ESC-Songcheck kompakt (37) – Frankreich: „Mon alliée (The Best In Me)“ von Tom Leeb

Am 14. Januar gab das französische Fernsehen France 2 bekannt, dass Tom Leeb intern ausgewählt worden war, um das Land beim Eurovision Song Contest 2020 zu vertreten. Damit wurde das für zwei Jahre praktizierte Vorentscheidungsformat Destination Eurovision ad acta gelegt. Die erste Fassung von Toms ESC-Beitrags wurde am 16. Februar veröffentlicht.

Tom Leeb ist Sohn des Comedians Michel Leeb und selbst ein Multitaltent, das sich als Sänger, Schauspieler und Komiker betätigt. Im Jahr 2019 veröffentlichte er sein Album „Recollection“ unter dem Label Roy Music. Eine Version von Toms Single „Are We Too Late“ wurde bereits über 25 Millionen Mal auf YouTube angesehen.

Toms musikalische Inspiration sind andere männliche Singer-Songwriter wie Ben Howard, Matt Corby Bon Iver und John Mayer. Er hat auch als Vorgruppe für internationale Stars wie Sting und Tom Jones gespielt.

Tom verbrachte fünf Jahre in New York und studierte dort Theater, Kino und Gesang. Seitdem trat er in einer Theateradaption von Mrs. Doubtfire auf und spielte in französischen TV-Shows und Filmen an der Seite von etablierten Stars wie Jean Reno. Er tritt auch als Teil eines Komikerduos mit seinem Komiker-Kollegen Kevin Levy auf. Als Kevin & Tom verfügen die beiden über einen beliebten YouTube-Kanal, der Sketche und Lieder enthält.

Der Song 

Bei der ersten Version von „The Best In Me“ handelt es sich um eine sehr klassische ESC-Ballade, die so überhaupt nicht zum bisherigen Schaffen von Tom zu passen scheint. Geschrieben wurde der Song von einem bekannten schwedischen Songwriter-Team. So waren die „Euphoria“-Komponisten (um nur einen von vielen ESC-Beiträgen der beiden zu nennen) Thomas G:son und Peter Boström ebenso involviert wie der letztjährige schwedische ESC-Teilnehmer John Lundvik. „The Best In Me“ bestand in der ersten Fassung aus französischsprachigen Strophen und einem englischsprachigen Refrain. Der französische Text stammte von Tom selbst, Ex-ESC-Teilnehmer Amir und Léa Ivanne.

Die Reaktionen auf „The Best In Me“ fielen – diplomatisch ausgedrückt – zurückhaltend aus. Sowohl die Komposition selbst als auch der Mix aus Französisch und English wurden kaum goutiert. Allerdings gab es auch Stimmen, die die Eiffelturm-Fassung des Songs als „gnadenlos unterschätzt“ einordneten.

Mitte März zeichnete sich dann ab, dass es einen Revamp von „The Best In Me“ geben könnte. Dieser folgte dann auch am 3. April: mehr französischer Text, weniger schmalzig instrumentiert und vor allem kein Eiffelturm. Auch der Titel wurde frankophoniert: „Mon Alliée (The Best In Me)“. Ob diese neue Version ein besseres Abschneiden beim ESC gesichert hätte – wir werden es nie wissen.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 3,5/5 Punkte
Instant-Appeal: 3/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Tom Leeb macht eigentlich gute Musik und es ist mir unerklärlich, wie er sich diesen wirklich furchtbaren Schmachtfetzen aufschwatzen lassen konnte. ESC-Stangenware par excellence. Am Ende gefällt mir die Ursprungsversion, die wenigstens voll auf diese Karte setzt, noch besser als die neue „Nicht-Fisch-nicht-Fleich“-Version. Besonders ärgerlich, dass dafür die tolle französische Vorentscheidung der letzten beiden Jahre gekippt wurde. 2 Punkte.

Berenike: Ich will es aufgrund des schrecklich platten Textes und der unangenehmen schmalzig-boybandartigen Machweise eigentlich hassen. Aber die Melodie finde ich dann doch wieder ganz schön und habe sie auch immer wieder unwillkürlich als Ohrwurm im Kopf. In mir kommt beim Anhören immer ein Mix aus Aversion und einem „so schlecht ist es eigentlich gar nicht“-Gefühl auf. 3 Punkte.

