
Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien war mein erster ESC vor Ort und damit natürlich auch mein erstes Mal in den heiligen ESC-Hallen. In diesem Fall war das die Wiener Stadthalle und damit war ich nicht nur Teil der größten Musikshow der Welt, sondern auch dem Vorprogramm, den Einheizern, den Energizern des ORF ausgeliefert. „Ausgeliefert“ ist hier bewusst negativ konnotiert.
Bei TV-Shows wie dem ESC (und auch anderen Formaten) gibt es ein Vorprogramm, damit das Publikum bereits aufmerksam, gut gelaunt und voller Energie ist. Gleichzeitig soll Wartezeit überbrückt werden. Gerade die Menschen mit Stehtickets (dazu zählte ich) wollten ja gute Plätze und waren dementsprechend früh in der Halle. Außerdem wird dem Publikum erklärt, wann es klatschen, jubeln oder still sein soll. (Eigentlich ging es aber mehr ums Jubeln.)
Für diese wichtige Aufgabe hatte man Christian Oberfuchshuber, Sylvia Graf und dem DJ-Duo Justfränds zugesagt.
Die Erfahrung begann für mich beim zweiten Semi, der Liveshow. Das DJ-Duo hatte wenig ESC-Bezug und spielte quasi das Daily Business von mediocren deutschen Radiosendern. Normale Pop-Musik. Nur ABBA-Songs (auch nicht „Waterloo“) waren der magere Versuch, einen ESC-Bezug zu schaffen. Wieso das, fragt man sich? Es gibt ja durchaus genügend ESC-DJs (zum Beispiel in den Reihen von ESC kompakt) und um ehrlich zu sein: Vielleicht hätte drei Stunden vor der Liveshow auch eine Playlist gereicht. Ich biete meine ESC-Playlist für Burgas gerne an. Die macht mehr Stimmung als das DJ-Duo Justfränds. Aber okay, war das alles trotzdem, nur halt wenig ESC.
Dann öffneten sich meine persönlichen Höllentore, denn leider habe ich eine niedrige Fremdschamgrenze und die wird überschritten, wenn Menschen eine Menge anheizen müssen.
Diesen Job hatten Christian Oberfuchshuber und Sylvia Graf und ich muss meinen Hut ziehen: Ich würde mich das nicht trauen und wäre da nicht so gut drin (mache es aber auch nicht). Dabei ist insbesondere Christian da richtig Profi, denn Christian Oberfuchshuber ist laut Internetrecherche einer der bekanntesten Warm-Upper Deutschlands. Meine Recherche zeigt ihn beim ZDF-Fernsehgarten. Ich denke, das haut hin.
Sylvia Graf ist eine österreichische Radiomoderatorin und stand dem Fernsehgarten-Anheizer zur Seite. Oder er ihr? Jedenfalls haben beide echt ihr Bestes versucht. Aber wir wollten ja halt echt nur das zweite Semi sehen und mussten stattdessen „Volare“ in Dauerschleife singen (in den ersten fünf Minuten gut, dann wurde es zäh).
Und dann war da noch die Kiss Cam.
Ist das die Amerikanisierung des Eurovision Song Contests? Jedenfalls ging diese Kiss Cam zu lange. Ich wollte „Bangeranga“ sehen und nicht unangenehme Küsse von diversen Zuschauenden.
Diese Kiss Cam war beim ESC völlig deplatziert. Ist sie eigentlich überall, das sagt nur niemand.
Das zweite Semi als Live-TV-Show war für mich trotzdem eine supertolle Erfahrung und die Stimmung in der Halle gut. Insofern haben Christian Oberfuchshuber, Sylvia Graf und das DJ-Duo Justfränds wahrscheinlich einen guten Job gemacht.
Nun aber zum Kernproblem und zu meiner Verteidigung: Ich musste das zweimal sehen (aber wie geht es denen, die es noch öfter sehen mussten??). Beim Finale habe ich die Vormittagsprobe sehen dürfen und auch dort wurde das EXAKT GLEICHE Programm abgezogen. Ergibt vor der Liveshow vielleicht Sinn, aber halt nicht bei der Juryshow/Probe.
Nachdem ich das Vorprogramm nun also überstanden habe und nicht mehr Schnappatmung kriege, wenn ich daran denke, meine Tipps an Buragas: Warm-up mit ESC-Bezug und ESC-Musik, keine Kiss Cam, wirklich gar keine Kiss Cam, singen ja, aber mehr Songs als „Volare“.
Denn: Was ESC-Fans so richtig in Stimmung bekommt, ist der ESC. Wir sind da ganz genügsam!
Hast Du auch das Vorprogramm bei einer der ESC-Shows in Wien erlebt? Wie haben Dir die Warm-Upper gefallen und was würdest Du den Machern des ESC in Burgas empfehlen? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:
- (1) Die schönsten Wien-Bilder der Blogger*innen
- (2) Mein erster Eurovision Song Contest vor Ort
- (3) Wie war Wien als Gastgeberstadt 2026?
