ESC-Songcheck kompakt 2022 (34) – Schweden: „Hold Me Closer“ von Cornelia Jakobs

Foto: eurovision.tv

Nach einem Jahr Abwesenheit waren in diesem Jahr wieder Zuschauer zum Melodifestivalen zugelassen und die letzten Shows (und damit auch das Finale) konnten sogar in der Friends Arena in Stockholm stattfinden. Dort siegte Cornelia Jakobs mit ihrer Ballade „Hold Me Closer“ vor Anders Bagge. Für Cornelia geht es am 12. Mai im zweiten Halbfinale in Turin von Startplatz 17 ins Rennen, wo sie sich zunächst die Finalteilnahme am 14. Mai sichern muss.

Cornelia Jakobs nahm 2022 zum ersten Mal als Solokünstlerin am Melodifestivalen, der schwedischen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest, teil. Auf der Melodifestialen-Bühne stand sie zuvor aber schon mit der Girlband Love Generation 2011 und 2012. Ihre Karriere nahm 2008 nach einer Audition beim schwedischen Idol Fahrt auf, wo sie unter anderem vor Juror Anders Bagge sang. Während sie damals den Durchbruch nicht geschafft hat, sind ihr 2022 Platz 1 in den schwedischen Charts, über 13 Millionen Streams allein auf Spotify und der Status als einer der (Fan- und) Wettfavoriten beim diesjährigen ESC bereits nicht mehr zu nehmen. Seit 2018 veröffentlicht Cornelia eigene Musik; der (abgesehen von ihrem ESC-Titel) bisher erfolgreichste ist „All This Gold„.

Der Song

Das Lied „Hold Me Closer“ wurde von Cornelia selbst sowie von Isa Molin und David Zandén geschrieben. Die Ballade handelt von einer hoffnungslosen Liebe, auf die sich Cornelia aber trotzdem einlässt, nur um noch eine gemeinsame Nacht mit ihrem Partner zu genießen, auch wenn die beiden sich danach trennen müssen. Der Auftritt beim Melodifestivalen ist von einer starken Interaktion mit den Kameras und dem Publikum geprägt. Der gesamte Auftritt ist reduziert gehalten und spielt vor allem mit grünen und roten Farbelementen.

Der Check

Song: 4/5 Punkten

Stimme: 5/5 Punkten

Darbietung: 4/5 Punkten

Instant Appeal: 4/5 Punkten

Benny: Super starker Song, der ein richtig starkes Gefühl transportiert und dafür genau die richtigen Worte findet. Allerdings gefällt mir die bemüht unbemühte Inszenierung überhaupt nicht, da darf die Delegation gerne nochmal ran. 12 Punkte.

Berenike: Ich habe eine Weile gebraucht, um mit dem Song warm zu werden und habe am Anfang den Favoritenstatus von Cornelia im Mello nicht verstanden. Das hat sich mittlerweile aber vollkommen geändert. Inzwischen mag ich den Song sehr und ich habe das Gefühl, er hat das Potential noch weiter nach oben in meinem Ranking zu klettern. In ihrer Stimme schwingt etwas mit, das mich emotional tief erreicht, besonders wenn ihre Stimme leicht kratzig wird. Ihr Gesang ist für mich gewissermaßen das genaue Gegenteil zu Ochmans: perfekt unperfekt. Und endlich kommt einmal etwas nicht vollkommen Glattpoliertes aus Schweden. 8 Punkte.

Douze Points: Natürlich bin ich hier voreingenommen. Und Cornelia Jakobs hatte uns schon mit dem ersten Snippet am Haken. Aber so richtig haben wir uns damals noch nicht getraut, ihr wirkliche Chancen zuzusprechen. Am Ende hat sie sich verdient den Mello-Sieg geholt. Ich mag wirklich ihre Stimmfarbe, auch wenn sie mir live manchmal zu brüchig vorkommt. Und der Auftritt ist mir dann doch zu sehr „Ein Kessel Buntes“ aus dem Friedrichstadtpalast anno 1984. Ich hoffe, dass da noch was Besseres für Turin kommt. 10 Punkte.

