ESC-Songcheck kompakt (35) – Schweiz: „Répondez-moi“ von Gjon’s Tears

Nach Luca Hännis phantastischem 4. Platz in Tel Aviv setzte die Schweiz auch in diesem Jahr auf einen internen Auswahlprozess mittels zweier Jurys und wählte Gjon’s Tears mit dem Titel “Répondez-moi” als Teilnehmer für Rotterdam aus.  

Insgesamt  wurden 515 Songs über eine zentrale Platform eingereicht, darunter waren auch Lieder aus dem Schweizer Songwriting-Camp. Lied und Künstler wurden dann von einem 100-köpfigen Zuschauer-Panel und einer 20-köpfigen internationalen Expertenjury bewertet. Schließlich fiel die Wahl auf Répondez-moi“ von Gjon’s Tears. Damit entschied ein Titel, der im Songwriting Camp geschrieben wurde, die schweizerische Auswahl für sich. Die Bekanntgabe von Gjon’s Tears als Vertreter der Eidesgenossen und die Veröffentlichung des Songs erfolgte am 4. März.  

Mit “Répondez-Moi” schickt die Schweiz zum ersten Mal seit Michael von der Heides „Il pleut de l’or“ aus dem Jahr 2010 einen französischsprachigen Titel zum ESC. Der Beitrag kam bei ESC-Fans sehr gut an und lag in den Wettquoten zwischenzeitlich sogar auf Platz 2.  Auch im kommenden Jahr wird Gjon’s Tears für die Schweiz beim ESC antreten 

Gjon’s Tears heißt eigentlich Gjon Muharremaj und hat einen kosovarisch-albanischen Hintergrund. Er ist 21 Jahre alt und kommt aus Broc im Kanton Fribourg. Sein Künstlername beruht auf einer Begebenheit im Kindesalter: Als Neunjähriger bewegte er seinen Großvater mit einer Darbietung von Elvis Presleys “Can’t Help Falling in Love” zu Tränen. Sein Großvater war es auch, der ihn 2011 bei “Albania’s Got Talent” anmeldete, wo er den dritten Platz belegte. 2012 nahm Gjon’s Tears bei “Die größten Schweizer Talente” teil und erreichte das Halbfinale. Bei der französischen Version von “The Voice” gelangte er 2019 im Team von Mika ebenfalls bis ins Halbfinale. 

Der Song 

Répondez-moi“ ist eine ruhige Ballade, die aber auch moderne Elemente enthält. Das Arrangement ist ein vielseitiges Zusammenspiel aus Klavier, Streichern, Schlagzeug und dezent eingesetzten Soundeffekten, das sich nie zu sehr in den Vordergrund drängt. Dadurch kommt Gjons Stimme sehr gut zur Geltung – sowohl in den Höhen als auch in den Tiefen. Geschrieben wurde der Song von Gjon selbst sowie von Xavier Michel, Alizé Oswald und Jeroen Swinnen.  

Textlich ist der Song sehr persönlich, denn Gjon setzt sich hier mit seiner Herkunft auseinander und der Frage, wohin er gehört. Er sagt dazu: „Jeder fragt sich doch, warum wir genau hier sind, woher wir kommen, wohin wir gehen. Besonders für Menschen mit Migrationshintergrund sind das essenzielle Fragen. Meine Eltern stammen aus Albanien und aus dem Kosovo. Auch wenn ich in der Schweiz aufgewachsen bin und hier meine Heimat ist, sind das Themen, die mich sehr beschäftigen.“ 

Der Check

Song: 5/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Ich gebe zu, dass ich mit dem Song erst warm werden musste. Gjon’s Stimme ist wirklich beeindruckend und die Komposition des Songs transportiert das Gefühl der Zerrissenheit sehr intensiv. Mit der richtigen Performance hätte die Schweiz wieder weit vorne landen können. Etwas Abzug gibt es für die dann doch teilweise etwas einfach Textstruktur. 10 Punkte.

