürfe diesen Menschen macht, nur weil er dick ist. Und dann noch meint bestimmen zu können, was dieser Typ tun muss.

  6. Oh je, nachdem die Diskussion hier so ausgeufert ist, trau ich mich kaum noch, hier meinen Senf zu diesem Beitrag zu geben.

    Also: „I Am What I Am“ ist ein absolut großartiger Song. Klare Kante, toller Text, fantastische Sängerin, da stimmt alles. Ein Song für die Ewigkeit.
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    Ich meine natürlich das „I Am What I Am“ von Gloria Gaynor. Was habt Ihr denn gedacht? (warum hat den Gag eigentlich vor mir noch niemand gebracht? Das ist doch das allererste, was sich aufdrängt!).

    Dieses „I Am What I Am“ hier hat ungefähr so viel Wertigkeit, Eigenständigkeit und Persönlichkeit wie ein durchschnittlicher Plastikbehälter. Über Emma selbst als Künstlerin kann ich darauf aufbauend nichts sagen, denn der Song ist keine Kunst. Der kann weg. Und wird selbstverständlich das Semi nicht überstehen.

    Nix gegen Emma, sie darf von mir aus auch wiederkommen, aber dann bringst Du bitte auch einen gescheiten Song mit, ja?

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.