- (4) Das „Eurovision at 70“-All-Star-Medley beim ESC 2026 in Wien – ein neuer Klassiker
- (5) ESC 2026 in Wien: All My Life for a Night Like
- (6) Tagebuch ESC 2026: Mini-Storys aus meiner Zeit in Wien
- (7) Bevor wir heimgehen … Sechs Nächte im Euroclub
- (8) Zero points – Wie nah dran Sarah Engels, Essyla und UK an Televotingpunkten waren
- (9) Machen die neuen Jury-Regeln das ESC-Endergebnis unvorhersehbar?
- (10) Zu viel Drama, zu wenig Bangaranga? Warum die Favoriten 2026 scheiterten
- (11) So haben sich Juryvoting und Televoting beim ESC 2026 unterschieden
- (12) Eigentlich nur ESC – Ein Reisebericht zu meinem ersten ESC vor Ort
- (13) Deutschlands erstes ESC-Jahr unter Federführung des SWR – Die ultimative Bilanz
- (14) Absturz beim ESC 2026: Was ist mit Schweden passiert? Und wie geht es weiter?
- (15) Nicht im Finale, aber längst in unseren Herzen
- (16) Wie eine Inszenierung einen Song verändern kann – Die Magie hinter dem Staging von „Bangaranga“
- (17) Sarah Engels im Wonderland: In die ESC-Bubble gekommen, um zu bleiben?
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- (19) All aboard – Die Eurofan Cruises auf der Donau
- (20) Die Bedeutung von Fanblogs für den ESC – die Diskussion, die niemand hören und sehen wollte
- (21) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Wettbewerbssongs aus diesem Jahr
- (22) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Vorentscheidssongs aus diesem Jahr
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- (36) Nach dem ESC-2026-Ergebnis: Ist eine weitere Anpassung der Voting-Regeln notwendig?
- (37) Michelle und Sarah Engels: Meine ESC-Berlin-Weekender mit Benny und „Tanzschein“
Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:
- Bye Bye Basel: Unser Rückblick auf den ESC 2025
- Malmö Memories: Unser Rückblick auf den ESC 2024
- Leaving Liverpool: Unser Rückblick auf den ESC 2023
- Torniamo a Torino: Unser Rückblick auf den ESC 2022
- Replay Rotterdam: Unser Rückblick auf den ESC 2021
- Talking Tel Aviv: Unser Rückblick auf den ESC 2019
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** Grins ** Lach **
Gute Laune Artikel.
Danke für den Bericht und ich bin einmal gespannt, welche(r) Blogger(in) den 40. Artikel zur ESC-Nachlese verfassen darf!
Auf die nächsten 100 Beiträge
,,Was ESC-Fans wirklich in Stimmung bringt? Der ESC.“
Naja, dem wiederspreche ich. Mich bringen nämlich auch der Fußball und das Tänzelfest in Stimmung. Man sollte also nie alle über einen Kamm scheren. Und Apropos Fußball. Am morgigen Freitag startet endlich die Google Pixel Frauen Bundesliga. Und das Eröffnungsspiel zwischen Union Berlin und dem amtierenden Doublesieger FC Bayern um 18:20 Uhr wird u.a. im ZDF übertragen. Und um 18 Uhr beginnt die Vorberichterstattung. Und gespielt wird im großen Stadion an der Alten Försterei, wie alle Heimspiele von Union Berlin. Und die Kulisse und die Stimmung werden mit Sicherheit wieder spektakulär. Was will man aber auch, von den mit Abstand besten Fans in Deutschland, erwarten?
Und für meine TSG Hoffenheim wird es ein hoffentlich tolles Wochenende. Am kommenden Samstag um 15:30 Uhr spielen nämlich die Männer im DFB Pokal Auswärts gegen Erzgebirge Aue. Und am kommenden Sonntag steht dann in der großen SNP Arena (ja hat einen neuen Namen) die große Saisoneröffnung von meiner TSG Hoffenheim an. Die Männer werden eine Autogrammstunde geben. Und die Frauen werden im Zuge des 1. Spieltags der Google Pixel Frauen Bundesliga um 14 Uhr im Baden-Derby gegen den Aufsteiger VFB Stuttgart spielen, die in der Sommerpause richtig aufgerüstet haben. Es ist erst das dritte Mal, dass die Frauen von meiner TSG Hoffenheim im großen Stadion spielen dürfen. Normalerweise spielen sie nämlich im kleineren Dietmar Hopp Stadion.
Und ich habe übrigens sowohl ein Sky Abo als auch ein Magenta Sport Abo. Kann mir also alle Spiele der Männer und Frauen von meiner TSG Hoffenheim anschauen, die dort übertragen werden.
Aber nicht jeder ESC-Fan ist auch Fußball- und Tänzelfestfest. Aber alle ESC-Fans sind ESC-Fans. Der ESC ist also der kleinste gemeinsame Nenner. 😉
Das ist kein Fußball Blog hier!
Ich finde Kiss Cams schön.
Ach ja, das kann ich nachvollziehen. Bei sowas bin ich auch irgendwo zwischen Fremdscham und Tobanfall.