Berenike: Eine der Balladen in diesem Jahr, die für mich positiv heraussticht. Die Konzentration rein auf die Stimme von Gjon gefällt mir ausgesprochen gut. Da wird nicht versucht durch die Produktion und viele Effekte Schwächen zu überdecken und künstlich Spannung hineinzubringen. Gjon muss den Song alleine tragen. Und macht das ausgezeichnet. Das erreicht mich und erzeugt Gänsehaut. 10 Punkte.

Douze Points: „Selbstmitleidiges Kopfstimmen-Gewimmer zu einem bisweilen modernen Sound“, schrieb ich letztes Jahr in meinem Kommentar zu Duncan Laurence. Und ich kann das hier guten Gewissens wiederholen. Quäkige Stimme, langweiliges Lied, bisweilen angenehme Instrumentierung. Das reicht für 2 Punkte.

Florian: „Répondez-moi“ brauchte bei mir ein paar Anläufe, bis es bei mir wirklich punkten konnte. Ich freue mich über jeden auf Französisch gesungenen Song beim ESC, aber bei Gjon’s Tears hatte ich zunächst meine Schwierigkeiten. Die Akustikperformance hat seine stimmlichen Qualitäten allerdings auch live unterstrichen und die Schweiz hätte vielleicht sogar um den Sieg mitspielen können. Ich bin gespannt, was Gjon uns im nächsten Jahr bieten wird. 7 Punkte.

Manu: Während es gestern mit dem portugiesischen Beitrag einen Titel gab, der sich sofort in meinem Herzen einnistete, kann ich das vom schweizerischen Beitrag nicht sagen. Ganz im Gegenteil – beim ersten Hören empfand ich ihn sogar als schlimm und anstrengend für meine Ohren. Diese weinerliche Stimme, besonders in den hohen Bereichen, ließ mich schaudern. Mittlerweile habe ich mich mit ihr aber arrangiert und konnte so auch langsam die Schönheit von „Répondez-moi“ erkennen. Besonders die veröffentlichte Acoustic Version hat mich vollends überzeugt und so gebe ich mittlerweile überzeugte 8 Punkte.

Max: Viele sind der Meinung, dass die Schweiz damit um den Sieg gekämpft hätte. Ich bin da etwas skeptisch. Anders als etwa Arcade ist der Song etwas zu düster um eine große Mehrheit anzusprechen. Vor allem wäre es bei den Zuschauern knifflig gewesen. Ja, interessante Stimme und schönes Lied – aber kein Sieger. Ich höre es privat nicht so gerne, da mir der „Mood“ nicht gefällt und die Eunuchen-Töne noch nie zugesagt haben. 5 Punkte.

Peter: Es ist mir Rätsel, warum ausgerechnet„Répondez-moi“ in der der Flut der diesjährigen Balladen von den Wettbüros so herausragend favorisiert wurde. Klar, der Song hat viel Empathie, Gjon singt ihn dramatisch vollendet und sein wunderbares Französisch ist perfekt. Aber dennoch ist der Gesamteindruck eher unaufregend und die Ohrwurm-Qualität überschaubar. 6 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 48/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Répondez-moi“ auf Platz 8 von 41.

Wie hätte der Schweizer Beitrag "Répondez-moi" von Gjon's Tears abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane
(26) Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Albanien: „Fall From The Sky“ von Arilena Ara
(28) Armenien: „Chains On You“ von Athena Manoukian
(29) Bulgarien: „Tears Getting Sober“ von VICTORIA
(30) Dänemark: „YES“ von Ben & Tan
(31) Finnland: „Looking Back“ von Aksel
(32) Georgien: „Take Me As I Am“ von Tornike Kipiani
(33) Lettland: „Still Breathing“ von Samanta Tīna
(34) Portugal: „Medo de Sentir“ von Elisa


57 Kommentare

  1. Das wäre ja eine Möglichkeit gewesen: Die Schweiz gewinnt in schöner Regelmässigkeit alle 32 Jahre den ESC: 1956 – 1988 – 2020. Und jedes Mal mit einem Lied auf Französisch.

    • Ich kann mich nur den Worten von Douze Points anschließen.