Douze Points: Zugegeben, es hat zwei Tage gedauert, bis ich erkannt habe, was für ein phantastisches Meisterwerk das ist. Da ist es mir auch völlig egal, wenn ich mit der Meinung allein dastehe. Hier wirkt die leicht heisere Stimme von Tom auch nicht künstlerisch-intellektuell aufgesetzt, sondern fügt sich in diese klassische, sofort erschließbare (im positiven Sinne simple) Komposition und Instrumentierung ein. Da braucht’s den Eiffelturm eigentlich gar nicht mehr. 12 Punkte.

Florian: Frankreich macht es mir in diesem Jahr sehr schwer. Meine Erwartungen an Tom Leeb waren durchaus nicht unter ferner liefen, „The Best In Me“ hat mich allerdings deutlich enttäuscht. Nach den wirklich kreativen und besonderen Beiträgen der letzten Jahre kann dieser Song überhaupt nicht an die Qualität der französischen ESC-Beiträge unter France 2 anknüpfen. Da konnte leider auch der Auftritt auf dem Eiffelturm wenig dran ändern. 4 Punkte.

Manu: Sorry Douze Points und allen anderen, die diesem Beitrag etwas abgewinnen können. Aber das ist für mich mal gar nichts. Auch die überarbeitete Version macht den Song nur unwesentlich erträglicher für mich. Spätestens beim ersten Refrain möchte ich dieses zutiefst kitschige Lied einfach nur noch stoppen. Tom Leeb mag singen können und auch die richtige Optik mitbringen. Aber das schreit für mich nach dem letzten Platz: 1 Punkt.

Max: Ich glaube, das Problem bei dieser Nummer ist, dass sie doch ziemlich verstaubt rüberkommt. Da konnte auch der „Revamp“ wenig verändern, es bleibt eine nette Schnulze, bei dem der Französisch-Englisch-Mix leider zu gewollt rüberkommt. Klar kann Tom Leeb als Typ punkten, aber das können andere mit besseren Liedern auch… wäre im letzten Viertel des Scoreboards gelandet und da war ich wohl gnädig. 2 Punkte.

Peter: Hier triefen die ESC-Klischees nur so – und das meine ich liebevollst im allerbesten Sinne. Man spürt sofort, dass „Mon Aliée“ für den Contest handgeklöppelt wurde – und mir gefällt’s (nicht nur deshalb) großartig – wunderschön pathetisch umgesetzt speziell im Eiffelturm-Video, wobei mir der Französisch/Englisch-Mix in der Revamp-Version noch besser gefällt. Tom hat eine sanfte, ganz leicht angeraute Schmachtstimme, das verleiht dieser radiotauglichen Kuschelballade einen zusätzlichen Kick. Kann man gar nicht oft genug hören. 12 Punkte

Gesamtpunktzahl: 36/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Mon alliée“ auf Platz 34 von 41.

Wie hätte der französische Beitrag "Mon alliée" von Tom Leeb abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane
(26) Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Albanien: „Fall From The Sky“ von Arilena Ara
(28) Armenien: „Chains On You“ von Athena Manoukian
(29) Bulgarien: „Tears Getting Sober“ von VICTORIA
(30) Dänemark: „YES“ von Ben & Tan
(31) Finnland: „Looking Back“ von Aksel
(32) Georgien: „Take Me As I Am“ von Tornike Kipiani
(33) Lettland: „Still Breathing“ von Samanta Tīna
(34) Portugal: „Medo de sentir“ von Elisa
(35) Schweiz: „Répondez-moi“ von Gjon’s Tears

Gesetzt fürs Finale

(36) Deutschland: „Violent Thing“ von Ben Dolic


54 Kommentare

    • Nachdem Frankreich in den letzten Jahren recht gute Beiträge hatte, haben sie sich dieses Jahr vollkommen verhauen. Sie engagierten den erfolgsverwöhnten schwedischen Songwriter & Produzent Thomas G:son. Er hat mit seinem Team einen Song zusammengeschustert, welche „nicht Fisch, nicht Fleisch“ ist. Es scheint so, dass die beste Zeit für Thomas G:son vorüber ist.

      Wie heißt es doch in Künstlerkreisen:
      Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist.

