ESC-Songcheck kompakt 2022 (36) – Deutschland: „Rockstars“ von Malik Harris

Nachdem man in den vergangenen Jahren kein Glück mit den Direktnominierungen hatte, kehrte der NDR in diesem Jahr zu einem öffentlichen Vorentscheid zurück. Unter dem Namen „Germany 12 Points“ – der bereits in der Vergangenheit als Titel gedient hatte – stieg am 4. März das Finale in Berlin. Die sechs teilnehmenden Beiträge wurden zuvor bekannt gemacht und durch die kooperierenden ARD-Popwellen im Radio beworben.

Bei diesem Vorentscheid gab es zudem ein Online-Voting dessen erste Abstimmungsphase bereits am 28. Februar, also eine Woche vor dem Finale, begann. Dieses Online-Voting machte 50 Prozent des Ergebnisses des deutschen Vorentscheids aus und wurde in der Liveshow dann im typischen ESC-Stil (12, 10, 8, 7, 6 und 5 Punkte) einzeln für jeden der beteiligten Radiosender präsentiert. Die übrigen 50 Prozent wurden durch das Televoting während der Show bestimmt. Insgesamt hatte dann hier Malik Harris mit dem Song „Rockstars“ die Nase vorn und löste das Ticket für Turin.

Malik ist 24 Jahre alt und stammt aus Landsberg am Lech in Oberbayern. Einer seiner Großväter war Opernsänger, eine Großmutter Pianistin und sein Vater ist der deutsch-amerikanische Talkmaster Ricky Harris, der besonders Ende der 90er-Jahre einen großen Bekanntheitsgrad erlangte. Mit 13 Jahren begann auch Maliks Karriere, er brachte sich selbst Keyboard und Gitarre bei und coverte bekannte Songs etwa von Bruno Mars oder Eminem.

Später sollte Malik dann sein Studium abbrechen und sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Seine ersten Singles „Say The Name“ (2018) und „Welcome To The Rumble“ (2019) feierten in den Airplaycharts und auf Streamingplattformen erste Erfolge. Seither konnte Malik auf Tour gehen und bedeutende Bühnenerfahrung auf der ganzen Welt sammeln, zudem war er etwa Opener für Künstler wie James Blunt, Alex Clare oder LP. Sein erstes Album „Anonymous Colonist“ ist gerade als „Rockstars Edition“ neu aufgelegt worden.

Im Rahmen seiner Teilnahme am deutschen Vorentscheid war Malik auch zu Gast in einem ESC kompakt LIVE auf YouTube, bei dem er mehr aus seinem Leben, von seiner Karriere und von seiner Motivation für den ESC erzählt hat.

Der Song

„Rockstars“ wurde vom Malik selbst sowie von Marie Kobylka und Robin Karow geschrieben. In dem Lied geht es um die gute alte Zeit, in der alles viel einfacher war oder zumindest einfacher schien. Eine Ode an die Nostalgie, die jeden Menschen früher oder später packt. Dabei warnt Malik den Zuhörer davor, all zu sehr in Erinnerungen zu schwelgen oder sich von Reue über vergangener Entscheidungen zerfressen zu lassen.

Auch musikalisch geht es mit dem Lied etwas zurück in die gute alte Zeit – zumindest in die von Eminem, denn an dessen ruhigeren Stücke und seinen Rap erinnert „Rockstars“. Markant ist der Rap-Teil im Herzstück des Songs, in dem Maliks Sprechgesang immer kraftvoller wird, bis er dann am Höhepunkt wieder ruhiger wird und in den finalen Refrain überleitet.

Das Lied konnte sich in den vergangenen Wochen immer wieder in den Airplay- und Single-Charts platzieren. Mit dem Auftritt beim ESC wird er zudem einen weiteren Boost erhalten und sich gegebenenfalls auch in ausländischen Charts platzieren. „Rockstars“ ist schon jetzt der kommerziell erfolgreichste deutsche ESC-Beitrag seit 2018.

Bei den bisherigen Auftritten war Malik stets alleine auf der Bühne mit seinen Instrumenten. Er arbeitet zudem mit einer Loop-Station wie etwa Ed Sheeran oder ESC-Gewinnerin Netta. Kürzlich wurde bekannt, dass sich daran auch beim Auftritt in Turin nichts ändern wird. Für die Inszenierung des deutschen Beitrags beim ESC 2022 wurde Marvin Dietmann engagiert.