      Das scheinheilige Pop-Chanson wird total überbewertet. Da wird was gesehen/gehört was es nicht gibt.

  2. Wäre dank Jury ins Finale gekommen, dort aber nicht weiter aufgefallen und auf Platz 17 gelandet.
    Ja, stimmlich sicher einer der stärksten, aber viel zu düster und langweilig.
    Nicht vergleichbar mit Arcade.

  3. Meine zweitgrößte Überraschung des Jahrgangs. Das ist einerseits das zigmal Dagewesenste, das man im Song Contest überhaupt zur Aufführung bringen kann – als Ballade, als Schwarzweißbild vom Vorjahresgewinner. Im Gesamteindruck ist es dennoch alleinstehend, touchierend, irgendwie neunzehnvierundvierzig. Ein Klagelied, nicht angenehm gewiss; ein Fragelied auch, Sinn suchend. Ein sehr zerbrechlicher Beitrag.
    Funktioniert leider nur in der isolierten Studiofassung, live ist es für mich in den bisher gezeigten Auftritten nicht zu halten: Stutzt das Chanson zurück auf Stimmbandturnen – „langue de bois“, leeres Gerede, wie es im Text heißt. Sehr schade.
    Als reines Audio kurzfristig mein Gewinner. Doch am selben Tag wie „Répondez-moi“ wurde noch einer der subjektiv besten Songs aller Eurovisionszeiten veröffentlicht – der wird in Kürze songgecheckt. Deshalb „nur“ Platz zwei für die beherzte Studioversion aus der Schweiz. Das einzige, das ich zu bekritteln habe, ist die partiell arg ablaufdatierte Rhythmusspur.

  4. Es ist ein fantastisches Lied, jedoch muss man sich darauf einlassen können, sonst rauscht es an einem vorbei. Ich denke, dass damit die Schweiz ganz oben mit dabei wäre und durchaus Top 5 erreicht.
    Ich wüsste nicht, was „Beautiful Mess“ haben soll, was „Repondez moi“ nicht haben soll.

    Es ist schon positiv zu sehen, wie sich das Deutsche und Schweizer Auswahlverfahren nach und nach bewährt. 2018 wählten wir Schulte u.a. mit Panel und Jury aus. 2019 hat das Panel die S!sters richtig eingeschätzt und allgemein gute Lieder in die Ve gewählt. Dieses Jahr Ben ist auch echt super.

    Bei der Schweiz bewährt es sich ja auch. In beiden Jahren sehr unterschiedliche Lieder, die beide richtig gut sind und mit denen Top Plätze erreicht werden.

  5. Für mich neben Italien der beste Beitrag des Jahres. Gjon hat sich bei mir sofort ins Herz gesungen . Für mich ist es eine beeindruckende schwierige Komposition die er hervorragend meistert. Dann auch noch in französischer Sprache – wunderbar 12 Punkte

  6. Das ist für mich der Aufsteiger der Saison (neben Frankreich!!). Normalerweise mag ich so weinerliche Stimmen gar nicht, aber hier stört mich das nicht, weil es einfach paßt. Gefällt mir sehr, sehr gut.
    Ein Sieg wäre es wohl nicht geworden, aber TOP 5 wäre durchaus möglich.

  7. Da mache ich doch gleich mal zur Feier des Tages Schweizer Schokolade auf! Ernsthaft ^^
    Die Melodie zieht mich sofort in ihren Bann, die Stimme ist großartig, ich liebe die hohen Töne und das Finale am Ende. Und dann auch noch Französisch. Perfektion!

    10/10, Platz 1 von 41 und Gjon wäre für mich der beste Gewinner seit 2014.

  8. Erst mal vielleicht eine dumme Frage von jemandem, der die VE-Saison dieses Jahr fast komplett geschwänzt hat: Wie spricht man „Gjon“ eigentlich aus?