Flo: Cornelia Jakobs bringt Schweden in diesem Jahr zurecht wieder in die Waagschale. „Hold Me Closer“ besticht vor allem durch die Vulnerabilität und Emotionalität, die Cornelia mitbringt. Oft genug erleben wir perfekt inszenierte Beiträge, die dann über das Ziel hinausschießen. Cornelia macht das Gegenteil und wirkt dadurch authentisch und nahbar. Zudem ist es für mich einer der wenigen Songs, die live stärker sind als in der Studioversion – gute Voraussetzungen für Turin. 10 Punkte.

Manu: Spätestens bei der zweiten Strophe war für mich klar, dass Cornelia das diesjährige Melodifestivalen gewinnen würde und ich war am Ende erstaunt, wie knapp sie das „nur“ schaffte. Ihre nicht unbedingt gute, aber trotzdem interessante Stimme trägt den Hörer durch das hymnenhafte und sehnsüchtige Liebeslied. In der geeigneten Stimmung lädt es zum Weinen oder Kuscheln ein, in anderer Stimmung lässt es einen lauthals mitsingen. Und auch wenn ich kein Fan dieses merkwürdigen drehbaren stoffbezogenem Backgrounds bin und mir insgeheim eine andere Idee für Turin wünsche – das ist hymnenhafter Schlagerpop at its best: 8 Punkte.

Max: Mit Schweden ist wieder zu rechnen. „Hold Me Closer“ könnte unter anderen Umständen auch das ganze Ding gewinnen im Mai. Ich sehe aber andere Länder weiter vorne, was die Siegeschancen angeht. Dennoch würde es mich nicht wundern, wenn Schweden mit Irland gleichzieht in Turin. Gerade geht der Trend beim ESC weg vom makellosen „Schweden-Sound“ und hin zu eher authentischeren Liedern. Den Trend hat mal wohl erkannt, ob gewollt oder nicht. Für mich einer der stärksten Beiträge in diesem Jahr. 10 Punkte.

Peter: In der diesjährigen Balladenflut ragt „Hold Me Closer“ heraus! Warum ist das so? Weil Cornelia nicht nur mitreißend singt, sondern dem Titel mit ihrem glaubwürdigen, akzentfreien Englisch auch internationales Format gibt. Auch der Bogen, den der Titel von einer Ballade zu einem kraftvollen Midtempo-Groover schlägt, verankert „HMC“ stärker im Gedächtnis als den Wettbewerb. Und wahrscheinlich mag ich den Song auch deshalb spezifisch, weil er aus Schweden kommt. 8 Punkte.

Rick: Ich hatte ja nie ein Problem mit den ganzen Robins, Benjamins oder Franses, die uns Schweden in den vergangenen Jahren gegeben hat. Allerdings tut eine eher „künstlerische“ Nummer, die nicht perfekt durchchoreografiert ist, aus dem Melodifestivalen-Land auch mal ganz gut. Cornelia wirkt wie eine Vollblut-Musikerin. Ich liebe ihre Stimme und die Emotionen des Songs. Gepaart mit den Synth-Electro Sounds im zweiten Vers ist „Hold Me Closer“ wirklich etwas Besonderes, das für mich ganz weit oben steht. 12 Punkte!

Gesamtpunktzahl: 78/96 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Hold Me Closer“ auf Platz 6 von 40.

Wie schneidet der schwedische Beitrag "Hold Me Closer" von Cornelia Jakobs ab?