Der Check

Song: 4/5 Punkten

Stimme: 3/5 Punkten

Darbietung: 3/5 Punkten

Instant Appeal: 4/5 Punkten

Benny: „Rockstars“ war hier auf ESC kompakt von Tag 1 der Favorit aus dem Angebot von „Germany 12 Points“ und ich glaube nach wie vor, dass es die richtige Entscheidung war, Malik nach Turin zu schicken. Das vorausgeschickt: Der Beitrag wird es in Turin schwer haben. Es ist ein gutes Lied, aber leider über weite Strecken etwas zu unauffällig (um nicht radio-tauglich zu schreiben) für den ESC. Die Chancen: Der Rap-Part muss richtig zünden und die Inszenierung ein Highlight sein (vgl. Michael Schulte). 6 Punkte.

Berenike: Es gibt durchaus einige Dinge, die ich an „Rockstars“ mag. Mir gefällt die Rauheit, die manchmal in Maliks Stimme mitschwingt, und die mich emotional kurz eine Verbindung aufbauen lässt. Ich finde auch die Stelle gut, an der die Gitarre einsetzt und der Song „aufgeht“. Der Rap-Teil ist mir jedoch viel zu „weich“, um mich emotional abzuholen, daran hat auch Schönhören nichts geändert. Falls Malik es schafft, in den Rap live mehr Druck und Emotionalität reinzubringen, könnte er mich aber noch für sich gewinnen. Vorerst 6 Punkte.

Douze Points: Natürlich ist man immer voreingenommen, wenn es um den eigenen Beitrag geht. Und dann haben wir Malik ja auch als super-sympathischen und sehr begabten Musiker kennengelernt. Der ESC ist aber dann doch ein Komponisten- oder zumindest ein Musikwettbewerb. Und da wird es für „Rockstars“ schwer werden. Maliks schöne und sichere Stimme sowie der intensive Rap-Part sprechen für ihn und seinen Beitrag. Der Rest ist dann aber zu unspektakulär für den ESC (es sei denn, der Auftritt holt noch etwas raus). Ich freue mich, dass Malik auf jeden Fall schon mal in Deutschland einen Hit hat und hoffe, dass zumindest die 1 vor der ESC-Platzierung steht. 7 Punkte.

Flo: „Gefällig“ trifft wohl mein Gefühl mit dem deutschen Beitrag in diesem Jahr. „Rockstars“ funktioniert vor allem als Studio-/Radionummer, mit dem Auftritt beim deutschen Vorentscheid hat Malik aber auch bewiesen, dass er einen bühnentauglichen Song ins Rennen schickt. Wie wir alle wissen, ist an der Performance noch etwas Arbeit nötig. Sollte das gelingen, können wir mit Sicherheit zufrieden sein, unabhängig vom Ergebnis. Und vielleicht klappt es ja auch mal wieder, dass ein deutscher ESC-Song nicht direkt in Vergessenheit gerät – wenn „Rockstars“ im Radio läuft, schalte ich jedenfalls nicht weg 😉 6 Punkte.

Manu: Nachdem der NDR im letzten Jahr immer wieder betonte, wie toll es sei, einen Act samt botschaftsschwangerem Lied gefunden zu haben, der die Zuschauer spaltet, gehen die Verantwortlichen nun den komplett entgegengesetzten Weg und finden mit Malik Harris einen durchaus sympathischen Sänger, dessen „Rockstars“ für den Einsatz auf deutschen Radiosendern aber tatsächlich noch entschärft werden musste. Die Rechnung geht, zumindest was die Radioeinsätze angeht, sogar auf: Maliks angenehme und sehr kommerzielle Stimmfarbe schmeichelt dem Ohr, sein Lied ist unaufdringlicher Pop, der niemanden zum Abschalten bewegt. Beim Song Contest darf er sogar Eminem-like rappen, was zumindest einen Wiedererkennungswert besitzt und den ein oder anderen mit auf seine musikalische Reise nimmt. Das ganze Paket ist nicht unbedingt schlecht, dass war Jamie-Lees „Ghost“ oder Ann Sophies „Black Smoke“ aber auch nicht. Sollte Malik das große Glück haben, rund um Startplatz 20 auftreten zu können, gibt es vielleicht auch den ein oder anderen Punkt. Insgesamt überzeugt mich „Rockstars“ aber leider zu wenig, als das ich mir vorstellen kann, dass Malik damit in die Nähe der linken Seite der Tabelle gelangt. Ich drücke patriotisch die Daumen und hoffe im nächsten Jahr auf jemanden, der den deutschen Vorentscheid endlich in die richtige Bahn lenkt. 4 Punkte.