    Das Lied hat mich anfangs gar nicht erreicht, ist letztlich aber ein Grower. Für ganz vorne reicht es bei mir nicht (zu viel Kopfstimme), aber ist schon ein guter Song. ’n bisschen so wie letztes Jahr bei „Arcade“, das fand ich auch ganz hübsch, aber warum das alle so in den Himmel gelobt haben, hab ich nicht verstanden. 😉

  9. Es ist ein Grower auf jeden Fall ..aber ich sehe kein Siegerpotential bei mir immerhin 14/41 was ja ziemlich gut ist ..Ich denke er wäre so um platz 6-8 gelandet im Finale..

  10. Wie man so einem Meisterwerk 2 Punkte geben kann? Muss ich nicht verstehen…

    Dieser Song berührt mich wie es in den letzten Jahren nur „Arcade“ geschafft hat, ein untrügliches Zeichen dafür, dass das evtl. auch vielen Zuschauern und Jurymitgliedern so ergangen wäre. Jammerschade, dass dieser Song nie das Licht der ESC-Bühne erblicken wird (sozusagen das krasse Gegenteil zum gestrigen Beitrag aus Portugal)

  11. Es ist relativ einfach:
    wer das Lied nicht mag, hat kein Herz. 🙂

    Das ist ein Meisterwerk, in allen Belangen. Hätte erdrutschartig gewonnen. Jeder weiß das.

    • „wer das Lied nicht mag, hat kein Herz.“

      Hey, das kommt jetzt nicht zufällig von derselben Person, die vor einigen Wochen noch alle Lieder so beschissen fand, dass es wohl niemanden interessiert hätte, ob der Contest abgesagt werden würde. Oder. ODER?! 😉

      • @Cali:
        Ich habe niemals behauptet, dass ich alle Songs beschissen finde. Nur so etwa 35-38. Und ja, ich finde es nicht schlimm, dass der Contest abgesagt wurde. Bei der Schweiz, aber auch bei Island, hab ich aber direkt gesagt, dass mir das ausgesprochen gut gefällt. Dann noch das nette englische Liedchen und auch „Violent Thing“, aber schon auch das nicht mehr sehr hingebungsvoll. Und dann wird’s schon eng. So ist das nunmal manchmal mit Geschmäckern, hm?

  12. Sorry das ich in die Lobgesänge so reingrätsche. Mich berührt der Song nicht sonderlich. Keine Frage er singt gut aber der Song ist für mich einfach anstrengend. Bei mir nicht Top 10. Beim ESC wäre dank Jury ein Platz in den Top 10 möglich gewesen. Arcade war deutlich zugänglicher und berührender zudem finde ich den Typ nicht so sympathisch.

  13. Hier meldet sich dann einfach mal ein „herzloser“ Kommentierer zu Wort. Ich würde dieses Lied ja so gerne mögen; endlich, nach so vielen Jahren, gibt es aus der Schweiz mal wieder ein Lied auf Französisch, und zwar ausschließlich auf Französisch.

    Ich dachte, ich würde mir das Lied schon noch schönhören können, aber es will mir einfach nicht gelingen. An der Melodie kann ich nichts Besonderes finden, die ist doch ziemlich langweilig, und seine Stimme ist leider auch nicht so ganz nach meinem Geschmack, besonders in den hohen Bereichen finde ich den Gesang anstrengend.

    Ich gebe 5 Punkte von 12 (2 davon für die Sprache)

    • An die Stimme mußte ich mich auch erst gewöhnen. Kam mir anfangs auch zu „verpienst“ rüber. (So sagt man auf pfälzisch für „weinerlich“). War eher eine Liebe auf dem 2. Blick, eigentlich erst, seit ich ein Video mit der Liveperformance gesehen habe.

  14. „Répondez-moi“ für mich einer der besten Songs .
    So eine schöne Ballade , hat mich von Anfang an berührt und die Liveversion war echt super gesungen .
    Für mich ein Top 5 Song , aber ob es gewonnen hätte , ich glaube es eher nicht .
    Glaube nicht das die Leute zweimal hintereinander eine Ballade gewählt hätten .
    Dieses Jahr hätte wohl was tanzbares gewonnen .
    Aber wieder sehr gut gemacht Schweiz . Weiter so !!!!