      Aller Respekt für Thomas G:son!

  1. Sorry Douze und Peter, aber ich muss mich da wirklich dem Rest anschließen. Eine fürchterlich kitschige und seichte Schmalzballade nach der man sich fühlt als ob man zu viel Schokotorte gefuttert hätte. Da kann ich leider gar nichts positives dran finden.

  2. Könnte mir mal jemand den begriff“instant-appeal“erklären?
    Und optik 4/5? Dito wie ben dolic😂
    Dieser song ist sowas von esc, das muss man als alter esc-fan einfach lieben. Favorit für den gp. schwarzes rössle

  3. Guilty pleasure hoch 10! Tatsächlich einer meiner Lieblingssongs dieses mauen Jahrgangs. Oui, das ist kitschig. Oui, das ist ganz einfach komponiert. Oui, der schöne Tom hat mein Herz und meinen Verstand schmelzen lassen.

  4. Das roch bereits in der Originalversion nach Angstschweiß. Es ist die Furcht jener vier Fünftel der Big Five, die ihre automatische Finalteilnahme nicht mehr argumentieren können – allein Italien steht da derzeit drüber. Im Revamp verdichtet sich der Geruch.
    Würde „The Best In Me“ für ein Land mit kleiner Musikszene starten, es wär‘ kein Malheur aus meiner Sicht. Es wäre harmonie(n)süchtig, süßlich – ein Wackelkandidat im Semi. Alles gut, alles erlaubt.

    Wenn eine Große Fünf, gar eine „Große Nation“, dafür ihren Vorentscheid streicht, ist es bizarr, auch kulturpolitisch.
    Mit dem Finger auf „Mon Alliée“ zu zeigen, ist deshalb erlaubt. Bei „Roi“ war es das nicht – denn egal, wie man dazu stehen mag, es hatte Rückgrat. „The Best In Me“ ist ein belangfreies Wendehalslied, das in Tom Leeb einen auf links gedrehten Interpreten gefunden hat.
    So was sollte nicht von Haus aus fürs Finale gesetzt sein, auch nicht, wenn es ohnedies rechts unten landet.

    Automatische Quali tut dem Grand Final selten Gutes. Und den Big Five selber ebenso wenig, sie macht bloß unnötig Druck. Vielleicht kapieren die fünf das irgendwann.

  5. Singer-Songwriter, Song auf Englisch, dazu noch Thomas G:Son und das Kippen des tollen Vorentscheids „Destination Eurovision“, Frankreich hatte wirklich beste Voraussetzungen, in diesem Jahr bei mir ganz hinten zu landen.

    Was für eine positive Überraschung war dann die Veröffentlichung dieses Songs! Eine schöne Grand-Prix-Hymne, die so gar nicht nach dem klingt, was Tom Leeb bisher veröffentlicht hat! Leider kann man das von dem Gitarren-lastigen Revamp nicht mehr sagen. Am besten wäre es gewesen, er hätte die ursprüngliche Version ganz auf französisch gesungen.

    Meine Punkte hier stehen für die Originalversion, in der dieses Lied für mich der beste Beitrag der 6 fürs Finale gesetzten Länder gewesen wäre (für den Revamp würde ich 2 Punkte abziehen):

    8 Punkte (von 12)

  6. Also am Anfang fand ich den Song total altbacken und schmalzig. Aber Tom mit Gitarre hat mich umgehauen. So ist für mich aus dem Schmalz aus Schweden mit dem französischen Baguette ein richtig leckeres Schmalzbrot geworden. 10 Punkte. 12 hätte er bekommen wenn er ganz in französischer Sprache gewesen wäre

  7. Dieser Song ist ein Schmachtfetzen, das stimmt..Er ist kitschig, das stimmt auch aber die Kombination zwischen dem Song und Tom Leeb ist einfach perfekt…und ich bin mir sicher das der Song einen guten Mittelplatz belegt hätte, und das auch zu Recht ….Frankreich 8 Punkte

  8. Zugegeben, anfangs fand ich „The Best in Me“ doch recht schnulzig, wobei jetzt nicht sooo schlecht, wie viele
    Mitkommentator/innen. Aber mittlerweile gehört er zu meinen diesjährigen Lieblingstiteln. Toms Stimme fand ich ja schon immer toll.
    Kitchig ohne Ende, aber ich liebe es😍.
    Aber ich glaube, mehr als hinteres Mittelfeld wäre für Frankreich nicht drin gewesen, schade. Den Song hätte ich gerne auf der Bühne gesehen. Vielleicht hätte er auch durch eine schöne, stimmungsvolle Präsentation überrascht.

