ESC-Songcheck kompakt (39) – Spanien: „Voy a quedarme“ von Blas Cantó

Bild: Steven Bernhard

Nachdem der ESC 2020 aufgrund der Pandemie abgesagt wurde, nominierte Spanien den Repräsentanten Blas Cantó noch einmal, um in diesem Jahr beim Wettbewerb anzutreten. Der Sänger nahm sofort an und begann an Liedern zu arbeiten, die er der spanischen Rundfunkanstalt RTVE präsentierte. Am Ende schafften es zwei Titel in den Mini-Vorentscheid „Destino Eurovisión“, bei dem letzten Endes „Voy a quedarme“ durch das Online- und Televoting als Spaniens Lied für Rotterdam ausgewählt wurde.

Der aus Murcia stammende Blas Cantó wurde den spanischen Fernsehzuschauern im Jahre 2004 bekannt, als er beim Vorentscheid für den JESC 2004 mitmachte und dort an der späteren JESC-Siegerin Maria Isabel scheiterte. Er blieb der Musik aber treu und feierte als Teenie erste musikalische Erfolge mit der spanischen Boyband Auryn, mit der er 2011 am spanischen Vorentscheid teilnahm und Zweiter wurde. Als es nach Auryn still um Blas Cantó wurde, nahm er an der beliebten Sendung „Tu cara me suena“ (Dein Gesicht kommt mir bekannt vor) teil, in der Prominente einander imitieren. Ehemalige ESC-Teilnehmer wie Rosa (2002), Ruth Lorenzo (2014) oder Edurne (2015) haben an dieser Unterhaltungsshow bereits mitgewirkt, die schon immer als „ESC-friendly“ galt. Blas Cantó gewann seine Staffel und veröffentlichte im Herbst 2018 das Album „Complicado“, das Platz 1 der Charts in Spanien erreichte. Bekanntermaßen folgten im Jahr 2020 und 2021 seine Kandidaturen für den ESC und einige Single-Veröffentlichungen.

Der Song

„Voy a quedarme“ bedeutet dem Sänger aus der Region Murcia viel. Er schrieb den Song nach eigenen Angaben in der schwierigsten Zeit seines Lebens, als sein Vater im vergangenen Mai an Krebs verstarb. Ende 2020 sollte dann zudem auch noch seine Oma an den Folgen des Coronavirus sterben. Der Song handelt von der bedingungslosen Liebe zu einem geliebten Menschen.

Die Mid-Tempo-Ballade wurde von Blas Cantó selbst geschrieben und er bekam bei der Produktion Hilfe von Léroy Sánchez, Daniel Ortega und Dan Hammond. Das ist auch das Team, mit dem Blas bereits andere Lieder für sein kommendes Album produziert hat. Nach Angaben das spanischen Fernsehens sei man froh, dass der Siegersong aus Blas‘ Feder stammt. Es habe laut RTVE auch viele Einsendungen von internationalen Teams gegeben, die sich jedoch keiner öffentlichen Vorentscheidung stellen wollten.

Spanien kehrt mit der Ballade „Voy a quedarme“ zu dem Musikstil zurück, mit dem das Land in den vergangenen Jahren, mit Ausnahme von 2017, Erfolge feiern konnte. Allen voran gelang den Spaniern im Jahr 2012 und 2014 jeweils mit einer Ballade der zehnte Platz.

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Spanien, ein weiteres Problemkind in der Big-5-Familie und dieses Jahr für mich eindeutig ganz hinten im Vergleich der für das Finale gesetzten Songs. „Voy a quedarme“ tut nicht weh, erreicht mich aber auch überhaupt nicht. Blas Cantó ist kein schlechter Künstler, soll aber für den ESC offenbar wie viele seiner Vorgänger von RTVE in ein Korsett gequetscht werden, das ihm überhaupt nicht passt und zudem noch für den ESC ungeeignet ist. Huch, ich schreibe mich in Rage, dabei finde ich das Lied – wie gesagt – gar nicht so schlecht, aber die spanische ESC-Performance als Ganzes ist in den vergangenen Jahren eher ärgerlich. 5 Punkte.

Berenike: Eigentlich ist „Voy a quedarme“ von vorne bis hinten nach dem Schema „Spanische Einheits-ESC-Ballade“ gestrickt. Seltsamerweise langweilt mich der Beitrag trotzdem nicht und gefällt mir sogar recht gut. Meiner Ansicht nach gewinnt der Song sehr viel durch den Klang des Spanischen und baut sich schön bis zum großen Finale mit Streicherexplosion und Falsettgeschrei auf. Jedoch: „Voy a quedarme“ koppelt genau an Rezeptoren, über die ich auch „Perfect Life“ mochte, und das ist kein gutes Zeichen… 7 Punkte.