  15. Es wird kaum jemanden überraschen, dass mir der schweizer Beitrag sehr gut gefällt. Manchmal mag is es ganz einfach schwer und sperrig. Es kann sogar gut sein, dass sich „Répondez-moi‘ mit der Zeit noch auf den ersten Platz meiner schweizer Liste schiebt. Dort befindet sich bislang und seit vielen Jahren Véronique Mullers ganz wunderbares „C’est la chanson de mon amour“ aus dem Jahr 1972. Momentan steht Gjon’s Tears hinter den Niederlanden, Russland und Litauen (und ganz knapp vor Bulgarien) auf dem vierten Platz meiner 2020-Liste. Leider denke ich nicht, dass der Beitrag so gut abgeschnitten hätte wie die billig-schmissige Hänninummer letztes Jahr, aber ein Top 10-Ergebnis wäre wohl drin gewesen.

  16. Ich bin hier ganz mit Douze Points auf einer Linie und kann dem Song gar nichts abgewinnen. Anstrengende bis nervige Stimme, Melodie plätschert eher vor sich hin. Zu allem Überfluss haben wir schon bei Madame Monsieur gesehen, dass das Thema Migration – wie „Problemsongs“ allgemein – nicht gerade ein Punktemagnet ist.

      • Du mobbst mich sowieso immer die ganze Zeit, darum weine ich ja nur noch. Ich denke, wenn ich nur kläglich genug jammere, findest Du mich dann so toll wie den Schweizer Song.

  17. Der Beitrag ist sicherlich weder mutig noch innovativ, das kann man ihm sicherlich ankreiden. Dennoch: für mich ein absolutes Meisterwerk, das im Gegensatz zu den zusammengepfuschten internationalen Kompositionen der Konkurrenz vor allem eins hat: Authentizität. Gjon hat mitgeschrieben und erzählt eine Geschichte von sich, in dem Alter durchaus auch passend.
    Modernes und berührendes, aber unaufdringliches Arrangement, das genau das tut, was es soll: Stimmung erzeugen, ohne abzulenken oder zu überdecken und die Wirkung der Stimme verstärken. Da glänzt Gjon ohnehin, das ist typisch albanisches Drama, auch mit der Stimme überzeugend vermittelt.
    Den Text kann man als einfach kritisieren, aber ich finde im Kontext des Gesamtwerks passt er sehr gut.

    Der Beitrag gibt mir alles, was ich toll finde: Stimmgewaltiges Drama von albanischem Schnuffel mit einer großen Portion Authentizität.

    Auch wenn ich Georgien innovativer finde, in der Gesamtschau wäre die Schweiz dieses Jahr meine klare Nummer 1 gewesen (vor Georgien, danach wäre eine Weile nichts mehr gekommen). Hätte man live auch sehr gut inszenieren können, zum Finale hin wäre für mich eine Marija-Serifovic-Gedächtnischoreographie durchaus im Bereich des Vorstellbaren gewesen. Wo ich gerade davon schreibe: man könnte auch sagen, dass Répondez-moi für mich das Molitva von 2020 gewesen wäre und sich damit – sofern es gewonnen hätte – ganz oben bei den für mich besten Gewinnern aller Zeiten eingereiht hätte. Ob es gewonnen hätte? Das ist schwer zu sagen, da es viele jury-freundliche Beiträge gegeben hätte, was sicherlich Punkte gekostet hätte. Ich glaube aber, dass es anders als Bulgarien oder Belgien z.B. sehr Televoting-freundlich wäre, in dem Bereich aber durchaus auch Konkurrenz von den völlig überbewerteten Beiträgen aus Litauen und Island gehabt hätte.

    Die Messlatte für 2021 liegt jedenfalls sehr hoch und ich bezweifle, dass Gjon gleich noch mal so ein Meisterwerk gelingt. Babi finde ich im Vergleich z.B. deutlich schlechter und ziemlich chaotisch.