    • Muss mich etwas korrigieren: Er scheint ja mittlerweile doch besser anzukommen, als anfangs, zumindest bei den Mitkommentator/innen. Freut mich🙂.

  9. Ich find’s in allererste Linie langweilig. Nicht unangenehm (in der Original-Version, den Revamp finde ich schlimm), aber eben total egal. Und dieses Lavieren, dieses Anbiedern des Revamps – ekelhaft. Steht halt wenigstens dazu, ist doch okay! Aber so … meh.

  10. Ich schließe mich Peter und Douze Points an. Es ist ein wunderschönes Lied, das niemals ganz hinten gelandet wäre. Ich liebe auch beide Versionen davon, da beide kitschig sind und ich sowas echt mag.
    Das hätte richtig überrascht im Mai!

  11. Eine Nummer wie diese hier ist exakt der Grund, warum ich den ESC nicht mehr ernstnehmen kann und will. Und warum ich auch nicht böse über die Absage bin. Wenn man so eine Nummer aus dem Baukasten schickt und dazu einen Interpreten, der sich verbiegt, dann verliert diese Show einfach noch mehr an musikalischer Relevanz als ohnehin schon.

    Nirgendwo auf der ganzen Welt hätte so einen Nummer Chancen, ein Hit zu werden und im Radio gespielt zu werden. Sowas findet einfach außerhalb des ESC nirgends statt.
    Deswegen kann man das Lied natürlich trotzdem mögen. Keine Frage. Unterschiedliche Geschmäcker und so. Aber ich wüsste echt nicht, warum man seine kostbare Lebenszeit mit so einem seelenlosen Gedudel verplempern sollte. Es taugt ja in seiner Schlichtheit nichtmal zum Guilty Pleasure.

    • Da ich halt ein Mensch „ohne Herz “ bin, dem der schweizer Beitrag 2020 nicht besonders gefällt, bin ich nun mal für „seelenloses Gedudel“ wie dieses hier anfällig 😉

      „Nirgendwo auf der ganzen Welt hätte so einen Nummer Chancen, ein Hit zu werden und im Radio gespielt zu werden. Sowas findet einfach außerhalb des ESC nirgends statt.“

      Das mag sein, spricht aber nicht gegen den Song. Wegen Liedern, die man überall im Radio hören kann, bin ich nicht Grand-Prix-Fan geworden.

      • @Thomas:
        Aber wenn ESC-Songs außerhalb der Show nicht funktionieren, nicht im Radio gespielt werden, nicht zu Chart-Erfolgen werden: dann verliert diese Musik-Show ihre musikalische Relevanz.

      • Ne andi, da muss ich dir ausnahmsweise wiedersprechen. Bestes diesjähriges beispiel…..gjon. ich vermute, das répondez-moi , auch wenn er gewonnen hätte, kaum in irgendwelchen charts aufgetaucht wäre und auch kein riesen-radiohit geworden wäre. Ein reiner wettbewerbs-song, nur darauf konzipiert an einem abend live zu funktionieren

      • Andi, ich denke der Anteil der vielen Millionen Zuschauer, die sich den ESC wegen musikalischer Relevanz anschauen, dürfte eher gering sein. Viele genießen einfach diese spezielle Atmosphäre eines Abends mit Liedern, die man in der großen Mehrzahl nicht mehr zu hören bekommen wird (es sei denn, man lädt sie sich direkt danach herunter, was ja auch recht viele tun) und genießen es einfach, sich einen oder mehrere Favoriten für diesen Abend zu suchen, mit dem/denen man bei der Wertung dann mitfiebert.

      • Daher kann ich auch diese Euphorie vieler Fans hier über „moderne“, „zeitgenössische“, „auch außerhalb der Bubble funktionierende“, „chartskompatible“ Titel meist nicht nachvollziehen. Wenn wir nur noch solche Titel beim ESC hätten, dann würde diese Veranstaltung ihren Reiz völlig verlieren und ich könnte sehr gerne darauf verzichten.