Douze Points: Bei Blas Cantó bin ich voreingenommen. Ich finde seine spezielle Stimmfarbe in manchen Songs ganz großartig und mit seinen Gesangsfertigkeiten hat er schon den Boybandhits von Auryn eine individuelle Note gegeben. Bei „Voy a quedarme“ geht das aber nicht auf. Dabei finde ich die Komposition als dramatische Ballade gar nicht schlecht, hätte sie dann aber doch eher bei einer stimmgewaltigen Frau gesehen. Nichtsdestotrotz habe ich mir den Titel aus diversen Gründen viel zu schön gehört. 10 Punkte.

Florian: „Voy a quedarme“ ist eine sehr berechenbare und kalkulierte Ballade, die mich nur geringfügig erreicht. Da hat auch der Auftritt im Nebel und Lichtschein in der spanischen Vorentscheidung wenig dran geändert. Ich wünsche Spanien natürlich mal wieder ein besseres Ergebnis im Finale, aber ob das mit dieser Ballade klappen wird… ich lasse mich überraschen. 4 Punkte.

Manu: Ich hab ein kleines Problem mit Blas Cantó als Person, bzw. seiner Ausstrahlung auf mich. Das macht es mir schwer, seine Lieder objektiv zu betrachten. „Universo“ empfand ich als Lied im letzten Jahr äußerst schwach und nichtssagend, hatte aber Hoffnung, dass das Jahr gut genutzt wurde und er mindestens ein Lied präsentiert, das mich erreicht. Sowas wie „Él no soy yo“ beispielsweise. Stattdessen eine angekündigte Uptemponummer, die sich als glattproduzierter Midtempo entpuppt und eine x-beliebige Ballade mit unangenehmer Stimmakrobatik am Ende. Es tut mir leid, mich erreicht das nicht, aber es war zumindest beim Liveauftritt ganz nett inszeniert. Mit Österreich zusammen mein viertletzter Platz. 2 Punkte.

Max:  Hach ja, die Heimat, die nie dazulernt. Mir gefällt „Voy a Quedarme“ besser als „Universo“, aber das war’s auch schon. Ich bin der Überzeugung, dass man viel mehr aus der Nummer hätte rausholen können. Ich war noch nie wirklich ein Fan von Blas und seiner Stimme und auch das spiegelt sich hier wieder. Trotzdem gefallen mir hier vor allem die Strophen und der Text. Spanien kann auch in diesem Jahr wieder für jeden Punkt dankbar sein. Für 6 Punkte von mir hat es dann doch gereicht.

Peter: Den zweiten Angang von Blas Cantó habe ich tatsächlich durch das Reaction Video von Eurovision.de neu entdeckt. Mich hat die Story hinter dem Song ergriffen und die emotionale Reaktion von Vanity Trash hat mich auch den bis dahin als beliebig bis schmalzig wahrgenommenen Song neu hören lassen. Stimme und Sprache tun ein Übrigens, ich höre und erlebe die eingängige Powerballade jetzt in bester Tradition von „Quédate Conmigo“. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 46/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Voy a quedarme“ auf Platz 38 von 39.

Wie schneidet der spanische Beitrag "Voy a quedarme" von Blas Cantó ab?

  • Platz 21-26 (67%, 227 Votes)
  • Platz 16-20 (21%, 71 Votes)
  • Platz 11-15 (9%, 29 Votes)
  • Top 5 (1%, 5 Votes)
  • Platz 6-10 (1%, 5 Votes)

Total Voters: 337

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen
(15) Ukraine: „SHUM“ von Go_A
(16) Zypern: „El Diablo“ von Elena Tsagrinou

Zwischenstand nach dem ersten Halbfinale

Erste Hälfte des zweiten Semis

(17) Estland: „The Lucky One“ von Uku Suviste
(18) Griechenland: „Last Dance“ von Stefania
(19) Island: „10 Years“ von Daði og Gagnamagnið
(20) Moldau: „Sugar“ von Natalia Gordienko
(21) Österreich: „Amen“ von Vincent Bueno
(22) Polen: „The Ride“ von RAFAŁ
(23) San Marino: „Adrenalina“ von Senhit
(24) Serbien: „Loco Loco“ von Hurricane
(25) Tschechien: „Omaga“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(26) Albanien: „Karma“ von Anxhela Peristeri
(27) Bulgarien: „growing up is getting old“ von VICTORIA
(28) Dänemark: „Øve os på hinanden“ von Fyr & Flamme
(29) Finnland: „Dark Side“ von Blind Channel
(30) Georgien: „You“ von Tornike Kipiani
(31) Lettland: „The Moon Is Rising“ von Samanta Tīna
(32) Portugal: „Love Is On My Side“ von The Black Mamba
(33) Schweiz: „Tout l’univers“ von Gjon’s Tears

Zwischenstand nach dem zweiten Halbfinale

Finale

(34) Deutschland: „I Don’t Feel Hate“ von Jendrik
(35) Frankreich: „Voilà“ von Barbara Pravi
(36) Großbritannien: „Embers“ von James Newman
(37) Italien: „Zitti e buoni“ von Måneskin
(38) Niederlande: „Birth Of A New Age“ von Jeangu Macrooy