    • @Kontrapunkt „Den Text kann man als einfach kritisieren, aber ich finde im Kontext des Gesamtwerks passt er sehr gut.“
      Finde das ebenso. Lyrics sind ja meine Achillesferse, quasi Achillesverse 🙂 Wenn man existenzielle Fragen stellt wie in „Répondez-moi“, ist eine sehr einfache Sprache durchaus angemessen und m. E. stimmiger. Die Fragen sind bereits groß genug, die muss man mit Worten nicht weiter aufblasen.
      Bei der Marija-Serifovic-Choreo muss ich aber widersprechen, das hätte Gjon alleine stemmen müssen. Und bloß keine Lockenwickler 😀

  18. Ist etwas zwar in meinem Ansehen gestiegen, aber den emotionalen Burner, den hier viele fühlen, sehe ich nicht. Oberes Drittel am Ende wäre es aber wohl gewesen.

  19. Dafür, dass es bei den Fans eigentlich zu Beginn nicht sehr euphorisch aufgenommen wurde, war der Aufstieg in den Wettquoten beachtlich. Ein Zeichen dafür, dass der Song doch eine gewisse Breitenwirksamkeit hat. Ich glaube, mit einem gefühlvollen Staging wäre die Schweiz mindestens genauso gut wie im Vorjahr gelandet.

  20. Ich gehöre zu den Leuten hier mit Herz. Das Lied ist einfach wunderschön. Douze Points gibt „Répondez-moi“ 2 Punkte, aber der estnische Beitrag bekommt 10? 🙈

    • @Dina

      Ich will Douze Points jetzt nichts vorwerfen, aber manchmal habe ich das Gefühl dass bei ihm das Aussehen des Sängers eine etwas zu große Rolle spielt.

      • @manu

        Ne, tue ich nicht. Für mich ist die Optik des Interpreten völlig nebensächlich, man kann auch 150 Kilo wiegen, solange mir der Song gefällt ist alles in Ordnung.

        Bei Douze Points habe ich nur manchmal das Gefühl dass er einen Song durchaus besser bewertet wenn der (männliche) Interpretet einigermaßen „attraktiv“ in seinen Augen ist, wobei das eh ein seeehr dehnbarer Begriff ist.

    • Genau, wir beide – und dann vielleicht noch Matty – sind hier doch die Haupt-Herz-Menschen!

  21. Zum Auswahlverfahren möchte ich mich @Nils‘ Kommentar von weiter oben anschließen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass SRF einen völlig anderen aber dennoch ähnlich aussichtsreichen Beitrag wie letztes Jahr schickt. „Répondez-moi“ zeigt auch, dass Songwriting-Camps vielleicht doch nicht so schlimm sind, wie sie manchmal dargestellt werden.

    Ich musste mit dem Song erst warm werden, aber mittlerweile gefällt er mir ganz gut. So eindringlich wie Arcade ist er zwar nicht, aber das gefühlvoll-persönliche nehme ich Gjon absolut ab. Bei den Jurys hätte die Schweiz total eingeschlagen, aber fürs Televoting ist das ganze vielleicht doch ein bisschen zu sperrig. Dazu kommt das Warmwerden, das offenbar viele brauchen, sodass ich nicht an einen möglichen Sieg glaube. Ein Ergebnis im Bereich von Luca Hänni wäre aber absolut möglich gewesen.

    Platz 10 von 41

  22. Gjons Lied wäre in Rotterdam ganz bestimmt in die Too 5 gekommen. Er schafft damit eine ganz besondere Atmosphäre, die einem sehr berührt. Allerdings gibt’s bei mir für die ganz hohen Töne Punktabzug, das wiederum ist einfach nicht mein Ding. 8 Punkte

  23. Ich bin mir auch ganz sicher, dass gjon ein sicherer top-5 kandidat gewesen wäre. Vor allem die jury hätte ihn top bewertet.
    Ich finde „répondez-moi“wahnsinnig berührend und gjon hätte in rd für salvador-vibes hoch2 gesorgt.
    2. Punkte von d.p.? Wo er doch mit tom leeb durchaus geschmack bewiesen hat. Da scheint doch nicht der song prioritär gewesen zu sein😊