  • Platz 1-5 (71%, 387 Votes)
  • Platz 6-10 (18%, 97 Votes)
  • Platz 11-15 (5%, 26 Votes)
  • Bleibt im Halbfinale hängen (3%, 14 Votes)
  • Platz 16-20 (2%, 13 Votes)
  • Platz 21-25 (1%, 5 Votes)

Total Voters: 542

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Albanien: „Sekret“ von Ronela Hajati
(2) Bulgarien: „Intention“ von Intelligent Music Project
(3) Lettland: „Eat Your Salad“ von Citi Zēni
(4) Litauen: „Sentimentai“ von Monika Liu
(5) Moldau: „Trenuleţul“ von Zdob şi Zdub & Fraţii Advahov
(6) Niederlande: „De Diepte“ von S10
(7) Schweiz: „Boys Do Cry“ von Marius Bear
(8) Slowenien: „Disko“ von LPS
(9) Ukraine: „Stefania“ von Kalush Orchestra

Zweite Hälfte des ersten Semis

(10) Armenien: „SNAP“ von Rosa Linn
(11) Dänemark: „The Show“ von REDDI
(12) Griechenland: „Die Together“ von Amanda Tenfjord
(13) Island: „Með Hækkandi Sól“ von Systur
(14) Kroatien: „Guilty Pleasure“ von Mia Dimšić
(15) Norwegen: „Give That Wolf A Banana“ von Subwoolfer
(16) Österreich: „Halo“ von LUM!X und Pia Maria
(17) Portugal: „saudade, saudade“ von MARO

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Finnland: „Jezebel“ von The Rasmus
(19) Israel: „I.M“ von Michael Ben David
(20) Serbien: „In corpore sano“ von Konstrakta
(21) Aserbaidschan: „Fade To Black“ von Nadir Rustamli
(22) Georgien: „Lock Me In“ von Circus Mircus
(23) Malta: „I Am What I Am“ von Emma Muscat
(24) San Marino: „Stripper“ von Achille Lauro
(25) Australien: „Not The Same“ von Sheldon Riley
(26) Zypern: „Ela“ von Andromache

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Irland: „That’s Rich“ von Brooke
(28) Nordmazedonien: „Circles“ von Andrea
(29) Estland: „Hope“ von Stefan
(30) Rumänien: „Llámame“ von WRS
(31) Polen: „River“ von Ochman
(32) Montenegro: „Breathe“ von Vladana
(33) Belgien: „Miss You“ von Jérémie Makiese


90 Kommentare

  1. Noch extremer überbewertet als „Brividi“ und mein heißester Tipp für den FFF.

    Ihre Stimme muss man schon mögen – und auf Dauer schwingt bei ihrem Gesang eine ähnlich desinteressiert-arrogante Attitüde wie bei Achille Lauro mit. Der Song selbst ist ganz nett, aber eben nicht überragend, das Staging dann doch etwas lieblos.

    Kurzum: Das bringt alle Zutaten mit, um beim Televoting im Zweifel mächtig abgestraft zu werden.

    • Ich finde auch, dass sie irgendwie unsympathisch rüberkommt. Ich könnte mir ein Schicksal wie 2018 vorstellen. Immerhin haben sie ja nicht einmal die Schweden gewählt.

  2. Was mir beim schwedischen Beitrag besonders auffällt:
    Ich habe den Song jetzt mehrfach angehört und dennoch gleich danach wieder vergessen. Die Melodie ist mir einfach nicht in Erinnerung geblieben. Das war in der Vergangenheit gerade bei schwedischen Beiträgen immer der Fall. Nur bei dieser Nummer nicht. Eigentlich kein gutes Zeichen, was den Erfolg beim Televoting angeht. In Schweden hat sie beim Publikum ja auch nicht gewonnen. Wundert mich aber auch nicht….

  3. Aktuell Juri Voting beste 5

    Italy – 115 points
    Spain – 112 points
    The Netherlands – 99 points
    Sweden – 95 points
    Albania – 63 points

    Also läuft alles nach Plan 👍

    • Wenn Du als hauseigenes Enfant terrible, äh … Nonkonformist, dieses Mainstream-Lied schon so gut findest, dann prognostiziere ich die Top 3 in Turin. Mindestens. 😉

  4. Die Performance kommt mir etwas zu kalkuliert vor, ist aber ohne Zweifel einer der besten Songs dieses Jahres…
    Top 3 möglich

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