179 Kommentare

  1. ach ja fast vergessen,die dröge nummer aus spanien – auch ein kandidat für den letzten platz – ich glaube,daß platz 21-26 hier öfter die topbewertung war,als da überhaupt plätze frei sind. 😀

    • fast vergessen – jeder hier hat sicher seinen allzeitfavoriten – ich auch aber nicht zu allen ländern z.b. jugoslawien. 😀
      bei spanien ist es aber einfach – am anfang der 70iger gab es eine gruppe,die knapp geschlagen wurden – das gefiel mir gut.
      am besten aber immer noch spanien 1990 – hier mal komplett mit der legendären panne und einem messi double 😀 an der gitarre.

  2. ESC ist eh nur Mist. Seit die Balkanländer und die rusischenfederatin Länder mitmachen ist eh eine politische Sache geworden bei der Punkte Vergabe. Montenegro 12 Pkt zu Kroatien, umgekehrt genauso, Litauen 12 Pkt zu Mathias umgekehrt genauso, und wie komisch das Zypern immer immer 12 Pkt zu Griechenland gibt,ist doch klar sind die einzigen Länder die seine Sprache verstehen, was auch komisch ist das Denmark,Schweden,Island,Finnland immer die besten Punkte unter sich verteilen, noch ein Problem von ESC
    Wieso singen manche Länder nicht in seine Mutter Sprache,wieso auf englisch, damit haben die Länder die auf englisch singen mehr Chancen weil es jeder oder fast jeder versteht,aber die in seine Mutter Sprache singen ein Nachteil.gucken wir uns mal an ESC 2012 den spanischen Beitrag die hatte die weitaus beste Stimme eine Bomben stimme, und macht den 10 platz nur, deswegen für mich ESC mist mist mist. Nähmlich bei der schöne schwedische oder isländische sprachen (ironisch gemeint) hätten die nie eine chance. Könnt ihr euch noch erinnern wo Pip pip gildo hat euch lieb fast gewonnen hätte?? So ein Quatsch sendung

    • Dir ist schon klar, dass das alles ziemlicher Unsinn ist, oder?

      Und Isländisch ist phonetisch betrachtet eine meiner Lieblingssprachen. 🙂

    • Das ist der Knaller-Kommentar des Monats.😃😃😃

      Es wird ja niemand gezwungen, diesen „Mist“ sich anzuschauen. Mir scheint, Du befaßt Dich ansonsten eher weniger mit dem ESC… sei’s drum. Ziemlich unreflektiert das Ganze.😉

    • Ganz blöde Frage: Warum schaust Du es dann und nimmst Dir auch noch die Zeit für einen solchen Kommentar?

      Gerade, wenn man sich die Ergebnisse der letzten zehn Jahre anschaut, sieht man, dass das nicht so ganz stimmt. Gute Songs werden immer erkannt.

      • Ich frage mich vor allem, wer dieser Matthias ist, der von Litauen immer 12 Punkte bekommt? Dieser Matthias scheint ja voll gut zu sein.

    • Hallo Luis, ich glaube du machst dir das alles zu einfach. Ja stimmt die Punkteverteilung untereinander gibt es das gefällt vielen nicht aber das macht am Ende nicht viel aus. Wer gewinnen will muss von überall Punkte bekommen. Ja in englisch sind die Chancen größer zu gewinnen aber es haben auch Künstler in ihren Landessprachen gewonnen wie zum Beispiel Salvador Sobral 2017.
      Und nur weil dein Lieblingsbeitrag 2012 nicht gewonnen hat ist der ESC komplett Mist? Das ist doch etwas albern. Für mich ist ja die Bundesliga auch nicht Mist nur weil Schalke noch nicht Meister geworden ist. Musik ist immer auch Geschmacksache und da ist es schwer den Geschmack von vielen Europäern und Australiern zutreffen und in Erster Linie freue ich mich über die Vielfalt der Lieder die es immer wieder gibt. Lg Thilo

      • Oh je, bist Du Schalker Fan, Thilo? Da mußtest Du ja einiges aushalten in letzter Zeit…
        Aber bei Mainz war das auch eine Berg- und Talfahrt.😉

        Ups, schon wieder Off Topic, sorry. Manchmal komme ich schon mal ins Plaudern.😃

      • Schalke? Mein Beileid, Thilo. 😉 Leider macht es mein VfL ja auch noch mal spannend …

  3. Einiges. was der spanische Kollege hier geschrieben hat, teile ich durchaus mit ihm. Allerdings hätte ich es anders formuliert.

    Auch mein Fansein wurde schon oft auf eine harte Probe gestellt (Tiefpunkt beispielsweise war 2016). Aber dann gab es immer wieder für mich auch Hoffnungsschimmer….

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