      • Wenn aber die musikalische Relevanz wegfällt, werden wir nur noch Barker- oder Milanov- oder G:son-Songs hören. Ich hätte aber auch mal Künstler/Songschreiber/Produzenten dabei, die bis dato nie was mit dem ESC am Hut hatten. Und die kriegt man nur, wenn die sehen: okay, ein ESC-Song hat auch die Chance, ein großer Hit zu werden.

        Und, ja, hier und da springt ja auch ein respektabler nationer Erfolg bei raus. Aber die Zeit der großen europäischen Hits ist vorbei. Der ESC war doch früher auch immer wieder ein Sprungbrett, um große europäische Stars hevorzubringen. Und dazu fällt mir nicht nur ABBA ein. (Die sogar Weltstars wurden.) Das seh ich derzeit nicht. Was aber auch nicht nur die „Schuld“ des ESC ist, sondern vor allem sicher auch an der Vergrößerung des Musikmarktes liegt.

        Und, nein, ich will auch nicht nur massenkompatible Songs beim ESC. Ich will aber auch keinen Wettbewerb, in dem nur Songs dargeboten werden, die extra für den ESC und für diesen einen Abend geschrieben wurden und auf den schnellen Erfolg in der Bubble abzielen. Ich will Vielfalt. Celebrate diversity und so weiter. Und dazu gehört eben auch, dass durch (Radio-)Hits vorher eine Aufmerksamkeit für den Wettbewerb erzeugt wird.

      • „Und, nein, ich will auch nicht nur massenkompatible Songs beim ESC … Ich will Vielfalt.“

        Volle Zustimmung! Für mich stehen aber G:Son früher und Milanov heute genau für diesen Verlust am Besonderen des ESC, für Massenkompatibilität und Chartsanbiederung und eben auch für Verlust an Vielfalt (im Unterschied z.B. zu den Beiträgen aus Lettland und der Ukraine in diesem Jahr).

      • Wird Milanov denn nicht gerade von vielen dafür gefeiert, dass er anscheinend „coole“, „zeitgenössische“ Songs liefert? Ich könnte mir vorstellen, dass es bei G:Son zu „Euphoria“-Zeiten ähnlich war (wobei ich damals den Prinz-Blog nicht kannte).

      • @Thomas M.
        Und wieviele dieser Milanov-Songs schaffen es zu Hits zu werden?
        Natürlich schreibt er massenkompatible Songs und er hat den ESC damit auch ein Stück weit in die Neuzeit geholt. Der ESC war ja schon immer Jahre hinterher, was musikalische Trends anging. Und das ist ja auch was, was den Reiz dieser Veranstaltung ausmacht.

        Aber der Musikmarkt ist halt so schnelllebig geworden, dass der Wettbewerb halt tatsächlich insofern Relevanz braucht, damit er für den Musikmarkt interessant ist. Sonst schmort halt, das wollte ich ausdrücken vorhin schon, der ESC in seinem eigenen Saft ohne Einflüsse von außen.

      • „Der ESC war ja schon immer Jahre hinterher, was musikalische Trends anging. Und das ist ja auch was, was den Reiz dieser Veranstaltung ausmacht.“

        Es freut mich, dass wir das ähnlich sehen 🙂

        „Sonst schmort halt, das wollte ich ausdrücken vorhin schon, der ESC in seinem eigenen Saft ohne Einflüsse von außen.“

        Ich verstehe schon was Du meinst. Aber man kann doch auch Einflüsse von außen bekommen, ohne sich am Musikmarkt auszurichten, der doch besonders in Deutschland m.E. gerade sehr eintönig ist (was nicht immer so war). Wenn ich nur sehe, wie viele tolle Songs es in diversen internationalen Vorentscheidungen auch dieses Jahr wieder zu hören gab, dann finde ich schon, dass man da von Vielfalt und nicht von „im eigenen Saft schmoren“ sprechen kann.

        Zurück zu Tom Leeb: Ich geb‘ ja zu, der Beitrag klingt wie eine typische ESC-Ballade von früher, originell ist in der Tat etwas Anderes. Aber ich sehe traditionelle Grand-Prix-Hymnen eben auch als Beitrag zur Vielfalt, es ist ja nicht so, dass wir beim ESC ausschließlich solche Titel präsentiert bekämen und wo sonst sollen wir sie zu hören bekommen, wenn nicht beim ESC?