    • Hm. Und ich bin dann einer dritten Meinung. Ich mag den Typus Leeb nicht und den Song ebensowenig 😅
      Rainers Comment hatte ich schon vermisst, wo er doch seit Songveröffemtlichung praktisch einmal täglich „Gjon“ gesagt hat 😉👍🇨🇭

  24. Na ja,die drei Minuten hätte ich im Mai auch schon irgendwie überstanden. Bei den Jurys hätte er schon gut abgeschnitten,aber haushoch gewonnen hätte er dort sicher nicht.Dafür wäre noch genügend anderes Juryfutter im Spiel gewesen (Italien,Malta etc.)Vielleicht so in den Top 6-7.Kann mir aber nicht vorstellen,das es Publikum weit gekommen wäre.da brauch es schon etwas mehr an Charisma und positiver Ausstrahlung.Hab bei ihn immer das Gefühl,als hätte er eben in ein Sack Zitronen reingebissen.Und für den Song ist auch nicht jeder zu haben,der polarisiert schon etwas.Denke mal,wäre so um Platz 10 herum gelandet.

    Herzliche Grüße

  25. Jau, finde den Song ebenfalls ziemlich gut. Mein Favorit ist es aber nicht. Ich höre den Song sehr gerne, besonders der zweite Teil ist toll gemacht, aber gegen Ende hin sind mir das ein bis zwei stimmliche Höhenflüge zu viel und Gjon streift knapp an Nervigkeit vorbei. Bei hohen männlichen Tönen akzeptiere ich nur Krassimir Avramov (BG 09)! 😉 Ansonsten ist das aber eine wirklich tolle Nummer. Ob es jetzt gewonnen hätte oder „nur“ Top 5 erreicht hätte, ist mir eigentlich relativ schnuppe. Andererseits, gerade nach 2015 und 2019 hätte die Schweiz einen dritten Sieg schon verdient. Vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren…?

    Prognose: Halbfinale 1/18 (90%), Finale Top 5
    Meinung: Platz 16/41 (7 Punkte) – ein Herz besitze ich dennoch nicht. Wobei die Diskussion eh total sinnlos…naja, sei’s drum.

    • Kann es sein, dass du meine Herz-Bemerkung etwas zu ernst genommen hast? Naja, das ist ja wohl kaum meine Schuld. Das war ja ganz offensichtlich überspitzt. Ich werde Ironie demnächst extra für dich kennzeichnen.

      • Musst Du nicht, keine Sorge. Ich war zumindest so naiv zu glauben, dass nicht alle Deine Kommentare völlig aus der Luft gegriffen sind. Mea Culpa! 😉

      • @Cali:
        Es gibt aber auch noch einen Unterschied zwischen Ironie und „völlig aus der Luft gegriffen“.

        Ich hätte auch sagen können „Wer Brisääään mag, foltert auch kleine Katzenbabys.“ Damit hab ich ausgesagt, dass ich (ich persönlich, rein subjektiv) Brisääään vollkommen scheiße finde und das gepaart mit der mir ureigenen sympathischen Art, wegen der mich alle so lieben.

        Sorry, aber natürlich haben auch Leute Herz, die Gjons Song nicht mögen. Geschmäcker sind verschieden und das ist total okay für mich. 🙂

  26. Gesang: Kopfstimme, eine Oktave niedriger tut es auch ++ Wie Wasser ++ Zwei Oktaven niedriger, bitte ++ Wirkt unsicher
    Melodie: Klassische Ballade ++ An einer Ballade vorbei ++ Stark ++ Einfach und eindrucksvoll
    Gesamt: Fast nervend ++ Doch stark ++ Anfällig für Fehler beim Auftritt ++ Melodie schreit um eine normale Tonhöhe
    Chancen: Finale, Gewinner ++ Finale ++ Gut ++ Gehört ins Finale
    Optik: Ganz in Ordnung ++ Interessant ++ Etwas mehr Haut zeigen ++ Darf auch in Joey-Springer-Unterwäsche singen

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