Max: Es war das beste Lied, das wir im Vorentscheid hatten. Die Verantwortlichen wollten „radiofriendly“ und das haben wir jetzt. Es ist ein gutes Lied, keine Frage. Ich sage immer, dass der Song gesungen von einer internationalen Größe ein Hit werden würde. Aber ein Radio-Hit. Für einen Wettbewerb ist das einfach nicht genug Risiko und als Big-5-Land müssen wir das erst recht eingehen, ein 2018-Kunststück wird nicht immer gelingen. Trotzdem muss man sich weder für das Lied noch für Malik schämen und wer weiß, was in Turin alles drin ist. Von mir gibt es 6 Punkte.

Peter: Ich drücke sehr die Daumen, dass Marvin (Dietmann) hier einen Superjob macht, denn „Rockstars“ braucht eine gleichermaßen wahrhaftige wie aufmerksamkeitsstarke Inszenierung. Der Song selbst ist sicher schnell liebgewonnen und ich feiere, dass Caro Daur ihn bei Insta & Co promoted hat, aber gleichzeitig ist „Rockstars“ kein Track, der so viel Instant Appeal hat, dass er im Televoting oder bei den Jurys durchstarten würde. Der Airplay-Liebling wird sicher mit Sympathie angenommen, hat aber in seiner angenehmen Gefälligkeit nix, was herausragt. Deshalb muss das optisch unbedingt knallen. Weil Malik so ein glaubwürdiger, überzeugender und würdiger Botschafter sein wird und weil „Rockstars“ bei uns im Büro von fast allen gemocht wird, gibt es von mir 7 Punkte.

Rick: Die Produktion von „Rockstars“ ist super. Die Nummer ist super zeitgemäß und Malik ist meiner Meinung nach ein echt starker Rapper und generell einfach ein authentischer Künstler. Ob das reicht, um in einem so großen Wettbewerb herauszustechen, ist schwer zu sagen. Die Inszenierung muss halt wirklich perfekt sein und ich hoffe einfach, dass Malik seine Ideen durchboxt, denn ich denke, dass er weiß, was visuell passen kann. Ich gönne ihm eine gute Platzierung und gebe 7 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 49/96 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Rockstars“ auf Platz 29 von 40.

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Albanien: „Sekret“ von Ronela Hajati
(2) Bulgarien: „Intention“ von Intelligent Music Project
(3) Lettland: „Eat Your Salad“ von Citi Zēni
(4) Litauen: „Sentimentai“ von Monika Liu
(5) Moldau: „Trenuleţul“ von Zdob şi Zdub & Fraţii Advahov
(6) Niederlande: „De Diepte“ von S10
(7) Schweiz: „Boys Do Cry“ von Marius Bear
(8) Slowenien: „Disko“ von LPS
(9) Ukraine: „Stefania“ von Kalush Orchestra

Zweite Hälfte des ersten Semis

(10) Armenien: „SNAP“ von Rosa Linn
(11) Dänemark: „The Show“ von REDDI
(12) Griechenland: „Die Together“ von Amanda Tenfjord
(13) Island: „Með Hækkandi Sól“ von Systur
(14) Kroatien: „Guilty Pleasure“ von Mia Dimšić
(15) Norwegen: „Give That Wolf A Banana“ von Subwoolfer
(16) Österreich: „Halo“ von LUM!X und Pia Maria
(17) Portugal: „saudade, saudade“ von MARO

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Finnland: „Jezebel“ von The Rasmus
(19) Israel: „I.M“ von Michael Ben David
(20) Serbien: „In corpore sano“ von Konstrakta
(21) Aserbaidschan: „Fade To Black“ von Nadir Rustamli
(22) Georgien: „Lock Me In“ von Circus Mircus
(23) Malta: „I Am What I Am“ von Emma Muscat
(24) San Marino: „Stripper“ von Achille Lauro
(25) Australien: „Not The Same“ von Sheldon Riley
(26) Zypern: „Ela“ von Andromache

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(27) Irland: „That’s Rich“ von Brooke
(28) Nordmazedonien: „Circles“ von Andrea
(29) Estland: „Hope“ von Stefan
(30) Rumänien: „Llámame“ von WRS
(31) Polen: „River“ von Ochman
(32) Montenegro: „Breathe“ von Vladana
(33) Belgien: „Miss You“ von Jérémie Makiese
(34) Schweden: „Hold Me Closer“ von Cornelia Jakobs
(35) Tschechien: „Lights Off“ von We Are Domi


99 Kommentare

  1. Ich mag den unseren deutschen Beitrag. Er ist in meiner Top 10. Im Finale sehe ich ihn, und hoffe das es auch so kommt, bei Platz 15 – 20.

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