        Übrigens finde ich Songs, die außerhalb des ESC in den Charts Erfolg haben, nicht grundsätzlich schlecht, „Euphoria“ gefällt mir z.B. sehr gut, ebenso wie die britischen Nummer Einsen „Puppet on a string“, „Making your mind up“, „A little peace“ und noch viele weitere 😉

      • @Thomas M.
        Ich meinte auch nicht die musikalische Vielfalt in den VEs oder beim ESC. Dies ist ja meist gegeben an einem Finalabend. Das ist für mich der Reiz des ESC.

        Mit „Einfluss von außen“ meinte ich tatsächlich schon, dass sich auch mal popkulturell angesagte Künstler diesem Wettbewerb stellen. Denn wenn wir ehrlich sind, haben Frau Barker und Herr Milanov (um mich an den beiden unbeabsichtigt weiter abzuarbeiten) da doch ungleich erfolgreichere Kolleginnen und Kollegen.
        Wenn ich das mal für den deutschen Musikmarkt runterbrechen darf: wenn hier nunmal grad Deutsch-Rap angesagt ist, darf das doch auch mal beim ESC Platz finden. Oder zumindest in einer VE. Warum schreibt Peter Plate nichts (mehr) für den ESC? Oder Tim Bendzko? Das ist ein erfolgreicher Teil unserer deutschen Musikszene. Oder halt meinetwegen Sasha, wo ich ihn grad im TV sehe.
        Wenn die merken würden, dass es kein Nachteil ist, zum ESC zu fahren und dort vielleicht nicht Vierter sondern Siebzehnter zu werden, würden sie es vielleicht tun. Wenn sie merken würden, dass man mit einem ESC-Beitrag mindestens einen nationalen Erfolg haben kann, würden sie es tun. Aber das ist halt grad alles nicht da.

        Ich hatte da viele Hoffnungen in das radiokompatible „Violent Thing“ gesteckt. Aber das ist ja chartsmäßig leider ein Vollflop, obwohl das modern und catchy ist. Liegt es an Ben? Liegts am piefigen ESC-Stallgeruch? Weiß ich nicht. Aber Milanov wäre eine Chartplatzierung vermutlich eh egal gewesen, weil ich das Gefühl habe, der lebt eh nur mit seinen Songs für den einen Abend. Das ist ja auch erstmal okay, weils ein WEttbewerb ist, den man gewinnen muss. Aber einen Hit pro Jahrgang (man will ja bescheiden sein) verträgt der ESC allemal.
        Vielleicht wäre es das isländische Ding geworden. Werden wir jetzt nicht mehr erfahren.

  12. Also gestern haben wir bei ESCunited das Finale „unseres“ forumsinternen ESC abgehalten, und da ist dieser Song auf Platz 24 versandet!! Gewonnen hat der Beitrag aus der Schweiz.

    Ich war in der deutschen Jury.

  13. Mit den französischen Beiträgen ist das immer ein Aufundab. Es gab Jahre guter Lieder, dann Jahre schlechter Lieder. Dazwischen gab es nie etwas. In den letzten Jahren waren ihre Beiträge gut, jetzt scheint die Kurve wieder nach unten zu gehen.

  14. Es ist alles schion gesagt worden; wie Madonnas Auftritt beim letzten ESC ist Frankreichs Song dieses Jahr ein tiefer Absturz.
    Und Optik 4/5 wie Ben Dolic? LOL.

    • Täusche ich mich oder kann es sein, dass Madonna nach ihrem katastrophalen ESC-Pausenact-Auftritt nicht mehr öffentlich aufgetreten ist oder „gesungen“ 😉 hat?

      • Ich meine mein Kumpel in London hatte sie da gesehen (Palladium?) – mit dem Singen wars aber wohl nicht so dolle ;-).

  15. „Mon alliée (The Best In Me)“ ist die perfekte musikalische Umsetzung von Tante Gertruds leicht verschlissenen, geblümten Sofakissen. Wenn ich das Lied höre, fühlt es sich an als müsse ich dabei zusehen, wie sich Staub auf dem Kissen sammelt. Es handelt sich hierbei also nicht um einen Fall von „Schwarz zu Blau“, sondern um die Spielart „Rosa zu Grau“. Grauenvoll.

    • Schleimig. Kitschig. Billig. Altbacken. Anbiedernd. Das einzig Positive an diesem ‚Opus‘ ist der attraktive Sänger. Deshalb kann ich die eine oder andere hohe Punktzahl auch nachvollziehen. Schöne Menschen haben es bekanntlich schwer im Leben und zählen auf unsere Solidarität. Monsieur Leeb hätte im Originalvideo noch eine Baskenmütze aufsetzen sollen und ein Baguette in der Hand halten sollen. Für die, denen das mit dem Eiffelturm zu subtil war. Auf mich wirkte das Video wie eine nicht ernstzunehmende Persiflage. Désolée!

  16. Ich bin leicht schockiert ob der vielen positiven Kommentare hier 😉 Ein ganz schlimmes schmalziges Machwerk ohne irgendetwas besonderes. Wirklich schade, dass Frankreich sich hier so von den Namen der Komponisten hat blenden lassen und dass Tom Leeb sich bereit erklärt hat, seinen Ruf derart zu ruinieren. Es gib wenig, was das hier vor dem letzten Platz bewahrt hätte. Ich möchte Destination Eurovision zurück 🙁

    Platz 38 von 41

    • @Anmey

      Falls es dich tröstet: Beim forumsinternen ESC gestern bei ESCunited hat dieser „Song“ 0 Punkte von den Jurys bekommen, am Ende reichte es für Platz 24, lediglich Spanien und Uk waren noch niedriger platziert.

  17. Naja ESC Fans sind nicht immer auf der richtigen Spur. Zu dem Song. Erinnert mich stark an Disney Song aus Hercules Go the distance von Michael Bolton. Ok schon arg angestaubt aber beim ESC wäre der Titel definitiv nicht versandet. Ich denke sogar er hätte deutlich besser abgeschnitten als die hochgelobten Beiträge der letzten Jahre….

  18. In seiner Heimat interessiert sich kaum einer für dieses Lied. Das wäre auch beim europäischen Liederwettstreit in die Culottes gegangen. Zu konventionell und altbacken.

  19. Ich finde es faszinierend, für was sich Menschen alles begeistern können. 😉 Ich denke, dass größte Problem, was zwischen mir und dem Lied steht, ist, dass ich 30 Jahre zu jung dafür bin. Naja, Lückenfüller muss es beim ESC schließlich auch geben. Ich finde den Beitrag nicht furchtbar, lediglich furchtbar uninteressant. Immerhin ein positiver Aspekt: Es ist besser als „Roi“. Selbst als jemand, der „Destination Eurovision“ nur mit Ohrenstöpsel überlebt hätte, muss ich sagen, dass der Wechsel in eine interne Auswahl nicht die klügste aller Ideen war.

    Prognose: Platz 21-26 (*vielleicht* hätte es im Televoting ein paar mehr Pünktchen gegeben. Vielleicht…)
    Meinung: Platz 39/41 (2 Punkte)

  20. Klar ist das typisch ESC, kitschig und hoffnungslos altbacken, scheissegal, ich mag das, und in der überarbeiteten Version sogar noch einen Ticken mehr. Wird auch daran liegen, dass mir die G:son Nummern sehr oft gefallen. Tom hat eine total angenehme Stimme, das reicht für 8 Punkte. Und wem es nicht gefällt, statt aufregen, wie schrecklich das ist, hilft auch einfach nur abschalten😉 mach ich ja bei dem ein oder anderen Lied dieses Jahrgangs auch…

  21. Also ich bin ja zumeist ein stiller Mitleser auf ESC kompakt, allerdings fühlte ich mich beim Lesen des Kommentares von Douze Points genötigt, in die Tasten zu hauen: Ich bin zu 100 % seiner Meinung!

    Klar ist ‚The Best in Me‘ eine Komposition simpler Machart, hat bis auf die Strophen quasi nichts Französisches an sich und trieft nur so von Schmalz. Und dass viele ESC-Enthusiasten darin ein Verbrechen am Grundgedanken des Contests sehen, kann ich ihnen auch nicht verübeln.

    Allerdings kratzt so etwas die Mehrzahl der Zuschauer in der Regel nur wenig und ich bin felsenfest davon überzeugt, der Titel wäre eine der Überraschungen beim ESC-Finale geworden. Kein Siegertitel, aber definitiv auch kein Kandidat für ganz hinten. Dazu hat ‚The Best in Me‘ einfach zu sehr das Zeug, mit einer gekonnten Inszenierung den nötigen Instant Appeal zu erzeugen, den es eben genau in einer solchen Situation braucht. Eine schmalzige Umsetzung auf der Bühne, ein gut aussehender Interpret und eine Instrumentalisierung, die Ohrwurmcharakter besitzt. Kleiner Wehrmutstropfen ist da nur die Revamp-Version, die nicht genau weiß, was sie sein will.

    Ich finde es kitschig, ich finde es berechenbar, ich liebe es! So etwas funktioniert weder im Radio, noch in den Charts – dafür aber an einem Samstag im Mai. France – 12 Points!

  22. Ich gehöre ja zu der Minderheit hier, die die Ur-Version sehr gelungen fand, vielleicht gerade, weil sie so kitschig war und alle denkbaren ESC-Klischees bedient hat. Damit wäre zwar kein Blumentopf zu gewinnen gewesen, aber ich glaube es wäre auch nicht das große Desaster geworden, das hier einige prophezeit haben. Als die Gerüchte aufkamen, dass Frankreich eventuell noch mal etwas ändern wolle, hab ich schon das Schlimmste befürchtet. Panic-Mode. Dachte man etwa, man würde von dem französischen Beitrag aus der Schweiz deklassiert werden? Panik-Modus geht selten gut. Und als ich dann die neue Version gehört habe, war ich entsetzt. Das war genau das, was angesichts des vermuteten Panic-Modes zu erwarten war. Im Eilverfahren scheint man schnell noch mal einige Teile des Textes auf französisch umgeschrieben zu haben und hat sich schnell was einfallen lassen, da den gröbsten Kitsch und die schlimmsten ESC-Klischees rauszunehmen. Und raus kam dabei etwas, was nicht nur langweilig ist, sondern vorne und hinten nicht zusammen passt. Dieses Lied war in Gänze auf ESC-Klischees geschrieben und das hat es auch sehr gut gemacht und Tom Leeb – egal was ansonsten im Einklang mit seinem sonstigen Schaffen stehen mag – hat das sehr charismatisch verkauft. Dass man da nun herumgedoktert hat, hat nur dazu geführt, dass da nun gar nichts mehr passt. Für mich hart aus der Top 10 gefallen und wäre nun ein Kandidat für die hintersten Plätze. Eine banale Singer & Songwriter Nummer. Das ist so ziemlich der schlechteste Revamp, den ich je beim ESC gehört habe. Bei Eneda Tarifa hat die Transformation immerhin zu geilem Trash geführt, aber das hier ist gar nichts. Weder Fisch, noch Fleisch und es strömt nur Unsicherheit und Banalität aus. Frei nach Alexander Rybak: „That’s how you don’t revamp a song.“

    • Aber nein, wenn schon, dann volles Programm, also die „Urversion“ 🙂 Dem Klischeetriefenden konnte ich etwas abgewinnen, wenn auch nicht ohne eine gewisse (Selbst-)Ironie; ich bin ja ganz gerne mal ein verkitschter ESC-Nostalgiker. Der Revamp ist wirklich das Schlimmstmögliche, eine Panikattacke.
      Mit Tom Leeb hatte ich immer meine Probleme, das war mir stets zu sehr „Drei Minuten Ruhm – mache alles“. Aber auch dazu hätte die Originalfassung besser gepasst 😉

  23. Gesang: Angenehm ++ Raucht er? ++ Zurückhaltend ++ Zu wenig Luft in den Lungen
    Melodie: Klassische Ballade ++ James Bond ++ Titanic ++ Emma
    Gesamt: Restaurantmusik ++ Zu wenig Oktaven ++ Sparsam komponiert ++ Wir spielen besser
    Chancen: Ähm … wie ging der Song mal ++ Nur frisch rasiert ++ Nur mit mehr nackte Haut ++ Tschüß
    Optik: Supermarktkunde ++ Nö, ich stehe nicht auf ältere Typen. ++ Dito ++ Er ist bestimmt ein treuer Kerl.

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